Integration auf dem Prüfstand: Begriffe sortieren
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- Margarete Fried
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1 Integration auf dem Prüfstand: Begriffe sortieren Integration normativ/als politisches Ziel Integration analytisch/als Beschreibung der Situation von Einwanderern in der Aufnahmegesellschaft Integration der ganzen Gesellschaft Integration von Individuen + Gruppen in die Gesellschaft
2 INTEGRATION Als politische Aufgabe zielt Integration darauf ab, Zuwanderern eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen Leben unter Respektierung kultureller Vielfalt zu ermöglichen. (Unabhängige Kommission Zuwanderung 2001) Bundesinnenminister Schily 2002: Integration hat die Einbeziehung in den deutschen Kulturraum zum Ziel - Die beste Form der Integration ist Assimilierung. Integration (oder Assimilation) liegt vor, wenn ethnische Zugehörigkeit für den Zugang zu den zentralen gesellschaftlichen Gütern irrelevant geworden ist.
3 Integration analytisch, ihre Dimensionen strukturelle Integration: Erwerb von Rechten und Zugängen zu Kernstrukturen der Aufnahmegesellschaft wie dem Bildungssystem und dem Arbeitsmarkt, dem Wohnungsmarkt und der politischen Willensbildung. kulturelle Integration: Sprachkenntnisse, Kenntnisse alltäglicher Verhaltensweisen, Einstellungen, Werte und Normen soziale Integration: Freundschaften, Partnerschaften etc. identifikative Integration: subjektiv empfundene Zugehörigkeit zur Aufnahmegesellschaft
4 Kontrovers: Liegt Integration erst dann vor, wenn in allen vier Bereichen eine Annäherung erreicht wurde? Hängt strukturelle Integration von kultureller und sozialer Integration ab? Muss im Interesse des gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalts die Integration der MigrantInnen in allen Bereichen angestrebt werden? Wer ist für Integrationsdefizite verantwortlich, wer muss die Integrationsleistungen erbringen? Wer darf Anpassung verlangen, wer Teilhabe einfordern?
5 Kulturelle Anpassung im Interesse der gesamtgesellschaftl. Integration: Einen inneren Separatismus, der auf kulturellen Trennungen beruht, hält eine Gesellschaft nicht aus. Weder kann eine Demokratie rechtsfreie Räume noch kann sie Parallelgesellschaft dulden. [ ] keine Kultur darf sich aus dem gesellschaftlichen Gefüge herauslösen. Bundeskanzler Schröder anlässlich der Preisverleihung für Verständigung und Toleranz an Johannes Rau, 20. Nov. 2004
6 Wer bestimmt die vorherrschenden Regeln? CDU und CSU 2001: Zuwanderer sind verpflichtet, sich aktiv um Einordnung und Teilnahme am Zusammenleben zu bemühen; sie hätten die Normen und Gepflogenheiten, denen sich die einheimische Bevölkerung verpflichtet fühlt, zu akzeptieren, sich in den bei uns für das Zusammenleben geltenden Werte- und Ordnungsrahmen einzuordnen. Jutta Limbach: unter Grundgesetz ist Streben nach geistiggeistlicher Vorherrschaft im Sinne einer Leitkultur fehl am Platz normative Grundüberzeugungen, Grundwerte der Verfassung
7 Integrationspolitik Rhetorik und reale Maßnahmen Keine neue Zielstellung, aber Definition und Mittel ändern sich Selektive Integrationspolitik: Integriert werden sollen die auf Dauer bei uns lebenden Zuwanderer, die sich zu unseren Verfassungswerten bekennen
8 Mögliche Ziele von Integrationspolitik friedliches Zusammenleben individuelle Handlungsfähigkeit (Beratung, Kurse) Zugang zu Bildung, Arbeit Verbesserung der Rechtsposition (Einbürgerung) Bekämpfung von Diskriminierung Partizipation
9 Wirkungen von Integrationspolitik??? möglich sind Aussagen über Stand von Integrationsprozessen Diese hängen aber von vielen Faktoren ab, sind u.a. Leistung der MigrantInnen selbst und nicht unbedingt Ergebnis staatlicher Integrationspolitik
10 Absolventen und Absolventinnen des Schuljahres 2001/2002 nach Abschlussarten Gesamt Deutsche Ausländer Mit allgemeiner Hochschulreife 23,9% 25,1% 9,6% Mit Fachhochschulreife 1,3% 1,3% 1,5% Mit Realschulabschluss 40,2% 41,2% 28,8% Mit Hauptschulabschluss 25,5% 24,1% 40,8% Ohne Hauptschulabschluss Gesamt 9,1% 100% 8,2% 100% 19,5% 100%
