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1 Erfolgsfaktor Bildung Engagement deutscher Unternehmen für Qualifizierung weltweit Nachhaltige Produktion lernen / Interview mit Dr. Reinhold Festge, HAVER & BOECKER / Internationale Berufsbildung und Qualifizierung in Zahlen und Fakten / DEG-News Ausgabe 1 / April 2015 DEG für deutsche Unternehmen

2 Editorial Deutsche Firmen realisieren im Ausland nicht nur Investitionschancen sie übernehmen umfassende unternehmerische Verantwortung. Wie sich die deutsche Wirtschaft etwa in der Aus- und Weiterbildung für Fachkräfte weltweit engagiert, das wollen wir Ihnen in diesem Newsletter näherbringen. So entsteht derzeit mit Förderung und Know-how aus Deutschland in Vietnam ein Schulungszentrum für nachhaltige und schlanke Industrieproduktion. Die duale Ausbildung im Ausland ist Thema eines Interviews mit Dr. Reinhold Festge, mittelständischer Unternehmer und Präsident des VDMA. Mit dem Newsletter DEG für deutsche Unternehmen informieren wir Sie regel mäßig über Länder, Branchen und weitere Aspekte, die für eine Auslandsinvestition relevant sind. Das Schwerpunktthema bildet die Klammer für Praxisbeispiele, Interviews, Gast bei - träge, Infografiken und Nachrichten. Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre. Cornelius Thor Abteilungsleiter Deutsche Unternehmen Was möchten Sie im nächsten Newsletter lesen? Rufen Sie uns an oder mailen Sie uns Ihre Ideen: Telefon oder Fallbeispiel Lean and Green Factory Nachhaltige Produktion lernen Mit Förderung und Know-how aus Deutschland entsteht in Vietnam ein Schulungszentrum für optimierte Produktionsprozesse Viele internationale Unternehmen haben in den letzten Jahren neue Produktionsstandorte in Vietnam aufgebaut. Weil die Nachfrage nach Qualifizierung der Mit arbeiter das lokale Angebot an Ausbildungs- und Studiengängen übersteigt, sind Bildungsangebote aus dem Ausland gefragt. In Deutschland ent wickelte Weiterbildungsmodule könnten ein Exportschlager werden. An der Vietnamese-German University (VGU) nahe Ho Chi Minh City im Süden des Landes hat Ende 2014 ein Schulungszentrum für effiziente und nachhaltige Produktionsmethoden eröffnet: die Lean and Green Factory. Das Vorhaben der Münchner Leonardo Group GmbH, eines Beratungs- und Weiterbildungs unternehmens mit dem Schwerpunkt Lean Mana ge ment, wurde von der DEG aus Mitteln des developpp.de-programms des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zu sammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kofinanziert. So genannte Lean Production -Methoden sind in Vietnam bislang kaum verbreitet. Sie haben zum Ziel, standardisierte Prozesse für eine nachhaltige und schlanke Produktion bei hohen Qualitätsstandards zu entwickeln. So wird die Produktivität erhöht und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen ge sichert. In den Schulungen und Workshops der Lean and Green Factory geht es vor allem darum, wie verschiedene Produktionsstufen aufeinander abgestimmt sein müssen, um Ressourcen optimal auszunutzen und gleichzeitig Umweltschutzanforderungen einzuhalten. Im Schulungszentrum können die Produktionsprozesse von ganz unterschiedlichen Branchen simuliert werden. Schwerpunkte sind dabei die in Vietnam besonders stark vertretene Elektronik-, Textil- und Konsumgüterproduktion. Beim Aufbau des Schulungszentrums arbeitet Leonardo eng mit der Technischen Universität Berlin zusammen. Vorbild sind langjährig erprobte Weiterbildungsmodule der Universität Stuttgart und der Hochschule Landshut. Um einen landesweiten Wissenstransfer zu ermöglichen und lean and green -Methoden bereits in der Ausbildung von Ingenieuren zu verankern, stehen im Schulungszentrum auch Veranstaltungen für Dozenten und Professoren auf dem Programm. Mehr Infos zum Thema Vietnamese-German University:

