Das lineare Regressionsmodell
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- Ida Schulze
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1 Universität Ulm Ulm Germany Prof. Dr. Werner Smolny Institut für Wirtschaftspolitik Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften Ludwig-Erhard-Stiftungsprofessur Institutsdirektor Das ökonomische Modell Das lineare Regressionsmodell Sommersemester 2010 y = β 0 + β 1 x y: die endogene Variable x: die erklärende Variable β 0, β 1 : die Parameter (Koeffizienten) des ökonomischen Modells Eine Verhaltensgleichung y ist linear abhängig von x β 0 ist der y-achsenabschnitt (also wie hoch ist y, wenn x den Wert 0 annimmt) β 1 ist der marginale Effekt von x auf y (β 1 = y/ x) z.b. eine Keynessche Konsumfunktion C = c + c Y v Der aggregierte Konsum C ist abhängig vom aggregierten verfügbaren Einkommen Y v c ist der autonome Konsum, c ist die marginale Konsumneigung Helmholtzstr. 20, Raum E 05 Tel , Fax [email protected]
2 Die Daten Eviews Workfile ew21 Schätzung anhand der Daten der vierteljährlichen volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung Westdeutschland, bis PLOT (Zeitreihenschaubild) Der Konsum und das verfügbare Einkommen stiegen über die Zeit an Ursache: Einerseits Preisanstieg, andererseits Anstieg der Realeinkommen Konsum und verfügbares Einkommen wiesen auch starke saisonale Schwankungen auf Ursache: Zahlung eines 13. Monatsgehalts im 4. Quartal (Weihnachtsgeld), Ausgaben für Weihnachten 2
3 SCAT (x y Diagramm) KONSUMW YVW Konsum und verfügbares Einkommen sind positiv korreliert Das empirische Modell 1. Die Schätzung der Parameter des Modells kann anhand aggregierter Daten für den Konsum und das verfügbare Einkommen erfolgen 2. Natürlich ist der Konsum nicht nur vom verfügbaren Einkommen abhängig, sondern auch von anderen Faktoren 3. Die Abweichungen vom linearen Zusammenhang werden als Residuen bezeichnet 3
4 Das empirische Modell KONSUMw t = β 0 + β 1 Y V w t + ε t t: Zeitindex, t = {1960.1,..., } ε: Residuen bzw. Störterme bzw. Abweichungen bzw. Fehler Schätzung der Koeffizienten β 0, β 1 anhand der Daten der vierteljährlichen volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung für die Zeit von 1960 bis 1994 Das ökonometrische Modell Die Schätzung mit der Methode der Kleinsten Quadrate bzw. KONSUMw t = ˆβ 0 + ˆβ 1 Y V w t + ˆε t ˆ KONSUMw t = ˆβ 0 + ˆβ 1 Y V w t ˆβ 0 : geschätzter autonomer Konsum ˆβ 1 : geschätzte marginale Konsumneigung ˆε t : geschätzte Residuen KONSUMw ˆ t : geschätzte Konsumausgaben 4
5 ls konsumw c yvw Dependent Variable: KONSUMW Method: Least Squares Sample: 1960:1 1994:4 Included observations: 140 Variable CoefficientStd. Errort-Statistic Prob. C YVW R-squared Mean dependent var Adjusted R-squared S.D. dependent var S.E. of regression Akaike info criteri Sum squared resid Schwarz criterion Log likelihood F-statistic Durbin-Watson stat Prob(F-statistic) Residual Actual Fitted 5
6 Die Schätzung der Parameter Wähle ( schätze bzw. berechne) die Koeffizienten so, dass die Summe der quadrierten Abweichungen der Schätzgleichung für die Beobachtungsperiode minimiert wird min ˆβ 0,ˆβ t= ˆε 2 t Die Berechnung der Parameter t ˆε 2 t = t (KONSUMw t ˆ KONSUMw t ) 2 = t (KONSUMw t ˆβ 0 ˆβ 1 Y V w t ) 2 Die Summe der quadrierten Abweichungen wird minimiert, wenn die partiellen Ableitungen in Bezug auf die Parameter gleich 0 gesetzt werden t ˆε 2 t ˆβ 0 = t 2 (KONSUMw t ˆβ 0 ˆβ 1 Y V w t ) ( 1) = 0 t ˆε 2 t ˆβ 1 = t 2 (KONSUMw t ˆβ 0 ˆβ 1 Y V w t ) ( Y V w t ) = 0 6
