Praxisleitfaden zur Erstellung eines Explosionsschutzdokumentes für Betriebe



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Transkript:

FSA-Schriftenreihe Nr. F05-0501/01-06 Praxisleitfaden zur Erstellung eines Explosionsschutzdokumentes für Betriebe der Getreideverarbeitung, Getreidelagerung und des Handels ª FSA Forschungsgesellschaft für angewandte Systemsicherheit und Arbeitsmedizin www.fsa.de

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 2 Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung...3 2 Anwendungsbereich des Leitfadens...3 3 Zoneneinteilung für Stäube...5 3.1 Erläuterungen zu den Zonendefinitionen...6 3.2 Anwendung auf ein Kraftfutterwerk...8 3.2.1 Siloboden...10 4 Beurteilung des Explosionsrisikos als Grundlage für das Explosionsschutzdokument...11 4.1 Beurteilung des stofflichen Risikos...13 4.2 Gefährdungen durch wirksame Zündquellen...15 4.3 Die Beurteilung der Risiken der im Betrieb relevanten Bereiche...17 4.3.1 Schüttgossen...17 4.3.2 Entstaubungsanlage...19 4.3.3 Pneumatische Förderer...21 4.3.4 Trogkettenförderer...22 4.3.5 Bandförderer...22 4.3.6 Schneckenförderer...22 4.3.7 Elevatoren...23 4.3.8 Mahlanlagen...24 4.3.9 Mischanlagen...24 4.3.10 Rohrweichen und Fallrohre...25 4.3.11 Ventilatoren...26 4.3.12 Aspirateure...26 4.3.13 Trockner...27 4.3.14 Elektrische Ausrüstung...28 4.3.15 Silozellen...29 4.3.16 Räume, die mit Silos in Verbindung stehen...30 4.3.17 Lagerhallen und andere Räume...31 5 Anforderungen an Geräte und Schutzsysteme...35 6 Maßnahmen zum Brand- und Explosionsschutz...36 6.1 Brandschutz...36 6.2 Maßnahmen zur Vermeidung explosionsfähiger Atmosphäre...36 6.3 Maßnahmen zur Vermeidung wirksamer Zündquellen...39 6.4 Maßnahmen zum konstruktiven Explosionsschutz...39 6.4.1 Explosionsdruckentlastung...39 6.4.2 Explosionsunterdrückung...40 6.4.3 Entkopplungseinrichtungen...41 6.5 Gebäudereaktion auf Explosionsdruck...46 7 Organisatorische Maßnahmen des Explosionsschutzes...47 8 Aufbau des Explosionsschutzdokumentes...51 8.1 Mögliche Gliederung des Explosionsschutzdokuments gemäß 6 BetrSichV...52 Anhang...58

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 3 1 Einleitung Die Anforderungen zum betrieblichen Explosionsschutz werden durch die Betriebssicherheitsverordnung geregelt. Auf der Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung hat der Arbeitgeber Maßnahmen zu ergreifen, die die Sicherheit der Beschäftigten gewährleisten. Die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung sowie die daraus abzuleitenden Sicherheitsmaßnahmen sind durch den Arbeitgeber in einem Explosionsschutzdokument darzustellen. Dies gilt unabhängig von der Zahl der Beschäftigten sowie dem Unfallgeschehen. Mit dem Explosionsschutzdokument hat der Arbeitgeber nachzuweisen: dass die Explosionsgefährdung ermittelt und bewertet worden ist, in welchen Bereichen eine Explosionsgefährdung auftreten kann (Zoneneinteilung), mit welchen Maßnahmen eine Gefährdung vermieden bzw. auftretenden Gefährdungen begegnet werden soll, nach welchen Kriterien Arbeitsmittel für explosionsgefährdete Bereiche auszuwählen sind und welche organisatorischen Maßnahmen erforderlich sind. Das Explosionsschutzdokument muss beinhalten: eine Gefährdungsbeurteilung incl. der durchgeführten Maßnahmen, eine Zoneneinteilung, Angaben zu Unterweisungen, Angaben zu Instandhaltungsmaßnahmen, Angaben zur Koordination von sicherheitstechnischen Maßnahmen. 2 Anwendungsbereich des Leitfadens In vielen Betrieben der Verarbeitung, des Handels und der Lagerei gibt es Bereiche, in denen Explosionsgefährdungen durch brennbare Stäube (z.b. Getreide - und Futtermittelstäube oder Düngemittel), durch brennbare Gase oder brennbare Flüssigkeiten unter bestimmten Umständen nicht auszuschließen sind. Beispielsweise sind die folgenden Räume und Einrichtungen, die zur Herstellung und zur Lagerung von Getreide und Futtermitteln dienen, zu betrachten:

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 4 Lagerräume für Roh- und Hilfsstoffe, Gossen bzw. Produktaufgaberäume Silos, Siloböden und Silokeller, Be- und Verarbeitungsmaschinen und deren Aufstellungsräume Transport- und Entstaubungssysteme Trockner Abbildung 1: zeigt beispielhaft den typischen Verfahrensablauf für die Einlagerung sowie die Weiterverarbeitung in einem Kraftfutterwerk. Abweichungen zu realen Anlagen sind möglich.

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 5 Anlagenbeispiel für ein Fließschema eines typischen Kraftfutterwer- Abbildung 1: kes 3 Zoneneinteilung für Stäube Kern des Explosionsschutzdokuments ist die nachfolgend beschriebene Zoneneinteilung der einzelnen Betriebsbereiche in Gefährdungszonen bzgl. möglicher Explosionen. Die Zuordnung der Betriebsbereiche zu den Zonen 20, 21 und 22 er-

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 6 folgt entsprechend der Dauer und Häufigkeit des Vorhandenseins explosionsfähiger Atmosphäre entsprechend den folgenden Definitionen: Zone 20 ist ein Bereich, in dem gefährliche explosionsfähige Atmosphäre in Form einer Wolke aus in der Luft enthaltenem brennbaren Staub ständig, über lange Zeiträume oder häufig vorhanden ist. Zone 21 ist ein Bereich, in dem sich bei Normalbetrieb gelegentlich eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre in Form einer Wolke aus in der Luft enthaltenem brennbaren Staub bilden kann. Zone 22 ist ein Bereich, in dem bei Normalbetrieb eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre in Form einer Wolke aus in der Luft enthaltenem brennbaren Staub normalerweise nicht oder aber nur kurzzeitig auftritt. 3.1 Erläuterungen zu den Zonendefinitionen Zum besseren Verständnis werden im Folgenden die wichtigsten Begriffe aus den Zonendefinitionen erläutert. Normalbetrieb Dies ist der Zustand, in dem Anlagen innerhalb ihrer Auslegungsparameter benutzt werden. Störungen, die Instandsetzung oder Abschaltung erfordern, gehören grundsätzlich nicht zum Normalbetrieb. Gefahrdrohend Eine explosionsfähige Atmosphäre, die in solchen Mengen auftreten kann, dass besondere Schutzmaßnahmen zur Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheit der betroffenen Arbeitnehmer erforderlich werden, gilt als gefahrdrohend. Eine explosionsfähige Atmosphäre, die nicht in solchen Mengen zu erwarten ist, dass besondere Schutzmaßnahmen erforderlich werden, gilt als nicht gefahrdrohend und führt damit nicht zu einer Zone. Explosionsfähige Atmosphäre Ein Gemisch aus Luft und brennbaren Gasen, Dämpfen, Nebeln oder Stäuben führt genau dann zu einer explosionsfähigen Atmosphäre, wenn die untere Explosionsgrenze (UEG) überschritten und die obere Explosionsgrenze (OEG) unterschritten ist. Die UEG ist eine stoffspezifische Kenngröße, die experimentell bestimmt werden kann. Staubschichten Schichten, Ablagerungen und Aufhäufungen von brennbarem Staub sind wie jede andere Ursache, die zur Bildung einer explosionsfähigen Atmosphäre führen kann, zu berücksichtigen.

