Prof. Christian Nimtz //
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- Claudia Burgstaller
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1 Programm Prof. Christian Nimtz // Theoretische Philosophie der Gegenwart Teil V: Religionsphilosophie Gott und seine Natur 1. Der Ausdruck Gott 2. Gott, Gott und Gottes Natur 3. Eigenschaften Gottes: die personale Natur 4. Eigenschaften Gottes: Ewigkeit 5. Eigenschaften Gottes: Allmacht 2. Gott und seine Natur 3. Existiert Gott? Existiert Gott? 1. Gottesbeweise 2. Der ontologische Gottesbeweis 3. Das Problem des Übels 1. Der Ausdruck Gott Die Frage nach Begriff und Natur Gottes Gott und seine Natur Wie genau ist der Ausdruck Gott zu verstehen? Welches sind die wesentlichen Eigenschaften Gottes? Was ist Gottes Natur?
2 1. Gott, Gott und Gottes Natur Problem Wir wollen der Frage nachgehen, wie Gott ist, ohne schon vorauszusetzen, dass er existiert. Wie machen wir das? 1. Erinnerung an Frege: Eigennamen Ein singulärer Term (Frege: Eigenname) ist ein Ausdruck, der genau einen Gegenstand bezeichnet (wenn er überhaupt etwas bezeichnet). Beispiele: Moskau, Nanga Parbat, die Sonne Lösung Wir bestimmen die wesentlichen Merkmale des Ausdrucks Gott. Denn dass es den Ausdruck gibt und wir ihm etwas Bestimmtes meinen, ist klar. Und natürlich kann es den Ausdruck geben, ohne dass dieser etwas bezeichnet. Was sind die Merkmale des Ausdrucks Gott? Ein Begriffswort ist ein Ausdruck, der einen Begriff oder eine Beziehung bezeichnet (wenn er überhaupt etwas bezeichnet). Beispiele: ist rot, liegt zwischen, ist eine Sonne Gott ist ein singulärer Term (ein Eigenname im Sinne Frege), kein Begriffswort 1. Erinnerung an Frege: Sinn und Bedeutung Singuläre Terme haben einen Sinn und eine Bedeutung. 2. Gott, Gott und Gottes Natur Der Sinn von die Zahl eins ist der Nachfolger der Zahl null. Ein Eigenname (...) drückt aus seinen Sinn, bedeutet oder bezeichnet seine Bedeutung. (SB 31) die Zahl eins bezeichnet den Nachfolger der Zahl null. Die Zahl eins = der Nachfolger der Zahl Null ist analytisch wahr Die Bedeutung ist der bezeichnete Gegenstand (das, was bezeichnet wird). Der Sinn ist der Inhalt oder Gehalt des Eigennamens (die Art und Weise, wie der singuläre Term seinen Bezugsgegenstand herausgreift) Der Sinn von Gott ist derjenige, der so und so ist Gott bezeichnet denjenigen, der so und so ist Gott = derjenige, der so und so ist ist analytisch wahr Wir wollen den Sinn des Ausdrucks Gott ausbuchstabieren. Dazu müssen wir die im Sinn enthaltenen notwendigen und hinreichenden Bedingungen angeben. Also: Was ist der Sinn des Ausdrucks Gott? Welche analytischen Wahrheiten kennen wir über Gott?
