Interessengemeinschaft Damwild Thüringen

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Transkript:

Interessengemeinschaft Damwild Thüringen Vorsitzender: Dr. Udo Egerer, Ziegelberg 8, D-99425 Weimar Tel.: 0 36 43/ 85 24 08; Mobil: 0175/ 86 92 484 Protokoll zur Jahreshauptversammlung der Interessengemeinschaft Damwild Thüringen (IG Dw) am 28.09.2013 (5 Seiten) Ort: 99334 Riechheim, Ilm-Kreis, Gaststätte Riechheimer Berg Beginn: 14.15 Uhr Ende: 16.30 Uhr Teilnehmer: 30 TOP 1: Begrüßung der Gäste und Teilnehmer (Egerer) als Gäste begrüßt: Herr MR Achim Ramm, TMLFUN, Oberste Jagdbehörde Herr Steffen Liebig, Präsident Landesjagdverband Thüringen e.v. Herr Manfred Ißleib, Vizepräsident LJVT Herr Frank Herrmann, Geschäftsführer LJVT Herr Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel, Gastreferent, Güterfelde (h.d.pfannenstiel@t-online.de) - alle Mitglieder wurden satzungs- und fristgerecht eingeladen - anwesend: Vertreter der HG: Rastenberg (Finne Saale), HG Hainleite-Windleite, Frauensee, Hohenfelden-Bad Berka, Uhlstädter Heide, Rothehofsmühle, Holzland - in TOP 8 wurden die HG Fahnersche Höhen und Hainich einstimmig aufgenommen (die schriftlichen Beitrittserklärungen liegen dem Vorstand vor) - Königsthal (neue HG Nordwest-Thüringen soll am 04.10.13 gegründet werden) - nicht anwesend: Wernburg-Buchtahöhe und Leinawald (beide unentschuldigt) - Beschlussfähigkeit der Mitgliederversammlung war mit 7 (ab TOP 9: 9) Mitgliedern gewährleistet Es wird angeregt, dass die HG Nordwest-Thüringen nach ihrer Konstituierung ebenfalls eine Beitrittserklärung dem Vorstand schriftlich vorlegt. Damit wären dann alle Damwild- Hegegemeinschaften in Thüringen Mitglieder der IG Dw. 1

TOP 2: Beschlussfassung zur Tagesordnung - keine Einwände/ Ergänzungen/ Anträge TOP 3: Bericht des Vorstandes mit Rechenschaftslegung und Arbeitsplan (Egerer) - siehe Anlage - Projektantrag aus der HG Rothehofsmühle zur effektiveren Bejagung des Kahlwildes und der Verminderung der natürlichen Mortalität von Hirschen wurde nicht realisiert TOP 4: Bericht des Schatzmeisters (Bach) - siehe Anlage - Hinweis auf Mahnungen an immer wieder säumige Mitglieder - alle Mitglieder sind schriftlich an den Zahlungstermin (1.7. jeden Jahres) erinnert worden - Außenstände durch säumige Beiträge derzeit 950,00 Euro! TOP 5: Bericht des Kassenprüfers (Krieger) - Prüfung der Kasse und aller Belege ohne Beanstandung, die Kassenführung ist einwandfrei - beantragt Entlastung des Vorstandes TOP 6: kurze Auswertung der Damwildstrecke im Jagdjahr 2012/13 in Thüringen M. Neumann, Thünen-Institut für Waldökosysteme Eberswalde - Kurzfassung siehe Anlage - Material wird an die Hegegemeinschaften, Forst- und Jagdbehörden, LJVT übergeben - bis 28.09.13 fehlte immer noch eine Streckenmeldung einer HG - eine aktuelle Streckenübersicht ist die Grundlage der Hegegemeinschaftsarbeit; unverständlich ist daher, dass immer wieder sehr späte Melden der Streckenergebnisse erfolgen bzw. die Datenbeschaffung über untere Jagdbehörden erfolgen muss - im JJ 2012/13: 1.214 Stück Damwild in Thüringen erlegt (neuer Rekord), davon 953 in den Hegegemeinschaften/ Einstandsgebieten (78%) - Streckenanteile zugunsten der Kälber verschoben (40%), Hirsche fehlen Empfehlung für Thüringen: Planansatz künftig anpassen, Anteil Hirsche Kl. 2 im Plan reduzieren, flexiblere Planungen in den HG (positive Erfahrungen der Länder BB/MV und ST nutzen); Verweis auf Ergebnisprotokoll der Arbeitsgruppe 1 Wildbestandsregulierung 2

