Geschäftsbericht 2011

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1 Geschäftsbericht 2011

2 Jahreslosung 2011 Lass Dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Römer 12,21

3 Inhalt Grußwort des Vorstands Organe der Bank Interaktiv Unsere Kundinnen und Kunden Stiftung Frauenkirche Dresden Diakonieverbund Schweicheln Stiftung Marthahaus Ategris Kundenbefragung: Danke für Ihr offenes Wort Umweltbericht Aktiver Wertpapierbesitz FairWorldFonds Im Dialog unsere Beratung Veranstaltungen KD-BANK-STIFTUNG Personalbericht Bericht des Vorstands Geschäftsjahr Geschäftsverlauf Vermögenslage Ertragslage Finanz- und Liquiditätslage Risiken der künftigen Entwicklung Voraussichtliche Entwicklung der Genossenschaft Geschäftsstellen Vorschlag für die Ergebnisverwendung Bericht des Aufsichtsrats Jahresabschluss Jahresbilanz Gewinn- und Verlustrechnung Anhang

4 Grußwort des Vorstands v.l.n.r. Ulrike Badura, Jörg Moltrecht, Ilona Pollach, Dr. Ekkehard Thiesler Dr. Ekkehard Thiesler Vorsitzender Innenrevision Personal Qualitätsmanagement Unternehmensservice Vorstandsstab/Marketing Ulrike Badura Betriebswirtschaft Kreditfolge Organisation Vertriebsunterstützung/Wertpapierfolge Zahlungsverkehr Jörg Moltrecht Institutionen Rheinland Institutionen Westfalen-Lippe-Leer Institutionen Berlin Institutionen Magdeburg Repräsentanz Süd-West Ilona Pollach Institutionen LKG Sachsen Privatkunden Treasury/Kundenwertpapiere 4 Geschäftsbericht 2011

5 Liebe Mitglieder, sehr geehrte Kundinnen und Kunden, sehr geehrte Geschäftsfreunde, der Entzug von Vertrauen war ein Phänomen des Jahres Das Vertrauen in den Euro als stabile Währung mit Zukunft hat gelitten. Die Zuversicht, dass die Politik in der Lage sei Krisen zu lösen, hat abgenommen. Die Annahme, dass europäische Staatsanleihen sichere Anlagen seien, wurde widerlegt. Die Vorstellung, die friedliche Nutzung der Kernenergie sei beherrschbar, hat sich nicht bewahrheitet. Die Hoffnung, dass es in der Gesellschaft gerecht zugehe, wurde oft enttäuscht. Was können wir als Bank für Kirche und Diakonie dagegen halten? Was können wir über das Jahr 2011 berichten? Wir sind unserem Auftrag treu: Die Förderung von Kirche und Diakonie durch die Unterstützung mit günstigen und maßgeschneiderten Finanzdienstleistungen ist nach wie vor unser Metier. Doch wir bleiben nicht stehen, sondern entwickeln uns für Sie und mit Ihnen weiter. Unser Angebot zum Aktiven Wertpapierbesitz, das ethisch-nachhaltige Aspekte stärker in die Unternehmen an den Kapitalmärkten tragen soll, ist ein Beispiel. Im Rahmen unseres KD-BankDialogs werden wir uns noch stärker um Ihre Bedürfnisse und Ansprüche kümmern und die Erkenntnisse in maßgeschneiderte Angebote umsetzen, wie zum Beispiel in unserem Krankenhausfinanzierungsleitfaden. Die Zahlen aus 2011 sind positiv, die Bilanzsumme legte zu. Im Sommer 2011 haben Sie uns im Rahmen einer umfangreichen Kundenzufriedenheitsstudie ein hervorragendes Zeugnis ausgestellt und uns auch bei der Zusammenarbeit im täglichen Geschäft die Treue gehalten. Mit Ihren Einlagen konnten wir neue Darlehen in Höhe von 176 Mio. Euro vergeben. Die Gewinn- und Verlustrechnung weist ein gutes Ergebnis auf. So ist es uns möglich, gemeinsam mit Ihnen auf ein erfolgreiches Jahr zurückzublicken. Wieder können wir der Generalversammlung eine Dividende von sieben Prozent vorschlagen. Für die Zukunft sind wir gut aufgestellt. Wir spüren das Vertrauen unserer Mitglieder, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, des Betriebsrats und unserer Kunden sowie Geschäftspartner das stärkt uns. Ihnen allen danken wir aufrichtig für die partnerschaftliche und fruchtbare Zusammenarbeit gemäß unserem Leitgedanken: Gemeinsam handeln Gutes bewirken. Bank für Kirche und Diakonie eg KD-BANK Der Vorstand Dr. Ekkehard Thiesler Ulrike Badura Jörg Moltrecht Ilona Pollach 5

