Die Menschen werden älter Wie reagieren wir darauf? ab S. 8. Ausgabe 4/2009

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1 Die Menschen werden älter Wie reagieren wir darauf? ab S. 8 Ausgabe 4/2009

2 Herzlich willkommen Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, es scheint, als hätte das Jahr 2009 gerade erst angefangen, doch halten wir heute bereits die letzte Ausgabe der UKGlive für dieses Jahr in den Händen. Den drei vorausgegangenen Ausgaben unserer Mitarbeiterzeitung konnten Sie entnehmen, wie viel bei uns am Klinikum geschah. So hat Prof. Zygmunt das Amt des Ärztlichen Direktors übernommen, auf dem Sommerfest wurde wie gewohnt ausgelassen gefeiert und der Prozess der Strategieentwicklung 2014 wurde beendet. Forschungserfolge wurden verbucht und wieder einmal war der Andrang auf unsere Studienplätze überwältigend. Das sind nur einige Großereignisse und viele weitere Aktivitäten wären es wert, hier erwähnt zu werden. Nur durch den Einsatz eines jeden einzelnen Mitarbeiters sind Erfolge möglich. Deshalb möchte ich mich für die geleistete Arbeit bei Ihnen, auch im Namen des Vorstandes, recht herzlich bedanken. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien im Namen des gesamten Vorstandes ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest. Genießen Sie die Feiertage und kommen Sie gesund und gestärkt in das neue Jahr, denn dort warten die nächsten Anforderungen auf uns, die wir gemeinsam meistern wollen. Ihr zur letzten Ausgabe der Mitarbeiterzeitung in diesem Jahr. Weihnachten steht vor der Tür und wir haben natürlich wieder eine Weihnachtsgeschichte für Sie. Diesmal hat der Weihnachtsmann mit einer seltsamen Grippe zu kämpfen. Der Schwerpunkt dieser Ausgabe liegt auf dem Thema Alt werden. Wie rüstet sich das Klinikum für die Veränderungen im Zuge des demografischen Wandels? Wie könnte ein seniorenfreundliches Krankenhaus aussehen oder wie ist die Alterstruktur eigentlich an unserem Klinikum? Interessante Beiträge aus verschiedenen Bereichen erwarten Sie. In unserer Reportage Ein Tag mit begleitete das UKGlive- Team die Clowns der Greifswalder Grypsnasen. Regelmäßig besuchen sie die Stationen der Kinderklinik und bringen Abwechslung und gute Laune in den Alltag der kleinen Patienten. Auf Seite 12 sehen und lesen Sie, wie sich die Clowns engagieren. Das Klinikum ist aktives Mitglied des Klimaschutzbündnisses Greifswald Lesen Sie auf Seite 25, welche Maßnahmen unsere Einrichtung ergreift, um die Umwelt zu entlasten und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Apropos Klima! In der Hoffnung auf weiße Weihnachten möchte ich Ihnen nun eine besinnliche Zeit wünschen. Genießen Sie die Tage mit gutem Essen und im Kreis Ihrer Familie und Freunde. Kommen Sie gesund ins neue Jahr, damit das Team der UKGlive auch 2010 mit Ihrer Unterstützung rechnen kann. Es grüßt Sie herzlich Katja Watterott-Schmidt Leitende Redakteurin Peter Hingst Pflegedirektor Titelfoto: Martin Pierags ist einer der 12 Klinikclowns, die zu den Grypsnasen gehören. Er sorgt regelmäßig für gute Laune bei den kleinen Patienten in der Kinderklinik. Unser Redaktionsmitglied, Frau Ina Rönsch (li.), geht in den verdienten Ruhestand. Vielen Dank für die gute Zusammenarbeit!

3 INHALT KURZ UND BÜNDIG ALTERN EIN TAG MIT... NEUBAU IM SPIEGEL DER ZEIT ÄRZTE VON MORGEN BESSER INFORMIERT FAKULTÄT Nachrichten aus dem Universitätsklinikum Keine Angst vorm Alter Uniklinikum stellt Weichen Praxis geschlossen? Wenn die Hormone im Alter streiken Wie sieht ein seniorenfreundliches Krankenhaus aus? Faltenfrei und ohne graue Haare Altersstruktur im Klinikum Lachvisite im Krankenhaus Grypsnasen bringen gute Laune Kinderchirurgie, Hautklinik, Stroke Unit in neuen Räumen Krankenakten Ein Schatz für die medizinhistorische Forschung Wie ehemalige Mediziner über Greifswald dachten Schultafel hat ausgedient SMART Board für Studenten Eierstockkrebs erfolgreich behandeln Symposium Wir möchten neuen Mitarbeitern ein gutes Gefühl geben Energieeffizienz am Klinikum Internationale Konferenz in Lund, Medizinertaufe Promotionsbörse, Startschuss für GANI_MED, Erstsemesterbegrüßung KKH WOLGAST 22 Wo Ärzte selten Kittel tragen PERSONALRAT 26 Wechsel an der Spitze des Personalrats WEIHNACHTSGESCHICHTE NAMEN Weihnachten in Kohortenisolierung oder Alles nur ein Bluff? Verabschiedung von Prof. Dr. Klebingat Herzlichen Glückwunsch! Dienstjubiläen, Habilitationen 10 Fragen an Prof. Dr. Martin Burchardt Märchen & Unterwasserwelten Malaktion in der Kinderklinik TERMINE 32 Was? Wann? Wo? APPENDIX 34 Für zwischendurch 3

4 KURZ UND BÜNDIG Greifswalder ist jetzt Weltzahnmediziner Professor Georg Meyer überzeugte in Singapur mit Plädoyer für Amalgam Prof. Georg Meyer Der Direktor des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universität Greifswald, Prof. Georg Meyer, ist auf dem 97. FDI-Welt-Zahnärztekongress in Singapur als neues Mitglied in das Wissenschaftskomitee gewählt worden. Über 150 Nationen sind im Dachverband der World Dental Federation (FDI), die ihren Sitz in Genf (Schweiz) hat, organisiert. Das Wissenschaftskomitee besteht aus sieben Mitgliedern und vertritt die internationalen wissenschaftlichen Interessen der Zahnmedizin. Gemeinsam mit Vertretern aus Brasilien, Frankreich, Hongkong, Israel, der Türkei und den USA ist der Greifswalder nun für zunächst drei Jahre zuständig für wissenschaftliche Stellungnahmen seines Fachgebietes, unter anderem auch für Anfragen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ein wichtiges Thema bei der diesjährigen Sitzung war das von Umweltministern geplante weltweite Verbot von Quecksilber. Ohne eine entsprechende Ausnahmerege- lung würde hiermit ein Verbot des bewährten zahnärztlichen Füllungswerkstoffes Amalgam einhergehen, warnte Meyer. Er plädierte klar und überzeugend für die weitere Nutzung von Amalgam, zumal die als Alternative erhofften Kunststofffüllungen sowohl mechanische als auch biologische Risiken in sich bergen. Amalgam sei eine äußerst stabile Legierung aus Silber, Zinn, Kupfer und Quecksilber. Eine Vielzahl an wissenschaftlichen Studien und Langzeituntersuchungen hat bislang keinerlei Hinweise ergeben, dass diese Füllungen, trotz ihres Quecksilbergehaltes, gesundheitsschädlich sind, betonte Meyer. Schwimmen für den Behindertensport Teams in Topform Beim diesjährigen Staffelschwimmen von Greifswalder Firmen zugunsten des Behindertensports waren die Teams unseres Klinikums überaus erfolgreich. In der Kurzdistanz über 4 x 25 m Freistil gingen allein 3 Klinikumsstaffeln an den Start, wobei das vorher hoch gewettete Team 4 gewinnt seiner Favoritenrolle gerecht wurde und den Siegerpokal verteidigen konnte. Die Mannschaften 3+1 (Platz 3) sowie 5-1 (Platz 6) unterstrichen ihre einjährigen individuellen Vorbereitungen durch Spitzenzeiten. Im Wettbewerb der Langdistanz über 8 x 25 m Freistil war unserem Team die Dreifachbelastung durch Arbeit, Forschung und Lehre anzumerken, so dass im Endkampf mit dem hauchdünnen Rückstand einer Zehntelsekunde der 2. Platz erkämpft wurde. Sollte die tägliche Arbeit keine konsequente Vorbereitung für das nächste Event gewährleisten können, wird eine enge Kooperation mit der Uniapotheke und der Pharmazie in Erwägung gezogen. Danke an Johanna, Mathias, Taras, Petra, Heinrich, Rene, Laura, Johannas Aushilfe, Pilzkopp und Richard für die Leistungen. Dr. Toralf Scheltz Auch das Gesundheitszentrum Greifswald GmbH war beim diesjährigen Firmenstaffel Event dabei und erhielt tatkräftige Unterstützung vom ehemaligen WM- und Olympiastarter Lars Hinneburg. Für die DDR holte er in vielen Wettkämpfen nationale und internationale Titel und Medaillen. Das Team wurde von Erik Ramthun, Mike Bergeman (Gesundheitssport und Sporttherapie Formsache Wolgast) und Hans- Magnus Holzfuß komplettiert. Das Mixed Team des Gesundheitszentrums holte den 4. Platz in der 4 x 25 m Freistil-Staffel. Auch für das Jahr 2010 hoffen alle Teilnehmer wieder auf ein spannendes Rennen und auf einen neuen Spendenrekord! Hans-Magnus Holzfuß Hochkonzentriert beim Sprung vom Startblock v.l.: Lars Hinneburg, Erik Ramthun, Mike Bergeman, Hans-Magnus Holzfuß 4

