Fehlende Armutsintegrationskonzepte in Hannovers Schulen. Von: Samuel Hoffmann-Pratz, Alexandra Metzele, Kimberly Window

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1 Fehlende Armutsintegrationskonzepte in Hannovers Schulen Von: Samuel Hoffmann-Pratz, Alexandra Metzele, Kimberly Window Gespräch mit Schulen nicht möglich Im Rahmen unseres Projektes haben wir uns bemüht, mit Grundschulen in Hannover in Kontakt zu trete. Bis auf die Aussage, dass sich eine Grundschule zurzeit in einer Umbruchsituation befinde, erhielten wir keine Rückmeldung von den Schulen. Diese Tatsache lässt Platz für Spekulationen über die Situation in Hannover. Entweder gehen keine Kinder aus sozial schwachen Haushalten auf die Schulen in Hannover oder dieses Thema wird kaum wahrgenommen. Es steht wohl außer Frage, dass in der niedersächsischen Hauptstadt, in der Einwohner leben (Stand Dez. 2011), sicher auch sozial schwache Familien leben und das diese Familien ihre Kinder auf Schulen schicken. Das zeigt, dass der Umgang mit dem Thema Armut in den Schulen weitest gehend gemieden wird und somit besteht der Bedarf nach einem Handlungskonzept, der den Schulen helfen soll, arme Kinder zu fordern und zu fördern und ihnen die bestmöglichste Bildung zu teil werden zu lassen. Armut hat viele Gründe Die Gründe, die zu einer finanziellen Notlage führen sind vielfältig. Todesfälle, Entlassung wegen Firmenschließung, Flucht vor häuslicher Gewalt. Natürlich gibt es auch Alkoholiker und natürlich gibt es auch Menschen, die sich vor der Arbeit drücken, doch ist es ein Fehler, alle Menschen zu etikettieren. Armut ist ein Problem was in einer Familie beginnt und sich dann über Stadtteile verbreitet. Mittlerweile hat jede Kleinstadt ihre Stadteile die

2 dafür bekannt sind, dass in ihnen eine hohe Zahl Sozialschwacher leben, meistens sind die Mieten billiger. Diese werden dann als Brennpunkte bezeichnet. Außerdem ist Armut nicht nur auf die Eltern begrenzt, wenn dem Kind nicht ausreichend geholfen wird, so werden die Kinder in die Fußstapfen der Eltern treten. Dieses Phänomen ist als vererbte Armut bekannt. Vererbte Armut Armut ist vererbbar. So kann sich Armut über Generationen hinziehen ohne, dass es zu einer Verbesserung der finanziellen Situation kommt. Kinder, die von klein auf in einem schwachen Haushalt leben und bildungsferne Eltern haben, werden eher auf die Hauptschule gehen, die sie nicht immer mit einem Abschluss abschließen werden. So wird die Armut in die nächste Generation weitergereicht. Die Eltern können ihre Kinder nicht unterstützen, ihnen nicht bei den Hausaufgaben helfen oder die Nachhilfe finanzieren, um zu verhindern, dass ihre Kinder selbst in die Armut abrutschen werden. Besserer Chancen für Kinder und Jugendliche aus sozialschwachen Haushalten Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung. Jedes Kind muss individuell gefördert werden. An den Schulen Hannovers ist dies kaum möglich. Zu große Klassen, zu wenig Lehrer, Stundenentfall und kaum Motivation. Wie sollen die Kinder so auf ihre Zukunft vorbereitet werden? Die Lehrer, vor allem in Brennpunkten, sind überfordert. Bei einer Klassenstärke von Kindern ist es verständlich, dass sie nicht auf die individuellen Ansprüche eines jeden Kindes eingehen können. Kommt ein Kind dann auch noch aus einem bildungsfernen, sozialschwachen Haushalt besteht kaum noch eine Möglichkeit, seine Zukunft positiv verlaufen zu lassen. Die finanzielle Lage der Eltern ist meist so schlecht, dass Nachhilfe und Förderung nicht in Betracht gezogen werden können. Haben die Eltern selbst kaum Bildung, ist Hilfe zu Hause ebenfalls kaum möglich.

3 Mainzer Handlungskonzept gegen Kinderarmut Kinder und Jugendliche bedürfen des persönlichen Schutzes vor Armut, Benachteiligung, Ausgrenzung, Perspektivlosigkeit und Gewalt. Aufgabe der Erwachsenengeneration ist es, ihnen zu ermöglichen, sich auf unterschiedliche Lebensentwürfe vorzubereiten und sie auf ihrem Weg zu unterstützen. Mädchen und Jungen brauchen von klein auf in ihrer jeweiligen Entwicklung gleiche Chancen, sowohl in ihrem persönlichen Umfeld, als auch im öffentlichen Bildungs- und Ausbildungsbereich. 1 Ein Vorreiter in der Integration von sozialschwachen Kindern ist das Mainzer Handlungskonzept gegen Kinderarmut vom April In diesem Konzept zeigt die Stadt Mainz Möglichkeiten auf, Kinder, die in Armut leben, zu unterstützen, zu fördern und zu integrieren. Viele dieser Möglichkeiten sind auch in Hannover anwendbar. Durch Lernmittelgutscheine und Schulmaterialgutscheine können einkommensschwache Familien gezielt unterstützt werden. Mainz unterstütz diese Familien in der Anschaffung von Schulranzen, Heften, etc. bis zu 50. Außerdem gibt es einen Sozialfond für Mittagessen in der Ganztagsschule. Die Preise werden auf 1 pro Essen begrenzt. Weitere Ermäßigungen gibt es für Ferienkarten und Karten Open-Ohr-Festival. Die Preise reduzieren sich bis zu 50%. 1 Stadtleitbild Mainz, 1999

