Udo Seybold Integriertes Auslandsstudium an der University of Wisconsin Madison 1999/ 2000

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1 Udo Seybold Integriertes Auslandsstudium an der University of Wisconsin Madison 1999/ 2000 Engineering Hall, UW-Madison

2 Vorwort Was soll dieser Bericht? Seit nunmehr fast einem Jahr studiere ich an der University of Wisconsin-Madison (UW- Madison). Das vom Institut für Werkzeugmaschinen betreute und vom DAAD finanzierte Integrierte Auslandsstudium ist im Mai zu Ende gegangen, ich habe jedoch meinen Aufenthalt in Madison verlängert und plane, bis Ende des Jahres hier den Abschluß als Master of Science zu machen. Rückblickend auf die Vorbereitungen im Vorfeld und auf die vergangenen Monate in den USA, möchte ich in diesem Bericht einen Teil meiner Erfahrungen und Eindrücke in Zusammenhang mit dem Auslandsstudium zusammentragen. Ich hoffe, daß ich damit auch bei anderen Interesse an einem Auslandsstudium wecken bzw. bestärken und hilfreiche Informationen zur Verfügung stellen kann. Deshalb sind an einigen Stellen des Berichts meist kommentarlos Verweise auf Quellen zu finden, von denen ich denke, daß sie zumindest bei einer ersten Orientierung helfen können. Für die Inhalte übernehme ich natürlich keinerlei Verantwortung 1

3 Organisation im Vorfeld Bevor es losgehen konnte Zwischen der Bewerbung für das Integrierte Auslandsstudium und seinem Beginn lagen mehrere Monate, die es zum einen erforderlich machten, sich bereits früh mit dem Gedanken zu befassen und allgemeine Vorbereitungen zu trefen, andererseits dann aber noch genug Zeit zur Ausarbeitung der Details übrig ließen. Viele notwendigen Formalitäten ließen sich bereits einige Zeit vor ihrem Stichtag in Angriff nehmen, andere Dinge konnten nur während eines eng begrenzten Zeitraums erledigt werden. Im allgemeinen bestand kein Grund zur Panik, so manches scheinbare Problem lößte sich mit ein bißchen Hilfe fast wie von selbst. Andererseits hätte ich persönlich mir aber auch manche Hektik ersparen können Einmal Interesse an einem Studienaufenthalt im Ausland verspürt, gab es eine Vielzahl von Informationsmöglichkeiten, von denen ich diejenigen, die ich selbst genutzt habe, im folgenden nennen und auch weiterempfehlen möchte. Die vom Akademischen Auslandsamt Stuttgart 1 angebotenen Gruppenberatungen boten mir eine gute Übersicht über die Möglichkeiten, einen Teil meines Studiums im Ausland zu absolvieren. Sie eigneten sich sehr gut für einen grundlegenden Überblick und halfen mir herauszufinden, welche Programme für mich persönlich am interessantesten waren. Detailliertere Fragen konnten dann in Einzelgesprächen, anhand von Informationsmaterialien oder mit Programmbeauftragten direkt geklärt werden. Für einen Überblick und den Aufbau eines Studiums in den USA und Förderungsmöglichkeiten fand ich auch den vom Deutschen Akademischen Austauschdienst herausgegeben Studienführer Vereinigte Staaten von Amerika hilfreich. Er war beim Akademischen Auslandsamt in Stuttgart erhältlich. Die Vorlesung Croß-Cultural Orientation: Study in the USA and Canada 2 beinhaltete neben allgemeinen Themen zu Land und Leuten zum Beispiel auch konkrete Informationen darüber, was bei einer Bewerbung an einer US-amerikanischen oder kanadischen Universität oder beim Beantragen des Visums zu beachten ist. Da ich den Kurs erst im Semester vor meiner Abreise besuchte, mußte ich manche Dinge noch erledigen, bevor sie in der Vorlesung behandelt worden waren. Von anderen Informationen wiederum konnte ich erst im Alltag in den USA richtig profitieren. Für mich persönlich waren vor allem auch Berichte von Studenten, die bereits ein Studium in den USA hinter sich hatten, sehr wertvoll dabei, mir ein Bild davon zu verschaffen, was denn nun wirklich auf mich zukommen würde und