Kommissionierung Wird wie folgt definiert: Kommissionieren ist das Zusammenstellen von bestimmten Teilmengen (Artikel) aus einer bereitgestellten Gesamtmenge (Sortiment) auf Grund von Bedarfsinformationen (Auftrag). Dabei findet eine Umformung eines lagerspezifischen in einen verbrauchspezifischen Zustand statt. Lagertechnisch bezeichnet man einen Auftrag als Kommission; der Mitarbeiter, der den Auftrag zusammenstellt, wird als Kommissionierer, Greifer oder Picker (to pick = greifen). 1
Auslagerungen können verschiedene Gründe haben: Materialbereitstellung für die Fertigung oder Werkstatt Lieferung an den Kunden Auffüllen eines Verkaufslagers Rücklieferung an Lieferanten Umlagerung in ein anderes Lager In allen Fällen müssen vom Lager die angeforderten Gütermengen bereitgestellt werden. Informationssystem Folgende Fragen sind hierbei zu beantworten: Wie wird der Auftrag erfasst? Wie werden die Aufträge in Kommissionieraufträge umgewandelt? Wie werden die Kommissionieraufträge an die Kommissionierer weitergegeben? Wie quittieren die Kommissionierer die Entnahmen? Erfassen Der Auftrag, also z.b. die Bestellung eines Kunden kann schriftlich, telefonisch oder online erfolgen. Jede Bestellung führt demzufolge zu einer Kommissionierung und damit zu einer Lieferung. Mit der Erfassung der Daten in die EDV (Warenwirtschaftssysteme) wird die Lieferbereitschaft geprüft und die Aufbereitung in die Wege geleitet. Aufbereiten Zusätzlich zu den den Daten, die bei der Erfassung eingegeben wurden, werden die Daten zusammengestellt, die dem Kommissioniervorgang erleichtern wie Lagerort, Verpackungsart, Gefahrenhinweise. Die Aufträge können batchweise oder im Real-Time-Modus aufbereitet werden. Im Gegensatz zu der Echtzeitverarbeitung (Real-Time-Modus), bei dem die Aufträge sofort nach Eingang aufbereitet 2
werden, werden bei batchweiser Verarbeitung die Aufträge gesammelt und stapelweise (engl: batch) verarbeitet. Entsprechend den Warenwirtschaftprogramm können die Kommissionieraufträge nach verschiedenen Kriterien geordnet werden: Auftragsart (normal, eilig, Termin) Versandart (Luft, Bahn, Express, Kurier) Auftragspositionen (zwecks Verkürzung der Wegezeiten beim Kommissionieren) Güterarten (schwere Güter zuerst) FiFo-Prinzip Artikel mit dem frühesten Einlagerungsdatum zuerst) Weitergeben Die Weitergabe an die Kommissionier kann mit Beleg (Pickliste, Lieferscheinkopie etc.) oder beleglos erfolgen. Das Kommissionieren per Beleg (schriftliche Unterlage), bei Klein- und Mittelbetrieben durchaus üblich, erfordert einen hohen Leseaufwand und häufig zu Fehlern. Die beleglose Kommissionierung erfolgt im Online-Verfahren. Die entsprechenden Daten werden dem Kommissionierer von der EDV optisch, akustisch oder per Funk übermittelt (Pick-by-Light, Pick-by-Voice, RFID). Bei optischer Kommunikation werden die Kommissionierdaten infrarot- oder funkgesteuert ein Kleinterminal mit Display und Barcodeleser übermittelt. Dabei wird gleichzeitig eine Optimierung der Wegstrecke berücksichtigt. Bei akustischer Datenweitergabe trägt der Kommissionierer ein Head-Set. Die neueste Technologie ist die RFID-Technik (Radio Frequency Identification). Statt eines Barcodes befindet sich auf den Artikel ein Transponder bestehend aus einem Datenspeicher und einer Antenne, die von den RFID-Geräten gelesen werden, bzw. auch beschrieben werden können. Quittieren Nach der Entnahme quittiert der Kommissionierer die einzelne Position oder den gesamten Kommissionierauftrag Im Online-Verfahren durch scannen der entsprechenden Position oder durch Spracheingabe an das EDV-System Im Offline-Verfahren durch Abhaken oder Streichen der Position auf dem Kommissionierbeleg 3
