Demografischer Wandel

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Transkript:

TK Lexikon Gesundheit im Betrieb Demografischer Wandel Demografischer Wandel HI2243404 Zusammenfassung LI1615359 Begriff Die Bevölkerung in den industrialisierten Staaten, Ländern oder Kommunen nimmt seit Mitte des 20. Jahrhunderts stetig ab. Verantwortlich für diesen sog. Demografischen Wandel ist u. a. die Tatsache, dass die Sterberate deutlich höher ist als die Geburtenrate. Die sozialen Sicherungssysteme, aber auch die Unternehmen werden dadurch vor neue Probleme gestellt. In den Unternehmen bedeutet dies z. B., dass das Durchschnittsalter der Mitarbeiter zunimmt, weil die Lebensarbeitszeit steigt und weniger jüngere Beschäftigte auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sind. 1 Grundtendenz: Alterung der Gesellschaft HI2276449 Der demografische Wandel in der Gesellschaft und damit auch bei den Belegschaften der Unternehmen wird im Wesentlichen beeinflusst durch die Geburtenrate, die Sterblichkeit und die Migration. Eine gravierende Veränderung der Sterblichkeit hat sich in Deutschland schon vor mehr als 100 Jahren vollzogen und damit den demografischen Wandel initiiert. Der zweite demografische Übergang konnte zwischen 1965 und 1975 aufgrund eines starken Geburtenrückgangs beobachtet werden (Abb. 1). Der Altersaufbau wandelt sich dabei von der typischen Alterspyramide (1900) zur "Altersurne" heute. Bereits im Jahr 2013 war die stärkste Altersklasse in Deutschland die der "Über-50-Jährigen".

Abb. 1: Natürliche Bevölkerungsentwicklung in Deutschland: Geburtendefizite seit 1972 (Quelle: Deutschland im Demografischen Wandel: Ein Vergleich mit Japan, Rostocker Zentrum zur Erforschung des demografischen Wandels, Rostock 2011) Diese Entwicklung ist jedoch nicht auf Deutschland begrenzt, sondern vollzieht sich bis auf wenige Ausnahmen weltweit (Abb. 2). In nahezu keinem europäischen Land wird heute die zur Bestanderhaltung notwendige Geburtenziffer von 2,1 erreicht (Abb. 3). Dies gilt auch für die USA und Japan. Europa hat bereits heute die älteste Bevölkerung und dabei wird es in den nächsten Jahrzehnten auch bleiben. Die Zahl der Erwerbstätigen wird in Europa in den nächsten 20 Jahren um ca. 20,8 Mio. (6,8 %) sinken, während die Zahl der "Über-55-Jährigen" um 24 Mio. (8,7 %) steigt.

Abb. 2: Bevölkerungsentwicklung weltweit in Phasen (Quelle: Deutschland im Demografischen Wandel: Ein Vergleich mit Japan, Rostocker Zentrum zur Erforschung des demografischen Wandels, Rostock 2011) Abb. 3: Geburtenziffer Ländervergleich (Quelle: Statistisches Bundesamt)

2 Einflussfaktoren 2.1 Geburtenziffer HI2276450 HI2276451 Seit den 1970er-Jahren werden in Deutschland weniger als 210 Kinder je 100 Frauen (Bestanderhaltungsniveau) geboren. Die Geburtenrate liegt schon seit fast 30 Jahren bei ca. 1,4 Kindern pro Frau (Abb. 4). Abb. 4: Geburtenziffern im europäischen Vergleich 1980 und 2002 (Kinder pro Frau) (Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) 2.2 Lebenserwartung und Mortalität HI2276452 Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt nach der Sterbetafel 2008/2010 für Jungen ca. 77 Jahre und für Mädchen ca. 82 Jahre (Abb. 5). Die Lebenserwartung der Bevölkerung und der Altersaufbau der Bevölkerung beeinflussen die Zahl der Sterbefälle (Mortalität). Das Geburtendefizit als Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen eines Jahrs betrug 2010 ca. 181.000. Im Jahr 2020 wird das Geburtendefizit voraussichtlich auf 300.000 steigen, bis zum Jahr 2050 sogar auf 600.000. Setzt sich der Trend wie beschrieben fort, dann werden in Deutschland im Jahr 2050 zwischen 8 und 13 Mio. Menschen weniger leben.

Abb. 5: Lebenserwartung bei Geburt in Deutschland (Quelle: Statistisches Bundesamt) 2.3 Migration HI2276453 Die zukünftige Bevölkerungsstruktur in Deutschland wird auch beeinflusst durch Ein- und Auswanderung. Die Differenz zwischen Zu- und Fortzügen wird Wanderungssaldo genannt. Aus den bisher beobachteten Wanderungssalden (Abb. 6) lässt sich kein Trend ableiten. Die UN zeigte in einer Untersuchung aus dem Jahr 2000, dass die schrumpfenden Bevölkerungszahlen in Deutschland bis 2050 nur durch eine jährliche Zuwanderung von 344.000 Menschen ausgeglichen werden können. Um die Alterung der Bevölkerung aufzuhalten, müssten bis 2050 sogar 3,62 Mio. Einwanderer nach Deutschland kommen. Diese Zahlen zeigen nachdrücklich, dass die Alterung und Schrumpfung nicht oder nur bedingt mit Einwanderung zu lösen sind.

Abb. 6: Entwicklung des Wanderungssaldos der ausländischen Personen über die Grenzen Deutschlands (Quelle: Statistisches Bundesamt)