Tsunami Wiederaufbauhilfe. DED-Sonderprogramm in Aceh und Nias, Indonesien

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1 Tsunami Wiederaufbauhilfe DED-Sonderprogramm in Aceh und Nias, Indonesien

2 3 Vorwort Dr. Jürgen Wilhelm, Dr. Ralf Sanftenberg Die Tsunamikatastrophe und ihre Folgen in Aceh und Nias, Indonesien 4 Eine Naturkatastrophe unbekannten Ausmaßes Der Tsunami in Aceh und die weltweite Hilfsbereitschaft 7 Hilfe aus einem Guss Schwerpunkte der staatlichen Hilfe aus Deutschland Das DED-Sonderprogramm Tsunami-Wiederaufbauhilfe Aceh und Nias Mit guter Regierungsführung zu einem nachhaltigen Wiederaufbau Unterstützung lokaler Verwaltungen durch den Aufbau von Geoinformationssystemen und Fortbildung 15 Mikrofinanzierungen für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Förderung von Kreditgenossenschaften und Kleinstunternehmen 20 Verbesserung der Berufsbildung zur Stärkung der lokalen Wirtschaft Unterstützung bei Schulbau, Lehrplanentwicklung und Fortbildung des Lehr- und Verwaltungspersonals 24 Schulpartnerschaften über Kilometer Entfernung Die Partnerschaftsinitiative von Banda Aceh 28 Die Zusammenarbeit war unmittelbar und partnerschaftlich Eine Bilanz der Arbeit aus indonesischer Sicht Interview mit Said Yulizal, Berater des Bürgermeisters der Stadt Banda Aceh Perspektiven für den DED nach dem Wiederaufbau 31 Das DED-Landesprogramm Indonesien Erfolgreiche Arbeit fortsetzen und neue Schwerpunkte der Zusammenarbeit festlegen 34 Abkürzungsverzeichnis und Glossar //2

3 Das Seebeben und der Tsunami vom 26. Dezember 2004 zählen zu den verheerendsten Naturkatastrophen weltweit. Große Küstenbereiche des Indischen Ozeans wurden dabei verwüstet. Fast zwei Millionen Menschen wurden zu Opfern. Die Bilder von den auf die Strände von Thailand anbrandenden Tsunamiwellen oder den Verwüstungen, die die Wassermassen in Sri Lanka oder Nordsumatra hinterließen, sind immer noch präsent. Überall auf der Welt weckten die Nachrichten aus den Katastrophengebieten Mitgefühl und enorme Hilfsbereitschaft. Großzügige Spenden, welche durch Gelder vieler Regierungen ergänzt wurden, erlaubten ein rasches Anlaufen von umfangreichen Hilfsmaßnahmen sowie das Entsenden von Fachkräften. Gerade die Erinnerung an das überraschend starke Engagement der Bevölkerung beim Zusammentragen der Spendengelder weckt nun, fünf Jahre nach der Katastrophe, bei vielen Beteiligten die Frage:»Was wurde mit den Hilfsgeldern erreicht?«es besteht nach wie vor ein großes Interesse an aktuellen Informationen aus den einstigen Katastrophengebieten. Dr. Jürgen Wilhelm, Geschäftsführer Dr. Ralf Sanftenberg, Landesdirektor Indonesien Die indonesische Regierung hatte im April 2005 in einem Masterplan für den Wiederaufbau definiert, dass die Hilfsmaßnahmen im Land bis zur Jahresmitte 2009 abzuschließen seien. Diese Vorgabe trug auch der drängenden humanitären Situation in den betroffenen Regionen Rechnung. Im Mai 2005 wurden in den deutsch-indonesischen Regierungsverhandlungen die Schwerpunkte der staatlichen Hilfe aus Deutschland abgestimmt: Wiederaufbau von Wohnraum und Gesundheitsversorgung, Ausbau der Berufsausbildung, Hilfe für Kleinunternehmen und Unterstützung für die lokalen Verwaltungen. Ergänzt durch den Aufbau eines Tsunamifrühwarnsystems wurde damit der Beitrag aus Deutschland zu einem wichtigen Bestandteil der Hilfsprogramme. Finanziert wurden diese Vorhaben aus den unmittelbar zuvor durch die Bundesregierung für die vom Tsunami betroffenen Länder bereit gestellten Sondermitteln in Höhe von 500 Millionen Euro. Das ehrgeizige Programm, enge Zeitvorgaben, ferner die komplexen Bedingungen in den betroffenen Regionen in Indonesien führten praktisch zwangsläufig zu der Entscheidung für einen breiten Einsatz aller Durchführungsorganisationen unter dem Dach des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Der DED erhielt den Auftrag, im Rahmen eines Sonderprogramms bis zu zehn deutsche Fachkräfte zu entsenden. Seit Oktober 2005 arbeiteten diese in Vorhaben des Wiederaufbaus und der Stärkung der lokalen Regierungsführung sowie des Mikrofinanz- und des Berufsschulsektors. Dazu kam die Unterstützung der Außenstelle der Deutschen Botschaft im Rahmen der Partnerschaftsinitiative. Eine Regionalkoordinatorin des DED leistete vielfältige fachliche Unterstützung. Über den DED wurde den örtlichen Partnerorganisationen ermöglicht, weitere nationale Experten einzusetzen. Der ursprünglich bis zum Ende des Jahres 2007 befristete Beitrag des DED wurde um ein Jahr verlängert. Durch ihre fachliche Kompetenz waren DED-Fachkräfte zusätzlich in eine Vielzahl weiterer deutscher Maßnahmen einbezogen. Dadurch lassen sich anhand von Beispielen aus der Arbeit der DED-Fachkräfte sehr gut Rahmenbedingungen, Zielsetzungen und Ergebnisse des deutschen Beitrags zum Wiederaufbau in Indonesien veranschaulichen. Für den DED, der vor 2005 nicht in Indonesien vertreten war, war das Sonderprogramm»Tsunami-Wiederaufbauhilfe Aceh und Nias«die Grundlage, ab 2006 ein langfristiges Landesprogramm in Indonesien aufzubauen. Dr. Jürgen Wilhelm Geschäftsführer Dr. Ralf Sanftenberg Landesdirektor Indonesien //3

4 Foto: Jochen Kranik Dieses Schiff wurde von den Wassermassen auf ein Hausdach gespült. Eine Naturkatastrophe unbekannten Ausmaßes Der Tsunami in Aceh und die weltweite Hilfsbereitschaft Nie zuvor hatte eine Naturkatastrophe ähnlich räumliche Dimensionen, nie zuvor war die weltweite Hilfsbereitschaft für die Opfer so umfangreich. Auch fünf Jahre nachdem Tsunamiwellen weite Küstenlandschaften in Südasien zerstörten, sind die Erinnerungen an das Seebeben vom 26. Dezember 2004 vor der Nordwestküste Sumatras noch lebendig. Die Menschen in Banda Aceh erwarteten am Morgen des 26. Dezember 2004 einen guten Tag. Auf dem weiten Areal des im Stadtzentrum gelegenen Blang Padang-Platzes waren Lautsprechertürme und eine Bühne aufgebaut worden, ein Volksfest sollte dort stattfinden. Viele hofften, an diesem Tag die Belastungen des schon seit fast drei Jahrzehnten andauernden Bürgerkrieges vergessen zu können, zumindest für ein paar Stunden. Während sich die überwiegend muslimische Bevölkerung auf den Weg in die Stadt machte, die Frühsportler schon die Hitze der tropischen Sonne zu spüren bekamen, die Fischer den Fang der vergangenen Nacht an den Ufern des Aceh-Flusses ausluden und die christlichen Einwohner sich in den drei Kirchen zum Gottesdienst versammelten, brach ein Naturereignis über die Region herein, das für alle Überlebenden später eine tiefe Zäsur bedeutete. Die Katastrophe begann ohne Vorwarnung um 7.58 Uhr. Mit nie gekannter Macht fing die Erde an zu beben. Die 250 Kilometer Abstand des Ballungsraumes Banda Aceh zum Epizentrum dieses geologischen Energieausbruches schwächten die minutenlangen Erschütterungen im Erdinnern nur unwe- //4