3 2. Gott, Gott und Gottes Natur Kandidaten für analytische Wahrheiten (...) Gott ist allmächtig, allwissend und allgütig. Gott ist der Schöpfer des Himmels und der Erde Gott ist ewig, unveränderlich und immateriell Gott existiert notwendig Gott ist es wert, angebetet zu werden Gott bezeichnet denjenigen, der allmächtig ist & allwissend ist & allgütig ist & Schöpfer des Himmels und der Erde ist & ewig ist & unveränderlich ist & immateriell ist & notwendig existiert (...) & wert ist, angebetet zu werden. 2. Gott, Gott und Gottes Natur Könnte sich nicht herausstellen, dass Gott Himmel und Erde nicht geschaffen hat? Kann man nicht ohne Selbstwiderspruch bestreiten, dass Gott es wert ist, angebetet zu werden? Idee: Der Sinn unseres Ausdrucks Gott besteht nicht in einer Liste von Eigenschaften. Der Sinn des Ausdrucks erschöpft sich vielmehr in einer einzigen fundamentalen Eigenschaft, aus der die anderen Eigenschaften folgen, die wir Gott zuschreiben. Frage: Welches ist die fundamentale Eigenschaft, die den Sinn des Ausdrucks Gott ausmacht? 2. Gott, Gott und Gottes Natur Anselm von Canterbury ( ) im Proslogion : Gott bezeichnet dasjenige, über dem Höheres (Besseres, Größeres) nicht gedacht werden kann. [id] quo nihil maius cogitari possit / id quo maius cogitari nequit 2. Was sind Vollkommenheiten? Die Eigenschaft F ist eine Vollkommenheit, wenn gilt: F ist eine perfekte, nicht weiter steigerbare Eigenschaft F zu haben ist intrinsisch gut extrinsisch gut: groß zu sein ist eine für Basketballspieler gute Eigenschaft Gott bezeichnet dasjenige Wesen, welches alle Vollkommenheiten hat. Es ist gar nicht von vornherein klar, welche Eigenschaften wir Gott zuschreiben. Welches dies sind, ist zu klären. Klar und analytisch ist allein, dass Gott dasjenige ist, über dem Höheres nicht gedacht werden kann. intrinsisch gut: glücklich zu sein ist eine an und für sich gute Eigenschaft keine Vollkommenheiten: maximal schwer zu sein, maximal zornig zu sein Vollkommenheiten: allwissend zu sein, allmächtig zu sein Die Eigenschaften Gottes sind nicht unabhängig voneinander. Die Vollkommenheiten Gottes müssen miteinander verträglich sein
4 3. Eigenschaften Gottes: die personale Natur Gott ist eine Person, denn er hat emotionale mentale Zustände wie Zorn, Reue oder Vergeltungssucht. er hat kognitive mentale Zustände wie Interesse, Wahrnehmung, Wissen. 3. Eigenschaften Gottes: die personale Natur Gott ist keine Person, denn Gott ist ewig, unveränderlich und immateriell. Lösung (?): Wenn wir Gott als ewig, unveränderlich und immateriell bezeichnen, dann sind diese Ausdrücke im üblichen Wortsinn zu verstehen. er kommuniziert sprachlich ( Gott sprach zu Abraham: Gehorche der Sara in allem, was sie zu dir sagt 1 Mose 21.12). er ist ein zuhörendes Gegenüber im Gebet. Wenn wir Gott als zornig etc. bezeichnen, dann sind diese Ausdrücke nicht im üblichen Wortsinn zu verstehen, sondern als Analogien oder metaphorisch. Aber wie sind sie dann genau zu verstehen? Eigenschaften Gottes: Ewigkeit 4. Eigenschaften Gottes: Ewigkeit Gott ist ewig Erste Lesart: Gott existiert zu jedem Zeitpunk t Gottes Außerzeitlichkeit passt gut zur Annahme, er sei ewig, unveränderlich und immateriell und existiere notwendig. Gott existiert wie alle anderen Dinge auch in der Zeit. Nur die Zeitspanne, die er existiert, ist maximal. Zweite Lesart: Gott existiert außerhalb der Zeit. Aber: Wie kann etwas Außerzeitliches auch nur in metaphorischer oder analoger Hinsicht die Eigenschaften einer Person haben? Und wie kann etwas Außerzeitliches in den Lauf der Welt eingreifen? Wer sagt Gott existierte im Jahr 2006 begeht einen Kategorienfehler. Gott ist außerzeitlich, ähnlich wie die Zahl 23 außerzeitlich ist