was ich am besten wann und wie machen sollte. Schließlich kann man kaum einfacher und aktueller Antwort auf seine Fragen finden und viele praktische Tips bekommen als im direkten Kontakt mit einem seiner Vorgänger. Einzelheiten zur Bewerbung für das vom Institut für Werkzeugmaschinen organisierte Integrierte Auslandsstudium finden sich im Internet 3 oder können auch direkt am Institut erfragt werden. Dabei kann man dann auch genauere Ausküfte über die Organisation des Programmes bekommen. Für die Bewerbung als graduate student am College of Engineering (COE) in Madison waren unter anderem Empfehlungsschreiben von drei Professoren, ein curriculum vitae und eine Mindestpunktzahl von 1500 im GRE 4 erforderlich 5. Glücklicherweise hielt sich der Aufwand für

4 die Zusammenstellung der Unterlagen in Grenzen; nicht zuletzt dank der tatkräftigen Unterstützung von Frau Peyk-Stenzel vom Akademischen Auslandsamt in Stuttgart. Selbstverständlich war es auch sehr gut, sich mit den anderen Kandidaten abzustimmen und Kontakt mit den Vorgängern aufzunehmen. Neben den Organisationen für die UW-Madison galt es natuerlich auch andere Dinge wie Flug und Visum zu organisieren oder die Beurlaubung an der Uni Stuttgart und, weil ich der Wehrüberwachung unterlag, auch eine Genehmigung zum Verlassen der Bundesrepublik Deutschland beim zuständigen Kreiswehrersatzamt zu beantragen. Eine eventuelle Verlängerung des Auslandsaufenthaltes bereits im Auge, entschieden sich meine Kollegen und ich für ein one-way ticket. Wie schon viele Madison-Reisende vor uns wählten wir einen Flug nach Chicago und die Weiterfahrt mit dem Bus 6 nach Madison. Die Fahrt dauerte etwa 3,5 Stunden und kostete ca. 20 $. Ein Flug nach Madison wäre in unserem Fall eine deutlich teurere Alternative gewesen. Abgesehen von den Problemen, die einer der beiden anderen für das Programm ausgewählten Studenten wegen seines Ergebnisses im GRE hatte, verlief der Schriftverkehr mit der Uni geradezu beispielshaft. So haben wir immer wieder Informationen aus Madison erhalten; z.b. Bestätigungen, daß unsere Bewerbungen bearbeitet wurden, oder auch die sehr nützliche Broschüre A Guide for Mechanical Engineering GRADUATE STUDENTS, herausgegeben vom Department of Mechanical Engineering, University of Wisconsin Madison. Das für die Beantragung des F1-Visums notwendige I-20 Formular hatten wir bereits mehrere Wochen vor dem Abflug erhalten, so daß uns die Probleme, die schon viel andere USA-Reisende mit ihrem Visumantrang hatten, glücklicherweise erspart blieben. Darüber, was man außer einem ausreichend lange gültigem Reisepaß noch brauchte, welche Vordrucke auszufüllen waren und wieviel bezahlt werden mußte, informierte die US Botschaft 7. Auch die Einfuhrbestimmungen waren einen Blick wert. Beim Packen hielt ich mich an die Ratschläge, die ich Berichten entnommen hatte und packte neben sommerlich-luftiger auch fast meine komplette Winterkleidung ein. Der letzte Winter war sehr mild, von den befürchteten -30 C blieben wir völlig verschont, nur wenige Tag waren kälter als -10 C. Auch im Sommer blieben bisher die Temperaturen im erträglichen Bereich. Da aber sommerliche Temperaturen von 30 C bei hoher Luftfeuchtigkeit für Madison durchaus typisch sind, stellte dieses Jahr zumindest bislang eine Ausnahme dar