5 sentlich ab. Viele Menschen konnten sich kaum auf den Beinen halten und setzten sich sicherheitshalber auf den schwankenden Boden. Häuser, in deren Wänden sich rasch Risse zeigten, wurden voller Panik verlassen. Autofahrer stoppten verwundert ihre schwankenden Fahrzeuge. Mit Schrecken verfolgten die Menschen, wie einige große Hotels und Bürogebäude im Stadtzentrum kollabierten. Die vernichtende Kraft des Meeres Wohl niemand ahnte, dass noch weit größeres Grauen zu diesem Zeitpunkt mit unermesslicher Kraft auf die Küsten von Aceh zuraste. Die sich hoch rappelnden Menschen in Banda Aceh hatten vielmehr nur einen Gedanken:»Wie geht es meiner Familie, ist etwas an meinem Haus passiert?«kaum 20 Minuten nach dem Erdbeben brandete bereits die erste Tsunamiwelle in die Stadt hinein. Die aus Holzlatten und Balken zusammengezimmerten Häuser im küstennahen Stadtviertel von Meuraxa hatten der Zerstörungskraft der Welle kaum etwas entgegenzusetzen. Lediglich die Moschee des direkt an der Küste liegenden Stadtteils von Ulee Kareng sollte später aus den Trümmerhaufen herausragen mit einem aus einem der Fenster des zweiten Stockwerks heraushängenden Lastkraftwagen, den die Wellen dorthin gespült hatten. Dieser Punkt erhielt später den traurigen Beinamen Ground Zero. Mit stummer, unerbittlicher Kraft drängten die Wassermassen mehrere Kilometer weit in die im flachen Delta des Aceh- Flusses gewachsene Stadt hinein, Schiffe, Trümmer, Fahrzeuge und Menschen mit sich reißend. Bäume und die Dächer hoher Häuser boten die einzigen Überlebenschancen. Viele sahen entsetzt und hilflos Freunde und Verwandte im breiig-schwarzen Sud untergehen. In Banda Aceh, entlang den ungeschützten Küstenlinien Nordsumatras, nur wenig später auch in Thailand, Sri Lanka, Indien und sogar Ostafrika verloren innerhalb dramatischer Minuten hunderttausende Menschen ihr Leben und Millionen ihr Obdach. Mehr als Todesopfer und über Menschen ohne Unterkunft zählte später allein die Statistik für Indonesien. Hinzu kamen in Aceh weitere Vermisste. Im nördlichen Sumatra waren Küstenbereiche auf 800 Kilometern Länge verwüstet. Die Fluten hatten schwere Brückenkonstruktionen aus den Verankerungen gerissen. Vor allem entlang der Westküste lagen deren Stahlträger meterweit von den Fundamenten entfernt in den Flussbetten, surreal verdreht. Straßen waren weggespült, Strommasten umgeworfen. An manchen Stellen bildeten erst die steilen Bergflanken des Küstengebirges Barrieren, welche die Tsunamiwellen stoppten. Diese allerdings hinterließen meterhoch ausgespülte Kerben bloßgelegter Felsen im grünen Dschungelbewuchs. Viele Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschnitten. Das Aufräumen beginnt mit bloßen Händen Friedensprozess in Aceh Erschwert wurde die Wiederaufbauarbeit in der Provinz Aceh durch den seit 1976 andauernden Bürgerkrieg zwischen Militär und Polizei sowie den Separatisten der GAM, Gerakan Aceh Merdeka, der Bewegung für ein unabhängiges Aceh. Auch nach der Tsunamikatastrophe fanden Gefechte statt, viele Checkpoints erschwerten die Überlandverbindungen. Die Sicherheitsorgane öffneten nur zögerlich die bislang abgeschottete Region für die internationalen Hilfsorganisationen und gestatteten ihnen Bewegungsrechte. Immerhin, keine der beiden Konfliktparteien nutzte die Hilfsaktionen oder die Not der Opfer für Agitationen. Zudem stand nun dieser Konflikt, der bis dahin etwa bis Todesopfer gefordert hatte, durch das große Medieninteresse und die vielen aus dem Ausland eingereisten Experten im Licht der Weltöffentlichkeit. Nach zwei erfolglosen Anläufen in den Jahren zuvor wurde am 15. August 2005 endlich von beiden Seiten in Helsinki ein umfangreiches Friedensabkommen geschlossen. So konnte ein weitreichender Friedensprozess eingeleitet werden: kontrolliertes Abrüsten auf beiden Seiten unter internationaler Kontrolle und damit die Chance auf einen Neubeginn. Auslöser für den Konflikt war die Forderung an das damalige Suharto-Regime, Aceh einen höheren Anteil an den Erlösen aus der Ausbeutung der Rohstoffe der Region, vor allem Erdöl, zuzugestehen. Diesem und weiteren Punkten stimmte die Zentralregierung im Sommer 2006 zu. Die jahrzehntelangen bitteren Erfahrungen wie Ausgangssperren, Übergriffe und Anschläge hatten zu vielfältigen Traumatisierungen in der Bevölkerung beigetragen. Der Friedensprozess brachte nun auch die Aufgabe mit sich, tausende ehemalige GAM-Kämpfer in die Gesellschaft zu integrieren. Wichtig war die Wahl neuer Bürgermeister, Distriktchefs sowie des Gouverneurs am 10. Dezember Als Novum in Indonesien konnte zum ersten Mal eine Regionalpartei antreten, die Aceh-Partei. Deren Kandidaten, in der Regel ehemalige Führer der GAM, konnten sich fast überall durchsetzen. Die Aceh-Provinz war aufgrund des Kriegszustandes seit fast 15 Jahren weitgehend abgeriegelt (siehe Infokasten). So verging einige Zeit, bis ein erster grober Überblick über das Ausmaß des Desasters vorlag. Schließlich willigte die indonesische Regierung in die Hilfsangebote aus dem Ausland ein. Militäreinheiten und Katastrophenhelfer aus Deutschland, den USA oder Australien, aus England und vielen anderen Ländern ergänzten schon nach wenigen Tagen die indonesischen Rettungskräfte. Die Schwerpunkte der Nothilfe lagen in der Versorgung mit Trinkwasser und Lebensmitteln, medizinischer Hilfe, Bau von Behelfsbrücken sowie der Ausgabe von Zelten. Bald entstanden die ersten Sammelunterkünfte, //5

6 Fotos: Frank Wiesemann In öffentlichen Gebäuden hingen Listen mit den Fotos der vermissten Familienangehörigen aus. Mit bloßen Händen begannen die Menschen die Trümmer zu beseitigen. Baracken aus Holz. Aufgrund der hygienischen Verhältnisse drohte Seuchengefahr. Und für die folgenden Wochen war das Bergen der Toten eine traurige Pflicht. Massengräber waren eine rasche und doch wenig würdige Lösung. Im Hinterland von Banda Aceh sollte eine Weidefläche zur größten Sammelstätte der Opfer werden, mit mehr als Leichen. Krankenhäuser und Stadtteilbüros hängten große Informationstafeln auf. Anhand von Bildern und Namenslisten konnten sich so Verwandte nach dem Schicksal von Familienmitgliedern und Freunden erkundigen. Trümmerbeseitigung mittels Cash for Work-Programmen wurde ein Instrument der Nothilfe. Wo die Eigentümer zusagten, übernahmen bald auch kommerzielle Firmen das Abtragen zerstörter Bauten mit Spekulation auf den Gewinn aus dem Verkauf des alten Baustahls. Die meiste Arbeit wurde mit der Hand, also mit Spaten, Hacke und Hammer, geleistet. Ein Meer der Hilfsbereitschaft Vor allem die erschütternden Bilder aus den Ferienorten in Thailand und Sri Lanka, die Kenntnis der dort betroffenen Orte aus eigener Urlaubserfahrung, für einige auch die Nachbarschaft zu Flüchtlingen aus Sri Lanka oder zu thailändischen Einwanderern, ließen in der Zeit nach dem Weihnachtsfest 2004 in vielen Ländern eine große Empathie für die Opfer entstehen. Das allgemeine Bedürfnis helfen zu wollen, drückte sich in einer Spendenbereitschaft aus, die bislang ohne Beispiel war. Einige gingen einen Schritt weiter und reisten in die Katastrophengebiete, um direkt etwas zu tun. Schon in den ersten Wochen nach der Katastrophe sammelten sich auch in Aceh Vertreter vieler Hilfsorganisationen. Sie erkundeten, wo und mit welchen örtlichen Partnerinstitutionen zusammen über die Nothilfe hinausgehende Hilfsmaßnahmen eingeleitet werden konnten. Ferner wurden die Rahmenbedingungen für die längerfristige Wiederaufbauarbeit analysiert. //6