5 5. Eigenschaften Gottes: Allmacht Gott ist allmächtig 5. Eigenschaften Gottes: Allmacht Erste Frage: Welcher Mechanismus liegt dem Wirken Gottes zugrunde? Erste Lesart: Gott kann absolut alles. D.h. für jedes p kann Gott machen, dass p der Fall ist. Wie wirkt Gott auf die Welt ein? Wie kann etwas, dass immaterielle und außerzeitlich ist, kausalen Einfluss auf Umstände in der Welt haben? Gott kann machen, dass die Sonne um die Erde kreist. Gott kann Wasser in Wein verwandeln. Antwort (?): Ein allmächtiges Wesen braucht keinen vermittelnden Mechanismus, um beliebige Umstände hervorbringen. Gott kann machen, dass Liechtenstein Fußballweltmeister 2014 wird. Zweite Frage: Kann Gott wirklich absolut alles? 5. Eigenschaften Gottes: Allmacht Kann Gott die Vergangenheit ändern? Kann Gott machen, dass Liechtenstein Fußballweltmeister 2010 war? Kann Gott seine eigenen Eigenschaften ändern? Kann Gott machen, dass er, Gott, endlich ist? Kann Gott logische oder begriffliche Wahrheiten ändern? Kann Gott machen, dass Wenn p, dann p falsch ist? Kann Gott einen eckigen Kreis schaffen? Kann Gott für sich selbst unmöglich Aufgaben schaffen? Kann Gott einen Stein schaffen, der so schwer ist, dass ihn niemand hochheben kann nicht einmal Gott selbst? 5. Eigenschaften Gottes: Allmacht Zweite Lesart: Gott kann absolut alles, was überhaupt möglich ist. Genauer: Gott kann machen, dass p der Fall ist gdw. gilt: p ist möglich und das Bestehen von p ist mit Gottes Natur vereinbar. Gott kann weder gegen begriffliche Wahrheiten oder die Gesetze der Logik verstoßen, noch wider seine eigene Natur handeln. Gottes Macht ist also durch die Gesetze der Logik und seine eigene Natur begrenzt. Folgt damit nicht, dass Gott gar nicht wirklich allmächtig ist? Eine Position: Das folgt nicht. Gott ist allmächtig heißt nicht, dass Gott absolut alles kann. Gott ist allmächtig heißt, dass Gott soviel Macht hat, dass diese nicht mehr steigerbar ist
6 1. Gottesbeweise Die Frage nach der Existenz Gottes Existiert Gott? Haben wir überzeugende empirische oder a priorische Gründe genauer: epistemische Gründe dieser Art für die Existenz Gottes? Gibt es gute Gründe für die These, Gott existiere nicht? 1. Was ist ein Gottesbeweis? Argument, welches ohne die Voraussetzung geoffenbarter Wahrheiten oder theologischer Dogmen zu beweisen versucht, dass Gott existiert. Nach Hügli & Lübcke: Philosophielexikon. Reinbek 1991, S. 244 Das Wort Beweis ist zu stark. In der Regel geht es nicht um strikte Beweise, sondern um überzeugende Argumente. 1. Gottesbeweise Der kosmologische Gottesbeweis Allein aus der Tatsache, dass die Welt existiert, bzw. aus einigen allgemeinen Tatsachen in der Welt können wir auf die Existenz Gottes schließen. Der teleologische Gottesbeweis Aus der Tatsache, dass die Welt wohl geordnet ist bzw. dass sie auf Zwecke gerichtete Wesen enthält, können wir auf die Existenz Gottes schließen. Der ontologische Gottesbeweis Aus dem Begriff Gottes können wir, unter Rückgriff auf weitere a priori einsehbare Wahrheiten, auf die Existenz Gottes schließen
7 2. Anselms ontologischer Gottesbeweis Anselm von Canterbury ( ) entwickelt im Proslogion ein a priori Argument für die Existenz Gottes. Erster Schritt: Gott bezeichnet dasjenige, über dem nichts Höheres gedacht werden kann. Also, Herr, der Du die Glaubenseinsicht gibst, verleihe mir, dass ich, soweit Du es nützlich weißt, einsehe, dass Du bist, wie wir glauben, und das bist, was wir glauben. [1] Und zwar glauben wir, dass Du etwas bist, über dem nichts Größeres gedacht werden kann. 2. Anselms ontologischer Gottesbeweis Zweiter Schritt: Weil wir den Ausdruck Gott verstehen, existiert Gott d.h. dasjenige, über dem Höheres (Besseres, Größeres) nicht gedacht werden kann im Verstand. [2] Gibt es also ein solches Wesen nicht, weil der Tor in seinem Herzen gesprochen hat: es ist kein Gott [Ps 13,1; 52,1]? Aber sicherlich, wenn dieser Tor eben das hört, was ich sage: etwas, über dem nichts Größeres gedacht werden kann, versteht er, was er hört; und was er versteht, ist in seinem Verstand, auch wenn er nicht einsieht, dass jenes in Wirklichkeit existiert. Denn ein anderes ist es, dass ein Ding im Verstand ist, ein anderes, einzusehen, dass das Ding in Wirklichkeit existiert. 