SySt-Organisationsberatung Toolkarte

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1 Tool Zuhören als Empfänger und als Sender Entwickelt von Insa Sparrer Anwendungskontext Die SySt-Miniatur Zuhören als Empfänger und als Sender bietet die Möglichkeit eines Probehandelns für eine künftige Gesprächssituation. Jemand möchte einer anderen Person etwas mitteilen, weiß aber nicht genau, wie die Mitteilung am besten erfolgen kann. Kommt das, was der Sprecher meint, über die Wahl der Worte und des Tonfalls auch beim Empfänger an? Welche Reaktionen lösen die Worte beim Empfänger aus? In welcher Formulierung kann der Empfänger den Inhalt besser akzeptieren? Usw. Teile des Bildes Bei diesem Format werden zwei Personen gestellt. Der Repräsentant für den Anliegenbringer, den Fokus. Fokus ist die Perspektive des Anliegenbringers in Bezug auf das jetzt genannte Thema. Somit zeigen sich nicht sämtliche Möglichkeiten von Beziehungen, die die Person haben, sondern nur die Beziehungsstruktur in Bezug auf diese eine Mitteilung. In anderen Situationen kann die Beziehungsstruktur eine ganz andere sein. Der/die Gesprächspartnerin Bei dieser SySt-Miniatur wird nur mit Symbolen gearbeitet, also nicht mit Personen. Stühle sind gut geeignet als Symbole für Personen, denn sie haben die passende Breite, was beim Stellen dazu führt, das in Relation dazu auch die Abstände zwischen den Stühlen passend gestellt werden. Man könnte auch Papier in einer geeigneten Größe nehmen, so dass sich jemand richtig gut darauf stellen kann. Anwendungsbeispiel In dem folgenden Beispielsfall (aus der SySt-Organisationsberatungs-Ausbildung) ging es der Klientin um ein Probehandeln für ein Gespräch, in welchem sie einer angestellten Führungskraft wegen mangelnder Führungskompetenz die Kündigung aussprechen wollte. Es folgt der Dialog zwischen der Gastgeber/in (GG) und der Klient/in (K). (GG zur K): Du gehst mit dem Stuhl, als ob es eine Person wäre, hier im Raum spazieren und fühlst nach, wo es sich passend oder stimmig anfühlt, und stellst den Stuhl dann da hin. Jetzt wählst du einen anderen Stuhl für den Gesprächspartner. Und dann stellst du den Gesprächspartner in Bezug zu dir, wie es sich passend anfühlt. (K arbeitet entsprechend den Anweisungen) Gut, das ist jetzt das erste gestellte Bild, das können wir jetzt von außen betrachten. Die Gesprächspartner können sich sehen. D. h. im Prinzip, wenn du mit ihm sprichst, müsste er es hören können, deswegen verändere ich an dem Bild nichts. Angenommen, der Gesprächspartner würde jetzt hier (also so stehen, dass die beiden sich nicht gut sehen können) stehen, dann würde ich etwas ändern. Wer kann sich ändern? Der Anliegenbringer kann sich zunächst ändern. Ich würde als Gastgeberin also ausprobieren, wo der Fokus stehen kann, damit ein besseres Gespräch möglich ist. Somit wäre es eine mögliche Intervention, den Fokus woanders hinzustellen, so dass sie überhaupt miteinander reden können. Im nächsten Schritt fragen wir das Bild ab. Du gehst jetzt hinter den Stuhl, der für den Fokus steht, und hier ist jetzt der Gesprächspartner. Wenn du so ihm gegenüber stehst, welche Unterschiede nimmst du in deinem Körper wahr, an dieser Stelle und in der Beziehung zu ihm? 1

2 (K) Eine innere Unruhe. (GG) Ja. Dann kannst du wieder hinausgehen, indem du einfach zur Seite trittst und ein paar Schritte machst. Jetzt gehst du bitte an die andere Stelle, also hinter den Stuhl deines Gesprächspartners. Welche Unterschiede nimmst du an seiner Stelle wahr, ihr gegenüber und in dieser Beziehung? (K) Eine erstaunliche Ruhe. (GG) Eine erstaunliche Ruhe. Noch etwas? (K) Nein. (GG) Dann kannst du wieder hinausgehen aus der Repräsentation. Jetzt ist über die repräsentierende Wahrnehmung eine neue Erfahrung hinzugekommen, nämlich dass er sich erstaunlich ruhig fühlt, das hast du nicht erwartet. Wenn du jetzt so an ihn denkst, würde das passen? (K) Ja. (GG) Also ist dir etwas bewusst geworden, aber irgendwie hast du es auch sonst schon wahrgenommen. Das ist jetzt ein Wissen, das wir normalerweise nicht in dieser Stärke von anderen Personen haben, in dieser Miniatur über die repräsentierende Wahrnehmung aber bekommen können. Jetzt gehst du an die Stelle von dir, und kannst den ersten Satz zu ihm sagen, das, was du als erstes mitteilen möchtest. (K) Ich bin Ihnen immer noch eine Antwort schuldig, denn wir hatten ausgemacht, dass ich nach einem halben Jahr ein ehrliches Feedback gebe, ob Sie als Leitungskraft in dieser Filiale auf Dauer eingesetzt werden können oder ob Sie diese Position nicht ausfüllen. (GG) Ok, jetzt entrollst du dich wieder, gehst heraus aus der Situation, und an seine Stelle. (Gastgeberin hält die kataleptische Hand in Augenhöhe an die Position des Fokus und wiederholt den Satz so genau wie möglich in Richtung auf die Position des Gesprächspartners, die die Klientin inzwischen eingenommen hat.) (GG) Wie kommt es an, oder was wird gehört? (K) Es ist irgendwie nicht wertschätzend genug, glaube ich. (GG) Also was hört er? (K) Ich habe die Anforderungen noch nicht erfüllt. (GG) Welche Veränderung zeigt sich? (K) Jetzt ist die Aufregung da. (GG) Wenn du die Situation jetzt betrachtest, hast du den Eindruck, du möchtest ihm das so mitteilen oder hast du eine andere Idee, wie du es ihm mitteilen möchtest? Das kannst du jetzt ausprobieren, als Probehandeln. Wir probieren aus, wie man das am besten mitteilen kann. Hast du eine Idee? Dann geh erneut an die Stelle und formuliere den ersten Satz neu. (Klientin geht an ihre Position, findet aber keine Worte.) 2

