Schwangeren-Vorsorge Grundlage Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung
Geschichte Schwangerenvorsorge ist eine der ältesten gut organisierten Maßnahmen der Präventionsmedizin. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa, Forderungen nach zunächst vorwiegend sozialer Schwangerenbetreuung. 1942: Mutterschutzgesetz 1955: Ärztliche Betreuung während und nach der Geburt zu Lasten der gesetzlichen Krankenkasse 1965: Ärztliche Betreuung bei Schwangerschaft und Mutterschaft 1968: Mutterpaß
Ziel Gesundheitsberatung und Information, Prävention, Screening und rechtzeitige Erkennung und Behandlung von Störungen, um mögliche Gefahren für Leben und Gesundheit von Mutter und Kind abzuwenden Der Vorsorgegedanke entstand am Krankheitsbild der Eklampsie Vorstufen erfaßbar durch: Blutdruckmessung Gewichtskontrolle Urinuntersuchung
Inhalt Katalog A: ungestörte SS Grundsätzliche Maßnahmen zu verschiedenen Zeitpunkten der Schwangerschaft Katalog B: Risiko-SS Zusätzliche Maßnahmen, spezielle Hinweis- und Beratungspflichten für eine intensivierte Betreuung
Vorsorgekonzept Frühestmögliche 1. Vorsorgeuntersuchung Kontrolle aller 4 Wochen bis zur 32. SSW Kontrolle aller 2 Wochen ab der 32. SSW Jede Woche ab 37. SSW Vorstellung in Entbindungsklinik, 37. SSW aller 2 Tage ab 40. SSW
1. Vorsorgeuntersuchung Anamnese Allgemeinuntersuchung Bestimmung des Geburtstermins Vaginale Untersuchung Körpergewicht Blutdruck Hb, Urin (Eiweiß, Glucose, Bakterien) Blutgruppe, Anti-Körper-Suchtest Infektionen: Chlamydien, Lues, Röteln, Toxoplasmose, HIV Gesundheitsberatung Mutterpaß ausstellen
Bestimmung des Entbindungstermin post menstruationem = Naegelesche Regel = 280 Tage ET = 1. Tag der letzten Regel 3 Monate + 7 Tage post conceptionem = tatsächliche SS-Dauer = 266 Tage ET = KZ-Termin 3 Monate 7 Tage Messung der Scheitel-Steiß-Länge (45-84 mm) 11.-14. SSW am exaktesten erste Kindsbewegungen Fundusstand am Nabel Relativ sicher Relativ unsicher 18.-20. SSW 24. SSW
Regelmäßige Untersuchung Fundus-Stand Symphysen-Fundus-Abstand Kindslage Herztöne Kindsbewegungen Ödeme Körpergewicht Blutdruck Hämoglobin Urin (Eiweiß, Glucose, Nitrit, Blut, Bakterien) Vaginale Untersuchung Sonstige Maßnahmen
Infektionsdiagnostik Lues TPHA (Treponema-Pallidum- Hämagglutination-Assay) Röteln HAHT (Hämagglutinationstest), 1:32 = Immunität Hepatitis-B HBs-Ag in 32. SSW, bei akuter Hepatitis oder positiver Serologie aktive und passive Impfung des Neugeborenen innerhalb der ersten 12 Stunden, Wiederholung nach 1 und 6 Monaten Toxoplasmose und HIV bei Risiko-Schwangeren
Blutgruppen-Antikörper AB0-System, Rh-Faktor 1. AK-Suchtest bei Erstvorstellung 2. AK-Suchtest 24.-27. SSW Rh-negative Frauen ohne AK Rh-Prophylaxe 1) 28.-30. SSW 300 µg Anti-D-Ig i.m. 2) bei Geburt eines Rh-positiven Kindes erneut 300 µg bis 72 h nach Geburt 3) nach Abort, Invasiver Diagnostik, EU vor der 12. SSW nur 150 µg!
Blutdruck-Messung Bestimmung des diastolischen RR bereits beim deutlich Leiserwerden des Pulsgeräusches (Korotkoff-Geräusche Phase IV) Schwangerschaftshypertonie Einmalige Messung diast. RR => 110 mmhg Zweimalige Messung diast. RR => 90 mmhg
Leopold sche Handgriffe 1. Leop. HG 2. Leop. HG 3. Leop. HG 4. Leop. HG
Symphysen-Fundus-Abstand
Kardiotokographie - CTG VD auf vorzeitige Kontraktionen VD auf Fetale Intrauterine Retardierung IUR Hypertensive Erkrankung Auskultatorische Fetale Herzfrequenz- Alterationen Überschreiten des Termines Fetale Erkrankungen
Sonographische Diagnostik 3 Screening-Untersuchungen (10 20 30 Regel) 9.-12. SSW Sitz, SSL, Vitalität, Mehrlinge 18.-22. SSW Ausschluß von Anomalien 28.-32. SSW Lage, Plazenta, Wachstum
Spezielle Pränatale Diagnostik Mütterliches Alter > 35 Jahre Anamnestisches Risiko für Chromosomen- Anomalie Bereits Geburt eines Kindes mit Anomalie Aktuelle Hinweise für das Vorliegen einer Anomalie Auffällige mütterliche Serologie (Infektion, Triple-Test)
Perinatalzentrum Indikationen Belastende Anamnese (Totgeburt) Invasive Diagnostik und Therapie Schwere mütterliche Erkrankungen Komplikationen
Mutterschutz Die Schwangere sollte dem Arbeitgeber die Schwangerschaft und den mutmaßlichen Entbindungstermin mitteilen, sobald sie davon Kenntnis hat Kündigungsschutz Arbeitsplatz-Gestaltung Mutterschaftsgeld 6 Wochen vor bis 8 Wochen nach der Geburt Verlängert bei Mehrlingen, Frühgeburt, Retardierung < 2500 g
Müttersterblichkeit Definition Alle mütterlichen Todesfälle während der Schwangerschaft bis 42 Tage nach der Geburt, bezogen auf 100.000 Lebendgeborene
Müttersterblichkeit Gestationsbedingt direkt gestationsbedingt Todesursache in unmittelbarem Zusammenhang mit Schwangerschaft, Geburt oder Wochenbett z.b. Wochenbett-Sepsis indirekt gestationsbedingt Todesursache im Zusammenhang mit einer Krankheit, die sich durch Schwangerschaft, Geburt oder Wochenbett verschlechtert hat z.b. mütterlicher Herzfehler, Eisenmenger- Syndrom
Müttersterblichkeit nicht Gestationsbedingt Todesursache unabhängig von Schwangerschaft, Geburt oder Wochenbett z.b. Autounfall
Perinatale Mortalität Definition Alle Totgeborenen und innerhalb der ersten 7 Tage verstorbenen Neugeborenen, bezogen auf 1000 Neugeborene Totgeborene Neugeborenes ohne Lebenszeichen; Gewicht >= 500g Fehlbeburt Tote Leibesfrucht ohne Lebenszeichen; < 500g Personenstandsgesetz: 01. April 1994
Säuglings-Sterblichkeit Definition Alle Lebendgeborenen, die innerhalb des ersten Lebensjahres versterben, bezogen auf 1000 Lebendgeborene
Gegenstandskatalog Schwangerenvorsorge Erstuntersuchung Best. des GT, klin. Untersuchung, Screening, Labor, Information + Beratung Folgeuntersuchungen Leopold-Handgriffe, Risikogravidität Dokumentaion Gesetzliche Grundlagen (Mutterpass, MS- Richtlinien, Muttergesetz) Perinatale Mortalität Säuglings- und Müttersterblichkeit