DEUTSCHER PRÄVENTIONSTAG



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Transkript:

DEUTSCHER PRÄVENTIONSTAG Resilienz bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund von Andrea Michel Dokument aus der Internetdokumentation des Deutschen Präventionstages www.praeventionstag.de Herausgegeben von Hans-Jürgen Kerner und Erich Marks im Auftrag der Deutschen Stiftung für Verbrechensverhütung und Straffälligenhilfe (DVS) Zur Zitation: Andrea Michel: Resilienz bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund, in: Kerner, Hans-Jürgen u. Marks, Erich (Hrsg.), Internetdokumentation des Deutschen Präventionstages. Hannover 2008, www.praeventionstag.de/dokumentation.cms/179

Was macht Jugendliche stark? Resilienz und Strategien der Lebensbewältigung jugendlicher MigrantInnen mit Hauptschulabschluss Dipl. Soz. Andrea Michel - Kontakt: andrea.michel@iss-ffm.de

Ausgangslage Jugendliche mit Migrationshintergrund sind besonderen sozialen Risiken ausgesetzt. Die Kumulation von Risikofaktoren kann sich stark belastend auswirken. Risikofaktor Migration? Risikofaktor Hauptschule? Weitere Risikofaktoren (Armut etc.) Trotz risikobehafteter Rahmenbedingungen entwickeln einige Jugendliche konstruktive Lebensbewältigungsstrategien. Den konzeptionellen Hintergrund der Studie bilden Erkenntnisse und Modelle der Resilienzforschung.

Fragestellung Wie gehen Jugendliche und junge Erwachsene mit den Risiken Hauptschulabschluss und Migration um? Welche Strategien entwickeln sie zu deren erfolgreicher Bewältigung? Eingrenzung der Fragestellung: Zielgruppe der Studie: 18 21jährige mit türkischem Migrationskontext und (Spät-)AussiedlerInnen aus der ehemaligen Sowjetunion Im Fokus der Betrachtung ist der klassische Outcome : Bildungsideale, Lebensziele, Berufziele etc. Strategien zur Zielerreichung

Methodik Projektlaufzeit August 2006 bis Juli 2009 Explorative Interviews zur Fragebogenkonstruktion Bundesweite Datenerhebung: 200 ehemalige HauptschülerInnen sowie Kontrastgruppen Vergleiche mit anderen Datensätzen Ausgewählte Qualitative Interviews im Anschluss zur Beschreibung von Prozessen (Retrospektive Perspektive)

Erkenntnisgewinn - Informationen über den Umgang von Jugendlichen mit familiären und sozialen Risikolagen - Erkenntnisse über das Spektrum an Lebensbewältigungsstrategien von Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Hinblick auf (Aus-) Bildung, Ziele und Strategien zur Zielerreichung - Erkenntnisse über individuelle Prozesse positiver und kompetenter Lebensbewältigungsstrategien - Erstellung von Förderkonzepten für die (sozial-) pädagogische Praxis

Transfer in Wissenschaft und Praxis - Begleitung und fachwissenschaftliche/ politische Kommentierung des Forschungsprozesses, (Fachbeirat) - Einbindung und kontinuierliche Rückkoppelung in die Praxis (regelmäßige Sitzungen mit Steuerungsgruppe aus der Praxis) - Enge Kooperation mit AWO Bundesverband und Gliederungen (Projektpartner) - KooperationspartnerInnen im erweiterten Kreis (BeraterInnen aus dem Forschungsbereich wie z.b. DJI, Stiftungen mit ähnl. Zielgruppe) - Öffentlichkeitsarbeit und Weitergabe des (Zwischen-) Ergebnisse durch Vorträge, Fachartikel, Abschlusstagung etc.

Falldarstellung: Zerrin Kurdin 18 Jahre alt Interview Dezember 2006 in Lippstadt (JMD der AWO) Zitat: Als wir kamen haben wir den Vater gar nicht erkannt. Wir hatten eh keine gute Beziehung. Ich glaube, in der Türkei ist es so, dass die Väter ihre Kinder nicht so beachten. Wir haben ihn fast nicht erkannt.

Zerrin (Kurdin, 18 J. Lippstadt) Familie/ Migration: Vater flieht aufgrund politischer Verfolgung nach DT (Z.= 2 J.), Mutter folgt Jahre später (Z. = 7J.), Kinder folgen mit Tante (Z.= 8 J.), viele Wohnheime und Umzüge, Familienzusammenführung (Z. ca. 10 J.) mehrere Ablehnungsbescheide, Unruhe bis vor wenigen Jahren. 5 jüngere Geschwister Schule/Arbeit: Mittlere Reife, will Fachabitur machen und Krankenschwester werden. Derzeit schlechte Noten, kaum Zeit zum Lernen. Arbeitet tagsüber im Krankenhaus (bzw. Schule), fast jeden Abend im Lokal des Vaters. Ressourcen: sehr enge familiäre Bindung (sehr vertrauensvolles Verhältnis zu Mutter, auch zu Schwester Berrin), respektvoll zum Vater, Familiensystem (mittlerweile) flexibel, Soziale Netzwerke, enges Verhältnis zur JMD-Soz.Päd.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!