Rückkehr in den Beruf nach Krankheit oder Unfall

Ähnliche Dokumente
Rückkehr in den Beruf nach Krankheit oder Unfall

Rückkehr in den Beruf nach Krankheit oder Unfall

Unternehmensbesuch Inklusion Fendt-Caravan GmbH

Rückkehr in den Beruf nach Krankheit oder Unfall

Allgemeine Informationen zur Beantragung von Leistungen

Servicezentren. für betriebliche Gesundheit und individuelle Teilhabe (GuT) NRW. Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) ggmbh.

BEM Betriebliches Eingliederungsmanagement

Vision Zero Sicher und gesund in die Zukunft. Betriebliches Eingliederungsmanagement

Teilnehmerbefragung. Rehabilitandenbefragung - Berufliche Rehabilitation

Vision Zero Sicher und gesund in die Zukunft. Betriebliches Eingliederungsmanagement und Arbeitsschutz

Rehabilitation & Wiedereingliederung Vorstellung der Gemeinsamen Servicestelle Rehabilitation in der gesetzlichen Rentenversicherung

Mehr Arbeitswelt in der Rehabilitation durch den Betriebsarzt

Blick nach vorn. Nachgefragt. Mit der Umschulung zum Traumjob. Rückkehr in den Beruf nach Krankheit oder Unfall

Kompakte Informationen für das Personalmanagement vor Ort. Gut zu wissen, wen man fragt: Fördermittel, Rente, Ausgleichsabgabe? DB Personalservice!

Informationen für Arbeitgeber. Menschen mit Behinderung im Beruf

Schnittstelle. Rehabilitation und Arbeitswelt

Menschen mit Behinderung im Beruf

Gesundheitsförderung bei beruflichen Bildungsleistungen

Stärken entdeckt. Nachgefragt: Beruflicher Neustart nach Umschulung. Rückkehr in den Beruf nach Krankheit oder Unfall

Wir stellen vor. Eine Thüringer Erfolgsgeschichte Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) ggmbh Partner für eine starke berufliche Zukunft.

Teilhabe von behinderten und schwerbehinderten Menschen am Arbeitsleben

Unternehmensservice. im Berufsförderungswerk Köln

Maßnahmen und Angebote der Bundesagentur für Arbeit für Rehabilitanden

Informationen aus dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln

gemeinsam nutzen! Sie sehen einen Menschen mit Behinderung. Wir sehen eine Fachkraft. Ihre Vorteile als Arbeitgeber

Machen Sie Chancen möglich!

Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben

Hauptaufgabe des Integrationsamts: Unterstützung in Arbeit und Beruf durch Integrationsamt und Integrationsfachdienste.

Angebote zur Vorbereitung im Überblick

Angebote zur Vorbereitung im Überblick

Neustart Berufiche Integration in den Arbeitsmarkt von Menschen mit psychischer Behinderung

Berufsorientierung und Jobperspektive

Interviewleitfaden zweite Befragung. Gliederung. A Grundführung. B gleiche Schule. C Schule beendet. E Schule. G Berufsvorbereitung.

BFW Oberhausen. Was kommt nach BEM? Das BFW Oberhausen als Lotse bei der Wiedereingliederung

Trägerübergreifendes Persönliches Budget und Arbeit

Rückkehr in den Beruf nach Krankheit oder Unfall

Herzlich Willkommen Gesund bleiben in der Hauswirtschaft. Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) und Gesundheitstage

Inklusive Ausbildung. Kunden erleben was möglich ist

Betriebliches Eingliederungsmanagement BEM

Leitfaden berufliche Rehabilitation

Teilhabe am. Arbeitsleben. So soll Unterstützung sein: Jeder soll selbst entscheiden können, was und wo er arbeiten möchte.

Präventionsleistungen der gesetzlichen Rentenversicherung

RHEIN-NECKAR NEUE FACHKRÄFTE GEWINNEN! JOBDATING MIT DEM BERUFLICHEN TRAININGSZENTRUM RHEIN-NECKAR BERUFLICHES TRAININGSZENTRUM

Das Integrationsamt informiert: Leistungen an Arbeitgeber und schwerbehinderte Arbeitnehmer

Das sind die Voraussetzungen für eine Aufnahme in der RPK

Wieder gut im Leben. Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation

Machen Sie Chancen möglich!

