Winterweizen: Sorten des Südens

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Transkript:

Ackerbau Winterweizen: Sorten des Südens Mit standortangepassten Weizensorten sichern Sie sich Höchsterträge. Wie wichtig ist nun die Gelbrostresistenz? Tipps zur Sortenwahl gibt Mathias Mitterreiter, Amt für Landwirtschaft, Rosenheim. Erstmals seit vielen Jahren trat 2014 in Süddeutschland Gelbrost auf, eine Pilzkrankheit, die bisher nur in feucht-kühlen Regionen im Norden Schaden verursachte. Es zeigte sich schnell, dass sie einige Weizensorten stärker befiel als andere (s. Kasten S. 94). Nach wie vor spielt bei der Sortenwahl der Ertrag die größte Rolle. Dennoch sollten Sie vor allem darauf achten, dass die Eigenschaften der gewählten Sorte zu Ihrem Standort und der späteren Verwertung passen. Nur so können Sie das Ausfallrisiko von Anfang an begrenzen. Auch dann, wenn unerwartete Klima- oder Krankheitsereignisse, wie z. B. Gelbrost, eintreten. Es empfiehlt sich außerdem mehrere Sorten anzubauen, um das Risiko bestmöglich zu verteilen. Klar ist, dass keine Sorte alle wichtigen Resistenzen und Eigenschaften vereint. Sie sollte jedoch bei keiner für Ihren Standort entscheidenden Eigenschaft die Mindesanforderungen unterschreiten (siehe Übersicht 1). Winterhärte nicht vergessen! Nach den starken Frösten 2012 dominierte das Thema Winterhärte. Der sehr milde Winter 2013/14 rückte es jedoch wieder etwas aus dem Fokus. Auch sollten die extremen Auswinterungsverluste in Foto: Höner Nutzen Sie die Sortenver suche aus Ihrer Region, um die besten Sorten für Ihren Standort zu finden. 92 top agrar 9/2014

manchen Regionen nicht überbewertet werden, da solche Ereignisse selten auftreten. Generell sind daher wenig winterharte Sorten nicht vom Anbau ausgeschlossen. Für auswinterungsgefährdete Standorte gilt aber: Eine gute Winterhärte ist genauso wichtig wie Ertrag und Krankheitsanfälligkeit der Sorte. Obwohl alle Klimamodelle für das Winterhalbjahr stark ansteigende Durchschnittstemperaturen prognostizieren, bleiben vermutlich auch künftig extreme Winter mit sehr niedrigen Temperaturen nicht aus. Da 2012 teilweise auch die Landessortenversuche (LSV) stark auswinterten, ließen sich wichtige Erkenntnisse über die Winterhärte der Sorten gewinnen. Als besonders winterhart erwiesen sich von den derzeit aktuellen Sorten Julius, Nelson, Opal, Patras und Elixer sowie die noch neueren Sorten Gordian, Desamo, Memory und Zeppelin (geringerer Datenumfang). Gut behaupten konnten sich zudem Genius, Gourmet, Linus, Pamier und Rumor. Als weniger winterhart wurden Joker, Atomic, Edward, Kometus, JB Asano, Meister, Potenzial, Rebell, Tommi und Sophytra eingestuft. In diesem Frühjahr musste der Weizen erneut in vielen Regionen mit sehr wenig Wasser zurechtkommen. Nach 2011 und 2012 war es bereits das dritte Mal innerhalb der letzten 4 Jahre. Unter diesen Bedingungen sind Sorten im Vorteil, die die Winterfeuchte gut nutzen und in Ertrag umsetzen können. Dazu zählen meist früh reifende Sorten. Das zeigt sich z. B. in den mehrjährig stabilen, guten Ergebnissen der Sorten JB Asano, Kerubino und der neueren Sorte Rumor. Folgt auf ein