6 Organe der Bank (Stand: 31. Dezember 2011) Vorstand Dr. Ekkehard Thiesler Vorsitzender Münster Ulrike Badura Moers Jörg Moltrecht Dortmund Ilona Pollach Dresden Aufsichtsrat Dr. Martin Grimm Vorsitzender Rechtsanwalt Gladbeck Klaus Winterhoff 1. stellv. Vorsitzender Juristischer Vizepräsident Evangelische Kirche von Westfalen Bielefeld Georg Immel 2. stellv. Vorsitzender ruhend seit 10. Dezember 2011 Oberkirchenrat Evangelische Kirche im Rheinland Düsseldorf Günther Barenhoff Pfarrer Vorstandssprecher Diakonisches Werk Rheinland-Westfalen-Lippe Münster Thomas Begrich Oberkirchenrat Evangelische Kirche in Deutschland Hannover Manfred A. Fellisch Leiter i. R. Büro des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Dresden Radebeul Joachim Gengenbach Bundesvorstand Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. Berlin Dr. Andrea Helzel Kirchenrätin Evangelische Kirche in Mitteldeutschland Magdeburg Reinhard Kersten Oberlandeskirchenrat Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens Dresden Moritz Krawinkel Vorstandsmitglied i. R. Rheinisch-Westfälischer Genossenschaftsverband Münster Klaus Majoress Superintendent Evangelischer Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg Lüdenscheid Dr. Rainer Norden Vorstandsmitglied von Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel Bielefeld Jochen Obermann Geschäftsführer Rheinische Gesellschaft für Innere Mission und Hilfswerk GmbH Leichlingen Dr. Frank Rippel Vorstandsmitglied Stiftung kreuznacher diakonie Bad Kreuznach Dr. Arno Schilberg Kirchenrat Lippische Landeskirche Detmold 6 Geschäftsbericht 2011

7 Beirat Lutz Ausserfeld Verwaltungsdirektor Evangelisches Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin Teltow Burkhard Bensiek Mitglied des Vorstands Evangelisches Johanneswerk e. V. Bielefeld Gudrun Bremer Amtsleiterin Evangelischer Kirchenkreis Stendal Kreiskirchenamt Bismark Jens Bublies Amtsleiter Evangelisches Verwaltungsamt Wuppertal Bernd Buzalla Amtsleiter Verwaltungsamt des Evangelischen Kirchenkreisverbandes Berlin Nord-West Kurt Drees Kirchenverwaltungsdirektor Vereinigte Evangelische Kirchenkreise Dortmund Helga Feige Pfarrerin i. R. Chemnitz Christiane Fiebrandt Finanzreferentin Evangelische Brüder-Unität Herrnhut Matthias Fiedler Pfarrer Direktor Landesausschuss für Innere Mission Potsdam Rainer Findeisen Superintendent Evangelisch-Lutherischer Kirchenbezirk Marienberg Flöha Leonhard Gronbach Pfarrer Vorstandsvorsitzender Stiftung Diakonissenhaus Friedenshort Freudenberg Jürgen Hancke Verwaltungsleiter Samariteranstalten Fürstenwalde Egon Freiherr von Knobelsdorff Generalsekretär Der Johanniterorden Berlin Wilfried Koopmann stellv. Vorstandsvorsitzender Evangelisches Perthes Werk e. V. Münster Rolf Krebs Pfarrer Kirchenrat Beauftragter der Evangelischen Kirchen bei Landtag und Landesregierung NRW Düsseldorf Prof. Dr. Udo Krolzik Pfarrer Vorstandsvorsitzender Führungsakademie für Kirche und Diakonie gemeinnützige AG Berlin Frank Küpper Geschäftsführer Evangelischer Kirchenkreis Düsseldorf Ulrike Lehmann Leiterin Kreiskirchenamt Evangelischer Kirchenkreis Erfurt Herbert Maus Landeskirchen-Oberverwaltungsrat Evangelische Kirche im Rheinland Düsseldorf Kornelia Michels Verwaltungsleiterin Evangelischer Kirchenkreisverband Prignitz-Havelland- Ruppin Kyritz Werner Neveling Geschäftsführer Diakonie Ruhr ggmbh Bochum Wolfgang Philipps Oberkirchenrat Evangelische Landeskirche Anhalts Dessau Martin Reiff Verwaltungsleiter Evangelischer Gemeindeverband Koblenz Dr. Reinhard Richter Amtsleiter Evangelischer Kirchenkreisverband Niederlausitz Cottbus Heinz-Jürgen Scharwei Kirchenoberamtsrat Kasse der Evangelischen Kirche in Deutschland Hannover Christian Schönfeld Oberkirchenrat Vorstandsvorsitzender Diakonisches Werk der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens e. V. Radebeul Norbert Scholle Amtsleiter Verwaltungsamt des Evangelischen Kirchenkreises An der Agger Gummersbach Michael Schwaiger stellv. Vorsitzender Diakonisches Werk Stadtmission Dresden e. V. Klaus-Dieter Tichy Vorstand Evangelische Stiftung Hephata Mönchengladbach Hartfried Toennessen Vorstand Evangelisches Christophoruswerk e. V. Duisburg Henning Weihsbach-Wohlfahrt Verwaltungsleiter Evangelischer Kirchenkreis Herford Dr. Johann Weusmann Vizepräsident Evangelisch-reformierte Kirche Leer Manfred Witkowski Vorstand Evangelische Krankenhausfördergesellschaft mbh Hamm Udo Zippel Kaufmännischer Direktor Stiftung Eben-Ezer Lemgo 7