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 7 Die Reinhaltung einer Anlage ist eine sicherheitstechnisch bedeutsame Maßnahme bei der Realisierung des Explosionsschutzes und wirkt sich vorteilhaft bei der Zoneneinteilung aus. Die Reinhaltung ist beispielsweise durch die Umsetzung eines Reinigungsplans zu realisieren. Wahrscheinlicheitsbegriff Die Zone ergibt sich aus der Dauer und der Häufigkeit des Auftretens der gefährlichen explosionsfähigen Atmosphäre. Diese tritt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf, die sich in den folgenden Begriffen ausdrückt: a) Häufig oder über lange Zeiträume: zeitlich überwiegend bezogen auf die effektive Betriebszeit (z.b. > 50%) b) Normalerweise nicht, oder nur kurzzeitig: wenige Male pro Jahr für je ca. ½ Stunde je Vorgang c) gelegentlich was zwischen die Begriffe a) und b) fällt Die oben stehenden Erklärungen dieser Begriffe geben nur orientierende Anhaltspunkte. Trotz gewissenhaften Vorgehens sind bei der Zoneneinteilung unterschiedliche Ergebnisse aufgrund subjektiver Einschätzungen möglich. Die Zonenfestlegung sollte sich deshalb vorwiegend an den betrieblichen Erfahrungen orientieren. Zone 20 ist nur im Inneren von Behältern, Rohrleitungen, Apparaturen usw. anzutreffen. Dies bedeutet aber nicht, dass in Behältern, Rohrleitungen, Apparaten usw. grundsätzlich Zone 20 anzunehmen ist. Wesentlich sind Verfahrensbedingungen (z.b. Füllverfahren) und Stoffeigenschaften (z.b. Schwebeverhalten). Zu Zone 21 können u.a. Bereiche in der unmittelbaren Umgebung von Staubentnahme- oder Füllstationen gehören. Auch Bereiche, in denen Staubablagerungen vorhanden sind, welche durch Aufwirbeln im Normalbetrieb gelegentlich eine explosionsfähige Konzentration von brennbarem Staub im Gemisch mit Luft bilden können, gehören zur Zone 21. Zu Zone 22 gehören u.a. auch Bereiche in der Umgebung Staub enthaltender Apparaturen, wenn Staub zwar nur in nicht explosionsfähiger Konzentration austritt aber sich längerfristig Staubblagerungen bilden, die kurzzeitig zu gefährlichen explosionsfähigen Staub/-Luftgemischen aufgewirbelt werden können.

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 8 3.2 Anwendung auf ein Kraftfutterwerk Die folgende Tabelle zeigt für die verschiedenen Anlagenteile eine mögliche Einteilung in die Zonen nach Anhang 3 der BetrSichV. Betriebsbereich bzw. Zone* Bedingungen / Bemerkungen Anlagenteil Eingehauste 21 Unterhalb des Gossenrostes Annahmegosse 22 Innerhalb der Annahmeeinhausung, wenn Staubablagerungen vorhanden sind keine ohne Staubablagerungen Offene Annahmegosse keine Durch Witterung (Wind) Verteilung und damit Unterschreitung der UEG Sackaufgabestellen, Absackstellen 22 im Nahbereich (ca. 0.5 m im Umkreis) im Bereich des Sackabrisses Siebreinigung, innerhalb (Aspira- 21 teur) Trieure, innerhalb 22 Durchlaufwaage 22 21 Bei Getreide mit Absaugung der Waage (bei alten Waagen über natürliche Lüftung) Bei Mehl bzw. staubförmigen Stoffen Zyklone 22 Aufgrund der tangentialen Beschickung Filter, rohgasseitig 21 Filter, reingasseitig keine Staubkammern 20 Pneumatische Förderung, innerhalb 22 Trocknungsanlage, innerhalb 21 keine/ 22 In einer pneumatischen Förderleitung mit kontinuierlicher Schüttgutförderung (Strähnen- oder Flugförderung) ist in der Regel die obere Explosionsgrenze überschritten. Zu beachten sind allerdings An- und Abfahrbedingungen, bei denen die Staubkonzentration reduziert ist und der explosionsfähige Bereich durchfahren wird. Die Häufigkeit des An- bzw. Abfahrvorgangs kann zu einer Verschärfung der Zone führen. Bei einer Sackentleerung über einen Trichter und anschließender pneumatischer Förderung ist die OEG gelegentlich unterschritten Abhängig von der Produktfeuchte Trocknungsanlagen im Auslaufbereich 21 Bei ungereinigtem Getreide

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 9 Silozellen, innerhalb 20 21 Bei vertikaler pneumatischer Befüllung mit reinen staubförmigen Stoffen bei denen die explosionsfähige Atmosphäre häufig oder über lange Zeiträume ansteht. Bei vertikaler pneumatischer Befüllung mit Getreide u.ä. Bei Befüllung mit staubförmigen Stoffen und Getreide über Fallrohre und u.ä. Bei pneumatischer tangentialer Befüllung mit staubförmigen Stoffen (bei gut schwebefähigen Stoffen). 22 Siloböden Schüttguthallen, innerhalb 21 22 keine Elevatoren 20 21 22 Trogkettenförderer 21 22 Bandförderer 21 22 Bei pneumatischer tangentialer Befüllung mit Getreide u.ä. Im Bereich der Einstiegsöffnungen siehe nächster Abschnitt an Abwurfstellen im übrigen Lagerbereich, mit Staubablagerungen im übrigen Lagerbereich, falls keine Staubablagerungen vorhanden gefördert werden staubförmige Stoffe (Korngröße < 0,5 mm) z.b. Mehl Schüttgüter wie ungereinigtes Getreide etc. mit mehreren % Feinbzw. Staubanteil alle brennbaren, körnigen Schüttgüter, die gereinigt sind und praktisch keine ( < ca. 1%) Staubpartikel < 0.5 mm aufweisen An Aufgabestellen für staubförmige Stoffe und Getreide mit hohem Feinstaubanteil Übriger Bereich an geschlossenen Aufgabebereichen für staubförmige Stoffe und Getreide mit hohem Feinstaubanteil Übriger Bereich Offene Bandförderer für staubförmige Stoffe Schneckenförderer 22 für staubförmige Stoffe bei Anund Abfahrvorgängen (Voraussetzung: ausreichender Befüllgrad) Verladung innerhalb einer Umhausung 21 22 im Fülltrichter Raum, wenn Staubablagerungen vorhanden

