Kinder brauchen Kinder

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1 Vortrag im Rahmen der Fachtagung Partizipation in der Frühpädagogik im CJD Wolfsburg am 21./22. März 2014

2 Gliederung des Vortrags Bedeutung von Peer-Beziehung für Partizipation Was Kinder in den ersten drei Lebensjahren in der sozialen Interaktion mit Gleichaltrigen lernen Was Kinder über drei Jahren in der sozialen Interaktion mit Gleichaltrigen lernen Was Kinder durch Konflikte lernen

3 Wenn es um Partizipation geht, stellt sich immer auch die Frage nach der Verteilung von Entscheidungsbefugnissen und damit die Frage nach der Machtverteilung zwischen Erwachsenen und Kindern. (Hansen, Knauer & Sturzenhecker 2011, S. 20)

4 Die Ko-Konstruktion von Wirklichkeit Weil Erwachsene ihre Einsichten bereits konstruiert haben, können sie sich nur schwer auf eine wirkliche Diskussion, auf einen gleichberechtigten Austausch mit Kindern einlassen (vgl. Youniss 1994). In Aushandlungsprozessen zwischen Gleichen werden geteilte Bedeutungen hergestellt und Wissen über Moral, Freundschaft und Identität sowie Fähigkeiten zur Perspektivenübernahme erworben (vgl. Youniss 1994).

5 Die Ko-Konstruktion von Wirklichkeit Bei Interaktionen zwischen Gleichaltrigen handelt es sich um einen symmetrischen und ergebnisoffenen Aushandlungsprozess und dies gilt als eine Voraussetzung für Partizipation (vgl. Hansen, Knauer & Sturzenhecker 2011, S. 22). Aushandlungsprozesse dieser Art ermöglichen wirkliche Einsicht und ein Verständnis für demokratisches Zusammenleben.

6 Kinder in den ersten drei Lebensjahren Der Eintritt in die soziale Kinderwelt Sozial gerichtete Verhaltensweisen (SDB) Nachahmung Anbieten von Gegenständen Initiieren einfacher sozialer Spiele - Handlungen, die Teil eines bekannten Spiels sind - Handlungen, die außerhalb des Spielkontextes keine festgelegte Bedeutung haben

7 Die Frühstückszeit geht langsam zu Ende. Die meisten Kinder sind schon vom Tisch aufgestanden und finden sich nach dem obligatorischen Händewaschen wieder im Raum der Nestgruppe ein. Marwan hat sich sofort in das kleine Zelt zurückgezogen. Als Kai neugierig hineinlugt, lacht Marwan und freut sich, dass Kai prompt zu ihm hineinkrabbelt. Die beiden beginnen ein Spiel: abwechselnd krabbeln sie aus dem Zelt heraus und rennen einmal herum, um dann wieder hinein zu krabbeln und dem Anderen bei der gleichen Aktion zuzusehen. Marwan hat die Idee, beim Herumlaufen einmal kurz von hinten auf das Zelt zu schlagen. Dies wird sofort von Kai aufgegriffen und imitiert. Gut, das genug Platz für dieses raumgreifende Spiel vorhanden ist. (Völkel 2009, S.55f)

8 Kinder im Kindergartenalter Komplexere inhaltliche Themen stehen im Mittelpunkt: Identität, Moral, Werte und Normen, Regeln, Fairness, Gerechtigkeit, Solidarität, Freundschaft Ko-Konstruktion ermöglicht die Erkenntnis, dass Bedürfnisse verschieden sind und Absichten und Regeln ausgehandelt werden müssen. (Krappmann 1991, S. 362) Hierin sind Grundvoraussetzungen für Partizipation und Demokratie zu erkennen.

9 Einige Mädchen beschweren sich bei der Erzieherin darüber, dass sie nie in der Bauecke spielen können, weil die Jungen diese immer besetzen. Die Erzieherin nimmt das Anliegen der Mädchen ernst und fordert sie auf ein Gespräch mit den Jungen zu suchen. Sie selbst nimmt dabei die Rolle einer Moderatorin ein. (Vgl. Völkel 2002, S. 72f)

10 Konflikte Konflikte können als Interessensgegensätze zwischen verschiedenen Personen oder Gruppen verstanden werden. Konflikte ermöglichen es, sich als eigenständige Person mit eigenen Interessen und Bedürfnissen wahrzunehmen, die sich zuweilen von den Interessen und Bedürfnissen anderer unterscheiden. Konflikte ermöglichen das Entdecken neuer Sichtweisen auf die Dinge und das Experimentieren damit.

11 In einem Kindergarten gibt es im Garten eine geringe Anzahl von Dreirädern, die von den Kindern sehr gerne benutzt werden. Felix befindet sich bereits im Garten, fährt schon eine Weile auf dem Dreirad und hat viel Spaß dabei. Jan ist erst später in den Garten gekommen, als alle Dreiräder bereits besetzt waren. Er versucht nun das Dreirad von Felix zu bekommen, indem er ihn zunächst darum bittet. Als diese Bitte nicht zum Erfolg führt, stellt er sich so vor das Dreirad, dass Felix nicht mehr fahren kann. Hilfe suchend wenden sich beide Kinder an die Erzieherin. (Völkel & Großmann 2003, S. 90)

12 Was kann die Erzieherin den Kindern vermitteln? Tja, wer zuerst kommt, mahlt zuerst. So Felix, du hast jetzt lange genug auf dem Dreirad gesessen, jetzt ist der Jan auch mal an der Reihe. Wenn ihr euch nicht einigen könnt, dann ist mit dem Dreiradfahren heute für euch beide Schluss. Jan, du würdest so gerne Dreirad fahren, aber alle Dreiräder sind besetzt. Das ärgert dich, oder? Felix, dir macht das Dreiradfahren so viel Spaß, dass du gar nicht aufhören magst. Was können wir denn da machen?

13 Fazit: Verhandlungen mit Gleichaltrigen bieten beste Voraussetzungen, um die Erfahrung von demokratischer Teilhabe zu ermöglichen

14

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