5 KURZ UND BÜNDIG Blut Prof. Andreas Greinacher Baukasten Blut Vorpommern helfen, Erbinformationen zu entschlüsseln Klinikum Überregionales Traumazentrum Gesundheitsstudie SHIP wird immer wichtiger für die Forschung Greifswalder Forscher haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Europa und Nordamerika Gene entschlüsselt, die sich direkt auf die Blutzellen auswirken. In einer beispiellosen Zusammenarbeit ist es 80 Forschern gelungen, Erbinformationen zu identifizieren, durch die die Anzahl und Größe der wichtigsten menschlichen Blutzellen beeinflusst werden, informierte Prof. Andreas Greinacher, Leiter der Abteilung Transfusionsmedizin am Greifswalder Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin. Die Ergebnisse wurden im November in Nature Genetics publiziert, einer der bedeutendsten Fachzeitschriften für naturwissenschaftliche Forschung. Erneut haben dabei die Daten der Gesundheitsstudie SHIP (Study of Health in Pomerania) geholfen, wichtige genetische Funktionen aufzudecken, so Greinacher. In dem wissenschaftlichen Gemeinschaftswerk unter der Federführung des renommierten britischen Wellcome Trust Sanger Instituts wurden die Gene von rund Menschen, davon aus Vorpommern, untersucht. Die Daten aus Vorpommern stammen aus der seit zehn Jahren laufenden SHIP-Studie aus den Regionen Greifswald, Stralsund, Ostund Nordvorpommern. Die Forscher haben über zwei Millionen genetische Unterschiede analysiert und konnten 22 genetische Veränderungen herausfiltern, die für die Zahl und die Größe unserer Blutzellen von Bedeutung sind. Davon sind 15 Genvarianten weltweit erstmals identifiziert worden. Von deutscher Seite waren neben Greifswald mit den Instituten für Immunologie und Transfusionsmedizin, Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, Community Medicine, Genetik und Funktionelle Genomforschung das Helmholtz Zentrum München, das Uniklinikum Kiel-Lübeck sowie die Universität Regensburg beteiligt Endoprothesen bereits implantiert Kürzlich konnte ein Jubiläum besonderer Art begangen werden. Die von der Biomechanischen Arbeitsgruppe Greifswald / Göttingen entwickelte Knieendoprothese wurde zum Mal implantiert. Bereits 24 Kliniken in Deutschland wenden diese Prothese aus Titan und Polyäthylen mit Erfolg an. Mit dieser Neuentwicklung werden die natürlichen Roll- und Gleitbewegungen des menschlichen Gelenks optimal nachvollzogen. In dieser Form ist die Prothese einmalig. Sie wird stets in ihrer Form verbessert und dabei der Bandapparat des Menschen in die Prothese involviert. In den Bändern sitzen Nervenendigungen, die eine Art Sensoren darstellen. Sie registrieren Lage und Stellung des Kniegelenkes. Das Greifswalder Team wird von Prof. Fanghänel angeführt und es besteht aus Vertretern der Anatomie, der Radiologie und dem Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Die Professoren Jochen Fanghänel und Tomasz Gedrange beim Begutachten der Gelenkflächen. Prof. Axel Ekkernkamp (li.) mit Dr. Peter Hinz (re.) Das Uniklinikum Greifswald wurde in der höchsten Versorgungsstufe als Überregionales Traumazentrum zertifiziert. Anfang November hat die Abteilung Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Klinikum das Prüfverfahren erfolgreich absolviert. Professionelle Strukturen zur Versorgung von Unfallopfern helfen Leben zu retten. Dabei zählt jede Sekunde, unterstrich der Leiter der Unfallchirurgie, Professor Axel Ekkernkamp. Das Trauma-Netzwerk der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU/www. dgu-traumanetzwerk.de) soll für jeden Schwerverletzten in Deutschland rund um die Uhr die bestmögliche Versorgung unter standardisierten Qualitätsmaßstäben ermöglichen. Es wird differenziert zwischen lokalen, regionalen und überregionalen Traumazentren, die im Weißbuch der DGU definiert sind (www.dgu-online.de). Bereits 2007 wurde in Greifswald auf Initiative der Universitäten Greifswald und Rostock das Trauma-Netzwerk Mecklenburg-Vorpommern mit 18 teilnehmenden Kliniken gegründet. Aktuell existieren in Deutschland 42 Trauma-Netzwerke mit 715 Kliniken. Jedes Jahr erleiden über Menschen in Deutschland schwere, oft lebensbedrohliche Verletzungen. Die Überlebenschance sinkt mit jeder Viertelstunde, kann sich aber andererseits durch eine gute Versorgungsstruktur erhöhen. Entscheidend sind die Rettungsdauer des Verunfallten sowie dessen schnellstmögliche verletzungsadäquate Behandlung in einer spezialisierten Klinik. 5

6 KURZ UND BÜNDIG Kulturnacht im Greifswalder Hospiz Lebensretter mit Schutzweste & Pfefferspray? Notärzte in Mecklenburg-Vorpommern diskutierten über zunehmende Gewalt gegen Rettungskräfte Am 25. und 26. September 2009 fand in Greifswald der 17. Notärztetag des Landes statt. Im Mittelpunkt stand das Thema Gewalt im Rettungsdienst. Das Problem wird auch für Rettungskräfte immer gegenwärtiger: Gewalt gegen Notärzte und Sanitäter sowie die Konfrontation mit Aggressionen unterschiedlichster Art im Dienstalltag. Der lebensrettende Einsatz von Medizinern am Rande von Großdemonstrationen, Fußballspielen und Randalen, aber auch im Bereich häuslicher Gewalt wird zunehmend zu einer Gefahr für die Helfer. Oftmals spielt dabei der Missbrauch von Drogen und Alkohol eine Rolle. Die 17. Jahrestagung der Notärzte in Mecklenburg-Vorpommern wurde von der Arbeitsgemeinschaft in MV tätiger Notärzte e. V. und der Universitätsklinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin Greifswald organisiert. Themen waren unter anderem das Verhalten bei Gewalt gegen Kinder sowie das Vorgehen des Notarztes bei unnatürlichen Todesursachen. Im gemeinsamen Erfahrungsaustausch wurden Aspekte der Selbstverteidigung und der Deeskalation im Umgang mit schwierigen Situationen diskutiert. Der Gesundheitswissenschaftler und Rettungsassistent Marian Lenk aus Groß Nemerow stellte erstmals die Ergebnisse seiner Studie zur Gewalt gegen Rettungsdienstmitarbeiter vor. Danach berichteten im Jahr 2007 zwei Drittel der befragten Einsatzkräfte von mindestens einem Gewalterlebnis während eines Einsatzes. An der traditionellen Kulturnacht unserer Hansestadt beteiligte sich zum zweiten Mal auch das Greifswalder Hospiz. Um die Bewohner nicht zu stören, fanden die Darbietungen vor dem Hospiz und im Wohnzimmer der Einrichtung statt. Derartige Veranstaltungen sind eine gute Gelegenheit die Einrichtung zu präsentieren. Den Gästen wird die Möglichkeit gegeben, auch ohne zeitnahes Interesse an einer Hospizaufnahme die Einrichtung kennen zu lernen. Auch trägt diese Veranstaltung dazu bei zu zeigen, dass im Hospiz nicht nur gestorben wird. Strahlende Gesichter und viel Applaus waren das Honorar für die gekonnten Darbietungen des Gützkower Blasorchesters e.v. und das Spiel des Greifswalder Klaviertrios mit Olga Bille (Klavier), Helmut Küster (Violine) und Andrej Gudzuhn (Violoncello). 5. Usedomer Ärztetage gaben Orientierung Mittlerweile hat sich das Konzept für die jährlich stattfindenden Usedomer Ärztetage, das sowohl niedergelassene Kollegen und angestellte Klinikärzte einbezieht, zur größten regionalen fachübergreifenden ärztlichen Fortbildung entwickelt. An der diesjährigen Tagung nahmen 126 Ärzte teil. Das Schwerpunktthema war die Orientierung in der Medizin. So fachübergreifend wie die Thematik, gestaltete sich auch der Inhalt der Tagung. Aus ganz unterschied- lichen Perspektiven näherten sich die Referenten und Teilnehmer den brennenden Gesundheitsthemen der Zeit, mal philosophisch, mal ganz praktisch oder auch kommunikativ. Sowohl die Referenten, als auch insbesondere die Zuhörer waren von der Atmosphäre und den Inhalten der Fortbildung begeistert. Diese wird jährlich durch einen festen Stamm von mehr als 30 pharmazeutischen Unternehmen unterstützt. Das Gützkower Blasorchester sorgte für Stimmung 6