TOP 7: Diskussion zu den TOP 3-8, Grußworte - A. Ramm: (TMLFUN): Wir Jäger dürfen und sollten sehr intensiv und konstruktiv Probleme diskutieren, nach außen müssen wir aber ein geschlossenes Bild abgeben. Gesprächsbereitschaft bei Problemen seitens der Obersten Jagdbehörde - St. Liebig (LJVT): bekräftigt die Notwendigkeit der Interessenvertretungen IG Damwild, IG Muffelwild und Rotwildring; Diskussion von Problemen bei der Zusammenarbeit der Damwildhegegemeinschaften und damit Belebung der IG Damwild müssen im kommenden Jahr gemeinsam erfolgen. - K.-H. Müller (JS Arnstadt): da 50 % der Kälber männlich sind, darf der Kälberanteil im Abschuss nicht zu hoch sein; Bewegungsjagden sind im Damwildgebiet erst nach der Brunft zu vertreten, IG Damwild sollte Status nichts rechtsfähiger Verein anstreben - Ch. Bach/ M. Neumann: Probleme der aktuellen Arbeit der IG Damwild, kaum Initiativen und Aktivitäten; teilweise keine Beitragszahlung; Beteiligung an der Mitgliederversammlung spricht wieder für sich - U. Egerer/ Ch. Bach/ M. Neumann: Bereitschaft, ein weiteres Jahr bis zur Neuwahl des Vorstandes im Amt zu bleiben - M. Frey (Holzland): regionale Belange der einzelnen Hegegemeinschaften bei Bewirtschaftung berücksichtigen - J. Huster (AöR): Brunftmortalitöt der Schaufler muss berücksichtigt werden siehe Vortrag Dr. Normar STIER (2011) - Ch. Bach (Frauensee): Ergebnisse von STIER wurden in einem der damwildreichsten Gebiete Deutschlands ermittelt; in Thüringen ist die Brunftmortalität in weiten Teilen des Landes bei weitem nicht so hoch - U. Merx (Königsthal): nach wie vor Probleme in Nordthüringen, HG Nordwest-Thüringen soll am 04.10.13 gegründet werden, IG Damwild sollte sich in Gründung einbringen - R. Lenz (Fahnersche Höhen): plädiert für Weiterarbeit der IG Damwild; fragt an, ab wann Alttiere bedenkenlos aus einem Rudel erlegt werden können, auch wenn diese noch führend sind ab Mitte November? - Anmerkung Neumann: Nach Rücksprache mit Herrn Prof. Dr. Christoph Stubbe, (Sandkrug) gilt grundsätzlich: Erlegung Kalb vor Alttier. Eine Erlegung Kalb mit dazugehörigem Alttier ist anzustreben. Einzelne Alttiere sollten vor Mitte Dezember nicht erlegt werden, da bei dieser Wildart das Kindergartenprinzip zu beachten ist. Im Abschussplan fehlende Alttiere können frühestens ab Mitte Dezember gezielt aus den Rudeln erlegt werden. Dadurch eventuelle mutterlos werdende Kälber verbleiben im Rudel. (SIEFKE& STUBBE 2008, Das Damwild, Seite 50) 3

TOP 8: Beschlussfassungen über die Entlastung des Vorstandes und weitere Beschlüsse (Fischer) - Entlastung des Vorstandes: mit 7 Ja-Stimmen einstimmig beschlossen - Aufnahme der Hegegemeinschaften Fahnersche Höhen und Hainich: mit 7 Ja-Stimmen einstimmig beschlossen TOP 9: Wahl des Vorstandes - Der amtierende Vorstand wird für ein weiteres Jahr gewählt, bzw. bleibt bis zur Neuwahl im Jahr 2014 im Amt. - mit 9 Ja-Stimmen einstimmig beschlossen TOP 10: Schlusswort (Egerer) - Aufruf zur Mitarbeit an alle HG! - Dank an alle für Teilnahme, Diskussion und Gastreferat 4

