Die dunklen Machenschaften des Joseph P. Kennedy

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1 Die dunklen Machenschaften des Joseph P. Kennedy

2 Wirtschaft Joe Kennedy übernahm einen Posten in der Columbia Trust seines Vaters und wurde zunächst staatlicher Bankprüfer, eine Funktion, in der er anderthalb Jahre durch Massachusetts reiste und das Berufsbild des Bankgeschäfts näher kennenlernte. In dieser Position erzielte Kennedy ein Jahresgehalt in Höhe von US$ Durch diese Tätigkeit verschaffte er sich wertvolle Insiderinformationen über andere Banken und deren Kreditnehmer, wie Ralph Lowell, sein ehemaliger Harvard Kommilitone, bestätigte. Unmittelbar nach seiner Hochzeit wurde er von seinem Schwiegervater zum Direktor der Collateral Loan Company (CLC) ernannt. Kurz darauf, im November 1914, geriet die CLC ins Visier staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen, als festgestellt wurde, dass von einem oder mehreren Angestellten möglicherweise mit Hilfe von Außenstehenden US$ unterschlagen worden waren. Als eine Bostoner Bank die First Ward National Bank die Übernahme von Columbia Trust androhte, gelang es Kennedy mit geschicktem Verhandeln, genug Geld aufzubringen, um das Angebot der gegnerischen Bank zu überbieten. Den überwiegenden Teil der hierfür erforderlichen Summe (US$ ) lieh er sich von seinem Freund aus Harvard-Zeiten, Eugene V. Thayer, seinerseits Präsident der Merchants National Bank. Wie Kerry McCarthy, eine Großnichte Kennedys, recherchierte, lieh er sich zusätzlich weiteres Geld innerhalb seiner Familie und der seiner Frau, zu dessen Rückzahlung er sich nie wieder veranlasst sah. Joseph Kennedy wurde so mit 25 Jahren zum jüngsten Bankdirektor der USA, als neuer Direktor der Columbia Trust. Zu dieser Zeit warf die Columbia Trust US$ Gewinn im Jahr ab, bei einem Stammkapital von US$ Aufgrund der noch immer anhaltenden Ermittlungen im Rahmen des Finanzskandals bei der CLC sah sich Kennedy veranlasst, sich für eine Weile vollständig aus dem Bankgeschäft zurückzuziehen. Schon während seiner Tätigkeit als Banker hatte er sich mit einem kleinen Investment in der Old Colony Real Associates Inc. engagiert, deren Geschäftszweck in der (oberflächlichen) Renovierung alter Häuser und deren Weiterverkauf bestand. Für die Übernahme der Firma hatte Kennedy $ investiert und nutzte sein als Bankprüfer erworbenes Insiderwissen. Unter seiner Leitung spezialisierte sie sich auf die Übernahme von Immobilien aus notleidenden Hypothekendarlehen, wodurch er innerhalb kurzer Zeit sein Vermögen auf $ erhöhte. Am 29. Mai 1917 wurde Kennedy in den Vorstand der Massachusetts Electric Company berufen, als damals eines der jüngsten Vorstandsmitglieder in einem amerikanischen Großunternehmen. Im gleichen Jahr erlangte er aufgrund einer Empfehlung von Guy Currier, dem Anwalt von Bethlehem Steel, den Posten des stellvertretenden Hauptmanagers der Werft von Bethlehem Steel am Fore River in Quincy. Sein Jahresgehalt belief sich, inklusive Boni, auf US$ Da für die ca Mitarbeiter der Werft keine Verpflegungsmöglichkeit existierte, eröffnete Kennedy außerdem noch den Victory Lunchroom, den Mitarbeiter täglich besuchten. Hier traf Kennedy erstmals mit Franklin D. Roosevelt zusammen, der damals als Sekretär für die Navy tätig war. Dass ausgerechnet Joe Kennedy diesen Posten erhalten hat, erscheint äußerst befremdlich in Anbetracht der Tatsache, dass er niemals Kenntnisse in der Produktionswirtschaft, geschweige denn im Schiffsbau, erworben hat. Sein Hauptmotiv für die Übernahme dieser Position, fünf Wochen nach Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg, bestand deshalb wohl darin, dass ihm hierdurch der Dienst an der Front erspart blieb, weil er in einem für die Führung des Krieges unentbehrlichen Unternehmen tätig war. Außerdem erwarb er eine Vertriebslizenz von Universal Pictures, indem er im Jahr 1919 die Maine & New Hampshire Theaters Co. übernahm, die über 31 Filmtheater in New England sowie Rechte an einigen englischen Filmproduktionen besaß.

3 In dieser Zeit zeigte sich erstmals, wie eng verwoben Kennedys wirtschaftliche und politische Interessen waren: Sein Schwiegervater, John F. Fitzgerald, gewann am 5. November 1918 die Wahl zum Repräsentanten von Boston gegen den ebenfalls demokratischen Kandidaten Peter F. Tague. Fitzgerald hatte nur deshalb gegen Tague kandidiert, weil dieser nicht bereit war, sich gemeinsam mit Fore River Shipyard an einem lukrativen Grundstücksgeschäft zu beteiligen. Joe Kennedy, der zu den Wahlkampforganisatoren gehörte, engagierte italienische Immigranten und Profiboxer, um Tagues Wähler umzustimmen. Am 24. Oktober 1919 wurde Fitzgerald nach achtmonatiger Untersuchung wegen Wahlbetrugs aus dem Repräsentantenhaus ausgeschlossen verließ Kennedy nach erfolgreicher Arbeit die Firma und arbeitete fortan für die Bostoner Brokerfirma Hayden, Stone and Company. Im Aktienhandel setzte er sein Jahresgehalt von Dollar gewinnbringend ein und wurde zum Millionär. Es ist unwahrscheinlich, dass Kennedys Gehalt allein ausreichte, um derart erfolgreich an der Börse zu spekulieren, dass er seine inzwischen fünfköpfige Familie ernähren, seiner Wettleidenschaft nachgehen und nebenbei noch zum Millionär avancieren konnte. Vielmehr ist durch zahlreiche Quellen dokumentiert, dass Kennedy schon sehr früh zu Beginn der Prohibition (16. Januar 1920) in den Alkoholschmuggel einstieg. Den wohl deutlichsten Hinweis auf Kennedys Aktivitäten im Alkoholschmuggel liefert die kanadische Royal Commission on Customs and Excise, die dokumentiert, dass sich Kennedy mit seiner Firma namens Silk Hat Cocktail Co. in Vancouver (B.C.), in der Homer Street 1206 (downtown) mit der ebenfalls dort registrierten Produktionsfirma für Alkohol von Henry Reifel die Büroräume teilte. Der einzige Geschäftszweck der Firma Reifel bestand in der Herstellung alkoholischer Getränke und deren Export in die Vereinigten Staaten. In einem 1928 erstellten Bericht dokumentiert die Royal Commission umfangreiche und dauerhafte Unregelmäßigkeiten dieser Firmen in Zusammenhang mit diesen Exportgeschäften. Für den Import von Kisten kanadischen Whiskeys und Gins nutzte Kennedy Erlaubnispapiere, die ihm den Import von medizinischem Alkohol gestatteten. Zusätzlich brannte Kennedy noch illegal Spirituosen. Den hierfür erforderlichen Zucker bezog er von Diamond Joe Esposito, dem Chef des Chicago Outfit und seinerzeit wohl mächtigsten Gangsterboss der Vereinigten Staaten. Esposito kontrollierte die Distribution des aus Kuba importierten Zuckers im Nordosten der USA. Das Chicago Outfit bezeichnet die US-amerikanische Sektion des italienischstämmigen organisierten Verbrechens in Chicago. Es ist die einzige selbständige Organisation außerhalb von New York City, die nicht von den dortigen fünf Familien (Bonanno, Colombo, Gambino, Genovese und Lucchese) kontrolliert wird, sondern mit diesen zusammen auf gleicher Augenhöhe im National Crime Syndicate agiert. Dem Outfit wird das Zentrum der Vereinigten Staaten bis hin nach Las Vegas und Teilen von Florida als Einflusssphäre zugerechnet.