7 KURZ UND BÜNDIG Magnesium tut Zähnen gut Forscherpreis für Zahnklinik v.l.n.r. DGZMK-Generalsekretär Dr. K.-Rudolf Stratmann, Prof. Thomas Kocher, Dr. Careen Springmann und DGZMK-Präsident Prof. Thomas Hoffmann Eine ausreichend hohe Magnesium-Konzentration im Blut sorgt für einen langen Erhalt der Zähne. Zu diesem Forschungsergebnis kam eine Arbeitsgruppe der Greifswalder Zahnklinik mit dem Pharmakologen Prof. Peter Meisel und den Zahnmedizinern Dr. Careen Springmann und Prof. Thomas Kocher. Für ihre Untersuchungen wurden die Wissenschaftler nun mit dem Miller-Preis ausgezeichnet. Der Preis zu Ehren des Pioniers der Zahnheilkunde, Willoughby Dayton Miller ( ), ist mit Euro dotiert. Die Greifswalder Forscher hatten anhand der großen Greifswalder Bevölkerungsstudie SHIP (Study of Health of Pomerania) mit über Probanden aufzeigen können, dass bei ausreichend hoher Magnesium-Konzentration im Blut weniger Entzündungen des Zahnfleisches auftreten und damit einhergehend ein verbesserter Erhalt der Zähne zu verzeichnen ist. Auch die altersbedingte Zunahme der Parodontitis (Entzündungen des Zahnhalteapparates) und der Zahnverlust über eine fünf Jahre dauernde Nachuntersuchungszeit verliefen bei ausreichender Magnesiumzufuhr wesentlich langsamer. Nach den Ergebnissen dieser Studie sind insbesondere Diabetiker und junge Frauen von einer Unterversorgung mit Magnesium betroffen, erklärten die Preisträger um Prof. Peter Meisel. Die gute Nachricht dabei ist, dass dunkle Schokolade reichlich Magnesium enthält und darüber hinaus auch Inhaltsstoffe mit günstigen Wirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem. Der Deutsche Miller-Preis wird vom Vorstand der DGZMK jährlich zur Würdigung der besten wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiet der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde ausgelobt. Er stellt die höchste Auszeichnung einer wissenschaftlichen Leistung durch die DGZMK dar. Die drei Wissenschaftler wollen das Preisgeld nutzen, um ihre Forschungen auch in Zukunft weiterführen zu können. Eindrücke vom Pflegesymposium 2009 Der Anfang aller Erkenntnisse ist Staunen. (Aristoteles) SCHWEINEGRIPPE- IMPFUNG: ZAHLEN UND FAKTEN Nach anfänglicher Zurückhaltung ist die Bereitschaft zur Schweinegrippe- Impfung in den letzten Wochen am Universitätsklinikum Greifswald deutlich angestiegen. Wie der Betriebsärztliche Dienst mitteilte, wurden bis Ende November Impfungen durchgeführt. Neben den Mitarbeitern des Klinikums haben sich seit Ende Oktober auch Studenten, HKS-Mitarbeiter und Mitarbeiter der BDH-Klinik immunisieren lassen. Die Möglichkeit zur Impfung besteht weiter. Am 25. November trafen sich über 200 interessierte Pflegekräfte aus der Region Vorpommern im Mercure Hotel zum ersten Pflegesymposium. Es war ein interessanter Erfahrungsaustausch zwischen ambulanten und stationären Einrichtungen. Wir haben gestaunt über die tollen Leistungen der Referenten und die sehr gute Organisation. An den professionellen Vorträgen hat sich gezeigt, wie viele Pflegekräfte nicht nur ihre Arbeit engagiert verstehen. Stolz können wir Pflegekräfte darauf sein, mit welchem Einsatz das schmerzfreie Krankenhaus durch uns getragen und unterstützt wird. Wir würden uns auf ein zweites Symposium sehr freuen. Das Team der gynäkologischen Abteilung, Ute Stutz index.php?id=89 oben: Peter Hingst, Pflegedirektor des Klinikums unten: 1. Reihe (v.l.n.r.) G. Krause, S. Maletzki, Dr. A. Jülich, P. Hingst 7

8 ALTERN Aber nicht nur die Strukturveränderungen, sondern auch die neue und adaptierte Vorgehensweise ist für den zukünftigen Erfolg entscheidend. Aus dem Prozess soll die Universitätsmedizin Greifswald als eine von der Bevölkerung anerkannte Marke hervorgehen. Die Markenbildung schafft nicht nur Vertrauen und verbessert das Image, sondern sie stiftet auch interne Identität und sichert uns vor den möglichen Krisen des Gesundheitssystems. Keine Angst vorm Alter Die alternde Gesellschaft wird die Struktur der Krankenversorgung verändern. Das Klinikum stellt die Weichen. Die Individualisierte Medizin haben wir zum zentralen Leitbild erhoben. Mit der Förderung des interfakultären Projektes Gani_Med (Greifswald Approach to Individualized Medicine) durch das BMBF ist der Medizinischen Fakultät und dem Klinikum ein wichtiger Schritt für die zukünftige Ausrichtung in der Versorgung der Patienten gelungen. Bei dem Bundesforschungsprojekt geht es vorrangig um maßgeschneiderte Diagnose- und Behandlungsstrategien für einzelne Menschen und spezielle Patientengruppen (www.medizin.uni-greifswald. de/gani_med). Die Beteiligung des Klinikums an diesem wichtigen Projekt ist in unseren Augen nicht nur für das Gelingen des Projektes an sich, sondern auch für die noch bessere und individualisierte Behandlung unserer Patienten von entscheidender Bedeutung. Prof. Dr. med. Marek Zygmunt Vorstandsvorsitzender/ Ärztlicher Direktor Universitätsklinikum Greifswald Die Gesellschaft wird älter. Der demografische Wandel steht uns nicht bevor. Die Statistik beweist: Wir stecken bereits mittendrin. Mit einem Durchschnittsalter von 35,8 Jahren hatte Mecklenburg-Vorpommern zu Wendezeiten die jüngste Bevölkerung in der Bundesrepublik. Heute liegt das Durchschnittsalter im Nordosten bereits bei 44,7 Jahren. Künftig wird es mehr ältere und kränkere Patienten geben, der Betreuungs- und Pflegeaufwand wird steigen. Die Medizin des Alters und des älteren Menschen, die Neurologie sowie Teile der Inneren Medizin und Onkologie, aber auch die palliativmedizinische Versorgung werden einen wichtigeren Stellenwert in der Krankenversorgung einnehmen. Das Uniklinikum Greifswald stellt sich diesen gesellschaftlichen Veränderungen. DIE MEDIZIN DES ALTERS WIRD EINEN WICHTIGEREN STELLENWERT IN DER KRANKENVERSORGUNG EINNEHMEN. Bereits in der Ausgabe 2/2009 der Mitarbeiterzeitung haben wir die Herausforderungen für die Struktur unseres Klinikums erläutert. Unterstützend wurde im Juli das Strategiepapier Universitätsmedizin Greifswald 2014 verabschiedet. Diese ist unsere wichtigste Orientierungsgrundlage für das Klinikum und seine Mitarbeiter, um für die bevorstehenden Veränderungen gerüstet zu sein. In den nächsten fünf Jahren soll die Universitätsmedizin Greifswald als der führende forschende und lehrende Gesundheitsanbieter im Norden der Republik etabliert werden. Prof. Marek Zygmunt 8

