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- Hajo Brandt
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1 Kirsten Winkler ANDERE LÄNDER ANDERE SITTEN: Alltagskultur Tradition Verhaltensregeln Religion Tabus Mann und Frau Stadt- und Landleben usw. Kultur Schock IRAN
2 Inhaltsverzeichnis Vorwort Der Islam Entstehung des Islam Grundlagen der Religion Die schiitische Richtung des Islam Unterschiede Sunnismus Schiismus Die Rolle von Mann und Frau nach Koran und Sunna Geschichte des Iran im 20./21. Jahrhundert Schia und rechtmäßige Herrschaft Regierungszeit Reza Schahs Regierungszeit Mohammad Reza Schahs Ergebnisse der Modernisierungspolitik der Pahlawi-Schahs Islamische Revolution Islamische Republik Iran Reislamisierung des Landes Kulturrevolution Der Krieg Die Zeit nach Khomeini Familie und Gesellschaft Privatbereich und Öffentlichkeit nach der Islamischen Revolution Leben in der Stadt und auf dem Land Familienleben Öffentliches Leben Zwei Studenten im Iran Unterwegs im Iran Reiseplanung Geschlechtertrennung im Reisealltag Besuch von Moscheen Feiertage Im Bazar Begegnungen mit den Menschen Anhang Anmerkungen Glossar Literaturhinweise Register Nachwort Die Autorin Exkurse zwischendurch Der Tod Ayatollah Khomeinis Mit dem Koran für die Menschenrechte: Friedensnobelpreis für Schirin Ebadi Epizentrum Iran: Ein schweres Erdbeben zerstört die Stadt Bam
3 Grundlagen der Religion Gebetsnische (Mehrab) der Freitagsmoschee von Yazd 15 Sprich: Gehorchet Allah und dem Gesandten ; doch wenn sie sich abwenden, dann (bedenke), daß Allah die Ungläubigen nicht liebt. (Sure 3, 33)
4 Der folgende Abschnitt behandelt die theoretischen Grundlagen des Islam. Ein großer Teil der angesprochenen Merkmale trifft sowohl auf den sunnitischen als auch auf den schiitischen Islam zu. Doch es gibt bereits in der Ausbildung dieser Grundlagen gewisse Unterschiede zwischen den beiden Richtungen. Alles, was im Folgenden behandelt wird, bezieht sich in erster Linie auf den Sunnismus, auch wenn es nicht in jedem Satz direkt erwähnt wird. Die Besonderheiten des Schiismus werden in einem späteren Abschnitt besprochen. Die Quellen Der Koran Er hat herabgesandt zu dir das Buch mit der Wahrheit, bestätigend das, was ihm vorausging; und vordem sandte Er herab die Thora und das Evangelium als eine Richtschnur für die Menschen; und Er hat herabgesandt das Entscheidende. (Sure 3, 4) Die wichtigste Quelle für das Verständnis des Islam ist der Koran. Das heilige Buch der Muslime enthält das Wissen, das der Gläubige benötigt, um ein Leben im Sinne Gottes zu führen und dadurch ins Paradies zu gelangen. Die Bedeutung des Koran ergibt sich aus dem Glauben der Muslime an die göttliche Urheberschaft ihrer Schrift. Die jüdisch-christliche Vorstellung, Mohammad selbst habe den Koran verfasst, lehnen sie ab. Allah hat seine Botschaft an die Menschheit durch Erzengel Gabriel und den Propheten Mohammad übermittelt, wie es der Koran an verschiedenen Stellen darlegt. Jedes einzelne Wort ist das reine Wort Gottes. Als Beweis für die Echtheit der göttlichen Offenbarung wird die geringe Bildung Mohammads herangezogen. Da er Analphabet war, konnte er die ihm offenbarten Worte nicht eigenhändig niederschreiben. Nach jeder Offenbarung trug er einem kleinen Kreis die Verse vor. Diese wurden teilweise niedergeschrieben, teilweise auswendig gelernt. Weite Teile des Koran sind in einem sprachlich vollendeten Arabisch abgefasst, das Mohammad in dieser Form nicht zugetraut wird. Da Mohammad also nicht der Verfasser des Koran, sondern