Modellbildung und Simulation der Prävalenz von Adipositas

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Modellbildung und Simulation der Prävalenz von Adipositas In House Seminar HVB, 24.11.2011 Barbara Glock

Was ist Adipositas?

Was ist Adipositas? - Definition Adipositas (lat. adeps = fett), Fettleibigkeit, Fettsucht, Obesitas ist starkes Übergewicht mit einer über das normale Maß hinausgehenden Vermehrung des Körperfetts und möglichen krankhaften Auswirkungen.

Was ist Adipositas? - Klassifikation BMI m l² Gewicht m in kg Größe l in Meter Body Mass Index (BMI) Klassifikation BMI Untergewichtig <18.50 Normal 18.50 24.99 Übergewichtig 25.00 29.99 Adipös 30.00 Quelle:WHO

Was ist Adipositas? - Statistik Österreich 1999 und 2006/07 (Bevölkerung ab 20 Jahren): Normal Übergewicht Adipositas 1999 06/07 1999 06/07 1999 06/07 m 35,6 % 41,6 % 54,4 % 44,9 % 9,1 % 12,8 % w 66,1 % 53,8 % 21,5 % 29,9 % 9,1 % 13,4 %

Auswirkungen und Risiken - Komorbiditäten lebensbedrohliche Bluthochdruck Schlaganfall Koronare Herzkrankheit Herzinfarkt Diabetes Typ 2 Spezielle Arten von Krebs nicht tödlich verlaufend pulmonale Probleme Orthopädische Probleme Hautprobleme Komplikationen bei OPs Unfruchtbarkeit Psychologische, soziale Probleme

Auswirkungen und Risiken Direkte Kosten Indirekte - Hospitalisierungen - Ambulanzen - Medikamente - Schmerzen - Lebensqualität Intangible - Ressourcenverlust - Produktivitätsausfälle durch Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Frühpension, frühzeitiger Tod

Auswirkungen und Risiken - Österreich Direkte Kosten 2004: 227,7 1.135,5 Mio Euro 59,6 Mio. Hypertonie 46,2 Mio. Osteoarthritis 44,2 Mio. koronare Herzkrankheit 38,0 Mio. Diabetes mellitius Dokumentierte Aufenthalte mit Hauptdiagnose Adipositas (2.985 Fälle im Jahr 2004): 12,8 Mio. insgesamt 4.292 pro Aufenthalt 817 pro Belastungstag

Ursachen und Einflüsse Energiebilanz Soziale Normen und Werte Äußere Einflüsse Verhaltensweisen Individuelle Faktoren

Fragestellung Wie viele adipöse, übergewichtige und normalgewichtige Menschen wird es in 10, 20, 50 Jahren geben? Welche Strategien lassen sich am geeignetsten einsetzen? Treatment Effect Prevention Effect

System Dynamics - Anfänge Methodik der Modellbildung und Simulation Begründer: Jay Wright Forrester (MIT Sloan School of Management, ab 1956; Industrial Dynamics, 1961) Übertrug Methoden der Systemanalyse technischer Systeme auf soziale Systeme

System Dynamics - Vorteile Differentialgleichungen Vorteile: anschaulich Analyse komplexer Systeme (nicht sogleich ersichtlicher Feedbacks) einfaches Testen von Strategien Verstehen von Zusammenhängen und Dynamik

System Dynamics - Elemente Zustandsgrößen (Level, Stock): beschreiben die momentanen Zustände eines Systems (Speicher des Systems) Raten (Flows): Übergänge und Einflüsse von bzw. auf die Zustände Hilfsgrößen: Dienen nur dem besseren Verständnis der Systemstruktur Feedback: Rückkoppelung von Zuständen

System Dynamics Einfachste Struktur Stock and Flow mit zwei Flüssen Differentialgleichung: Integralgleichung:

Modell - Annahmen Übergewicht auf Grund von ungesunder Ernährung, welche durch soziale Kontakte übertragen wird nur eine Altersklasse betrachten (3-Jahres Abschnitt der 3 5 Jährigen) Eintritt vorerst nur über Normalgewicht vorerst ohne Geburten und Sterbende bzw. ohne Immigration Alterung inkludiert

Modell Stocks & Flows Levels: Aufteilung der Bevölkerung normal latent normal übergewichtig adipös Flüsse übergewichtig auf Diät adipös auf Diät

Modell - Anfangswerte Anfangswerte der Levels (normiert) normal übergewichtig adipös 0.462 0.2176 0.09 latent normal übergewichtig auf Diät adipös auf Diät 0.194 0.0249 0.0115

Modell - Parameter - Behandlung T1 Behandlung Übergewichtige Einheit: in Wochen T2 Behandlung Adipöse

Modell - Parameter - Prävention P Übertragungsrate zu schlechter Ernährung durch soz. Druck Menschen mit schlechter Ernährung Durch Kalibrierung: P = 0,2

Modell Ergebnisse - Basisszenario

Modell Ergebnisse - Basisszenario

Modell Ergebnisse - Behandlung T1 T2 Basis 0,0040 0,0044 Treat 0,01 0,01 Nach 364 Wochen beginnt Behandlung

Modell Ergebnisse - Behandlung T1 T2 Basis 0,0040 0,0044 Treat 0,01 0,01 Nach 364 Wochen beginnt Behandlung

Modell Ergebnisse - Prävention P Basis 0,02 Präv. 0,01 Nach 364 Wochen beginnt Prävention

Modell Ergebnisse - Prävention P Basis 0,02 Präv. 0,01 Nach 364 Wochen beginnt Prävention

weiteres Vorgehen gesamte Bevölkerung nach Altersklassen und Geschlecht untersuchen Bevölkerungsmodell integrieren andere Einflussfaktoren, wie körperliche Aktivität, Eltern-Kinder-Einfluss berücksichtigen Kostenmodell zur Abschätzung für Krankenkassen

Datenlage Österreich Statistik Austria Bevölkerungsmodell: Sterbetafeln, Geburtsraten, Wanderungsstatistik Level-Startwerte: BMI-Verteilung in der Bevölkerung nur von 1999 und 2006/07 Kalibrierung der Parameter möglich

Datenlage Österreich GapDRG des HVB Daten von 2006 und 2007 Personen zu Aufenthalten mit Diagnose E66 (ICD10-Codierung zu Adipositas) Haupt- und Zusatzdiagnose Medizinsche Einzelleistungen zu diesen Aufenthalten (gesamt und Aufenthalte nur mit Hauptdiagnose Adipositas) Haeufigkeiten der MELs Kostenpunkte dieser Aufenthalte

Datenlage Österreich GapDRG des HVB Häufigkeit MELs 1800 1600 1400 1200 1000 800 600 400 200 0 proximale und atypische Magenresektion Gastroenterostomie Dünndarm-Anastomose Häufigkeit MELs 2948 6837 2901 2946 6261 6808 3206 2999 2891 2887 Gastric banding offen Physiotherapie Fettschürzenoperation

Punkte total Datenlage Österreich GapDRG des HVB Summer der Punkte aller E66-Aufenthalte nach MELs 9.000.000 8.000.000 7.000.000 6.000.000 5.000.000 4.000.000 3.000.000 2.000.000 1.000.000 0 2948 6837 2901 2946 6261 6808 3206 2999 2891 2887 MELs

Zusammenfassung eine Alterskohorte mit Prävention und Behandlung untersucht: Ergebnis: Prävention ist effektiver Modellerweiterung: Gesamte Bevölkerung Eltern-Kind Einfluss Kostenmodell integrieren

Danke für Ihre Aufmerksamkeit! Fragen?