9 ALTERN Praxis geschlossen? Innovative Konzepte sollen die ärztliche Versorgung für ältere Patienten absichern. Hausärztemangel und der demografische Wandel fordern neue Ideen für die Zukunft. Eine Folge des demografischen Wandels ist ein Anstieg der Patientenzahlen, vor allem für altersassoziierte chronische Erkrankungen und Multimorbidität sowie eine alters- und morbiditätsbedingt abnehmende Mobilität. Gleichzeitig besteht bei Hausärzten ein Wiederbesetzungsbedarf von etwa 40% bis Die Nachfolge ist in vielen Fällen nicht gesichert. Das führt dazu, dass in einigen, insbesondere ländlichen Regionen in naher Zukunft Lücken in der hausärztlichen Versorgung zu erwarten sind oder bereits heute bestehen. Um die ärztliche Versorgung in ländlichen Regionen auf dem bisherigen hohen Niveau zu sichern, sind innovative, integrative Versorgungsmodelle notwendig. Das Klinikum kann dabei in Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten subsidiär (nachrangig) Versorgungsaufgaben in der Region übernehmen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten für Krankenhäuser, sich an der ambulanten Versorgung zu beteiligen, z. B. mit hoch spezialisierten Leistungen sowie Leistungen für die Behandlung seltener Erkrankungen und Erkrankungen mit besonderen Krankheitsverläufen nach SGB V 116b. Ein weiteres Beispiel ist die Beteiligung an Verträgen zur Integrierten Versorgung nach SGB V 140 a-d. Hier ist die Bedingung, dass die Leistungen entweder sektorenübergreifend oder interdisziplinär-fachübergreifend sein müssen. Auch Forschungsprojekte bieten die Möglichkeit, innovative Konzepte für regionale Versorgungsmodelle in Kooperation mit niedergelassenen Ärzten zu implementieren und zu evaluieren. Ein Beispiel hierfür ist der Integrierte Funktionsbereich Telemedizin (IFT), der am vom Klinikvorstand eingeweiht wurde. Prof. Wolfgang Hoffmann, Neeltje van den Berg Wenn die Hormone im Alter streiken Forscher untersuchen den Zusammenhang von Testosteron und Männergesundheit im Alter Am Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin ist seit einiger Zeit eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe etabliert, die sich schwerpunktmäßig mit Hormon- und Stoffwechselerkrankungen befasst. Die Forschergruppe, bestehend aus Labormedizinern, Endokrinologen und Epidemiologen, untersucht unter anderem den Zusammenhang zwischen dem männlichen Sexualhormon Testosteron und Fragen der Gesundheit des alternden Mannes im Rahmen der SHIP-Studie. Da der demografische Wandel und die zunehmende Alterung unserer Gesellschaft auch vor dem starken Geschlecht nicht Halt machen, sind altersbedingte Erkrankungen beim Mann auf dem Vormarsch. So ist bekannt, dass der Testosteronspiegel mit zunehmendem Alter des Mannes kontinuierlich sinkt. Bei 15-20% der untersuchten Männer über dem 50. Lebensjahr konnte im Rahmen der SHIP-Studie ein erniedrigter Testosteronspiegel nachgewiesen werden. In Analysen der Daten der SHIP-Studie konnten die Wissenschaftler belegen, dass erniedrigte Testosteronspiegel häufig mit Adipositas, Fettstoffwechselstörungen und einer Steatosis Hepatis verknüpft sind. Niedrige Testosteronspiegel sind auch mit einer erhöhten Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen bzw. erhöhten ambulanten Gesundheitskosten verbunden. Zudem konnte gezeigt werden, dass ein niedriger Testosteronspiegel als Biomarker für ein zukünftiges Metabolisches Syndrom, einen Typ 2 Diabetes, oder Hypertonus angesehen werden kann und bei Männern mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko zusammenhängt. Die Arbeitsgruppe setzt modernste analytische Verfahren, wie z.b. NMR-Spektroskopie zur Charakterisierung der Stoffwechselsituation, in ihrer Forschungsambulanz ein. Auch im Rahmen von GANI_MED wird diese Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit Kardiologen, Frauenärzten und Ärzten der Klinik für Psychiatrie den Einfluss von Sexualhormonen auf die Entwicklung der oben genannten Stoffwechselerkrankungen untersuchen. Ziel ist dabei, eine individuelle Diagnostik mit Risikoanalyse und Lebensstilberatung bzw. Therapie zu etablieren. Henri Wallaschofski 9

10 ALTERN Paul Kramer Wie sieht ein seniorenfreundliches Krankenhaus aus? Realität und Vision klaffen noch auseinander. Paul Kramer (Krankenpfleger auf der Aufnahmestation) berichtet von seinen Erfahrungen. Ein seniorenfreundliches Krankenhaus zeichnet sich meiner Meinung nach durch eine hohe Flexibilität in Bezug auf die Bedürfnisse und den Zustand des einzelnen Patienten aus. Nicht jeder Mensch, der alt ist, ist auch alt. Es ist wichtig, gut geschultes, motiviertes und ausreichend viel Personal zu haben. Das Personal wiederum benötigt Zeit, Erfahrung und eine gute Kommunikation untereinander, um die Bedürfnisse des Patienten erfassen, seinen Zustand einschätzen und ihn fördern zu können. Denn jeder Mensch ist individuell. Dazu fällt mir eine wahre Geschichte ein, in der der Zustand des Patienten nicht richtig eingeschätzt und somit die Ressourcen nicht genutzt wurden. Ein Mann wurde ins Krankenhaus eingewiesen. Er wirkte alt und gebrechlich. Da sich niemand ein richtiges Bild von dem Patienten gemacht hatte, nahm man ihm die Ganzkörperpflege und das Ankleiden komplett ab. Er wurde sogar im Bett mobilisiert. Als er dann am Entlassungstag alles allein durchführte und mit gepackter Tasche auf dem Flur saß, waren alle Pflegekräfte, Ärzte und Physiotherapeuten, die den Patienten betreuten, sehr überrascht. Auch die räumlichen und baulichen Gegebenheiten sind von großer Bedeutung. Ausreichend Platz in den Patientenzimmern und eine angepasste Ausstattung gehören dazu. Alles sollte hell, freundlich und einladend sein. Ein wenig Farbe macht das Leben ja bekanntlich bunter. In einem seniorenfreundlichen Krankenhaus ist ebenso eine leichte Orientierung notwendig, da ja alles größer, schneller und höher wird. Damit sich alte und auch junge Patienten sicher fühlen und ihre Station, die Funktionsabteilung, die Cafeteria oder auch nur den Ausgang wieder finden können, sollte es ein leicht verständliches, selbsterklärendes Navigationssystem geben. Was ein seniorenfreundliches Krankenhaus noch ausmacht, ist die Aufklärung und Information des Patienten über seine Gesundheit und auch Krankheit. Es wäre sinnvoll, die Ressourcen des gut geschulten und motivierten Personals zu nutzen, um Selbsthilfegruppen zu moderieren, Schulungen zu halten und Netzwerke aufzubauen. Außerdem sollte der Patient auch nach der Entlassung immer einen Ansprechpartner haben, damit er gut informiert ist und sich in Krisensituationen nicht allein fühlt. Ich denke, dass es noch viele andere Faktoren gibt, die wesentlich sind, um ein seniorenfreundliches Krankenhaus zu sein. Manchmal reichen auch schon ganz kleine, banale Dinge wie beruhigende Worte, ein offenes Ohr oder ein Lächeln. Diese Dinge kann jeder umsetzen und damit eine große Wirkung erzielen. Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sollten täglich über ihren Tellerrand schauen und sich kreativ einbringen zum Wohle der älteren Menschen. Paul Kramer (Krankenpfleger auf der Aufnahmestation der KIM A) Physiotherapeutin Gudrun Graupner hilft einer Patientin 10

11 AUSBILDUNG Ein Blick in die Mitarbeiterstatistik beweist: Unser Klinikum ist jung. Das Durchschnittsalter aller Mitarbeiter liegt bei etwas mehr als 38 Jahren. Unsere männlichen Kollegen sind statistisch gesehen sogar etwas jünger als die Frauen mit 38,8 Jahren. Liebe Damenwelt nicht traurig sein! Dafür haben Sie mit einem Mitarbeiteranteil von 75% die Übermacht. Faltenfrei und ohne graue Haare Wir sind ein junges Klinikum Die Klinikumsmitarbeiter haben ein Durchschnittsalter von 38 Jahren. Besonders jung ist das Pflegepersonal. Besonders jung hält offenbar die Arbeit im Pflegedienst. Das Durchschnittsalter liegt hier bei 32,9 Jahren. Im Verwaltungs- und technischen Dienst zählt dagegen die Erfahrung glaubt man den Zahlen: Diese Mitarbeiter zählen 46 Lenze und sind innerhalb der letzten zehn Jahre statistisch gesehen auch nur um ein Jahr gealtert. Im Oktober 2000 lag das Durchschnittsalter der Angestellten in Verwaltung und Technik bei 45 Jahren. Durchschnittliches Alter Ärztlicher Dienst Dienstart Funktionsdienst Pflegedienst Medizinisch-techn. Dienst Die Ärzte sind nur Durchschnitt. Nein, nicht dass Sie das falsch verstehen! Aber mit einem Alter von Jahren liegen Sie genau im statistischen Mittel. Trotzdem ist eines unverkennbar: Das Personal des Universitätsklinikums wird älter. So sank der Anteil der jährigen Mitarbeiter seit 2000 um 1,3%. Auch der Anteil der Jährigen ging um 5,2% zurück. Dagegen nimmt die Zahl der erfahrenen Mitarbeiter stetig zu. Die Fraktion der jährigen Mitarbeiter wuchs seit 2000 um 1,2% an. Der Anteil der jährigen sowie der jährigen Klinikumsmitarbeiter stieg um 1,5% beziehungsweise 1,1%. 11

