Bau eines 2 Meter RES Modells Geschichtliches: Zuerst einmal was ist RES. RES ist eine Abkürzung der englischen Begriffe Rudder, Elevator und Spoiler und bezeichnet ein Segelflugmodell, welches nur über Seitenruder, Höhenruder und Störklappen gesteuert wird. Die RES-Klasse kommt aus Amerika und ist dort wegen der Vergleichsweisen Einfachheit der Flugmodelle sehr beliebt. In Europa befindet sich diese RES Klasse gerade im Aufbau, die Entwicklung entsprechender Modelle wird durch Wettbewerbe in dieser Klasse rasch vorangetrieben und so sind bereits mehrere gute Entwicklungen am Markt erhältlich. Die Rahmenbedingungen sind einfach: Spannweite max. 2 Meter, Aufbau überwiegend in Holzbauweise, Tragflächen in Rippenbauweise, Faserverbundwerkstoffe als Halbzeuge sind nur für Holme und Rumpfrohr (Heck) erlaubt. Das für mich Faszinierende an dieser Klasse ist, das anders als bei z.b. den HLG s der Aufbau der Modelle nicht in einer Materialschlacht endet, sondern tatsächlich noch mit überschaubarem Materialaufwand ein einfaches Holzmodell entsteht, dessen Flugleistungen aber durchaus ansprechend sind. Man könnte fast sagen: Zurück zu den Ursprüngen des Flugmodellbaues und einfach nur Spaß haben. Über die Klasse ist hier genaueres zu erfahren: http://www.rc-network.de/forum/showthread.php/280386-segelflugwettbewerbmit-2m-2-achs-holzmodellen-quot-res-quot Nun, ich entschied mich für das Modell picares von: http://www.modellbauchaos.de Angefangen hat das Ganze zu Weihnachten 2013, man beachte den Roten Pfeil im Bild
Am nächsten Tag begann die Sichtung des Kartoninhaltes. Wie man sieht, eine ganze Menge sauber gefräster Teile, aus den Erfordernissen entsprechend ausgesuchtem Balsa- und Sperrholz. Mir war wichtig, dass im Bausatz alle Möglichkeiten zum Bau des Modells als Segelflugmodell bzw. mit Elektroantrieb sowie mit Kreuz- oder V-Leitwerk geboten werden. Entschieden habe ich mich für die Elektroversion mit Kreuzleitwerk.
Der Aufbau des Rumpfes in Kastenbauweise ging so rasch vonstatten, dass ich beinahe vergaß, Fotos zu schießen. Der gut durchdachte Bausatz lässt ein Modell in klassischer Ganzholzbauweise entstehen und gibt einem die Möglichkeit, auch die eine oder andere Eigene Idee einfließen zu lassen. So wurde der Rumpf hinten um ca. 7,5 cm verlängert, der größere Leitwerkshebelarm wird sich positiv auf die Richtungsstabilität auswirken. Dadurch mögliche Schwerpunktsprobleme sind durch die Ausführung als Elektromodell ohnehin nicht zu erwarten.
Die Rumpfseitenteile sind im vorderen Drittel mit 0,8 mm Sperrholz verstärkt, um etwas Gewicht einzusparen wurden diese mit Aussparungen versehen.
Abschließend wird der Rumpf grob verschliffen und der runde Abschlußspant mit Hilfe des provisorisch eingebauten Motors mit passendem Spinner zentriert und verklebt. Nach sauberem verschleifen sieht s dann schon besser aus. Damit wäre der Rumpfrohbau vorerst abgeschlossen. Leitwerke: Bei Höhen- und Seitenleitwerk gab es keine Besonderheiten, durch die von mir geänderte Geometrie der Rumpfheckpartie waren leichte Anpassungen am Seitenleitwerk nötig.
So wurde der Pfeilungswinkel der Scharnierlinie etwas verringert, auf die Ruderausgleichsfläche vor der Scharnierlinie wurde komplett verzichtet und dafür die Ruderfläche geringfügig vergrößert. Die Randbogenform wurde bei Höhen- und Seitenleitwerk meinem persönlichen Geschmack angepasst. Tragflügel: Für den Bau des Tragflügelmittelstückes wird der beiliegende 1:1Plan mit Folie abgedeckt sowie die vorbereiteten Beplankungsteile, Holmstege, Rippen und Endleisten zusammengesteckt und mit einigen wenigen Stecknadeln fixiert. Die Passgenauigkeit der Frästeile ist hervorragend, sodass nur noch Dünnflüssiger Sekundenkleber an den entsprechenden Klebestellen eingebracht werden muss.
Nachdem die Abschlussrippen im passenden Winkel sowie die Steckungsaufnahmen verklebt sind, kann die Oberseite der Tragfläche beplankt werden. Nach einer angemessenen Trockenpause wird noch die Nasenleiste aus 10 x 5 mm Balsa aufgeklebt und alles dem Profil entsprechend verschliffen. Zum Abschluss wird noch die
en Aufnahme für den Flächendübel passgenau freigelegt, verklebt wird der Dübel erst nach dem Bespannen. Die Tragflügelohren wurden mit kleinen Änderungen direkt nach Plan gebaut. Und zwar wurde die Nasenleiste wegen des geringen Abstandes der Beplankung nicht Stumpf auf die Rippen und Beplankung geklebt, wie im Mittelstück, sondern es wurde eine Leiste innerhalb der Beplankung verklebt
Entsprechend verschliffen und danach die Oberseitenbeplankung aufgeklebt. Nach dem verschleifen sieht das Ganze dann so aus
Die zweite Änderung betrifft den Randbogen. Der bestehende Randbogen wurde mit einem 5 mm Balsa aufgedoppelt und Formmäßig wiederum meinem Geschmack angepasst und auf Profil verschliffen.
