expopharm 30. September 2015

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1 expopharm 30. September 2015 Dr. Martin Zentgraf Vorsitzender des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie e.v. - Es gilt das gesprochene Wort -

2 Seite 2 Sehr geehrter Herr Schmidt, sehr geehrter Herr Becker, sehr geehrter Herr Dr. Kiefer, sehr geehrter Herr Dr. Schmitz, meine sehr geehrten Damen und Herren, grundsätzlich soll ja ein Grußwort positiv hervorheben, welche Gemeinsamkeiten man hat, warum wir alle gute Partner sind. Idealerweise wird in den fünf Minuten, die man spricht, noch ein kleiner Punkt der Kritik vorgebracht, aber bitte nur ganz zart, nicht zu heftig, denn man will ja nicht die gute Stimmung verderben. Gut kommt auch immer, wenn man gemeinsame Gegner hat, die man ein wenig - wie beim politischen Aschermittwoch - kurz durch den Kakao ziehen kann. Stellen Sie sich jetzt einfach vor, das habe ich alles schon gesagt: Natürlich sind Apotheker und pharmazeutische Industrie gute Partner. Sie als Apotheker sind für uns erste Ansprechpartner und wichtigste Kollegen bei der Versorgung mit Arzneimitteln. Ohne Sie kommt kein Arzneimittel zum Patienten. Und natürlich ist auch die Zusammenarbeit

3 Seite 3 bei Projekten wie securpharm großartig - und wir hoffen, dass sich dies auch so fortsetzt. Ich erlaube mir, am heutigen Tag mal einen kleinen Schlenker in eine andere Richtung zu machen. Ich möchte auf drei repräsentative Umfragen zum Thema Arzneimittelberatung in der Apotheke eingehen, die eine haben wir kürzlich selber machen lassen durch das Marktforschungsinstitut Insa Consulere, die anderen beiden gibt es vom internationalen Marktforschungsinstitut Yougov. Ich weiß, bei Umfragen ist es ähnlich wie bei Statistiken, glaube keiner Umfrage, die du nicht selber erstellt und damit die Ergebnisse vorweggenommen hast. Aber wir haben uns bei unserer eigenen Umfrage sehr bemüht, ehrliche Ergebnisse zu bekommen. Wir haben diese Umfrage im Sommer vorgestellt, und sie bezog sich ausschließlich auf Sachsen. Auffällig war, dass die meisten Menschen eine feste Apotheke haben, quasi die Hausapotheke. Auffällig war aber auch, wie wenige der Befragten angaben, dass der Apotheker die Lebensumstände kennt und immerhin mehr als die Hälfte nicht

4 Seite 4 gefragt wird, ob es Unverträglichkeiten bei dem Arzneimittel gibt. Würde man Apothekern die Frage stellen, ob sie ihre Kunden nach den Lebensumständen oder Unverträglichkeiten fragen, wird eine überwiegende Anzahl natürlich mit ja antworten. Ich glaube, irgendwo in der Mitte liegt die Wahrheit. Ich hoffe, dass in einer Zeit, in der der wirtschaftliche Druck auch auf Apotheken immer mehr zunimmt, die Qualität der Beratung als besonderes Gut und als besonderer Wert hochgehalten und verbessert wird und eben nicht als Belastung und als zeitlicher Verlust reduziert wird. Ich freue mich über jeden Apotheker, der die Beratung, die Frage an den Kunden als Qualitätskriterium ansieht. Niemand sonst ist so nah am Patienten mit so viel pharmakologischem Sachverstand wie der Apotheker. Ein Arzt kann dieses überhaupt nicht leisten, und gerade bei den rezeptfreien Arzneimitteln ist diese Beratung eminent wichtig. Und da komme ich zur zweiten Umfrage. Die Marktforschungs- und Beratungsfirma Yougov hat im August 2015 bei über 1000 Bürgerinnen und Bürgern nachgefragt, wie weit sie eigentlich das Thema OTC-

5 Seite 5 Erstattung kennen. Das Ergebnis: Offensichtlich nicht sehr gut. Sieben von zehn Deutschen sind demnach der Ansicht, dass Kosten für OTC- Medikamente bei der Einreichung bei der Krankenkasse sowieso nicht erstattet werden. 93 Prozent der befragten Verbraucher haben noch nie davon gehört, dass es tatsächlich Satzungsleistungen von Krankenkassen gibt, dass man in vielen Fällen die Möglichkeit hat, sich etwa homöopathische und phytopharmazeutische Arzneimittel erstatten zu lassen. Ähnlich sieht es auch beim Grünen Rezept aus. Das Grüne Rezept, das vom BPI mit kreiert und immer wieder auch propagiert wird, ist als Merkhilfe in den Köpfen vieler Patientinnen und Patienten noch zu wenig verankert. Es wird auch als Hilfe und Unterstützung für den Apotheker angesehen, der aufgrund des Grünen Rezeptes weiß, welches Medikament nach Auffassung des Arztes dem Patienten am besten hilft. Aber eine große Bedeutung wird dem Grünen Rezept offenbar trotzdem nicht beigemessen. Das zeigt zumindest eine andere aktuelle Umfrage von YouGov zu den Kaufprozessen bei OTC-Produkten. Hier gaben nur

6 Seite 6 sechs Prozent der über 3000 befragten Bundesbürger an, dass das grüne Rezept von extremer Bedeutung sei. Ich denke, an diesen Stellen müssen wir ansetzen, und wer könnte das besser als der Apotheker. Sowohl die Satzungsleistung der Krankenkassen für OTC-Arzneimittel als auch das Grüne Rezept (immerhin schon 29 Prozent der OTC-Verordnungen im März 2015) müssen den Menschen noch näher gebracht werden. Ich bin davon überzeugt, dass dies für Apotheker zudem eine gute Chance ist, sich selber mit ihrem pharmakologischen Sachverstand noch deutlicher zu positionieren und zugleich den Patienten beim Thema Satzungsleistung deutlich zu machen, dass der Apotheker tatsächlich ernsthaft die Belange und auch die wirtschaftlichen Interessen von Patientinnen und Patienten im Blick hat. Eine echte Win-Win-Situation also. Wir als pharmazeutische Industrie können dies schwer leisten, denn der direkte Zugang zu Patientinnen und Patienten ist nicht gegeben. Sie als Apotheker in ihrer Offizin am HV Tisch, Sie können sich den Patientinnen und Patienten als die Instanz bei Fragen zu Arzneimitteln

7 Seite 7 noch stärker ins Bewusstsein bringen. Nutzen Sie diese Qualität Ihrer Arbeit. Herzlichen Dank.

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