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 10 *Die Zonenangaben gelten für gebräuchliche Anlagen im bestimmungsgemäßen Betrieb und fachgerechter Wartung. Von den angegebenen Werten kann aufgrund anderer Bedingungen abgewichen werden. 3.2.1 Siloboden Das folgende Bild (Abbildung 2:) zeigt einen Siloboden mit einer technisch dichten Anlage, auf dem so häufig gereinigt wird, dass sich keine gefährlichen Staubablagerungen bilden können. Im Normalbetrieb (s.o.), also im Falle, dass keine Störungen auftreten, wird die untere Explosionsgrenze beim Aufwirbeln nicht ü- berschritten. Die Bodenmarkierung ist gut sichtbar. Daher ist hier keine Zone vorhanden. Abbildung 2: Auf dem Siloboden sind keine Staubablagerungen vorhanden, daher liegt hier keine Zone vor. Die Reinigung sollte so erfolgen, dass die Markierung auf dem Fußboden immer sichtbar ist. Im folgenden Bild liegt jedoch Zone 22 vor, da Staubablagerungen vorhanden sind und so aufgewirbelt werden können, dass die UEG überschritten wird. Abbildung 3: Staubablagerung auf einem Siloboden

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 11 Abbildung 4: Beispiel eines Zonenplans für das Kraftfutterwerk aus Abb.1. Die verschiedenen Zonen innerhalb der Anlagenteile sind farblich verdeutlicht. 4 Beurteilung des Explosionsrisikos als Grundlage für das Explosionsschutzdokument Die Betriebssicherheitsverordnung legt fest, dass zur Ermittlung notwendiger sicherheitstechnischer Maßnahmen auf der Grundlage eines systematischen Vo r-

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 12 gehens, eine Gefährdungsabschätzung zu erstellen ist. Insbesondere sind die Bestimmungen in den Anhängen dieser Verordnung zu berücksichtigen. Dabei müssen die Wahrscheinlichkeit und die Dauer des Auftretens gefährlicher explosionsfähiger Atmosphären (wesentlich für die Zoneneinteilung explosionsgefährdeter Bereiche), die Wahrscheinlichkeit des Vorhandenseins, der Aktivierung sowie des Wirksamwerdens von Zündquellen, einschließlich elektrostatischer Entladungen sowie das Ausmaß der Auswirkungen von möglichen Explosionen beurteilt werden. Grundsätzlich muss die Gefährdungsanalyse vom Betreiber auf Basis einer nachweisbaren und den jeweiligen spezifischen Randbedingungen Rechnung tragenden Zoneneinteilung erfolgen. Dabei gilt zu berücksichtigen, dass sich eine Gefährdungsabschätzung nicht ausschließlich auf das Element (Maschine, Apparat, Gerät) bezieht, sondern bei einer vorhandenen Produktionsanlage auch auf dessen Funktion, Ausrüstung und Einordnung in den Stofffluss. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine Gefährdungseinschätzung ohne Berücksichtigung sämtlicher vorgenannter Einflussgrößen z.b. durch pauschale Festlegung im Sinne der zu erbringenden nachweisbaren Gefahrenanalyse nicht zulässig ist. Die Explosionsrisiken sind in ihrer Gesamtheit zu beurteilen. Von Bedeutung sind: die eingesetzten Maschinen und Arbeitsmittel, die baulichen Gegebenheiten, die verwendeten Stoffe, die Arbeits- und Verfahrensbedingungen und die möglichen Wechselwirkungen verschiedener Anlagen untereinander sowie mit dem Arbeitsumfeld. Ebenso sind Bereiche, die über Öffnungen mit explosionsgefährdeten Bereichen in Verbindung stehen oder gebracht werden können, bei der Beurteilung der Explosionsrisiken zu berücksichtigen. Die Betriebssicherheitsverordnung sieht bei der Beurteilung explosionsgefährdeter Bereiche einen dreistufigen Ansatz mit der Einteilung in primären, sekundären und tertiären Explosionsschutz vor. Primärer Explosionsschutz Die Verhinderung der Bildung explosionsfähiger Atmosphäre unter Berücksichtigung aller stofflichen Gefährdungsmerkmale also der Prüfung der Kenngrößen des Stoffes. ISekundärer Explosionsschutz Unter diesem versteht man im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung die Vermeidung von wirksamen Zündquellen.

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 13 Tertiärer Explosionsschutz Unter diesem versteht man im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung die Begrenzung der Auswirkungen einer dennoch auftretenden Explosion. Dies bedeutet, dass die nach der Risikobeschreibung des primären und sekundären Explosionsschutzes noch verbleibende Gefährdung also entzündliche Stoffe mit gleichzeitig nicht zu vermeidenden Zündquellen nämlich die Auswirkungen einer Explosion, begrenzt werden müssen. 4.1 Beurteilung des stofflichen Risikos Staubexplosionsgefahr besteht nur dann, wenn aus brennbarem Staub eine Staubwolke gebildet wird und gleichzeitig eine wirksame Zündquelle vorhanden ist. Bei Getreide handelt es sich grundsätzlich um ein brennbares Schüttgut, wobei gereinigtes Getreide, d.h. Getreide ohne Verunreinigungen wie Stroh, Rispen o- der andere getrocknete Pflanzenbestandteile, als schwer entzündbar einzustufen ist. Ungeachtet davon besteht bei Getreide grundsätzlich bei einem zu hohen Feuchtigkeitsgehalt und bei Insektenbefall die Gefahr der Selbsterhitzung. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass die Neigung zur Selbsterhitzung mit steigendem Reinheitsgrad und sinkendem Feuchtigkeitsgehalt vermindert wird und dann als gering gefährdend einzustufen ist. Durch Sedimentation von Stäuben in Luft treten praktisch niemals homogene Staub/Luft-Gemische auf. Daher haben auch die Explosionsgrenzen bei Staub nicht die gleiche sicherheitstechnische Bedeutung wie bei Gas/Luft-Gemischen. Dies gilt vor allem für die obere Explosionsgrenze. Bei Staubkonzentrationen unter 30 g/m³ in Luft sind Staubexplosionen bei den im Kraftfutterwerk oder der Getreideverarbeitung eingesetzten Stoffen im Allgemeinen nicht zu befürchten. Je feiner Stäube sind, umso länger bleiben Staub/Luft-Gemische erhalten, um so größer werden der maximale Explosionsdruck (p max ) und insbesondere der maximale zeitliche Druckanstieg, und um so niedriger liegt die Mindestzündenergie. Teilchen mit Durchmessern oberhalb ca. 500 µm reagieren im Allgemeinen nicht mehr explosionsartig. Enthält solcher Grobstaub allerdings Feinstaub innerhalb der Explosionsgrenzen, so nimmt auch ein Teil des Grobstaubes an der Explosion teil. Es ist stets zu beachten, dass aus Grobanteilen durch Abrieb Feinstaub entstehen kann. Um ein Explosionsschutzkonzept durchführen zu können, müssen sicherheitstechnische Kenngrößen der auftretenden Stäube bekannt sein. (z.b. Gestis- Staubdatenbank: www.hvbg.de/d/bia/fac/expl/index.html) Für den vorbeugenden Explosionsschutz: Ersatz brennbaren Materials Brennbarkeit, Explosionsfähigkeit Konzentrationsbegrenzung Untere/Obere Explosionsgrenze Inertisierung Sauerstoffgrenzkonzentration, Brennzahl Vermeidung von Zündquellen Mindestzündenergie, Mindestzündtemperatur, Glimmtemperatur, Selbstentzündungsverhalten, Elektrostatisches Verhalten

