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Transkript:

IfG GmbH Seite 1 Kommen Bleiben - Gehen Zur Motivlage von Auszubildenden und jungen Erwachsenen für die Auswahl, den Verbleib in und den Wechsel einer Krankenkasse [Teil II einer Doppeluntersuchung]

Autoren Dr. Ingo Weinreich Geschäftsführer IfG GmbH Dipl. Psychologe Marie Harms Projektmitarbeiterin IfG GmbH B. Sc. Psychologie Tonia Rambausek Projektmitarbeiterin IfG GmbH Dipl. Soziologin IfG GmbH Seite 2

Inhaltsverzeichnis I. Anlass, Fragestellung und Untersuchungsdesign 04 II. Gründe für die Wahl einer Krankenkasse 05 III. Gründe für den Verbleib in einer Krankenkasse 06 IV. Gründe für einen Wechsel der Krankenkasse 07 Special: Höhe finanzieller Anreize für einen Wechsel 08 V. Fazit 09 IfG GmbH Seite 3

Anlass, Fragestellung und Untersuchungsdesign Gewinnorientierte Unternehmen können sich in a. einer Marktwirtschaft nur entwickeln und langfristig behaupten, wenn sie es schaffen, Menschen von ihren Produkten zu überzeugen und Konsumenten lange an diese Produkte zu binden. Das ist allen klar. Nur wie sieht es mit staatlich regulierten Marktbereichen, wie z. B. der gesetzlichen Krankenversicherung [GKV] aus? Die Kassen müssen hier unter völlig anderen Voraussetzungen agieren [z. B. Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds, diverse Risikostrukturausgleiche, regulierte Beitragssätze, ggf. Zusatzbeiträge]. Zudem sind sie umlage- und nicht gewinnorientiert. Als interessante Versichertengruppe kann die Altersgruppe der 15- bis 29-jährigen gelten. Diese ist soziologisch als Gruppe der Auszubildenden und jungen Erwachsenen [AjE] zu bezeichnen. Sie ist i. d. R. gesund und entlastet damit die Kostenstruktur einer Kasse. Selbst wenn die ris i- kobezogenen Ausgleichszahlungen in dieser Altersgruppe gering ausfallen, so bleiben im Sa ldo für die Kasse doch zumeist Überschüsse. a] Welche Gründe sind in der Gruppe der Auszubildenden bestimmend für die [erstmalige] Wahl einer Krankenkasse? b] Welche Gründe führen zu einer Entscheidung zum Verbleib in einer Krankenkasse? c] Welche Gründe sind bestimmend für Wechselabsichten und den konkreten Wechsel einer Krankenkasse? In diesem Teil der Untersuchung geht es demnach um die Nachfragerseite. 1 Zu diesem Zweck wurden im Zeitraum von September bis Dezember 2010 insgesamt 559 Auszubildende verschiedener Unternehmen als Vertreter der Zielgruppe mittels standardisiertem Fragebogen interviewt. Ungeklärt sind bisher die Zugangs-, Verbleibund Abwanderungsmotive der AjE-Zielgruppe, mit besonderem Fokus auf Auszubildende. Das Institut für Gesundheit und Management [IfG GmbH] ist deshalb folgenden Fragen nachgegangen: 1 Im ersten Teil des Forschungsberichts geht es primär um die Anbieterseite. Es wird untersucht, wie die gesetzlichen Kassen der Zielgruppe der AjE ihre Leistungen kommunizieren und wie gut diese Botschaften aufgenommen werden. IfG GmbH Seite 4