nur der Übermittler der göttlichen Botschaft ist, diese aber in arabischer Sprache gesandt wurde, ist das Arabische bis heute die heilige Sprache des Islam geblieben. Obwohl der Koran inzwischen in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde, ist es für gläubige Muslime undenkbar, in einer anderen als der arabischen Sprache zu beten. Die heilige Sprache gilt als unübersetzbar, jede Übersetzung kann die Botschaft Gottes nur unzulänglich wiedergeben. Deshalb lernen zahlreiche Muslime nichtarabischer Staaten Arabisch, um den Koran in der unverfälschten Sprache Gottes lesen zu können. 16
5 Der Text des Koran ist in 114 Suren unterteilt. Die heutige Anordnung der Suren entspricht aber nicht der Reihenfolge ihrer Offenbarung. Nach dem Tod des Propheten wurden die einzelnen Verse gesammelt und geordnet. Unter dem Kalifen Othman, dem dritten Kalifen (Nachfolger) in der Nachfolge Mohammads, wurde jedoch eine Neugestaltung des Koran notwendig, da sich Verfälschungen eingeschlichen hatten und verschiedene Versionen der Schrift im Umlauf waren. Die gesäuberte und neu zusammengestellte Fassung wurde den bedeutendsten Städten der islamischen Welt übermittelt. An den Anfang der Schrift stellte man ein kurzes Gebet, die Fatiha (Eröffnende), die täglich während der Pflichtgebete rezitiert wird. Dann folgen zunächst die längeren Suren, die dem Propheten jedoch erst spät, während seines Aufenthaltes in Medina, offenbart wurden. Diese Suren befassen sich hauptsächlich mit den Antworten Gottes auf Probleme und Fragen, mit denen sich der Prophet und seine Gemeinde konfrontiert sahen. Die frühen Suren, die er in Mekka empfangen hatte und die im Allgemeinen kürzer gehalten sind, befinden sich im hinteren Bereich des Buches. Sie beinhalten zum großen Teil religiöse Grundsätze und die Pflichten für die Gläubigen. Die zentrale Forderung, die sich durch das gesamte Buch und durch alle Suren zieht und an die Einwohner von Mekka (Juden, Christen und auch Anhänger der Naturreligionen) gerichtet ist, lautet, Allah als den einen Gott anzuerkennen und nach seinen Geboten zu leben. Wer sich nach diesen Geboten richtet, wird am Jüngsten Tag in das Paradies einziehen und reich belohnt werden. Wer sich seinen Geboten widersetzt, auf den wartet die Hölle. Der Islam gehört, zusammen mit Judentum und Christentum, zu den drei großen monotheistischen Religionen, die alle im Nahen Osten entstanden sind. Gemeinsam ist den drei Religionen der Glaube an den einen Gott, der Glaube an die Propheten, der Glaube an die Heilige Schrift und der Glaube an das Jüngste Gericht. Die Auseinandersetzung mit den beiden anderen monotheistischen Religionen Judentum und Christentum nimmt einen breiten Raum im Koran ein. Nach dem Koran ist Mohammad der letzte von zahlreichen Propheten, die Allah (Gott) auf die Erde sandte, um der Menschheit die Religion des einen Gottes zu verkünden. Unter den im Koran genannten Propheten befinden sich 25 jüdisch-christliche, bereits aus der Bibel bekannte Persönlichkeiten von Adam über Abraham bis zu Jesus. Gläubige Muslime haben die Thora und das Neue Testament, trotz einiger angeblicher Irrtümer, als göttlich gegeben anzuerkennen. Da der Koran als letzte der Offenbarungsschriften überbracht wurde, halten Muslime ihn für die endgültige und unverfälschte Botschaft Gottes, der hierin die vorausgegangenen Schriften korrigiert. Als Beispiel bietet sich das Leben Jesu an. Grundsätzlich wird die göttliche Urheberschaft der 17