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 14 Für den konstruktiven Explosionsschutz: Explosionsfeste Bauweise Explosionsdruckentlastung Explosionsunterdrückung Explosionstechnische Entkopplung p max p max, K St, UEG p max, K St Grenzspaltweite, UEG, p max, K St, Brennzahl, Verbrennungsgeschwindigkeit Stoffe, die zu beurteilen sind, können z.b. sein: Nachprodukte (z.b. Sojaschrot, Sojaschalen, Rapsschrot, Palmexpeller, Corngluten, Trockenschnitzel, Weizenkleie, Protapec, Milurex) Getreide und Leguminosen (z.b. Roggen, Gerste, Weizen, Mais, Erbsen, Sojabohnen) Vormischungen (z.b. Vitaminvormischungen) Diese Stoffe sind bezüglich der Brennbarkeit für die Anteile < 250 µm maximal den Brennzahlen BZ 2 (kurzes Anbrennen und rasches Auslöschen) oder BZ 3 (örtliches Brennen oder Glimmen ohne Ausbreitung) zuzuordnen. Lediglich die Staubanteile (< 250 µm) von Getreide und Soja können ein Verhalten nach BZ 4 (Durchglühen ohne Funkenwurf oder langsame flammenlose Zersetzung) haben. Bezüglich der Explosionsfähigkeit der Anteile < 63 µm sind diese Stoffe maximal mit ST 1, d.h. schwach staubexplosionsfähig mit einem K St -Wert < 200 bar m s -1 eingestuft. Die minimalen Zündtemperaturen liegen bei 470 C und die minimalen Glimmtemperaturen bei 290 C. Die maximalen Explosionsüberdrücke sind in der Regel < 9 bar. Die Mindestzündenergie liegt meist unterhalb von 10 mj. Inerte Stäube sind nicht explosionsfähig. Darunter fallen z.b. Mineralien wie Kalk oder Salze. Einer Sonderbetrachtung bedürfen extrahierte Schrote von Ölsaaten. Die immer vorhandene Restbenzinmenge hängt vom Entbenzinierungsprozess, von der Schrotsorte, von der Struktur des Schrotes als Folge der Aufbereitung der Saat vor der Extraktion, vom Restöl und vom Feuchtigkeitsgehalt ab. Auf dem Wege durch eine Schrotsäule in einem Silo nimmt die durchströmende Luft Hexan aus dem Schrot auf. Dieser Transportprozess dauert so lange bis der Partialdruck in der Luft gleich dem Dampfdruck des Hexans in den Schrotteilchen geworden ist. Das gebildete Hexan/Luft-Gemisch ändert dann bis zum Austritt aus der Schrotsäule seinen Hexangehalt nicht mehr. Der Abbau des Hexangehalts im Schrot geschieht somit von unten nach oben. In unbelüfteten Schrotsäulen kann man jedoch feststellen, dass durch Lösemittelwanderung der Hexangehalt sowohl in der das Schrot umgebenden Luft als auch im Schrot selbst in gebundener Form höher ist als in den oberen Bereichen der Schüttschicht. Dies zeigt, dass in der Schüttung sowohl Desorptions- als auch Adsorptionsvorgänge ablaufen und Hexankonzentrationen von mehr als 100% der UEG partiell vorkommen können, wenn nicht belüftet wird. Dies trifft auch zu, wenn die Ausgangswerte geringer waren und im Luftraum über der Schüttung Konzentrationen kleiner als 5% der UEG gemessen wurden. Es bleibt die Gefahr der Abwanderung von Hexangas aus dem unteren Bereich der Lagerzellen in Hohlräume von damit in Verbindung stehenden Räumen (z.b. Gruben). Außer diesen Stoffen können explosionsfähige Düngemittel (z.b. ammoniumnitrathaltige Düngemittel der Gruppen A, B oder D) ein zusätzliches Risiko dar-

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 15 stellen, wenn starke Zündquellen wirksam werden können (z.b. Brände). Die Lagerung größerer Mengen an einem Ort ist deshalb grundsätzlich zu vermeiden. Entsprechend TRGS 511 6.2.1 dürfen ammoniumnitrathaltige Düngemittel ohnehin nicht gemeinsam mit Getreide gelagert werden. Für die Risikobewertung ist außerdem folgendes festzuhalten: Die Reinheit des Getreides ist für die Sicherstellung des Explosionsschutzes eine wesentliche Kenngröße, die überwacht werden muss. Hierbei spielt, um Abrieb gering zu halten, der schonende Transport des Schüttgutes eine besondere Rolle. Der Feuchtigkeitsgehalt des Getreides muss ständig kontrolliert werden. Eine regelmäßige Umschichtung des gelagerten Schüttgutes ist durchzuführen, um die Entstehung von Glimmnestern zu vermeiden. Bei extrahierten Schroten ist die Möglichkeit der Bildung von hybriden Gemischen zu beachten. 4.2 Gefährdungen durch wirksame Zündquellen Ohne Zündquelle sind zündfähige Staub-Luft-Gemische kein brand- oder explosionstechnisches Risiko. Daher hat die Vermeidung mechanischer, elektrischer und thermischer Zündquellen eine hohe sicherheitstechnische Relevanz. Nach DIN EN 1127-1 sind 13 Zündquellen zu analysieren: 1. Heiße Oberflächen 2. Flammen und heiße Gase 3. Mechanisch erzeugte Funken 4. Elektrische Anlagen 5. Elektrische Ausgleichsströme, kathodischer Korrosionsschutz 6. Statische Elektrizität 7. Blitzschlag 8. Elektromagnetische Felder im Frequenzbereich 9 khz... 300 GHz 9. Elektromagnetische Strahlung im Frequenzbereich 3x10 11... 3x10 15 Hz bzw. im Wellenlängenbereich 1000 µm... 0,1 µm (optischer Spektralbereich) 10. Ionisierende Strahlung 11. Ultraschall 12. Adiabatische Kompression, Stoßwellen 13. Exotherme chemische Reaktionen, einschließlich Selbstentzündung Zur Vermeidung thermischer Zündquellen, z.b. heißer Oberflächen (Nr. 1), dürfen keine Flächen vorhanden sein, die mit Staub Kontakt haben können und bei senkrechter Anordnung Temperaturen erreichen, die 2/3 der Zündtemperatur des Staubes überschreiten bzw. bei waagerechter Anordnung Temperaturen aufweisen, die größer sind als die Glimmtemperatur des Staubes minus 75 K. Heiße Oberflächen können u.a. auch durch Reibung entstehen. Zu den thermischen Zündquellen sind weiterhin Glimmnester zu zählen, die unter Umständen unerkannt in eine explosionsfähige Atmosphäre eingetragen werden können. Flammen und heiße Gase (Nr. 2) als Zündquelle können prozessbedingt beispielsweise in Getreidetrocknern mit Direkttrocknung aktiviert werden, in dem

