Bildungsplan 2016, Deutsch

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Transkript:

ZPG IV Bildungsplan 2016, Deutsch Multiplikatorentagung Bad Wildbad, 13. bis 15. Juli 2015 Fortbildungsmaterial Modul 3, Baustein 4 Satzarten und ihre Aussagen Inhalt Wo bleibt der Bus? Satzformen und ihre Aussagen... 2 A. Aufgaben und Erläuterungen... 2 B. Hilfestellungen... 4 C. Zusatzaufgaben... 5 Didaktische Hinweise... 6 Stefan Metzger FACHBERATERINNEN und FACHBERATER DEUTSCH Regierungspräsidien Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart, Tübingen Schule und Bildung Allgemein bildende Gymnasien Juli 2015

Wo bleibt der Bus? Satzformen und ihre Aussagen A. Aufgaben und Erläuterungen Wo bleibt bloß der Bus? Schon zehn nach sieben. Eigentlich müsste der Bus längst da sein. Am Ende kommt sie noch zu spät in die Schule. Der Mann neben ihr fragt Frau Meier, Katharinas Nachbarin, die auch auf den Bus wartet: Wann kommt der Bus denn? Katharina hingegen fragt bang: Der Bus kommt doch noch? Doch bevor Frau Meier antworten kann, biegt der Bus endlich um die Ecke. Erleichtert ruft Katharina: Der Bus kommt doch noch! Aufgabe 1 PA * Wie sagt Katharina den Satz Der Bus kommt doch noch. jeweils? Probiert den richtigen Ausdruck aus, indem ihr ihn laut sprecht. Aufgabe 2 PA ** a) Der Satz kann zwei verschiedene Gefühle zum Ausdruck bringen. Nenne sie. b) Mit welchen Mitteln werden diese Gefühle zum Ausdruck gebracht? Aufgabe 3 PA * In welchen weiteren Funktionen könnte man den Satz in dieser Situation noch sagen (z.b. als Trost, als Feststellung, )? Probiert jeweils aus, wie man den Satz dann betonen müsste. H Aufgabe 4 * a) Wie könnte man die erste Frage Katharinas noch formulieren? Notiere Umstellungen (Das Wörtchen doch kannst du dabei auch weglassen.) b) Kann man auch das zweite Beispiel auf dieselbe Weise verändern? c) Trage beide Varianten jeweils in eine Satzklammertabelle ein. d) Was fällt dir dabei auf? Formuliere, was den Sätzen (2) und (4) gemeinsam ist (abgesehen von der Tatsache, dass sie Fragen sind ). Wenn du unsicher bei der Lösung von Teil c) bist, schaue in der Hilfestellung nach. Satzarten Man kann verschiedene Satzarten ganz einfach nach der Position des Verbs unterschieden. Verbzweitsätze (abgekürzt V2) sind der Normalfall des deutschen Satzes. Das Verb steht nach dem ersten Satzglied im Vorfeld an zweiter Stelle. Bsp. (1) und (3).

Verberstsätze (V1): In ihnen steht das Verb an erster Stelle. Dies bedeutet, dass das Vorfeld in diesem Fall leer bleibt. Es handelt sich um eine besondere Form des Satzes, der für bestimmte Funktionen verwendet wird (s.u.) Bsp. (2) und (4). V2 V1 VF LK MF RK Der Bus kommt doch noch? Der Bus wird doch wohl noch rechtzeitig ankommen? Kommt der Bus noch? Wird der Bus wohl noch rechtzeitig ankommen? Wozu dienen Verberstsätze? Verberstsätze weichen vom Normalfall der Verbzweitsätze ab. Sie haben besondere Funktionen. Verberstsätze drücken z.b. eine Frage aus. Aufgabe 5 * Vollende den Einwand. Findest du im Text noch ein weiteres Beispiel, das diesen Einwand unterstützt? Nenne es. Die erste Aussage muss also genauer formuliert werden. Für den Satz Kommt der Bus noch? ist sie ja zutreffend, für die Wann-Frage aber nicht. Man muss zwei Arten von Fragen unterscheiden: W-Fragen Wer? Wann? Wo? Wie? Warum? Wozu? Womit?... fragen nach etwas Bestimmtem beziehen sich auf ein einzelnes Satzglied. Die Fragewörter ersetzen dieses Satzglied. In der Antwort wird es dann eingesetzt (z.b. Wer trocknet ab? Eric trocknet ab.) Normalform: Verbzweitsatz (V2) 3 Aber das stimmt doch gar nicht. Der Mann an der Haltestelle fragt doch: Wann kommt der Bus denn? Da steht das Verb doch Entscheidungsfragen (Ja-Nein- Fragen) Kommt der Bus noch? fragen danach, ob etwas überhaupt der Fall ist (z.b. ob der Bus heute überhaupt noch kommt). beziehen sich auf den ganzen Satz. Man kann sie mit Ja oder Nein beantworten. Normalform: Verberstsatz (V1)

H Z Aufgabe 6 * Formuliere weitere W-Fragen, die man an einer Haltestelle stellen könnte, und unterstreiche das Prädikat. Aufgabe 7 * Formuliere auch weitere Entscheidungsfragen, die Katharina stellen könnte. Unterstreiche das Prädikat. Wenn dir keine Beispiele einfallen, findest du im Hilfsmaterial Vorschläge. Eine andere Verwendung von Verberstsätzen sind z.b. Aufforderungen: Komm mal her! Gib mir den Zettel! In diesem Fall wird eine besondere Verbform verwendet, der Imperativ: kommen komm(e) geben gib Aufgabe 8 * a) Formuliere einige Beispielsätze für Aufforderungen als Verberstsätze mit Imperativ. b) Könnte man die Aufforderungen auch als V2-Satz formulieren? Überlege dir Beispiele. Versuche, sie im richtigen Tonfall zu sprechen. 4