7 Foto: Frank Wiesemann Hilfe aus einem Guss Schwerpunkte der staatlichen Hilfe aus Deutschland Kinder aus einem der Flüchtlingslager in Banda-Aceh. Bald nach der Katastrophe stand für die Bundesregierung fest, dass sich die Bundesrepublik Deutschland in besonderem Umfang an den Hilfs- und Wiederaufbaumaßnahmen in den betroffenen Ländern beteiligen würde. Im April 2005 erfolgte der Beschluss, mit 500 Millionen Euro staatlicher Sondermittel die zu diesem Zeitpunkt stetig anwachsenden Spenden aus der Bevölkerung und von Unternehmen praktisch zu verdoppeln. 30 Prozent der Bundesmittel waren für Nothilfemaßnahmen vorgesehen, also für den Einsatz der Bundeswehr, des Technischen Hilfswerkes oder für Nothilfeprogramme, verantwortet beispielsweise durch die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Der deutlich überwiegende Teil der Gelder war für den Wiederaufbau bestimmt. Dies bot Aussicht auf ein vielfältiges Leistungsspektrum. Indonesien wurde zum klaren Schwerpunkt der staatlichen Hilfe. Im Mai 2005 wurden in den deutsch-indonesischen Regierungsverhandlungen die Schwerpunkte der staatlichen Hilfe aus Deutschland abgestimmt: Wiederaufbau von Wohnraum, Gesundheitsversorgung, Ausbau der Berufsausbildung, Hilfe für Kleinunternehmen, Unterstützung für die lokalen Verwaltungen in den Sektoren Planung, Umweltschutz, Einwohnerwesen und Umgang mit Naturgefahren. Ergänzt durch den Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems wurde damit der Beitrag aus Deutschland zu einem wichtigen Bestandteil der Hilfsprogramme. Dieses sektoral //7

8 N I n d Sabang Banda a Aceh i s SIMEULUE O z e Lhokseumawe Lhoksukon A c h e r C E Sinabang vielfältige Programm mit dem Titel Aceh Rehabilitation and Reconstruction Programme (ARRP), entsprach dem ganzheitlichen Ansatz der Leitlinien des Wiederaufbaukonzeptes der indonesischen Regierung. Finanziert wurden diese Vorhaben unter dem Dach des ARRP durch Gelder aus den unmittelbar zuvor durch die Bundesregierung bereit gestellten Sondermitteln. Ein breites Spektrum an deutschen Organisationen A n d a m a n i s c h e s H S U M A T Singkil Medan R A M e e r Tanjungbalai I N D O N Das sektoral vielfältige Programm, enge Zeitvorgaben, ferner die komplexen Bedingungen in den betroffenen Regionen in Indonesien führten zu der Entscheidung für einen Einsatz aller deutschen Durchführungsorganisationen unter dem Dach des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erhielt die Verantwortung für die Bauprojekte bis zu neue Wohnhäuser, das neue Provinzkrankenhaus in Banda Aceh, mehrere neue Berufsschulen. Die GTZ hatte die Leitung bei den komplementären Vorhaben: Aufbau von Infrastruktur, Hilfe für die Wirtschaft, Unterstützung der örtlichen Verwaltungen, Förderung des Bildungssektors. Im Rahmen der deutschen Entwicklungskooperation ergänzten der Deutsche Entwicklungsdienst (DED), InWEnt Internationale Weiterbildung und Entwicklung und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) diese Vorhaben durch eigene Programme. Auch das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) und der Senior Experten Service (SES) entsandten mehrere Fachkräfte. Mit dem Ballungsraum Banda Aceh und der östlich daran anschließenden Küstenregion war der regionale Schwerpunkt der M A L A Y M a l a k k a s t r a ß e T H A I L A N D S I A Kuala Lumpur staatlichen Hilfe aus Deutschland abgesteckt. Die Aktivitäten sollten sich jedoch bald auch über diese Region hinaus ausdehnen. So setzte etwa das Vorhaben zur Rehabilitierung der Wirtschaft seinen Schwerpunkt in dem weiter östlich liegenden Bezirk Aceh Utara (Nordaceh) und auf der weit entfernt liegenden Insel Nias wurden neue Berufsschulen gebaut. Innerhalb weniger Wochen war der Programmaufbau zu leisten, die Vorhaben sollten noch im Herbst 2005 anlaufen. Vorgabe war, dass der größte Teil der Programmmittel in 2006 und 2007 verwendet werden sollte. In dieser Zeit war mit einem besonders großen Personalbedarf zu rechnen. Schon frühzeitig waren daher ausländische Fachkräfte vor Ort oder es wurden zumindest Expertenkommissionen, wie vom DED, zur Erkundung entsandt. Die Deutsche Botschaft hatte schon in den ersten Monaten nach der Katastrophe im Kilometer von der Landeshauptstadt Jakarta entfernten Banda Aceh eine Außenstelle eingerichtet. Das kleine Team der Diplomaten leistete in dieser sensiblen Phase wichtige Koordinationsarbeiten und sorgte für den Informationsaustausch. Das Liaison Office trug dadurch dazu bei, die Vorhaben der deutschen Regierung für den Wiederaufbau vorzubereiten und die Arbeit der deutschen Hilfsorganisationen zu koordinieren. Ferner leistete das Nothilfeprojekt der GTZ wichtige Grundlagenarbeit. Enge Kooperation effizient und erfolgreich a n km Karte: Gunungsitoli Telukdalem E S I E N ) Pakanbaru Der DED erhielt im August 2005 den Auftrag, im Rahmen eines Sonderprogramms bis zu zehn Fachkräfte, darunter einen Regionalkoordinator, zu entsenden. Die sektorale Zuordnung //8

9 der Entwicklungshelfer des DED war rasch klar integrierter Einsatz in den GTZ-Vorhaben zur Unterstützung der lokalen Regierungsführung, Stärkung des Mikrofinanz- sowie Berufsschulsektors. Da jedoch die Vorhaben selbst noch in der Phase der Definition ihrer Einzelprojekte und strukturellen Aufstellung waren, standen die Aufgabenstellungen und Erwartungen an die DED-Fachkräfte von Beginn an unter einer großen Dynamik. Eine weitere Aufgabe war die Unterstützung der Außenstelle der Deutschen Botschaft im Rahmen der Partnerschaftsinitiative (mehr dazu auf Seite 24). Deutschen Entwicklungszusammenarbeit war ein Novum. Es stand mehr Fachkompetenz zur Verfügung, so dass die Erfolge und Wirkungen der Maßnahmen rascher erzielt werden konnten. Die Leiter der Vorhaben schätzten den durch DEDund CIM-Fachkräfte gegebenen direkten Zugang zu den lokalen Projektpartnern. Wegen der zeitlich eng gesetzten und fachlich ambitionierten Programme war eine ganz enge Abstimmung der Durchführungsorganisation besonders wichtig. Oben: Die Schlüssel für die neuen Häuser sind farbenfroh für die Übergabezeremonie drapiert. Foto: Frank Wiesemann Schon im Oktober 2005 arbeiteten die ersten DED-Fachkräfte in Aceh. Eine Regionalkoordinatorin des DED richtete im GTZ-Coordination Office Banda Aceh ein Büro ein und leistete vielfältige fachliche Unterstützung. Der letzte der schließlich neun Projektplätze wurde im August 2006 besetzt. Aufgrund des schnellen Bedarfs fokussierte sich die Vorbereitung der Fachkräfte auf eine gute Sprachausbildung. Über den DED wurde den örtlichen Partnerorganisationen ermöglicht, weitere nationale Experten einzusetzen. Unten: Ausgabe von Hilfsgütern an Fischhändler. Der ursprünglich bis Ende 2007 befristete Beitrag des DED wurde um ein Jahr bis Dezember 2008 verlängert. Über ihre fachliche Expertise sowie die Integration in große Vorhaben der deutschen Entwicklungszusammenarbeit waren die Fachkräfte des DED in eine Vielzahl von Maßnahmen involviert. Die vom DED entsandten vier Expertinnen und fünf Experten leisteten ihre Arbeit mit durchweg hoher Motivation und großem Sachverstand. Foto: Frank Wiesemann Die sehr enge Kooperation der Durchführungsorganisation der //9