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 16 die zu trocknenden Stoffe in direktem Kontakt mit Verbrennungsgasen bzw. der Brennerflamme stehen. Mechanische erzeugt Funken (Nr. 3) können grundsätzlich durch schnelllaufende Anlagenteile oder durch den Eintrag von Fremdkörpern, die zur Blockierung und somit zur Überlastung von bewegten Anlagenteilen führen, eine Gefährdung darstellen. Es ist außerdem Funkenflug durch Schweiß-, Schleif- und Trennschneidearbeiten zu beachten. Elektrische Zündquellen durch elektrische Anlagen (Nr. 4) sowie durch statische Elektrizität (Nr. 6) können durch mangelhafte explosionsgeschützte Ausführung elektrischer Anlagen- und Betriebsmittel sowie einer nicht durchgeführten bzw. unzureichenden Erdung elektrisch leitender Anlagenteile (elektrostatische Aufladungen) entstehen. Auch Kurzschluss durch Zernagen der Isolation (Mäuse, Ratten) stellt eine Gefährdung dar. Eine Gefährdung durch elektrische Betriebsmittel ist in Abhängigkeit von den entsprechenden Zündschutz- und Gehäuseschutzarten zu betrachten. Der IP-Schutzgrad der Betriebsmittel und Elektroinstallationen ist entsprechend den Umgebungsbedingungen und Zone auszuwählen (z.b. Zone 22 = IP 5X, Zone 21/20 = IP 6X). Blitzschlag (Nr. 7) ist als Zündquelle auszuschließen, sofern eine funktionsfähige Blitzschutzanlage vorhanden ist. Exotherme chemische Reaktionen, einschließlich Selbstentzündung (Nr. 13) können beispielsweise bei der längeren Lagerung organischer Komponenten (> 3 Tage) auftreten. Abbildung 5: Durch exotherme chemische Reaktion (Selbstent-zündung) während der Lagerung entzündete Hopfenpellets

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 17 4.3 Die Beurteilung der Risiken der im Betrieb relevanten Bereiche 4.3.1 Schüttgossen Während des Befüllens der Schüttgossen können im Inneren kurzzeitig explosionsfähige Staubwolken entstehen. Je nach Füllvorgang können dabei homogene oder inhomogene Staubwolken auftreten, die das gesamte Gossenvolumen oder nur einen Teil davon ausfüllen. Es können folgende Zündquellen betriebsbedingt auftreten: Während des Füllvorgangs können Glimmnester eingebracht werden, die während des Fallens aufflammen und die Staub/Luft-Gemische zur Zündung bringen. Aus dem nachgeschalteten Elevator kann - jedoch nur bei weitgehend entleerter Schüttgosse - eine Staubexplosionsflamme in die Schüttgosse zurückschlagen. Aus der Schüttgosse austretender Staub kann sich nur dann am heißem Auspuffsystem des Lieferfahrzeuges entzünden, wenn die Staubkonzentration entsprechend hoch ist: bei Abkühlung besteht keine Gefahr. Schutzmaßnahmen: Absaugsysteme Organisatorische Maßnahmen zur Abkühlung der LKW-Motoren Schüttgossenroste mit Fremdkörperabscheidung (Kaskadenrost) Abbildung 6: Typische Getreideannahme mit Aspiration

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 18 Filter für die Gossenent- Abbildung 7: staubung Abbildung 8: Bei der Anlieferung von Getreide können sich im Abwurfbereich gelegentlich explosionsfähige Staubwolken bilden Abbildung 9: Bodenentleerung von Weizen aus Silofahrzeug: keine Bildung explosionsfähiger Staubwolken

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 19 4.3.2 Entstaubungsanlage Entstaubungsanlagen dienen dem Erfassen und Abscheiden von Staub, um seine Ausbreitung in Betriebsräume zu verhindern. Staubaustritt lässt sich durch geringen Unterdruck in der Anlage verhindern. Hierbei ist darauf zu achten, dass an allen Dichtflächen Unterdruck herrscht. Auch eine Objektabsaugung kann eine Staubausbreitung verhindern. Bei Luftrückführung in Räume ist zu beachten, dass sich auch bei gereinigter Luft durch den Reststaubgehalt feinster Staub ablagern kann. Aus Behältern und Silozellen muss die durch das Schüttgut verdrängte Luft abgesaugt werden. In vielen Fällen kann durch eine intensive Absaugung dem Schüttgut soviel Feinstaub entzogen werden, dass die Staubkonzentration unter die untere Explosionsgrenze sinkt. Entstaubungsanlagen bringen es mit sich, dass in ihnen besonders feiner Staub anfällt und ein Gefahrenpotential darstellt. Deshalb ist Einzelabsaugung, bei der jeder Absaugstelle ein getrennter Abscheider zugeordnet wird, der Zentralabsaugung vorzuziehen, weil so die einzelnen Bereiche der Aspiration explosionstechnisch entkoppelt sind. Da dies oft nicht zu verwirklichen ist, sollen jeweils nicht benötigte Absaugstellen mit druckstoßfesten Absperreinrichtungen vom Saugstrang abgesperrt werden und die Absaugleitungen einzelner Abschnitte getrennt zum Abscheider geführt werden, wo sie z.b. mit einem Entlastungsschlot vor dem Eintritt in den Abscheider explosionstechnisch entkoppelt werden. Außerdem sollen risikoähnliche Gruppen zusammengefasst werden. Der Ventilator sollte grundsätzlich hinter dem Abscheider auf der Reinluftseite angeordnet werden. Wird die Reinluft nicht nach außen geblasen, sondern in Betriebsräume, sind die Ausblasleitungen mit automatischen Sperreinrichtungen für den Fall einer Explosion auszurüsten (z.b. mit Schnellschlussventilen). Der sich ablagernde Feinstaub in den Betriebsräumen muss regelmäßig entfernt werden. Als Abscheider kommen in Frage: Staubkammern - sind wegen der großen Staubablagerung und der Gefahr der Selbstentzündung als Abscheider abzulehnen. Fliehkraftabscheider - sind in der Regel relativ sicher, da nur selten explosionsfähige Gemische auftreten und außerdem bei Erdung eigene Zündquellen vermieden werden können. Explosionsübertragungen sind allerdings möglich. Filternde Abscheider (Gewebe-Filter) - finden die häufigste Anwendung. Bei der Abreinigung des Filters können explosionsfähige Staubkonzentrationen und hohe elektrostatische Aufladungen auftreten. Stützkörbe und Schellen aus Metall sind ausreichend zu erden. Bei besonders zündfreudigen Stäuben wie z.b. Maltodextrin oder spezielle Vitaminmischungen sollte elektrisch leitfähiges Filtergewebe Verwendung finden (Widerstand < 10 8 Ω.). Da ins Filter gelangende Funken Glimmnester hervorrufen können, ist unter Umständen der Einsatz von Funkenerkennungs- und Löschanlagen in gefährdeten Absaugleitungen vorzusehen.

