Fragen zur Gemeinschaftsschule



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Transkript:

Fragen zur Gemeinschaftsschule 1. Warum wird Gundelfingen Gemeinschaftsschule? Durch den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung verändert sich die Schullandschaft zunehmend. Klassen werden heterogener, d.h. die Spanne zwischen leistungsschwachen und starken Schülern wird in allen Schulen immer größer. Deshalb macht man sich Gedanken über neue Formen des Unterrichtens. Wir stellen uns dieser pädagogischen Herausforderung. Eine Gemeinschaftsschule bietet wohnortnah den Werkrealschul-, und den Realschulabschluss und eröffnet damit Anschlussmöglichkeiten für das Gymnasium. Gemeinschaftsschulen sind Ganztagesschulen und Gundelfingen hat hierin bereits mehrjährige Erfahrung. Der pädagogische Ansatz einer Gemeinschaftsschule ist allerdings der wichtigste Punkt für die Errichtung der Gemeinschaftsschule in Gundelfingen. Das Kollegium ist überzeugt, dass Gemeinschaftsschulen durch die Individualisierung eine qualitativ bessere und kindgemäßere Form von Lernen bieten und mehr Chancengleichheit durch längeres gemeinsames Lernen garantieren können. Dies bestätigen auch internationale Studien. 2. Welche Schritte mussten für den Antrag zur Gemeinschaftsschule unternommen werden? Die Einführung der neuen Gemeinschaftsschule bedarf der Zustimmung der Gesamtlehrerkonferenz, der Schulkonferenz und des Gemeinderates. Alle Gremien sowie der Elternbeirat der Werkrealschule Gundelfingen haben sich mehrheitlich für den Aufbau einer Gemeinschaftsschule ausgesprochen. Daraufhin hat der Schulträger im Oktober 2013 den Antrag auf Einrichtung einer Gemeinschaftsschule an das Kultusministerium gestellt. 3. Wer kann die Gemeinschaftsschule besuchen? Jeder Schüler kann die Gemeinschaftsschule besuchen. Es werden Schüler mit Gymnasial-, Realund Werkrealschulempfehlung aufgenommen. Im Sinne der Inklusion können nach Beratung auch Schüler mit erhöhtem Förderbedarf aufgenommen werden. 4. Was passiert mit den Schülern, die heute unsere Schule besuchen? Unsere heutigen Schüler werden die Schule wie vorgesehen als Werkrealschüler durchlaufen und beenden. Die Werkrealschule wird ab dem Schuljahr 2014/2015 keine Schüler mehr in die 5. Klasse aufnehmen. Im Schuljahr 2017/2018 werden die letzten Hauptschüler die Hauptschulabschlussprüfung und im Schuljahr 2018/2019 die letzten Werkrealschüler die Werkrealschulabschlussprüfung ablegen.

5. Welche Schulabschlüsse sind an der Gemeinschaftsschule Gundelfingen möglich? In den Lerngruppen werden alle Bildungsstandards angeboten. Entsprechend ihres Leistungsvermögens und ihrer Fähigkeiten können die Schüler und Schülerinnen auch alle Abschlüsse machen. Hauptschulabschluss nach Klasse 9 oder 10 Realschulabschluss nach Klasse 10 Abitur nach dem weiteren Besuch eines allgemeinbildenden oder beruflichen Gymnasiums Schüler von Gemeinschaftsschulen absolvieren die gleichen Prüfungen wie Schüler anderer Schulen. Jede/r hat die Möglichkeit, den für sie/ihn passenden Schulabschluss oder Schulanschluss zu erreichen. 6. Nach welchem Bildungsplan arbeitet die Gemeinschaftsschule? Die Gemeinschaftsschulen arbeiten zu Beginn noch nach dem Bildungsplan der Realschule, gymnasiale Bildungsstandards sowie Standards der Hauptschule werden mit einbezogen. Derzeit wird ein neuer Bildungsplan für Gemeinschaftsschulen erarbeitet. 7. Was kostet die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule in Gundelfingen? Für den Start der Gemeinschaftsschule ist das Raumkonzept ausreichend. Mittelfristige bauliche Maßnahmen, die für die Umsetzung des pädagogischen Konzepts notwendig werden, sind vom Schulträger zugesichert. Eine funktionale Möblierung, geeignetes Lernmaterial, individuelle Schülerarbeitsplätze usw. und auch die Verbesserung der fachlichen Ausstattung, besonders im naturwissenschaftlichen Bereich, wurde zugesagt. 8. Kann das funktionieren, dass Hauptschüler zusammen mit Realschülern und Gymnasiasten unterrichtet werden? Ja sicher! Viele Schüler im In- und Ausland haben dies bewiesen. Selbstverständlich sieht der Unterricht an diesen Schulen nicht so aus, wie viele Lehrer, Schüler und Eltern ihn bisher kennen gelernt haben. Nicht der Lehrer mit seinem Frontalunterricht steht im Vordergrund, sondern das einzelne Kind und sein Lernen. Das eigene Lernen und das kooperative, gemeinsame Lernen der Schüler wird unterstützt und begleitet. 9. Wodurch zeichnet sich der Unterricht an der Gemeinschaftsschule aus? Die Gemeinschaftsschule ist leistungsorientiert. Schüler werden mit ihren persönlichen Voraussetzungen, Fähigkeiten und Interessen wahrgenommen und individuell gefördert. In Anbindung an die internationale Bildungsforschung wird sich die Gemeinschaftsschule u.a. an folgende Kriterien ausrichten: Leitprinzip ist das schüleraktivierende Lernen Das Lernen in kleinen Gruppen ergänzt das Lernen im Klassenverband

