Die Macht der Daten. Berechnetes Leben. Verräterischer Kassenbon. Geld gegen Daten. Überwachte Gesundheit. Big Data im Polizeialltag.

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1 Die Macht der Daten Die ersten Auswirkungen der zunehmenden Digitalisierung spüren wir schon, zum Beispiel Werbung, die genau auf uns zugeschnitten ist. Noch finden wir solche Auswertungen von Big Data praktisch, doch wie wird es in Zukunft sein? Schlittern wir in eine Gesellschaft, in der Algorithmen über unser Schicksal bestimmen? Redaktion: Wolfgang Lemme Berechnetes Leben Chefautor: Ingo Knopf Autoren: Reinhart Brüning, Ulrich Grünewald, Daniel Münter, Mike Schaefer Assistenz: Ursula Heidtmann Verräterischer Kassenbon Geld gegen Daten Überwachte Gesundheit Big Data im Polizeialltag Gläserner Staat Seite 1

2 Berechnetes Leben Wenn Algorithmen die Kontrolle übernehmen Einem Navigationsgerät sollte niemand blind vertrauen. Es basiert auf Algorithmen, die Daten auch mal falsch interpretieren und den Autofahrer anstatt über eine Brücke zu einem Fähranleger leiten. Etliche Autofahrer sind schon im Wasser gelandet. Quarks & Co zeigt, wo Algorithmen in unserem Alltag schon heute eine Rolle spielen und zu welchen Turbulenzen vollautomatische Entscheidungssysteme führen können. Denn längst verlässt sich auch die Finanzwelt auf Rechenmodelle. Filmautor: Ulrich Grünewald Seite 2

3 Verräterischer Kassenbon Wie eine Supermarktkette auf Schwangerschaft testet Die Statistiker der US-amerikanischen Ladenkette Target haben seit Jahren Erfahrungen mit der Auswertung von Big Data: Sie haben einen Algorithmus entwickelt, der aus dem Einkaufsverhalten ihrer Kundinnen Rückschlüsse über eine mögliche Schwangerschaft zieht. So kann Target diese Frauen gezielt mit Werbung für Babykleidung oder Babypflegeprodukte versorgen. Die Daten gewinnen sie dabei aus den Kassenbons, die mit den Daten von Kredit- oder Kundenkarten verknüpft werden. Name, Wohnort, Familienstand und geschätztes Jahreseinkommen all das kann Target mithilfe seiner Datenbank ermitteln und gezielt Werbung verschicken. Filmautor: Reinhart Brüning Seite 3

4 Linktipp Das Projekt FuturICT (engl.) Die Idee von FuturICT ist, mit Hilfe von Big Data umfassende Informationen über unsere Gesellschaft zu erhalten und auf dieser Basis Prozesse zu verbessern. Dabei geht es um praktische Dinge, wie Staus zu vermeiden, aber auch um die ganz großen Probleme, wie Wirtschaftskrisen oder Kriege. Das Projekt bekam keine EU-Förderung soll aber nun als Basisprojekt umgesetzt werden. Lesetipps Big Data. Die Revolution, die unser Leben verändern wird Autoren: Viktor Mayer-Schönberger, Kenneth Cukier Verlagsangaben: Redline Verlag, München, 2013 ISBN: Sonstiges: 300 Seiten, 24,99 Euro Das sehr empfehlenswerte Buch gibt einen systematischen Überblick über das Themenfeld Big Data - angereichert durch viele Beispiele. Die Autoren diskutieren die prinzipiellen Veränderungen und die Risiken durch Big Data. Sie schlagen vor, datensammelnde Konzerne durch strenge Regularien zu kontrollieren. Die Einhaltung dieser Regeln wollen sie durch unabhängige Sachverständige, sogenannte Algorithmiker, überprüfen lassen. Die Berechnung der Welt. Von der Weltformel zu Big Data Autor: Klaus Mainzer Verlagsangaben: C.H.Beck Verlag, München, 2014 ISBN: Sonstiges: 352 Seiten, 24,95 Euro Dem Wissenschaftstheoretiker und Philosoph gelingt mit diesem Buch ein ganz besonderer Wurf. Er betrachtet die Veränderungen, die mit Big Data einhergehen, breit angelegt und systematisch. Dabei blickt er beispielsweise auch auf die moderne Hirnforschung und die Quantenphysik. Sein zentraler Gedanke ist, dass sich unser Blick durch Big Data verändert: Nicht mehr Ursache und Wirkung, Seite 4