4 Die Mafia hatte ihren Alkoholschmuggel gleich zu Beginn der Prohibition präsidial abgesichert: Nachdem der US-amerikanische Präsident Warren G. Harding ( ), selbst Alkoholiker, aufgrund seiner unzähligen außerehelichen Affären erpresst wurde, sicherte sein Nachfolger Calvin Coolidge ( ) Esposito und allen von ihm mit Zucker belieferten Abnehmern, darunter Joe Kennedy Lewis Rosenstiel Lewis Solon Rosenstiel (* 1891 in Cincinnati; 1975) war ein US-amerikanischer Mobster und Spirituosenproduzent. Mobster bezeichnet insbesondere in den USA im engeren Sinne Personen, die im organisierten Verbrechen tätig und Angehörige der italoamerikanischen Cosa Nostra bzw. La Cosa Nostra oder der jüdisch-amerikanischen Kosher Nostra sind bzw. waren. Joe Reinfeld Protektion zu, als Gegenleistung für deren politische Unterstützung. Im Rahmen derselben Unterredung, die im Frühherbst 1924 stattfand, rang Esposito dem Präsidenten außerdem das Versprechen ab, nichts gegen eine auf das gesamte Land ausgedehnte Übernahme sämtlicher gewerkschaftlicher Aktivitäten durch das Chicago Outfit zu unternehmen. Hierdurch wurde der Grundstein für die massive Einflussnahme der Mafia auf die US-amerikanische Wirtschafts-, Innen- und auch Außenpolitik der folgenden Jahrzehnte gelegt. Espositos Zuckerlieferungen an Kennedy erfolgten meist über einen gewissen Sam Giancana, der damals noch für Esposito als Fahrer und sog. Enforcer arbeitete und später einmal zum Acting Boss der Chicagoer Mafia avancieren sollte. Sam Momo Giancana (* 15. Juni 1908 in Chicago; 19. Juni 1975 in Oak Park, Illinois) war ein US-amerikanischer Mafioso und Oberhaupt des Chicago Outfit. Der unter dem Namen Salvatore Giancana im Chicagoer Stadtviertel Little Italy geborene Sohn sizilianischer Einwanderer wurde im Laufe seiner kriminellen Karriere über 70mal festgenommen, jedoch nur zweimal für längere Zeit inhaftiert. Sein Spitzname Momo leitet sich von Mooney ab, einem Slangbegriff, der einen Verrückten bezeichnet. Tatsächlich war er lange Zeit für sein jähzorniges und unvorhersehbar bösartiges Verhalten berüchtigt. Nachdem Kennedy einmal eine Ladung Alkohol durch das Gebiet der in Detroit operierenden, jüdischen Purple Gang transportieren ließ, forderte diese seinen Kopf und hatte bereits einen Killer auf ihn angesetzt. Die Purple Gang, berüchtigt für ihre enorme Brutalität, war einer der logistischen Arme des Imperiums der in Kanada ansässigen Familie Bronfman, die durch sie und die Organisation von Moe Dalitz ihre Spirituosen über Detroit und Cleveland in die Vereinigten Staaten schmuggelte und Gangster wie Meyer Lansky, Irving Wexler, Lucky Luciano, Abner Zwillman sowie Joe Reinfield belieferte.

5 Kennedy stand mit seinen geschäftlichen Aktivitäten dauerhaft in Konkurrenz zu denen des damals schon ungeheuer mächtigen Samuel Bronfman. Samuel Bronfman, CC (Sam Bronfman; * 27. Februar 1891 in Soroca, Moldawien; 10. Juli 1971 in Montreal) war ein kanadischer Unternehmer (Gründer von Seagram, des weltweit größten Spirituosenherstellers) und von 1939 bis 1962 Präsident des Canadian Jewish Congress. Er gründete 1924 die Distillers Corporation Ltd. in Montreal und profitierte in den 1920er Jahren von der Prohibition in den USA, die seinem Unternehmen in Kanada, wo die gesetzliche Beschränkung eben nicht galt, zu starkem Wachstum verhalf. Zu seinen Geschäftspartnern zählten u. a. auch Al Capone in Chicago und Arnold Rothstein in New York, die Bronfman riesige Chargen abkauften und den Stoff illegal unter das Volk brachten. Seine Rettung hatte Kennedy der Intervention von Joe Esposito Paul Ricca Paul The Waiter Ricca, eigentlich Felice DeLucia (* 14. November 1897 in Neapel; 11. Oktober 1972 in Chicago), war ein italo-amerikanischer Mobster und Oberhaupt des Chicago Outfits. Murray Humphreys zu verdanken. Von da an stand Kennedy in der Schuld der Chicagoer Mafia. Auch beim Verkauf seiner Spirituosen war Kennedy auf die Kooperation mit der Mafia angewiesen, da praktisch alle der illegalen Bars, die sog. speakeasies, von dieser kontrolliert wurden. Hierzu gründete er Allianzen mit Gangstern aus Boston, Chicago, New Orleans und vor allem mit Frank Costello in New York, der im Jahr 1973 seine Kooperation mit Kennedy bestätigte und deshalb immer behauptete: Ich half Joe Kennedy, reich zu werden. Francesco Castiglia (bekannt als Frank Costello; * 26. Januar 1891 in Lauropoli, Provinz Cosenza, Italien; 18. Februar 1973 in New York City, New York) war ein US-amerikanischer Gangsterboss. Der Italo-Amerikaner galt als der wichtigste Mafia-Boss seiner Zeit, hatte weitreichende Kontakte zu Politikern, Richtern und Polizisten und lehnte den Drogenhandel ab. Gegen Meyer Lansky hingegen hegte Kennedy eine tiefe Abneigung, nachdem dessen Gang 1927 einen Alkoholtransport Kennedys überfallen hatte, wobei elf seiner Leute ums Leben kamen. Meyer Lansky (* 4. Juli 1902 in Grodno; 15. Januar 1983 in Miami) war ein Mobster und gilt heute als einer der wichtigsten Köpfe der sogenannten Kosher Nostra. Lansky wurde von der Presse oft als Bankier des organisierten Verbrechens und als Boss aller Bosse bezeichnet. Unter anderen Gangstern trug er den Ehrennamen Honest Meyer (deutsch Ehrenwerter Meyer ), weil er sich angeblich an alle getroffenen Absprachen hielt und niemals einen anderen Mobster hinterging. Er soll ein Finanzgenie gewesen sein und ein außergewöhnliches Gedächtnis besessen haben. Lanskys Räumlichkeiten wurden wiederholt vom FBI und von anderen Behörden durchsucht, ohne dass je Material gefunden wurde, das vor Gericht gegen ihn hätte verwendet werden können. Es wird vermutet, dass Lansky die relevanten Daten über seine illegalen Beteiligungen nur in seinem Gedächtnis aufbewahrte.