Beurteilung der Möglichkeit auf Arbeit und Beschäftigung

DAS AKTIONSBÜNDNIS SCHLESWIG-HOLSTEIN

Was kann ich tun? Ich kann meinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben!

Betriebliches Eingliederungsmanagement - BEM lohnt sich! Tag der Arbeitssicherheit in Fellbach 8. und 9. März 2017

, Roland Lumpe, Teamleiter Reha/SB. Regionaler Tisch für Arbeit Memmingen-Unterallgäu Fachkräfte durch Inklusion

Das betriebliche Eingliederungsmanagement

Krankheit und Schwerbehinderung im Rahmen des BEM. Integrationsamt

Ausbildung und Qualifizierung im Überblick

BETRIEBLICHES GESUNDHEITS- MANAGEMENT. Wieder gesund am Arbeitsplatz. Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)

Regional-Center Kassel

Betriebliches Eingliederungsmanagement an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Herzlich Willkommen. 20 Jahre erfolgreiche berufliche Rehabilitation am BFW Leipzig

Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) e. V. in Frankfurt am Main. Dr. Helga Seel Geschäftsführerin. 28. Februar / 1. März 2013 in Berlin

Neue Berufsperspektiven. Jetzt Chance nutzen!

Pneumologische Rehabilitation

AKADEMIE. Neue Wege Integrativ. Qualifizierung, Orientierung und Integration.

Qualifizierung mit Perspektive für Menschen mit Behinderungen

Berufsförderungswerk Nürnberg. Berufliche Reha Ihr Weg zurück ins Arbeitsleben. bfwnürnberg

Angebote der Reha-Beratung Agentur für Arbeit Wiesbaden

Die Wirkung der Behindertenrechtskonvention auf die Rehabilitation Impulse und Perspektiven, Berlin,

Fördermittel für Arbeitnehmer im Überblick

Rückkehr in den Beruf nach Krankheit oder Unfall

MitarbeiterInnen krank was tun?!

Betriebliches Eingliederungsmanagement - Erfahrungen aus der Praxis

NEWSLETTER HANDICAP SCHLESWIG-HOLSTEIN Oktober 2018

Hinweise zum Hessischen Perspektiv-Programm zur Verbesserung der Arbeits-Markt-Chancen schwer-behinderter Menschen

Informationen zu KoBV

Berufsorientierung. STAR Schule trifft Arbeitswelt

Wege in die berufliche Rehabilitation. Dr. Kerstin Brandt Berufsförderungswerk Berlin- Brandenburg e. V.

Umschulung zum/zur Kaufmann/ Kauffrau für Marketingkommunikation

Inklusion heißt, gleichberechtigte Zugänge zu schaffen. Inklusion bei Boehringer Ingelheim

Neue Berufsperspektiven. Jetzt Chance nutzen!

Aufgaben, Ziele und Möglichkeiten des Integrationsfachdienstes bei der Förderung der Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben

Präventionsleistungen der gesetzlichen Rentenversicherung

Einkommensschutz Berufsunfähigkeit. Wenn ich jederzeit fest im Leben stehen will. HDI hilft.

Gemeinnützige Service- und Integrationsgesellschaft Enzkreis mbh

MÖGLICHKEITEN DER BERUFLICHEN REHABILITATION FÜR MENSCHEN MIT PSYCHISCHER ERKRANKUNG

Kommunaler Sozialverband Sachsen


Herzlich Willkommen. zur Informationsveranstaltung des Integrationsamtes

Menschen mit Behinderungen. Förderung von Fachkräften für Unternehmen

Transkript:

2.Chance 2015/2 Rückkehr in den Beruf nach Krankheit oder Unfall Alle Hürden überwunden Mit 49 Jahren ist Liane Rouschal wieder im Berufsleben angekommen Seite 3 www.zweite-chance.info 2.Chance auch auf Facebook Im Fokus Erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt Seiten 4 5 Ihr gutes Recht Expertentipps von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände Seite 7