Materialflusssystem Folgende Fragen sind hierbei zu beantworten: Wie wird die Ware bereitgestellt? Wie bewegt sich der Kommissionierer zur Ware? Wie wird die Ware entnommen? Wie wird die Ware abgegeben/weitergegeben? Bereitstellung Man unterscheidet zwischen statischer und dynamischer Bereitstellung. Statische Bereitstellung = Mann zur Ware Der Kommissionierer geht oder fährt zu den Lagerplätzen der Ware und entnimmt die jeweilige Warenmenge. Bei einer festen Lagerordnung kennt der Kommissionierer den Lagerort der Ware, bei freier (chaotischer) Lagerordnung muss auf dem Kommissionierauftrag auch der Lagerort der Ware angegeben sein. Folgende Tätigkeiten fallen bei der statischen Bereitstellung an: Entgegennahme des Kommissionierauftrages Klärung des Lagerortes der Ware Fahrt oder Gang zu diesem Lagerort Kontrolle: richtiger Lagerort, richtige Ware Entnahme der zu kommissionierenden Ware Vorteile Investitionsaufwand gering bei Eilaufträgen Statische Bereitstellung Lange Wegezeiten Nachteile 4
Dynamische Bereitstellung = Ware zum Mann Hier wird die Ware mittels Regalförderzeuges oder Regalbediengerätes aus dem Lager zum Kommissionierer gebracht, der die angeforderte Teilmenge entnimmt. Anschließend wird die angebrochene Lagereinheit mit denselben Fördermitteln zurück an ihren Lagerplatz gebracht. Vorteile Dynamische Bereitstellung Nachteile o Hohe Kommissionierleistung, da die o Hohe Investitionskosten Wegezeiten fast vollständig entfallen o Einsatz von automatischen Entnahmehilfsmitteln (RFZ) möglich o Wenig flexibel gegenüber stark schwankenden Anforderungen o o Stillstand bei Maschinenausfall oder Ausfall der EDV Die Regalarten eignen sich für die Bereitstellung unterschiedlich: Mann zur Ware Statische Bereitstellung Ware zum Mann Dynamische Bereitstellung o Lager mit Fachbodenregal o Hochregallager mit automatischen Regalförderzeugen (RFZ) o Blocklager o Umlaufregalanlagen mit automatischen Ein- und Auslagervorrichtungen o o Durchlaufregal ohne Transporthilfsmittel sowie manuell bedienten RFZ oder Kommissionierstapler Hochregallager mit manuell bedienten RFZ oder Kommissionierstapler o o Durchlaufregallager mit automatischen RFZ Turmregal o Lager mit Verschiebregalen o Automatische Behälterlager o (AKS) 5
Fortbewegung Eindimensionale Fortbewegung Die kommissionierende Person legt die Wege zwischen Auftragsannahme-, Entnahme- und Abgabepunkt zu Fuß oder fahrend zurück. Als Fördermittel sind Hubwagen, Handwagen oder Sackkarre in der Verwendung. Die Kommissionierung erfolgt nur bis in Griffhöhe. Einem geringen Investitionsaufwand und einer flexiblen Anpassung an eine schwankende Auftragslage stehen ein schlechte Volumenauslastung bei meist fester Lagerordnung, hoher Flächen- und Raumbedarf, meist lange Wege zu den Kommissionierplätzen und Ermüdung durch Laufen, Bücken und Strecken entgegen. Zwei- oder mehrdimensionale Fortbewegung Die kommissionierende Person befindet sich auf einem gleichzeitig fahr- und hubfähigen Fördermittel, mit dem sie sich horizontal und vertikal bewegen kann. Einer höheren Kommissionierleistung und besseren Raumnutzung stehen höhere Investitionskosten gegenüber. Entnahme Mit Entnahme bezeichnet man das Greifen / Picken der Ware aus dem Regalfach gemäß dem Kommissionierauftrag. Das kann manuell, mechanisch oder automatisch erfolgen in Abhängigkeit von der Art der Waren und nach der Art der Lagerung. Manuelle Entnahme Sofern sich die Ware im Sicht- und Greifbereich einer Person befinden und von Gewicht, Volumen, Beschaffenheit per Hand entnommen werden kann. Mechanische Entnahme Ist notwendig, wenn sich die Ware nicht zur manuellen Entnahme eignet (z.b. Paletten im Hochregallager) und erfolgt mittels Gabelstapler oder Regalbediengerät. Automatische Entnahme Erfolgt beim Einsatz von Kommissionierautomaten oder Kommissionierrobotern. Mit beiden automatischen Systemen werden hohe Kommissionierleistungen erzielt bei gleichzeitiger Reduzierung der Fehlerraten. Einheitliche Verpackungsart und größe sollte gegeben sein um die Problematik der Greifschwierigkeit der Automaten auszugleichen. 6