Gründe für die Wahl einer Krankenkasse Leistungswert einer Kasse aber nur auf Platz 3. Was bewegt Auszubildende dazu, sich erstmalig für eine Krankenkasse zu entscheiden? In die Untersuchung wurden drei potentielle Facetten der Attraktivität aufgenommen: 1 Leistungsaspekte 2 finanzielle Aspekte 3 personale Aspekte Die Ergebnisse sind eindeutig: Es dominieren personale Aspekte, insbesondere Kontaktmotive [siehe Abb. 1]. Überragend bedeutsam sind Empfehlungen der Eltern [ Platz 1]. Das ist erwartungskonform, bedenkt man die bis dahin noch sehr hohe Entscheidungsabhängigkeit vom Elternhaus. Über die Hälfte der Befragten [51,3%] orientiert sich bei der Aus wahl der Kasse an den Empfehlungen des Elternhauses. Auf Platz 4 rangiert das nächste Kontaktmotiv, nämlich Empfehlungen des [neuen] Arbeitgebers [36,3%]. Weniger bedeutsam sind die Kontaktgeber Kassenvertreter [24,1%] und de [13,0%]. Eine sinnvolle Strategie sollte also vor allem auf die primären Kontaktgeber der Auszubildenden- Gruppe abgestellt werden und zudem diversifizieren. Im Klartext: Zufriedene Eltern bringen ihre Kinder mit. Zufriedene Arbeitgeber ihre Azubis. Zufriedene Azubis ihre Peers. Und zwar genau in dieser Reihenfolge. Werden diese Kontaktgeber jetzt mit etlichen guten Gründen gefüttert [z. B. individuelle Boni, betriebliche Zusatzleistungen] scheint eine Akquise besonders erfolgversprechend. Zusatzbeiträge können kompensiert werden, jedoch nur dann, wenn die Boni und die sonstigen Zusatzleistungen überragende Wertigkeit besitzen. Auch die finanziellen Aspekte beeinflussen die Entscheidung, wenn auch in nachrangig bedeutsamem Ausmaß. Spezielle Bonusprogramme rangieren auf Platz 2 [44,7%] und der Entfall von Zusatzbeiträgen immerhin noch auf Platz 5 [33,4 %]. Immerhin 43,8% der Befragten geben eine Sensitivität auf Leistungsaspekten [hier Zusatzleistungen] an. Damit ra ngiert der IfG GmbH Seite 5

Gründe für den Verbleib in einer Krankenkasse Was bewegt Auszubildende dazu, in einer Kasse zu bleiben? Für diese Fragestellung wurden die drei vorgenannten Attraktivitätsaspekte genutzt [Leistungsaspekte, finanzielle Aspekte, persönliche Aspekte] und in einer Rang liste der Verbleibgründe sortiert. gewinnt absolut [nämlich +10,4%] und auch relativ [nämlich 2 Rangplätze nach oben] an Bedeutung. Hierin steckt also ein nicht unerhebliches Bindungspotential. Eine kompetente Kontaktperson, mit der im besten Falle eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut wird, hat die Möglichkeit zu beraten und auf Fragen, Wünsche und Bedürfnisse der Zielgruppe einzugehen. Sie hat auch die Möglichkeit die finanziellen und Leistungsvorteile der Kassenalternative aufzuzeigen. Man erkennt in den Ergebnissen ähnliche Muster, wie für die Auswahl. Jedoch rücken die fina nziellen Aspekte zunehmend in den Vordergrund [siehe Abb. 2]. Sie werden zwar [absolut] nicht häufiger genannt, jedoch entfallen die Einflüsse wichtiger Kontaktgeber, insbesondere der Eltern und Peers. Bonusprogramme [43,4%] rücken auf Platz 1 und Zusatzleistungen [39,8%] auf Platz 2 vor. Sie markieren das stärkste Haltepotential. Das ist vor allem für Kassen bedeutsam, die einen Zusatzbeitrag erheben müssen. Diesen umgehen zu können erreicht mit 35% immerhin Rang 3. Im Klartext: Geld und Leistung zu bekommen ist noch bedeutsamer als Geld zu sparen. Nicht zu unterschätzen ist der persönliche Kontakt mit einem Kassenvertreter. Dieser Aspekt IfG GmbH Seite 6