3 (GG) Gehe vielleicht noch einmal raus aus der Repräsentation und überlege dir von außen, was du ihm mitteilen möchtest. Hier, in dem Bild, ist die Aufregung dabei, da ist es schwieriger. (Klientin ist aus der Position getreten.) (K) Was ich ihm gerne sage möchte, ist, dass ich im letzten Jahr mehrfach das Gespräch gesucht habe und herausgehört habe, dass er den Beruf mal ergriffen hat, um am Kunden zu sein und dass er selber eben nicht weiß, ob er diese Leitungsfunktion haben will, weil es ihn ja von der Arbeit am Kunden wegführt. (GG) Gut, dann kannst du versuchen, das oder einen Teil davon in einen Satz zu fassen. Du kannst noch mal hineingehen. Mit welchem Satz möchtest du beginnen? (K) Wir hatten in der letzten Woche ja schon ausgemacht, dass wir uns nochmal zu einem persönlichen Gespräch zusammensetzen und uns gemeinsam über das letzte halbe Jahr und ihre Rolle als Filialleitung unterhalten. (GG) Was wird überbracht? (K) Dass wir machen, was besprochen war und gemeinsam noch mal das halbe Jahr Revue passieren lassen. (GG) Also er hört das, was auch gesagt wurde. Wichtig ist, dass man kleine Stücke nimmt, sonst weiß man bei Reaktionen, die sich zeigen, nicht genau, worauf sich die beziehen. Also besser ist es, einen Satz zu nehmen, der nicht zu lang ist. Noch einmal sage ich jetzt von außen, das ist ein Probehandeln. Also es muss sich hier nicht so zeigen, wie du es gewollt hast, es geht eher darum zu sehen, ah ja, so kann man es sagen oder nicht sagen. Du kannst also alles Mögliche ausprobieren. Das Verfahren dient zunächst dazu, eine Idee zu bekommen, wie du eine Mitteilung so formulieren kannst - oder auch vom Ton her sprechen kannst -, so dass der andere mitbekommt, was du sagen willst. (K) Ich würde vorschlagen, Sie fangen einfach mal an zu schildern, wie es Ihnen in der letzten halben Jahr ergangen ist, und dann schauen wir mal weiter. (GG) Was hörst du an seiner Stelle? (K) Eine große Wahl hat er eigentlich nicht, sondern es heißt, nun mach mal. (GG) Es ist also ein bisschen Druck da, und was hört er? (K) Ja, jetzt bin ich dran zu schildern. (GG) Dann kannst du wieder heraustreten. Ich vermute mal, das ist auch das, was du ihm mitteilen wolltest. Passt das so, oder hast du den Eindruck, das wolltest du so nicht mitteilen? (K) Das wollte ich so nicht mitteilen. 3