3 Interview Lokale Partner von Anfang an einbeziehen Dr. Reinhold Festge, persönlich haftender Gesellschafter HAVER & BOECKER und Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), über duale Ausbildung im Ausland Warum ist Fachkräftequalifizierung ein wichtiges Thema für global tätige deutsche Unternehmen, insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau? Fachkräftequalifizierung ist wichtig, um das Qualitätsniveau deutscher Unternehmen zu halten und die derzeitige Exportquote von 75 % in unserer Branche zu sichern. Die Globalisierung und insbesondere die Vision einer Industrie 4.0 mit stark individualisierter und hoch flexibilisierter Produktion machen es notwendig, künftig noch besser und zukunftsorientierter auszubilden. Wie engagieren Sie sich in Ihrem Unternehmen, der Drahtweberei und Maschinenfabrik HAVER & BOECKER, für Weiterbildung? Bei HAVER & BOECKER wird seit 1905 ausgebildet. Die steigenden Exportquoten ließen uns zu der Erkenntnis kommen, dass wir nicht nur unsere Mitarbeiter, sondern auch unsere Kunden und Anwender mit den neuen Maschinentechniken intensiv vertraut machen müssen. Die Gründung einer Bildungsplattform in Gestalt der HAVER Academy im Jahr 2007 war die logische Konsequenz. Welche praktischen Erfahrungen haben Sie bei der Qualifizierung gemacht? Derzeit laden wir zur dualen Ausbildung mit parallelem Studium in unser Unternehmen ein und haben dabei sehr gute Erfahrungen mit Jugendlichen aus Brasilien, Indien und dem Kosovo gemacht. Gleichzeitig versuchen wir, im Ausland Projekte mit lokalen Partnern zu initiieren. So realisieren wir in Ecuador gemeinsam mit drei weiteren deutschen Firmen ein Ausbildungsprojekt unter der Leitung der sequa und der AHK Quito. Wie können deutsche Unternehmen im Ausland Mitarbeiter nach dem Vorbild der dualen Ausbildung qualifizieren? Wollen wir unser duales System, also die Kombination von theoretischer Bildung und praktischer Ausbildung in den Betrieben, ins Ausland exportieren, müssen wir es den jeweiligen Gegebenheiten anpassen. In der Regel mangelt es im Ausland an der notwendigen Infrastruktur dafür. Deutsche Unternehmen und auch der VDMA suchen derzeit nach ausländischen Partnerunternehmen, um vor Ort Trainingscenter aufzubauen. Ziel ist es, gemeinsam mit den lokalen Kammern und Verbänden Curricula zu entwickeln, die den Anforderungen der Unternehmen bestmöglich gerecht werden. Was sind die Herausforderungen vor Ort? Bei Auslandsprojekten gibt es nicht nur wegen der kulturellen Unterschiede neue Herausforderungen. Besonders wichtig ist es, lokale Institutionen oder Unternehmen von Anfang an mit einzubeziehen, wenn man eine grundlegende und anerkannte Ausbildung anbieten will. Hier konnten wir auch vom guten Netzwerk der DEG profitieren, die uns beim Ausbau unserer Lateinamerikaaktivitäten begleitet hat. Mehr Informationen:

4 Infografik Internationale Berufsbildung und Qualifizierung Zahlen und Fakten Die indische Regierung strebt an, 500 Millionen Menschen bis 2020 beruflich auszubilden. Fast jeder vierte deutsche Bildungsanbieter exportierte 2013 Bildungsleistungen. Es gibt weltweit 142 deutsche Auslandsschulen. Die Initiative imove des BMBF vermittelt Unternehmen weltweit deutsche Schulungsanbieter für Aus- und Weiterbildung. Das AHK-Projekt VETnet (Vocational Education & Training) zielt auf die Einführung dualer Elemente in der beruflichen Ausbildung in 11 Ländern, darunter Brasilien, China, Indien und Russland. Mit Büros in 90 Ländern unterstützen die deutschen Außenhandelskammern (AHKs) ihre Mitgliedsunternehmen auch bei der Fachkräftequalifizierung. Das UNESCO-Berufsbildungszentrum UNEVOC unterstützt weltweit die Entwicklung von Berufsbildungssystemen mit über 280 Zentren in 166 Ländern. Rund afrikanische Baumwollbauern profitieren von landwirtschaft lichen Schulungen der von der Otto-Gruppe mitfinanzierten Initia tive Cotton made in Africa.