6 Kennedy schmerzte weniger der Verlust seiner Ladung und Leute als die an die hinterbliebenen Witwen zu leistenden Entschädigungszahlungen stieg er bei Hayden und Stone aus und gründete ein eigenes Büro. Bereits während er noch bei Hayden und Stone arbeitete, begann Kennedy, seine eigene Bank in New York zu gründen, die er schlicht unter seinem eigenen Namen führte: Joseph P. Kennedy Bankier. Seine Gewinne aus dem Alkoholschmuggel investierte er an der Börse, vorzugsweise indem er sich sogenannten Hausse-Pools anschloss oder auch solche selbst initiierte. Seinen eigenen Hausse-Pool leitete er von einer Suite im Waldorf-Astoria-Hotel aus und investierte u. a. in die Yellow-Cab-Company (später Hertz), zu der sein Schwiegervater hervorragende Kontakte unterhielt. Außer der Absicht, in dem von ihm selbst und seinen Mitstreitern massiv manipulierten Markt möglichst hohe Gewinne zu erzielen, war Joseph Kennedy bereits zu dieser Zeit bekannt dafür, illegal erworbene Gewinne aus dem Alkoholgeschäft in legale Investitionen zu transferieren also für Geldwäsche. Die von ihm hierfür ausgewählten Branchen (Aktienmarkt, Filmindustrie und später Immobilien) waren damals wie heute geradezu prädestiniert für Geldwäsche. Kennedys Vorgehensweise, die darin bestand 1. mit anderen Investoren zu kooperieren, um eine breit gestreute Vermengung unterschiedlicher Geldquellen zu initiieren 2. möglichst geringe Eigenmittel einzusetzen 3. innerhalb der erworbenen Investments sehr schnell und umfangreich zu modifizieren (z. B. Fusion, Teilveräußerung, Renovierung), um sie 4. nach sehr kurzer Zeit wieder mit sehr hohen Gewinnen abzustoßen entspricht in klassischer Weise der ersten Stufe des Geldwäschemodells, welches von dem Harvardstudierten, kolumbianischen Ökonomen und ehemaligen Geldwäscher des Cali-Kartells, Jose Franklin Jurado-Rodriguez, entwickelt, und von diesem gewiss nicht grundlos als Kennedification stage bezeichnet wurde. Seine spektakulärsten Erfolge erzielte Kennedy, indem er sich einem Kreis irischstämmiger, katholischer Spekulanten unter Michael Meehan anschloss, dem auch der Präsident der National City Bank, Charles E. Mitchell, und Bernard Smith angehörten. Gemeinsam gründeten sie den Libby-Owens-Ford Stock Pool, dessen Anteilsscheine sie künstlich verknappten, um den Wert ihrer eigenen Anteile möglichst hoch zu halten. Meehan kaufte sieben Sitze an der New Yorker Börse und unterhielt Brokerbüros im ganzen Land und sogar auf Schiffen der Cunard-Line. Die Gruppe investierte vor allem in Firmen, die in der neu aufkommenden Technologie des Radios engagiert waren. Sie nutzten Insider-Informationen, was in Ermangelung einer Börsenaufsicht damals nicht verboten war, nutzten das Unwissen der normalen Anleger und ließen die von ihnen erworbenen Aktien von involvierten Journalisten, wie beispielsweise A. N. Plummer, in den führenden Tageszeitungen bejubeln, wodurch die Kurse binnen kürzester Zeit in die Höhe schnellten. So gelang es der Gruppe allein im März 1928, den Kurs der Aktie von RCA innerhalb von nur drei Wochen von US$ 95 auf US$ 160$ zu treiben. Die nächsten Millionen machte Kennedy dann im Filmgeschäft. Unmittelbar darauf stiegen sie schlagartig aus diesem Investment aus, jedoch nicht ohne zuvor sog. short-selling d. h. das Setzen auf einen fallenden Kurs betrieben zu haben, wodurch Kennedy auch an dem dramatischen Verfall der RCA-Aktie verdiente.

7 Für Kennedys Expansion in der Filmbranche war dieses typische Pump-and-Dump -Geschäft von entscheidender Bedeutung: Ende 1927 war es ihm gelungen, den Inhaber von RCA, David Sarnoff, davon zu überzeugen, sich an seiner FBO mit US$ 0,5 Mio. zu beteiligen, dies mit dem von Kennedy vorgegebenen Ziel, RCA und FBO gemeinsam zu fusionieren. Durch sein zwischenzeitlich initiiertes und manipuliertes Spekulationsgeschäft hatte Kennedy, der Sarnoff hierüber natürlich nicht informiert hatte, diesen finanziell derart geschwächt, dass er bei der angestrebten Fusion keinesfalls eine Beteiligungsmehrheit erlangen konnte verlegte Kennedy seinen Wohnsitz nach Hollywood, wo er sich als Produzent von Low-Budget-Filmen versuchte und sich unter anderem mit den Schauspielerinnen Jean Harlow, der späteren Geliebten von Abner Zwillman, die auch Patentante der Tochter von Bugsy Siegel war Jean Harlow (* 3. März 1911 in Kansas City, Missouri; 7. Juni 1937 in Los Angeles; gebürtig Harlean Harlow Carpenter) war eine US-amerikanische Schauspielerin. Jean Harlow gilt heute als der Prototyp der blonden Sexbombe, die den Weg ebnete für andere blonde Schauspielerinnen wie Lana Turner und Marilyn Monroe. Anita Page Greta Garbo vergnügte. Seine wichtigste Geschäftspartnerin und Geliebte blieb aber Gloria Swanson, die ihm einen Sohn zur Welt brachte. Kennedy übernahm faktisch die Kontrolle über ihr Leben, startete die Gloria Productions und versuchte vergeblich, von der katholischen Kirche einen Dispens zu erhalten, der das Zusammenleben erlaubt hätte. (Ein Dispens ist die amtliche Befreiung von einem Verbot oder Gebot.) Schon bald nach seiner Eröffnung besuchte Joe Kennedy sehr häufig das in Kalifornien und dem Steuerparadies Nevada, am Lake Tahoe gelegene Cal-Neva-Lodge Hotel und Casino und nutzte es quasi als seinen Hauptsitz im Westen.

8 Hier war es ihm möglich, diskrete Kontakte zu Größen aus der Wirtschaft, wie z. B. Errett Lobban Cord Errett Lobban Cord (* 20. Juli 1894 in Warrensburg, Missouri, USA; 2. Januar 1974 in Reno, Nevada) war ein Tycoon im US-amerikanischen Transportwesen. der Politik, wie z. B. Patrick Anthony McCarran dem Film- und Showbusiness, wie z. B. Judy Garland Sie verstarb an einer versehentlich eingenommenen Überdosis Schlafmittel. Marilyn Monroe Sie starb im Alter von 36 Jahren an einer Überdosis Barbiturate. Die genauen Umstände ihres Todes sind bis heute ungeklärt. Frank Sinatra Immer wieder wurde und wird Frank Sinatra nachgesagt, engere Verbindungen zu Mobstern, insbesondere der italo-amerikanischen Cosa Nostra, unterhalten zu haben, in deren Clubs er, wie zahlreiche seiner Berufskollegen, schon in den 1940er Jahren gesungen hatte. Verwicklungen in kriminelle Aktionen seiner Kontakte wurde ihm oft nachgesagt, aber nie bewiesen. der Organisierten Kriminalität zu pflegen. Nachdem Kennedy bereits im Jahr 1926 für US$ 1,5 Mio. die FBO übernommen hatte, erwarb er 1928 die Radio Corporation of America, die über ein damals neuartiges System zur Produktion von Tonfilmen verfügte. Was ihm nun noch zum Vertrieb seiner Produktionen fehlte, war eine Filmtheater-Kette. Diese Lücke schloss er noch im gleichen Jahr durch die Übernahme der New Yorker Keith-Albee-Orpheum Theatres Corp. (KAO), die über etwa 700 Theater in den USA und Kanada verfügte und die er 1928 mit seiner FBO zur neuen Radio Keith Orpheum (RKO) verschmolz. Edward Albee, der Gründer der KAO, stimmte dem Verkauf erst zu, nachdem Kennedy ihm zugesichert hatte, dass Albee die Kontrolle über die Kette behalten würde. Doch kaum dass die Verträge unterzeichnet waren, sagte Kennedy unverblümt: Didn t you know, Ed? You re washed up. Through. Im Januar 1929 bündelte Kennedy seine gesamten Anteile am Filmverleih und der -produktion (FBO), an der Vertonungstechnik (RCA) und der Aufführung (KAO) in der [Radio-Keeth-Orpheum-Pictures] (RKO). Augenblicklich nach dieser Fusion trieb er gemeinsam mit seinen befreundeten Spekulanten den Kurs der RKO-Aktie in die Höhe. Bedenkt man, dass das Magazin Fortune Kennedys Vermögen Mitte der 1920er Jahre auf lediglich US$ 2,0 Mio. taxierte, erscheint es durchaus realistisch, dass große Teile der Investitionen für Kennedys massiven Einstieg in das Filmgeschäft von der Mafia, namentlich Paul Ricca und Frank Nitti, stammten. Für diese These spricht auch, dass Nitti, Ricca und Murray Humphreys bereits 1934 behaupteten, in Hollywood Fuß gefasst zu haben, ohne dass bis zu diesem Zeitpunkt in der Unterhaltungsindustrie andere Marktumwälzungen stattgefunden haben, außer eben denen, die durch Joe Kennedy initiiert waren. In diesem Zusammenhang ist es auch sehr bemerkenswert, dass Kennedy bei seiner Expansion im Filmgeschäft ganz offenkundig niemals durch die kriminellen Aktivitäten von Tommy Maloy behelligt wurde.