6 Evangelien anerkannt. Da sie jedoch erst nach dem Tod Jesu von seinen Gefährten aufgezeichnet wurden, kann ihnen nicht die Bedeutung des Koran mit seinen direkt von Gott übermittelten Worten zukommen. So kritisiert der Koran die christliche Auffassung, Jesus sei der Sohn Gottes. Immer wieder wird diese Thematik aufgegriffen, der Glaube an die Dreifaltigkeit wird als eine Art Polytheismus angesehen (Sure 4, 172). Muslime lehnen das christliche Dogma Jesus sei Gottes Sohn ab und betrachten ihn als Propheten, wie vor ihm Abraham und nach ihm Mohammad. Der Koran ist zugleich wichtigste Quelle für Fragen der islamischen Rechtsprechung. Die Scharia, das Islamische Recht, setzt die von Allah im Koran verbindlich aufgestellten göttlichen Gesetze durch. Und jeder einzelne Vers aus dem heiligen Buch wird als Gesetz gewertet. Deshalb ist zum Beispiel eine Anordnung im Koran über die in der Öffentlichkeit zu tragende Kleidung oder die Waschung vor dem täglichen Pflichtgebet nicht als Empfehlung zu verstehen, der jeder Gläubige nach eigenem Belieben nachkommen kann oder nicht, sondern als Wille Gottes, dem jeder Mensch zu gehorchen hat. So haben nicht nur die Abschnitte des Koran, die sich tatsächlich mit Strafhandlungen wie Diebstahl oder Mord befassen, in der Scharia Einzug gehalten, sondern auch Bereiche, die nichts mit einer Straftat nach unserer Auffassung zu tun haben und als Privatsache jedes Einzelnen eingestuft würden. Mädchenklasse an der Freitagsmoschee von Yazd 18
7 Die Sunna Der Koran hält nicht für alle Lebensbereiche ausreichende Erklärungen bereit. Manche Fragen der menschlichen Existenz sind nicht ausführlich genug behandelt, andere gar nicht erwähnt. So benötigten bereits die Gläubigen in der Frühzeit des Islam weitere Quellen, auf die sie bei ungeklärten Fragen zurückgreifen konnten. So entstand die Sunna (Tradition), die den Gläubigen rät, sich stets nach dem Vorbild des Propheten zu richten. Legitimation erhält die Sunna aus dem Koran: Wahrlich, ihr habt an dem Propheten Allahs ein schönes Vorbild für jeden, der auf Allah und den Letzten Tag hofft und Allahs häufig gedenkt. (Sure 33, 22) Der Prophet Mohammad führte also ein vorbildliches Leben, an dem sich die Gläubigen orientieren können. Wer sein Leben nach dessen Vorbild gestaltet, kann nicht fehlgehen. Die Sunna, der vorbildliche Weg Mohammads, wurde so zur zweitwichtigsten Quelle des Islam. Zu Lebzeiten Mohammads konnten sich die Bewohner Medinas mit ihren Fragen noch direkt an den Propheten wenden. Unmittelbar nach seinem Tod begannen die Gläubigen aus dem Umkreis Mohammads, seine Gewohnheiten bis in die kleinste Einzelheit zu ergründen, um nichts in Vergessenheit geraten zu lassen. Die in der Sunna zusammengetragenen Überlieferungen lassen sich in drei Kategorien einteilen. Man trug alles zusammen, was Mohammad gesagt, getan und gebilligt hatte. Seine Worte und Handlungen zeigten den Gläubigen auf, wie er sich zu bestimmten Problemen, die nicht im Koran behandelt sind, geäußert und wie er sich selbst in gewissen Situationen verhalten hat. Daneben fanden aber auch solche Überlieferungen Aufnahme, in denen der Prophet Äußerungen oder Taten anderer beobachtete und durch sein Stillschweigen akzeptierte. Gesammelt wurde alles, von Äußerungen zu religiösen Pflichten über Stellungnahmen zur Behandlung von Ungläubigen bis hin zu Fragen der Sexualität. Die Anordnungen über die religiösen Pflichten der Gläubigen sowie ein Großteil des Strafrechts lassen sich aus der Sunna herleiten. Im Laufe der Zeit wurden, ähnlich wie bei der Zusammenstellung des Koran, eine Unmenge gefälschter oder neu erfundener Überlieferungen (arabisch: hadith überlieferter Bericht oder Ausspruch) entdeckt, die aussortiert und neu zusammengestellt werden mussten. Jedes Hadith besteht aus der Handlung selbst und der Kette seiner Überlieferer. Die Aufgabe bestand nun darin, für jedes Hadith festzustellen, ob sich die Kette der Personen, die den Ausspruch gehört haben wollen, lückenlos bis zu Mohammad oder seinem Umkreis zurückführen lässt. Wenn dies der Fall war und zu- 19
