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1 IfM-Hintergrundinformation Das IfM Bonn ist eine Stiftung des privaten Rechts. zum Gründungsverhalten ausländischer und deutscher Bürger Das gewerbliche Gründungsgeschehen in Deutschland ist seit Jahren tendenziell rückläufig. Diese Entwicklung hat sich im Jahre 2013 fortgesetzt: Die Zahl der gewerblichen Gründer ist nochmals um 2,4 % zurückgegangen. Als Stütze des gewerblichen Gründungsgeschehens erwiesen sich die ausländischen Gründer. Ihre Zahl ist seit 2005 entweder gestiegen oder auf hohem Niveau konstant geblieben, während die der deutschen Gründer stetig gesunken ist. Im Jahr 2013 war bei den ausländischen Gründern wiederum ein geringer Anstieg um 0,6 % gegenüber dem Jahr 2012 zu beobachten. Die Zahl der deutschen Gründer hat sich hingegen um 5,7 % reduziert. Gewerbliche Gründer 2005 bis 2013 nach Staatsangehörigkeit in Tausend Deutsche Ausländer IfM Bonn

2 - 2 - Diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass 42,7 % aller gewerblichen Gründer im Jahr 2013 eine ausländische Staatsangehörigkeit besaßen. Damit hat sich der seit Jahren anhaltende Anstieg des Ausländeranteils am gewerblichen Gründungsgeschehen im vergangenen Jahr nicht nur fortgesetzt, sondern auch seit 2005 (18,8 %) mehr als verdoppelt. Ausländeranteil an den gewerblichen Gründern 2005 bis 2013 in % 41,1 42,7 18,8 22,0 24,9 26,1 28,6 32,4 35, IfM Bonn Die Gründung als notwendige Existenzsicherung Warum gründen Deutsche immer weniger und warum Ausländer immer mehr? Diese gegenläufige Entwicklung ist verblüffend, finden doch alle in Deutschland Lebenden unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit die mehr oder weniger gleichen Rahmenbedingungen für eine Gründung vor. Von den sich im betrachteten Zeitraum deutlich verbesserten Chancen der Aufnahme einer abhängigen Beschäftigung dürften Deutsche aufgrund der andauernden Arbeitsmarktdiskriminierung von Ausländern zwar etwas mehr profitiert haben als hier lebende Ausländer, aber nicht in dem sich in den Zahlen widerspiegelnden Maß. Auch dürften sich für beide Gruppen angesichts der guten wirtschaftlichen Lage nahezu gleich gute Chancen der Unternehmensgründung eröffnen. Offenbar spielen Sondereffekte eine Rolle. Darauf weist zumindest eine Differenzierung nach Nationalitäten hin.

3 - 3 - So ist festzustellen, dass nicht bei allen Nationalitäten gleichermaßen eine Ausweitung der Gründungsaktivitäten zu beobachten ist. Dies gilt vor allem für die Gründer von außerhalb Europas, aber auch für die europäischen Gründer, die nicht aus den osteuropäischen EU-Beitrittsländern von 2004 und 2007 entstammen. Bei Angehörigen dieser Herkunftsregionen zeigt sich in der Tendenz ebenfalls ein eher rückläufiges Gründungsgeschehen im betrachteten Zeitraum. Die Zuwächse entfallen im Wesentlichen auf die osteuropäischen EU- Beitrittsländer von 2004 und Ausländische gewerbliche Gründer 2005 bis 2013 nach Herkunftsregionen in Tausend Außereuropäisches Ausland Restliches Europa ohne Deutschland EU-Beitrittsländer ( ) 1) EU-Beitrittsländer ( ) 2) IfM Bonn ) Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn (nicht Malta und Zypern). 2) Bulgarien und Rumänien und 2008 Bulgarien noch unter restliches Europa erfasst. Bürger aus den Ländern Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn, die am der EU beigetreten sind, verfügten bis zum nicht über die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit der Bürger Rumäniens und Bulgariens (EU-Beitritt: ) war bis zum Ende des Jahres 2013 eingeschränkt. Da diesen Bürgern die Aufnahme einer abhängigen Beschäftigung in Deutschland nicht gestattet war, haben sie sich als Ausweichstrategie häufig für eine selbstständige Tätigkeit entschieden.