8 Unsere Kundinnen und Kunden Wir beraten Stiftungen Dresden. Brücken bauen Versöhnung leben Glauben stärken, so lautet das Motto der Frauenkirche. Wesentliche Aufgabe der Stiftung Frauenkirche Dresden ist die Gestaltung des Lebens in der Frauenkirche. So ist es Ziel, das Motto lebendig und erlebbar werden zu lassen. Christine Gräfin von Kageneck, Pfarrer Sebastian Feydt und Pfarrer Holger Treutmann bilden die Geschäftsführung und erläutern die tägliche Arbeit der Stiftung Frauenkirche Dresden. P LKG Sachsen: Mit ihrem Wiederaufbau ist die Frauenkirche Dresden zum weltweiten Symbol für Frieden und Versöhnung geworden. Wie können Besucher dies spüren? Treutmann: Die Frauenkirche hat eine große symbolische Bedeutung für Frieden und Versöhnung. Nach der Zerstörung war der Wiederaufbau ein gemeinsames Versöhnungswerk vieler Menschen und Völker. Es gibt im Kirchraum eine Reihe von sichtbaren Symbolen, die eine kleine Geschichte von Versöhnung erzählen. Da ist unter anderem das alte Turmkreuz, das jetzt in der Frauenkirche als Mahnung gegen Krieg und Zerstörung aufgestellt ist. Da ist das neue Turmkreuz als Versöhnungszeichen aus Großbritannien. Ich denke auch an das Nagelkreuz aus Coventry, das auf dem Altar steht. Das alles sind Zeichen der Versöhnung. Sie ermutigen auch in unserer Zeit, Schritte der Versöhnung zu wagen. LKG Sachsen: Brücken bauen Versöhnung leben Glauben stärken lautet das Ziel der Stiftung Frauenkirche Dresden. Wie arbeiten Sie daran? Treutmann: Die öffentliche Wahrnehmung aller Veranstaltungen ist viel höher als an andev.l.n.r. Frieder Neidhold, Direktor LKG Sachsen/Bank für Kirche und Diakonie, Pfarrer Holger Treutmann, Pfarrer Sebastian Feydt, beide Geschäftsführer Stiftung Frauenkirche Dresden, Ilona Pollach, Vorstand LKG Sachsen/Bank für Kirche und Diakonie Treutmann: Frieden und Versöhnung sind keine Themen, die Hochkonjunktur haben. Aber an diesem Ort sind unterschiedliche Facetten der deutschen und europäischen Geschichte mit Händen greifbar. Die täglichen Kirchenführungen, auch für Kinder, lassen Geschichte lebendig werden. Wir wollen wahrhaftig erinnern und zu einem versöhnenden Zusammenleben einladen. Auch in heutigen Herausforderungen zeigt die Frauenkirche mit dem Wiederaufbau, dass Menschen auch mit kleiner Kraft Großes bewegen können, wenn sie bereit sind, Frieden zu stiften. Feydt: Die Frauenkirche ist ein Ort, an dem die Zeichen der Zeit Ausdruck finden. Die Friedens- und Versöhnungsarbeit an dieser Kirche muss daher ständig weiterentwickelt werden. In den Vorträgen und Podien des FORUM FRAUEN- KIRCHE werden beispielsweise aktuelle Themen diskutiert. War das Jahresthema 2011 Gerechtigkeit, steht 2012 der Wertewandel im Fokus. LKG Sachsen: Die Frauenkirche hat keine eigene Gemeinde. Was ist der Unterschied zwischen der Pfarrstelle an der Frauenkirche im Vergleich zu Ihrer vorherigen Pfarrstelle in einer Gemeinde? Feydt: In keiner Kirchgemeinde Sachsens ziehen Geistliche so oft den Talar an wie in der Christine Gräfin von Kageneck, kaufmännische Geschäftsführerin Stiftung Frauenkirche Dresden Frauenkirche. Zu den zwei täglichen Andachten und den mehreren Gottesdiensten am Wochenende begrüßen wir jede Woche mehrere Tausend Menschen aus aller Welt. Im Unterschied zum Pfarrdienst in einer Kirchgemeinde arbeiten wir hier nicht kontinuierlich mit Kindern, Konfirmanden und Jugendlichen. Es werden aber Jahr für Jahr ca. 70 Kinder in der Frauenkirche getauft. 8 Geschäftsbericht 2011

