Kölner Börsenverein e.v. Fundamentale Aktienanalyse mit dem ProBot-Value-Modell Berechnung von Profit Value, Bottom Value und Fair Value Workshop am 08. 11. 2012 Referent: Dirk Arning 1
Aktien als Anteilsscheine eines Unternehmens Wenn man Glück hat, kann man mit Aktien gewinnen. Man kann aber auch Pech haben. Erfolg mit Aktien- Investments ist eben Glückssache. Der Aktionär wird Miteigentümer des Unternehmens, trägt also auch zu einem Bruchteil die unternehmerischen Risiken. Sein Verlustrisiko ist auf sein Kapital begrenzt. Eine Aktie verbrieft einen Miteigentumsanteil am Unternehmen Der Aktionär wird Bruchteilseigentümer (der Aktiengesellschaft). am Vermögen des Unternehmens (auch der Immobilien, Maschinen, Vorräte und Produkte). A 100 100 100 Der Aktionär ist aber vor allem an der Wertschöpfung und damit Gewinnen beteiligt. Wertschöpfung 100 Die Aktie ist als gut handelbare Form der Unternehmensbeteiligung eine produktive Sachwertanlage. 2
Annahmen der fundamentalen Analyse Aktienkurse spiegeln langfristig den Wert von Unternehmen wider. Der Wert des Unternehmens ergibt sich aus real-wirtschaftlichen Größen. Zur Ermittlung des Wertes können Bestandsgrößen betrachtet werden (Substanzanalyse): Buchwert. Zur Ermittlung des Wertes können Fließgrößen betrachtet werden (Umsatz- und Gewinnanalyse). Vor allem die Fähigkeit, in Zukunft Gewinne zu erzielen, bestimmt den Wert eines Unternehmens. Die Aktienmärkte übertreiben zeitweilig in die eine oder andere Richtung (Ineffizienz). Aktien können zeitweilig für weniger als ihrem angemessenen Wert gekauft werden. Aktienkurse pendeln langfristig um ihren wirklichen Wert. Für den wirklichen bzw. angemessenen Wert lässt sich eine Indikation berechnen. 3
Aspekte der Bewertung Fundamentalanalysen basieren auf der Betrachtung der realwirtschaftlichen Verhältnisse: Substanzwertverfahren et efahenleitendenuntenehmens Unternehmenswert et aus der Vermögens- und Kapitalsituation ab. Wertschöpfung Ertragswertverfahren leiten den Unternehmenswert dagegen aus der Fähigkeit ab, zukünftig Gewinne zu erzielen. Neben rein quantitativen Größen haben A qualitative Aspekte steigende Bedeutung: Sustainability: ökologische, soziale und ethische Aspekte Corporate Governance: Umgang mit Stakeholdern Welche Bewertungskriterien und Analysemethoden welches Gewicht haben, muss der Entscheidung der Anleger überlassen bleiben. 4
Alternativmodell akademisch: Fair Value als Barwert zukünftiger Cash Flows Probleme: - Höhe des Diskontierungszinssatzes wichtig - Gewinnschätzungen zunehmend unsicher Studie zeigt: Gewinnschätzungen sind nur für die kommenden 12 bis 18 Monate besser als naives Fortschreiben Konsequenzen: ProBot-Value-Modell arbeitet nur mit den Gewinnschätzungen für die kommenden 12 bis 18 Monate ProBot-Value-Modell arbeitet ohne Zinsen 5
INPUT-Daten Daten zur Identifizierung: Name, ISIN, WKN, Börse bzw. Marktsegment Daten zur qualitativen Bewertung: e Branche, Geschäftsmodell Bonus / Malus Sustainability - Bewertung Bonus / Malus Corporate Governance- / Investor Relations Bewertung Daten zur quantitativen Bewertung: Anzahl der ausstehenden Aktien Umsatzerlöse (Schätzung) im laufenden Jahr Buchwert ( Net-Asset-Value) Gewinn (- schätzungen) für die vergangenen drei, das laufende und nächste Jahr (Jahresüberschuss oder Gewinn pro Aktie) 6
Überblick Qualitative Bewertung Geschäftsmodell Unternehmensgewinne Erlöse Buchwert EPS, CAGR Netto-Marge angemessenes KGV ang. KUV Profit value Fair value Bottom value 7
Qualitative Bewertung Annahme: Je geringer die Abhängigkeit it der Gewinnentwicklung i von äußeren Einflüssen (insbesondere konjunkturellen Schwankungen) ist, um so besser für die Aktie. 1. Frage: Wie anfällig ist die Branche bzw. das Geschäftsmodell für zyklische Schwankungen (Konjunktur)? TPER Es wird ein Parameter (Branchen-angemessenes KGV: TPER ) festgelegt: 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 extrem zyklisch Bau, Automobil- und Maschinenbau, Zulieferer, Rohstoffe Finanzwerte, weniger zyklische Investitionsgüter Versorger, Holdings, Konglomerate 2. Frage: Wie geht das Unternehmen mit Ressourcen um? extrem unempfindlich Pharma Nahrungsmittel Es werden Bonus- und Malus-Punkte für eine Sustainability Bewertung vergeben. 3. Frage: Wie geht das Unternehmen mit seinen Aktionären um? Es gibt Bonus- und Malus-Punkte für Corporate Governance und Investor Relations. 8