9 Maloy hatte schon 1920 in Chicago begonnen, ein System des Labor Racketeering (Racketeering umfasst als kriminologischer Begriff insbesondere in den USA illegale Formen der Geschäftsführung, die als Teil der organisierten Kriminalität aufzufassen sind.) aufzubauen, indem er die Herrschaft über Gewerkschaften übernahm, die mit der Filmindustrie und der (damals noch Stumm-) Filmaufführung verbunden waren. Selbst die damals marktführende Western Electric wurde von Maloy erpresst. Kennedy muss also anderweitig Protektion genossen haben, um vor Maloy geschützt gewesen zu sein. Höchstwahrscheinlich waren es seine langjährigen Kontakte zu Owney The Killer Madden, der selbst im Racketeering aktiv war und dessen New Yorker Nachtclubs Kennedy mit Spirituosen belieferte, sowie zu Billy Dwyer, Danny Walsh und Frank Costello. Bereits im Jahr 1924 unmittelbar nach seinem Umzug von Boston nach New York hatte Kennedy die Bekanntschaft von Johnny Roselli gemacht, der ihn seinerseits in die Kreise von Al Capone einführte und nun zum Statthalter des Chicago Outfit an die Westküste abkommandiert wurde, um die Investitionen der Mafia in Hollywood zu überwachen. John Handsome Johnny Roselli alias Filippo Sacco (* 4. Juli 1905 in Esperia (Latium), Italien; 9. August 1976 in Dumfounding Bay, Florida) war ein US-amerikanischer Mobster der La Cosa Nostra und vertrat für und mit Hilfe des Chicago Outfit dessen Interessen in Hollywood und Las Vegas. Roselli unterhielt Kontakte zur CIA, welche mit Hilfe der Mafia den Tod von Fidel Castro in den frühen 1960er Jahren anstrebte. Er wird u. a. mit dem Attentat auf John F. Kennedy von 1963 in Verbindung gebracht. Im westlichen Teil der USA hatte die RKO jedoch keine bedeutende Stellung. Unangefochtener Marktführer westlich des Mississippis war Alexander Pantages, ein griechischer Einwanderer, der 30 Vaudeville-Theater betrieb sowie an etwa 60 weiteren Filmtheathern beteiligt war und bereits 1920 eine Partnerschaft mit dem Filmverleiher Famous Players, einer Tochter der Produktionsfirma Paramount Pictures, eingegangen war. Alexander Pantages (* wahrscheinlich 1867 auf der Insel Andros (Griechenland); 17. Februar 1936) war ein US-amerikanischer Vaudeville-Impresario. Angeblich beherrschte Pantages ein halbes Dutzend Sprachen, konnte aber nicht schreiben. Trotzdem schuf er eine bedeutende Theater-Kette im Westen der Vereinigten Staaten und Kanadas. Da Kennedy seine Expansionsbestrebungen durch Pantages Unternehmen stark eingeschränkt sah, unterbreitete er ihm im Februar 1929 ein Übernahmeangebot über US$ 8 Mio., das Pantages jedoch ablehnte. Kennedy ließ daraufhin seine Kontakte zu Banken und zur Filmindustrie spielen, wodurch er bewirkte, dass Pantages Theater von Erstaufführungen weitgehend ausgeschlossen wurden. Am 9. August 1929 wurde Alexander Pantages von der damals 17-jährigen Tänzerin Eunice Pringle angezeigt, versucht zu haben, sie zu vergewaltigen, woraufhin er angeklagt und zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Durch die Zeitungspropaganda, die Kennedys Freund, der Verleger William Randolph Hearst, gegen Pantages entfachte, war dieser quasi bereits vorverurteilt. William Randolph Hearst (* 29. April 1863 in San Francisco; 14. August 1951 in Beverly Hills) war ein US-amerikanischer Verleger und Medien-Tycoon. Er besaß Anfang des 20. Jahrhunderts die größte Zeitungskette in Amerika und gilt als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Journalisten der amerikanischen Geschichte. Hearst zählte zu den reichsten Menschen der Welt und war Hauptvorbild für die Titelfigur in Orson Welles' Filmklassiker Citizen Kane (1941).

10 Im Jahr 1933 gelang es Pantages zwar, in einem zweiten Prozess freigesprochen zu werden, doch gesundheitlich war er genauso ruiniert wie finanziell, denn sein Unternehmen hatte er inzwischen für US$ 3,5 Mio. verkaufen müssen an Joseph Kennedy. Es hält sich hartnäckig die These, wonach Kennedy Eunice Pringle für ihre Anzeige gegen Pantages eine große Karriere versprochen sowie US$ in bar bezahlt haben soll, was aufgrund der Umstände durchaus schlüssig erscheint, aber letztlich nie bewiesen wurde. Unsinnig ist die in vielen Quellen zu findende Behauptung, dass Pringle dies zwei Jahre nach Pantages Verurteilung ihrem Anwalt gestanden hätte und kurz darauf an einer Zyankalivergiftung gestorben sei. Kennedys Hauptinteresse, sich in der Filmindustrie zu engagieren, bestand vor allem darin, Geld, und weniger darin, gute Filme zu machen. Er hatte erkannt, dass die Theaterketten durch die Produktionsfirmen erpressbar waren und deshalb beschlossen, nicht zu den Erpressbaren zu gehören. Mit dem starken Wachstum der Filmindustrie stiegen auch die Produktionskosten in astronomische Höhen Stars, wie Charly Chaplin, erhielten bis zu US$ wöchentlich, was die zunehmende Finanzierung durch Banken erforderlich machte. Allzu oft verweigerten die Banken jedoch ihr Engagement. Der Direktor von De Mille-Pathé, Cecil B. De Mille, beschrieb die Situation einmal so: When banks came into pictures, trouble came in with them. Die großen Banken waren alle an der Ostküste angesiedelt und zu ihnen hatte Kennedy, selbst von dort stammender Banker, bessere Kontakte als die etablierten Studios in Hollywood. Kennedys Markteintritt in das Filmgeschäft erfolgte relativ spät. Es waren fast ausschließlich Juden, die bereits seit 1912 damit begonnen hatten, die namhaften Filmstudios zu gründen und auch alle bedeutenden Schauspieler, die überwiegend ebenfalls jüdischer Abstammung waren, unter Vertrag hatten. Einem Kollegen bei Hayden, Stone gegenüber äußerte er sich trotzig zu dieser Situation: Look at that bunch of pants pressers in Hollywood making themselves millionaires. I could take the whole business away from them. Kennedy gelang es, diese jüdische Dominanz in Hollywood erfolgreich zu unterwandern, indem er die Angst davor schürte, dass die amerikanischen Politiker einem bedeutenden Industriezweig misstrauen und Gesetze zu dessen Zensur beschließen werden, wenn dieser von osteuropäischen Juden dominiert und für deren Ziele genutzt würde. Er präsentierte sich als neues, frisches und nichtjüdisches Gesicht dieser Branche, dem es gelingen würde, die Filmbranche vor derartigen Entwicklungen zu beschützen. Während die RKO finanziell auf tönernen Füßen stand, wird Kennedys persönlicher Vermögenszuwachs aus dem Filmgeschäft auf gut US$ 9,0 Mio. geschätzt US$ 5,0 Mio aus dem Filmgeschäft selbst, sowie weitere knapp US$ 5,0 Mio aus der Spekulation mit Aktien von Unternehmen aus der Unterhaltungsindustrie.