9 Das Wahrzeichen Dresdens ein Symbol für Frieden und Versöhnung. ren Orten. Das ist schön, aber auch eine besondere Verantwortung. Die Kirche ist fast rund um die Uhr ein bis zwei Jahre im Voraus verplant. Das erfordert ein hohes Maß an langfristiger Abstimmung. Gottesdienste und geistliches Leben, Konzertwesen, offene Kirche und ein vielfältiges Angebot an Kirchenführungen, aber auch technische Arbeiten und die bauliche Erhaltung müssen wie in einem kleinen Unternehmen bewältigt werden. Hinzu kommen die Kontakte zu den Stiftern und ins öffentliche Leben im regionalen und überregionalen Bereich. LKG Sachsen: Die Frauenkirche gilt als Sinnbild des protestantischen Kirchenbaus. Wie zeigt sich das evangelische Glaubens- und Gottesdienstverständnis in der Architektur? Feydt: Die Kanzel nimmt in der Mitte der Chorschranke den zentralen Ort der Verkündigung ein. Die Orgel thront über dem Altar. Die Verkündigung des christlichen Glaubens gestaltet sich im evangelischen Gottesdienst in einer Einheit aus Wort und Musik und der Feier der Sakramente. In der Frauenkirche wird dies durch die herausgehobene Position von Kanzel und Orgel architektonisch deutlich. LKG Sachsen: Welche Entwicklungen sind Ihnen besonders wichtig? Feydt: Eine entscheidende Frage ist für mich, wie wir die Botschaft der Frauenkirche in die nächste Generation tragen können. Daher liegt mir die Peace Academy die Friedensakademie der Frauenkirche, bei der die Frauenkirche zu Pfingsten 2012 für mehr als 400 Jugendliche aus 20 Nationen wieder zur Plattform für eine Auseinandersetzung mit Friedensfragen wird besonders am Herzen. Im Januar 2012 haben wir erstmalig zwei Familienkonzerte durchgeführt. Das große Interesse vieler Dresdner Familien hat uns begeistert und bestärkt, dieses Angebot fortzuführen und auszubauen. Treutmann: Ich wünsche mir, dass die Frauenkirche weiterhin eine offene Kirche bleibt, die für alle zugänglich ist und Menschen mit verschiedenen Erwartungen anspricht. Dieses vielfältige Programm, das wir im Moment an der Frauenkirche bieten können, möchten wir langfristig weiterentwickeln. Ich denke, es werden sich neue Wege zeigen, wie wir im Bereich von Musik, im Bereich des Besucherdienstes und vor allem im geistlichen Leben Menschen ansprechen können, auch wenn die Zeit voranschreitet und die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen sich ändern. Ich schätze diese Offenheit und wünsche mir, dass Menschen nicht nur Sympathisanten der Kirche bleiben, sondern ihrem Glauben in dieser schönen Kirche Ausdruck geben. LKG Sachsen: Was zeichnet die Bank für Kirche und Diakonie in Ihren Augen als Bank aus? Gräfin von Kageneck: Wir schätzen die besondere Ausrichtung der Bank auf kirchliche Kunden und deren Belange. Dazu zählt für uns die auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Anlagepolitik der Bank genauso wie die kontinuierliche, partnerschaftliche Betreuung vor Ort. LKG Sachsen: Was wünschen Sie sich von Ihrer Bank? Gräfin von Kageneck: Vertrauen zwischen Bank und Kunde ist oberste Priorität beizumessen. Als kaufmännische Geschäftsführerin der Stiftung Frauenkirche Dresden trage ich u. a. die Verantwortung für die Anlage des Stiftungskapitals. Eine Finanzberatung, die auf die Bedürfnisse der Stiftung eingeht und kompetent über Anlagemöglichkeiten informiert, schafft Vertrauen. LKG Sachsen: Vielen Dank für das Gespräch. 9