5 sondern durch Algorithmen beschriebene Zusammenhänge sollen die Welt erklären. Es ist erstaunlich, dass ein hochaktuelles Thema so präzise und gründlich präsentiert wird. Ein außergewöhnliches Buch! Allerdings ist es für Laien nicht ganz leicht zu lesen. Big Data. Das neue Versprechen der Allwissenheit Herausgeber: Heinrich Geiselberger, Tobias Moorstedt Verlagsangaben: Suhrkamp Verlag, Berlin, 2013 ISBN: Sonstiges: 309 Seiten, 14 Euro Ein Sammelband mit sehr interessanten Diskussionsbeiträgen, die ganz unterschiedliche Facetten des Themas beleuchten. Beispielsweise macht sich Frank Schirrmacher in Der verwettete Mensch Gedanken, was es bedeutet, ein Leben durch die Datenbrille der Zukunft zu betrachten und Dirk Helbing und Michael Hagner diskutieren in Technologiegetriebene Gesellschaft oder Sozial orientierte Technologie? die positiven und negativen Aspekte von Big Data. Big Data. Fluch oder Segen? Unternehmen im Spiegel gesellschaftlichen Wandels Autoren: Ronald Bachmann, Guido Kemper, Thomas Gerzer Verlagsangaben: Hüthing Jehle Rehm Verlag, Heidelberg, 2014 ISBN: Sonstiges: 384 Seiten, 29,99 Euro Praxisorientiertes Buch aus der Perspektive von Unternehmen. Zunächst wird eine allgemeine Einführung in Big Data gegeben und dann Vor- und Nachteile für Unternehmen beleuchtet. Seite 5

6 Die Macht der Gewohnheit. Warum wir tun, was wir tun Autor: Charles Duhigg Verlagsangaben: Piper Verlag, München, 2014 ISBN: Sonstiges: 432 Seiten, 10,99 Euro Das Buch zeigt anhand von vielen Beispielen auf, wie sehr Gewohnheiten unser Leben prägen. Dabei wird deutlich, dass vieles nicht auf aktiven Entscheidungen beruht. Quarks & Co zeigt die von Charles Duhigg recherchierte Geschichte Kassenbon als Schwangerschaftstest. Wer die Geschichte in allen Einzelheiten nachlesen will und darüber hinaus einen Überblick über die Macht unserer Gewohnheit bekommen will, sollte dieses Buch lesen. Seite 6

7 Geld gegen Daten Automatische Kreditvergabe In der Regel kostet es Zeit und Mühe, sich Geld zu leihen. Banken sichern sich ab, bevor sie einen Kredit vergeben: Sie wollen einen genauen Überblick über die finanzielle Situation ihres Kunden, verlangen Einkommensbelege und sonstige Papiere. Außerdem informieren sie sich bei der Auskunftei Schufa über seine Kreditwürdigkeit. Jetzt kann man sich jedoch leichter Geld leihen bei einer Internetfirma. Der Algorithmus dieses Unternehmens wertet in Sekundenschnelle die verfügbaren Daten des Kunden aus: Einträge in sozialen Netzwerken, Online- Einkaufsverhalten und sogar die Konfiguration des Computers spielen eine Rolle. Wie der Algorithmus die Kreditwürdigkeit berechnet, können selbst die Computer- Experten der Firma nicht mehr nachvollziehen, Filmautor: Ulrich Grünewald Seite 7

8 Überwachte Gesundheit Fit für die Zukunft? Immer mehr Menschen begeistern sich für das sogenannte Selbstvermessen: Sie sammeln mithilfe des Internets statistische Daten über sich selbst vor allem über ihre Fitness und Gesundheit. Die Quantified-Self-Bewegung nutzt dafür Programme für den Computer oder das Smartphone, die das regelmäßig und vollautomatisch erledigen. Puls, Blutdruck, Atmung viele Körperfunktionen können so rund um die Uhr überwacht und ausgewertet werden. Noch sind es in erster Linie Sportler, die solche Angebote nutzen. Doch der gesundheitliche Dauercheck könnte künftig zur Norm werden. Das würde beispielsweise auch Krankenkassen helfen, Geld zu sparen. Filmautor: Reinhart Brüning Linktipp: Mehr über die Quantified-Self-Bewegung in Deutschland Es gibt bereits eine weltweit organisierte Quantified-Self-Bewegung. Auch in mehreren deutschen Großstädten gibt es Selbstvermessungs-Regionalgruppen. Seite 8