Neue Perspektiven Individuelle Wege zurück in den Job Der Weg der beruflichen Rehabilitation Krankheit / Unfall Erfolgsgeschichten der beruflichen Rehabilitation Salvatore Caruso, 43 Jahre Alleinerziehender Vater startet neu durch deswegen nicht mehr in der Lage den alten Beruf auszuüben Umschulung mit Kind wie soll das denn gehen? Das fragte sich auch Salvatore Caruso, als die Rehaberater dem alleinerziehenden Vater eine Ausbildung zum Bürokaufmann im BFW Koblenz empfahlen bei einem Sturz verletzte sich der gelernte Bäcker so schwer, dass die Tätigkeit in der Bäckerei nicht mehr möglich war. Nach über 20 Jahren Berufstätigkeit noch einmal bei Null anzufangen und etwas ganz Neues zu lernen, das ist an sich schon nicht einfach. Aber mit Kind erst recht, wenn man beidem wirklich gerecht werden will. Doch Caruso wagte den Balanceakt mit Unterstützung des BFW: Ob privat oder schulisch, es war immer jemand für uns da. Alleine hätte ich das nicht geschafft. Während er für seine berufliche Zukunft büffelte, war sein elfjähriger Sohn in der nahe gelegenen Ganztagsschule gut untergebracht. Abends haben wir dann zusammen die Freizeitangebote des BFW genutzt und sobald mein Sohn im Bett war, habe ich wieder gelernt. Oft bis spät in die Nacht. Das zahlte sich aus: Wegen der guten Prüfungsergebnisse schlug man mir vor, in die Ausbildung zum Industriekaufmann umzusteigen. Und die meisterte Caruso mit Bravour: Schon vor dem Abschluss hatte der heute 43-Jährige einen Arbeitsvertrag in der Hand. Mir war klar, dass das meine letzte Chance ist und die habe ich wahrgenommen! Ich war zwar oft ganz schön erschlagen, aber mein Sohn war immer der Antrieb für mich, weiterzumachen. Denn wer nicht kämpft, hat schon verloren. Antragstellung auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben beim Reha-Träger * bewilligt nicht bewilligt Widerspruch einlegen Es ist sehr wichtig, die Frist von einem Monat zu wahren. Roland Angermann, 57 Jahre Vom Koch zum Küchenfachberater Mehr als 30 Jahre hat Roland Angermann als Koch dafür gesorgt, dass es seinen Gästen schmeckt: In der Hochsaison habe ich oft bis zu 12 Stunden in der Küche gestanden. Stehen, laufen, heben, Hitze, Feuchtigkeit, das geht wortwörtlich auf die Knochen. Als die Schmerzen zu stark wurden, suchte er einen Arzt auf die Diagnose war niederschmetternd: Arthrose, da kann man nichts machen. Angermann arbeitete weiter, bis die Beschwerden so schlimm wurden, dass er eine neue Hüfte brauchte. Nach der medizinischer Reha war klar: Als Koch würde der damals 55-Jährige nicht mehr arbeiten können. Das zieht einen erst mal richtig runter. Aber für die Rente fühlte ich mich zu jung, zumal die auch zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel gewesen wäre. Hilfe fand er bei seinem Rentenversicherer, der DRV Westfalen: Sein Reha-Berater empfahl ihm eine Qualifizierung im BFW Dortmund zum Einrichtungsberater für Küchentechnik. Von der Küche in die Küche das ist doch ein schöner Gedanke. Da kann ich mein Wissen noch weitergeben und bin in meinem Metier. Acht Monate dauerte die Weiterbildung, dann hatte Angermann sein Zertifikat in der Hand, um in einem Einrichtungshaus professionell Küchen zu planen und verkaufen. Ich freue mich, wenn ich Kunden Multifunktionsbacköfen und andere küchentechnische Geräte erklären kann, mit denen ich selbst jahrelang gearbeitet und Erfahrung gesammelt habe. Berufliche Rehabilitation, z.b. bei den Deutschen Berufsförderungswerken v Rückkehr ins Arbeitsleben * Unsere Expertenhotline für Ihre Rückfragen 0800 / 222 000 3