10 Unsere Kundinnen und Kunden Wir finanzieren Flügel Hiddenhausen Bochum. Ein Flügelort steht im Bergmannsjargon für eine vom Hauptstollen seitwärts abgehende Strecke. Die Mutter-Kind-Einrichtung des Diakonieverbundes Schweicheln in Bochum trägt auch diesen Namen. Wer sich im Flügelort aufhält, verlässt zeitweise seine ursprüngliche Strecke, um Neues zu sehen und zu erleben. Junge Mütter und Väter in schwierigen Situationen können mit ihren Kindern lernen, ein selbstständiges Leben zu führen. P P Bank für Kirche und Diakonie: Der Flügelort ist ein aktuelles Projekt. Welche Aufgaben übernimmt der Diakonieverbund Schweicheln in der Region? Chantal mit Luca in ihrem eigenen Reich. Ein straffer Tagesplan gibt Chantal Struktur und Halt. Die persönliche Zeit ist knapp bemessen. Wolf: Wir sind ein spezialisierter Träger der Kinder- und Jugendhilfe und Jugendberufshilfe mit über 100-jähriger Tradition. Begonnen hat alles im Stammhaus in Hiddenhausen- Schweicheln, in dem früher klassische Heimerziehung für Kinder und Jugendliche stattfand. Inzwischen hat sich der Diakonieverbund auf mehrere weitere Standorte nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern auch in Berlin und Brandenburg ausgeweitet. Inhalt der Tätigkeit ist weiter die Kinder- und Jugendhilfe, aber in großer Vielfalt und Bandbreite von der klassischen Heimerziehung über Kindergärten, offene Ganztagsschulen, ambulante und aufsuchende Familienhilfe bis hin zur klassischen Jugendberufshilfe mit eigenen Werkstätten. Dazu kommen diverse Einzelprojekte wie Förderschulen, Sprachkurse und mehr. Im sozialwirtschaftlichen Bereich der Kinder- und Jugendhilfe ist der Diakonieverbund Schweicheln mit etwa Mitarbeitenden einer der größeren Träger in Deutschland. Bank für Kirche und Diakonie: Was unterscheidet Ihre Einrichtungen von anderen? Wie ist dies zu spüren? v.l.n.r. Barbara Beuse-Schmidt Betreuerin Bank für Kirche und Diakonie, Rainer Kröger, Hans-Hermann Wolf beide Vorstand Diakonieverbund Schweicheln e.v., Christiane Wicht-Stieber Stiftungskoordinatorin Bank für Kirche und Diakonie. Der Diakonieverbund Schweicheln hat den Kauf und die Renovierung der Immobilie für den Flügelort mit der Bank für Kirche und Diakonie finanziert. Die Gründung der Ev. Stiftung Dialog für innovative Kinder- und Jugendarbeit hat die Stiftungskoordinatorin der Bank, Christiane Wicht-Stieber, unterstützt. Wolf: Der Unterschied zu anderen Anbietern ist nicht nur die breite Palette von Angeboten, sondern auch das bewusste Weiterentwickeln von Hilfeformen und Angeboten, um am Bedarf orientierte Lösungen für Lebensproblemlagen junger Menschen bereitstellen zu können. Gerade im Bereich besonders intensiver und zur aktuellen Krisenbewältigung ausgerichteter Hilfeformen ist der Diakonieverbund Schweicheln ein wichtiger Partner für die Kostenträger. Kröger: Das christlich geprägte Menschenbild der Mitarbeitenden drückt sich im Alltag auch in schwierigen Situationen durch besondere Aufmerksamkeit und Hinwendung sowie 10 Geschäftsbericht 2011

