Ernst Grube Welzenbachstraße München

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1 Ernst Grube Welzenbachstraße München Stolpersteine Hearing am 5. Dezember 2014 Am 16.Oktober hat das Präsidium der Lagergemeinschaft Dachau mehrheitlich beschlossen, den Wunsch nach Verlegung von Stolpersteinen im öffentlichen Raum zu unterstützen. Ich bin beauftragt, dieses Votum heute hier einzubringen. Ich vertrete auch meinen Sohn Ernst, der am letzten freiwilligen Wohnort seines Urgroßvater Wilhelm Olschewski und seines Großvaters Otto Binder, die beide Mitglieder einer kommunistischen Widerstandsgruppe waren, Stolpersteine verlegen lassen möchte. Beide wohnten in der Augustenstraße, bis sie von der Gestapo verhaftet, gefoltert und in der JVA Stadelheim ermordet wurden. Im Juni 1938 wurde die Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Str. auf Befehl Hitlers und durch Beschluss des damaligen Stadtrats zerstört. Die angrenzenden Häuser der israelitischen Kultusgemeinde wurden enteignet. Die jüdischen Bewohner, darunter auch unsere Familie, wurde vertrieben. Heute ist die Fläche durch einen Kaufhaus Konzern überbaut. Ein Denkmal, das davor steht, wird kaum beachtet. In den Abstufungen liegen häufig leere Zigarettenschachteln und anderer Schmutz. Das Denkmal ist meist umgeben von vielen Fahrrädern.

2 Nichts erinnert an die ehemaligen jüdischen Bewohner, nichts erinnert daran, dass sie von hier vertrieben, in Lager gesteckt und fast alle ermordet wurden. Keine Tafel kein Stolperstein nichts! Mein verstorbener Bruder Werner und ich - wir hatten hatten einmal den Traum, dass an dieser Stelle ein Park der Erinnerung sein wird. In München gibt es, mit wenigen Ausnahmen, kein individuelles öffentliches Erinnern an die Opfer des Naziterrors. Daran ändert auch nichts, dass einmal im Jahr, am 9. November, Namen für die ehemaligen jüdischen Bürger verlesen werden. Die ermordeten Menschen, Juden, Sinti und Roma, Widerstandskämpfer, Homosexuelle... u.viele andere, die einmal Bürger dieser Stadt waren, existieren nicht im Bewusstsein der Münchner Stadtgesellschaft. Das Vergessen funktioniert. Wenn man vergisst oder sich nicht konkret mit der Vergangenheit beschäftigt, hat mein kein Problem es ist einfach bequem. Die Stolpersteine sind eine Möglichkeit dieses Vergessen aufzubrechen. Sicher nicht die einzige. Das individuelle öffentliche Erinnern ist an vielen Orten des Naziterrors, wie beim ehemaligen Judenghetto in Milbertshofen oder bei der Heimanlage für Juden in Berg am Laim kaum mehr möglich.

3 Die Stolpersteine setzen da an, wo die ermordeten Menschen des Naziterrors vor dem Lagerleben, vor ihrer Verhaftung, zuletzt freiwillig gewohnt haben. Wir wollen die heutigen Bewohner gewinnen, dass sie sich über die Ausgrenzung und Verfolgung ehemaliger Mieter ihres Hauses Gedanken machen und so auch das Bewusstsein für heutige Ausgrenzungen schärfen. Die Verlegung von Stolpersteinen setzt darüber hinaus voraus, dass es Paten gibt, die diesen Stein finanzieren, dass es Menschen gibt, die sich mit dem Leben dieser ehemaligen Bürger eingehend befassen und konkret nachforschen, wie sie zunehmend entrechtet und entwürdigt wurden, ehe sie ermordet wurden. Wer schon öfter bei Stolperstein - Verlegungen dabei war, kann erleben, dass die Verlegung und Pflege von Stolpersteinen immer Beteiligung und tiefes Interesse voraussetzt und bewirkt. Hier engagieren sich BürgerInnen jeden Alters, suchen nach Angehörigen, treten in Kontakt mit ihnen, laden sie ein zur Verlegung. Oder Angehörige ergreifen die Initiative und bringen diesen Prozess in Gang. Es gibt keine lebendigere Form des öffentlichen Erinnerns, in der so viele Gesichtspunkte zusammen kommen, die für persönliches und gesellschaftliches Erinnern bedeutsam sind.

4 Die Verlegungen und Pflege von Stolpersteinen schaffen eine andauernde Nähe. Wir kommen mit den Bürgern ins Gespräch: Gerade Angehörige, Nachkommen, Enkel und Urenkel, Neffen und Nichten kommen häufig zu den Verlegungen, wie ich es selbst in anderen Städten erlebt habe und teilen die Erinnerung an ihre Verwandten. Die Steine, so klein sie sind, bringen Informationen und Denkanstöße: Name, Geburtsdatum, Deportationsort bzw. Ort und Zeitpunkt der Ermordung, München Kaunas : z.b. Carola Koppel und Kinder, ermordet am 25. November 1941 in Kaunas München - Piaski Den Opfern wird ihr Name gegeben -- das Verbrechen wird markiert in der Öffentlichkeit, an immer mehr Orten der Stadt, so dass konkret und unübersehbar wird, was geschehen ist. Jeder Bürger kann dazu beitragen. Ich kenne keine andere Erinnerungsform, mit der das vielbeschworene Nie wieder tiefer in das individuelle und öffentliche Gedächtnis dringen kann. Ich möchte noch etwas sagen zu dem unrühmlichen Wort des inflationären Gedenkens. Bürger und Bürgerinnen übernehmen Patenschaften, recherchieren, nehmen die Stolpersteine wahr, beugen sich über die Steine,

5 Bürgerinitiativen versammeln sich an den wenigen auf privaten Grund verlegten Steinen und SchülerInnen putzen die Steine und entfernen die Patina. Was stört daran, dass es abwertend inflationär genannt wurde? Ich wollte, dies wäre an jedem Haus aus dem Juden vertrieben, Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschaftler verhaftet und ermordet wurden. In den letzten Jahren war ich mehrmals an den Orten, an denen Münchner Juden umgebracht wurden. U.a. in Polen, in dem durch die Besatzung von Wehrmacht, SD, SS und deutscher Zivilverwaltung Millionen Menschen ermordet wurden. Meine Tanten und Onkel und deren Kinder waren nach Piaski und Izbica deportiert worden. Sie wurden in einem der Vernichtungslager der Aktion Reinhard ermordet. Wahrscheinlich in Belzec, zusammen mit anderen Juden. Am Ende des großen Feldes der heutigen Gedenkstätte Belzec steht auf einer Mauer die Zeile aus dem Psalm aus dem Buch Hiob Erde, bedecke mein Blut nicht, lass mein Schreien keine Ruhestatt finden

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