Operations Management
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- Nadine Biermann
- vor 10 Jahren
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1 Operations Management Prozessauswahl und Prozessanalyse Prof. Dr. Helmut Dietl
2 Lernziele Nach dieser Veranstaltung sollen Sie wissen, wie das Prozessdesign entsteht welche Faktoren auf das Prozessdesign einwirken was man unter Mass Customization versteht und welche Potentiale daraus entstehen was man unter einem Prozess versteht wie Flussdiagramme erstellt und gelesen werden welches Optimierungspotential die Prozessanalyse aufzeigt Seite 2
3 Operations Management Prozessauswahl Seite 3
4 Prozessauswahl Mögliche Prozesstypen: Werkstattproduktion Batch-Produktion Fliessbandproduktion Mass Customization Seite 4
5 Fliessproduktion Was macht die Fliessproduktion aus? Anordnung der Werkzeuge und Arbeitsplätze nach der Reihenfolge der Bearbeitungsschritte Hoher Spezialisierungsgrad Keine Rüstzeiten Hohe Lagerbestände Geringe Vielfalt (z.b. Model T) Hohe Produktivität Seite 5
6 Warum ist das Fliessbandprinzip so effizient? Spezialisierungs- und Effizienzvorteile durch: Job Design (Verringerung der Rüstzeiten) Layout (Verringerung der Transportzeiten) Werkzeuge (Verringerung der Bearbeitungszeit/-kosten) Zeit & Bewegung (Erhöhung der Arbeitsproduktivität) Beispiele des Fliessbandprinzips: Fertigungsfliessband (Automobilproduktion) Sortierfliessband Zubereitungsfliessband (Fast Food) Waschstrasse Seite 6
7 Werkstattfertigung vs. Fliessfertigung Funktionsorientierung (Werkstattfertigung) Schneiden Schweissen Stanzen Prozessorientierung (Fliessfertigung) Seite 7
8 Lern- und Erfahrungskurve Lern- und Erfahrungseffekte sind ein Vorteil der Fliessproduktion. C 0 Kumulierte Produktionsmenge Seite 8
9 Grössenvorteile (Economies of Scale) Der zweite Vorteil der Fliessproduktion sind die Grössenvorteile. C 0 Produktionsmenge Seite 9
10 Problem: Vielfalt Produktvielfalt beeinträchtigt Lerneffekte, Fliessproduktion ist schwierig umzusetzen Produktvielfalt verringert Grössenvorteile Mehrzweckmaschinen und Rüstkosten Wechselnde Arbeitsabläufe und methoden Flaschenhalse entstehen Aber: Produktvielfalt erhöht Absatzchancen Ergebnis: Konflikt zwischen Effizienz und Flexibilität Seite 10
11 Was ist Flexibilität? Ein Prozess ist flexibel, wenn die Durchschnittskosten auch bei Outputveränderungen konstant bleiben Zwei Ausprägungen der Flexibilität Mengenflexibilität: Durchschnittskosten sind unabhängig von Outputmenge Artenflexibilität: Durchschnittskosten sind unabhängig von Outputart Seite 11
12 Serien-/Sortenproduktion (Batch Produktion) Was macht die Batch-Produktion aus? Abwechselnde Produktion einer Produkt-/Serviceart Zeitweise Spezialisierung Regelmässige Umrüstung des Produktionsprozesses Trade-off: Lagerkosten vs. Rüstkosten Lagerbestand Produktion Produktion Zeit Seite 12
13 Werkstattproduktion (Job Shop Produktion) Was macht die Werkstattproduktion aus? Produktion kleiner Produkt-/Serviceeinheiten bei hoher Produkt-/ Servicevielfalt Vorwiegend Allzweckgeräte Produktivität beruht auf Mitarbeiterqualifikation (z.b. Meister), nicht auf Arbeitsmethoden und -instrumenten Geringe Prozessstandardisierung (z.b. Massarbeit) Geringe Mitarbeiterspezialisierung (Cross Training und Job Rotation) Seite 13
14 Produkt-Prozess-Matrix hohe Vielfalt geringe Menge Produktvielfalt Produktionsmenge geringe Vielfalt grosse Menge Werkstattproduktion z.b. Massschneiderei Batchproduktion z.b. Chemiefabrik Fliessproduktion (Mehrproduktbetrieb) z.b. Automobilfabrik Fliessproduktion (Einproduktbetrieb) z.b. Papierfabrik geringe Effizienz hohe Flexibilität Prozesseffizienz Prozessflexibilität hohe Effizienz geringe Flexibilität Seite 14