10 Foto: Frank Wiesemann Der Beamte Herr Zakaria konnte das geografische Informationssystem (GIS) in der Entwicklungsbehörde einführen. Mit guter Regierungsführung zu einem nachhaltigen Wiederaufbau Unterstützung lokaler Verwaltungen durch den Aufbau von Geoinformationssystemen und Fortbildung Seit Generationen sind die Grenzverläufe zwischen den Ortsteilen im Distrikt Aceh Besar (Großaceh) kein wirkliches Problem. Die Dorfbewohner sind sich einig, wem welches Feld, welchem Dorf welches Waldstück gehört. Dieses Wissen wird in der Regel mündlich weitergegeben. Im Zweifelsfall treffen sich die Ortsvorsteher, die Ältesten und die Vorbeter der Dorfmoscheen zur Musyawarah, um strittige Besitzfragen in öffentlicher Diskussion auszuhandeln. Musyawarah ist der arabische Begriff für diese Art von Zusammentreffen, die in der Regel im Gebets- und Versammlungsraum des Ortsteils stattfinden. Auch die örtliche Verwaltung behandelte dieses Thema bis vor wenigen Jahren eher nachlässig. Allerdings fehlten auch geeignete Instrumente, um die Lage von Ortschaften und den Verlauf von Grenzen effizient einzumessen und um die Details in Karten zu übertragen, die mehr als nur einen groben Überblick bieten. Daraus resultierten Schwierigkeiten für die Entwicklungsplanung, da deren Datengrundlagen und Statistiken stets zu wenig konkret blieben. Viele Gebietskörperschaften Indonesiens haben mit dieser Problematik zu arbeiten. //10

11 Aufbau des Zentrums Jantho für Geoinformationssysteme Doch seit einigen Jahren hat sich dies im Distrikt Aceh Besar deutlich geändert. Nun laden Fachleute der Entwicklungsbehörde BAPPEDA die Dorfbewohner zur Musyawarah ein. Zusätzlich zu Informationen aus bereits vorliegenden Karten, Luftbildern und historischen Daten wollen sie die Meinung der Dorfbewohner hören:»welches Stück Land gehört zu welchem Dorf, wo verlaufen die Grenzen nun tatsächlich?«gleich an Ort und Stelle treffen sie zusammen mit den Vertretern aus den Ortschaften die Entscheidung, wo ein Grenzpfahl gesetzt werden kann. Und sie dokumentieren das Ergebnis, mittels Foto und Einmessung des Grenzverlaufs durch GPS, das Global Positioning System (Globales Navigationssatellitensystem). Aus den Messpunkten werden später am Computer durch Einsatz von GIS (Geografisches Informationssystem) erstmals verlässlich konkrete Grenzlinien. Entwicklungskonzepte und Genehmigungen für Rohstoffgewinnung oder landwirtschaftliche Plantagen basieren nun auf einer genaueren Datengrundlage. Statistiken sind exakter. Landbesitz hat einen anderen Stellenwert bekommen. Verständlich, dass die Dorfchefs die Anwesenheit der Beamten aus der Distrikthauptstadt mit gemischten Gefühlen sehen. Zwar gab es schon vorher Landkarten mit administrativen Grenzen. Auch wird schon seit der Kolonialzeit ein Grundstückskataster geführt. Doch die Dimensionen des Landes erlauben bislang nicht überall ein exaktes Einmessen und amtlich beglaubigte Landbesitztitel erwerben gewöhnlich nur Bewohner von Städten, deren Grundstücke einen höheren wirtschaftlichen Wert haben. Weite Teile des etwa Quadratkilometer großen Distriktes Aceh Besar sind jedoch weitgehend unerschlossene Wald- und Bergregionen. Hier hatten die Geodäten (Fachleute für Vermessungswesen) und Kartographen bislang Grenzen einfach per Lineal auf den Karten verlängert. Nach dem Tsunami waren die betroffenen Küstenbereiche des Distriktes neu zu gliedern. Zum Teil hatten sich ganze Küstenlinien um mehrere hundert Meter verschoben. GIS-Projektvorschlag findet Zustimmung»Wir benötigen einen klaren Überblick über die Ressourcen unseres Distriktes«, erklärt Herr Zakaria. Als der Ingenieur im Frühjahr 2006 mit frischem Mastertitel für Stadtplanung nach Aceh Besar zurückkehrt, hat er von der Universität eine Idee mitgebracht: Er will eine GIS-Einheit aufbauen.»gis ist ein gutes Instrument für die Entwicklung unseres Distriktes«, so überzeugt er seine Vorgesetzten in der Entwicklungsbehörde. Durch die positiven Reaktionen seiner Vorgesetzten gestärkt, listet Zakaria in einem Projektvorschlag die Dinge auf, die er für eine GIS-Einheit als notwendig erachtet mehrere Computer, großformatige Farbdrucker, Schreibtische und fachkundige Unterstützung bei der Ausbildung des Personals. Da die Distriktverwaltung die notwendigen Finanzmittel nicht aufbringen kann, entsteht die Hoffnung, dass eine der internationalen Hilfsorganisationen für diese Initiative gewonnen werden könnte. Eine dieser Adressen ist das GTZ-Vorhaben SLGSR Support for Local Government for Sustainable Reconstruction (Unterstützung der Lokalregierung beim nachhaltigen Wiederaufbau). Fachleute von SLGSR, die bei der Planung wieder aufzubauender Siedlungen und der Errichtung von Infrastruktur unterstützen, aber auch aktiv in der Beratung bei Regionalplanungen und dem Küstenzonenmanagement sind, haben in den Monaten zuvor verschiedene Gespräche mit der Entwicklungsbehörde BAPPEDA von Aceh Besar geführt. Herr Zakaria sieht daher in SLGSR einen möglichen Partner. Als er den Projektvorschlag dann den Fachleuten des SLGSR-Vorhabens vorlegt, weckt er ihr Interesse.»Schon nach einer Woche hatte ich eine positive Reaktion der GTZ«, berichtet Herr Zakaria. Als günstig erweist sich dabei, dass SLGSR ebenfalls eine GIS-Einheit aufgestellt hat und somit auf Fachkompetenz zurückgreifen kann. Bald liefert SLGSR die notwendige Ausstattung und vermittelt neben dem eigenen Fachpersonal eine deutsche DED-Fachkraft zur Behörde von Herrn Zakaria, die die notwendigen Schulungen und den weiteren Aufbau direkt vor Ort längerfristig unterstützen soll. Aller Anfang ist schwer Im Juli 2006 erhalten 25 lokale Fachkräfte aus 14 verschiedenen Fachämtern des Distriktes eine erste Einweisung in Geoinformationssysteme. Von Anfang an ist beabsichtigt, dass die neuen GIS-Experten ein Netzwerk aufbauen sollen. Dadurch sollen Qualität und Kompatibilität von räumlichen und statistischen Daten stark verbessert werden. Ferner sollen über diese Plattform Erfahrungen ausgetauscht und Barrieren zwischen den Be- Das neue GIS-Zentrum hat viel zu tun. Herr Zakaria und der Entwicklungshelfer Jochen Kranik. Die geschulten Fachkräfte können nun das Erlernte in die Praxis umsetzen. Foto: Jochen Kranik Foto: privat Foto: Jochen Kranik //11