7 Die Normalgleichungen t KONSUMw t ˆβ 0 T ˆβ 1 t Y V w t = 0 Der Mittelwert der geschätzten Residuen ist gleich 0 t KONSUMw t Y V w t ˆβ 0 t Y V w t ˆβ t 1 Y V wt 2 = 0 Die Residuen sind unkorreliert mit der (den) erklärenden Variablen Die Beziehungen zwischen den Mittelwerten KONSUMw ˆβ 0 ˆβ 1 Y V w = 0 KONSUMw Y V w ˆβ 0 Y V w ˆβ 1 Y V w 2 = 0 Lösen der beiden Gleichungen für die 2 Unbekannten (ˆβ 0, ˆβ 1 ) liefert die geschätzten Parameter Die marginale Konsumneigung beträgt etwa 0.87, der autonome Konsum ist gering (nicht signifikant von 0 verschieden) 7
8 Unterschiedliche empirische Spezifikationen des Zusammenhangs von Konsum und Einkommen a) Die Schätzung in Logarithmen Dependent Variable: LOG(KONSUMW) Method: Least Squares Sample: 1960:1 1994:4 Included observations: 140 Variable CoefficientStd. Errort-Statistic Prob. C LOG(YVW) R-squared Mean dependent var Adjusted R-squared S.D. dependent var S.E. of regression Akaike info criter Sum squared resid Schwarz criterion Log likelihood F-statistic Durbin-Watson stat Prob(F-statistic) Die Schätzung der logarithmierten Werte liefert nicht marginale Effekte von x auf y, sondern die marginalen Effekte von ln x auf ln y, also Elastizitäten Interpretation: β 1 = lny lnx = y x x y Der marginale Effekt einer relativen Einkommensänderung auf die relative Änderung des Konsums die Elastizität des Konsums in Bezug auf das verfügbare Einkommen 8
9 Achtung: Das ist ein anderes Modell! bzw. lnkonsumw t = β 0 + β 1 lny V w t + ε t KONSUMw t = exp(β 0 ) Y V w β 1 t exp(ε t ) Das verfügbare Einkommen wirkt proportional auf den Konsum, der Störterm wirkt multiplikativ auf die Gleichung (den Konsum) Die geschätzte Elastizität des Konsums in Bezug auf das verfügbare Einkommen beträgt etwa 1, d.h. ein um ein Prozent höheres Einkommen bedeutet einen um etwa 1 Prozent höheren Konsum Die Varianz der Residuen erscheint weitgehend konstant über die Beobachtungsperiode, die Residuen weisen immer noch positive Autokorrelation 4. Ordnung auf (Saison) b) Die Schätzung mit Saisondummies Saisondummies weisen für jeweils ein Quartal (jedes Jahr) den Wert 1 auf, sonst = 1960: : : : :
10 Die Schätzung mit Saisondummies impliziert eine einfache (log)-lineare Form der Saisonbereinigung (konstante Saisonfigur, konstante Saisonfaktoren) Dependent Variable: LOG(KONSUMW) Method: Least Squares Sample: 1960:1 1994:4 Included observations: 140 Variable CoefficientStd. Errort-Statistic Prob. C LOG(YVW) R-squared Mean dependent var Adjusted R-squared S.D. dependent var S.E. of regression Akaike info criter Sum squared resid Schwarz criterion Log likelihood F-statistic Durbin-Watson stat Prob(F-statistic) Residual Actual Fitted 10
11 c) Schätzung in Differenzen der Logarithmen (Wachstumsraten) Die Schätzung in Differenzen der Logarithmen, also Wachstumsraten, liefert den kurzfristigen Effekt von Einkommensänderungen auf Konsumänderungen, bzw. die kurzfristige Elastizität von Konsumänderungen in Bezug auf Einkommensänderungen Unterscheidung von 1. Differenzen (Differenzen zum Vorquartal) und 4. Differenzen (Veränderungen zum Vorjahresquartal) Ergebnis: Die Schätzung in 4. Differenzen impliziert eine weitere Art der Saisonbereinigung, die Saisondummies haben keinen signifikanten Einfluss in der geschätzten Gleichung Die Bildung von 4. Differenzen eliminiert die Saisonfigur für die Daten des Konsums und des verfügbaren Einkommens Dependent Variable: D(LOG(KONSUMW),0,4) Method: Least Squares Sample(adjusted): 1961:1 1994:4 Included observations: 136 after adjusting endpoints Variable CoefficientStd. Errort-Statistic Prob. C D(LOG(YVW),0,4) R-squared Mean dependent var Adjusted R-squared S.D. dependent var S.E. of regression Akaike info criter Sum squared resid Schwarz criterion Log likelihood F-statistic Durbin-Watson stat Prob(F-statistic)