4 (GG) Aha, dann kannst du es auch anders ausprobieren, es geht nur darum, ob du damit zufrieden bist, ich bestimme nicht, wie es zu sein hat. Schau wie es wirkt, und dann kannst du entscheiden: ja, das wollte ich oder nein, das wollte ich nicht. Hast du eine Idee, was du verändern kannst? (K) Ich habe mir daheim Gedanken gemacht über dieses Gespräch, und fänd es jetzt schön, wenn Sie mir aus Ihrer Sicht schildern, wie Sie das letzte halbe Jahr empfunden haben, wie es für Sie war, wie Sie mit der Funktion zurechtgekommen sind. Ist das so in Ordnung für Sie? (GG) Wie kommt das an? (K) Er könnte auch sagen, nein, will er nicht oder will er anders. (GG) Ok, d. h. er hat gewisse Freiheiten. D. h., so wird es besser für dich passen, es kam an, wie du es eigentlich möchtest. Gut jetzt nehmen wir mal an, er schildert, wie es für ihn gewesen ist, und dann sagt er wahrscheinlich auch, was schwierig war, und nach einer längeren Erzählung von ihm gehen wir jetzt weiter, was möchtest du ihm dann sagen? Was möchtest du ihm mitteilen? Du wirst nicht erreichen, dass er dir vorschlägt, ihn zu kündigen, das ist eher unrealistisch. (K) Nein, das mit dem Kündigen hat er sowieso überhaupt nicht im Kopf. (GG) Also was möchtest du ihm mitteilen? Dadurch dass er hat dir mitgeteilt hat, wie er es erlebt hat. seid ihr in einen Kontakt gekommen, aber was möchtest du ihm mitteilen? (K) Meine Wahrnehmung. (GG) Gut, dann machst du das. (K) Ja vielen Dank für die offenen Worte. Ich habe mir natürlich viele Gedanken über das letzte halbe Jahr gemacht, und würde Ihnen jetzt gerne meine Sicht der Dinge geben und meine Einschätzung, wie ich es von außen auch wahrgenommen habe. (GG) Dann käme eine längere Schilderung. gehalten wird. Die Mitteilung kommt beim Gesprächspartner an.) (GG) So, jetzt wird es da vielleicht ein paar Punkte geben, die mitgeteilt werden müssen und die nicht so leicht sind. Wir nehmen nur diese Punkte. (K) Eines meiner Hauptanliegen mit der Filiale ist das Thema Struktur in der Filiale, Struktur im Team und Absprache am Morgen, dass jeder weiß, was er zu tun hat, dass Ruhe in die Filiale reinkommt, dass die Mitarbeiter zufrieden sind und jeder seinen Bereich ausfüllt. 4

5 (GG) Kommt das an? (K) Ja. (GG) Jetzt kommt wahrscheinlich der Punkt, der schwierig wird. (K) Das Thema hatten wir im letzten Halbjahr ja des Öfteren, ich habe Ihnen zu diesem Thema ja auch öfter ein Feedback gegeben und wenn ich das Halbjahr rückblickend bewerte, kann ich von meiner Person her keine Verbesserung feststellen. (GG) Was hört er? (K) Dass dieser Punkt nicht zu meiner Zufriedenheit gelaufen ist. (GG) So von außen würdest du sagen, ja, er hat gehört, was du ihm mitteilen wolltest? (K) Ja, schon. (GG) Jetzt machen wir vielleicht noch einen Satz. Gibt es noch einen Satz, den du ihm mitteilen möchtest und wo du noch etwas ausprobieren möchtest? Vielleicht gibt es noch einen Aspekt, wo du sagst, da fehlen dir vielleicht die Worte? (K) Das Problem kommt dann, wenn ich sage, dass wir jemanden brauchen, der alle diese Fähigkeiten mitbringt und dass wir nicht jemanden zusätzlich einstellen können, sondern jemand gehen muss. (GG) Gut, dann kannst du das jetzt formulieren. Wie möchtest du die Worte wählen? Darüber nachzudenken ist manchmal leichter in der Metaposition. Hier, in der Position, kommt schon die repräsentierende Wahrnehmung. Wichtig ist, dass du weißt, was du willst, dann kommen die Worte schon. (K) Jetzt haben wir uns ja vor dem halben Jahr auch schon mal darüber unterhalten, dass es um die Filiale wirtschaftlich gesehen nicht zum Besten steht. Und wir haben auch in der Mitarbeiterbesprechung mitbekommen, dass das Team eine andere Führung wünscht. Ich sehe mich jetzt gezwungen, diese Leitungsposition in der Filiale neu zu besetzen und da ich es mir wirtschaftlich nicht erlauben kann, jemanden zusätzlich einzustellen, heißt das, dass mit der Entscheidung verbunden ist, dass ich Sie kündige. (GG) Wie kommt das an. Was hört er? Versuche zu wiederholen, was ich an deiner Position gesagt habe, was wird gehört? (K) Dass ich es mir als Führungskraft nicht erlauben kann, jemanden zusätzlich einzustellen, und ihn daher kündigen muss. (GG) Das war die Botschaft, die du gewollt hast, die ist angekommen. (K) Gehört hat er das auf alle Fälle. 5

6 (GG) Es bleibt eine schwere Situation, wir werden aus einer schweren Situation keine leichte machen. Jetzt hast du es schon einmal ausgesprochen - können wir das jetzt so stehen lassen? (K) Ja, ich würde es jetzt so stehen lassen. (GG) Jetzt noch eine Frage, nachdem wir das jetzt hier gemacht haben, was macht das für dich einen Unterschied? (K) Ich war das erste Mal gezwungen, die Worte zu wählen. Vom Kopf her denken tut man es ja ganz oft. Aber das jetzt auszusprechen, ist etwas anderes. (GG) Ja, der Unterschied zwischen Über eine Situation sprechen und in der Situation sein, das ist der Unterschied zwischen verbalem Gespräch und Strukturaufstellung Das war ein Probehandeln, und jetzt weißt du, was auf dich zukommt. 6

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