11 Durch seine Affäre mit Dorothy Schiff, der Inhaberin der New York Post und einer der Erbinnen aus der Finanzdynastie des Bankhauses Kuhn, Loeb & Co, die ihre Promiskuität genauso ungeniert auslebte wie Kennedy selbst, verfügte er auch automatisch zu Kontakten zum Bankhaus Warburg und damit zum Rothschild schen Finanzimperium. Nach dem Tod von Schiff im Jahr 1920 wurde Kuhn, Loeb & Co von Otto Hermann Kahn und Felix M. Warburg geführt. Beide Männer hatten sich bereits unter Jacob Schiff als fähige Nachfolger erwiesen. Das Hauptgeschäft des Bankhauses Warburg in der Anfangszeit war der Handel mit Devisen und Wechseln. Ein zentrales Bankhaus bzw. ein Netzwerk von eng miteinander kooperierenden Banken im gemeinsamen Besitz der Familie Rothschild gibt es nicht. Stattdessen existieren drei Finanzgruppen, die von unterschiedlichen Familienzweigen der Rothschilds kontrolliert werden und sich teilweise durch zahlreiche Schachtel- und Querbeteiligungen auszeichnen. Zwischen den drei Finanzgruppen bestehen vereinzelt gegenseitige Minderheitsbeteiligungen. Bereits im April 1929 sandte Paul Warburg im Auftrag des Bankhauses Rothschild eine geheime Nachricht an ausgewählte Spekulanten, zu denen u. a. John D. Rockefeller jr. John Davison Rockefeller Jr. (* 29. Januar 1874 in Cleveland, Ohio; 11. Mai 1960 in Tucson, Arizona) war ein Mitglied der berühmten US-amerikanischen Rockefeller-Familie. Er wird als Philanthrop bezeichnet. J. P. Morgan jr. John Pierpont Morgan (* 7. September 1867 in New York City; 7. September 1943) war ein US-amerikanischer Unternehmer und Bankier. Er war der Sohn des Bankiers J. P. Morgan d. Ä.. Joseph Kennedy Bernard Baruch Bernard Mannes Baruch (* 19. August 1870 in Camden, South Carolina; 20. Juni 1965 in New York) war ein US-amerikanischer Finanzier, Börsenspekulant, Politikberater und Philanthrop. Baruch ist heute vor allem für die Lancierung des Begriffs Kalter Krieg bekannt, der den in der Folge des Zweiten Weltkriegs entstandenen Ost-West-Konflikt charakterisierte. Außerdem war er ein Mitbegründer der National Recovery Administration, einem Teil des New Deals. gehörten, wonach für das Ende dieses Jahres ein Börsencrash mit einer anschließenden landesweiten Depression geplant (nicht erwartet) wird, was bedeutete, dass Kennedy rechtzeitig vorinformiert war, um sich aus dem hoffnungslos überhitzten Aktienmarkt zurückzuziehen. Drei Monate vor dem großen Börsencrash, der eine zehnjährige Wirtschaftskrise auslöst, stoßen Joe Kennedy John Davison Rockefeller William Durant William Crapo Billy Durant (* 8. Dezember 1861 in Boston, Massachusetts; 18. März 1947) war der Gründer des Automobilgroßkonzerns General Motors und Automobilhersteller Chevrolet (in Partnerschaft mit Louis Chevrolet). Michel Bouvier ihre Aktienpakete ab und leiten den Crash damit quasi ein.

12 Durch gelungene Spekulationen machen die genannten Männer Millionengewinne. Ende 1930 arrangierte Kennedy noch für die RKO die Übernahme des amerikanischen Zweiges von dem französischen Filmproduzenten De Mille-Pathé, bevor er Im Jahr 1931 seine letzten RKO-Anteile an Nelson Rockefeller und seine Brüder verkaufte. Nelson Aldrich Rockefeller (* 8. Juli 1908 in Bar Harbor, Maine; 26. Januar 1979 in New York City) war ein US-amerikanischer Politiker, von 1959 bis 1973 Gouverneur des Bundesstaates New York und in der Regierung des Präsidenten Gerald Ford vom 19. Dezember 1974 bis zum 20. Januar 1977 der 41. Vizepräsident der Vereinigten Staaten. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise litt die RKO unter stark rückläufigen Zuschauerzahlen und konnte aufgrund ihrer zu geringen Kapitalausstattung die hohen Belastungen aus den zahlreichen Übernahmen nicht mehr tragen. Die RKO schrieb Verluste und wurde zudem ab Ende des Jahres 1933 als erstes Unternehmen der Filmbranche von den im Auftrag des Chicago Outfit operierenden George Browne und William Bioff erpresst. William Morris Willie Bioff allias William Nelson (* 12. Oktober 1900 im Russischen Kaiserreich; 4. November 1955 in Phoenix (Arizona)) war ein US-amerikanischer Mobster, welcher der Kosher Nostra zugerechnet wird. Er agierte als Gewerkschaftsführer bei der Unterwanderung der Filmindustrie von Hollywood in den 1920er bis 1940er Jahren. Im selben Jahr beantragte die RKO eine geordnete Insolvenz, aufgrund der sie bis 1940 unter Zwangsverwaltung gestellt wurde. Kennedy baute sich sein Vermögen ab etwa 1929 mit Aktienspekulationen und offenbar auch aus illegalem Schnapshandel auf. Allerdings besaß er auch eine Lizenz zum Import von medizinischem Alkohol und verdiente entsprechend riesige Summen mit dem Verkauf von Alkohol-Lagerbeständen, als die Prohibition 1933 aufgehoben wurde. Roosevelt hat seine Präsidentschaftswahl u. a. wegen seines Versprechens gewonnen, die Prohibition aufzuheben, so dass diese bevorstehende Veränderung alles andere als überraschend für Kennedy kam. Auf einer Englandreise mit Roosevelts Sohn sicherte sich Kennedy die Import- und Vertriebsrechte für Gordon s Gin, Dewar s-, sowie Haig-Whiskeys und gründete zusammen mit James Rossevelt die Firma Somerset Importers. Mit der Aufhebung der Prohibition am entbrennt ein neuer Verteilungskampf innerhalb der Mafia um Produktionslizenzen und firmen, sowie Absatzstellen. So entwickelte sich aus der ehemaligen Partnerschaft zwischen Joe Kennedy und Frank Costello ein erbitterter Konkurrenzkampf.