2.Chance Beruflicher Neustart Alle Hürden überwunden Viele zweifeln: Mit 49 Jahren einen unbefristeten Arbeitsvertrag nach einer Umschulung erhalten geht das? Es geht, wie Liane Rouschal eindrucksvoll zeigt. Eine Lebensmittelunverträglichkeit ist unangenehm aber ein Grund für Berufsunfähigkeit? Ich wollte mir das lange nicht eingestehen, und habe letztlich noch vier Jahre damit weitergearbeitet, sagt die Mutter einer erwachsenen Tochter. Wenn Liane Rouschal als stellvertretende Filialleiterin im Einzelhandel mit Mehlstaub in Berührung kam, begann das große Kribbeln, das sich bis in die Abendstunden zu handfestem Hautausschlag und nachhaltigen Magen-Darm-Beschwerden ausweitete. Noch heute muss ich regelmäßige Tests beim Arzt machen, weil die beeinträchtigte Nährstoffaufnahme meinen Organismus schwächt. Als der Einzelhandelkonzern 2010 die Türen der Filiale schließt, ordnet die Arbeitsagentur ein medizinisches Gutachten an mit dem Ergebnis: In den Lebensmittelhandel kann sie nicht zurück, andere Handelsbereiche sind wegen eines Rückenschadens auch nicht zumutbar und empfiehlt daher Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) zu beantragen. Da sie schon 15 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hatte, war die Rentenversicherung ihr zuständiger Reha-Träger. Die lehnte den Antrag zunächst ab, mit dem Hinweis, sie sei sechs Stunden täglich arbeitsfähig. Das hat mich empört. Man hatte bloß meine Wirbelsäule in das Gutachten einfließen lassen. Dass ich zusätzlich die Lebensmittelunverträglichkeit und einen Herzklappenfehler habe, wurde ignoriert. Sofort bereitete sie den Widerspruch vor und suchte sich den fachlichen Rat bei ihrer Hausärztin für die medizinische Begründung. Die hat sich ganz viel Zeit für mich genommen. Es ist erstaunlich, wie hilfsbereit die meisten Menschen sind man muss nur fragen. Mit Erfolg: Im Widerspruchsverfahren wurde der Antrag genehmigt. Hilfe von allen Seiten Im Berufsförderungswerk Sachsen-Anhalt begann sie nach einem Vorbereitungslehrgang eine Umschulung zur Technischen Prouktdesignerin. Das war ideal. Meine erste Ausbildung hatte ich 1984 zur Zerspanungsmechanikerin absolviert. Die Kenntnisse habe ich im Vorbereitungslehrgang aufgefrischt, ergänzt und bin dann frisch ans Werk gegangen. Bis mich eine weitere Erkrankung rausgerissen hat. Nur drei Monate nach Ausbildungsbeginn musste sie ein Jahr aus gesundheitlichen Gründen pausieren. Doch sie hat sich nicht entmutigen lassen: Dass ich die Ausbildung letztlich doch abschließen konnte, lag auch an der tollen Unterstützung vom BFW. Die Köchin hat extra für mich ein glutenfreies Essen gekocht, krankheitsbedingte Lernausfälle konnte ich durch individuellen Förderunterricht ausgleichen und dann waren da noch meine Klassenkameraden, die mich in ihre Lerngruppen integriert haben. Das BFW unterstützte sie auch dabei, einen Arbeitgeber zu finden, der sie nun unbefristet übernommen hat. Fünf Jahre ist es nun her, dass sie vor dem beruflichen Aus stand: Erst das Widerspruchsverfahren, dann die Krankheit während der Umschulung und ständig diese Unsicherheit: Trotz der vielen Rückschläge habe ich nicht aufgegeben. Aber alleine hätte ich es nicht geschafft. In so einer Situation ist es wichtig, nicht nur den Kampf, sondern auch Hilfe anzunehmen. Wer ist mein Reha-Träger? Oder: Bei wem stelle ich den Antrag? Rentenversicherung, Unfallversicherung oder Arbeitsagentur wer ist eigentlich wann, für wen zuständig? Deutsche Rentenversicherung Die DRV ist zuständig, wenn Sie 15 Jahre Rentenbeiträge gezahlt haben, oder unmittelbar vorher eine medizinische Rehabilitation absolviert haben, oder eine Erwerbsminderungsrente beziehen. Gesetzliche Unfallversicherung Ist die Ursache für Berufsunfähigkeit ein Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit, ist der Antrag bei der Gesetzlichen Unfallversicherung beziehungsweise der Berufsgenossenschaft zu stellen. Agentur für Arbeit / Jobcenter Für den Fall, dass weder die Deutsche Rentenversicherung noch die Gesetzliche Unfallversicherung zuständig sind, ist in der Regel die Agentur für Arbeit der Rehabilitationsträger und der Antrag dort zu stellen. Bei Fragen helfen wir Ihnen gerne per E-Mail (service@zweite-chance.info) oder telefonisch an der Hotline (0800 / 222 000 3). 3