Kommissionierroboter Erhalten die Auftragsdaten wie Auftragsnummer, Koordinaten des Lagerortes, Stückzahl und Gewicht der Ware automatisch vom Lagerrechner. Sie sind in der Lage, das Regalfach anzufahren und die Ware mit Hilfe eines Greifsystems zu entnehmen und in einen mitgeführten Behälter zu legen. Der Greifer ist mit einem Bildverarbeitungssystem ausgestattet, mit der die Lagererkennung durchgeführt wird. Die richte Entnahmemenge wird über das Gewicht ermittelt. Kommissionierautomaten Halten die Ware in Schächten, die links und rechts von einem Förderband installiert sind. Jede ware hat ihren eigenen Schacht. Um den Kommissionierauftrag auszuführen läuft ein Behälter, dem der Auftrag per Strichkode zugeteilt wurde, über das Förderband. Im richtigen Moment öffnet sich ein Schacht und die Ware gelangt über einen Auswerfer in den Behälter. Abgabe Nach der Entnahme der Ware ist zu entscheiden, auf welche Art die Ware an die nächste Stelle (Verpackung, Versand, Fertigung) weitergegeben werden soll. Zentral Die Waren werden in einen oder mehreren mitgeführten Behälter abgelegt und nach Erledigung des Auftrags in einen Sammelbehälter einer Auftragssammelstelle zur Verpackung übergeben. Dezentral Die Ware oder der Behälter wird nach Entnahme auf ein Förderband gelegt, das die Waren zur Sammelstelle transportiert Pick-Pack Verfahren Hier erfolgt Kommissionierung und Verpackung in einem Arbeitsgang. Das versandfertige Packmittel muss nur noch verschlossen werden. Eine Abgabe an eine Sammelstelle oder Verpackungsstelle entfällt. 7
Organisationssystem Folgende Fragen sind hierbei zu beantworten: In wie viel Zonen ist die Warenbereitstellung aufgeteilt? Wie werden die Zonen bei der Kommissionierung durchlaufen? Pro Greifvorgang wird Ware für wie viele Aufträge entnommen? Wie wird die entnommene Menge weitergegeben? Zonen Bei einer einzonigen Warenbereitstellung liegen die gesamten Positionen eines Auftrages innerhalb einer Lagerzone. Bei mehrzoniger Warenbereitstellung befinden sich die Positionen z.b. wegen ihrer unterschiedlichen Eigenschaften (Gewicht, Volumen, Gefährlichkeit etc.) in verschiedenen Lagerzonen. Bei der Organisation eines Kommissionierungssystems ist zu entscheiden, ob die Ware direkt im Lager gegriffen wird oder ob man ein eigenes Kommissionierlager einrichtet. In solch einem Fall ist die kontinuierliche Auffüllung des Kommissionierlagers aus dem Lager zu gewährleisten. In der Praxis wird in einem Regal in den unteren beiden Regalebenen kommissioniert, während der Nachschub sich in den oberen Ebenen befindet. Auftragsdurchlauf Von seriellen Auftragsdurchlauf spricht man, wenn ein Auftrag von einem Kommissionierer komplett abgearbeitet wird. Bei parallelem Auftragsdurchlauf wird ein Auftrag von mehreren Kommissionierern gleichzeitig abgearbeitet. 8
Entnahme Werden aus dem Regalfach die Waren nur für einen Auftrag entnommen, spricht man von einstufiger Kommissionierung. Bei zwei- oder mehrstufiger Kommissionierung wird die Ware gleichzeitig für mehre Aufträge entnommen und den jeweiligen Aufträgen zusortiert. Dafür können aber auch leistungsfähige Sortieranlagen zum Einsatz kommen. Weitergabe Festzulegen ist, ob der Kommissionierer die entnommenen Waren artikelweise oder auftragsweise an die Sammelstelle / Verpackungsstation weitergibt 9