15 Produktionsstufen mit unterschiedlichen Prozesstypen Prozesstypen können auch gemischt werden (z.b. bei Benetton) Standardisierte Materialien Nachfrage-, modeorientiert Standardisierte Logistik Stricken Färben Vertrieb Fliessproduktion Batchproduktion Fliessproduktion Seite 15
16 Produkt-Prozess-Lebenszyklus Produkteinführungsphase kleine Mengen schnell wechselndes Produktdesign viele Technologieverbesserungen Time-to-market als Erfolgsfaktor Reifephase hohe, stabile Mengen standardisiertes Produktdesign stabile Produktionstechnologie Schrumpfungsphase sinkende Mengen keine weiteren Produktvarianten Service, Reparaturen als Erfolgsfaktoren Werkstattproduktion Batchproduktion Fliessproduktion Batchproduktion Seite 16
17 Zusammenfassung Es gibt mehrere Möglichkeiten, ein Produkt herzustellen bzw. einen Service zu produzieren Prozessentscheidung hat umfassende betriebswirtschaftliche Konsequenzen Wertschöpfung (Vielfalt, Qualität, Zeit, Kosten) Kostenstruktur Flexibilität Aufgrund laufender Veränderungen müssen die Produktionsprozesse den Produkt-/Marktgegebenheiten ständig angepasst werden Seite 17
18 Traditionelle Sichtweise Flexibilität Werkstattproduktion? Batchproduktion Fliessproduktion (Mehrproduktbetrieb) Fliessproduktion (Einproduktbetrieb) Produktivität Seite 18
19 Was ist Mass Customization? Mass Customization verbindet die Spezialisierungs- und Automatisierungsvorteile der Fliessproduktion Economies of Scale Standardisierungsvorteile mit den Flexibilitätsvorteilen der Werkstattfertigung Massanfertigung hohe Produktvielfalt schnelle Einführung neuer Produkte Seite 19
20 Elemente der Massenproduktion Nachfrageprognose Inventarüberwachung Produktionsterminierung Make-to-Stock Steuerung Produktion Lager Markt Seite 20
21 Elemente der Mass Customization Kundenwünsche Kommunikationsnetzwerk Flexible Produktionstechnologie Tracking System Make-to-Order Kommunikation Kundenwünsche Tracking Lager Produktion Markt Seite 21
22 Weitere Strategien der Mass Customization Verlagerung von Produktionsstufen Produktdifferenzierung so spät wie möglich (z.b. Benetton: Färbung erst am Produktionsende) Modularisierung des Produktionsprozesses Kundenkonfigurierbare Produkte/Services Produktmodularisierung (z.b. Levi s Jeans, Dell Computer, IKEA Möbel) Kundenorientierte Informations- und Kommunikationssysteme z.b. Benutzerdefinierte Internetseiten Seite 22
23 Levi s Personal Pair Jeans Traditionell: 8 Bundgrössen x 3 Längen = 24 Grössen Personal Pair: 12 Bundgrössen x 8 Hüftgrössen x 4 Steglängen x 11 Beinlängen = Grössen In 5 verschiedenen Farben Preis: $65 vs. $49 für traditionelle Levi s Lieferzeit: 3-4 Wochen Seite 23
24 Levi s Original Spin Jeans 5 Grundmodelle x 46 Bundgrössen x 36 Einsäumgrössen x 3 Steglängen x 5 Beinöffnungen x 16 Farben x 2 Verschlussarten = 3,97 Mio. Varianten Preis: $55 vs. $49 für traditionelle Levi s Lieferzeit: 2-3 Wochen Seite 24
25 Levi s Supply Chain Make-to-order (MTO) Produktionsanlagen in Arkansas Flexible Produktionstechnologie Balken-Code Tracking-Systeme Anprobe im Geschäft mit Internetbestellung Geschäft Tracking MTO FedEx Rohmaterialien, Inventar Kunden Seite 25
26 Operations Management Prozessanalyse Seite 26
27 Definitionen Prozess: Folge logisch zusammenhängender Arbeitsschritte zur Erstellung einer Leistung oder Veränderung eines Objektes (Transformation) Durchlaufzeit: Die Zeitdauer, die eine Produkteinheit im System verweilt Zykluszeit: Zeitraum zwischen der Fertigstellung zweier Produkteinheiten Seite 27
28 Prozess Flussdiagramm Das Flussdiagramm stellt die wesentlichen Elemente des Prozesses dar. Grundelemente sind: Aufgaben oder Arbeitsvorgänge Material- oder Kundenflüsse Entscheidungspunkte Lager oder Puffer Seite 28