2. Anselms ontologischer Gottesbeweis Denn wenn ein Maler vorausdenkt, was er schaffen wird, hat er jenes zwar im Verstand, erkennt aber noch nicht, dass in Wirklichkeit existiert, was er noch nicht geschaffen hat. Wenn er es aber schon gemalt hat, hat er sowohl im Verstande, als er auch einsieht, dass in Wirklichkeit existiert, was er bereits geschaffen hat. [3] So wird also auch der Tor überführt, dass wenigstens im Verstand etwas ist, über dem nichts Größeres gedacht werden kann, weil er das versteht, wenn er es hört, und was immer verstanden wird, ist im Verstand. 2. Anselms ontologischer Gottesbeweis Dritter Schritt: Anzunehmen, Gott existiere nur im Verstand und nicht in Wirklichkeit, führt in einen Widerspruch. Also existiert Gott (d.h. dasjenige, über dem Höheres nicht gedacht werden kann) sowohl im Verstand als auch in Wirklichkeit. [4] Und sicherlich kann das, über dem Größeres nicht gedacht werden kann, nicht im Verstand allein sein. Denn wenn es wenigstens allein im Verstand ist, kann gedacht werden, dass es auch in Wirklichkeit existiert was größer ist. Wenn also das, über dem Größeres nicht gedacht werden kann, allein im Verstand ist, so ist eben das, über dem Größeres nicht gedacht werden kann, etwas, über dem doch ein Größeres gedacht werden kann. Das aber kann gewiss nicht sein. [5] Es existiert also ohne Zweifel etwas, über dem Größeres nicht gedacht werden kann, sowohl im Verstand als auch in Wirklichkeit
8 2. Anselms ontologischer Gottesbeweis Übersicht 1 Gott = df dasjenige, über dem nichts Größeres gedacht werden kann. 2 Wenn jemand den Ausdruck dasjenige, über dem nichts Größeres gedacht werden kann versteht, dann ist dasjenige, über dem nichts Größeres gedacht werden kann, in seinem Verstand. (Existenz im Verstand ist etwas anderes als Existenz in Wirklichkeit.) Also: 3 Dasjenige, über dem nichts Größeres gedacht werden kann, existiert im Verstand. Dass muss sogar der Atheist zugeben. Denn der sagt ja Gott, d.h. dasjenige über dem nichts Größeres gedacht werden kann, existiert nicht 4 Die Annahme, dasjenige, über dem nichts Größeres gedacht werden kann existiert nur im Verstand und nicht in Wirklichkeit, führt in einen Widerspruch. 2. Anselms ontologischer Gottesbeweis Übersicht Also: 5 Dasjenige, über dem nichts Größeres gedacht werden kann, existiert im Verstand und in Wirklichkeit. Wie genau funktioniert der Widerspruchsbeweis in 4? i Dasjenige, über dem nichts Höheres gedacht werden kann, existiert nur im Verstand und nicht in Wirklichkeit. (Annahme) ii Folgendes kann gedacht werden: dasjenige, über dem nichts Höheres gedacht werden kann, ist so wie es tatsächlich ist und es existiert nicht nur im Verstand, sondern auch in Wirklichkeit. iii Ein Wesen das im Verstand und in Wirklichkeit existiert ist größer als ein Wesen, das nur im Verstand existiert. Also: Man kann etwas denken, was größer ist als dasjenige, über dem nichts Höheres gedacht werden. (Widerspruch) 2. Überzeugt Anselms Beweis? Eine Einschätzung Der Schritt 3 ist überzeugend. Man kann tatsächlich nicht widerspruchsfrei behaupten, Gott existiere nur im Geist und nicht in Wirklichkeit. Die Schwachstelle des Arguments ist der Schritt 2. Folgendes stimmt nicht: Wenn jemand einen Namen verstehe, dann existiert das Bezugsobjekt des Namens im Geist der Person. Was stimmt ist dies: Wenn jemand einen Namen versteht, dann existiert eine Repräsentation des Bezugsobjektes im Geist der Person. Das reicht für den Schritt 3 aber nicht aus. Denn Folgendes ist kein Widerspruch: Im Geist von Herrn Meier existiert eine Repräsentation Gottes, aber Gott existiert nicht. 3. Wie kann man gegen die Existenz Gottes argumentieren? Klassische Idee: Man muss eine Tatsache finden, die mit der Existenz Gottes unvereinbar ist. Dann kann man wie folgt schließen: 1 Die Tatsache p besteht. 2 Das Bestehen der Tatsache p ist mit der Existenz Gottes logisch unvereinbar. Also: Gott existiert nicht Das unter dem Titel Problem des Übels (problem of evil) verhandelte Problem wird oft als ein Argument dieser Form verstanden