5 Die ersten Tage in Madison Getting Settled Es war gegen Uhr, als Ronald Stöckle und ich am 15. August mit dem Bus in Madison ankamen und einen Warm Wisconsin Welcome erfahren durften. Wie bereits unsere Vorgänger kamen wir während der ersten drei Tage bis wir eine Wohnung gefunden hatten bei einer amerikanischen Familie, den Dorls, unter. Die Dorls sind Mitglieder bei den Madison Friends of International Students (MFIS) 8, einer Organisation freundlicher AmerikanerInnen, die eine ganze Reihe kostenloser oder sehr preiswerter Angebote für ausländische StudentInnen bereithält. Die Dorls waren uns von unseren Vorgängern empfohlen worden, und auch Ronald und ich haben unsere Nachfolger an sie vermittelt. Schließlich haben uns die Dorls nicht nur Unterkunft für die ersten Tage geboten, sondern uns auch schon einige Male zum Essen eingeladen und zum Segeln sowie zu Basketballspielen mitgenommen! Während der ersten Tage gab es einiges zu besorgen und zu erledigen: Fahrradkauf, Bankverbindung, Wohnung, Telefon und eine ganze Reihe Dinge im Umfeld der Uni. Wie sich herausstellen sollte, hatten wir mit unserem Vorgänger Nils Guse einen wahren Madison- Experten hilfreich zur Seite, der genau wußte, was man wann wo am besten machte. Es war also alles halb so wild und Ronald und ich fanden sogar noch ein paar Tage Zeit, vor Vorlesungsbeginn am 2. September eine kleine Rundfahrt durch Wisconsin zu machen. Dabei war es gut, daß wir über einen internationalen Führerschein verfügten. Mittlerweile haben wir aber auch beide eine Wisconsin Driver License. Der deutsche Führerschein wird seit letztem Jahr in Wisconsin vom Department of Transportation gegen eine geringe Gebühr ohne Test umgeschrieben und ist auch als Altersnachweis, zum Beispiel beim Eintritt in eine Bar, praktischer als ein deutsches Dokument. Madison ist wie gemacht für s Fahrradfahren Radwege, kaum Steigungen, nur selten Wolken und Regen Deshalb hatte ich mein Fahrrad auch nahezu täglich im Einsatz. Für größere Entfernungen oder auch für größere Einkäufe nahm ich meist den Bus, der während fall und spring term für Studenten kostenlos war. Dabei fand ich die Freundlichkeit der BusfahrerInnen wirklich bemerkenswert. Die Kontoeröffnung war sehr einfach. First Federal und UW Credit Union zum Beispiel verfügen beide über mehrere Filialen in Madison und haben auch ein auf ausländische Studenten abgestimmtes Angebot. Außer einer Check n Cash card waren auch Schecks hilfreich im täglichen Zahlungsverkehr. Beides war gegen geringe Gebühr erhältlich. Mit der Check n Cash card ließ sich am Bankautomaten Geld abheben und, ähnlich wie mit einer Kreditkarte, bargeldlos bezahlen ohne jedoch das Konto überziehen zu dürfen. Was ich in Deutschland über Überweisungen oder Daueraufträge abgewickelt hätte, erledigte ich in den USA mit Schecks. Das heißt: üblicherweise verschickte ich zumindest zwei Schecks pro Monat einen für die Miete und einen für s Telefon. In Madison ist typischerweise der 15. August der Stichtag für Wohnungsvermietungen. Natürlich werden viele Wohnungen bereits Monate im voraus vergeben, und die besten scheinen Mitte August schon vergriffen. Vermutlich ist es auch tatsächlich so, aber Wohnungen sind in Madison keine Mangelware. Neben universitätseigenen Wohnheimen, die sich anscheinend hauptsächlich bei undergraduate students in ihren ersten Semestern großer Beliebtheit erfreuen, gibt es eine Vielzahl von Angeboten unterschiedlichster Qualität auf dem privaten Wohnungsmarkt. Einen 8 4

6 guten Startpunkt für die Suche bot die Campus Information, Assistance & Orientation (CIAO) 9. Dort konnten online Kriterien für die Traumwohnung eingeben werden. Mir brachten die Fahrten zu den Wohnungen und die Besichtigungen derselben nicht nur eine erste Orientierung in Madison, sondern auch eine ganze Menge interessanter, erster Eindrücke. Ronald und ich kamen schließlich beide in einem Haus mit 11 Wohneinheiten in sehr zentraler Lage zu einem annehmbaren Preis unter. Wir waren jedoch nicht über eine Annonce im Internet sondern durch ein am Haus angebrachtes Schild auf die Wohnungen aufmerksam geworden. Wer nicht wie Ronald und ich das Glück hat, über seine Vorgänger bereits während der ersten Tage kostenlos Zugang zu Internet und Telefon zu haben, kann übrigens beides in der Union South finden. Einen