12 EIN TAG MIT... Lachvisite im Krankenhaus Grypsnasen bringen gute Laune in die Kinderklinik Martin Pierags (li.) und David Knauft sind Matte Lacchiato und Theo Lachen ist gesund oder Lachen ist die beste Medizin sind bekannte Sprichwörter, in denen Wahrheit steckt. In Greifswald bringen seit 2005 die Clowns der Grypsnasen das Lachen auf die Stationen der Kinderklinik. Das UKGlive-Team begleitete die Greifswalder Klinikclowns bei ihrer Visite. 14:00 Uhr: Die Mittagsruhe auf der Kinderstation ist vorbei. Einige der kleinen Patienten spielen, andere genießen den Besuch und Trost ihrer Eltern ein normaler Kliniktag. Währenddessen betreten zwei Männer die Kinderklinik. Es könnten Väter sein, seriös gekleidet sehen sie aus, auf dem Weg zu ihren Kindern. Doch Martin Pierags und David Knauft haben eine Mission, die Mission zum Lachen. Mit ihren Späßen wollen die Klinikclowns an diesem Nachmittag die Kinder verzaubern, mit Seifenblasen die Sorgen und Ängste wegblasen. Ich mag die Interaktion mit den Kindern, die Herausforderung, sich schnell auf unterschiedlichste Situationen einstellen zu müssen, erklärt Martin Pierags, der hauptberuflich als Clown arbeitet. Für ihn sei das Clownsein nicht nur Beruf sondern Berufung. David Knauft steht am Anfang seines Clownseins. Als Lehramtsstudent unterstützt er die Grypsnasen seit einem Jahr. Sollte es 12 im Unterricht mit den Schülern später einmal nicht so klappen wie gewünscht, kann ich ja eine Einlage als Clown geben, verrät er schmunzelnd. Schnell geht es zur Station die beiden kennen den Weg. Beim Pflegepersonal erkundigen sie sich über die kleinen Patienten. Welches Lieblingsspielzeug haben sie, wie geht es ihnen, wie lange sind sie bereits in der Klinik? Die Antworten der Schwestern helfen den Männern, individuell auf die kleinen Patienten einzugehen. Martin Pierags öffnet seinen großen Koffer, der vollgestopft ist mit allerlei Utensilien und einem Kilogramm Fantasie: Jonglierbälle, buntbeklebte Dosen, Bastelpapier, Luftballons und Strohhalme kullern durch den Koffer. Die Stimmung ist ernst, die Männer sind konzentriert. Klinikclown zu sein ist keine einfache Aufgabe. Die Clowns der Grypsnasen verfügen nicht nur über komisches Talent und viel Fantasie, sondern auch über vielseitige Erfahrungen im Bereich Schauspiel und Clownerie, erfahren wir von Martin Pierags, selbst Vater von drei Kindern. Viele Klinikclowns sind Mitglieder von Laienspielgruppen oder Studententheatern wie in Greifswald im StuThe. Einmal in der Woche treffen sich die zwölf Clowns zum Training und organisieren regelmäßig Weiterbildungsmöglichkeiten mit Clown- Lehrern von außerhalb. Nach und nach verwandeln sich die beiden Männer nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich zu Clowns. Ein bisschen Schminke, ein Hut, eine Clownnase und Sprechübungen lassen aus Martin Pierags Matte Lacchiato werden. David Knauft wird zu Theo. 15:00 Uhr: Die beiden Clowns betreten das Zimmer 3 der allgemeinen Kinderstation.

13 EIN TAG MIT... Anne, Louis und Veronika, die kleinen Patienten, machen große Augen. Die siebenjährige Anne kann zurzeit nur Flüssignahrung zu sich nehmen einen gelben Strohhalm hat sie deshalb. Behutsam tastet sich Clown Matte vor. Ist das ein Zitronen- Strohhalm? Die kleine Patientin schaut schüchtern und bejaht. Dann holt der Clown aus seinem großen Koffer zwei Riesentrinkhalme. Grün und rot. Schau mal, ich habe hier auch noch Waldmeister und Erdbeere! Das Eis ist gebrochen. Die Situation entwickelt sich, es wird gefragt, gelacht und auch gebastelt. Clown Matte zeigt den kleinen Patienten, wie man aus dem Trinkhalm eine Tröte baut. Da kommt schließlich tatsächlich ein Ton heraus. Anne ist begeistert. Auch die Muttis von Anne und Louis sind im Zimmer. Ihre anfängliche Skepsis weicht, fleißig tröten sie mit den Kindern mit. Hier werden selbst die Eltern wieder zu Kindern. Für einige Zeit sind so die Sorgen und die Krankheit vergessen. Nach etwa zwanzig Minuten verabschieden sich die Clowns, um in das nächste Zimmer zu gehen. Die zu Tröten umgebauten Strohhalme dürfen Anne, Louis und Veronika behalten. So werden sie weiterhin an die Clowns erinnert und der Moment der Freude hält länger an. Im nächsten Zimmer liegen Lukas und Merle. Dürfen wir reinkommen?, fragen die Clowns vorsichtig. Ohne das Einverständnis der kleinen Patienten wird kein Zimmer betreten. Lukas ist zwei Jahre alt. Er trägt einen Schlauch in der Nase, am kleinen Körper hängt eine kleine rote Tasche, in der ein Gerät versteckt ist. Während Merle etwas ängstlich und zurückhaltend ist, blickt Lukas die Clowns erwartungsvoll an. Matte Lacchiato und Theo müssen sich umstellen, die Tricks und Kniffe, die sie den Großen gezeigt haben, sind bei den Lütten ungeeignet. Die Umstellung gelingt den Clowns in Sekundenschnelle. Matte füllt den Raum mit bunten Seifenblasenkugeln. Eine zerplatzt an seiner roten Nase und spritzt ihn voll. Der kleine Lukas bietet sein Schnuffeltuch zum Trocknen an. Auch Theo holt seine bunten Jongliertücher hervor und zusammen testen alle drei deren Weichheit. Nachdem Lukas den Clowns seinen Schlauch an der Nase gezeigt hat, entdeckt Clown Matte, dass er auch zwei Schläuche an der Nase hat. Die drei verstehen sich auf Anhieb. Hier ist der Vater dabei, auch hier ist die anfängliche Skepsis zu sehen. Doch während der Clownvisite tritt bei ihm ein Stimmungswandel ein. Am Ende des Besuchs zeigt Lukas den beiden Clowns noch seine Kanüle, die in der Hand steckt. Die habe ich geschenkt gekriegt, sagt er in seiner kindlichen Sprache. Alle im Zimmer befindlichen Erwachsenen sind gerührt. Fünf Visiten auf der Allgemeinen Pädiatrie und zwei auf der Brieger-Station folgen. Nach zwei Stunden Auftritt sind die Clowns erschöpft aber glücklich. Es gab viel GRYPSNASEN E.V. Der 2005 gegründete Verein Grypsnasen hat 12 aktive Mitglieder, die regelmäßig auf den Stationen der Greifswalder Kinderklinik unterwegs sind. Im Jahr 2007 konnten sie den jetzigen Ministerpräsidenten Erwin Sellering von ihrer Arbeit überzeugen und als Schirmherren gewinnen. Seit Mitte 2009 unterstützt die Stiftung Humor hilft Heilen für ein Jahr die Arbeit der Grypsnasen. Gelächter, aber auch ganz stille und berührende Momente. Die Kinder und Eltern waren begeistert. Aus den beiden Clowns Matte und Theo werden beim Abschminken wieder Martin Pierags und David Knauft. Was ist gelungen? Was kann verbessert werden? Viele Fragen schwirren den Männern durch den Kopf. Wichtige Sachen halten sie in einem Protokoll fest, zum Beispiel welche Aktionen sie bei den Kindern durchgeführt haben oder wie intensiv die Interaktion mit den Kindern war. Diese Informationen dienen dem Clownensemble als Grundlage für kommende Auftritte und bei ihren Proben. Der Tag geht zu Ende. Nach dem Auftritt ist vor dem Auftritt, sagt David Knauft zur Verabschiedung und tritt zufrieden den Heimweg an. Katja Watterott-Schmidt, Kerstin Oswald DAS KONZEPT Eine Dosis Lachen Medizin von Matte Lacchiato der Klinikclowns kommt aus den USA, wo es von dem Arzt Hunter Patch Adams ins Leben gerufen wurde. Heute beschäftigen sich weltweit circa 200 Ärzte, Soziologen und Psychologen mit den positiven Auswirkungen des Lachens auf Körper und Psyche. In den letzten 20 Jahren wurden weltweit umfassende wissenschaftliche Studien durchgeführt, die aufzeigen, dass Lachen eine positive Auswirkung auf verschiedene Funktionen des Körpers hat. Die Clowns haben eine Schweigepflichtserklärung unterschrieben und verpflichten sich so, alle persönlichen und vertraulichen Dinge, die sie während der Auftritte in Erfahrung bringen, für sich zu behalten. Wenn es der Pflegeplan zeitlich zulässt, kommen die Clowns ins Krankenhaus. Oft können die Eltern die Visite der Kinder miterleben. 13