4 Die Leitkonzepte des Handlungskonzeptes: Jedes Kind hat ein Recht auf Sicherung seiner materiellen Lebensgrundlage Jedem Kind eine erfolgreiche Bildungskarriere sichern Jedem Kind ein gesundes Aufwachsen ermöglichen Jedem Kind soziale Teilhabe ermöglichen Jede Mutter / jeden Vater in der Erziehungskompetenz unterstützen und stärken Jeder Mutter / jedem Vater eine existenzsichernde Erwerbstätigkeit eröffnen Jede Bürgerin und jeder Bürger ist für die Kinder in der Stadt verantwortlich Wie kann die Lage verbessert werden? In erster Linie muss den Schulen und Bürgern bewusst werden, dass es sozial benachteiligte Familien gibt und das die Kinder dieser Familien eine Förderung benötigen, die über den Unterricht hinausgeht, sei es in Form einer Nachmittagsbetreuung mit Hausaufgabenhilfe oder Mittagessen für sehr wenig Geld. Das verschließen der Augen war nie förderlich in der Gesellschaft. Es gibt zwar ein gutes Gefühl, aber eine Änderung führt dies nicht herbei. Kinder, die wenig Geld zur Verfügung haben, können die heutigen Ansprüche der Schulen nicht mehr gerecht werden. Ihnen fehlt das Geld um genau diesen einen Markenbleistift oder den ganz bestimmten

5 Schreibblock zu kaufen. Aber nicht nur das Material wird immer teurer. Viele Schulen bieten mittlerweile Mittagessen in den Pausen an. Eine sehr gute Idee, aber leider auch kaum zu bezahlen. Essen für etwa 3,50 täglich hört sich zwar nicht viel an, aber auf den Monat berechnet sind das 70,00, dass kann sich eine sozial schwache Familie nicht leisten. Wenn dann auch noch mehrere Kinder in die Schule gehen, wird es praktisch unmöglich. Es ist natürlich nicht machbar, ein Mittagessen umsonst anzubieten, doch sollten Schulen, denen nicht nur die Bildung der Kinder, sondern auch die Gesundheit am Herzen liegen sollte, bei Familien, die nachweislich weniger Geld zur Verfügungen haben, eine günstigere Alternative anbieten. Mainz ist da ein gutes Vorbild. Eine weitere Möglichkeit wären Flohmärkte mit Kuchenverkauf, bei denen gebrauchte Schulmaterialien für wenig Geld verkauft werden. Der Erlös des Kuchenverkaufs kommt dann der Schule und den sozialschwachen Kindern zu gute. Die Schule könnte ebenfalls Materialien anschaffen, die den Kindern zur Verfügung stehen. Es wäre außerdem wichtig mit den Eltern zusammenzuarbeiten. Sowohl mit den Sozialschwachen als auch mit den Sozial starken. In der Zusammenarbeit besteht die Chance, die Toleranz gegenüber ärmeren Menschen zu steigern und eine Diskriminierung in der Schule vorzubeugen. Kinder lernen Toleranz von ihren Eltern. Wenn diese Eltern offen gegenüber anderen sind, sind die Kinder auch offen gegenüber ärmeren Kindern, was wiederum beiden Seiten zugutekommt. Was weiterhin eine gute Idee wäre, ist es einen Elterntreffen zu organisieren. Dies würde dann allen Eltern, die ihren Kindern einen guten Start in die Zukunft sichern wollen, die Chance geben sich bei anderen Eltern zu erkunden, wie es ihnen selber geht und was sie für Hilfen in Anspruch nehmen. Viele Eltern die aus Armutsverhältnisse kommen wissen nicht für welche staatlich Hilfen sie sich qualifizieren und für welche nicht. Allerdings muss dieser Ansatz schon in der Früherziehung, zum Beispiel in Kindergärten und Krippen, eingesetzt werden. In der Stadt Hannover

6 gibt es mittlerweile 7200 Kindergärtenplätze, allerdings sind nur Rund 55% dieser Plätze auch ganztags. Aber diese Plätze sind teuer. Ein Kindergartenplatz für den ganzen Tag kostet bis zu 240, dazu kommt dann nochmal 30 Essensgeld. Krippenplätze sind noch teurer. Die Eltern bekommen monatlich 150 damit sie ihr Kind zu Hause behalten. Was würden Sie tun, wenn wenig Geld zur Verfügung steht? 2. Was uns wichtig ist Uns ist es wichtig, dass Kinder, die aus einkommensschwachen Familien kommen, akzeptiert und tolerierte und vor allem gesehen werden. Dass keine Schule mit uns reden wollte, können wir nicht verstehen. Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung und Gesundheit, egal, wie die finanzielle Lage der Eltern aussieht. Wir befürworten das Handlungskonzept der Stadt Mainz, die sich aktiv mit der Problematik befasst haben und gute Ideen verfassten, um Kindern in jeder Lebenslage eine Förderung zukommen zu lassen. Ein solches Konzept würden wir uns für Hannover wünschen. 2

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