eigenen Telefonanschluß zu bekommen stellte sich als deutlich schwieriger und nervenaufreibender heraus als erwartet. Bis ich nach etwa zwei Wochen endlich mein eigenes Telefon benutzen konnte, hatte ich deshalb einige Male meinen Namen am Telefon buchstabiert, Faxe verschickt und s geschrieben. Abgesehen davon, daß die Telefongesellschaft meiner Vormieterin den Anschluß noch nicht freigegeben hatte, wurde die Abwicklung dadurch erschwert, daß ich noch keine social security number und auch keinen amerikanischen Führerschein besaß. Außerdem war es leider nicht möglich, persönlich in einer Geschäftsstelle vorbeizugehen. Die Kopien von deutschem Reisepaß und Führerschein mit der Post zu schicken, hat sich letzlich als wirkungsvoller gezeigt als das Faxen der Unterlagen. Seit ich einen Account an der Uni hatte, hielt ich meine Kontake zu einem Großteil über und Faxe 10 aufrecht. Den Account konnte man problemlos erhalten, sobald man offiziell Student war. Das setzte voraus, daß man zumindest für einen credit angemeldet war. Die Registrierung erfolgte über Telefon, wobei sich Details dazu im timetable nachschlagen ließen. Bevor man sich registrieren konnte, mußte aber erst die bestehende Registrierungssperre aufgehoben werden. Professor Rutland, der das Programm auf amerikanischer Seite betreute, übernahm für Ronald und mich übergangsweise die Funktion des advisor und unterschrieb uns das entsprechende Formular. Für mindestens einen credit registriert, konnte man sich dann auch den Studentenausweis und mit diesem den Buspaß in der Union South ausstellen lassen. Vor Semsterbeginn wurden eine ganze Reihe Orientierungsprogramme und Workshops angeboten. In der Tat war auch einiges an paper work zu erledigen, denn neben den Standardformalitäten für ausländische grad students verlangten auch noch Dinge wie social security, Krankenversicherung und Steuer Aufmerksamkeit. Die angebotenen Workshops halfen dabei sehr. Informationen über die Orientierungsprogramme erhielten Ronald und ich von Professor Rutland und auch von Marianne Machotka, die insbesondere die ausländischen special students betreut. Alle waren sehr hilfsbereit und freundlich; Ronald und ich hatten nicht annähernd so viel Ärger wie unsere Vorgänger und konnten sehr von deren Tips profitieren

7 Vorlesungen Studieren in den USA Eine Auswahl von in Stuttgart anerkennbaren Kursen hatte ich mir zwar bereits in Deutschland zusammengestellt; da aber leider nicht alle Kurse wie ausgeschrieben stattfanden und es auch unerwartete Überschneidungen gab, ließ ich mir von den Professoren, die ich auf der Suche nach einem Betreuer und einer Studienarbeit aufsuchte, Vorlesungen empfehlen und stellte meine Planung um. Die Kursauswahl war keineswegs auf das Department of Mechanical Engineering (ME) beschränkt, auch wenn alle meine Kurse aus diesem stammen. Die von mir gehörten Kurse lassen sich größtenteils in meine Stuttgarter Hauptfächer, Thermische Strömungsmaschinen und Technische Dynamik, einbinden; die Vorlesungsinhalte sind auf den entsprechenden Kurs- Homepages detailliert angegeben. Im folgenden möchte noch persönliche Eindrücke ergänzen. Fall 1999 term: ME 446 Automatic Controls (3 credits); Professor Yan Die Themen stimmten weitgehend mit der in Stuttgart angebotenen Vorlesung Regelungstechnik I überein, Organisation und Durchführung waren aber in für die USA typischer Weise: Nahezu wöchentlich gab es Hausaufgaben einzureichen, die zusammen mit zwei midterms und einem final exam die Grundlage für die Endnote bildeten. Wie auch in anderen Kursen war die Benutzung des Computers obligatorisch ein Großteil der Hausaufgaben mußten mit MATLAB gemacht werden. ME 570 Experimental Mechanics (3 credits); Professor Richard Inhaltlich konzentrierte sich die Vorlesung auf Meßverfahren und instrumente zur