Hintergrund. Jugendcoaching



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Transkript:

Jugendcoaching Ein frühzeitiger Schul- und (Aus-)Bildungsabbruch und daraus resultierend geringes Ausbildungsniveau sowie fehlende Schulabschlüsse stellen nicht nur ein persönliches/individuelles Problem für die betroffenen Jugendlichen dar, sondern haben weitreichende soziale, arbeitsmarktpolitische und auch ökonomische Konsequenzen. Gerade bei den Entscheidungen von Bildungswegen benötigen Jugendliche oft Beratung und Hilfe. Das Jugendcoaching (JU) bietet dies. Anhand von Stärken und Fähigkeiten der Jugendlichen sollen nächste Schritte geplant werden und die Jugendlichen möglichst lange im Bildungssystem gehalten werden. Ausgangsposition Jugendarbeitslosigkeit ist in ganz Europa ein wichtiges und ein zunehmend soziales Problem. Die Ausbildung der Jugendlichen stellt hier einen wesentlichen Faktor dar, denn besser ausgebildete Menschen haben ein geringeres Risiko arbeitslos zu werden. Betrachten wir Jugendliche vom Schuljahr 2008/09, wie sie im Folgejahr, nach Beendigung der Schulpflicht, abschneiden, so sehen wir, dass 7,2% keine weitere Ausbildung absolvieren. 5,6% haben sogar einen positiven Abschluss der Sekundarstufe I (Hauptschulabschluss) und machen dennoch keine weitere Ausbildung. Bei den Jugendlichen mit nicht Deutsch als Umgangssprache sind es sogar 13,8%. 9,5% haben hier einen positiven Abschluss der Sekundarstufe I (Hauptschulabschluss), machen aber keine weitere Ausbildung (Statistik Austria 2013). Bildung hat einen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitslosigkeit. Währenden 2011 Personen mit einer tertiären Ausbildung nur zu 2,7% als arbeitslos gemeldet waren, waren es bei Personen mit Pflichtschulausbildung 8,8%. Dieser Unterschied hat sich in den letzten Jahren vergrößert. Besonders junge Menschen sind von Arbeitslosigkeit betroffen. Daraus folgt, dass auch das Armutsrisiko für Personen mit Pflichtschulabschluss höher ist. 21% dieser Gruppe sind armutsgefährdet, während es bei Personen mit Universitätsabschluss nur 6% sind (Statistik Austria 2013). Im Europäischen Vergleich schneidet Österreich bei den early school leavers recht gut ab. Der EU-27 Durchschnitt lag 2011 bei 13,5%; Österreich liegt mit 8,3% verhältnismäßig gut. Seite 1 von 6

Tabelle 1: Anteil der 18-24 Jährigen mit höchstens Pflichtschulabschluss in Prozent Land 2011 Österreich 8,3 Deutschland 11,5 Spanien 26,5 Slowakei 5,0 England 15,0 EU27 13,5 Quelle: Eurostat Dennoch ist in diesem Bereich auch in Österreich noch viel zu tun. Betrachten wir etwa die Erfolgsquoten der AHS (Oberstufe), BHS und BMS, so sehen wir, dass hier die Verlustraten hoch sind, das heißt, dass relativ viele SchülerInnen die Ausbildung abbrechen. Besonders hoch sind die Verluste vor Beginn des 2. Schuljahres. Drastisch ist die Situation in den BMS, wo ca. die Hälfte der SchülerInnen die Schule nicht abschließen. Tabelle 2: Verlustraten der SchülerInnen in AHS, BHS und BMS in Prozent Schultyp Zusammen von 9-11. Schulstufe Vor Beginn des 2. Jahres AHS 25% 12% BHS 33% 18% BMS 50% 33% Quelle: Statistik Austria 2012 Das Jugendcoaching kann an dieser Stelle ansetzen und Jugendlichen bis 19 Jahre bzw. Jugendlichen mit SPF (sonderpädagogischer Förderbedarf) bis 25 Jahre helfen, die richtige Schulund Ausbildungsform zu finden. Hintergrund Vorangegangen war dem Jugendcoaching die Maßnahme Clearing. Diese Maßnahme ist ein best practice Modell in der EU, konnte aber nur von Jugendlichen mit Behinderung bzw. starken Benachteiligungen in Anspruch genommen werden. Auch die Maßnahme C mon 14 sowie einzelne andere regionale Projekte haben bei der Entwicklung des Jugendcoaching eine wesentliche Rolle gespielt. Gestartet wurde 2012 in Wien, der Steiermark und Salzburg. Seit Beginn 2013 gibt es das JU in ganz Österreich. Jugendcoaching Im Vergleich zum Clearing hat das JU eine deutlich erweiterte Zielgruppe. Jugendliche, die ausgrenzungsgefährdet sind, können es in Anspruch nehmen. Die Begleitung kann bis zu einem Jahr in Anspruch genommen werden, und die Jugendlichen können mehrmals am Coaching Seite 2 von 6