8 Register A Ali 32 Alkohol 222 Almahdi 52 An- und Einreise 180 Analogieschluss 22 Analphabeten 137 Arbeitsleben 158 Arbeitslosigkeit 122 Aschura 49 Ayatollah Khomeini 82 B Bahnfahren 190 Bam 134 Bazar 210 Begrüßung 214 Berufstätigkeit 158 Besuch bei einer Familie 216 Bevölkerung 122 Bildung 137 Brautgeld 60 Bus 192 C, D Cafés 193 Chatami, Seyyed Mohammad 119 Dhu al-hidscha 206 Dschihad 30 E Ebadi, Schirin 121 Ehe 59, 145 Ehebruch 56 Einladung 215 Einladung zum Essen 221 Erdbeben 134 Erziehung 151 Essen 221 Essengehen 193 F Familie 144, 216 Familienplanung 130 Fasten 26 Feiertage 203 Feiertage, schiitische 48 Feilschen 211 Flugzeug 190 Frau, allein reisen 182 Frauen 54, 140 Freitag 161 Freitagsmoschee 198 Freizeit 153 Friedensnobelpreis 121 Führer 101 G Gast 216 Gastfreundschaft 215 Gaststätten 194 Geißelung 50 Geschichte 1 Geschlechtertrennung 54, 105, 128 Geschlechtertrennung im Reisealltag 185 Getränke 221 Golfkrieg 116 Grabstätte Khomeinis 201 Grenzformalitäten 181 Großfamilie H Hadith 19 Hausarbeiten 150 Heirat 145 Heiraten 59 Hidschra 12 Hochzeit 147 Hotels 186 I, J Id al-adha 29 Id al-fitr 27 Id al-ghadir 52 Imame 36 Irakkrieg 116 Isfahan 198 Islam 11 Islamische Republik Iran 99 Islamische Revolution 89 Jugend 122 Jungen 149 Jungfräulichkeit 59, 148 K Kalender 204 Kalifen 32 Khomeini 82 Kinder 149 Kinderarbeit 159 Kleiderordnung, islamische 106 Klima 177 Konsens 20 Kontaktaufnahme 214 Koran 16 Krieg 115 Küche, persische 195 Kulturrevolution 111
9 L, M Landbevölkerung 132 Mädchen 137, 149 Männer 54, 140 Märtyrer 35 Maschad 161, 200 Mohammad 12 Mohammad Reza Schah Pahlawi 80 Moschee 24 Moscheebesuch 198 Moscheen 198 Muezzin 24 Mullahs 39 N, O Nomaden 137 Norouz 207 Öffentliche Verkehrsmittel 188 Öffentlichkeit 126, 158 Opferfest 29 P, Q Paare 186 Pahlawi-Schahs 74 Pasdaran 109 Pflichten, religiöse 46 Pflichtgebet 24, 46 Pilgerfahrt nach Mekka 28 Politik 154 Polygamie 61 Privatbereich 126, 140 Prophet 12 Prostitution 66 Qom 161, 200 R Rahbar 101 Ramadan 26, 204 Recht, Islamisches 22 Rechtsprechung, islamische 18 Reformen 119 Reiseplanung 176 Reisezeit 176 Reislamisierung 103, 126 Religion 15 Restaurants 193 Revolution, islamische 90 Revolutionsgarde 109 Revolutionsrat 100 Reza Schah Pahlawi 74 Rollenverteilung 126 S Sammeltaxen 189 Schah 74 Scharia 18, 22, 104 Scheidung 61 Schiat Ali 32 Schiismus 31 Schiiten 32 Schuhe 201 Schulsystem 112, 136 Selbstgeißelungen 206 Sexualität 55 Söhne 149 Sport 162 Stadt 132 Stadtbus 188 Studenten 113 Sunna 19 Sunnismus 43 Sure 17 T Taxi 189 Teehaus Töchter 149 Tourismus 182 Touristen 186 Trauerfeierlichkeit um den Märtyrertod des dritten Imam 206 Tschador 187 U, V Übernachtung in einer Familie 223 Ulama 39 Unfruchtbarkeit 149 Universitäten 113 Verkehrsmittel, öffentliche 188 Verschleierung 56 Verstoßung 63 Verwandtschaft 153 Visabeschaffung 178 W Wächterrat 102 Wallfahrten 47 Wartezeit 66 Weiße Revolution 81 Windtürme 143 Wirtschaft 129 Wohnbereich 140 Z Zeitehe 64, 171 Zina 56 Zugfahren 190 Zwangsislamisierung 127 Zwölfer-Schiiten 36
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