normal verlaufendes Frühjahr eine ausgeprägte Vorsommer- Übersicht 1: Eigenschaften ausgewählter Weizensorten für den Süden Sorte E-Weizensorten 1 Ertrag 2 Akteur -- (-) ++ + ++ (-) o (-) (+) (-) - (-) o --- o (+) Genius - (-) +++ o ++ o (+) o o o ++ (-) (-) ++ + (+) Gourmet (-) o ++ o + (-) o (+) + (-) ++ + (+) ++ (-) (+) Kerubino EU (+) (+) ++ o (+) o (+) o o (-) (+) (+) (+) * o (+) A-Weizensorten Atomic + (+) +++ o (-) o (-) + (+) (+) ++ (+) o o ++ o Avenir 1) + + ++ + o (-) (+) o o (-) ++ (+) + + ++ (+) Impression o (+) + + o (-) o o o (-) ++ (+) (+) + (-) + JB Asano o + (+) - o (+) (-) o o o + (-) (-) o o o Julius o (+) ++ + (-) (-) + o (+) (-) (+) + o ++ (+) o Kometus o (+) +++ ++ o o (-) (+) + (-) ++ o (+) o o + Meister (+) o +++ + o (-) (-) o + o (+) (+) (+) -- o (+) Patras (+) (+) ++ o o o (+) (+) o (-) + (+) o ++ (+) (+) Pionier + (+) ++ + o (-) o o + o + + (+) (+) (+) o Rebell + + + o o o (-) + (+) + + o (-) ++ + o B-Weizensorten Colonia + (+) + o o o o (+) (+) + (+) (+) o + + (+) Desamo 1) ++ ++ +++ + o o + (+) (+) (-) + + (+) ++ ++ o Edward ++ + ++ + (-) o o (+) (+) (-) +++ (+) o (-) ++ (+) Gordian ++ + ++ + o o + + (+) (-) + + o ++ ++ o KWS Ferrum + (+) (+) o - (+) * (+) (+) o (+) o o o o + Manager (+) (+) (+) o (-) (-) (-) o ++ ++ o (+) o (-) o o Memory (+) (+) (+) - - (-) + (+) ++ o +++ (+) (-) ++ ++ o Mescal 1) ++ +++ + o - o (+) (+) (+) o ++ o (-) ++ (+) o Rumor ++ ++ (+) o - (+) (+) o + o + (+) o + + (+) C-Weizensorten Fallzahl 1) Fallzahlstabilität 1) Rohprotein 1) Reife Elixer +++ ++ (+) + - (-) (+) o o (-) ++ (+) (-) ++ ++ (+) Hermann EU (+) (+) (+) - - (-) o o (+) ++ + o o - (+) + Winterhärte 1) Landsknecht + ++ (-) -- --- (-) o o o + (+) (+) o -- ++ (+) +++ = sehr gut, sehr hoch, sehr früh, sehr kurz; 0 = mittel; --- = sehr schlecht, sehr gering, sehr spät, sehr lang Ertrag 1: niedrige Intensität; 2: optimale Intensität 1) Einstufung nach Beschreibender Sortenliste 2013; * keine Bewertung wegen zu geringer Datengrundlage Quelle: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft Halmlänge Standfestigkeit Halmbruch 1) Mehltau Septoria tritici Resistenz gegen Berücksichtigen Sie bei der Sortenwahl neben dem Ertrag auch die für Ihren Standort wichtigen Merkmale, wie z. B. Winterhärte. DTR 1) Gelbrost 1) Braunrost Ährenfusarium top agrar 9/2014 93

Ackerbau Foto: Mitterreiter trockenheit, kommen die Sorten meist besser zurecht, die früh die Ähren schieben und damit zeitig mit der Kornfüllung beginnen. Wenn durch Hitze und Trockenheit der Weizen dann frühzeitig abreift, fallen diese im Ertrag und zumeist auch in der Kornqualität weniger stark ab. Bei Sorten mit spät einsetzender Kornbildung und Reife ist mit Ertrags- und oder Qualitätseinbußen zu rechnen. Gerüstet gegen Pilze: Die Anforderungen an die Resistenzausstattung einer Sorte hängen stark vom Witterungsverlauf ab angefangen von den Bedingungen im Herbst bis hin zur Abreife. Dabei bestehen regional große Unterschiede: Im niederschlagsreicheren Süden dominiert in den meisten Jahren die Septoria-Blattdürre (Septoria tritici), auch wenn sie in dieser Saison wegen der vorherrschenden Frühjahrstrockenheit weniger ausgeprägt