Festigkeitsanalyse. Dabei wurden sowohl die Grundlagen und Wirkungsweise behandelt, als auch Experimente in Gruppenarbeit durchgeführt. Eines der Hauptziele von Professor Richard war es, zu einer Erweiterung der Aufgabenstellung anzuregen! Die Zusammenarbeit mit amerikanischen Studenten beim Anfertigen der Berichte brachte Interessantes und auch für andere Arbeiten Nützliches mit sich. Gearbeitet wurde hauptsächlich mit Mircosoft Word, Excel und PowerPoint. Die Endnote setzte sich aus den Einzelnoten für Hausaufgaben, Berichte und Präsentationen (in Form von kleinen Vorträgen) zusammen es gab keine exams. ME 573 Computational Fluid Dynamics (3 credits); Professor Rutland In den Hausaufgaben und Projekten wurden die in der Vorlesung vorgestellten numerischen Verfahren an Beispielen ausgearbeitet. Größtenteils ging es dabei um die Umsetzung des in der Vorlesung präsentierten Stoffes in Programmtext. Für die Wahl der Programmiersprache setzte Professor Rutland keine Beschränkungen, so daß einige Studenten auch in C, MATLAB oder anderen Sprachen programmierten, obwohl in der Vorlesung manche Details für Fortran ausgearbeitet wurden. Für mich waren die Hausaufgaben und Projekte insbesondere das Abschluß- 6

8 projekt eine sehr gute Aufarbeitung der Vorlesung und Gelegenheit, weitere Programmiererfahrungen zu sammeln. Der Kauf des textbooks für diese Vorlesung wäre nicht nötig gewesen, da alles wichtige in der Vorlesung präsentiert wurde. ME 903 Graduate Seminar (1 credit) Zu dem vom Department of Mechanical Engineering für graduate students und Lehrkörper organisierten Seminar waren Referenten eingeladen, die über ihre Forschungsergebnisse berichteten. Der Besuch dieses Seminars war für Studenten, die einen Abschluß als master machen wollten, zwei Semester lange zwar Pflicht, lief aber in ungezwungenem Rahmen ab. Spring 2000 term: ME 439 Introduction to Robotics; Professor Ferrier Als guter Einführungskurs in die Robotik behandelte die Vorlesung kinematische und kinetische Grundlagen und Notation. Zudem wurde ein Einblick in die Sensortechnik gegeben. Das in der Vorlesung Gelernte konnte in Hausaufgaben und kleinen Versuchen sowie einem Abschlußprojekt angewandt werden. Frau Professor Ferrier, die auch meine thesis betreut, führte mit großer Begeisterung durch das Semester. ME 565 Power Plant Technology; Professor El-Wakil In der amerikanischen Industrie und im Alltag wird (immer noch) mit british units gearbeitet, weshalb wir in der Vorlesung Rechnungen sowohl im britischen als auch im SI-Einheitensystem durchführten. Die anfängliche Skeptik (insbesondere gegenüber g c ) legte sich schnell und ich lernte nicht nur eine ganze Menge, sondern hatte auch viel Spaß an der Vorlesung. Das von Professor El-Wakil herausgegebene Buch und die Hausaufgaben waren hervorragend auf den Unterrichtsstoff abgestimmt und machten den Vorteil des für deutsche Studenten ungewohnten, amerikanischen Unterrichtssystems deutlich: die Vorbereitung auf midterms und final exam konnte innerhalb weniger Stunden erfolgen. Man hatte bereits alles peux a peux gelernt und geübt. ME 751 Matrix Methods in the Design and Analysis of Mechanisms; Professor Uicker Professor Uicker präsentiere die theoretischen Grundlagen und Hintergründe für das von ihm und unter seiner Leitung entwickelte Computerprogramm IMP. Dieses basiert auf den von Professor Uicker ausgearbeiteten 4x4 homogeneous transformations und kann zur Berechnung und Simulation von Mehrkörpersystemen insbesondere mit kinematisch geschlossenen Schleifen genutzt werden. 7