B. Hilfestellungen Zu Aufgabe 4 d) VF LK MF RK (1) Der Bus kommt doch noch? (2) Kommt der Bus noch? (3) Der Bus wird doch wohl noch ankommen? rechtzeitig (4) Wird der Bus wohl noch rechtzeitig ankommen? Zu Aufgabe 7 Wenn dir keine Beispiele einfallen, verwende die folgenden Vorschläge und ergänze die jeweils fehlende Satzart. Die Buskarten sind diesen Monat nicht teurer geworden, oder? Mein Hund braucht doch keine Fahrtkarte? Busfahren macht dir Spaß? Fährt die Linie 3 auch zum Bahnhof? Gelten die Monatskarten auch am Wochenende? Kommt die Linie vier eigentlich immer zu spät? C. Zusatzaufgaben Z 1. nach Aufgabe 7 ** Formuliere weitere Entscheidungsfragen, die Katharina stelle könnte, in zwei Varianten: einmal als Verberstsatz und dann auch als Verbzweitsatz. Wenn dir keine eigenen Beispiele einfallen, kannst du auch auf das Hilfsmaterial zu Aufgabe 7 zurückgreifen. Z 2. nach Aufgabe 7 *** Den letzten Beispielsatz Der Bus kommt doch? könnte man auch gar nicht als echte Frage auffassen. Hast du eine Idee, was der Sprecher noch zum Ausdruck bringen könnte? Nenne deine Vermutungen. 5

Didaktische Hinweise Mit der neutralen, syntaktischen Differenzierung von Satzarten wird die überkommene semantische Einteilung in Aussage-, Frage-, Ausruf- und Aufforderungssatz ersetzt. Der Grund ist einfach: Sätze können unabhängig von ihrer äußeren Form verschiedene Sprechakte darstellen. Dies gilt noch nicht einmal prototypisch; man nehme nur den Fragesatz, der ja nur im Falle von Entscheidungsfragen als Verberstsatz auftritt. Wenig haltbar ist auch das Satzendzeichen als Indikator (z.b. höfliche Aufforderungen, rhetorischen Fragen) Die Unterscheidung ist recht einfach topologisch: Sie geht aus vom Feldermodell als Vollstruktur und benennt zwei Abweichungsformen, bei denen Feldbestzungen fehlen. Man kann dies als Aufmerksamkeitsmarkierung interpretieren 1. An dieser Stelle wird nur der Verberstsatz als selbständiger Satz eingeführt; der Verbletztsatz folgt im Kontext des Nebensatzes (vgl. Baustein 6.2.). Zunächst wird über die Mündlichkeit die Funktion thematisiert (Intonation als Sprechaktindikator) und dann differenziert (Aufg. 2 und 3), bevor der Blick auf die syntaktische Ebene gelenkt wird. Das Phänomen der Frage wird dazu genutzt, die womöglich aus der Grundschule mitgebrachte Einteilung zu unterlaufen und die neue, syntaktische zu festigen. Mit Aufg. 7 wird der Bogen zur Bedeutung geschlossen. Weitere Funktionen des Verberstsatzes (Aufforderung, Witze, Konditionalsätze) können später differenziert werden. Voraussetzungen Satzklammer (B. 1.2.) 1 In diesem Sinne bezeichnet Gramzow-Emden (Grammatik verstehen und Unterrichten, Tübingen 2013, 114 ff.) Verberst- und Verbletztsätze als markierte Formen, die vom unmarkierten Grundmodell des Verbzweitsatzes abweichen. Dahinter steht ein Konzept der Modellbildung. Die Duden-Grammatik unterscheidet Satzformen (nach Stellung des finiten Verbs) und Satzarten (nach Sprechakt) und ordnet den Satzformen jeweils häufige Satzarten zu. Der Unterscheidung entspricht im Bildungsplan die zwischen Satzarten (nach Syntax) und Satzfunktion (Sprechakt). In Sinn des Duden die Terminologie wird vom Duden nicht verwendet könnte man von markierten Sätzen im Sinne von auffälligen Realisierungen von Sprechakten sprechen. 6

Bildungsplanbezug Zentraler Standard: 3.1.2.1.(5) verschiedene Satzarten unterscheiden (Verbzweitsatz, Verberstsatz und Verbletztsatz) und verwenden; die Stellung des finiten Verbs im Satz mit der Satzfunktion (z.b. Aussage, Frage, Befehl) in Zusammenhang bringen Wichtige verzahnte Standards allgemein 2.3.(4) Sinnzusammenhänge zwischen Textelementen herstellen 3.1.2.1.(1) die zentrale Bedeutung des Prädikats für den Satz erläutern und Art und Anzahl der vom Prädikat abhängigen Satzglieder untersuchen und bestimmen; 3.1.2.1.(4) die Struktur von einfachen Sätze analysieren und nach dem Feldermodell beschreiben (Satzklammer, Felder: Vorfeld, Mittelfeld, Nachfeld) 3.1.2.2. (2) unterschiedliche Sprechabsichten erkennen und erläutern 3.1.2.2. (5) exemplarisch Textfunktionen erkennen und ihre Wirkung beschreiben (z. B. Selbstäußerung, Information, Appell) Aufg. 1, 3 Aufg. 2 Aufg. 6, 7 2.1.(12) Texte sinngebend und gestaltend vorlesen 2.3. (7) Analyse von Texten durchführen 2.2.(30) sprachliche Mittel gezielt einsetzen Weitere Materialien Gerda Richter: In der Satzwerkstatt II, Kompetenzraster D8.01.LT02. 7