11 Chantal und der kleine Luca fühlen sich in der Mutter-Kind-Einrichtung Flügelort sichtlich wohl. Marianne Bleks (Mitte) leitet das Haus, in dem seit Ende 2010 bis zu fünf Mütter oder Väter und bis zu acht Kinder ein sicheres und behütetes Zuhause auf Zeit finden können. Die meist sehr jungen Mütter lernen auch ganz praktische Dinge wie Kochen, Tagesplanung und Kindespflege. Das Ziel der Einrichtung ist es, Flügel zu verleihen, das heißt, in ein möglichst selbstständiges Leben zu führen. hohe Professionalität in der pädagogischen Arbeit aus. Wir vermitteln Werte, um den weiteren eigenständigen Lebensweg junger Menschen zu stützen. Wir möchten die vorhandenen Ressourcen stärken und Schwächen schwächen. Bank für Kirche und Diakonie: Welche Entwicklungen sind Ihnen besonders wichtig? Wolf: Wir sind innovativ, eine solide Wirtschaftsführung ist dabei die Basis. Wichtig ist uns auch die aktive verbandspolitische und politische Gremienarbeit, um die Interessen hilfebedürftiger Kinder und Jugendlicher zur Sprache zu bringen. Bank für Kirche und Diakonie: Was zeichnet die Bank für Kirche und Diakonie in Ihren Augen als Hausbank aus? Kröger: Über die langen Jahre der Zusammenarbeit ist ein hohes gegenseitiges Vertrauensverhältnis entstanden. Für den Diakonieverbund Schweicheln ist ein wichtiger Punkt, dass die Bank für Kirche und Diakonie sich mit einem besonderen ethischen Anspruch deutlich von anderen Banken unterscheidet und mit ihrer Solidität auch diakonisch bodenständig geblieben ist. Immer wieder nutzen wir auch die Kontakte und die Netzwerke der Bank, um Erfahrungen mit anderen Kunden auszutauschen. Kröger: Aktuell ist die Gründung der Ev. Stiftung Dialog für innovative Kinder- und Jugendarbeit ein wichtiges Projekt. Die Stiftung ist als weiterer Baustein für den Diakonieverbund angelegt und soll die Aktivitäten zur Akquise von Fördermitteln und Spenden für die Arbeit mit in Not geratenen jungen Menschen unterstützen. Die Stiftung ist eine reine Förderstiftung und wird keine operativen Aufgaben übernehmen. Vielmehr soll sie zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe, insbesondere im Diakonieverbund Schweicheln, beitragen. Bei der Gründung und dem konzeptionellen Aufbau der Stiftung hat uns die Stiftungskoordinatorin der Bank für Kirche und Diakonie sehr gut unterstützt. Eines der Projekte ist auch die Gestaltung des Gartens im Haus Flügelort mit kindgerechten Spielgeräten. Bank für Kirche und Diakonie: Was wünschen Sie sich von Ihrer Bank? Ressourcen stärken Schwächen schwächen. Wolf: Natürlich höhere Haben-Zinsen! Außer diesem kleinen Scherz wünschen wir uns, auch weiterhin als Kunde intensiv wahrgenommen zu werden, dass die Bank ihre Beratungsangebote aktuell hält und ihr Spezialwissen in Tätigkeitsgebieten der Diakonie allgemein weiter vertieft. Es ist wichtig, den Kunden partnerschaftlich gegenüberzutreten. Eine langfristig ausgerichete Zusammenarbeit sorgt dafür, sich nicht von der heute üblichen tagesaktuellen Hektik in der Kunde-Bank-Beziehung anstecken zu lassen. Bank für Kirche und Diakonie: Vielen Dank für das Gespräch. 11