14 Heike Rosenow, Funktionsdiagnostik: Ich war am Umzugstag ganz schön fertig. Meine Funktionsräume wurden bei der Umzugsplanung vergessen, so dass die Firma sie nicht eingeplant hatte. Meine Kollegen haben mir geholfen, die Ausstattung in die neuen Räume zu transportieren. Kisten packen, Akten räumen Die Kinderchirurgie hat den Umzug bewältigt OA Dr. Toralf Scheltz, Poliklinik: Der Umzug hat termingerecht stattgefunden. Die Umzugsfirma hat genau nach Zeitplan gearbeitet, da zwei Teams parallel gearbeitet haben (1Team Poliklinik, 1 Team Station). Wir hatten am Umzugstag nur Notfallpatienten, so dass die Kollegen sich überwiegend dem Einräumen der Möbel und Utensilien widmen konnten. Als Tipp für die nächsten Umzüge: Alles was man nicht mehr gebrauchen kann, schon vorher aussortieren und am Umzugstag beim Einräumen nochmals sortieren. Was man zwei Jahre nicht benutzt hat, nimmt man dann auch nicht mehr. Der erste Tag nach dem Umzug war für uns noch mal anstrengend, weil gleichzeitig Patienten versorgt wurden, neue Kollegen eingearbeitet werden mussten und ständig Handwerker und Verwaltung nach dem Rechten sahen. Hautklinik im Neubau Nach dem Umzug ist der Alltag wieder eingezogen 14

15 Schwester Gabi, Poliklinik: NEUBAU Die Firma hat zügig gearbeitet, das klappte wunderbar. Zuerst waren zwei Tage Umzug geplant, letztendlich war es dann nur einer. Jetzt ist alles an Ort und Stelle. Ein großes Lob an die Stabsstelle Klinikumsbau, an die Hausmeister und die Stabsstelle Klinische Informationstechnologien. Der Umzug ist geschafft! Stroke Unit in neuen Räumen Die 31 Pflegekräfte sind inzwischen zu einem harmonischen Team zusammengewachsen. Nach vielen und langen Vorbereitungen ist die Stroke Unit endlich am umgezogen! Die Planungsphase begann bereits Anfang des Jahres, als klar wurde, dass die Unfallchirurgie ein neues Gesicht bekommen würde. Nun befindet sich im Bereich G Null (Erdgeschoss) eine weitere neurologische Station mit 14 peripheren, 10 Stroke Unitund vier Notaufnahme-Betten. Durch kurze Wege zum CT und anschließender neurologischer Diagnostikabteilung werden die Patienten noch schneller versorgt. Dadurch werden kostbare Minuten gespart. Der periphere Bereich ist bereits Anfang Juni umgezogen. In dieser Zeit wurde die Stroke Unit mit vielen Umbaumaßnahmen auf den neuesten technischen und räumlichen Stand gebracht. Der Umzug der Station ging auf Grund der tollen Zusammenarbeit des gesamten Pflegepersonals reibungslos für alle Beteiligten vonstatten. Am ist sie nun eröffnet worden. Es gab einen kleinen Empfang, an dem auch Herr Gotal und Herr Hingst teilnahmen. Nach Ansprachen durch Prof. Kessler, Herrn Gotal und die zuständige Pflegedienstleitung, Frau Biebler, wurde die Station eröffnet. Die Pflegekräfte auf der Station Neuro-3 und der Stroke Unit haben in den letzten Wochen durch viel Schweiß, Engagement und Arbeit die neue Station eingerichtet. Das gesamte Team umfasst nun 31 Pflegekräfte, die in einem Rotationsprinzip arbeiten werden. Aus diesem Konzept ergibt sich ein noch flexibleres Arbeiten für die Pflegenden, die komplett die Versorgung von Intensivpatienten übernehmen. Bereits in den ersten Tagen seit der Eröffnung hat sich gezeigt, wie gut das Team zusammenarbeitet und harmoniert. Matthias Knörich 15

16 IM SPIEGEL DER ZEIT Vor dem Zerfall gerettet Historische Krankenakten auf dem Dachboden geborgen Die Geschichtsschreibung von unten entwickelte sich zu anerkannter Quellengattung in der Medizingeschichte Krankenakten der Universitäts-Hautklinik in den Kellerräumen der Sammlung des Instituts für Geschichte der Medizin der Universität Greifswald In den Kellerräumen des Instituts für Geschichte der Medizin lagern Tausende Krankenakten der Greifswalder Hautklinik, die teilweise bis in die frühe Zeit des Nationalsozialismus zurückreichen. Die Mitarbeiter des Instituts hatten sich immer wieder bemüht, diese Akten vom Dachboden der Hautklinik zu bergen und bestimmte Jahrgänge vor der Vernichtung zu bewahren. Dieses wichtige medizinhistorische Quellenmaterial wartet nun darauf, untersucht zu werden. Der wohl interessanteste Teil dieser Sammlung umfasst knapp Akten von Patienten, die während der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 in der Hautklinik aufgrund von Geschlechtskrankheiten behandelt wurden. Ein weiterer Teil besteht aus Akten von Patienten, die an Tuberkulose erkrankt waren. Die Erforschung dieser Quellen bietet eine hervorragende Möglichkeit, verschiedene quantitative und qualitative Aussagen zu treffen. So lassen sich beispielsweise biografische, demografische oder geschlechtsspezifische Aspekte untersuchen. Auch Informationen über die Tätigkeit der Ärzte und Schwestern, ihre therapeutischen und diagnostischen Konzepte, soziale Bedingungen (z.b. räumliche Verhältnisse, Arbeitsbedingungen) sowie über die Patienten (soziale Herkunft, Verhalten etc.) können gewonnen werden. Nicht zuletzt verdeutlichen die Akten auch das Ausmaß sowie die Art und Weise der politischen Einflussnahme der Nationalsozialisten auf die Arbeit und Forschung in der Klinik. Der Bestand der Krankenakten geschlechtskranker Patienten wurde bereits im Rahmen einer Promotion Die Universitäts-Hautklinik Greifswald in der Zeit des Nationalsozialismus mit besonderer Berücksichtigung von Krankenakten geschlechtskranker Patienten in der Zeit von 1933 bis 1945 bearbeitet, wobei ein besonderer Schwerpunkt gerade auf die Erforschung der Auswirkungen nationalsozialistischer Politik gelegt wurde. Kleine handschriftliche Bleistiftnotizen neben den mit der Schreibmaschine aufgenommenen Patientendaten und Krankheitsverläufen können dabei aufschlussreiche Einblicke in die Gedanken und Handlungen der betreuenden Ärzte gewähren. Krankenakten einzelner Patienten, die teilweise über Jahre hinweg geführt wurden, geben Auskunft über den Verlauf von Erkrankungen und die sich daraus für den Betroffenen ergebenden Probleme. Beispielweise gab es Patienten, die immer wieder wegen einer Erkrankung an Syphilis oder Gonorrhö in der Hautklinik behandelt wurden und bei denen ein Vermerk an der Krankenakte zu finden ist, dass ein Verfahren zur gesetzlichen Unterbringung einzuleiten oder die Überführung in ein Arbeitslager aufgrund eines liederlichen Lebenswandels zu empfehlen sei. In den Akten enthaltene Fotografien von Krankheitsbildern zeigen Krankheitsausprägungen, die heutzutage aufgrund besserer Behandlungsmöglichkeiten kaum noch anzutreffen sind. Weiterhin lassen sich Hinweise auf Nebenwirkungen von Arzneimitteln finden. So wird deutlich, dass das damals verwendete Salvarsan, das erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch die zunehmende Bedeutung des Penicillins in der Behandlung der Syphilis abgelöst wurde, zum Teil tödliche Nebenwirkungen hatte. Tabea Kapp, Hartmut Bettin Postkart e aus einer Krankenakte, in der von der schlech ten Versorgung mi t Lebens- mitteln in der Hautklinik berichte t wird. 16