Seite 3 von 6 Bundes KOST teilnehmen. Das JU ersetzt aber keine bestehenden Angebote, sondern ist als zusätzliches Angebot eingerichtet worden. Zurzeit gibt es 35 Träger, die teilweise mehrere Projekte im Jugendcoaching durchführen. Insgesamt sind es 68 Projekte, in denen über 300 Jugendcoaches (Vollzeitäquivalente) arbeiten. Warum JU Ein wesentliches Anliegen des JU ist, frühzeitigen Schul- und Ausbildungsabbruch zu verhindern. Jugendliche sollten möglichst lange im Ausbildungssystem gehalten werden. Auch Jugendliche, die nicht mehr im Bildungssystem sind, sollen mit dieser Maßnahme reintegriert werden. Es soll schulabbruchs- und ausgrenzungsgefährdeten Jugendlichen Beratung und Hilfe bieten, individuell bis zu einer nachhaltigen Integration begleiten und bei persönlichen und sozialen Problemen im Sinne eines Case Managements unterstützen. Mit dem Jugendcoaching soll ein Beitrag zur persönlichen und sozialen Stabilisierung von Jugendlichen geleistet werden. Wer wird angesprochen Das JU wird für Jugendliche zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr angeboten. Es werden Jugendliche ab dem 9. Schulbesuchsjahr angesprochen. Besonders Jugendliche, die gefährdet sind, die Schule abzubrechen und/oder Unterstützung bei der Berufsorientierung benötigen, werden im Jugendcoaching betreut. Jugendliche können dieses Angebot bis zum 19. Lebensjahr in Anspruch nehmen. Wurde im Rahmen des Schulbesuchs ein SPF festgestellt, so können sich die Jugendlichen bis zum Alter von 25 Jahren coachen lassen. Besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund, die den österreichischen Arbeitsmarkt und die Ausbildungsmöglichkeiten nicht so gut kennen, sowie Jugendliche mit Lernschwierigkeiten sollen durch das Jugendcoaching ihre Potenziale gezielter einsetzen lernen. Neben den Jugendlichen wird auch Wert darauf gelegt, das soziale Umfeld einzubeziehen. Besonders Erziehungsberechtigte und LehrerInnen werden in den Coaching Prozess integriert. Die Jugendlichen können von LehrerInnen sowie von anderen Personen, die mit der Zielgruppe arbeiten, wie der offenen Jugendarbeit oder dem AMS, identifiziert und vermittelt werden oder sich auch direkt an die zuständigen Träger wenden. Ablauf vom JU Das JU läuft in 3 Stufen ab. Jede/r Jugendliche durchläuft die erste Stufe. Dabei bekommt der Jugendcoach ein allgemeines Bild des Jugendlichen und dieser erhält Informationen und wird über seine persönlichen Möglichkeiten beraten. Für viele Jugendlichen reicht diese Information aus, und sie können relativ eigenständig die nächsten Schritte gehen. Einige Jugendliche brauchen aber mehr Unterstützung und können in die Stufe 2 oder 3 übergehen. In der Stufe 2 erfolgt eine detailliertere Beratung und es gibt mehr Zeit für eine individuelle Berufsorientierung und Begleitung zu konkreten Ausbildungen. In der Stufe 3 sind