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 20 Gefahren: durch betriebsmäßig vorhandene Staub/Luft-Gemische, bei filternden Abscheidern Explosionsgefahr, insbesondere beim Abreinigen; durch eingeschleppte Glimmnester und infolge elektrostatischer Aufladung. bei Ventilatoren auf der Rohgasseite Zündgefahren durch mechanische Fehler oder Fremdkörper. durch das Aufwirbeln abgelagerten Staubes in den Rohrleitungen, z.b. auch beim An- und Abfahren. Explosionsfortpflanzung in weiterverzweigten Rohrleitungssystemen. Schutzmaßnahmen: Fliehkraftabscheider, z.b. Zyklone sind zu bevorzugen so genannte "Staubkammern" sind zu vermeiden; bei filternden Abscheidern regelmäßiges Entfernen des anfallenden Staubes, elektrostatische Erdung der Stützelemente Ventilatoren auf der Reinluftseite anordnen konstruktiver Explosionsschutz Aufstellung der Abscheider außerhalb von Betriebsräumen Vermeidung von Staubablagerung durch ausreichende Strömungsgeschwindigkeit (etwa 18-20 m s -1 ), strömungstechnische günstige Rohrleitungsführung und sinnvolle Reihenfolge beim An- und Abfahren der Anlage (z.b. verzögertes Abschalten der Absaugung). Abbildung 10: Aufsatzfilter ohne Bildung einer explosionsfähigen Atmosphäre

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 21 Abbildung 11: Totalabscheider in einer pneumatischen Schiffsentladeanlage mit ständiger explosionsfähiger Atmosphäre während der Förderung Abbildung 12: Filteranlage mit Bildung einer explosionsfähigen Atmosphäre während der Abreinigung. Gefahr von Explosionsübertragung über Rohrleitungs-system. 4.3.3 Pneumatische Förderer Wie die Erfahrung zeigt, ist bei diesen Förderern die Explosionsgefahr gering. Die Staubbeladung liegt meist über der oberen Explosionsgrenze, die Turbulenz ist groß, und da außer den langsam laufenden Austragsorganen (Schleusen) im Staubförderbereich keine bewegten Maschinenteile vorhanden sind, ist die Zündgefahr gering. Der Weitertransport von Glimmnestern in andere Bereiche ist möglich. Explosionsgefahren können durch elektrostatische Aufladungen der Förderrohre entstehen, die zu Funkenüberschlägen führen können, wenn leitfähige Förderrohre durch Schaugläser oder Dichtungen an einzelnen Stellen unterbrochen und nicht geerdet sind. Ebenso können nicht leitende Beschichtungen im Inneren von metallischen Förderrohren zu Entladungen führen.

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 22 4.3.4 Trogkettenförderer Im Trogkettenförderer ist in der Regel nur an Aufgabestellen mit explosionsfähigen Staub-Luft-Gemischen zu rechnen. Es können aber im Störfall durch Reibung und Schanzung Zündquellen entstehen, wenn die Kettengeschwindigkeit > 1m/s ist. Trogkettenförderer können Explosionen übertragen. Schutzmaßnahmen: Aspiration an Aufgabestellen Fördergeschwindigkeit < 1 m/s Überlastschutz (Stauschalter/Schanzklappe) Druckentlastung / Entkopplung 4.3.5 Bandförderer Während des Betriebes sind in Bandförderern in der Regel keine explosionsfähigen Staub/Luft-Gemische, dafür aber meist aufwirbelbare Staubablagerungen vorzufinden. Zündquellen in Bandförderern sind denkbar durch heiße Oberflächen, wenn die Relativgeschwindigkeit zwischen festen und bewegten Teilen mehr als 1 m/s beträgt, Rollen blockieren, Lagerschäden nicht erkannt werden, das Band an Anbackungen schleift oder Fremdkörper sich in den Umlenkstellen verklemmen. Bandförderer können Staubexplosionen zwischen der Annahme, der Reinigung, den Silozellen, den Lagerhäusern und der Beladung übertragen. Geschlossene Bandförderer können aufreißen. Flammen und Staub können austreten und zu Sekundärexplosionen in Räumen führen. Letzteres ist bei den großen Lagerhallen und Silozellen besonders schwerwiegend. Gefahren: große Staubablagerungen am Bandunterbau wegen schlechter Reinigungsmöglichkeit Raumverstaubung verklemmte Rollen, über die das Band schleift Schutzmaßnahmen: regelmäßige Reinigung Temperaturüberwachung Schieflaufkontrolle Schlupfüberwachung 4.3.6 Schneckenförderer Während des Betriebes sind in Schneckenförderern in der Regel keine explosionsfähigen Staub/Luft-Gemische, dafür aber meist aufwirbelbare Staubablagerungen vorzufinden.

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 23 In Schneckenförderern können sich Zündquellen in Form von heißen Oberflächen bilden, wenn die Umfangsgeschwindigkeit der Schnecke größer als 1 m/s ist, wobei insbesondere das Anlaufen der Schneckengänge an die Wandung oder das Verkeilen von Fremdkörpern zwischen Schneckengang und Wandung zu heißen Oberflächen führen kann. Auch Warmlaufen von Zwischenlagern und Erwärmung der Produkte durch Verstopfen stellen Risiken dar. Schneckenförderer können, soweit sie nicht als druckstoßfeste Stopfschnecken ausgebildet sind, Staubexplosionen übertragen und aufreißen. Der Flammenaustritt kann zu Sekundärexplosionen in Räumen führen. Gefahren: Erwärmung durch Verstopfung Fremdkörper, (zwischen Schnecke und Wand) Schleifen der Wendel am Gehäuse Schutzmaßnahmen: Überlastsicherung niedrige Umfangsgeschwindigkeit Lagerüberwachung 4.3.7 Elevatoren Während des Betriebes ist in Elevatoren nicht immer mit explosionsfähigen Staub/Luft-Gemischen zu rechnen, da die Staubkonzentrationen oft zu fett sind und sich schwer zünden lassen. Aber während der Anfahrvorgänge können durch Erschütterungen genügend große Staubmengen aufgewirbelt werden und bei Vorliegen einer Zündquelle - wie die Erfahrung zeigt - zur Explosion gebracht werden. Zündquellen in Elevatoren können sein: eingebrachte Glimmnester, heiße Oberflächen durch Gurt- und Becherreibung, verkeilte Fremdkörper und dergleichen. Auch eine Explosionsübertragung aus anderen Anlagenteilen ist möglich. Elevatoren können Staubexplosionen in die vor- und nachgeschalteten Anlagenelemente übertragen. Elevatoren können aufreißen, dabei austretende Flammen und Staub/Luft- Gemische können zu Sekundärexplosionen in Räumen führen. Elevatoren gehören zu den Anlagenelementen, die das höchste Risiko aufweisen. Gefahren: betriebsmäßig vorhandene Staub/Luft-Gemische Aufbrechen und Aufwirbeln von Glimmnestern heißgelaufene Trommeln bei Gurtelevatoren heißgelaufene Fußlager Erhitzen der Seitenwände durch Schieflauf des Gurtes, Anschlagen verkanteter Becher und/oder Fremdkörper an das Elevatorgehäuse Guterhitzung zwischen Band und Umlenkrollen

