WATCHING YOUR STEP - Clinical Trial Process Kritische Bewertung wissenschaftlicher Literatur Bewertung einer quantitativen Querschnittstudie über die Anwendung von Forschungsergebnissen in der Pflegepraxis Doris Langegger BScN DGKS
Agenda Ausgangspunkt Überblick - Stichprobe - Erhebung der Daten - Hypothese - Ergebnisse der Studie Bewertung der Ergebnisse (Teilaspekte) - Theorie - Praxis Fazit 2
Ausgangspunkt Masterstudiengang Pflegewissenschaft Studienauftrag der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität 3
Überblick Publikationstitel: Einfluss und Zusammenhang von Einstellung, Verfügbarkeit und institutioneller Unterstützung auf die Anwendung von Forschungsergebnissen in der pflegerischen Praxis - Ergebnisse einer explorativen quantitativen Querschnittstudie (Haslinger-Baumann, Lang & Müller, 2015, S. 145) 4
Überblick Zehn Krankenhäuser in Oberösterreich und Wien Teilnehmende: 178 diplomierte Pflegefachkräfte Schriftliche Befragung Erhebungsinstrument: Likert-Skala Formulierung von zwei Hypothesen Statistische Prüfung: Multiple lineare Regression (Haslinger-Baumann et al., 2015) 5
Stichprobe Auswahl der Stichprobe 1. Schriftliche Anfrage an alle diplomierten Pflegefachkräfte die Fortbildungen zu Evidence-based Nursing (EBN) in den zehn Krankenhäusern absolvierten (n=88). 2. Diese wurden zusätzlich gebeten, einen oder mehrere beigelegte Fragebogen [sic] an KollegInnen zu verteilen, die an keiner dieser EBN-Veranstaltungen teilgenommen haben (n=190). (Haslinger-Baumann et al., 2015, S. 148) 6
Stichprobe 1. Alle = Vollerhebung 2. Verteilung = Gelegenheitsstichprobe 7
Erhebung der Daten Erhebungsinstrument - German Utilization Questionnaire (Haslinger-Baumann, Lang & Müller, 2014) - Likert-Skala mit fünf Antwortmöglichkeiten: sehr oft oft manchmal selten nie (Haslinger-Baumann et al., 2015, S. 148) 8
Hypothese Hypothese: Je positiver die eigene Einstellung und je besser die institutionelle Unterstützung ist, sowie je einfacher die Ergebnisse der Forschung verfügbar sind, desto mehr werden diese in der Pflegepraxis verwendet. (Haslinger-Baumann et al., 2015) 9
Hypothese Interesse: Einfluss und Zusammenhang von 1. Einstellung Unabhängige 2. Verfügbarkeit von Forschungsergebnissen Variablen 3. Institutionelle Unterstützung (uv) auf die Forschungsanwendung Abhängige Variable (av) (Haslinger-Baumann et al., 2015) 10
Ergebnisse der Studie Statistisches Verfahren: Multiple lineare Regression Ergebnis: Verfügbarkeit von Forschungsergebnissen (β=0,470; p<0,001) Positive Einstellung (β=0,388; p=<0,001) Institutionelle Unterstützung (β=0,142; p<0,05) Anwendung der Forschungsergebnisse (Haslinger-Baumann et al., 2015) 11
Bewertung der Ergebnisse Voraussetzungen der multiplen linearen Regression: 1. Klare Unterscheidung von uv und av Einstellung Forschungsanwendung (Rasch, Friese, Hofmann & Naumann, 2006) 2. Metrisches Skalenniveau für av 3. Nominales oder metrisches Skalenniveau für uv (Bortz & Schuster, 2010) 12
Theorie? Was bedeutet nominal, ordinal und metrisch? 13
Theorie 1. Nominal: Ja/nein Essen Sie gerne Leberkäse? 2. Ordinal: Sehr selten, selten, manchmal, oft, sehr oft Wie häufig essen Sie Leberkäse im Monat? - Likert-Skala: Reihenfolge 3. Metrisch: Zahlenwerte - 0 200 Wie viele Portionen Leberkäse essen Sie im Schnitt pro Monat? - Gleiche Intervalle, Nullpunkt (Bortz & Schuster, 2010) 14