Gründe für einen Wechsel der Krankenkasse und die der Peers [33,5%] können Wechselambitionen in erheblichem Ausmaß anschieben. Was sind die bedeutsamsten Motivatoren und Treiber von Auszubildenden, ihre Kasse zu wechseln? Im Hinblick auf einen möglichen Wechsel der Krankenkasse treten die finanziellen Aspekte noch stärker in den Vordergrund. Im Gegensatz zu den Verbleibgründen sind es nun aber vor allem die Verlustbringer, die eine Wechsela b- sicht aktivieren [siehe Abb. 3]. Der Wegfall von Zusatzbeiträgen [71,6%] und Praxisgebühren [69,0 %] gewinnt stark an Bedeutung. Die Gewinnbringer, wie Zusatzleistungen [62,8%] und Bonusprogramme [62,5%] folgen mit etwas Abstand. Damit sind Kassen, die Zusatzbeiträge erheben müssen, im Wettbewerb um die Zielgruppe klar im Nachteil. Sie müssen erhebliche finanzielle und Leistungsvorteile anbieten, um diese Verluste kompensieren zu können. Fazit: Es gibt also nicht den Grund für den Wechsel einer Krankenkasse. Die Motivlage ist heterogen, wird aber von finanziellen Motiven dominiert. Der kommunikative Transport finanzieller Vorteile nimmt damit eine Schlüsselstellung ein. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass über den Aufbau stabiler Bindungsperspektiven besonders erfolgreich agiert werden kann. Dies schließt die direkte Kommunikation mit der Zielgruppe explizit mit ein. Die Kontaktmotive verli eren relativ in dieser Frage weiter an Bedeutung. Sie rangieren nun klar hinter den Finanzund Leistungsmotiven. Ihre absolute Höhe ist aber erstaunlich hoch. So können persönliche Ansprechpartner in der Kasse noch einmal 10,6% im Verg leich zu den Verbleibgründen dazu gewinnen [jetzt 45,1%]. Auch die Empfehlungen von Eltern [41,0%], des Arbeitgebers [36,4%] IfG GmbH Seite 7

Special: Höhe finanzieller Anreize für einen Wechsel Im abschließenden Teil der Untersuchung sind wir der Frage nachgegangen, wie hoch die finanziellen Anreize sein müssen, um Azubis zum Wechsel ihrer Kasse zu bewegen. Dabei sollten die Azubis unter anderem zu folgender Aussage Stellung nehmen: Ich wäre bereit die Krankenkasse zu wechseln, wenn ich dafür Geld bekommen würde in Höhe von mindestens. Ergebnis: Weit über die Hälfte der Befragten sind offensichtlich bereits bei Geldbeträgen unterhalb von 300 zu einem Wechsel bereit. Weitere 25% geben Geldbeträge zwischen 300 und 600 an [siehe Abb. 4]. Das kann auch als kritische Grenze für einen tatsächlichen Wechsel angesehen werden. Darüber rangieren noch knapp 17%, die eher unempfänglich für einen Wechsel auf Basis von Geldwerten zu sein scheinen. IfG GmbH Seite 8

Fazit Die vorliegende Untersuchung beschäftigt sich mit den Gründen für die Wahl, den Verbleib in und Wechsel einer Krankenkasse bei Auszubildenden. Dabei wurden drei Motivklassen gebildet: Tab. 1: Zusammenfassung: Bedeutsamkeit von Motiven für die Auswahl, den Verbleib und den Wechsel einer Krankenversicherung [Zielgruppe Auszubildende]. 1 Kontaktmotive 2 finanzielle Motive 3 Leistungsmotive Bei der Auswahl der Kasse verlassen sich Auszubildende insbesondere auf das wertende Urteil ihrer Eltern. Kontaktmotive stehen insgesamt im Vordergrund und werden durch finanzielle und Leistungsangebote ergänzt. Für den Verbleib in einer Kasse treten die fina n- ziellen Aspekte und die Zusatzleistungen in den Blickpunkt der Zielgruppe. Als Auslöser für einen potentiellen Wechsel der Krankenkasse stehen die finanziellen Anreize im besonderen Fokus der Zielgruppe. Dabei werden mit einem Investment von bis zu 600 weit über 80% der Zielgruppe zumindest wechselmotiviert. IfG GmbH Seite 9

HERAUSGEBER: IfG GmbH Institut für Gesundheit und Management Ferdinand-Rhode-Straße 3 04107 Leipzig Tel. [+49] 341 52 11 62 0 Fax [+49] 341 51 11 62 20 Email: info@gesundheitsmanagement.com Web: www.gesundheitsmanagement.com FOTO: 2011 fotolia.com Birgit Reitz-Hofmann IfG GmbH Seite 10