13 Alle der ehemals illegal operierenden Alkoholschmuggler legten sich legale Produktions- und Importfirmen zu bzw. legalisierten ihre bereits bestehenden Unternehmen: Samuel Bronfman begann damit, Seagram s zum größten Spirituosenhersteller der Welt auszubauen Lewis S. Rosenstiel übernahm Schenley Distillers Joe Reinfeld, Longy Zwillman und Doc Stacher gründeten Browne Vintners Joseph Doc Stacher alias Joseph Oystacher (* 1902 in Letychiv, Polen, heute Ukraine; 28. Februar 1977 in München) war ein US-amerikanischer Mobster, der heute der Kosher Nostra zugerechnet wird. Er soll Meyer Lansky und Lucky Luciano bei der Zusammenarbeit zwischen der jüdischen Kosher Nostra und der italienischen La Cosa Nostra unterstützt haben, die dazu führte, dass Meyer Lansky einen Sitz in der Kommission, einem obersten Mafia-Gremium, des National Crime Syndicate bekam. Frank Costello errichtete Alliance Distributors Joe Linsey erbaute Whitehall Distributers Aus den ehemals illegalen speakeasies wurden nun sogenannte carpet joints, für deren Betrieb Politiker und Polizisten aber weiterhin bestochen werden mussten, weil die Mafia nun hierüber auch ihr illegales Glücksspiel betrieb. Die Gewinnspannen im Alkoholgeschäft gingen zwar deutlich zurück, waren aufgrund einer zeitgleich mit der Aufhebung der Prohibition erhobenen Alkohol- und Importsteuer aber immer noch sehr auskömmlich. Denn nun lohnte es sich, die dramatisch gestiegene Nachfrage nach Importprodukten durch einheimisch gebrannten Fusel, der in Flaschen mit Import-Labeln abgefüllt wurde, zu befriedigen. Hiermit machte auch Kennedy Millionen Profite. Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges begann Kennedy, massiv in Immobilien zu investieren erwarb er unter Einsatz von nur $ Eigenkapital für knapp US$ 13 Mio. die Merchandise- Mart in Chicago, die 1930 von Marshall Field s ursprünglich einmal für $ 30 Mio. errichtet worden war und damals mit ihren qm nicht nur die größte Gewerbeimmobilie der Welt war, sondern in der auch das vom Outfit kontrollierte Glücksspiel und die Prostitution florierten nachdem er zwei Wochen zuvor ein dreizehngeschossiges Gebäude von der Socony-Vacuum Oil Co. in Albany für US$ 1,8 Mio. gekauft hatte. Der Kauf der Merchandise-Mart ist insofern bemerkenswert, da Kennedy sie für etwas weniger als die Hälfte ihrer ursprünglichen Errichtungskosten erwarb, obwohl sich der nationale Immobilienindex für die Errichtungskosten im Jahr 1930 zu deren Handelswert im Jahr 1945 mehr als verdoppelte. Die Entwicklung des Index konnte die Merchandise-Mart zwar u. a. deshalb nicht nachvollziehen, weil ein großer Teil ihrer Büros von staatlichen Behörden belegt war, die nur eine sehr geringe Miete hierfür bezahlten, doch zum Zeitpunkt ihres Verkaufs stand sie bei Marshall Field s immerhin noch mit US$ 21 Mio. in den Büchern. Unmittelbar nach dem Erwerb gelang es Kennedy, die staatlichen Behörden zum Auszug zu bewegen und sie durch gewerbliche Mieter zu ersetzen, wodurch er die jährlichen Mieteinnahmen aus diesem Objekt auf US$ 13 Mio. und dessen Verkehrswert auf US$ 75 Mio. steigerte. Fast alle seine Immobiliengeschäfte wickelte Kennedy über den New Yorker Makler und Immobilientycoon John J. Reynolds ab, der außerdem hauptsächlich damit beschäftigt war, die Immobiliengeschäfte der New Yorker Erzdiözese zu regeln und Kennedy von dem mit ihm befreundeten Kardinal Francis Joseph Spellman empfohlen worden war. Durch die über Reynolds abgeschlossenen Immobiliengeschäfte vermehrte Kennedy sein Vermögen um schätzungsweise US$ 100 Mio.

14 Kennedy ging bei seinen Immobilienengagements nach der ''leverage on equity'' genannten Strategie vor: 1. Für den Erwerb einer Immobilie im Wert von beispielsweise $ 2 Mio. lieh er sich $ 1,8 Mio. zu 4,0 % p. a. (= $ ). 2. Bei Nettomieteinnahmen von 6,0 % (= $ ) erzielte er einen Überschuss von $ p. a. 3. was einer Rendite auf sein eingesetztes Eigenkapital von 24,0 % p. a. entspricht Den Handel mit Alkohol gab er erst 1946 auf, um das Image seiner Söhne nicht zu gefährden. Sommerset Importers wurde an Abner Longy Zwillmann, der zur Zeit der Prohibition für Samuel Bronfman Alkohol von Kanada in die USA schmuggelte, eng zusammenarbeitete mit Lucky Luciano und Meyer Lansky, Mitglied der von Arthur Rothstein ins Leben gerufenen Seven Group, sowie einer der sechs Bosse der Murder, Inc. war und auch als Al Capone von New Jersey bezeichnet wurde und Joe Reinfeld verkauft; aus dem Verkauf der 17 % Beteiligung an den Hialeah-Tracks, die er erst 1943 erworben hatte, erzielte er allein acht Millionen US-Dollar. Die Murder, Inc. war eine US-amerikanische kriminelle Vereinigung in den 1930er- bis Anfang der 1940er-Jahre, der hunderte von Morden zuzurechnen sind. Der Name eine Erfindung des Journalisten Harry Feeney vom New York World-Telegram aus den 1930er-Jahren beruht auf der geschäftsmäßigen Verübung von Morden und wurde von den Mitgliedern als Eigenbezeichnung akzeptiert. Ursprünglich hatte der Bandenchef Louis Buchalter die Gruppe als The Combination (am.: Die Kombination ) bezeichnet, da in ihr Kosher Nostras und Italiener der La Cosa Nostra, aber auch Iren und andere Nationalitäten zusammenarbeiteten. Die Morde dienten hauptsächlich dem Zweck, die kriminellen Aktivitäten und wirtschaftlichen Interessen des National Crime Syndicates abzusichern und auszuweiten. Zu den Opfern zählten jedoch auch potentielle Belastungszeugen, die keinerlei direkte Verbindung zum organisierten Verbrechen hatten. Diese Morde sollten andere Straftaten der kriminellen Vereinigung ermöglichen oder verdecken. Dazu gehörte insbesondere der durch Jacob Katzenberg organisierte internationale Drogenhandel, der von der Murder, Inc. aktiv unterstützt wurde und als eine der Haupteinnahmequellen der kriminellen Vereinigung neben der Unterwanderung legaler Arbeitsgewerbe wie der Bekleidungsindustrie gesehen werden kann. Die von Buchalter und Albert Anastasia geführte Verbrecherorganisation setzte sich im Wesentlichen aus drei Teilen zusammen: erstens die Kerngruppe um Abe Reles, die im Stadtteil Brownsville (New York City) angesiedelt war (die Brownsville Boys); zweitens die im Nachbarstadtteil angesiedelten Italiener von den Ocean Hill Hooligans und drittens die Männer, die bereits vorher direkt mit Buchalter und Co. zusammengearbeitet hatten. Obwohl Kennedy dank der Mafia reich geworden war, weigerte er sich zunehmend Gegenleistungen zu erbringen und war bemüht, seine geschäftlichen Aktivitäten von denen seiner alten Komplizen abzugrenzen: Als Kennedy 1956 von Frank Costello gebeten wurde, für diesen ein Immobiliengeschäft unter seinem Namen abzuschließen, lehnte Kennedy diese Bitte unter Hinweis darauf ab, dass er die politische Karriere seines Sohnes damit gefährden könnte, woraufhin Costello ein Kopfgeld auf Kennedys Ermordung aussetzte.