Durch schülerorientierte Lernmethoden übernehmen die Schüler immer mehr Lernverantwortung Transparente individuelle Leistungsmessung und regelmäßige Rückmeldung Rhythmisierter Tagesablauf mit Bewegungs- und Ruhepausen Lehrertätigkeit als Lernbegleiter, Coach, Organisator und Lehrer Schüler sollen über ihr eigenes Lernen Wissen und Erkenntnis gewinnen und sich selbst einzuschätzen lernen Kooperatives Lernen in heterogenen Gruppen Auch Lehrer und Lehreinnen arbeiten im Team Berufsorientierung mit Berufswegeplanung und Praktika in unterschiedlichen Lebensbereichen 10. Erfahrungen mit den neuen Unterrichtsformen? Unsere Werkrealschule hat bereits mehrjährige Erfahrung im Ganztagesschulbereich, mit Diagnose- und Kompetenztestverfahren, mit neuen Unterrichtsmethoden, mit Wochenplanarbeit und individuellem Lernen im Lernatelier. 11. Senkt sich das Niveau, wenn so unterschiedlich leistungsfähige Schüler in einer Klasse sitzen? Im Gegenteil, das bestätigen die Ergebnisse von Schulen, die nach dem Prinzip von Gemeinschaftsschulen arbeiten. Vielfalt macht schlauer! Die Schüler erhalten daneben eine besonders hohe soziale Kompetenz, die heute in der Berufsausbildung besonders gefragt ist. (Neben Deutschkenntnissen sind dies aus Sicht der Unternehmen vor allem persönlichkeitsbildende Maßnahmen um Verantwortung zu übernehmen. Sie lernen zielorientiert und zuverlässig zu arbeiten, werden in ihrer Kommunikationsfähigkeit geschult und lernen den Umgang mit Medien. 12. Wann beginnt die zweite Fremdsprache? Wie in der Realschule ab Klasse 6. 13. Wie wird benotet? In einer Gemeinschaftsschule bleibt kein Schüler sitzen. Sollte ein Schüler grundlegende Inhalte seiner Jahrgangsstufe nicht erwerben, wird mit den Eltern das weitere Vorgehen überlegt und besprochen. Der Schüler wird auf seinem Niveau weiter gefördert. Alternativen wie Schulwechsel oder freiwilliges Wiederholen kann in Absprache und auf Wunsch der Eltern erfolgen. Noten können weitgehend durch verbale Beurteilungen oder ein Punktesystem ersetzt werden. Kompetenzraster dienen als Arbeits-, Selbststeuerungs-, Rückmeldungs- und

Bewertungsinstrumente, mit denen Lehrer und Schüler arbeiten. Schüler wissen damit, wo sie stehen und was ihre nächsten Schritte in ihrem Lernprozess sind. Schüler, Lehrer und Eltern erkennen anhand der Kompetenzraster den Leistungsstand, Entwicklungsverlauf und Lernfortschritt. Zum Schuljahreshalbjahr und am Ende des Schuljahres erhalten die Schüler eine schriftliche Information über ihre Leistungen und das erzielte Niveau. Auf Wunsch der Eltern können Noten oder Notentendenzen genannt werden. Damit haben die Schüler auch die Möglichkeit, an eine andere Schule zu wechseln. In den Abschlussklassen gibt es in jedem Fall Noten. 14. Was passiert, wenn ein Kind die Schule verlassen möchte oder eine Familie umzieht? Ein Wechsel ist immer möglich. Die Bildungspläne basieren auf gemeinsamen nationalen Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz. 15. Gibt es dann noch Schulbücher? Ja natürlich, Schulbücher werden weiterhin eingesetzt werden. Es gibt bereits eine große Anzahl an Lehrbüchern für Gemeinschaftsschulen mit differenzierten Aufgabenstellungen. 16. Sind alle Schüler der Gemeinschaftsschule Ganztagesschüler? Ja, die Schüler einer Gemeinschaftsschule sind Ganztagesschüler. Der rhythmisierte Tag mit Lern-, Freizeit-, Bewegungs- und Projektangeboten endet um 15.45 Uhr. Täglich wird ein warmes und kostengünstiges Mittagessen in der Mensa angeboten. Ein vegetarischen Essen sowie ein Salattheke sind ebenfalls im Angebot 17. Sind die Lehrer in der Lage, diese neue Form des Unterrichts zu gestalten? Welche Lehrkräfte unterrichten zukünftig an der GMS Gundelfingen? Das Kollegium der Werkrealschule bereitet sich intensiv auf die Gemeinschaftsschule vor. Das pädagogische Konzept unserer Schule wurde weiter entwickelt, Lehrerteams besuchen mehrtätige Fortbildungen und durch Hospitationen an bereits erfolgreichen Gemeinschaftsschulen erfahren wir, wie erfolgreich die Starter-Gemeinschaftsschulen bereits arbeiten. Wir arbeiten seit zwei Jahren mit selbsterstellten Lernjobs und dazu passendem Material im Lernatelier. Daneben werden auch kooperative Lernmethoden wurden eingeführt. Von Anfang an wird eine Realschullehrekraft beteiligt sein. Auch an die Einbindung einer gymnasialen Lehrkraft ist gedacht. Außerdem unterstützen pädagogische Assistenten und Jugendbegleiter die lernbegleitende Arbeit der Lehrkräfte.

18. Wie könnte ein Stundenplan aussehen? Der Stundenplan muss dem Schüler einen rhythmisierten Tagesablauf garantieren. Bis zur Fertigstellung eines Lehrplans für die Gemeinschaftsschule (Schuljahr 2015/16) wird sich der Stundenplan nach der Kontingentstundentafel der Realschule ausrichten.