9 Big Data im Polizeialltag Wie der Computer Verbrechen vorhersagt Lässt sich das Verhalten von Einbrechern und Gewalttätern mithilfe von Big Data vorhersagen? In Großbritannien und vor allem den USA sind viele Kommunen davon überzeugt. Dort fährt die Polizei nicht mehr nach Bauchgefühl Streife sondern nach den Prognosen des Polizeicomputers. Er ermittelt aus Daten über Tatorte und Sozialstruktur eines Stadtviertels mögliche Hotspots für Einbrüche. Neue Computersysteme ermöglichen auch noch ganz andere Verbrechensvorhersagen: Die Polizei von morgen will Täter stoppen, bevor sie aktiv werden. Filmautor: Mike Schaefer Linktipps Polizei-Prävention: EU-Forschungsprojekt CAPER Beim EU Forschungsprojekt CAPER werden Computerprogramme und - systeme entwickelt und getestet, die präventive Gegenmaßnahmen im Bereich der organisierten Kriminalität erleichtern sollen. Noch gibt es nicht allzu viele konkrete Informationen zu Details, aber Daten aus dem Internet über Zielpersonen, die die Fahnder im Visier haben, sollen in einer bislang noch nicht möglichen Form abschöpfbar, zusammenführ- und analysierbar werden, damit potentielle künftige Seite 9

10 Straftaten dieser Person besser prognostiziert werden könnten. In englischer Sprache. Polizei-Prävention: EU-Forschungsprojekt PROACTIVE Beim EU-Forschungsprojekt PROACTIVE sollen neue Möglichkeiten der Terrorabwehr durch Beobachtung des öffentlichen Raums durch Sensoren (meist Videokameras) erkundet werden. Noch gibt es nicht allzu viele konkrete Informationen zu Details, aber die Daten aus den Sensoren sollen dabei von Computersystemen analysiert werden. Die Aufgabe der Computer ist es dann, unnormales Verhalten von Personen zu detektieren, zu analysieren, und bei einem potentiellen Ernstfall auch sofort die bestmöglichen Gegenmaßnahmen vorzuschlagen. In englischer Sprache. Seite 10

11 Gläserner Staat Die Vision der Open Data-Aktivisten Behörden, öffentliche Unternehmen und Regierungsstellen lagern unzählige Daten auf ihren Servern, auf die Bürger normalerweise keinen Zugriff haben. Das will ein gemeinnütziger Verein aus Berlin ändern. Denn so sehen es die Aktivisten der Open Knowledge Foundation die Daten gehören den Bürgern. Sie sollten deshalb öffentlich zugänglich sein. Die Aktivisten betreuen unter anderem die Internetplattform Frag den Staat, über die jeder Bürger Behörden-Daten anfordern kann. Außerdem bereiten sie öffentliche Daten auf, um wichtige Zusammenhänge darin zu entdecken. Filmautor: Daniel Münter Linktipp: Open Knowledge Foundation Deutschland Homepage der Open Knowledge Foundation Deutschland. Die OKFN ist ein gemeinnütziger Verein, der sich nach eigener Darstellung für offenes Wissen, offene Daten, Transparenz und Beteiligung einsetzt. Wichtige Projekte widmen sich der Öffnung und grafischen Aufbereitung von Daten öffentlicher Verwaltungen und Behörden, zum Beispiel: "Frag den Staat", "Offener Haushalt" und "Offenes Parlament". Seite 11

12 Impressum: Herausgeber: Westdeutscher Rundfunk Köln Verantwortlich: Quarks & Co Claudia Heiss Redaktion: Wolfgang Lemme Gestaltung: Designbureau Kremer & Mahler, Köln Bildrechte: Alle: WDR WDR 2014 Seite 12

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