12 Unsere Kundinnen und Kunden Wir finanzieren Räume fürs Alter Halle Saale. Adelheid Kratzenstein spielt mit ihren Karten am Schreibtisch in ihrem Zimmer, Ida Danziger und Rüdiger Mager vertreiben sich die Zeit beim Mensch ärgere Dich nicht im lichtdurchfluteten Wintergarten. Ein Damenclub hält Kaffeeklatsch im Marthalädchen. Die Stiftung Marthahaus blickt auf eine lange Tradition bis in das Jahr 1885 zurück. Heute ermöglicht sie älteren Menschen ein familiennahes Zuhause mit menschlicher Wärme und Geborgenheit sowie der notwendigen Unterstützung im Alltag. P Bank für Kirche und Diakonie: Welche Aufgaben übernimmt die Stiftung Marthahaus? Kreis: Wir bieten 125 Seniorinnen und Senioren ein Zuhause im nördlichen Zentrum von Halle. Sie leben entweder eigenständig in einem unserer vier Wohnhäuser oder in einer der Wohngruppen im Pflegeheim. Unsere Philosophie ist es, ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben bis ins hohe Alter zu ermöglichen. Bank für Kirche und Diakonie: Was ist das Besondere in Ihrem Haus? Kreis: Die Stiftung Marthahaus basiert auf der biblischen Martha, die in der Erzählung die Tätige, die aktiv Wirkende ist. Ihr gegenüber steht Maria als die Ruhende, die Zuhörende. Diese Symbolik charakterisiert die Leitidee des Marthahauses. Zusammengefasst bedeutet dies, dass wir uns unter Berücksichtigung der individuellen körperlichen und seelischen Bedürfnisse und der jeweiligen persönlichen Geschichte vertrauensvoll, verlässlich und respektvoll um unsere Bewohnerinnen und Bewohner kümmern. Dies umfasst die pflegerische und medizinische Versorgung genauso wie Angebote für Seele und Geist. Christliche Werte und menschliche Grundbedürfnisse wie Liebe, Achtung, Vertrauen und Zuwendung stellen die zentrale Orientierung bei der täglichen Arbeit dar und sollen für alle, Bewohnerinnen Auch kleinere Häuser können sinnvoll und rentabel arbeiten. In ihrem eigenen Bereich fühlt sich Adelheid Kratzenstein an ihrem Schreibtisch wohl. Manchmal vertreibt sie sich die Zeit mit einem Kartenspiel. und Bewohner sowie Mitarbeitende, erlebbar sein. Aufgrund der eher kleineren Größe des Heimbereiches mit 75 Plätzen sowie der Wohngruppenstruktur können wir eine besondere Nähe zwischen Betreuten und Betreuenden und eine familienangelehnte Lebensform herstellen. Das ist nach meiner Einschätzung eine gute Chance für kleinere Häuser, sinnvoll, aber durch die mit der Kleinteiligkeit verbundenen Flexibilität auch rentabel zu arbeiten. Bank für Kirche und Diakonie: Zum dritten Mal in Folge ist das Hotel Marthahaus von den Kunden des Portals hotel.de zum freundlichsten Hotel der Stadt gewählt worden. Was tun Sie dafür? Kreis: Ich glaube, dass die Gäste die besondere Philosophie und Atmosphäre des Marthahauses erleben und schätzen. Reisende können an unseren Veranstaltungen, wie z. B. der morgendlichen Andacht, teilnehmen, und wir vermitteln unseren Hotelgästen auch, dass sie mit ihrem Besuch im Hotel die Altenhilfeeinrichtungen des Marthahauses unterstützen. Die Bewohnerinnen und Bewohner unserer Wohnungen wiederum Ida Danziger und Rüdiger Mager erfreuen sich am Mensch ärgere Dich nicht -Spiel im neu ausgebauten Wintergarten. 12 Geschäftsbericht 2011

13 Das Marthalädchen bietet nicht nur Lebensmittel für den täglichen Bedarf. Die gemütliche Sitzecke, die direkt angrenzt, lädt zum Klönen bei einer Tasse Kaffee ein. Hier ist immer was los. nutzen das Hotel als Übernachtungsmöglichkeit für ihre persönlichen Gäste, um dort Kaffee zu trinken oder Familienfeste zu feiern. Bank für Kirche und Diakonie: Auf welche Entwicklungen legen Sie Wert? Kreis: Zwischen 1993 und 2003 sind wir stark gewachsen. Jetzt konzentrieren wir uns auf die inhaltliche Weiterentwicklung. Wir wollen die Versorgungsqualität weiter verbessern, den Entbürokratisierungsprozess vorantreiben und uns noch stärker vernetzen. Sehr viel Wert legen wir auf unser Präsenzprojekt. Hiermit meine ich, dass wir für jede Wohngruppe eine Person bereitstellen, die täglich vor Ort ist. Sie kümmert sich um die Beziehung zwischen Bewohnern und Pflegern, gestaltet den Alltag und versucht, eine familiennahe Atmosphäre herzustellen. Beispielsweise übernimmt die Sozialpädagogin Corinna Bergner diese Funktion in unserer Wohngruppe Marienplatz, die wir mit Hilfe der Bank Das Hotel Marthahaus zählt ebenfalls zur Stiftung. Es ist bereits zum dritten Mal in Folge zum freundlichsten Hotel der Stadt gewählt worden. für Kirche und Diakonie finanziert haben. Bank für Kirche und Diakonie: Was zeichnet die Bank für Kirche und Diakonie in Ihren Augen als Hausbank aus? Kreis: Ich schätze die besondere Expertise der Bank im Altenpflegesektor mit regionalem Bezug, das ist der entscheidende Punkt für mich. Herr Koch hat mich auf besonders günstige Mittel der KfW Förderbank aufmerksam gemacht und uns bei der Planung und Entscheidung für unsere neue Pflegegruppe von Anfang an umfassend beraten. Dazu zählten auch die sehr hilfreichen betriebswirtschaftlichen, standort- und branchenspezifischen Einschätzungen der Bank. Bank für Kirche und Diakonie: Was wünschen Sie sich von Ihrer Bank? Kreis: Wir wünschen uns, dass die regionale Ausrichtung erhalten bleibt. Die Besuche durch Betreuer bei uns vor Ort und Norbert Kreis (links), Geschäftsführer, und Corinna Bergner, Präsenzfachkraft Stiftung Marthahaus, zeigen Jens Koch, Direktor Bank für Kirche und Diakonie, die neue zentrale Küche der Wohngruppe Marienplatz. auch die regionalen Veranstaltungen der Bank, auf denen ich schon viele wichtige Ansprechpartner aus Kirche und Diakonie aus Mitteldeutschland getroffen habe, geben uns das Gefühl, bei der richtigen Bank gut aufgehoben zu sein. Bank für Kirche und Diakonie: Vielen Dank für das Gespräch. 13

