Patienteninformation



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AML 97 (OSHO-Protokoll #45) Rolle der allogenen Stammzelltransplantation (SCT) im Vergleich zu einer zweiten Konsolidierung auf das leukämiefreie Überleben (LFS) von Patienten über 60 Jahre in kompletter Remission einer AML: eine Phase III - Studie Patienteninformation In diesem Informationsblatt ist noch einmal der wesentliche Inhalt des Aufklärungsgesprächs zusammengefaßt, welches der Arzt mit Ihnen über die Art Ihrer Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten führte. Ihr Arzt hat Ihnen mitgeteilt, daß Sie an einer schweren akuten Bluterkrankung leiden. Ohne sofortige, entsprechende Behandlung kann diese Krankheit innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen zum Tode führen. Die Behandlung besteht grundsätzlich in einer Chemotherapie, deren Ziel die Eindämmung der Erkrankung durch die Vernichtung der bösartig erkrankten Blutzellen ist. Mittels intensiver Chemotherapie kann ein Teil der Patienten dauerhaft geheilt werden. Diese Behandlung ist jedoch mit einem längeren Krankenhausaufenthalt und leider auch mit zum Teil erheblichen Nebenwirkungen verbunden, deren Verlauf in einigen Fällen sogar lebens-bedrohlich sein kann. Trotz dieser intensiven Chemotherapie sind Rückfälle möglich. Um diese zu vermindern, wird in dieser Studie untersucht ob Patienten mit einem Familienspender und einer allogenen Stammzelltransplantation weniger Rückfälle aufweisen als Patienten ohne Familienspender und ohne Transplantation. Die Behandlung beginnt ohne Verzug mit einer einleitenden Therapie, der Induktion. Ziel der Induktionstherapie ist die Zerstörung der vorherrschenden kranken Blutzellen und die Wiederherstellung normaler Knochenmarkverhältnisse sowie eines normalen Blutbildes (Erreichen einer Remission). Das ist dann erreicht, wenn die Tumorzellen (=Blasten) im Knochenmark <5% sind. Nach ein- oder eventuell zweimaliger Durchführung der Induktionstherapie ist die Erkrankung bei mehr als der Hälfte der Patienten nicht mehr nachweisbar. Damit ist die Krankheit jedoch erfahrungsgemäß noch nicht überwunden, da Tumorzellen im Körper des Patienten noch vorhanden sein können, auch wenn Sie nicht im Knochenmark sichtbar sind. Daher erleidet die Mehrzahl der Patienten ohne eine zusätzliche Behandlung einen Rückfall. Deshalb schließen sich noch weitere Therapieabschnitte an, die sogenannten Konsolidierungen. Die Behandlungsintensität der Konsolidierung ist gegenüber der Induktion geringer und daher in der Regel mit weniger Nebenwirkungen verbunden. Die vollständige Durchführung der Konsolidierungstherapie hat einen wesentlichen Einfluß auf die Chancen einer dauerhaften Heilung bzw. auf die Dauer der Unterdrückung der Erkrankung. Bei einem günstigen Verlauf ist die Behandlung nach einem etwa 4 monatigen Krankenhausaufenthalt abgeschlossen. 24.01.01