9 3. Das Problem des Übels Epikur ( v.chr.) schreibt: Gott will entweder die Übel aufheben und kann nicht; oder Gott kann und will nicht; oder Gott will nicht und kann nicht; oder Gott will und kann. Wenn Gott will und nicht kann, so ist er ohnmächtig; und das widerstreitet dem Begriffe Gottes. Wenn Gott kann und nicht will, so ist er missgünstig, und das ist gleichfalls mit Gott unvereinbar. Wenn Gott nicht will und nicht kann, so ist er missgünstig und ohnmächtig zugleich, und darum auch nicht Gott. Wenn Gott will und kann, was sich allein für die Gottheit geziemt, woher sind dann die Übel, und warum nimmt er sie nicht hinweg? 6. Das Problem des Übels: Logische Verträglichkeit Epikur argumentiert dafür, dass die folgenden beiden Aussagen logisch miteinander unvereinbar sind: 1 In der Welt gibt es sehr viel sehr großes Leid. 2 Es gibt einen allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gott. Stimmt das? Aus Laktanz: Vom Zorne Gottes (De ira dei), Abs.13 Des Lucius Caelius Firmianus Lactantius Schriften. Aus dem Lateinischen übersetzt von Aloys Hartl. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 36) München Das Problem des Übels: Logische Verträglichkeit Zwei Aussagen sind logisch unvereinbar, wenn sie einander logisch widersprechen (eine ist oder impliziert die Negation der anderen). Dieser Ball ist rot. Dieser Ball ist nicht rot. In diesem Sinne sind (1) und (2) nicht unvereinbar. Zwei Aussagen sind auch dann logisch unvereinbar, wenn sich aus ihnen und analytisch wahren Aussagen eine Aussage und ihre Negation ableiten lässt. Das gilt z.b. für die Aussagen Dieser Ball ist rot. Dieser Ball ist nicht farbig. In diesem Sinn könnten 1 und 2 sehr wohl miteinander unvereinbar sein. 6. Das Problem des Übels: Logische Verträglichkeit Also: Sind die beiden Aussagen logisch unvereinbar? 1 In der Welt gibt es sehr viel sehr großes Leid. 2 Es gibt einen allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gott. Sie wären es, wenn die Aussage analytisch wahr wäre: 3 Ein allmächtiger, allwissender und allgütiger Gott würde so viel so großes Leid in der Welt verhindern Aber: Auch ein allmächtiges Wesen kann nur tun, was logisch möglich ist. Wenn bestimmtes Leid logisch notwendig dafür ist, dass ein bestimmtes höherwertiges Gut entsteht, dann muss Gott dieses Leid um des höheren Gutes willen zulassen. Analytisch wahr ist also nur der folgende Satz: 3* Ein allmächtiger, allwissender und allgütiger Gott würde alles Leid verhindern, das nicht zur Erlangung höherwertiger Güter logisch notwendig ist
10 6. Das Problem des Übels: Logische Verträglichkeit Ende Man kann einen Widerspruch zwischen 1 und 2 vermeiden. Allerdings muss man dazu wohl die folgende These vertreten: 4 Alles in der Welt vorhandene Leid ist zur Erlangung höherwertiger Güter logisch notwendig. Es reicht nicht zu zeigen, dass man prinzipiell Leid zur Erlangung höherwertiger Güter in Kauf nehmen muss. Man muss vielmehr zeigen, dass jedes einzelne Leid zur Erlangung höherwertiger Güter notwendig ist. Epikur hat Unrecht. Es gibt keinen direkten logischen Widerspruch zwischen Gottes Existenz und dem Vorkommen von so viel großem Leid in der Welt. Ob sich ein Widerspruch ergibt, hängt davon ab, ob sich die These 4 rechtfertigen lässt
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