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 24 Schutzmaßnahmen: ausreichende Abstände zwischen festen und beweglichen Teilen Temperaturdetektoren Schlupf- (Drehzahl)- und Schieflaufkontrolle Druckentlastung Explosionsunterdrückung 4.3.8 Mahlanlagen Die Gefahren von Mühlen bzw. Mahlanlagen liegen hauptsächlich in der Erzeugung von Zündquellen. Wegen der hohen Stoffkonzentration ist in einer Hammermühle die obere Explosionsgrenze teilweise überschritten. Allerdings kann es durch Verdünnung des Stoffstroms beim Befüllen des Mühlennachbehälters zur Bildung einer gefährlichen explosionsfähigen Atmosphäre kommen. Gefahren: Funkenbildung und Heißlaufen bei schnelllaufenden Prallmühlen durch deren Mahlwerkzeuge oder durch Fremdkörper, Heißlaufen von Reib- und Schneidmühlen durch zu engen Spalt oder durch Fremdkörper Mahlguterhitzung in Mühlen bei Mahltrocknungsanlagen heißgelaufen der Rotorlager in Hammermühlen. Eintrag von Fremdkörper in Hammermühlen Schutzmaßnahmen: Inertisierung elektrostatisch leitfähige Innenwände bei Luftstrahlmühlen explosionsfeste Bauweise für den vollen oder einen reduzierten Explosionsdruck (Explosionsdruckentlastung, Explosionsunterdrückung) Entkopplung der Mahlanlage z.b. durch Zellenradschleuse, Schnellschlussorgane, Löschmittelsperre, Produktvorlage Temperaturüberwachung der Lager Abschaltung der Mahlanlage bei Ansprechen der vorgenannten Schutzmaßnahmen durch Detektoren 4.3.9 Mischanlagen Aufgrund der bei Mischern üblichen Verfahrenstechnik, wie z.b. konstruktive Merkmale oder hoher Befüllungsgrad, ist das Auftreten explosionsfähiger Staub/Luft-Gemische häufig eingeschränkt. Ist dies der Fall, so können Mischer mit Maßnahmen zum Vermeiden von wirksamen Zündquellen hinreichend sicher betrieben werden. Ist dies nicht der Fall müssen weitergehende Maßnahmen getroffen werden.

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 25 Gefahren: Glimmnester mechanische Funken elektrostatische Aufladungen im Produktraum angeordnete Lager Schutzmaßnahmen: Inertisierung hoher Befüllungsgrad Umfangsgeschwindigkeit der Mischwerkzeuge niedrig halten Eingebaute Zerhacker dürfen nur bei gefülltem Mischer betrieben werden elektrostatische Erdung Temperaturüberwachung an Lagern 4.3.10 Rohrweichen und Fallrohre In Rohrweichen und Fallrohren ist betriebsmäßig nur zeitweilig (während des Transports von Füllgut) ein explosionsfähiges Staub/Luft-Gemisch vorzufinden. Kritisch können Übergänge von Fallrohren zu anderen Anlagenelementen (Transporteure, Behälter Silozellen) sein, weil an diesen Stellen sowohl explosionsfähige Staub-Luft-Gemische entstehen als auch Zündquellen eingeschleppt werden können. Als betriebsbedingte Zündquellen können elektrostatische Entladungsfunken auftreten, wenn nicht alle Rohrweichen und Fallrohre elektrisch leitfähig miteinander verbunden sind oder wenn Rohrweichen und Fallrohre mit hochisolierenden Materialien ausgekleidet sind. Rohrweichen und Fallrohre können Staubexplosionen übertragen, dabei aufreißen, Flammen und Staub können austreten und zu Sekundärexplosionen in Räume führen. Schutzmaßnahmen: Druckstoßfeste Bauweise Entkopplungen

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 26 Abbildung 13: Trogkettenförderer mit Rohrweichen und gesteuerten Auslaufschiebern und Klappkästen 4.3.11 Ventilatoren Sind Ventilatoren auf der Reinluftseite von Aspirationssystemen angebracht, ist während des Betriebes in der Regel nicht mit explosionsfähigen Staub/Luft- Gemischen zu rechnen. Langfristig können jedoch Staubablagerungen aufgewirbelt werden. Bei Defekt des Filtermaterials können wenigstens zeitweilig explosionsfähige Staub/Luft-Gemische auftreten. Sind Ventilatoren jedoch auf der Rohgasseite von Aspirationssystemen angebracht, ist während des Betriebes mit explosionsfähigen Staub/Luft-Gemischen zu rechnen. Zündquellen in Form von heißen Oberflächen könnten bei Störungen (wie z.b. bei Schleifen des Läufers am Gehäuse, Waten des Rotors in Verschanzungen) auftreten. Die Verwendung von Gusseisen soll diese Gefahr mindern. (siehe auch DIN EN 14986) 4.3.12 Aspirateure In der Regel ist im Inneren von Aspirateuren nur selten mit dem Auftreten von explosionsfähigen Staub/Luft-Gemischen zu rechnen. Das gilt besonders für die Umflufttarare (Staubanreicherung durch 90% Umluftanteil). Im Zweifelsfall sind Staubkonzentrationsmessungen erforderlich. Es kann zu Bränden und Explosionen kommen, die durch Leitungen übertragen werden. Die Aspirateure können bei Explosionen aufreißen. Druck- und Flammenausbreitung gefährden die Räume. Gefahren: Glimmnester Funkenentladung isolierter Leiter entsprechender Kapazität heißlaufende Lager Schleifen des Umluftventilators an der Wandung oder an Anbackungen Schutzmaßnahmen:

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 27 Erdung geeignete Ventilatorgestaltung Lagerüberwachung 4.3.13 Trockner Trockner sind insbesondere durch Brände gefährdet. Zur Begrenzung der Trocknungslufttemperaturen sind deshalb entsprechende Sicherheitsvorrichtungen vorzusehen. Bei Direktheizung sind wirksame Einrichtungen gegen Funkenflug und Durchschlagen der Flamme gefordert. Bei indirekt beheizenden Anlagen ist eine regelmäßige Kontrolle des Zustandes der Wärmetauscher erforderlich. Gefahren: Brände Selbstentzündung durch Ablagerungen Schutzmaßnahmen: brandsichere Warmluft- und Abluftkanäle Trocknungsbehälter und Ummantelungen müssen aus nichtbrennbarem hitzebeständigen Material sein Zur Gewährleistung der Trocknertemperatur müssen ggf. Mischeinrichtungen dem Trockner vorgeschaltet werden. Warmlufterzeuger dürfen nicht in Räumen mit leicht entzündlichen Stoffen (Stroh, Heu, Flachs) aufgestellt werden. Die Frischluft muss der Außenluft oder aus staubfreien Räumen entnommen werden. Abbildung 14: Trockner für Außenaufstellung mit indirektem Lufterhitzer in separatem Heizraum und Entstaubungsanlage