Quantitative Bewertung: EPS-Verdichtung Annahme: Zentrale Größe der Gewinnbewertung ist der Gewinn pro Aktie ( earnings per share : EPS). Das Modell verdichtet die Gewinn (-schätzungen) des vergangenen Jahres (t-1), des aktuellen Jahres (t) und des nächsten Jahres (t+1) zu einem Wert: FEPS. Dazu wird ein gewogener Durchschnitt aus diesen Gewinnschätzungen berechnet. FEPS 20 % 15 % 25 % 50 % 20 % 50 % 15 % 25 % 20 % 50 % 15 % 25 % 60 % 30 % 30 % 60 % 30 % 60 % 1. Halbjahr 2004 2. Halbjahr 2004 1. Halbjahr 2. Halbjahr 1. Halbjahr 2. Halbjahr 2005 2005 2006 2006 Im ersten Halbjahr hat der EPS-Wert des vergangenen Jahres (t-1) 20% Gewicht, des aktuellen Jahres (t) 50% und des nächsten Jahres (t+1) 30% Gewicht. Im zweiten Halbjahr hat der EPS-Wert des vergangenen Jahres (t-1) 15% Gewicht, des aktuellen Jahres (t) 25% und des nächsten Jahres (t+1) 60% Gewicht. 9
Quantitative Bewertung: Gewinnwachstum Annahme: Höheres Gewinnwachstum (CAGR) rechtfertigt ti t eine höhere Bewertung ( compound annual growth rate : CAGR). Um Basiseffekte zu minimieren, werden Ein-Jahres-Veränderungsraten berechnet, wobei der Wert des späteren Jahres als Basis dient. Der CAGR-Wert wird dann als gewogener Durchschnitt aus 4 Veränderungsraten berechnet. 2003 2004 2005 2006 2007 Im ersten Halbjahr haben die Raten folgende Gewichte: t-3 / t-2 15%, t-2 / t-1 25%, t-1 / t 35%, t / t+1 25%. Im zweiten Halbjahr haben die Raten folgende Gewichte: t-3 / t-2 10%, t-2 / t-1 20%, t-1 / t 30%, t / t+1 40%. 10
Quantitative Bewertung: Profit Value Annahme: Aus der Multiplikation lik von repräsentativem ti EPS und angemessenem KGV errechnet sich eine Indikation für den Fair Value einer Aktie aus der Gewinnentwicklung. Das angemessene KGV ( Fair Price Earnings Ratio : FPER) wird zu gleichen Teilen durch das Branchen-angemessene KGV (TPER-Parameter) P und das Gewinnwachstum bestimmt. t TPER CAGR FEPS X = FPER Profit Value Der Profit Value ist eine Indikation für den angemessenen Wert einer Aktie, der sich aus der Gewinnentwicklung ergibt. 11
Quantitative Bewertung: Bottom Value Annahme: Aus der Multiplikation lik der Umsatzerlöse und eines angemessenem KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis) errechnet sich eine weitere Indikation für den Fair Value. Das angemessene KUV wird aus der Netto-Marge errechnet. FEPS Umsatz pro Aktie X Umsatz- Bewertungs- Faktor = Netto-Marge 2 Bottom Value 1/2 1/2 Umsatzvielfaches Buchwert Der Bottom Value ist eine Indikation für den angemessenen Wert einer Aktie, der sich aus der Umsatzbewertung und dem Buchwert ergibt. 12
Quantitative Bewertung: Fair Value Annahme: Je dichter Profit Value und Bottom Value zusammen liegen, um so besser ist die Indikation für den Fair Value. Der Fair Value wird als geometrisches Mittel berechnet. Profit Value 100 Euro Profit Value 130 Euro Bottom Value 100 Euro 100 x 100 Bottom Value 70 Euro Fair Value = 100 130 x 70 Fair Value = 95 Der Fair Value ist eine Indikation für den Wert einer Aktie, KEINE Kursprognose! 13
Disclaimer: rechtliche Hinweise Die vorliegende Präsentation wurde von Dirk Arning auf Grundlage öffentlich zugänglicher Informationen, intern entwickelter Daten und Daten aus weiteren Quellen, die von uns als zuverlässig eingestuft wurden, erstellt. Dirk Arning, der Kölner Börsenverein und die BÖRSENKOMPASS GmbH können keine Garantie für die Richtigkeit bzw. Vollständigkeit der Informationen geben. Alle Aussagen und Meinungen stellen die Einschätzung von Dirk Arning zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Präsentation dar und können sich jederzeit unangekündigt ändern. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit bzw. Vollständigkeit der in dieser Präsentation enthaltenen Informationen und Daten bzw. Einschätzungen übernommen. Insbesondere stel- len historische Performance-Daten keine Garantie für zukünftige Entwicklungen dar. Die in dieser Präsentation enthaltenen Informationen und Daten bzw. Einschätzungen dienen ausschließlich der Information und Illustration. Keine Angaben im Rahmen dieser Präsentation sollte als Beratung verstanden werden. Die vorliegende Präsentation stellt keine Empfehlung oder Beratung im Hinblick auf den Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten i t oder zur Anwendung einer bestimmten t Anlagestrategie t dar. Die Präsentation ti stellt ferner kein Angebot zur Anschaffung oder zur Veräußerung von Finanzinstrumenten dar. Diese Präsentation darf ohne vorherige Erlaubnis des Urhebers weder auszugsweise noch vollständig an Dritte weitergegeben oder auf sonstige Weise verwertet bzw. öffentlich wiedergegeben werden. 14