9 ME 903 Graduate Seminar (1credit) Das zweite Semester Vorträge aus verschiedenen, für den Maschinenbau interessanten Bereichen (vergl. oben). Das Studium in Madison unterschied sich merklich von dem in Deutschland. Meist wurde vorausgesetzt, daß man sich selbst anhand des textbook auf die Vorlesung vorbereitet hatte. Durch Hausaufgaben und Projekte war man ständig zur Mitarbeit angehalten. Hatte man Fragen, ging man einfach direkt zum Professor in die Sprechstunde oder nahm zum Beispiel über Kontakt auf. Während in Deutschland typischerweise mehr Gewicht auf theoretische Herleitungen gelegt wurde, war in den USA die konkrete Arbeit mit dem Computer sehr wichtig. Die Universität investierte dementsprechend auch viel Geld in ihre Computerlabors. Die Software war auf dem neuesten Stand, die Auswahl an Programmen ließ keine Wünsche offen. Eine Folge des amerikanischen Unterrichtssystems war, daß bereits während des Semesters einzelne Kurse sehr viel Zeit abverlangen konnten; die Ferien waren dann aber wirklich Ferien, und meine Prüfungsvorbereitung hier kaum mit einer für Deutschland typischen zu vergleichen. Daß ich so so viel Zeit mit dem Lesen von Sachbüchern, Bearbeiten von Hausaufgaben und Anfertigen von Berichten verbringen würde, hatte ich nicht erwartet. Ich war dabei jedoch nicht der einzige, der vor dem Computer so manche Abend- und Nachtstunde verbrachte; oft war es trotz der der vielen Rechner schwierig, einen freien Platz zu finden. In meinem Fall war vor allem das fall semester sehr zeitintensiv und die Pause über Weihnachten/ Neujahr wirklich nötig. Daß aber die Auswahl der Kurse von entscheidender Bedeutung sein konnte, zeigte das spring semester, in dem ich deutlich weniger Streß hatte und auch gut an meinem Projekt über diverse Möglichkeiten der Steuerung eines Roboterfingers arbeiten konnte. Madison Kein Grund für Langeweile Madison, die Hauptstadt von Wisconsin, zählt ca Einwohner. Die Universität mit ihren Bediensteten und rund Studenten ( 10 % davon aus dem Ausland) prägt die Stadt. Das Umland ist stark landwirtschaftlich orientiert, was Wisconsin nicht umsonst zu America s Dairyland macht. An drei mittelgroßen Seen gelegen und von viel Natur umgeben, lädt Madison zu sportlichen Aktivitäten und Exkursionen ein. Als Ausgleich zum Studium und als gute Möglichkeit, mit Studenten anderer Fachrichtungen in Kontakt zu kommen, habe ich das Angebot aus dem Bereich des recreational sports 11 empfunden. Von der großen Anzahl an clubs, die es an der UW gibt, kann ich die beiden, in denen ich selbst Mitglied war wärmstens empfehlen: Ein idealer Anlaufpunkt für jegliche Art von Unternehmungen war der Hoofers Outing Club 12, in dem immer Leute zum Paddeln, Klettern, Zelten, Wandern, Radfahren, zu finden waren. Der club verfügt über eine große Menge an Ausrüstungsgegenständen und hat viele Mitglieder, die auch gerne Anfängern helfen

10 Der UW Running Club 13 sollte nicht mit dem semiprofessionellen Wisconsin Badger Track Club 14 verwechselt werden: im UW Running Club treffen sich Freizeit-Läuferinnen und -Läufer verschiedenster Stärke zum Training mit Gleichgesinnten; ohne Zwang zur Leistung. Ich habe das Zusammensein mit nahezu ausschließlich amerikanischen StudentInnen der verschiedensten Fachrichtungen sehr genossen und nebenbei auch erfolgreich an meiner körperlichen Fitness gearbeitet. Neben den workouts auf der Bahn gab es auch social events und roadtrips zu Rennen außerhalb von Madison. Finanzen Wohin ging all das Geld? Die Organisation des Programmes brachte eine offizielle Stelle als research assistant an der University of Wisconsin-Madison mit sich. Sie beinhaltete neben einer Krankenversicherung ein monatliches Gehalt von ungefähr 940 $. Dieses Geld zuzüglich ein paar hundert Dollar für allgemeine Gebühren wurde teilweise durch das Stipendium des DAAD gedeckt. Die restlichen 7600 DM (abhängig vom Wechselkurs!) mußten Ende Juli/ Anfang August vorgestreckt werden. Die Universität zahlt Gehälter erst zum Monatsende aus, weshalb zumindest die Zeit bis Anfang Oktober zu