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 28 Abbildung 15: Trockner für Außenaufstellung mit integriertem Gaskanalbrenner, Entstaubungsanlage und Abluftschalldämpfer. 4.3.14 Elektrische Ausrüstung Die elektrischen Einrichtungen müssen entsprechend der Zoneneinteilung ausgeführt sein. Gefahren durch elektrische Betriebsmittel sind gegeben durch Funkenbildung und unzulässige Oberflächenerwärmung. In Zone 21 müssen elektrische Ausrüstungen mindestens der Schutzart IP 6X entsprechen oder eigensicher sein, wobei bei Motoren die Schutzart IP 44 mit Klemmenkasten entsprechend IP 5X zulässig ist. Zur Vermeidung unzulässiger Erwärmungen von elektrischen Betriebsmitteln sollen Schutzschalter eingesetzt werden, am besten in Kombination mit in die Wicklungen integriertem Kaltleiter (Temperaturdetektoren). Bei Steuergeräten und größeren Schaltern sollten für den nötigen Luftausgleich mit Filterelementen versehene Öffnungen vorhanden sein, um den Eintritt von Feinstaub durch Undichtigkeiten zu verhindern. Steckvorrichtungen müssen nach unten weisen und verriegelbar sein, damit Stecker nur im spannungslosen Zustand gezogen oder eingesteckt werden können. Als bewegliche Leitungen sind nur mittlere und schwere Gummischlauchleitungen zulässig. Bewegliche Kupplungssteckvorrichtungen sind zu vermeiden. Fest verlegte Leitungen sollen bei Aufputz- Verlegung möglichst eng an den Wänden angebracht werden, d.h. ohne Abstandsschellen. Alle Leuchten müssen mindestens der Schutzart IP 5X entsprechen. Dies gilt auch für Handleuchten, die mit stoßfesten Glühlampen bestückt sein sollten, wenn sie starken Erschütterungen ausgesetzt werden. Über den Lampen müssen immer Schutzgläser vorhanden sein, um die zulässigen Oberflächentemperaturen nicht zu überschreiten. Bei mechanischer Gefährdung ist für Leuchten zusätzlich ein Schutzkorb notwendig. Vorsatzgeräte müssen auch bei Störungen gegen Ü- berhitzung geschützt sein. Wenn Leuchten auf Wänden aus brennbaren Werkstoffen angebracht werden, ist ein Sicherheitsabstand von 35 mm zur Wand einzuhalten.

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 29 Ein Potentialausgleich zwischen den einzelnen Apparaten ist in Zone 20 und 21 zu empfehlen. In Zone 20 (mit ständiger oder häufiger staubexplosionsfähiger Atmosphäre) dürfen nur typengeprüfte elektrische Betriebsmittel verwendet werden. Eigensichere Geräte erfüllen meist die nötigen Voraussetzungen. Im Silobetrieb sind insbesondere zugelassene Füllstands-, Temperatur-, Druck- und optische Detektoren und Messgeräte erforderlich. Leitungen von eigensicheren Stromkreisen müssen getrennt von nicht eigensicheren Leitungen verlegt werden. Die Verwendung wärmeerzeugender Einrichtungen wie Antriebe und Beleuchtungen sollte in Zone 20 unterbleiben. Silozellen können statt mit Handlampen durch Siloscheinwerfer von Außen ausgeleuchtet werden. Bei der Verwendung von Handlampen, die in Silos eingelassen werden, ist unbedingt darauf zu achten, dass sowohl die Glasüberglocke als auch der Metallkorb vorhanden sind. Kabel- Abbildung 16: Gefährdete verlegung Da viele Kabelkurzschlüsse durch Ratten und Mäuse verursacht werden, ist auf entsprechende Verlegung der Kabel und Bekämpfung der Schädlinge Wert zu legen. 4.3.15 Silozellen Explosionen in Silozellen können nach verschiedenen Mustern ablaufen. Sie hängen ab von den Kenndaten der Stäube, vom Ort der Zündung, von der Staubkonzentrationsverteilung innerhalb der Zelle, vom Füllstand, vom Füllverfahren und vom Höhen/Durchmesserverhältnis der Silozellen. Wichtig für die Auswahl von Schutzmaßnahmen ist die Beurteilung, ob eine Explosion über Transporteure oder Aspirationsleitungen eingetragen werden kann. Die damit verbundene Möglichkeit einer Flammenstrahlzündung muss durch Entkopplungsmaßnahmen unterbunden werden. Die lang gestreckte Form und große Volumina sind Charakteristika der Silozellen und sind bei der Dimensionierung von Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen. Versuche haben gezeigt, dass die Explosionsabläufe ganz deutlich von der Füllmethode beeinflusst werden. Ist schon gegenüber der quasi-homogenen Staubwolkenbildung nach dem VDI-Verfahren bei vertikaler Befüllung eine Minderung der Explosionsheftigkeit festzustellen, so ergibt sich bei Befüllung über Fallrohre oder erst recht bei tangentialer Befüllung eine weitere deutliche Verringerung der

Explosionsschutzdokument für Kraftfutterwerke und Betriebe der Getreideverarbeitung 30 Staubwolkenausbreitung und damit eine nochmalige Reduzierung der Explosionsheftigkeit. Die daraus resultierenden Explosionsdrücke im Falle einer Explosion sind deutlich niedriger. Teilweise ist abhängig von der Staubart bzw. der Staubungseigenschaft keine Explosion mehr möglich. In Silozellen ist also abhängig von Staubeigenschaft und Füllverfahren aber auch der Wirkungsweise der Aspiration mit Zone 20 (selten), Zone 21 (meist) oder Zone 22 (tangentiale Befüllung) zu rechnen. Gerade bei der Befüllung mit Getreide kann aber eine zu starke Aspiration die knapp über der Schüttung befindliche Staubwolke über das gesamte Silovolumen verteilen. Da für Silos aufgrund der baulichen Vorgaben in vielen Fällen die Explosionsdruckentlastung nur über die Silodecke erfolgen kann und aufgrund des Platzbedarfes für Fördereinrichtungen u.ä. oft nicht einmal der gesamte Querschnitt zur Verfügung steht, ergeben sich für die Silos Mindestexplosionsfestigkeiten, die von der Art der Staubwolkenbildung (homogen-inhomogene), dem maximalen Explosionsdruck, dem K St -Wert, dem zur Verfügung stehenden Querschnitt und vor allem vom Höhen/Durchmesser-Verhältnis (H/D) abhängen. Berechnungsmöglichkeiten für die Druckentlastungen sind in der VDI-Richtlinie 3673 bzw. in den korrespondierenden europäischen Standards zu finden. Für Sonderfälle sollten Experten hinzugezogen werden. 4.3.16 Räume, die mit Silos in Verbindung stehen Müssen Silozellen in "Wetterschutzräume" (nicht Betriebsräume), z.b. Siloböden entlastet werden, so müssen diese Räume ebenfalls explosionsdruckentlastet werden. Auch Silokeller, Verbindungsgänge, Treppenhäuser usw. können als Nachbarräume von Silozellen gefährdet sein. Die Entlastungsöffnungen sind möglichst in der Nähe potentieller Zündquellen anzuordnen. Ansonsten sollten sie gleichmäßig über die Raumoberfläche verteilt werden. Der maximal zulässige Überdruck p bem ist die statistische Last, die der schwächste Teil der Struktur schadlos ertragen kann. Dabei sind in die Betrachtung alle Teile der Struktur wie Wände, Fenster, Decken, Zwischendecken und Dächer mit einzubeziehen. Zur Beurteilung älterer Anlagen ist der aktuelle Zustand der Anlage in die Überlegungen einzubeziehen und nicht der Planungszustand. Für die Entlastungsflächen wird eine unversperrte Öffnung vorausgesetzt. Lassen sich in der Anlage die notwendigen Entlastungsflächen nicht bereitstellen, müssen die belasteten Strukturelemente soweit technisch möglich - verstärkt werden, um einem erhöhten Druck standzuhalten. Der neue Auslegungsdruck errechnet sich in Abhängigkeit von der vorhandenen Entlastungsfläche.