17 IM SPIEGEL DER ZEIT Eine Universität mit Dorf Professoren erinnern ihre ersten Eindrücke Vieles scheint bis heute unverändert: Neu ankommende Forscher erleben zunächst eine kleine Stadt und dann eine lebendige Universität. Manchmal lauert das Abenteuer in der Nachtbar. Prof. em. Günter Ewert trug Anekdotisches aus der Geschichte zusammen. Georg Günthe r (links) und Hanns Schwarz Zwei Dekane der Medizinischen Fakultät, der Psychiater Hanns Schwarz ( Direktor der Nervenklinik) und der Ophthalmologe Georg Günther ( Direktor der Augenklinik) haben nach ihrer Emeritierung noch Zeit gefunden, ihre Lebenserinnerungen aufzuschreiben. Beginnen wir mit Hanns Schwarz. Er half, über den Kulturbund mit Musikabenden, regelmäßigen Vorträgen und auch nur mit geselligen Treffs im Kollegenkreis, meist im Klubhaus der Universität, wieder ein anspruchsvolles kulturelles Leben an die Universität zurückzubringen. Auf Medizinerbällen war er der Conférencier, dem es stets gelang, auf ein zugerufenes Stichwort mit einer geistvollen Replik zu antworten. Legendär wurden seine überfüllten wöchentlichen Vorlesungen zur gerichtlichen Psychiatrie, bei der Medizinstudenten als Einlasskontrolleure darüber wachten, dass keine ungebetenen Gäste aus anderen Fakultäten daran teilnahmen. Wollten Studenten nach bestandenen Prüfungen im Corso, einer Tanzgaststätte in der Mühlenstraße, den Abend noch ausklingen lassen, kam es vor, Hanns Schwarz auf einem Hocker an der Bar in einem angeregten Gespräch mit der Bardame anzutreffen. Seine ersten Eindrücke von Greifswald hat er literarisch festgehalten (1): Es gibt Städte, in denen liegt eine Universität, und es gibt Universitäten, in denen liegt eine Stadt zu diesen letzteren gehörte Gryps am Ryck Bissige Zungen sprachen von einer Universität mit Dorf, von einem provinzigen Fleck auf der Landkarte, wo abends noch die Kühe durch die Gassen in die Ställe getrieben werden (S. 288). Schwarz hat aber Frieden mit der Stadt, in die er 49-jährig zuzog, mit den Jahren geschlossen. Er baute sich hier sein Haus, in dem er bis zu seinem Tod lebte. Als der Abschied aus dem Berufsleben nahte, trat er mit freundlichen Worten vor seine Mitarbeiter: Was mich betrifft, so verabschiede ich mich überhaupt nicht, sondern ein Mensch, der so lange Klinikluft geatmet hat, so lange an unsere Universität und die Medizinische Fakultät gebunden war und so stark an seinem Beruf hängt, verabschiedet sich nicht, sondern blättert ein neues Kapitel seines Lebens auf und bleibt seinen alten Freunden treu (S. 443). Auch Georg Günther hatte anfangs seine Schwierigkeiten, sich in Greifswald einzugewöhnen (2). Wohin bin ich geraten? Mein erster Eindruck von der Stadt im zeitigen Frühjahr 1953 war, gelinde gesagt, niederschmetternd. Für die geringen Entfernungen anzustrebender Ziele reichten Fußgänge aus. Auf den Straßen waltete keine überstürzte Betriebsamkeit, keine Hektik, nur ein gemächliches Schlendern, Stehen und Gehen. Hier hat jemand die Zeituhr abgestellt jeder Neuankömmling wird es gedacht oder laut vor sich hin gesagt haben. Ob ich mich hier einlebe, mich dieser Melancholie anpasse? Günther begann dann seine Runde der damals noch üblichen Antrittsbesuche: Ich machte nun meine Runde, beginnend bei Professor Bommer, dem Dermatologen, er sprach mir viel Mut zu. Professor Wels, der Pharmakologe, den ich als nächsten aufsuchte, erklärte mir, er wäre hier sitzengeblieben, würde es aber nicht bedauern. Der schon fast emeritierungsreife Professor Wegner, der Anatom, zeigte mir stolz sein anatomisches Museum. Professor Steinhausen, dem Vertreter der Physiologischen Chemie, unterhielt mich über seine Cupula- Forschung. An einem sonnigen Frühlingsvormittag führte mich mein Weg in die Kinderklinik, zu Professor Brieger. In Erinnerung geblieben ist mir die ungewöhnliche Wärme seiner Art, zu sprechen, und die Geduld, mich anzuhören. Wir schlossen auf Anhieb Freundschaft. Allein der erste Kontakt mit den Kollegen der Medizinischen Fakultät brachte eine Wandlung in meiner Beziehung zu Greifswald. Hier lebten Persönlichkeiten, die Geist ausstrahlten und die sich über die scheinbar verschlafen wirkende Stadt erhoben. Und plötzlich bekam ich Lust, mich dieser Gemeinschaft anzuschließen (S ). Literatur: (1) Schwarz H. Jedes Leben ist ein Roman. Berlin: Buchverlag Der Morgen, 1975 (2) Günther G. Gewinne das Leben. Autobiographie. Berlin: Verlag der Nation,

18 ÄRZTE VON MORGEN Computer, Beamer und Tafel in Einem die Ausbildung wird interaktiv Schultafel hat ausgedient Ausbildung in der Unfallchirurgie wird interaktiv Das SMART Board ist eine Einheit aus Computer, Beamer und berührungsempfindlicher Tafel. Aus der Studentenausbildung ist das Gerät inzwischen nicht mehr wegzudenken. Auf die Ausbildung der Studenten am Universitätsklinikum wird in der Unfallchirurgie besonders großen Wert gelegt. Neben unserer praxisnahen Ausbildung mit Patientenkontakt, Gipskurs und einem speziellen Nahtkurs wird das theoretische Wissen den Studenten in einer zeitgemäßen multimedialen Weise mittels SMART Board vermittelt. Das interaktive SMART Board vereint Computer, Beamer und berührungsempfindliche Tafel zu einer Einheit. Hier erfolgt die Demonstration von Röntgenbefunden, Vorträgen und Kurzfilmen zu ausgewählten Themen, wobei die Studenten die Möglichkeit haben, direkt an der interaktiven Tafel mitzuwirken. Im Vorfeld einer speziellen für die Studierenden durchgeführten Visite erfolgt die Besprechung jedes Patienten ausführlich im Kurs. Nach Abschluss dieses theoretischen Teils wird eine Lehrvisite unter Anleitung eines erfahrenen Arztes durchgeführt. Hierbei wird insbesondere auf das Verständnis der einzelnen Krankheitsbilder und auf den persönlichen Kontakt zum Patienten Wert gelegt. Röntgenbild aus dem OP, wobei das Ergebnis der durchgeführten operativen Versorgung des Patienten besprochen wird. Über die ganze Woche des Blockpraktikums ist ein und derselbe Arzt zuständig. So haben die Studierenden im Kursverlauf immer denselben Ansprechpartner und die gesamte Lerneinheit wird zum letzten Kurstag in einer mündlichen Prüfung durch einen Facharzt evaluiert. Das SMART Board kommt seit Februar 2009 in der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie zur Anwendung und ist seither zu einem festen Bestandteil der Kurse geworden. Diese Investition in die Qualitätssteigerung der Studentenausbildung wurde aus investiven Mitteln der Abteilung finanziert. Dr. Peter Hinz Einmal pro Woche können die Studenten ihr manuelles Geschick im Nahtkurs unter Beweis stellen. Hier kann jeder Student anhand eines Präparates vom Schwein einzelne Knotentechniken und verschiedene Nahtformen erlernen und trainieren. In einem weiteren Kursabschnitt wird praxisnah das Anlegen verschiedener Gipsverbände geübt. Der Seminarraum befindet sich neben den Behandlungsräumen der Zentralen Notaufnahme in der Sauerbruchstraße. Der Unterricht bezieht eintreffende Notfallpatienten mit ein, die Studierenden werden in die Erstversorgung integriert, somit ist eine praxisnahe Ausbildung garantiert. Wenn es die Situation im Schockraum zulässt, können auch dort Behandlungspfade bei der Erstversorgung von polytraumatisierten Patienten demonstriert werden. Die durchgeführte Computertomographie und angefertigte Röntgenbilder werden dann am SMART Board aufgerufen, so dass die Studierenden hautnah an der Patientenversorgung teilnehmen. Den Abschluss bildet häufig das SMART BOARD INTERACTIVE WHITEBOARD Das ist eine elektronische Tafel, die an einen Computer angeschlossen wird. Das Bild wird im Regelfall von einem Beamer projiziert. Das interaktive Whiteboard stellt nun über Sensoren ein Koordinatensystem dar, das es ermöglicht, einen Computer mit all seinen Funktionen und für alle sichtbar einzusetzen. Das Steuern des Computers erfolgt je nach Modell per Fingerdruck oder mit einem kabellosen Stift. Auf dem interaktiven Whiteboard bedient man nun die Menüs wie mit der Maus. Die Schul tafel wird quasi mit den zahllosen Möglichkeiten eines Computers verbunden. Das weltweit erste interaktive Whiteboard wurde vor 15 Jahren entwickelt. 18