Jugendliche, die besonderen Unterstützungsbedarf haben. Hier wird im Sinne eines Case Managements agiert. Es wird eine Stärken- und Schwächenanalyse sowie ein Neigungs- und Fähigkeitsprofil erstellt. Auch die Begleitung der Jugendlichen zu Praktika hat einen hohen Stellenwert. Grundsätze Das JU basiert auf Freiwilligkeit. Wenn immer möglich sollte die Betreuungsperson nicht wechseln. Die/der Jugendliche hat jederzeit das Recht, das JU noch einmal zu besuchen. Ein besonderer Fokus liegt auf migrantischen Jugendlichen, da Studien immer wieder belegen, dass diese Jugendlichen schlechtere Chancen im Bildungssystem und später auch am Arbeitsmarkt haben (Statistik Austria 2013). Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit relevanten Akteurinnen und Akteuren wie dem AMS, der offenen Jugendarbeit, der Jugendwohlfahrt anderen Maßnahmen oder dem sozialen Umfeld. Aktuelle Zahlen aus dem Jugendcoaching Im JU gab es seit 1.1.2012 bis Ende 3. Mai 2013 bereits 21.534 Teilnahmen. Davon sind bereits 13.126 abgeschlossen. 8.408 Jugendliche werden aktuell gecoached. Tabelle 3: Teilnahmen, Austritte und laufende Teilnahmen aus dem Jugendcoaching Zahlen vom Jugendcoaching 1.1.2012 bis 3. Mai 2013 Teilnahmen 21.534 Austritte 13.126 Laufend 8.408 Quelle: Jugendcoaching Monitoring Daten 1.1.2012 bis 3. Mai 2013 Von den Jugendlichen waren etwa 46% weiblich und 54% männlich. Etwas über die Hälfte 56% waren nur in der Stufe 1. 23% besuchten die Stufe 2 und 21% die Stufe 3. Von den Jugendlichen waren 87% noch im Schulsystem und 13% außerhalb des Schulsystems. Tabelle 4: Zahlen aus dem Jugendcoaching, nach Geschlecht, Stufen, schulisch und außerschulisch und Abbrüche Zahlen vom Jugendcoaching 1.1.2012 3. Mai 2013 Prozent Weiblich 9.800 46% Männlich 11.734 54% Stufe 1 12.148 56% Stufe 2 4.879 23% Stufe 3 4.507 21% Schulische 17.920 87% Außerschulische 2.589 13% Abbrüche 511 4% Quelle: Jugendcoaching Monitoring Daten 1.1.2012 bis 3. Mai 2013 Seite 4 von 6

Das Alter ist vor allem zwischen 15 und 16 Jahren mit 30% und 35%. 17 jährige sind auch noch mit 19% relativ häufig. Ab 18 Jahren sind es deutlich weniger Jugendliche. Tabelle 5: Zahlen aus dem Jugendcoaching, nach Alter Alter Prozent 15 30% 16 35% 17 19% 18 9% 19 4% 20-25 4% Quelle: Jugendcoaching Monitoring Daten Zahlen von 1.1.2012 3. Mai 2013 Die Bundesländer haben zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit dem Jugendcoaching angefangen. Wien und die Steiermark sind seit Anfang 2012 und Salzburg seit September 2012 dabei. Alle anderen Bundesländer haben seit Anfang 2013 die Maßnahme Jugendcoaching implementiert. Tabelle 5: Zahlen aus dem Jugendcoaching, nach Bundesländern Bundesländer Häufigkeiten Wien 11.534 Steiermark 4.905 Niederösterreich 1.319 Vorarlberg 917 Salzburg 911 Oberösterreich 784 Tirol 497 Kärnten 476 Burgenland 191 Quelle: Jugendcoaching Monitoring Daten Zahlen von 1.1.2012 3. Mai 2013 Welche Veränderungen bringt das Jugendcoaching Das Jugendcoaching wird nach einem bundesweiten Konzept mit einheitlichen Standards in allen Bundesländern umgesetzt. Es basiert auf einer Interministeriellen Vereinbarung zur Zusammenarbeit vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur und dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz. Über das Jugendcoaching Monitoring lassen sich auch regionale Bedarfe ablesen. Vornehmlich sollen im Jugendcoaching präventiv Ausbildungsabbrüche verhindert werden. Individuell sollen Seite 5 von 6

die Jugendlichen zu einer möglichst hohen Bildung gelangen können und -wenn möglich- nicht frühzeitig aus dem System ausscheiden. Literatur: Eurostat (2012) Europe 2020 Target: Early school leaving. Statistik Austria (2013), Bildung in Zahlen 2001/12, Schlüsselindikatoren und Analysen. Statistik Austria (2012), Bildung in Zahlen, Tabellenband. Mag. a Katrin Fliegenschnee Bundes KOST, Stutterheimstraße 16-18/ Stg. 2/1. Stock/10f T +43-1-789 06 12 30, M+43-69914012177 Emai: katrin.fliegenschnee@wuk.at Seite 6 von 6