Im Fokus: Erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt STIMMEN AUS DER WIRTSCHAFT Seit mehr als 15 Jahren arbeiten wir mit dem BFW zusammen und stellen regelmäßig Praktikumsplätze für Teilnehmer zur Verfügung. Wir können bestätigen, dass BFW-Praktikanten von,gestern motivierte und engagierte Mitarbeiter von,morgen sind. Bettina Schlüter, Personalleiterin bei Niedersächsisches Staatsbad Pyrmont Betriebsgesellschaft mbh. Seit 15 Jahren rekrutieren wir unsere Mitarbeiter in der IT-Entwicklung aus dem BFW, mindestens zwei pro Jahr. Nach Übernahme investieren wir viel in individuelle Schulungen, doch die Investitionen haben sich in der Regel gelohnt: Die Absolventen sind hochmotiviert, gut ausgebildet und authentisch. Wir haben immer Bedarf nach neuen Mitarbeitern, denn viele sind von unseren Kunden wie z. B. SAP abgeworben worden. Jürgen Schwenk, Projektmanager bei SP Lion. Mitarbeiter aus dem BFW haben einen riesigen Vorteil: Sie standen schon mit beiden Beinen im Berufsleben und wissen wie die Arbeitswelt tickt. Durch die zielgerichtete Schulung im BFW erfüllen sie alle Voraussetzungen für den neuen Arbeitsplatz das ist eine klare Win-win-Situation für alle Beteiligten. Rüdiger Iwanski, Personalmarketingleiter bei Ostermann GmbH & Co.KG Die Eintrittskarte ins Arbeitsleben Sandra Trautvetter hat den Neustart geschafft Irgendwann konnte mein Körper einfach nicht mehr. Mit Ü40 musste ich mein Berufsleben komplett neu in die Hand nehmen, sagt Sandra Trautvetter und entschied sich für eine Ausbildung im Berufsförderungswerk (BFW). Dort frischte sie nach fast 30 Jahren ihre Kenntnisse wieder auf und erwarb neue berufsbezogene Kompetenzen. Mit Erfolg: Heute steht sie wieder mit beiden Beinen im Berufsleben. Schon vor 15 Jahren hat mir mein Arzt eine berufliche Neuorientierung empfohlen, weil mein angeborener Hüftschaden und mein Asthma sich durch meine Arbeit als Fleischereifachverkäuferin verschlimmerten. Aber damals waren die Kinder noch klein und standen im Mittelpunkt. Erst danach dachte ich an mich, sagt die zweifache Mutter rückblickend. Mit Schmerzmitteln versuchte sie lange, den Arbeitsalltag zu überstehen das war aber keine Dauerlösung. Sie wusste sich nicht anders zu helfen und kündigte ihr Arbeitsverhältnis. Im Beratungsgespräch beim Jobcenter wurde ihr eine Qualifizierung in einem BFW nahegelegt. Nach erfolgreicher Antragstellung von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) entschied sie sich mit Zustimmung des Reha-Trägers, der Deutschen Rentenversicherung, für eine kaufmännische Ausbildung im BFW Weser-Ems. Meine Schulzeit ist lange her. Ohne die Unterstützung im BFW hätte ich eine Aus- bildung nicht geschafft, das wusste ich von Anfang an. Auch, dass ich im BFW wohnen konnte, war für mich eine ideale Konstellation, da täglich pendeln nicht in Frage kam. Geschult in Theorie und Praxis Nachdem sie ihre Mathe- und Deutschkenntnisse aufgefrischt hatte, standen Rechnungswesen, Wirtschaftskunde und berufsspezifischer Unterricht auf ihrem Stundenplan. Anschließend bereitete sie sich mit Klassenkameraden in kleinen Lerngruppen auf ihre Abschlussprüfung vor. Und auch die Praxis kam nicht zu kurz: Als Praktikantin sammelte sie während der Ausbildungszeit acht Monate lang erste Berufserfahrungen bei der Touristischen Marketingorganisation Rheinland-Pfalz. Die Chemie stimmt Wie sich schnell herausstellte, waren die zwei Lehrjahre im BFW für Sandra Trautvetter eine überaus gut investierte Zeit: Noch bevor ich mein Zeugnis in den