11 Deutsche und ausländische Absolventinnen und Absolventen nach Abschlussarten und Anteilen in Deutschland im Entlassungsjahr 2003 (in %)
12 Berufliche Bildungsabschlüsse ausländischer Frauen und Männer nach Alterskohorten in Deutschland im März 2004 (in %)
13 Erwerbsbeteiligung von deutschen und ausländischen¹ Frauen und Männern (15- bis 64-Jährige) in Deutschland 1991 und 2004 (in und in %)
14 Beschäftigungsquoten von Deutschen, Aussiedlern, Türken, Ausländern insgesamt und allen im Ausland Geborenen Frauen (OECD-Studie 2005)
15 Freizeitkontakte zu Deutschen Wie oft treffen Sie sich in Ihrer Freizeit mit Deutschen? Türken Total Männer Frauen Basis Täglich 16,8 17,5 15,9 Mehrmals in der Woche 24,0 25,8 21,9 Einmal wöchentlich 9,4 8,0 11,0 Mehrmals im Monat 11,0 11,8 9,9 Selten 18,9 18,4 19,6 Gar nicht 19,9 18,3 21,8 Keine Angabe 0,1 0,2 - Summe Quelle: Repräsentativuntersuchung 2001, Tabelle 7.2
16 Binationale Beziehungen bzw. Ehen 20% der verheirateten italienischen Männer in Deutschland haben eine deutsche Ehefrau, 1980 waren es erst 11% (Türken 11,3 3,5%) 17% der verheirateten italienischen Frauen haben einen deutschen Ehemann, 1980 waren es 3,6% (Türkinnen 12,5 1,7%) 1996 wurden in Deutschland Ehen geschlossen, bei denen nur ein Partner die deutsche Staatsangehörigkeit besaß (Repräsentativuntersuchung 2001; Statistisches Bundesamt)
17 Zustimmung zu bzw. Ablehnung von Segregation Zentrum für Türkeistudien, 2001, NRW Wir Türken müssen aufpassen, dass wir nicht allmählich zu Deutschen werden Stimme zu teils teils stimme nicht zu 47,3 15,3 37,4 Wir Türken müssen unter uns bleiben, um unsere türkische Lebensweise nicht zu verlieren Wir Türken sollten möglichst nur unter uns heiraten 15,4 8,9 75,7 17,4 10,1 72,5
18 Lesen Sie hier in Deutschland Zeitungen in Ihrer Heimatsprache? Lesen Sie hier in Deutschland deutsche Zeitungen, Zeitschriften und sonstige Texte? Quelle: Repräsentativuntersuchung 2001 Italiener Türken Basis Lesen heimatsprachiger Zeitungen Häufig Manchmal Nie ,5 50,9 22, ,5 49,4 16,0 Lesen deutscher Zeitungen Häufig Manchmal Nie 42,5 40,2 17,1 25,8 44,4 29,8
19 Weder in den Daten der amtlichen Statistik noch der Umfrageforschung der Sozialwissenschaften konnten Hinweise auf wachsende Schließungstendenzen, eine schwindende Eingliederungsbereitschaft oder auf Tendenzen von Selbstethnisierung bei Zuwanderern in Deutschland ausgemacht werden. (Gutachten Nauck/Steinbach 2001)
20 Soziale Distanz zu Angehörigen verschiedener Zuwanderergruppen West Ost Nachbar Familienmitglied Familienmitglied Nachbar Italiener angenehm weder noch unangenehm in % Türke angenehm weder noch unangenehm Asylbewerber angenehm weder noch unangenehm Deutschstämmiger Aussiedler aus Osteuropa angenehm weder noch unangenehm gesellschaftliche ALLBUS 1996 Integration
21 Einstellung zur Gleichberechtigung der in Deutschland lebenden Zuwanderergruppen (1996, ALLBUS) Westdeutschland Ablehnung Indifferent Zustimmung Italiener Türken Asylbewerber Deutschstämmige Aussiedler aus Osteuropa 14 44
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24 Sprachliche Integration von Migranten. Beispiel: Subjektive Einschätzung der mündlichen Sprachkenntnisse Kompetenz in Sprache des Herkunftslandes (L1) hoch Kompetenz in Sprache des Aufnahmelandes (L2) hoch kompetente Zweisprachigkeit 30% niedrig monolingual in L 1 (nur Italienisch,.) 21% niedrig monolingual in L 2 (nur Deutsch) 22% doppelte Halbsprachigkeit 27% Quelle: Sozio-Ökonomisches Panel (SOEP), Erhebungswelle 2003; Befragte türkischer, italienischer, griechischer und (ex-)jugoslawischer Nationalität: N = 601 Frage: Wie gut können Sie nach Ihrer eigenen Einschätzung Deutsch sprechen? hohe Kompetenz in L2: sehr gut oder gut hohe Kompetenz in L1: sehr gut
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