Qualitätsstandard Sprachförderung Beschreibung der Ausgangslage/ Aufgabe Im Kindergartenjahr 2003/2004 führten wir erstmals gezielte Sprachförderung in Kleingruppen für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf durch. Nach einem sehr aufwendigen Antragsverfahren und der Erfüllung unzähliger Teilnahmebedingungen für das Projekt Sprachförderung der Landesstiftung Baden Württemberg erhielten wir schließlich die Fördergelder. Die Fachkräfte machten dabei positive Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den entsprechenden Kindern und ihren Eltern. Die Fortschritte der Kinder waren Motiv für uns die Sprachförderung ab dem folgenden Kindergartenjahr- auch ohne aufwendiges, bürokratisches Antragverfahren (und somit ohne Fördergelder!) fortzusetzen. (Rechtliche) Grundlagen Orientierungsplan für Bildung und Erziehung für die badenwürttembergischen Kindergärten Bildungs- und Entwicklungsfeld Sprache Seite 90 bis Seite 98.
Dienstordnung für die erzieherisch tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in kirchlichen Tageseinrichtungen für Kinder im Bereich der Evang. Landeskirche in Württemberg Präambel (1) Die kirchlichen Tageseinrichtungen für Kinder erfüllen den im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) bestimmten Auftrag zur Förderung der Kinder (Förderung der Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit durch Betreuung, Bildung und Erziehung) in Unterstützung und Ergänzung zur Familie und den Erziehungsberechtigten. Ihre Arbeit gründet auf dem christlichen Menschenbild. Sie stellt ein spezifisches Angebot innerhalb der Gesellschaft dar. Entschließung zur evangelischen Kindergartenarbeit Evang. Landessynode Württemberg vom 4 März 1994 1.2 Der Auftrag der evangelischen Kirche Das Evangelium gilt allen Menschen, unabhängig vom Alter. Jesus wendet sich auch den Kindern zu. (Markus 10, 13-16; Matth. 18, 1-6). Mit dem Wort: Lasset die Kinder zu mir kommen, zeigt Jesus nicht nur, dass er die Kinder äußerlich im Blick hat; vielmehr will er am Beispiel des Kindes auch die rechte Haltung des Menschen Gott gegenüber verdeutlichen. Kinder sind Gabe Gottes. Die Kirche tritt für eine umfassende Bildung, Erziehung und Betreuung der Kinder ein. 1.3 Schwerpunkte des Auftrags Die ganzheitliche Verantwortung wird wahrgenommen in der Verknüpfung des missionarisch - religionspädagogischen und des diakonischen Auftrags. Der missionarisch religionspädagogische Auftrag zeigt sich in der Vermittlung von biblischen Geschichten, durch Lieder, Gebete, Spiele und bei der Feier kirchlicher Feste. Die heranwachsenden Kinder sollen in ihrer religiösen Entwicklung und in der Entwicklung des Gewissens in Wort und Tat dem Evangelium begegnen. Der diakonische Auftrag zeigt sich darin, dass die Kirche wie andere Träger hier allgemein- und sozialpädagogische Aufgaben übernimmt. In Tageseinrichtungen kommt Kindern eine für ihre weitere Entwicklung und Bildung grundlegende Förderung der individuellen und sozialen Fähigkeiten zu. Solche Förderungen hat sich in den unter 1.1. erwähnten heutigen gesellschaftlichen Bedingungen zu bewähren. Evangelische Tageseinrichtungen für Kinder sind offen für alle Kinder. Dort hat sich ein gutes und bereicherndes Miteinander von Kindern und Erwachsenen unterschiedlicher Konfessionen, Religion und Nationalität entwickelt. So leisten diese Einrichtungen einen Beitrag zur friedlichen Entwicklung und sozialen Stabilität unserer Gesellschaft. Die pädagogische Arbeit hat sich auch in religiös und kulturell gemischten Gruppen zu bewähren. Die missionarisch religionspädagogische Aufgabe Kinder in Inhalte und Formen christlichen Glaubens einzuführen, schließt die Achtung vor Eltern und Kindern ein, die einer anderen Religion angehören.
Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) 1 Recht auf Erziehung, Elternverantwortung, Jugendhilfe (1) Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Person (2) Die Aufgabe umfasst die Betreuung, Bildung und Erziehung des Kindes. Das Leistungsangebot soll sich pädagogisch und organisatorisch an den Bedürfnissen der Kinder und ihrer Familien orientieren. (3) Bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben sollen die in den Einrichtungen tätigen Fachkräfte und andere Mitarbeiter mit den Erziehungsberechtigten zum Wohl der Kinder zusammenarbeiten. (4) Die Erziehungsberechtigten sind an den Entscheidungen in wesentlichen Angelegenheiten der Tageseinrichtung zu beteiligen. Kindergartengesetz für Baden-Württemberg 2 Aufgaben der Einrichtungen (1) Die Erziehung in Kindergärten und Tageseinrichtungen mit altersgemischten Gruppen ergänzt und unterstützt die Erziehung des Kindes in der Familie. Sie soll die gesamte Entwicklung des Kindes fördern. Schwierigkeiten im Aufgabenfeld Der Aufwand zur Beantragung verschiedener Sprachfördergelder ist enorm. Ebenso der Zeitaufwand für Dokumentation der Fördermaßnahmen (einschließlich Abschlussberichte, etc.). Wir führen im Moment zusätzliche Sprachförderung ohne erhöhtes Budget durch. a. Standardbeschreibung Wie machen wir es konkret? Wer ist wie zu beteiligen? Wie ist die Beteiligung sicher gestellt? Wer ist verantwortlich? Wer für was zuständig? b. Prozessgestaltung Festgelegte Verfahren? Vorhandene Formulare und Dienstanweisungen? Ganzheitliche Sprachförderung findet bei uns im Alltag statt. Jedes Kind hat dadurch einen Gewinn. Zusätzlich findet einmal wöchentlich in einer festen Kleingruppe gezielte Sprachförderung in der Schneckensprechstunde statt. Ganzheitliche Sprachförderung im Alltag konkret Die Sprache entwickelt sich auf der Grundlage wechselseitiger Beeinflussung von: Bewegungserfahrung Sinneserfahrung Sozialen-, emotionalen- und kognitiven Prozessen. Zum Beispiel Durch Schaffung von Sprechanlässen (Ausflüge, Feste, Gottesdienste, etc.) Durch intensive Bewegungsförderung Bewegung in Tagesablauf integriert Jeden Tag viele Fortbewegungsmöglichkeiten im Hof Zusätzlich Bewegungsförderung: Turnen Kindergarten + Lindenbachhalle Täglich Lieder mit Bewegung, Fingerspiele, Tänze
Durch Sinnesschulung Tast- und Hörspiele Riech- und Geschmacksübungen und Zubereitung von Speisen Spiele zur Tiefensensibilität Spiele zur Schulung der optischen Wahrnehmung Durch Gespräche (im Freispiel, im Morgenkreis, beim Essen), Geschichten, Bilderbücher, Rollenspiele Durch singen, musizieren und Gebete im Kreis Durch Schulungen der Feinmotorik (basteln, malen, kleben, schneiden, kneten, etc.) Erzieher sind Vorbilder Wir sprechen bewusst deutlich. Wir fördern die Entwicklung einer guten pädagogischen Beziehung zwischen Kind und Fachkraft im Alltag, damit die Basis für jegliches Lernen (in allen Bereichen) gewährleistet ist. Elterngespräche Die Aufnahme eines Kindes in der Schneckensprechstunde erfolgt nach einem Gespräch mit den Eltern, in dem sie der Teilnahme ihres Kindes an der Sprachförderung zustimmen: Inhalt: Sprachstand des Kindes und daraus abgeleiteter Förderbedarf Zielvereinbarung In einem Entwicklungsgespräch wird besprochen: Wer spricht zu Hause in welcher Sprache mit dem Kind? Die Erstsprache des Kindes soll zu Hause gefordert werden. Welche Aufgaben soll und kann der Kiga übernehmen? Was erwarten die Eltern? Wie können Eltern unterstützen? Wenn die Kinder auch zu Hause deutsch sprechen wollen: Zu Hause weiterhin in der Familiensprache sprechen, auch wenn die Kinder deutsch antworten (tolerieren). Informationen über Sprachkurse für Eltern geben Prozessgestaltung Zusätzliche Sprachförderung in der Schneckensprechstunde Für Kinder im letzten Kindergartenjahr mit zusätzlichem Sprachförderbedarf. Die Schneckensprechstunde findet statt: Gruppenübergreifend In der Kleingruppe mit max. 6-8 Kindern Einmal Wöchentlich Dauer: ca. 30-45 Min. Mit einer vertrauten Erzieherin (immer die selbe) In der Regel in einem extra Raum (Ruheraum)
Inhalt der Schneckensprechstunde Beginn und Ende mit einem Ritual (z.b. Lied, Handpuppe). Erarbeiten eines Themas: Zeit zum Erzählen, eigene Berichte von Erlebnissen, Sprachanlässe aufgreifen Spielerische Wortschatzübungen Reime, Lieder, zusammen mit Bewegung und Tanz, verbunden mit Elementen der Psychomotorik Geschichten erfinden, nacherzählen Spielerische Übungen zur Syntax und Grammatik, z.b. zu Präpositionen Rollenspiele zu vorgegebenen oder erfundenen Geschichten Qualitätssicherung Wie wird dokumentiert? Wie wird evaluiert? Inhalte werden wiederholt, variiert, vertieft. Alle Angebote werden unter Einbeziehung möglichst vieler Sinne geplant. Dokumentation und Reflexion: Ermittlung des Förderbedarfs und Zielableitung: Dokumentation von Beobachtungen und Überprüfungen der Förderziele. Austausch mit den Kolleginnen über Beobachtungen, Fortschritte, usw. Qualitätsentwicklung Besser werden durch... Was wir tun um uns bester Fachpraxis anzunähern. Besuch von Fortbildungen. Erstellt: 23.03.2006 Überprüft: Februar 2014