12 Foto: privat Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des GIS-Centers in Banda Aceh. hörden abgebaut werden. Weitere Trainings folgen. Eine der ersten wichtigen Aufträge des neuen GIS-Zentrums ist das Festlegen der genauen Grenzen des neuen Unterbezirks Blang Bintang, der aus Teilen anderer Unterbezirke geschaffen wurde.»sechs Monate benötigten wir dafür«, erzählt Herr Zakaria. Er erläutert:»es war sehr mühsam, die Grenzen mit den Menschen in den Dörfern auszuhandeln und anschließend diese Grenzen mit GPS einzumessen.«hierfür mussten die Grenzpfähle und Feldpunkte abgeschritten werden. Und eine gewisse Routine, so seine Erfahrung heute, musste sich in seinem Team auch erst einspielen.»blang Bintang«war der Beginn einer großen Aufgabe die Grenzen von 23 Unterbezirken mit insgesamt 604 Ortsteilen waren in Aceh Besar abzustimmen. Erschwert wird die Arbeit anfangs dadurch, dass das geschulte Personal laufend durch Vorgesetzte für andere Aufgaben abgezogen wird. In den Augen der Amtsleiter haben die Regelaufgaben Vorrang vor der Einführung des neuen Planungsinstrumentes.»Zudem waren die Potentiale von GIS in dieser schwierigen Phase vielen vermutlich noch zu wenig bekannt«, stellt Herr Zakaria fest. Der Durchbruch gelingt Der 49-jährige Ingenieur wirbt trotzdem weiter für seine Idee.»Raumplanung, Katastrophenvorsorge, Verkehrsplanung, sinnvolle Nutzung der Bodenschätze, Überwachung der Bodennutzung und des Landverbrauchs dieses und weitere Aufgaben können mit GIS unterstützt werden«, erklärt er. Die Fachkräfte von DED und GTZ geben ihm in dieser Phase Hilfestellung. Nachdem sein GIS-Team jedoch gegen Ende 2007 auf nur noch drei Fachkräfte zusammengeschmolzen ist, wird es schwierig, die vielfältigen Aufgaben zu erfüllen. Gemeinsam mit den SLGSR-Beratern findet Herr Zakaria schließlich einen eleganten Ausweg: Gründung einer halbautonomen»technischen Einheit für Geoinformationssysteme«(UPT), welche der BAP- PEDA unterstellt werden soll. Nun können die dringendsten Probleme durch permanente Zuweisung von zehn Fachkräften und Verfügbarkeit über ein eigenes Budget beseitigt werden. Eine Besprechung, an der die Distriktleiter, die Behördenleiter, Vertreter aus der Provinzverwaltung und andere GIS-Experten teilnehmen, bringt die erhoffte Zustimmung. Zakaria, selbst Leiter der Abteilung für Forschung, Kontrolle sowie Entwicklungskooperationen der BAPPEDA, hält das Kernreferat:»Was GIS für uns leisten kann«. An Aufgaben mangelt es nicht Am 24. März 2008 wird die UPT-GIS per Erlass gegründet. Neben Ausstattung und Finanzierung von Trainingskursen unterstützten DED und SLGSR auch die Finanzierung von indonesischem Fachpersonal, so dass weitere Schulungen direkt an den Rechnerarbeitsplätzen möglich werden.»meine Vision ist, dass hier in Aceh Besar einmal das Zentrum für alle raumplanerischen Daten der ganzen Provinz sein wird«, meint Herr Zakaria. Der Beamte hofft, dass er hier Schulungen für andere Distriktverwaltungen anbieten kann auch um das knappe Budget seiner Einheit mit den Teilnahmegebühren zu ergänzen. 150 Millionen Rupien, etwa Euro, sind im Haushalt von Aceh Besar für das Jahr 2009 für die UPT-GIS ausgewiesen. Dieser knapp bemessene Betrag muss die Kosten von weiteren Fortbildungen, Verbrauchsmaterial, neuen Anschaffungen, aber auch für Treibstoff für den Generator abdecken.»wenn es ein Problem gibt«, rät Herr Zakaria,»dann versuche es zu lösen, vermeide Stillstand.«Zusätzlich zum Bereinigen der administrativen Grenzen haben die Vorgesetzten von Herrn Zakaria bereits weitere Erwartungen an sein Team: Analyse der wirtschaftlichen Potenziale des Distrikts, der Bewässerungssysteme, Grundlagen für die Küstenfischerei und die Landwirtschaft.»Die Zusammenarbeit mit den Fachkräften von DED und GTZ war sehr gut«, stellt Herr Zakaria in der Rückschau fest.»wenn Probleme auftauchten, gab es immer einen Ansprechpartner und stets eine direkte Reaktion.«Sein Team habe, so der Ingenieur, eine spezielle, sehr intensive Begleitung erfahren. Insgesamt zweieinhalb Jahre dauerte die Zusammenarbeit. //12

13 Noch hat seine UPT nicht den Leistungsstand, den er sich wünscht, aber das Potential dafür ist vorhanden. Zum Abschluss der Förderung unterstützten DED und SLGSR den Aufbau eines regionalen Netzwerkes der neuen GIS-Einheiten. Auf dieser Plattform werden sich zukünftig die GIS-Experten aus Aceh gegenseitig unterstützen. Unterstützung der Lokalregierungen bei Planungsprozessen Verantwortliche Regierungsführung und transparentes staatliches Handeln, ebenso wie Eigeninitiative und Partizipation der betroffenen Menschen, gehören zu den entscheidenden Bedingungen für Erfolg und Nachhaltigkeit der Maßnahmen, die über die reine Wiederherstellung hinaus zu einem umweltverträglicheren, sozial gerechteren und technisch sichereren Wiederaufbau führen sollen (»build back better«bill Clinton, UN-Sonderbotschafter für Aceh). Das Vorhaben SLGSR ist ein gutes Beispiel für die komplexe Aufgabe, die die Entwicklungsexperten in Aceh zu lösen hatten.»unterstützung der Lokalregierungen in der Provinz Aceh, um die Lebensbedingungen der Menschen in den durch die Tsunamikatastrophe betroffenen Gebieten zu verbessern«, so lautete das übergeordnete Projektziel. Die Verwaltungen der Provinz sowie ausgewählter Distrikte sollten soweit unterstützt werden, dass nicht nur der Wiederaufbau der zerstörten Dörfer, sondern auch darüber hinausgehende Planungsprozesse unter direkter Einbeziehung der Bevölkerung durchgeführt werden. Partizipation der Betroffenen, Sicherstellen der notwendigen Infrastruktur und Berücksichtigung ökologischer Belange waren Prinzipien, wie sie schon im Masterplan für den Wiederaufbau frühzeitig durch die indonesische Regierung festgelegt worden waren. In SLGSR, das durch die GTZ geleitet und aus den Sondermitteln der Bundesregierung finanziert wurde, arbeiteten Fachkräfte von CIM, DED und SES, aber auch mehrere freie Berater. Die Tsunamikatastrophe hatte die zuvor erarbeiteten Entwicklungspläne mit einem Schlag Makulatur werden lassen. Für die zerstörten Dörfer mussten völlig neue Siedlungskonzepte erstellt werden, die den Wünschen und Bedürfnissen der Bewohner entsprachen. Diese Konzepte waren mit den gleichzeitig in Aufstellung befindlichen übergeordneten Entwicklungsplänen abzustimmen. Andererseits waren die fachlichen Kapazitäten und Datengrundlagen bei den Planungsbehörden schon vor der Katastrophe schwach ausgebildet. So hatten vor allem der lange Bürgerkrieg und die Einflussnahme durch die Zentralregierung Unselbstständigkeit und keine Eigeninitiative gefördert. Zerstörte Verwaltungsbauten, fehlende Daten und Verluste unter dem erfahrenen Fachpersonal schwächten die lokalen Verwaltungen bis ins Jahr 2007 hinein. Unterstützung der Lokalregierungen durch Stärkung und Ausbau der Fähigkeiten der lokalen Verwaltungen erschien als höchst notwendig. Zusammenarbeit auf Augenhöhe SLGSR arbeitete auf mehreren Ebenen und hatte Partner in der Wiederaufbaubehörde, der Provinzverwaltung, in mehreren Distriktverwaltungen und sorgte über Community Action Planning Teams (Teams für partizipative Kommunalplanung) für neue Siedlungskonzepte. Wichtig war es, die lokalen Partner schnell zur Nutzung des nur befristet zur Verfügung stehenden Angebotes zu motivieren. Das GIS-Zentrum des Distrikts Aceh Besar, wo der Beamte Zakaria unermüdlich für seine Initiative Werbung machte, oder die Stadt Banda Aceh sind positive Beispiele. In Banda Aceh hatte die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in den Personen von Bürgermeister Mawardy Nurdin, der Vize-Bürgermeisterin Illiza Sa addudin Djamal und den Beamten Dermawan und Bahagia, beide Leiter der BAPPEDA, engagierte Ansprechpartner gefunden. Die Politikerin Illiza war die einzige Frau, die sich im Dezember 2006 bei den Distriktwahlen in der Provinz durchsetzen konnte. Ihr aktives Eintreten für die Förderung von Frauenbelangen ermöglichten es DED und SLGSR, sich verstärkt und mit guter Aussicht auf Erfolg auch in diesem Themenfeld zu betätigen. Neue Instrumente für die Entwicklungsplanung, die Befähigung der zuständigen Beamten, wurden entwickelt und hatten, da ausgehend von der Provinzhauptstadt Banda Aceh, Regionalkoordinatorin Susanne Sudradjat mit der stellvertretenden Bürgermeisterin Frau Illiza Sa addudin Djamal (rechts im Bild). Foto: Frank Wiesemann //13