2.Chance 5 Händen hielt, stand mir die Tür zurück ins Arbeitsleben offen und das mit nur einer einzigen Bewerbung. Mit ihrem Ehrgeiz und dem frisch erlernten Know-how überzeugte sie ihren neuen Arbeitgeber. Die Chemie zwischen uns stimmte auf Anhieb. Im Alter von 46 Jahren wieder Berufseinsteigerin zu sein, war für mich überhaupt kein Hindernis. Vielmehr kommen mir meine Lebenserfahrung und Bodenständigkeit zugute. Berufliche Reha öffnet Türen Für die feste Anstellung verließ sie ihren Heimatort und zog nach Hannover, wo ein neues Einrichtungshaus eröffnete. Ihr besonderer Vorteil: Auch alle anderen Mitarbeiter vor Ort mussten sich in die neuen Arbeitsabläufe erst einfinden. Sandra Trautvetter konnte die Arbeitsprozesse von der ersten Minute an mitgestalten und ihr neu erworbenes Wissen umsetzen. Erfolgreich angekommen Am Anfang meiner Ausbildung war ich unsicher, weil ich ja nicht mehr die Jüngste bin. Heute kann ich sagen, dass meine Ausbildung im BFW meine Eintrittskarte zurück ins Berufsleben war. Ich habe einen Job gefunden, der mir Spaß macht und meiner Gesundheit gut tut. Das habe ich mir seit Langem gewünscht, sagt Sandra Trautvetter heute zufrieden. STIMMEN AUS DER WIRTSCHAFT Die BFW-Teilnehmer haben nach ihrer Umschulung sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen: Sie bringen fundierte theoretische Kenntnisse mit, sind hochmotiviert und werden so zur gefragten Fachkraft auf dem Arbeitsmarkt. Stefanie Frick, Personalmanagement Hittech Prontor GmbH Insgesamt 20 Rehabilitanden haben wir in den letzten 25 Jahren fest angestellt und nicht aus karitativen Gründen. Die Rehabilitanden sind gut ausgebildete Teamplayer. Ein ehemaliger Bäcker ist bei uns zum Fertigungsleiter aufgestiegen und eine unverzichtbare Stütze. Als ich die Geschäftsleitung von meinem Vater übernommen habe, gab es also keinen Grund an diesem hervorragend funktionierenden Rekrutierungssystem etwas zu ändern. Tanja Stephan, Unternehmens inhaberin Fritz Stephan GmbH Medizintechnik hatten im Laufe von zwei Jahren nach Abschluss der Qualifizierung eine Beschäftigung waren zum Befragungszeitpunkt erwerbstätig der aktuell Erwerbstätigen hatten eine Vollzeitstelle und/oder einen unbefristeten Vertrag Es gibt für uns keinen einfacheren Weg, an gut ausgebildete Fachkräfte für die Qualitätssicherung zu kommen als über das BFW. Die Absolventen standen schon im Berufsleben, wissen also wie Arbeitsprozesse und Mitarbeiterstrukturen funktionieren, und sind hochmotiviert sich im neuen Beruf zu beweisen. Das läuft so erfolgreich, dass mittlerweile auch andere Abteilungen ihre Personalbedarfe mit dem BFW abstimmen. Im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Berufsförderungswerke wurden 2012 zwei Jahre nach Abschluss der Reha 3.038 Absolventinnen und Absolventen befragt. Frank Leupold, Leiter Qualitätssicherung bei Pressmetall GmbH

Wie stelle ich den Antrag auf berufliche Reha? Der erste Schritt ist oftmals der schwerste. Auf dem Weg in die berufliche Reha ist der erste Schritt der Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA). Um den zu vereinfachen, geben wir hier einen Überblick darüber, was bei der bei der Antragstellung zu beachten ist. 1 Hier tragen Sie Ihre zwölfstellige Rentenversicherungsnummer ein. Sie finden diese auf Ihrem Sozialversicherungsausweis. 2 Hier tragen Sie die ärztliche Diagnose ein, also den Grund, weshalb Sie Ihren Beruf nicht mehr ausüben können. 3 Hier geht es um den sogenannten Bezugsberuf: Das ist in der Regel der Beruf, den Sie in den letzten Jahren sozialversicherungspflichtig ausgeübt haben. 4 Hier können Sie eintragen, welche Anlagen Ihrem Antrag beigefügt sind, zum Beispiel eine Kopie der Krankenkassenkarte, Angaben zu den behandelnden Ärzten oder eine Erklärung zur Entbindung der Schweigepflicht. 5 1 2 3 Möchten Sie dem Reha-Träger weitere Angaben machen, die nicht abgefragt werden? Hier haben Sie Platz. Wir unterstützen Sie bei der Antragstellung Sie haben weitere Fragen zum Antrag oder zu den einzelnen Punkten? Die Experten der 2.Chance beraten Sie gerne. 4 Kostenlose Hotline: 0800 / 222 000 3* *Montag bis Freitag, 08:00 Uhr bis 18:00 Uhr E-Mail: service@zweite-chance.info 5