15 Durch die Vermittlung des Bürgermeisters von Chicago, Richard J. Daley, trat Kennedy in Kontakt zu Sam Giancana, mit dem er sich in einer Suite des Ambassador East traf und ihn um Hilfe bat, Costello von seinem Vorhaben abzubringen. Richard Joseph Daley (* 15. Mai 1902 in Chicago, Illinois; 20. Dezember 1976 ebenda) war ein US-amerikanischer Politiker und langjähriger Bürgermeister von Chicago. Mit 21 Amtsjahren prägte er nicht nur maßgeblich die Politik der Großstadt, sondern spielte auch in der Demokratischen Partei eine bedeutende Rolle, etwa bei der Unterstützung der Präsidentschaftskandidaturen von John F. Kennedy 1960, Lyndon B. Johnson 1964 und Hubert H. Humphrey Daley wurde überregional bekannt, als er beim demokratischen Nominierungsparteitag in Chicago Ende August 1968 die Polizei gegen Anti-Kriegsdemonstranten einsetzte. Die Ordnungskräfte gingen dabei besonders hart gegen die Protestierenden vor, was auch über die Grenzen der USA hohe Beachtung fand. Kennedy erklärte, dass es nur durch seine Kontakte möglich sein werde, dass sein Sohn eines Tages zum Präsidenten gewählt würde und sicherte Giancana für dessen nun erbetene Hilfe die Loyalität seines Sohnes zu. Giancana ging auf diesen Vertrag ein und sorgte für die Annullierung des Todesurteils. Doch seit diesem Treffen war Giancana auch eines deutlich geworden: Whenever I had a Gordon s Gin, it always reminded me that Joe Kennedy would sell anything to save his own skin. His liquor business, the Senate, the presidency, the White House, even his own son. was ihn zu dem Schluss gelangen ließ: Jesus, if ever there was a crook, it s Joe Kennedy. In privater Hinsicht hatte Kennedy hingegen nach wie vor weniger Berührungsängste: mit Johnny Roselli spielt er von Zeit zu Zeit Golf mit Meyer Lansky "Smiling Gus" Battaglia Joe Bonanno Giuseppe Joseph/Joe Bonanno (* 18. Januar 1905 in Castellammare del Golfo, Italien; 11. Mai 2002 in Tucson, Arizona) war ein italienischstämmiger amerikanischer Mafioso, der Boss einer der berüchtigten Fünf Familien aus New York City (Bonanno-Familie) wurde. Er wurde auch Joe Bananas genannt, ein Name, den er hasste, da dieser implizierte, dass er verrückt sei. trifft er sich 1957 in Kuba Dass es der Kennedy-Familie nie gelungen ist, ihre Mafia-Verbindungen zu lösen, zeigt die Tatsache, dass noch im Jahr 1976 Meyer Lanskys ehemaliger Statthalter in Neuengland, Joseph Linsey, der zu Zeiten der Prohibition bereits mit Joe Kennedy zusammenarbeitete, der Hauptunterstützer für die Kampagne von Ted Kennedy zu den anstehenden Senatswahlen war. Edward Moore Ted Kennedy senior KBE (* 22. Februar 1932 in Boston, Massachusetts; 25. August 2009 in Hyannis Port, Massachusetts) war ein US-amerikanischer Senator und ein führender Politiker der Demokratischen Partei der USA. Im Senat stand er seit 2007 dem Sozialausschuss vor.

16 Politik Kennedy unterstützte aktiv den Wahlkampf von Franklin D. Roosevelt und wurde von diesem im Juli 1934 zum Vorsitzenden der United States Securities and Exchange Commission (SEC) ernannt, ein Amt, das er bis September 1935 ausübte. Die United States Securities and Exchange Commission (SEC) ist als US-Börsenaufsichtsbehörde für die Kontrolle des Wertpapierhandels in den Vereinigten Staaten zuständig. Ihr Sitz ist in Washington, D.C. Kennedy arbeitete im Wahlkampfausschuss für Roosevelt. Seine Unterstützung bestand neben einer Spende in Höhe von US$ vor allem darin, dass es ihm gelang, den Zeitungsmogul William Randolph Hearst in die Propaganda für Roosevelt einzubinden. Dem überraschten Publikum, warum Roosevelt ausgerechnet Kennedy ausgewählt hatte, der vielen nicht nur als Profiteur der Weltwirtschaftskrise, sondern als deren Mitverursacher galt, erklärte der Präsident sinngemäß, dass Diebe am besten Diebe fangen können. Aufgrund seiner massiven Unterstützung Roosevelts hatte Kennedy eigentlich erwartet, einen Ministerposten vorzugsweise den des Finanzministers zu erhalten. Von 1936 bis 1937 war Kennedy Vorsitzender der United States Maritime Commission (MARCOM). Die United States Maritime Commission (MARCOM) war eine unabhängige ausführende Behörde der US-Bundesregierung. Sie übernahm im Zuge des am 29. Juni 1936 vom US- Kongress beschlossenen Merchant Marine Act (1936) die Aufgaben des seit dem Ersten Weltkrieg tätigen United States Shipping Board. Im Dezember 1937 wurde er von Roosevelt zum US-Botschafter in London berufen. Kennedy erlangte damit den prestigeträchtigsten diplomatischen Posten, den Amerika zu vergeben hatte. Hier verband Kennedy sehr schnell eine enge Freundschaft mit der US-stämmigen, britischen Unterhausabgeordneten Nancy Witcher Langhorne Astor, die auf ihrem luxuriösen Landsitz mit dem sog. Cliveden Set einen erzkonservativen Zirkel führte, dem u. a. auch der Gründer und Führer der Partei der britischen Faschisten (BUF), Oswald Mosley, angehörte. Lady Nancy Astor, geb. Nancy Witcher Langhorne (* 19. Mai 1879 in Danville, Virginia, Vereinigte Staaten; 2. Mai 1964 in Grimsthorpe Castle, Lincolnshire, Vereinigtes Königreich) war eine britische Politikerin. In den Jahren nach 1936 erlitt Astors öffentliches Ansehen einen schweren Dämpfer als der Journalist Claud Cockburn sie und ihren Gatten, im Zuge seiner Angriffe auf das sogenannte Cliveden Set, öffentlichkeitswirksam mit dem Vorwurf attackierte, die beiden seien ein Paradebeispiel von wohlhabenden Leuten, die ihre Beziehungen und ihre Zeitungen benutzen würden, um gezielt die Politik der Regierung zu unterlaufen. Ausgehend von Astors verschiedentlich geäußerten Überlegungen, dass man Hitler als ein Bollwerk gegen den Bolschewismus benutzen könnte, brachte Cockburn sie zudem mit der Politik des Appeasement in Verbindung. Sir Oswald Ernald Mosley, 6. Baronet (* 16. November 1896 in London; 3. Dezember 1980 in Orsay, Département Essonne, Frankreich) war ein britischer Politiker, der vor allem als Gründer der faschistischen Partei British Union of Fascists (BUF) bekannt wurde. Die BUF war antikommunistisch und protektionistisch ausgerichtet. Sie forderte die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie und die Schaffung eines Ständestaats.