14 Vorbildfunktion für die gesamte Provinz.»Die Zusammenarbeit mit den deutschen Experten zeichnete sich aus durch schnelle Reaktionen und eine große Flexibilität«, so lautet beispielsweise das Fazit der Projektpartnerin Illiza. Die Zusammenarbeit sei dabei»wenig autoritär«gewesen, was aussagt, dass die indonesischen Partner auf gleicher Augenhöhe mitwirken und ihre Vorstellungen einbringen konnten. Probleme in den ländlichen Distrikten Anders sah die Situation im sehr ländlich geprägten Distrikt Pidie aus. Hier sprachen die lokalen Partner nur sehr zögerlich auf die Angebote von DED und SLGSR an. Zwar wurden auch hier Veranstaltungen mit Modellcharakter durchgeführt, doch gelang in Pidie nicht der Aufbau eines produktiven Dialogs wie im benachbarten Aceh Besar oder Banda Aceh. Grundsätzlich waren die lokalen Partner zur Zusammenarbeit bereit, doch häufige Personalwechsel erschwerten die Arbeit und die Vielzahl der gleichzeitig in Aceh operierenden Organisationen aus aller Welt führte dazu, dass sich die Aufmerksamkeit mehrerer Organisationen mit ihren Programmen auf die gleichen lokalen Partnerorganisationen konzentrierte. Alle Organisationen hatten den gleichen Zeitdruck, ihre Programmziele innerhalb von wenigen Jahren zu erreichen. Die Dichte von zu verarbeitenden Informationen betraf dabei sowohl die internationalen Organisationen wie ihre lokalen Partner. Rasch waren die Absorptionsmöglichkeiten erreicht. Die Mitarbeiter der lokalen Partner hatten parallel zur Bewältigung ihrer üblichen Aufgaben auch Kapazitäten für die Veranstaltungen und Trainings der Hilfsorganisationen zu schaffen. Das Zusammenstellen von speziellen Arbeitsgruppen, die Bereitstellung von detailreichem Informationsmaterial sowie systematische Fortbildungen parallel zur Arbeit erwiesen sich als wichtige Instrumente. Fachkräfte des DED und von CIM wurden längerfristig in die Strukturen der lokalen Partner eingebunden, was sich als äußerst positiv für die Wissensvermittlung und einen ständigen konstruktiven Dialog erwies. Die wichtigsten Ergebnisse der Zusammenarbeit Das Vorhaben SLGSR hatte über lange Phasen hinweg ein großes Team aufgestellt, das durch mehrere DED- und CIM- Fachkräfte verstärkt wurde. Dadurch konnte SLGSR sich noch intensiver mit der Wiederaufbaubehörde, verschiedenen Behörden der Provinzverwaltung und ausgewählter Distrikte vernetzen. Die Bandbreite der Aktivitäten von SLGSR war immens, was die Koordination und interne Kommunikation vor besondere Herausforderungen stellte. Zusätzliche Ergebnisse erbrachte die intensive Kooperation mit dem Programm Management of Georisks der BGR, der Deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, unter anderem im Bereich GIS und Umweltschutz. Die wichtigsten Ergebnisse der Zusammenarbeit von DED, GTZ und CIM im Vorhaben SLGSR sind: Das GIS-Zentrum in Aceh Besar, der neue Regionalverbund mit Banda Aceh als Zentrum, neue Planungsmethoden (insbesondere zur Förderung von Frauen), die Unterstützung des Baus einer neuen Mülldeponie für die Region Banda Aceh und Aceh Besar, Beratung bei der Verwaltungsreform, wichtige Impulse zur Stadtentwicklung von Banda Aceh, umfangreiche Fortbildungen für zahlreiche Mitarbeiter der lokalen Verwaltungen sowie partizipativ erarbeitete neue Siedlungskonzepte für 21 Ortschaften. Die mit großem Aufwand erstellten Entwicklungskonzepte für drei Bezirke der Stadt Banda Aceh gingen dagegen nur zum Teil in den neuen Gebietsentwicklungsplan der Stadt ein. Viel Aufwand leistete SLGSR, um die Bevölkerung besser in Planungsverfahren der Verwaltungen einzubeziehen, zum Beispiel über die Community Action Planning Teams. Siedlungskonzepte, Stadtentwicklung, Festlegen von Grenzen, Haushaltsplanung, Fachplanungen in vielen Bereichen stärkte SLGSR die Mitsprachemöglichkeiten der Bürger. Da zuvor eine kritische Öffentlichkeit und zivilgesellschaftliche Organisationen in Aceh kaum ausgeprägt waren, wurde so dazu beigetragen, eine Basis für eine transparentere und demokratischere Zusammenarbeit zu schaffen. //14

15 Foto: Frank Wiesemann Mikrofinanzierungen für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Förderung von Kreditgenossenschaften und Kleinstunternehmen Fahruddin Razak mit Mitarbeiterinnen im engen Büro der Spar- und Kreditgenossenschaft.»Wir benötigen Kredite«, so lautet ein in Aceh oft zu hörender Ruf vieler Kleinst- und Kleinunternehmer. Die Gewerbetreibenden möchten ihr Geschäft durch zusätzliches Kapital besser absichern oder ausbauen. Doch die örtlichen Banken sind sehr zurückhaltend beim Verleihen von Geld. Aufgrund einer häufig schlechten Rückzahlungsquote müssen viele Sicherheiten gestellt und durch die Bank geprüft werden. Mikrofinanzprojekte zählten daher in Aceh zu den schwierigsten Aufgaben. Im Rahmen des Vorhabens ERMF (Economical Recovery and Microfinance) konzentrierten sich DED, GTZ und InWEnt daher auf das Capacity Development bereits erfolgreich arbeitender Strukturen wie der Baitul Qiradh (islamische Spar- und Kreditgenossenschaften). Als die Schneiderin Frau Nuraini sich vor fünf Jahren zur Selbständigkeit entschloss, konnten die Rahmenbedingungen in Aceh Utara, ihrem Distrikt, kaum schwieriger für eine Geschäftsgründung sein. Die Beschränkungen durch den Bürgerkrieg in der Provinz Aceh betrafen vor allem ihre Region, da hier der Konflikt in besonderem Maße eskaliert war. Aceh Utara zählt zudem zu den sehr armen Regionen des Landes. Kurz nachdem Nuraini ihr Geschäft eingerichtet hatte, brach die Tsunamikatastrophe über die Region herein. Immerhin blieben sie und ihre Nachbarschaft von den Zerstörungen weitgehend verschont. Trotz ungünstiger Ausgangslage konnte sie ihr kleines Unternehmen in den vergangenen Jahren erfolgreich ausbauen. Unterstützung fand //15