2 allosct vs. Konsolidierung bei AML > 60 AML #045 Für jüngere Patienten stehen als Konsolidierungstherapie zusätzlich die Knochenmark- oder Blutstammzelltransplantation zur Verfügung. Die unter Umständen auch tödlichen Nebenwirkungen der Transplantation, die mit dem Alter des Patienten deutlich zunehmen, schränken jedoch den Einsatz dieser Behandlung auf jüngeren Patienten ein (unter 55 Jahren). Die Wirkung der Transplantation beruht auf zwei Prinzipien: zum einen auf dem Effekt der hochdosierten Chemotherapie mit und ohne Bestrahlung und zum anderen auf der Vernichtung der Tumorzellen durch die Abwehrzellen des Spenders. Jüngste Fortschritte in der Transplantationsmedizin von Blutstammzellen haben gezeigt, daß es möglich ist, Blutzellen von einem Geschwister-Spender auch ohne hochdosierter Chemotherapie dauerhaft zum Anwachsen zu bringen. Somit sind die Voraussetzungen gegeben, die Abwehrzellen des Spenders zur Heilung von bösartigen Erkrankungen zu nutzen. Dadurch können auch Patienten über 60 Jahre von diesem immunologischen Effekt profitieren. Nach Erreichen einer kompletten Remission folgen in der Regel 2 bis 3 Konsolidierungszyklen. Innerhalb dieser Studie soll untersucht werden, ob die Ergebnisse einer Konsolidierung und anschließenden allogenen Stammzelltransplantation jener von 2 Konsolidierungen überlegen ist. Die Entscheidung, in welchen Arm sie behandelt werden, hängt von der Verfügbarkeit eines gewebeidenten Geschwister ab. Dies wird nach Erreichen der kompletten Remission durch eine Untersuchung Ihrer Blutzellen und der Ihrer Geschwister (Blutentnahme) geprüft. Wenn Sie keinen verträglichen Spender haben, erhalten Sie einen weiteren Konsolidierungszyklus, wie Sie ihn bereits schon bekommen haben. Wenn Sie einen Spender haben und dieser sich für die Stammzellspende eignet, dann ist nach der 1. Konsolidierung die Stammzelltransplantation vorgesehen. Die Transplantation schließt eine niedrigdosierte Ganzkörperbestrahlung mit nachfolgender Infusion der Spender-Blutstammzellen und eine das Immunsystem unterdrückende Behandlung mit Cyclosporin A und Mycophenolat-Mofetil ein, die das Anwachsen der Spenderzellen ermöglicht und eine eventuell anfänglich überschießende Reaktion der Spenderzellen gegen körpereigene Haut-, Darm- und Gallengangszellen verhindern soll. Bei unzureichendem Anteil angewachsener Abwehrzellen sind gegebenenfalls später ein oder maximal zwei weitere Infusionen von Spender-Lymphozyten vorgesehen. Insgesamt erhofft man sich von der Transplantation eine deutliche Verbesserung der Heilungschancen gegenüber der bisherigen Standardtherapie. Leider kann nach erfolgreichem Abschluß der Behandlung sowohl mit der üblichen Chemotherapie als auch mit der Transplantation ein Rückfall der Grunderkrankung nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Risiken und Nebenwirkungen 1. der Induktionstherapie und eine Konsolidierung (bei allen Patienten) Während der intensiven Chemotherapie treten mitunter erhebliche Nebenwirkungen auf.

AML #045 allosct vs. Konsolidierung bei AML > 60 3 Diese resultieren aus dem Wirkungsmechanismus der Medikamente, die besonders sich stark vermehrende Zellen angreifen. Neben der beabsichtigten Vernichtung der kranken Blutzellen werden auch sich häufig teilende gesunde Körperzellen beeinträchtigt. Das sind Zellen des Magens und Darmes, der Haare sowie der Blutbildung. Die Therapie ist daher häufig von Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall, Entzündungen der Mund- und Darmschleimhaut, Fieber und Infektionen vorübergehend begleitet. Der Haarausfall bildet sich in der Regel 3 bis 6 Monate nach Behandlungsabschluß vollständig zurück. Durch vorbeugende und lindernde Begleitmaßnahmen wird Ihr Arzt versuchen, den Nebenwirkungen entgegenzusteuern bzw. deren Schweregrad zu mindern. Ein Risiko bleibt dennoch bestehen, insbesondere jenes einer Infektion, da für einige Wochen keine weißen Blutkörperchen vorhanden sind. Es besteht auch die Gefahr, daß die Krankheit nicht auf die Therapie anspricht bzw. anspricht und rasch wiederkommt. Um die Blutungsgefahr zu verhindern, werden Ihnen Blutplättchen von gesunden Spendern verabreicht. 2. der zweiten Konsolidierung Hier sind die gleichen Risiken wie bei der Induktion vorhanden. Wie bei der ersten Konsolidierung werden die normalen Zellen durch die Chemotherapie angegriffen und daher besteht die Gefahr von Infektionen und Blutungen. Deshalb werden Sie mit Antibiotika und Pilzmitteln bereits vorbeugend behandelt. Zudem werden Ihnen auch Blutplättcheninfusionen bei zu niederen Werten gegeben. Diese Komplikationen sind nur selten lebensbedrohlich. Die größte Gefahr besteht im Rückfall der Erkrankung. 3. der Stammzelltransplantation Ebenso wie die Chemotherapie ist die Geschwister-Transplantation mit Risiken und Nebenwirkungen behaftet. Die unmittelbaren Nebenwirkungen der Transplantation sind nach den vorliegenden Erfahrungen als gering einzuschätzen. Es ist aber denkbar, daß eine erhöhtes Infektionsrisiko durch Bakterien, Viren oder Pilze und ein etwas erhöhtes Risiko an späteren bösartigen Erkrankungen auftreten könnten. Bei der Behandlung mit Cyclosporin A ist besonders eine mögliche Beeinträchtigung der Nierenfunktion zu erwähnen, die jedoch ärztlicherseits durch regelmäßige Kontrollen sorgfältig überwacht wird. Mycophenolat-Mofetil kann im Zusammenhang mit der Transplantation zu Funktionsstörungen des Magen-Darm-Trakts (Durchfall) und des Knochenmarks (Abfall der weißen Blutkörperchen) führen; die Patienten werden aber gezielt und regelmäßig auf diese Komplikationen untersucht. Das wesentlichste Risiko bei der Transplantation und den eventuell nachfolgenden Spender-Lymphozyten-Infusionen ist, daß es im Anschluß daran zu einer Reaktion der Spenderzellen gegen körpereigene gesunde Zellen kommen kann. Diese sogenannte Transplantat - gegen - Empfänger Reaktion (Graft-versus-Host- Erkrankung) kann vor allem die Haut, die Leber und den Darm schädigen. Die daraus Version 17.02.2000