17 Nancy Astor war eine ausgewiesene Antikommunistin und Antisemitin und schrieb in einem Brief an Kennedy, dass Adolf Hitler möglicherweise die Lösung für beide Probleme sein könnte. Auch zum deutschen Botschafter, Herbert von Dirksen, pflegte Kennedy früh und reichlich Kontakt und teilte diesem einmal mit, dass Roosevelt ein Opfer jüdischen Einflusses sei, woraufhin von Dirksen nach Berlin meldete, dass Kennedy Deutschlands bester Freund sei. Eduard Willy Kurt Herbert Dirksen, ab 1887 von Dirksen (* 2. April 1882 in Berlin; 19. Dezember 1955 in München) war Gutsherr (bis 1945) auf Gröditzberg (nahe Adelsdorf im Landkreis Goldberg, Niederschlesien), deutscher Botschafter und Autor. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges endete für Dirksen seine aktive Zeit als Diplomat. Auf seiner Herrschaft Gröditzberg in Schlesien widmete er sich fortan wieder seiner publizistischen Tätigkeit. Im deutschen und besetzten europäischen Raum hielt er darüber hinaus vor Soldaten und Parteigenossen historisch-politische Vorträge, in denen er den Krieg und Hitlers Politik im Allgemeinen rechtfertigte. Kennedys Anbiederung an Repräsentanten Nazi-Deutschlands war Winston Churchill suspekt, der ihn deshalb vom MI5 observieren ließ und dadurch außer den Kontakten zu Nancy Astor und Oswald Mosley ein geheimes Treffen Kennedys mit Görings Stellvertreter, Helmuth Wohlthat, das am 9. Mai 1939 entgegen Roosevelts explizitem Verbot stattfand, dokumentierte. Helmuth C. H. Wohlthat (* 4. Oktober 1893 in Wismar; 1982) war ein ranghoher deutscher Beamter während der Zeit des Nationalsozialismus. Hjalmar Schacht holte ihn 1934 ins Reichs- und preußische Wirtschaftsministerium, wo er als Ministerialdirektor ab Dezember 1934 die Reichsstelle für Devisenbeschaffung leitete. Er wechselte 1938 ins Preußische Staatsministerium und unterstand als Staatssekretär in der Behörde für den Vierjahresplan der direkten Weisung Hermann Görings. Dort war er vorwiegend für den Außenhandel und die Devisenbewirtschaftung zuständig. In diesen Aufgabenbereich fiel unter anderem der Aufbau der Deutschen Walfangflotte. Zu Beginn des Jahres 1938 initiierte und plante er die Deutsche Antarktische Expedition 1938/39. Wohlthat verhandelte im Februar 1939 mit George Rublee vom Intergovernmental Committee on Refugees das Rublee-Wohlthat-Abkommen, das die Auswanderung der Juden aus Deutschland regeln sollte. Am 23. März 1939 schloss er mit der rumänischen Regierung einen Wirtschaftvertrag ( Wohlthat-Vertrag ), der deutsche Investitionen in Rumänien, besonders in die petrochemische Industrie, ermöglichte. Nach dem Krieg hatte Wohlthat verschiedene Aufsichtsrats-Posten in der privaten Wirtschaft inne. Wohlthat wurde am 10. September 1954 von Fritz Schäffer, sekundiert von Franz Josef Strauß, als Direktor der Weltbank vorgeschlagen, während Ludwig Erhard Otto Donner favorisierte. Bei der Abstimmung entschied sich die Mehrheit des Kabinett Adenauer II für Wohlthat, aufgrund der Intervention von Konrad Adenauer erhielt aber Donner den Posten. Auch Roosevelt traute Kennedy nicht und isolierte ihn deshalb, indem er seine Kontakte zu Großbritannien über seinen Botschafter in Paris laufen ließ und in direkten, geheimen Kontakten mit Churchill stand. Zur Dekodierung aller außergewöhnlichen Telegramme engagierte Kennedy den Spezialisten Tyler Kent, der massenweise geheime Roosevelt-Churchill-Telegramme sammelte und an Kennedy weiterleitete, die dieser wiederum zu einem Dossier zusammenfasste, mittels dessen er versuchte, Roosevelt zu erpressen und politisch auszuschalten.

18 Tyler Gatewood Kent (* 24. März 1911 in Nowchwang, Yingkou, Mandschurei; 20. November 1988 in Texas) war ein US-amerikanischer Chiffrierer seiner Botschaft in Moskau und London im Zweiten Weltkrieg. Er entwendete Unterlagen des geheimen Postverkehrs zwischen Franklin D. Roosevelt und Marineminister Winston Churchill, um sie Isolationisten oder dem Deutschen Reich zuzuspielen. Kent, der in Großbritannien als Verräter verurteilt wurde, kann aus anderer Perspektive auch als amerikanischer Patriot gelten, der von seiner Regierung zum Schweigen gebracht wurde, um die Offenlegung gesetzeswidriger Absprachen zwischen Roosevelt und Churchill während des Sitzkrieges in Europa zu verhindern. Zusammengefasst wurde das 1946 von John H. Snow: Wie wir wissen, ist unsere Nation streng in zwei Lager bezüglich der Verantwortung für den Krieg geteilt. Alle Gedanken und Fragen reduzieren sich auf eine Frage. Klar und offen gesagt, lautet sie: Waren Roosevelt und seine Intriganten verantwortlich für Amerikas Kriegseintritt oder nicht? Nicht beide Lager können gleichzeitig recht haben. Die Antwort kann, wie wir glauben, auch nicht dazwischen liegen. Das wäre ein alter Trick, und wir sind dessen müde. Er hat niemals Krieg verhindert. Der Kent-Fall selbst wirft viele Fragen auf, aber die Hauptfrage ist und bleibt Was war der Inhalt dieser Telegramme? Das von Kennedy angezettelte Komplott wurde vom MI-5 jedoch entdeckt und von Churchill als Spionage für Nazi-Deutschland ausgelegt. Um seine eigene Haut zu retten, hob Kennedy Tyler Kents diplomatische Immunität auf, woraufhin dieser zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde. Kennedy war in seiner politischen Geisteshaltung rassistisch (Schwarze waren Nigger ) antisemitisch (Juden bezeichnete er als kikes oder pants pressers ) reaktionär (bereits Liberale sah er als Kommunisten) Kennedy war in dieser Zeit aktiver Befürworter der Appeasement-Politik des britischen Premierministers Chamberlain, was ihm den Ruf eines Nazi-Sympathisanten bescherte und ihn schließlich in Gegensatz zu Präsident Roosevelt brachte. Sein ständiges Betonen der Neutralität der USA brachte Kennedy in Gegensatz zur britischen Regierung und führte schließlich im November 1940 zu seiner Abberufung als Botschafter in England. Kennedys Abberufung erfolgte unmittelbar nachdem er Louis M. Lyons, einem Journalisten des Boston Globe, ein Interview gab, welches am 10. November 1940 veröffentlicht wurde, in dem er sich negativ über die Aussichten Englands im Krieg gegen Deutschland, sowie abfällig über die First Lady, Eleanor Roosevelt, äußerte. Kennedy behauptete anschließend, diese Äußerungen in der Annahme gemacht zu haben, dass in diesem Moment das Aufnahmegerät Lyons ausgeschaltet gewesen sei, was von diesem jedoch bestritten wurde. Kennedys Behauptung ist auch deshalb unglaubwürdig, weil ein gleichlautendes Interview, geführt von Ralph Coghlan, zeitgleich im St. Louis Post-Dispatch erschien. Wie auch immer, bedeuteten diese Interviews nicht nur das Ende von Kennedy s diplomatischer, sondern auch das seiner gesamten politischen Laufbahn. Fortan konzentrierte Kennedy seine politischen Ambitionen auf die Förderung der Karrieren seiner Söhne.

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