war. Unter milden und feuchten Bedingungen kann diese Krankheit den Weizen bereits im Herbst infizieren und sich im Frühjahr bei längerer Blattnässe und Temperaturen über 15 C rasch ausbreiten. Das war 2013 und regional auch dieses Jahr in Südbayern der Fall. In solchen Befallsjahren lässt sich die unterschiedliche Anfälligkeit der Sorten sehr deutlich erkennen. Eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordert Septoria-Blattdürre bei den Sorten Akteur, Genius und JB Asano sowie auch Kometus, Linus, Rebell, KWS Ferrum und Hermann. Sie eignen sich daher eher nicht für den extensiven An- Wer rostet am wenigsten? Mit dem Gelbrost trat 2014 im Süden eine weitere Rostart in Erscheinung. Bisher verursachte er bedeutende Ertragsschäden eher in den Regionen mit feucht-kühlem Klima im Norden und Westen Deutschlands. Grund für sein plötzliches Auftreten: Der Gelbrost konnte den sehr milden Winter hervorragend überdauern und der stetig wehende Wind die mit anfälligen Sorten bestellten Weizenschläge infizieren. Bereits im April ließ sich von Nordwesten kommend in Franken und Baden-Württemberg starker Befall beobachten. Im weiteren Verlauf der Vegetation überraschte die zügig fortschreitende Gelb rost-epidemie aber auch manchen Landwirt im Süden. Wie bei anderen Krankheiten zeigten sich auch hier deutliche Unterschiede zwischen den Sorten (siehe Übersicht 2). In den LSV waren JB Asano, Akteur, Kometus, KWS Loft, bau auf niederschlagsreicheren Standorten, denn sie benötigen für hohe Erträge und gute Qualitäten einen gezielten Krankheitsschutz. Gering anfällig für Septoria tritici sind Julius und die erst 2013 zugelassenen Sorten Gordian, Gourmet und Pionier. Viele weitere Sorten weisen eine mittlere bis gute Resistenz auf. In Jahren mit schwächerem Krankheitsdruck Ab dem Schossen erscheinen die Pusteln des Gelbrostes leuchtend gelb. In den LSV stehen anfällige und weniger anfällige Weizensorten direkt nebeneinander. Edward, Kerubino, Rumor und Landsknecht am stärksten betroffen. Viele Sorten blieben aber auch weitestgehend befallsfrei. Ein Vergleich mit der Gelbrostanfälligkeit in der Beschreibenden Sortenliste ergab, dass einige als anfällig eingestufte Sorten nur geringen bis mittleren, und umgekehrt gesunde Sorten hohen Gelbrostbefall aufwiesen. Diese unterschiedliche Einschätzung lässt sich damit erklären, dass 2014 neue Gelbrost-Pathotypen auftraten, die in den Sortenversuchen und Resistenzprüfungen des Bundessortenamtes noch nicht existierten. So gehörten z. B. JB Asano und Kometus, die als mittel anfällig beschrieben sind (s. Übersicht 1, S. 93), zu den am stärksten mit Gelbrost befallenen Sorten. Dagegen zeigten z. B. Meister und Hermann in den bisherigen Versuchen eine hohe Anfälligkeit, waren aber aktuell nur wenig betroffen. kann bei diesen eine einmalige Behandlung gegen Blattseptoria ausreichen. Anfällige Sorten erfordern meist zwei Maßnahmen. Wenn aus Witterungs- oder arbeitswirtschaftlichen Gründen eine optimale Bekämpfung der Blattdürre nicht möglich ist, lässt sich diese stark ertrags- und qualitätsmindernde Krankheit kaum mehr in den Griff bekommen. Positiv für die Zukunft stimmt jedoch, dass