16 Fotos: Frank Wiesemann Die Schneiderin Frau Nuraini erhielt einen Kredit der Baitul Qiradh. sie gleich nebenan, beim Team der Baitul Qiradh Dewantara. Kapitalmanagement auf 20 Quadratmetern Überraschend ist der erste Eindruck von dieser Institution im Ortsteil Krueng Geukueh, denn effizienter könnte die Ausnutzung von 20 Quadratmetern Bürofläche kaum sein. Vor allem, wenn noch eine Aluminium- Glas-Konstruktion diesen Raum längs der Mitte abteilt. Hier tätigt die Baitul Qiradh, die Sparund Kreditgenossenschaft des Ortsteils, ihre Geschäfte. Fünf Arbeitsplätze sind hier eingerichtet. Eingepfercht in dem abgetrennten Bereich arbeiten die Kassenführerin, die Buchhalterin und die Verantwortliche für die Einzahlungen, ferner noch ein Fachmann für Computeranwendungen. Hier finden sich zwei Computer, einige Aktenregale, ein Wasserspender, die Barkasse. Kunden müssen sich vor der Durchreiche im Fenster anstellen und stehen damit praktisch bereits auf dem schmalen Bürgersteig. Der linke Bereich dient der Kundenberatung und ist gleichzeitig das Büro von Fahruddin Razak. Der Wirtschaftsfachmann ist der Manager der Kreditgenossenschaft Fahruddin Razak bevorzugt diesen Titel. Diplome an der Wand geben Zeugnis von seiner Fachkenntnis. Die Möbel sind einfach und müssen sich den knappen räumlichen Dimensionen anpassen. Auffallend sind die Sauberkeit und die klare Ordnung. Die Baitul Qiradh besteht seit In Aceh ist der Islam traditionell sehr stark verwurzelt. Daher werden dort recht häufig arabische Begriffe verwendet. Baitul Qiradh bedeutet»haus der Qiradh«. Den Begriff Qiradh gebrauchten arabische Händler bereits im Mittelalter, wenn sie Geldaustausch und Geschäfte über einen Mittelsmann tätigten. Das heute in Aceh verwendete Prinzip entspricht dem einer Spar- und Kreditgenossenschaft. Dewantara ist der Name eines der 27 Unterbezirke des Distrikts. 416 Mitglieder haben sich der Initiative im Stadtteil von Fahruddin Razak angeschlossen. Größtenteils sind es die kleinen Händler und Gewerbetreibenden der umliegenden Straßen und des Gemüse- und Fischmarktes, der gleich nach der nächsten Kreuzung zu finden ist. Die Idee ist bekannt. Die Mitglieder geben einen Teil ihrer Mittel der Baitul Qiradh, die davon wiederum bei Bedarf Kleinkredite gewährt. Dabei vertrauen die Mitglieder auf die Sorgfalt und den Sachverstand von Fahruddin und seinem Team. Kleinkredite ohne bürokratischen Aufwand Die Kreditnehmer hoffen auf eine wenig bürokratische, sprich rasche Entscheidung. Die Beträge, um die es dabei geht, sind zunächst nicht spektakulär.»die Kredite beginnen bei Rupien bis maximal 20 Millionen Rupien«, erläutert Fahruddin Razak. Das sind umgerechnet Beträge von etwa 7 bis Euro. In Anbetracht eines Monatseinkommens in Aceh von 70 bis 100 Euro ist dies als recht gut zu bewerten. Die Größe des Geschäfts eines Kreditnehmers spielt bei der Bemessung des Kreditumfangs eine wichtige Rolle, denn schließlich sollen die aufgenommenen Beträge mit angemessenen Konditionen und innerhalb überschaubarer Fristen zurückgezahlt werden können. Die Gründe, warum die Kleinunternehmer Fahruddin um Unterstützung bitten, unterscheiden sich kaum von denen großer Firmen: Investitionen in neue Ausstattung, //16

17 Kauf von Rohstoffen, Reparaturen. Andererseits kann die Baitul Qiradh nur verhältnismäßig kleine Kredite bewilligen, was Anträge größerer Unternehmen bislang ausschließt. So musste der Wunsch des Unternehmers Iskandar, einem örtlichen Hersteller von Betonformsteinen, auf Anschaffung einer Betonmischmaschine bislang unerfüllt bleiben.»dadurch ließe sich die Qualität meiner Produkte deutlich verbessern«, hofft der Chef von sechs Mitarbeitern. Doch schon die drei Kredite, die er während der vergangenen zehn Jahre erhielt, waren wichtig.»dadurch konnte ich größere Aufträge annehmen.«aus den Rückzahlungen und den dabei zu entrichtenden Aufschlägen werden die laufenden Kosten der Baitul Qiradh gedeckt. Zinsen werden nicht verlangt, das widerspräche islamischen Grundsätzen.»Die Überschüsse werden schließlich unter den Mitgliedern aufgeteilt«, beschreibt Fahruddin Razak. Die Abschlussrechnung für 2008 wies einen Ertrag von über 70 Millionen Rupien vor Steuern aus. Seriosität der Kreditnehmer Voraussetzung Der Grund, weshalb es mittlerweile 13 dieser Genossenschaften in Aceh Utara parallel zu diversen Banken gibt, ist einfach zu verstehen. Die meisten Banken sind bei Kreditanträgen wenig flexibel. Die Frage nach Sicherheiten und die komplexen Regularien schließen Kleinstund Kleinunternehmen praktisch von Krediten aus.»banken verwalten eher ihre Geldbeträge als mit ihrem Kapital zu wirtschaften«, so lautet die Erfahrung von Michael Kühl. Der Experte der Deutschen Sparkassenstiftung für internationale Kooperation berät seit 2006 die Entwicklungsbank der Provinz im Kleinkreditgeschäft.»Zu uns kann jeder Kleinunternehmer kommen«, sagt dagegen der Manager der Baitul Qiradh Dewantara und ergänzt:»wichtig ist, dass wir immer erreichbar sind.«doch er fordert von seinen Kunden Disziplin.»Das hier ist kein Spiel«, stellt der 43-jährige klar. Antragsteller für Kredite müssen auch hier Sicherheiten nachweisen. Hierfür können etwa Sachwerte dienen, wie das eigene Motorrad. Empfehlungen oder sogar Bürgen aus dem Kreis der Mitglieder der Baitul Qiradh sind wichtig. Im Zweifelsfall prüft der Wirtschaftsfachmann die Angaben neuer Partner direkt vor Ort. Über bis zu zehn neue Kreditanträge hat er im Monat zu entscheiden, wobei seine Baitul Qiradh auch soziale Verantwortung trägt. Komplexere Fälle beraten die Mitglieder gemeinsam. Musyawarah ist der arabische Begriff für dieses Forum. Der Ort dafür entspricht dem Ethos dieser Einrichtung. Man setzt sich in der nahen Meunasah, dem Gebets- und Versammlungsraum des Ortsteils, zusammen.»wir leben das Prinzip der Zusammenarbeit.«Förderung durch Stärkung der eigenen Fähigkeiten»Wir haben von ERMF keine Sachmittel erhalten«, diese Feststellung ist wichtig für Fahruddin Razak. Vielmehr fokussierte sich die Zusammenarbeit mit den Experten aus Deutschland und ihren indonesischen Kollegen auf Capacity Development: Fortbildungen und Studienreisen.»Bali, West-Java, öfters Banda Aceh oder Nordsumatra«, die Aufzählung zeugt von einem intensiven Prozess. Feldevaluationen durch DED und GTZ waren der Beginn der sich über zwei Jahre erstrecken- Fischstand auf dem Markt im Ortsteil Krueng Geukueh. Foto: Frank Wiesemann //17