2.Chance Tipps vom Experten Ihr gutes Recht! Inklusion gelingt! mit dieser deutlichen Botschaft setzt sich die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) für mehr Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen ein. Ziel der Initiative ist, Unternehmen bei der Schaffung inklusiver Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen zu unterstützen sowie Lösungen aufzuzeigen, wie Inklusion im Betrieb gelingen kann und vor allem, die Barrieren in den Köpfen zu beseitigen: Leider besteht oft noch das alte Vorurteil, dass behindert automatisch leistungsgemindert bedeutet, bedauert BDA-Arbeitsmarktexpertin Christina Ramb im Gespräch mit 2.Chance. Viele Menschen werden im Laufe ihres Arbeitslebens krank oder erleiden einen Unfall, weswegen sie nicht mehr in ihren Beruf zurückkehren können. Führt ein solcher Schicksalsschlag automatisch in die Frühverrentung? In vielen Fällen lässt sich das zum Glück vermeiden. Können Versicherte aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf nicht mehr ausüben, stehen ihnen die sogenannten Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) zur Verfügung. Eine berufliche Neuorientierung ist dann erforderlich, wenn eine erfolgreiche Wiedereingliederung in den bisher ausgeübten Beruf trotz aller Therapieangebote nicht möglich ist. Gegenüber einer völligen Beschäftigungsaufgabe ist das natürlich die bessere Alternative für den Erkrankten, aber auch für die Arbeitgeber und das gesamte Sozialsystem. Arbeit ist wichtig für das Selbstwertgefühl der Beschäftigten, sie schafft einen stabilisierenden Rahmen für den Alltag und ist eine wichtige Quelle für Zufriedenheit. Die Arbeitgeber wiederum sind auf Arbeitskräfte angewiesen, um den steigenden Bedarf an Fachkräften zu decken. Viele Arbeitgeber würden gerne ihrer sozialen Verantwortung nachkommen, wissen aber oft nicht, ob und wie sie einen Menschen mit Handicap in die Arbeitsprozesse integrieren können. Wie kann man diese Furcht nehmen? Für Unternehmen und potenzielle Beschäftigte kann es sinnvoll sein, zunächst ein Praktikum oder eine Beschäftigung auf Probe zu vereinbaren. Arbeitgeber können dafür eine finanzielle Unterstützung durch die jeweilige Arbeitsagentur oder das zuständige Integrationsamt erhalten. So können die Personalkosten übernommen und weitere Leistungen zur Abgel- tung außergewöhnlicher Belastungen in Anspruch genommen werden. Weitere Fördermittel für Arbeitgeber sind Eingliederungsbeihilfen und Ausbildungszuschüsse zur betrieblichen Ausführung von Bildungsleistungen, aber auch Arbeitshilfen im Betrieb werden subventioniert. Inklusion in der Arbeitswelt ist eine Chance für alle Beteiligten. Sie ist nicht nur gesellschaftspolitisch richtig und wichtig, sondern aufgrund der demografischen Entwicklung für Arbeitgeber betriebswirtschaftlich sinnvoll und volkswirtschaftlich notwendig. Menschen mit Behinderung sind richtig eingesetzt voll leistungsfähige und Mitarbeiter, eine Behinderung ist nicht gleichzusetzen mit Leistungsminderung. Wenn ein Arbeitnehmer im bestehenden Arbeitsverhältnis lange krankgeschrieben ist, darf der Arbeitgeber irgendwann kündigen? In Zeiten des sich verschärfenden Fachkräftemangels liegt es im ureigensten Interesse der Arbeitgeber, ihre Beschäftigten möglichst lange gesund und fit im Beruf zu halten oder nach einem Ausfall wieder zu integrieren. Wenn ein Mitarbeiter innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen krank und damit arbeitsunfähig ist, sind Arbeitgeber verpflichtet, ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anzubieten, mit dem Ziel, die Arbeitsunfähigkeit zu überwinden, einer erneuten Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen und erkrankte Mitarbeiter weiter zu beschäftigen. Eine personenbedingte Kündigung, zum Beispiel aufgrund von lang anhaltender Krankheit, kann erst ausgesprochen werden, wenn der Arbeitnehmer seinen arbeitsvertraglichen Pflichten nicht mehr nachkommen kann und die Interessen des Arbeitgebers wesentlich beeinträchtigt werden. Christina Ramb, Abteilungsleiterin Arbeitsmarkt bei der BDA Glossar Inklusion Inklusion ist ein Menschenrecht, das in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben ist, die in Deutschland 2009 in Kraft getreten ist. Wörtlich übersetzt bedeutet Inklusion Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung und Benachteiligung: In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, verschieden zu sein und jeder Mensch, egal ob mit oder ohne Behinderung, kann seinen Anspruch auf eine selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft uneingeschränkt verwirklichen. Fragen Sie unsere Experten: Fragen rund um das Thema berufliche Rehabilitation beantworten unsere Experten. Internet: www.zweite-chance.info Hotline: 0800 / 222 000 3* *Montag bis Freitag 08:00 Uhr bis 18:00 Uhr E-Mail: service@zweite-chance.info 7