5 Nachrichten DEG-News Trainingszentren für Verpackungstechnik in Afrika Auf Initiative des deutschen Krones Konzerns entstehen in Kenia, Nigeria und Südafrika praxisorientierte Trainingszentren für Elektrik und Mechanik in der Abfüll- und Verpackungstechnik. In enger Zusammenarbeit mit lokalen Bildungsund Industriepartnern werden dort Fortbildungen und Trainerschulungen sowie duale Ausbildungen zum Industrieelektroniker oder Mechatroniker nach deutschem Vorbild angeboten. Die DEG kofinanziert das Vorhaben aus developpp.de-mitteln. Krones geht davon aus, dass jährlich etwa 150 Personen eine Zusatzausbildung erhalten und weitere 100 durch Multiplikatoren geschult werden können. Wechsel in der DEG-Geschäftsführung Zum 15. Februar 2015 ist Christiane Laibach in die Geschäftsführung der DEG bestellt worden. Dort ist sie unter anderem für den Bereich Deutsche Unternehmen / Förderprogramme zuständig. Zuvor war Laibach Mitglied der Geschäftsführung der KfW IPEX-Bank. Die Diplom- Volkswirtin gehörte seit 1990 der KfW an und hatte verschiedene Führungspositionen in der Export- und Projektfinanzierung inne. In der DEG tritt Christiane Laibach die Nachfolge von Dr. Michael Bornmann an, der nach zehn Jahren aus der Geschäftsführung der DEG ausschied und in den Ruhestand trat. Interesse deutscher Unternehmen an den Märkten in Schwellen- und Entwicklungsländern. Insgesamt hat die DEG 2014 mit ihren Finanzierungen und Förderprogrammen rund 100 deutsche Unternehmen erreicht. DEG Forum exklusiv am 9. Februar 2015 International gefragt: deutsche Verantwortung. Was Unternehmen dazu beitragen war das Thema eines Podiumsgesprächs, zu dem die DEG am 9. Februar 2015 nach Köln einlud. Wie können Unternehmen dazu beitragen, dass deutsche Verantwortung im Ausland in produktiver Weise sichtbar und spürbar wird? Darüber diskutierten vor mehr als 130 Gästen Dr. Peter Ammon, deutscher Botschafter in London, Nikolaus Knauf, Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der Knauf Gips KG, sowie Dr. Reinhold Festge, per sönlich haftender Gesellschafter der Drahtweberei und Maschinenfabrik HAVER & BOECKER OHG und Präsident des Verbandes Deutscher Maschinenund Anlagenbau (VDMA). DEG: Mehr Zusagen für deutsche Unternehmen Die DEG sagte im vergangenen Jahr rund 1,47 Milliarden Euro für die Finanzierung privater Investitionen in Entwicklungsund Schwellenländern zu und konnte damit den Vorjahreswert (2013: 1,45 Milliarden Euro) erneut leicht übertreffen. Besonders erfreulich entwickelten sich die Finanzierungszusagen für deutsche Unternehmen. Diesen stellte die DEG 2014 mit 253 Millionen Euro ein im Vergleich zum Vorjahr um über 66 % gestiegenes Finanzierungsvolumen bereit. Der Zuwachs unterstreicht das gestiegene Moderiert wurde die Veranstaltung von Helmut Rehmsen, WDR, hier im Gespräch mit Dr. Michael Otto. Im Rahmen des Forums wurde auch der scheidende DEG- Geschäftsführer Dr. Michael Bornmann offiziell ver ab schiedet.

6 Was können wir für Sie tun? DEG für deutsche Unternehmen DEG Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbh Kämmergasse Köln Telefon Telefax Redaktion Cordula Rinsche (Ltg.), Anja Strautz, Sabine Huth Gestaltung Werkstudio : Werbung und Design GmbH Bildnachweis Titel: Getty Images Interview: HAVER & BOECKER Fallbeispiel: Christian Berg Nachrichten: DEG, Thomas Brill Rückseite: DEG 2015 DEG Wenn es um das Engagement deutscher Mittelständler in Entwicklungs- und Schwel lenländern geht, sind wir der erste Ansprechpartner. Wir bieten unseren Kunden nicht nur faire Bedingungen und passende Finanzierungsprodukte. Es sind unsere Erfahrung und unser Know-how bei der Umsetzung erfolgreicher Auslandsinvestitionen, die uns auszeichnen. Wir kennen die politischen, kulturellen und rechtlichen Gegebenheiten in den wachstumsstarken Regionen der Welt. Als Tochterunternehmen der KfW Bankengruppe sind wir der Förderung deutscher Unternehmen besonders verpflichtet. Ob Sie als Unternehmer ein Pilotvorhaben in einem neuen Markt planen, Kapital für Ihre Auslandsinvestition benötigen oder Förderprogramme des Bundes nutzen möchten: Die DEG ist Ihr Partner. In der Planungsphase einer Auslandsinvestition helfen wir Ihnen dabei, eine belastbare Basis für eine fundierte In vestitionsentscheidung zu schaffen. Als Kunde profitieren Sie von unseren 14 Standorten in Afrika, Asien, Europa und Lateinamerika. Wir unterstützen Sie bei der Informations- und Kontaktsuche ebenso wie bei der Beurteilung lokaler Partner. Die Finanzierung einer Auslandsinvesti tion muss zum Geschäftsmodell und zur Finanzierungsstrategie des Unternehmens passen. Die DEG bietet maßgeschneiderte langfristige Finanzierungen in Form von Darlehen, Garantien, Mezzanin-Finanzierungen und Beteiligungen. Fördermittel können wir etwa für Machbarkeitsstudien und Pilotvorhaben bereitstellen. Zudem unterstützen wir unterschiedlichste Begleitmaßnahmen. Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern sind vielfach mit Risiken verbunden, die im Vorfeld schwer einzuschätzen sind. Unternehmen können sich auf die DEG verlassen. Wir engagieren uns über die gesamte Laufzeit für Sie und Ihre Investitionen auch in schwierigeren Zeiten.

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