29 Symbole Flussdiagramm Aufgabe oder Arbeitsvorgang Entscheidungspunkt Lager oder Puffer Material oder Kundenfluss Seite 29
30 Beispiel Flussdiagramm Burger King Zusammenstellung Spezial Rohmaterial Kochen WIP Kunde bestellt Spezial od. Standard? Standard Lieferung Zusammenstellen Fertigstellung Seite 30
31 Ziele der Prozessflussanalyse Prozessdokumentation Wer macht wann wo was? In welcher Reihenfolge? Performancemessung/Leistungsbeurteilung Kosten Kapazität Lagerbestand Lieferzeiten (potentielle Verzögerungen) Identifikation von Engpässen und Verbesserungsmöglichkeiten Seite 31
32 Prozesstypen (Extremformen) Make to Order (Auftragsproduktion) Produktionsprozess wird erst mit dem Auftrag in Gang gesetzt Warenbestand als auch in Arbeit befindliche Produkte werden minimiert Make to Stock (Lagerproduktion) Erwartete Mengen werden auf Basis einer Planung produziert Kundenaufträge werden durch Lagerbestände bedient Seite 32
33 Durchlaufzeit vs. Zykluszeit Fall 1 Tunnel! = 0,05 Autos/min Durchlaufzeit W = 40 min N = 2 Zykluszeit = 20 min Fall 2! = 0,5 Autos/min Durchlaufzeit W = 40 min N = 20 Zykluszeit = 2 min Seite 33
34 Durchlaufzeit vs. Zykluszeit Durchlaufzeit Die Zeitdauer, die eine Produkteinheit im System verweilt Synonyme: Fließzeit, Umlaufzeit Frage: Wie lange ist der Zeitraum zwischen der Einfahrt eines Autos in den Tunnel und der Ausfahrt desselben Autos aus dem Tunnel? Zykluszeit Zeitraum zwischen der Fertigstellung zweier Produkteinheiten Entspricht dem Kehrwert der Produktionsrate Frage: Wie viel Zeit vergeht zwischen der Ausfahrt eines Autos und der Ausfahrt des nächsten Autos aus dem Tunnel? Seite 34
35 Kapazität Kapazität (pro Zeiteinheit) = maximal erreichbarer Output pro Zeiteinheit = (Anzahl der produzierten Einheiten pro Zyklus) / (Zykluszeit) Beispiel: Kapazitätsberechnung eines Batch-Prozesses Batch besteht aus 72 Produkteinheiten ein Batch-Prozess dauert 5 Stunden Rüstzeit = 1 Stunde je Batch-Prozess Batch-Prozess Rüstvorgang Rüstvorgang Batch-Prozess 1h 5h 1h 5h Kapazität = Einheiten pro Batch / Zykluszeit = (72 Einheiten pro Batch) / ((1+5)h pro Batch) = 12 Einheiten pro h Seite 35
36 Auslastungsgrad Auslastungsgrad = (Tatsächlicher Output pro Zeiteinheit / Kapazität pro Zeiteinheit) x 100% Beispiel: Wie oben Batch produziert 140 Einheiten pro Tag Produktionszeit beträgt 14 h pro Tag Wie hoch ist der Auslastungsgrad? Auslastungsgrad = [140 Einheiten pro Tag / (12 Einheiten pro Stunde x 14 Stunden pro Tag)] x 100% = 83,33% Seite 36
37 Flaschenhals Flaschenhals: Diejenige Ressource, welche die Kapazität des Gesamtprozesses limitiert. Warum sind Flaschenhälse so wichtig? Seite 37
38 Lagerbestand Durchschnittlicher Lagerbestand = ½ x Batch Beispiel: alle 6 h wird ein Batch im Umfang von 72 Produkteinheiten gefahren Nachfrage = Produktion = 72/6 = 12 Einh./h Frage: Wie hoch ist der durchschnittliche Lagerbestand? Seite 38
39 Gesetz von Little Little s Law erklärt den Zusammenhang zwischen Durchlaufzeit, Lagerbestand und Produktionsrate N = durchschnittlicher Lagerbestand W = durchschnittliche Durchlaufzeit λ = durchschnittliche Produktionsrate Littles Gesetz lautet: N = Wλ Jede der drei Variablen ist durch die anderen beiden eindeutig determiniert! Seite 39
40 Beispiel Brot wird mit einer Rate von Laib/h hergestellt Es dauert 15 min. bis ein Brotlaib auf dem Kühltisch abkühlt Wie viele Brote müssen auf dem Kühltisch Platz haben? N=λW= Laib/h x 0,25 h=3 500 Laib Seite 40
41 Durchlaufzeiten Reduktion Entfall Beschleunigung Zusammenlegung Automatisierung Verlagerung Seite 41
42 Durchlaufzeiten Reduktion Reihenfolge Parallelisierung Verantwortung Teambildung Leistungsmessung Seite 42
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