18 Fotos: Frank Wiesemann Eine glückliche Kioskbesitzerin. den Zusammenarbeit. Während GTZ und InWEnt sich die Verantwortung für die Trainingsveranstaltungen teilten und bei deren Durchführung auf die Zuarbeit von CIM-Experten und externen Beratern zurückgriffen, lag die Betreuung der Projektpartner vor Ort überwiegend in den Händen der DED-Fachkräfte. Zur Arbeit in Aceh Utara zählte auch die Verbesserung der Zusammenarbeit der örtlichen Handels- und Gewerbekammer mit Kreditgenossenschaften und Kleinunternehmern. Dadurch wurden bessere Fortbildungsmöglichkeiten für die Mitglieder der Baitul Qiradh geschaffen. Ein wichtiges Mittel zur Stärkung der einzelnen Baitul Qiradh war die Gründung einer neuen Dachorganisation im Distrikt. Hierüber sollen die einzelnen Kreditgenossenschaften künftig Erfahrungen austauschen und Beratung erhalten. Die bereits länger existierenden Mikrofinanzinstitutionen können so die in den letzten Jahren neu gegründeten Baitul Qiradh unterstützen. ERMF bezog insgesamt acht Baitul Qiradh in Aceh Utara in das Programm ein.»für uns zählt das Ergebnis«Wichtig für Fahruddin Razak ist die Tatsache, dass das Büro der Baitul Qiradh schon längst ihr Eigentum ist. Ungewöhnlich in Aceh ist, dass er nicht auf ein großes, repräsentatives Gebäude drängt.»für uns zählt das Ergebnis«, stellt er hierzu klar. Neben dem über ERMF erhaltenen Capacity Building akzeptierte er daher einzig ein neues Motorrad, das die Baitul Qiradh von der Wiederaufbaubehörde BRR erhielt. Dank der zusätzlichen Mobilität können der Manager und die Verantwortliche für die Kreditrückzahlungen entfernt liegende Kunden besser erreichen. Die Rückzahlungen vereinbart die Baitul Qiradh individuell, mit täglich, wöchentlich oder monatlich zu leistenden Raten. Die Schneiderin Frau Nuraini hat während der vergangenen vier Jahre drei Mal um einen Kredit gebeten. Damit beschaffte sie Ausstattung, Waren und Nähmaschinen. Zusätzlich nahm sie an zwei Fortbildungen teil, die durch die Baitul Qiradh vermittelt wurden. Heute beschäftigt sie drei Näherinnen in ihrem kleinen Laden. Erfolgreich konnte sie sich dank der Rückendeckung durch die Baitul Qiradh um einen größeren Auftrag bewerben. Frau Nuraini liefert unter anderem Dutzende neuer Jilbab, Kopftücher, als Teil der Schuluniform muslimischer Mädchen. Sie lobt die unkomplizierte Zusammenarbeit mit ihren Nachbarn:»Falls ich wieder einmal einen Kredit benötige, dann muss ich nicht erst eine schriftliche Begründung ausarbeiten.«schwierige Rahmenbedingungen Oberflächlich betrachtet scheinen die Rahmenbedingungen für Handel und Kleingewerbe in Aceh Utara günstig. Der Distrikt umschließt die Hafenstadt Lhokseumawe. In dieser Region lebt rund ein Achtel der Bevölkerung der Provinz, was eine hohe Nachfrage von Nahrungsmitteln und Baustoffen verspricht. Hier werden seit über dreißig Jahren recht ergiebige Erdöl- und Gasvorkommen ausgebeutet. Ein Teil davon wird in Lhokseumawe großindustriell zu Düngemitteln weiterverarbeitet. Von dem halben Dutzend großer Industriebetriebe, die sich bislang in der Provinz Aceh niedergelassen haben, befinden sich fünf an diesem Standort. Tatsächlich weist jedoch die offizielle Statistik für den Quadratkilometer großen Distrikt eine Armutsquote von 45 Prozent aus, ein in der Provinz vergleichsweise hoher Wert. Nur etwa die Hälfte der arbeitsfähigen Bevölkerung hat eine reguläre Arbeitsstelle. 30 Prozent hat keinen Schulabschluss, weitere 35 Prozent können gerade den Abschluss der Grundschule nachweisen. Die Region gilt als eine der Hochburgen der Unabhängigkeitsbewegung. Das gemäß dem Friedensabkommen zwischen der indonesischen Regierung und den Separatisten im Sommer 2006 herausgegebene neue Gesetz, das die Befugnisse zwischen der Provinz und der Zentralverwaltung regelt, sieht vor, dass die Provinz nun deutlich mehr von den Erlösen aus dem Export ihrer Rohstoffe profitiert. Doch nur ein Teil dieser Extrazuwendungen gelangt bislang zurück nach Aceh Utara und Lhokseumawe. Zu groß sind die Disparitäten in der Provinz, insgesamt hoffen 18 Distrikte //18

19 und fünf Städte auf diese Gelder. Back to Business Die Tsunamikatastrophe hatte die Region, die etwa 250 Kilometer östlich von Banda Aceh liegt, nur partiell in Mitleidenschaft gezogen. Obwohl der Distrikt gerade außerhalb der Region liegt, in der mit Geldern der deutschen Regierung Dörfer wiederaufgebaut wurden, entwickelte sich hier ein regionaler Schwerpunkt der Aktivitäten des von der GTZ geleiteten Vorhabens ERMF. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren bereits in der Nothilfephase aufgebaute Kontakte und die dabei gesammelten Erfahrungen. Wichtige Vorhaben waren zum einen Hilfsleistungen für durch die Tsunamikatastrophe direkt betroffenen Gewerbetreibenden unter dem Schlagwort»Back to Business«wie der Ersatz von verlorenen Produktionsmitteln und zerstörter Ware durch Sachspenden. Zum anderen wurde die Steigerung der Fähigkeiten der Unternehmer sowie ein verbesserter Zugang zu Finanzdienstleistungen speziell für kleine Unternehmen angestrebt. Im Rahmen der Verbesserung der Business Development Skills and Services, so die Bezeichnung dieses Schwerpunkts, arbeiteten drei deutsche und eine indonesische Fachkraft des DED. Sie waren dabei in das Vorhaben ERMF voll integriert und arbeiteten in unterschiedlichen Komponenten. Betriebswirtschaftliche Trainings für Kleinstunternehmer Während die Unterstützung von Baitul Qiradh-Kooperativen und der Aufbau einer gemeinsamen Dachorganisation zu den positiven Ergebnissen des Vorhabens zählen, stellte sich die Förderung der Gründung neuer Kleinstunternehmen als schwierig heraus. Zunächst waren hier 76 neue Trainer ausgebildet worden, die Unternehmensgründungen nach dem CEFE-Ansatz (Competency based Economies through Formation of Enterprise) mittels betriebswirtschaftlicher Trainings unterstützen sollten. Sie sollten ihr neues Fachwissen an Gewerbetreibende im Distrikt Aceh Utara weitergeben. Zielgruppe waren in erster Linie die Bewohner der durch den Tsunami betroffenen Dörfer. Ferner wurden mehrere Berater, Business Counsellor, unter Mitarbeit von DED-Fachkräften ausgebildet. Hemmnisse waren hierbei das allgemeine Bildungsniveau und die aufgrund der Leistungen anderer Hilfsorganisationen gesteigerten Erwartungen auf Geldund Sachspenden anstelle von Fortbildungsangeboten. Die Inhalte der CEFE-Kurse mussten dieser spezifischen Situation angepasst werden. Der Großteil der CEFE-Trainer hat sich mittlerweile zu einer Organisation zusammengeschlossen, um künftig eigenständig Trainings und Beratungen anzubieten. Matthias Range, stellvertretender Leiter des ERMF-Vorhabens, betont die Bedeutung des Beitrags der DED-Fachkräfte.»Das Vorhaben hatte dadurch einen besseren Zugang zum Mikrolevel«, sagt er und bestätigt damit den Sinn des integrierten Ansatzes, bei dem verschiedene Instrumente der Entwicklungszusammenarbeit ergänzend eingesetzt werden.»der ständige Kontakt zu unseren indonesischen Partnern war sehr wichtig«, erklärt er. Dadurch sei die Bindung der Partner an das Vorhaben gestärkt und die Zusammenarbeit verbessert worden. Diese Restaurantmitarbeiter haben nun einen Arbeitsplatz gefunden. Foto: Frank Wiesemann //19

20 Foto: Frank Wiesemann Schülerinnen der SMK 1 freuen sich, dass sie eine Ausbildung erhalten können. Verbesserung der Berufsbildung zur Stärkung der lokalen Wirtschaft Unterstützung bei Schulbau, Lehrplanentwicklung und Fortbildung des Lehr- und Verwaltungspersonals Der Unterschied könnte nicht deutlicher sein. Wo einst vernachlässigte Bauten standen, beeindrucken nun stattliche Gebäude. War vorher»semi-permanent«, also Backsteinmauer und überwiegend Holzkonstruktion, der übliche örtliche Standard, so stehen jetzt an gleicher Stelle Bauten aus stahlverstärktem Beton. Schmutziggraue Wände und angerostetes Zinkblech sind nun durch gefälligen ockergelben Putz und dunkelpurpurne Dächer ersetzt. Fenster und Türen sind nicht mehr aus dünnem klapprigem Sperrholz sondern aus Aluminium. Hamidalubis Daeli ist zu recht stolz die Verantwortung für diesen neuen Komplex zu haben. Der 49-jährige Pädagoge ist Leiter der Sekolah Menengah Kejuruan (SMK) Nummer 1, sprich einer der Berufsschulen von Gunung Sitoli. Mit ihren etwa Einwohnern ist Gunung Sitoli die bedeutendste Stadt auf Nias. Vor allem die Armut prägt diese etwa 140 Kilometer vor der Westküste Sumatras gelegene Insel. Vieles muss per Schiff herantransportiert werden und nur wenige Touristen nehmen die Anreise auf sich. Die für die beiden Verwaltungsdistrikte der Insel zuständige Provinzverwaltung befindet sich weitab in der Millionenmetropole Medan. Die Moderne hat dieses abgelegene Eiland spät erreicht. Schulen wurden erst nach und nach gebaut, zunächst Volksschulen, //20

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