Service BFW Thüringen Hier finden Sie Hilfe & Beratung Wir bieten Ihnen Informationen und Beratung, wenn Sie Ihren bisherigen Beruf nach Unfall oder Erkrankung nicht mehr ausüben können. Die berufliche Rehabilitation eröffnet für Sie neue Möglichkeiten, zum Beispiel durch individuelle Qualifizierungen oder durch einen neuen Beruf. Das Ziel ist ein sicherer Arbeitsplatz. Wir sind für Sie da und beraten Sie gern. Ihre Zentrale Ansprechpartnerin im BFW Thüringen Seelingstädt Bärbel Piehler Telefon: 036608 7-240 E-Mail: b.piehler@bfw-thueringen.de Infotage 2015 / 2016 Seelingstädt: 27.11., 29.01., 26.02., 18.03., 29.04. Erfurt: 25.11., 20.01., 17.02., 16.03., 13.04. Eisenach: 15.01., 12.02., 18.03., 22.04. Gera: 25.11., 27.01., 24.02., 30.03., 27.04. Individuelle Infotage jederzeit möglich! Berufsförderungswerk Thüringen GmbH Am Rathausplatz 2 07580 Seelingstädt Telefon 036608 7-0 Telefax 036608 2254 www.bfw-thueringen.de Ihre Ansprechpartner im Regional-Center Eisenach, Erfurt und Gera Regional-Center Eisenach Martin Rheiss Rennbahn 4 99817 Eisenach Telefon: 03691 8833562 Telefax: 03691 8833563 E-Mail: m.rheiss@bfw-thueringen.de Regional-Center Erfurt Wolf-Dieter Weibrecht Lucas-Cranach-Platz 2 99097 Erfurt Telefon: 0361 4170754 Telefax: 0361 4170755 E-Mail: w.weibrecht@bfw-thueringen.de Regional-Center Gera Nora Wetzel-Friedland Nicolaistraße 1 07545 Gera Telefon: 0365 77301779 Telefax 0365 77301910 E-Mail: n.wetzel-friedland@bfw-thueringen.de Impressum Redaktion: Petra Hoffmann, Hartmut Kostens, Mario Kreß, Anja Kuhrt, Uwe Mayer, Christa Mischke, Sally Rease, Herbert Reitinger, Sarah Richter, Thorsten Schenk, Melanie Schmechel, Marcel Weiss, Kathrin Langen, Vanessa Leßner (v. i. S. d. P.) Verlag: TNP. Agentur für Kommunikation Telefon: 0203 800 79 0 Fax: 0203 800 79 99 Vinckeweg 15 47106 Duisburg 2-chance@tnp-gmbh.de Auflage: 87.000 Exemplare Fotos: Titel, Seite 3: BFW Sachsen-Anhalt; Seite 7: Pressefoto BDA; Innen teil: Privatfotos; Grafiken: TNP- Agentur für Kommunikation www.zweite-chance.info