19 BESSER INFORMIERT Eierstockkrebs erfolgreich behandeln Das Ovarialkarzinom ist vergleichsweise selten, aber besonders schwer zu therapieren. Auf einem Symposium in Greifswald diskutierten Ärzte über Behandlungsstrategien. Der Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) ist die sechsthäufigste Krebserkrankung der Frau. Durchschnittlich erkranken jährlich Frauen in Deutschland, der mediane Altersgipfel liegt bei 57 Jahren. Die Häufigkeitsrate der Erkrankung liegt bei 14: Die Therapie des Ovarialkarzinoms hat sich in den letzten Jahren zunehmend gewandelt. Hierbei sind Therapiekonzepte sowohl hinsichtlich der operativen als auch der systemischen Therapie zu verzeichnen, so Prof. Dr. Marek Zygmunt, Direktor der Frauenklinik, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Klinikums. Um über das Krankheitsbild zu informieren, die Komplexität in der Diagnose und Therapie des Ovarialkarzinoms zu thematisieren und Erfahrungen auszutauschen, wurde von der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am 23. Oktober 2009 ein Symposium zum Thema Das Ovarialkarzinom eine multidisziplinäre Herausforderung durchgeführt. 70 Teilnehmer aus verschiedenen Fachbereichen informierten sich über neue Therapiekonzepte und diskutierten über die seltene Krebsart. Obwohl das Ovarialkarzinom im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen der Frau seltener auftritt, liegt die Erkrankung im Vergleich zu anderen Krebsarten aber an erster Stelle bei der Sterblichkeitsrate. Aufgrund fehlender spezifischer Frühsymptome und geeigneter effizienter Screeningmethoden weist die Mehrheit der Frauen zum Zeitpunkt der Erstdiagnose ein fortgeschrittenes Stadium der Erkrankung auf, so Dr. Dominique Könsgen, Oberärztin an der Greifswalder Frauenklinik und Organisatorin des Symposiums. Die aktuelle Standardtherapie in der Primärsituation besteht aus einer radikalen multiviszeralen Operation mit dem Ziel der maximalen Tumorentfernung, gefolgt von einer platinhaltigen Chemotherapie. Trotz des kurativen Ansatzes und hoher Ansprechraten in der adjuvanten (unterstützenden) Therapie erfahren mind. 65% aller Patientinnen innerhalb von zwei Jahren ein Wiederauftreten der Krankheit (Rezidiv). Aktuell werden im Rahmen verschiedener Studien neue Therapieansätze zur Optimierung der First-Line-Therapie durchgeführt. Für die Rezidivsituation existiert bisher keine Standardtherapie. Das multidisziplinäre Vorgehen bei der Betreuung von Patientinnen mit Ovarialkarzinom war das zentrale Thema des Symposiums. So kamen verschiedene Fachbereiche zusammen und es referierten Prof. Evert aus dem Institut für Pathologie, Dr. Hesse aus der Klinik für Anästhesie, Dr. Patrzyk aus der Klinik für Chirurgie sowie PD Dr. Mustea, Frau Dr. Belau und Frau Dr. Könsgen aus der Gynäkologie über die fachspezifischen Besonderheiten des Managements beim Ovarialkarzinom. Weiterhin wurden zwei Gastreferenten aus Wiesbaden und Kiel begrüßt. Herr Dr. Harter aus der Frauenklinik der Dr.-Horst- Schmidt-Kliniken in Wiesbaden sprach über das operative Management des Ovarialkarzinomrezidivs. Herr PD Dr. Hilpert aus der Universitätsfrauenklinik in Kiel berichtete über das Management der älteren Patientinnen mit Ovarialkarzinom. Es ist wichtig, die Patientinnen nach neuestem fachlichen Wissensstand (State of the art) zu behandeln, so PD Dr. Alexander Mustea. Durch die Seltenheit der Erkrankung ist viel Aufklärungsarbeit nötig. Eine Behandlung sollte nur von spezialisierten Zentren, wie hier an der Frauenklinik in Greifswald, durchgeführt werden. Wir arbeiten interdisziplinär mit unseren Kollegen der anderen Kliniken zusammen, um das bestmögliche Resultat für die Patientin zu erzielen. Katja Watterott-Schmidt Prof. Wiersbi tzky in jungen Jahren schon beim Forschen 19

20 Mediziner- Taufe 2009 Alljährliches Ritual im Strandbad Eldena Medizin in der Dritten Welt Studenten diskutierten in Lund Austausch über Ländergrenzen hinweg sorgt für Weitblick. Neun Studenten fuhren zur Medizinstudenten-Konferenz. In diesem Semester fand die traditionelle IMSP-Konferenz für Medizinstudenten in Lund, Schweden, statt. Das IMSP oder International Medical Student Project ist eine gegenseitige Partnerschaft der Universitäten Greifswald in Deutschland, Lund in Schweden, Stettin in Polen und seit kurzem Tartu in Estland. Das Projekt wurde ursprünglich 1996 von Professor Knabe in Greifswald im Austausch mit der Universität in Lund mit dem Gedanken gegründet, den oben: Universität Lund unten: Teilnehmer des Kongresses Die deutsche Gruppe Dieses Jahr war es einer Gruppe von neun deutschen Studenten möglich, an der Konferenz vom 30. Oktober bis 1. November in Lund teilzunehmen. Diese konzentrierte sich auf das Thema Medizin in der Dritten Welt und beinhaltete Vorlesungen und Diskussionen, die von schwedischen Dozenten und Fachexperten dargeboten wurden. So sprach Professor Dr. Hakan Miörner, ein ehemaliger Forscher des Armauer-Hansen- Forschungsinstitutes in Äthiopien, über Lepra- und Tuberkuloseforschung in Entwicklungsländern ( Leprosy and Tuberculosis research in low-income countries ). Andere Referate stellten die Situation der Medikamentenproduktion in der Dritten Welt sowie die Bedeutung von Menschenrechten in verschiedenen Ländern dar. Neben dem wissenschaftlichen Ablauf gab es auch ein vielfältiges kulturelles Programm für die Teilnehmer. Alle haben die Konferenz sehr genossen und erwarten nun freudig den Frühling 2010, wenn die nächste Versammlung von uns in Greifswald organisiert wird. Julia Aschenbach Am 9. Oktober war es wieder soweit die Erstsemester der Medizinischen Fakultät versammelten sich mit ihren Tutoren höherer Semester im Strandbad, um sich bei Doktorspielen in Geschicklichkeit, Schnelligkeit, Ausdauer, Teamfähigkeit und auch Köpfchen zu messen. 18 Gruppen traten an neun Stationen gegeneinander an. Um die begehrten Punkte wurde sowohl in klassischen Disziplinen wie Sackhüpfen, Tauziehen und Zweifelderball gekämpft, als auch in neueren Sportarten wie Bierkastenlauf, Wackelschlangenrennen, Raufball oder der Kleiderkette. Nach mehr als zwei Stunden Spiel, Spaß und Spannung stand das Siegerteam fest. Der Siegerehrung folgte der Höhepunkt der Erstsemestler-Woche: Die Taufe im Bodden zu wahren Greifswalder Medizinstudenten. Nachdem der Taufspruch eines jeden Erstis verlesen worden war, galt es, einen Schluck aus medizinischen Utensilien wie der Infusionsflasche, gefüllt mit diversen Getränken, zu sich zu nehmen und damit die Taufe zu bestätigen. Im Anschluss dieses feierlichen Aktes wurde sich mit Glühwein und Gegrilltem von innen und außen wieder aufgewärmt. So ging für hunderte Medizinstudenten ein erlebnisreicher Nachmittag in einen Abend mit Lagerfeuer über, das zum Erzählen und besseren Kennenlernen einlud. Wenke Wichmann, 3. Semester 18 Teams sammelten Punkte; hier beim Tauziehen wissenschaftlichen und kulturellen Austausch in Form von Konferenzen und regelmäßigen journal clubs zu fördern. Mehr Informationen finden Sie auf unserer Website: 20

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