Der Mitgliederversammlung war ein gemeinsam mit der IG Muffelwild organisierter Gastvortrag von Herrn Univ.-Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel, Güterfelde vorausgegangen. Der etwa zweistündige Vortrag mit dem Titel Zeitgemäße Schalenwildbewirtschaftung beinhaltete die Themenschwerpunkte: Gibt es für die Wildbewirtschaftung Handlungsbedarf, für uns Jäger, für den Gesetzgeber? - Mitteleuropa ist eine dichtbesiedelte, hochtechnisierte, intensiv bewirtschaftete und infrastrukturell extrem erschlossene Kulturlandschaft! - Schalenwildarten profitieren in unterschiedlichem Ausmaß von dieser Kulturlandschaft, Stichwort Kulturfolger! - Es gab in Deutschland noch nie so hohe Schalenwildpopulationen wie heute! - Anpassung an die Landeskultur geht wohl nur, wenn wir Jäger an der einen oder anderen Stelle umdenken! Es gibt also Handlungsbedarf! Was heißt zeitgemäß in Bezug auf Wildbewirtschaftung? - Anpassung von Wildbeständen an die Landeskultur: Streckenentwicklung zeigt, dass das nicht überall der Fall ist. Großräumige, revierübergreifende Bewirtschaftung, Hegegemeinschaften stärken, Jagdneid und Revieregoismus ausschalten; Jäger im Feld und im Wald müssen kooperieren; Güteklassen in die Mottenkiste! - Vermeidung unnötiger Schmerzen, Leiden und Schäden: Ansprechen, passendes Kaliber, Schussentfernung, Tötungswirkung der Geschosse, Nachsuche; Welche rechtlichen Regelungen gibt es? - ThJGAVO: Die Prozentsätze (Wildzuwachs) beziehen sich auf den gesamten Frühjahrsbestand. Damit sind erhebliche Fehleinschätzungen vorprogrammiert, da das Geschlechterverhältnis im Bestand nicht berücksichtigt wird. Unbedingt ändern! - Bei den Güteklassen stellt sich die Frage: Gibt es auch IIb-Alttiere? Wildbiologische Eckpunkte - Die Ausbildung eines Geweihs ist kein Alleinstellungsmerkmal des männlichen Geschlechts! - Wagenknecht: Geweih ist Imponierorgan im sozialen Kontext! Geweihgröße ist kein Symbol des sozialen Rangs! Geweihgröße und Endenreichtum haben keine entscheidende Bedeutung für Dominanz eines Hirsches in der Brunft! Entscheidend für die Dominanz in der Brunft ist körperliche Stärke (Konstitution)! Konstitution: Körpergröße, Körpermasse, Alter, Schneid, Droh- und Imponierverhalten; In diesem Kontext ist das Geweih ein Faktor unter vielen! - Selektion nach Trophäenmerkmalen ist Tierzucht! Dazu müsste muss man beide Eltern kennen, muss alle Nachkommen eines Elternpaares kennen, muss man alle Nachkommen von der Fortpflanzung ausschließen, die die gewünschten Merkmale nicht zeigen. - Exkurs in die Genetik: Die Nachkommen enthalten exakt 50 % der Gene von Vater und Mutter. 5

- Es wird ein konsequenter Altersklassenabschuss gefordert. - Schwarzwild: Frischlinge müssen den weit überwiegenden Streckenanteil ausmachen. 80% eines Frischlingsjahrgangs erlegen! Es muss deutlich mehr weibliches als männliches Wild erlegt werden; Diese Forderung lässt sich nur bei Überläufern realisieren! Beim jährlichen Zuwachs ist von mindestens 250% des gesamten Frühjahrsbestandes auszugehen. Bestand und Zuwachs werden meist deutlich unterschätzt! - Rotwild: Winterumstellung (Arnold, Wien): Dringende Forderung: Ab Weihnachten Ruhe im Rotwildgebiet! Abschussplan bis dahin erfüllen! - Streckendaten als Grundlage der Wildbewirtschaftung - Damwild, Muffelwild, Schwarzwild Wolf und Luchs ändern sich die Spielregeln? Beutegreifer sind natürliche Faunenelemente! Schlussfolgerungen - Es gibt Handlungsbedarf für uns Jäger! - Wir müssen die Wildbewirtschaftung auf eine zeitgemäße Basis stellen! - Wir müssen auch jagdrechtliche Regelungen gegebenenfalls stärker als bisher an wildbiologischen Eckpunkten ausrichten! - Streckendaten müssen z. B. so erfasst werden, dass sie tatsächlich als Grundlage für die Wildbewirtschaftung genutzt werden können! - Lassen wir uns von der nichtjagenden Öffentlichkeit nicht vorschreiben, wie es mit der Jagd weitergehen soll! - Dazu muss aber jeder Jäger kompetenter Vertreter seins Handwerks sein! - Lassen Sie uns in Bezug zu den großen Raubsäugern noch ein wenig warten. Die Einsicht wird überall wachsen, dass auch sie in unserer Kulturlandschaft am Ende reguliert werden müssen. Der Vortrag kann als.pdf-dolument bei Herrn Prof. Dr. Pfannensteil per E-Mail angefordert werden. Wenden Sie sich dazu bitte direkt an den Referenten: h.d.pfannenstiel@t-online.de F. d. P., 29.09.2013 Im Auftrag des Vorstandes M. Neumann Schriftführer Interessengemeinschaft Damwild Thüringen 6