Bewertung der Ergebnisse Likert-Skala - Anhebung von ordinalen Skalen auf metrisches Skalenniveau 1. Verfügbarkeit 3. Institutionelle Unterstützung 2. Einstellung 4. Forschungsanwendung (Haslinger-Baumann et al., 2015) - Ja, wenn eine Dimension, fünf Nennungen und gleiche Intervalle (Atteslander, 2010) - sehr oft oft manchmal selten nie (Haslinger-Baumann et al., 2015, S. 148) 15
Theorie Likert-Skala: nie selten manchmal oft sehr oft I I I I I I nie/sehr selten immer/sehr oft I I I I I (Atteslander, 2010) 16
Bewertung der Ergebnisse Likert-Skala - Pendant zu nie sehr oft - Keine Intervalle mit gleichen Abständen Anhebung auf metrisches Skalenniveau nicht möglich! (Atteslander, 2010) 17
Bewertung der Ergebnisse Schließende Statistik: Die Hypothesenprüfung dient dazu um mittels Tests und Schätzungen die Ergebnisse der Stichprobe für die Grundgesamtheit zu verallgemeinern. (Mayer, 2013; Müller, 2011) Forschungsergebnisse werden öfter verwendet, wenn eine positive Einstellung vorhanden ist ( ) (Haslinger-Baumann et al., 2015, S. 145) 18
Praxis? Trifft das auf alle zu? Wer sind alle? Die gesamte Bevölkerung? 19
Praxis? Kennen Sie Präsident Landon? (Regierungszeit: 1936-1945) 20
Praxis Stichprobenfehler (Häder, 2015) - Zeitschrift Literary Digest - Probestimmzettel an 10 Millionen - Rücklaufquote: 2,4 Millionen - Grundlage: Verzeichnisse über Telefon- und Kfz-Besitzer - Prognose: Landon gewinnt die Wahl! - Tatsächlich: 62 Prozent = 19 Prozentpunkte daneben! Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika: Roosevelt 21
Fazit Keine Zufallsstichprobe (Gelegenheitsstichprobe) Keine Definition der Grundgesamtheit (Haslinger-Baumann et al., 2015) Methodisch defizitäre Vorgehensweise (Atteslander, 2010) - Keine Verallgemeinerung! (Mayer, 2013; Atteslander, 2010) - Aussagekraft für die Stichprobe? Jedoch: Hohe Relevanz von Evidence-based Nursing! 22
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit!
Literaturangaben Atteslander, P. (2010). Methoden der empirischen Sozialforschung. (13., neu bearb. und überarb. Aufl.). Berlin: Erich Schmidt Verlag. Bortz, J. & Schuster, C. (2010). Statistik für Human- und Sozialwissenschaftler. (7., vollst. überarb. und erw. Aufl.). Berlin Heidelberg: Springer Verlag. Haslinger-Baumann, E., Lang, G. & Müller, G. (2014). Validity and Reliability of the German Utilization Questionnaire Dissemination and Use of Research to Measure Attitude, Availability, and Support Toward Implementation of Research in Nursing Practice. Journal of Nursing Measurement, 22(2), 255-267. doi: http://dx.doi.org/10.1891/1061-3749.22.2.255 Haslinger-Baumann, E., Lang, G. & Müller, G. (2015). Einfluss und Zusammenhang von Einstellung, Verfügbarkeit und institutioneller Unterstützung auf die Anwendung von Forschungsergebnissen in der pflegerischen Praxis - Ergebnisse einer explorativen quantitativen Querschnittstudie. Pflege, 28(3), 145-155. doi: 10.1024/1012-5302/a000422 24
Literaturangaben Häder, M. (2015). Empirische Sozialforschung. Eine Einführung. (3. Aufl.). Wiesbaden: Springer Verlag. Mayer, H. (2013). Stichprobenauswahl und Stichprobengröße. In H. Brandenburg, E. M. Panfil & H. Mayer (Hrsg.), Pflegewissenschaft 2. Lehr- und Arbeitsbuch zur Einführung in die Methoden der Pflege-forschung. (2., vollst. überarb. Aufl.). 124-132. Bern: Hans Huber Verlag. Müller, M. (2011). Statistik für die Pflege. Handbuch für Pflegeforschung und Wissenschaft. (1. Aufl.). Bern: Hans Huber Verlag. Rasch, B., Friese, M., Hofmann, W & Naumann, E. (2006). Quantitative Forschungsmethoden. Einführung in die Statistik. (2., erw. Aufl.). Heidelberg: Springer Medizin Verlag. 25