12 Die Interpretation der geschätzten Koeffizienten als Mittelwerte Die Schätzung der Konsumquote auf eine Konstante Dependent Variable: KONSUMW/YVW Method: Least Squares Sample: 1960:1 1994:4 Included observations: 140 Variable CoefficientStd. Errort-Statistic Prob. C R-squared Mean dependent var Adjusted R-squared S.D. dependent var S.E. of regression Akaike info criter Sum squared resid Schwarz criterion Log likelihood Durbin-Watson stat Die Schätzung der Konsumquote auf die Konstante liefert als Koeffizienten den Mittelwert der Variable über den Beobachtungszeitraum, die Residuen sind die Abweichungen der Konsumquote (jede Beobachtung) vom Mittelwert für die Konsumquote Der Standardfehler der Gleichung ist die durchschnittliche (Wurzel aus der mittleren quadratischen) Abweichung der einzelnen Beobachtungen vom Mittelwert Der Standardfehler des geschätzten Koeffizienten kann interpretiert werden als durchschnittliche Abweichung des Mittelwerts aus 140 Beobachtungen (Stichprobe: bis ) 12
13 Die Schätzung der Konsumquote auf 4 Saisondummies liefert als Koeffizienten den Mittelwert der Konsumquote für jedes Quartal Die geschätzten Werte dieser Gleichung können interpretiert werden als bedingter Mittelwert (Erwartungswert) der Konsumquote, gegeben die Jahreszeit (das Quartal) Ebenso können die geschätzten Werte der Konsumfunktion (siehe oben) interpretiert werden als bedingter Erwartungswert für den Konsum, gegeben das Einkommen Der geschätzte Koeffizient β 1 kann interpretiert werden als mittlerer Effekt des Einkommens auf den Konsum, der Standardfehler der Gleichung entspricht der durchschnittlichen Abweichung des Konsums (jede Beobachtung) von den geschätzten Werten aus der Konsumfunktion Die Standardabweichung des Koeffizienten ist die durchschnittliche Abweichung des aus 140 Beobachtungen geschätzten (berechneten) Koeffizienten (bzw. Mittelwerts, siehe oben) Literatur: Winker, Kapitel 3, 6 und 7 (auszugsweise). 13
14 Einige der von EViews ausgewiesenen Test-Statistiken für das Kleinste Quadrate Modell SMPL Sample Schätzzeitraum COEFFICIENT ˆβi die geschätzten Koeffizienten, ˆβi = y x i mit y: endogene Variable, x i : erklärende Variable(n) STD.ERROR s(ˆβ i ) Geschätzte Standardabweichung der Koeffizienten T-STAT. t Wert = ˆβ i, die t Statistik des geschätzten Koeffizienten. s(ˆβ i ) Für t Wert 2 schließt das 95% Konfi- denzintervall die Null gerade (nicht) ein 2-TAIL SIG Konfidenzniveau des Koeffizienten, mit (1 p)- prozentiger Wahrscheinlichkeit liegt der wahre Koeffizient innerhalb 0 < ˆβ i < 2 ˆβ i R-squared R 2 das Bestimmtheitsmaß der Schätzung, Anteil der erklärten Varianz an der Gesamtvarianz Adjusted R-squared R 2 bereinigtes Bestimmtheitsmaß (um die Zahl der Freiheitsgrade) S.E. of regression s Geschätzte Standardabweichung der Residuen, durchschnittlicher Fehler der Schätzung Durbin-Watson stat. DW Teststatistik für Autokorrelation erster Ordnung, DW=2: keine Autokorrelation, DW<2: positive Autokorrelation, DW>2: negative Autokorrelation F-statistic F k 1,N k Test auf Signifikanz des R 2, also Test ob das R 2 von 0 verschieden ist Prob(F-statistic) das Signifikanzniveau für den Test R 2 = 0 vertiefende Literatur: Pindyck, Rubinfeld, Econometric models and Economic Forecasts, chapter
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