überbrücken war. Ich hatte 1500 $ in Form von Reiseschecks und 150 $ in bar mitgenommen. Da ich jedoch neben Fahrrad ( 250 $), Büchern (etwa 150 $) und einer Reihe anderer Erstanschaffungen sowie Miete (plus security deposit) während der ersten Monate auch einen Flug nach Los Angeles (für den Urlaub über Weihnachten/ Neujahr) zu bezahlen hatte, hob ich bis Ende September noch zusätzlich dreimal 600 $ von meinem Postbanksparbuch ab. Selbst bei einem schlechten Dollarkurs waren manche Dinge wie zum Beispiel Kleidung in den USA günstiger als in Deutschland. Insbesondere jedoch beim Einkauf von Lebensmitteln hat es sich für mich bewährt, den Umrechnungskurs völlig außer Acht zu lassen. Im großen Ganzen hat das Teilstipendium des DAAD aber den Zweck erfüllt, die Mehrausgaben im Vergleich zu Deutschland zu decken; meine monatlichen Gesamtausgaben pendelten sich schließlich auf etwa 700 bis 750 $ ein. Dabei fiel die Miete inklusive Nebenkosten mit 285 $ pro Monat (bei Abschluß eines 12 Monats-Vertrags) ins Gewicht. Bei einer Mischung aus Selbstverpflegung und Essengehen, lagen meine monatlichen Ausgaben für Verpflegung bei etwa 300 $. Das Einkaufen beschränkte sich bei mir, nicht zuletzt weil ich kein Auto hatte, hauptsächlich auf die Geschäfte in der Nähe des Stadtzentrums. Die großen, etwas billigeren Supermarkt- und Warenhausketten haben jedoch zumeist ihre Geschäfte etwa eine halbe Autostunde von der Innenstadt entfernt. Für einen sale schien sich hier fast immer ein Anlaß finden zu lassen, und für den Fall, daß gerade mal kein Sonderverkauf war, lohnte es sich coupons zu sammeln, in Supermarkt-Clubs einzutreten und gezielt zum Beispiel nach einem Studentenrabatt zu fragen. Als Alternativen zum klassischen Einkauf im Supermarkt boten sich auch der Einkauf über s Internet 15 und während der Sommermonate samstags der Besuch des farmers market am Capitol an. Meine Telefonkosten lagen inklusive ungefähr 13 $ Grundgebühr bei runden 35 $. Ich habe mir dabei Kosten und Ärger mit local long distance und long distance providers erspart, indem ich

11 völlig auf beide verzichtet habe. Für mich hat sich die Kombination aus pre-paid calling cards für lange und die Nutzung eines Call-by-Call-Anbieters fuer kurze Telefonate nach Deutschland und innerhalb der USA bewährt 16. Für kurze Gespräche waren die Tarife für Anrufe aus Deutschland meist billiger. Zum guten Schluß Herzlichen Dank an alle Beteiligten! So viele Informationen ich auch über die USA im allgemeinen und Madison im speziellen zu sammeln versucht hatte, neue Eindrücke konnte und kann ich immer wieder machen. Insbesondere die Erfahrung, daß es oft auch anders als gewohnt genauso gut oder noch besser gehen kann, machte ich nicht nur einmal. Manche Unterschiede wurden mir erst mit der Zeit bewußt und zurück in Deutschland werde ich sicher mehr als nur die Möglichkeit, rund um die Uhr Lebensmittel einkaufen oder im Computerlabor arbeiten zu können, vermissen. Einiges wird mir nicht mehr selbstverständlich scheinen. Ich möchte die Eindrücke und Erfahrungen, die ich in Madison gewinnen konnte, nicht missen und danke allen, die mir das äußerst interessante und prägende Erlebnis des Auslandsstudiums ermöglicht haben; insbesondere Herrn Professor Heisel und dem DAAD für die Organisation und Finanzierung, sowie Frau Peyk-Stenzel und ihren Kollegen vom Akademischen Auslandsamt in Stuttgart für die kompetente Betreuung bei ungezählten Details während der Bewerbung und danach. Meiner Familie danke ich für ihre finanzielle Unterstützung und ihre prompte Hilfe bei vielen Dingen, die ich von hieraus nicht selbst erledigen konnte. 16 Ich habe zumeist die Angebote von Worldxchange (http://www.worldxchange.com/) und Five-Line (info hotline: ) genutzt. 10

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