14 Unsere Kundinnen und Kunden Wir finanzieren Gesundheit Mülheim an der Ruhr Oberhausen. Moderne Medizin hilft, Zuwendung heilt. Rund ambulante und stationäre Patienten pro Jahr vertrauen auf die Leistungen der Evangelischen Krankenhäuser in Mülheim und Oberhausen. Unter dem Dach von ATEGRIS schaffen die Krankenhäuser den Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Werten. P Bank für Kirche und Diakonie: Herr Große-Kracht, was verbirgt sich hinter dem Namen ATEGRIS? Große-Kracht: ATEGRIS ist zum einen als Holding konzipiert, unter deren Dach die Evangelischen Krankenhäuser in Mülheim und Oberhausen sowie weitere diakonische Einrichtungen geführt werden. Gleichzeitig verstehen wir uns als Dienstleister, der alle nichtmedizinischen und nicht-pflegerischen Aufgaben verantwortet. Unsere Krankenhäuser sind breit aufgestellt und mit über Betten Flächenversorger für alle im Einzugsgebiet lebenden Menschen. Krog: Wir wollen Fortschritt und Menschlichkeit mit wirtschaftlichen Zielen vereinen, um die Patienten in einer freundlichen Krankenhausumgebung medizinisch und pflegerisch optimal zu versorgen. Bank für Kirche und Diakonie: Ihr Haus ist christlich geprägt. Wie machen Sie dies für die Patienten erlebbar? Krog: Wir setzen an verschiedenen Stellen an. Es geht damit los, dass wir jeden Patienten aufnehmen. Wir selektieren nicht nach Deckungsbeiträgen, wie es leider heute in manchen Häusern gang und gäbe ist. Zuwendung zum Menschen ist für uns ein weiteres zentrales Element. Die Seelsorge ist fester Bestandteil des Alltags. Über 100 grüne Damen und Herren kümmern sich um das Wohlbefinden unserer Patienten. Wir haben ein eigenes Theater, organisieren Veranstaltungen und machen Die Aus- und Weiterbildung wird in den ATEGRIS Häusern groß geschrieben. Sie sind auch akademische Lehrkrankenhäuser der Universitäten Düsseldorf und Duisburg-Essen. auch kulturelle und musische Angebote, die über die Grenzen des Krankenhauses hinaus Beachtung finden. Große-Kracht: Basis unseres Erfolges ist auch die frei-gemeinnützige Ausrichtung der Häuser, wir verfolgen nicht das Ziel der Gewinnmaximierung. Wir müssen wirtschaftlich arbeiten und können Gewinne vor Ort in die Zukunft reinvestieren. Dieser Ansatz kommt bei Mitarbeitenden und Patienten gleichermaßen gut an. Bank für Kirche und Diakonie: Wie begegnen Sie dem Fachkräftemangel, der gerade im Pflegebereich in aller Munde ist? Große-Kracht: Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Um unser Ziel einer exzellenten Patientenversorgung auf dem neuesten Stand der Technik zu erreichen, benötigen wir gut ausgebildetes Fach- und Führungspersonal. Wir stehen hier im Ruhrgebiet im Wettbewerb mit vielen anderen Häusern, die sich im gut erreichbaren Umfeld befinden. Allein unsere Größe und die wirtschaftliche Stärke machen uns als Arbeitgeber bereits attraktiv, doch wir wollen noch mehr. Unser eigenes Bildungsinstitut, das sowohl Angebote für die fachliche als auch für die persönliche Entwicklung macht, ist ein Baustein. Wir bemühen uns um eine hohe Transparenz und beziehen Mitarbeitende aller Fachrichtungen in die Gestaltung unserer Prozesse ein. Die regelmäßigen Befragungen lassen auf eine gute und sogar ansteigende Zufriedenheit schließen. Eine moderne Ausstattung ist Grundvoraussetzung, um im Krankenhausmarkt zu bestehen. Die gute wirtschaftliche Lage ermöglicht die erforderlichen Investitionen. 14 Geschäftsbericht 2011

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