4 allosct vs. Konsolidierung bei AML > 60 AML #045 folgenden Krankheitserscheinungen können mild und vorübergehend sein, seltener aber auch zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Durch vorbeugende und lindernde Begleitmaßnahmen wird Ihr Arzt versuchen, den Nebenwirkungen entgegenzusteuern bzw. deren Schweregrad zu mindern. 4. der Ganzkörperbestrahlung Im Rahmen der Stammzelltransplantation werden Sie einer einmaligen, niedrig dosierten Ganzkörperbestrahlung unterzogen. Sie wird in der Regel ohne klinische Erscheinungen vertragen. In der Frühphase kommt es zu einer verminderten Zellproduktion im Knochenmark, das Risiko von nach vielen Jahren auftretenden Tumoren ist äußerst gering und in der Praxis bisher nicht beobachtet worden. In Verbindung mit der Chemotherapie ist eine Beeinträchtigung der Funktion der Hoden und Eierstöcke nicht auszuschließen. Kosten Nutzen Evaluation Patienten ohne Spender werden im Standardarm behandelt. Ihr größtes Risiko ist das Wiederauftreten der Erkrankung. Patienten mit Familienspender gehen zwar zusätzliche Risiken durch die Stammzelltransplantation ein, insbesondere jenes der Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion und jener von Infektionen, dies ist aber gering und der zu erwartende Nutzen weitaus größer. Weitergabe von Daten Klinische Studien werden mit dem Ziel der weiteren Verbesserung der Heilungschancen unternommen. Für die Beurteilung der Wirksamkeit einer Behandlung ist es daher notwendig, die Daten zum Krankheitsverlauf möglichst vieler Patienten zu erfassen und sie in einem biometrischen Zentrum wissenschaftlich auszuwerten. Die Dokumentation der personenbezogenen Daten schließt Name bzw. Initialen, Geburtsdatum, Klinik, Diagnose und Angaben zum Krankheitsverlauf ein. Diese Berichte werden an die Studienzentrale weitergeleitet. Die Übergabe der Daten an das Auswertungszentrum erfolgt dann in anonymisierter Form. Dokumentation, Weitergabe und Auswertung der patientenbezogenen Daten setzen das Einverständnis des Patienten voraus. Entscheidungsfreiheit des Patienten Sie sollen frei über eine Teilnahme an der klinischen Studie und der damit verbundenen Therapie entscheiden. Im Fall der Nichtzustimmung erwächst Ihnen daraus kein Nachteil in der medizinischen Betreuung. Ihre Behandlung kann dann von Ihrem Arzt individuell gewählt werden.

AML #045 allosct vs. Konsolidierung bei AML > 60 5 Es setzt sich zunehmend die Einschätzung durch, daß im Rahmen von wissenschaftlich kontrollierten Studien die besten Voraussetzungen für die Behandlung derartig schwerer Erkrankungen gegeben sind und daß das koordinierte Vorgehen vieler Kliniken letztlich zu einem objektiven Erkenntniszuwachs im Interesse der Patienten führt. Version 17.02.2000