Damit wäre der größte Brocken erledigt und es wird Zeit, das Werk einmal zusammenzustecken und auf den Gesamteindruck hin zu überprüfen. Die Tragflügelsteckung. Gesichert wird mittels 7 mm Magnete, das hält Bombenfest!
Die Leitwerkspartie. Das komplette Leitwerk ist noch nicht verklebt, das geschieht erst nach dem Bespannen von Rumpf und Leitwerk. Das Gewicht spielt bei solch kleineren Modellen natürlich auch eine gewisse Rolle, aber man sollte dieses nicht überbewerten. Hier nun eine Aufstellung der Rohbaugewichte: Rumpf: 95 Gramm Tragflügelmittelstück: 85 Gramm Tragflügelohren verklebt je Seite: 43 Gramm Höhenleitwerk: 11 Gramm Seitenleitwerk: 6 Gramm Nach dem Bespannen mit Oracover/Oralight ergab sich ein Leergewicht von 345 Gramm. Die Äußeren Flügelohren sowie Höhen- und Seitenleitwerk wurden mit Oralight, der Rest mit Oracover Bespannt. Kommen wir zum Antrieb: Elektrifiziert ist so ein Modell natürlich nicht für RES Wettbewerbe zugelassen, meine Wettbewerbsambitionen halten sich da aber ohnehin in Grenzen, die Alltagstauglichkeit des Modells für mich wird aber durch einen Elektroantrieb gewaltig gesteigert.
Ziel war es, weil Akkus bereits vorhanden, einen Antrieb mit 3-Zelligen Lipo`s mit 1000 mah zu finden. Meine Wahl fiel auf einen AXI 2217/20 mit einer Klappluftschraube 11x4 Zoll. Das Programm DriveCalc http://www.drivecalc.de/ zeigt die zu erwartende Leistung. Bei einem geschätzten Fluggewicht von ca. 600 Gramm ist das doch eine Ansage Gesagt Getan, Motor plus Luftschraube wurde verbaut, das Resultierende Fluggewicht liegt letztendlich bei 625 Gramm. Bedenkt man, dass zu den Anfängen der Elektrofliegerei ein 2 Meter Modell so an die 1,4 bis 1,6 kg auf die Waage brachte, sind die heutigen erreichbaren Daten mit weit weniger als der Hälfte des Gewichtes schon phantastisch! Flugerprobung: Zurzeit ist hier Winter und das sind nicht unbedingt die idealen Bedingungen für ein Elektrosegelflugmodell, aber Eingeflogen wird trotzdem Nun, der Steigflug ist kraftvoll und es geht mit ca. 40 bis 50 Grad nach oben. Mehr als 15 sec Motorlaufzeit sind nicht erforderlich, um eine anständige Höhe zum Aufsuchen von Thermik zu erreichen.
Die Segel- und Gleiteigenschaften des Modells sind als sehr gut zu bezeichnen, das Seitenruder wirkt angenehm direkt. Die Kreisflugeigenschaften sind 1a. Die Zentrale Störklappe kann nach Zumischung von etwas Höhe feinfühlig dosiert werden. Nach mehreren Flügen stellte sich eine doch unnötig lange Motorlaufzeit heraus, das bedeutet für mich, das noch etwas Optimierungspotential vorhanden wäre. Ein Blick in DriveCalc brachte eine für mich völlig neue Erfahrung. Nimmt man anstelle eines 3-Zelligen Lipo s 1000 mah einen 2-Zelligen mit nun 800 mah und eine Klappluftschraube 13x6,5 Zoll, nimmt zwar der Motorwirkungsgrad geringfügig ab, der Wirkungsgrad der größeren und nun langsam drehenden Luftschraube nimmt aber zugleich um sehr viel mehr zu. Resultat: Bei jetzt ca. 60 % der vorherigen Eingangsleistung bleiben immer noch 100% an Ausgangsleistung, bezogen auf die Luftschraube. Der Antriebsstrang würde dadurch immerhin um ca. 45 Gramm leichter. Der Sache nicht ganz trauend, wurde eben genau diese Kombination in die Praxis umgesetzt: Akku: Dymond, Lipo 2S, 800 mah/30c Luftschraube: Aeronaut 13x6,5 Klappluftschraube an 39 mm Zwischenstück Motor: AXI 2217/20 850 UPM/Volt Flugerprobung: Das Gewicht des Modells liegt nun bei sehr guten 580 Gramm, ein auch für derzeitige reine RES Segler dieser Klasse durchaus üblicher Wert.
Die Steigleistung kann getrost als hervorragend bezeichnet werden und ist in jedem Fall dem Antrieb mit 3 Zellen gleichzusetzen. Die ohnedies sehr guten Gleit- und Segelflugeigenschaften des Modells lassen einem die Mundwinkel ständig bis an die Ohren anstehen Autor: Johann Achrainer Fotos: Johann Achrainer Westendorf-Tirol, Jänner 2014