4 - 4 - Besonders stark ausgeprägt ist dies bei Rumänen und Bulgaren, die im Jahr 2013 zusammen 37,6 % aller ausländischen gewerblichen Gründer stellen. Bei den Bürgern der osteuropäischen Beitrittsländer von 2004, die bereits über die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit verfügten, ist seither erwartungsgemäß der Umfang der Gründungsaktivitäten zurückgegangen. Allerdings entfielen auf sie im vergangenen Jahr noch immer 30,2 % aller ausländischen Gründer. Auf mittlere Sicht ist jedoch zu erwarten, dass sich das Gründungsverhalten der Bürger der osteuropäischen EU-Beitrittsländer von 2004 und 2007 dem der übrigen Ausländer anpasst und deren Gründungsaktivitäten entsprechend deutlich abnehmen. Etwa drei Viertel aller Betriebsgründungen von Ausländern erfolgen in den drei Wirtschaftszweigen Baugewerbe, Handel und Gastgewerbe. 45 % entfallen allein auf das Baugewerbe, 18,2 % auf den Handel und 10,2 % auf das Gastgewerbe. Dass sich ausländische Betriebsgründungen deutlich von deutschen unterscheiden, lässt sich auch gut am jeweiligen Ausländeranteil in den einzelnen Wirtschaftszweigen ablesen. Gemessen an einem Ausländeranteil an allen Betriebsgründungen von 24,2 % erfolgen besonders viele Betriebsgründungen von Ausländern im Baugewerbe (66,5 %) und im Gastgewerbe (29,2 %). Deutlich unterrepräsentiert sind Ausländer u. a. bei den Betriebsgründungen beispielsweise in der Energieversorgung, in Erziehung und Unterricht, in der Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen oder im Gesundheits- und Sozialwesen.

5 - 5 - Ausländeranteil an den gewerblichen Betriebsgründungen nach Wirtschaftszweigen 2013 Land- u. Forstwirtschaft, Fischerei Bergbau u. Gewinnung v. Steinen u. Erden Verarbeitendes Gewerbe Energieversorgung Wasserversorgung; Abwasser- u. Abfallentsorgung Baugewerbe Handel; Instandhaltung u. Reparatur v. Kraftfahrzeugen Verkehr u. Lagerei Gastgewerbe Information u. Kommunikation Erbringung v. Finanz- u. Versicherungsdienstl. Grundstücks- u. Wohnungswesen Erbringung v. freiberufl., wissenschaftl. u. techn. Dienstl. Erbringung v. sonst. wirtschaftl. Dienstl. Erziehung u. Unterricht Gesundheits- u. Sozialwesen Kunst, Unterhaltung u. Erholung Erbringung v. sonst. Dienstl. Insgesamt 20,9 13,9 16,2 3,9 9,0 16,1 21,5 29,2 11,2 6,7 9,5 9,4 20,4 6,4 7,4 15,1 20,0 24,2 66,5 IfM Bonn Quelle: IfM Bonn (Basis: Gewerbeanzeigenstatistik des Statistischen Bundesamtes) Aus wirtschaftspolitischer Sicht ist von Interesse, ob sich die gegründeten Unternehmen der betrachteten Gruppen in ihrer wirtschaftlichen Substanz unterscheiden. Die herangezogene Gewerbeanzeigenstatistik differenziert zwischen "Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen" und "Echten Kleingewerbegründungen": Gewerbliche Gründer aus den osteuropäischen EU- Beitrittsländern von 2004 und 2007 gründen deutlich weniger Hauptniederlassungen als die übrigen Ausländer oder die Deutschen. Da den Hauptniederlassungen üblicherweise eine größere wirtschaftliche Bedeutung beizumessen ist als dem Kleingewerbe, wirken die gewerblichen Gründungen von Bürgern der osteuropäischen EU-Beitrittsstaaten eher negativ auf die Unternehmensstruktur in Deutschland.

6 - 6 - Anteil der Gründungen von Hauptniederlassungen 2009 bis 2013 nach Herkunftsregion in Tausend 45,345,4 40,1 38,2 38,2 30,5 26,9 22,622,2 19,3 20,420,8 21,823,0 18,7 34,434,1 31,530,7 31,9 Deutschland EU-Beitrittsländer 2004 EU-Beitrittsländer ) 2) übriges Ausland IfM Bonn ) Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn (nicht Malta und Zypern). 2) Bulgarien und Rumänien. Weitere Informationen Kay, R.; Schneck, S. (2012): Hemmnisse und Probleme bei Gründungen durch Migranten, in: Institut für Mittelstandsforschung Bonn (Hrsg.): IfM-Materialien Nr. 214, Bonn. Publikation herunterladen Statistiken/Gründungen und Unternehmensschließungen Ansprechpartner Dr. Rosemarie Kay Tel.: kay(at)ifm-bonn.org Profil von Dr. Rosemarie Kay

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