das Bundessortenamt von 32 neu zugelassenen Sorten (seit August 2013) lediglich vier als mittel anfällig, alle anderen dagegen besser und zum Teil sogar als gering bis sehr gering anfällig gegen Septoria tritici einstuft hat. Eine weitere relevante Krankheit für die niederschlagsreicheren Regionen ist der Mehltau. In den letzten Jahren ist er jedoch aufgrund der guten Sortenresistenzen etwas in den Hintergrund getreten. Von den derzeit aktuellen Sorten weisen nur Akteur und Manager hier Schwächen auf. In trocken-warmen Regionen spielen bei der Sortenwahl die für niederschlagsreiche Regionen bedeutenden Aspekte nur eine untergeordnete Rolle. Dort verursacht eine andere Blattkrankheit erhebliche Schäden: Der Braunrost. Wegen der allgemein steigenden Temperaturen befindet er sich immer mehr auf dem Vormarsch. Dabei ist sein Schadpotenzial vor allem bei frühem 94 top agrar 9/2014

Grafik: Driemer Übersicht 2: Gelbrostanfälligkeit der Weizensorten starker Befall geringer Befall 5 Boniturnote 4 3 2 1 JB Asano Akteur Kometus KWS Loft Edward Kerubino Rumor Landsknecht KWS Ferrum Avenir Patras Hermann Johnny Meister RGT Reform Rebell Franz Landessortenversuch 2014 (10 Orte), sortiert nach Befall Für das kommende Anbaujahr ist das Risiko für Gelbrost durch den weitverbreiteten Starkbefall in 2014 generell höher. Wiederholt sich eine ähnlich günstige Witterung, ist ein stärkerer Memory Pionier Befall auch 2015 vorstellbar. Treffen Sie daher alle möglichen Vorsorgemaßnahmen wie das konsequente Beseitigen von Ausfallgetreide, eine geschickte Sortenwahl, Vermeiden extremer Boregar Elixer Julius Atomic Mescal Gourmet Colonia Impression Genius Desamo Folklor Gordian Quelle: Bayer. Landesanstalt f. Landwirtschaft Ob Gelbrost in Ihrem Weizenbestand auftritt, hängt stark von Ihrer angebauten Sorte ab. Die Sorten Folklor und Gordian zeigten in den LSV den geringsten Befall. Frühsaaten sowie eine angepasste N-Düngung. Beobachten Sie darüber hinaus Ihre Bestände intensiv und bekämpfen Sie bei Erstauftreten den Gelbrost sofort.

Ackerbau Foto: Sichelstiel Ährenfusarien senken nicht nur die Anzahl Körner je Ähre und das TKG, sie bilden vor allem für Mensch und Tier giftige Mykotoxine, wie z. B. DON. Befall hoch. Neuere Sorten verfügen überwiegend über eine geringe Rostanfälligkeit. Es gibt jedoch noch einige ältere Sorten mit hoher Anbaubedeutung, die hier Defizite aufweisen. Beobachten Sie besonders Akteur, Gourmet, Kerubino, Impression, JB Asano, Kometus, Meister, Manager und KWS Ferrum, aber auch die als mittel bis gering anfällig bewerteten Sorten und versehen Sie diese sofort bei Befallsbeginn mit einem entsprechenden Fungizidschutz. Problematisch ist zudem, dass neue Braunrost-Rassen die Resistenz der Sorten oft rasch überwinden. Stark lageranfällige Sorten gibt es im derzeitigen Sortenangebot nicht. Dennoch ist eine bedarfsgerechte Düngung und ein angepasster Wachstumsreglereinsatz unverzichtbar. In diesem Jahr hat sich der Weizen gut bestockt, sodass er meist hohe Bestandesdichten erreichte. Die erst zum Schossen gefallenen Niederschläge führten zudem zu einer späten und hohen Stickstoffnachlieferung aus dem Boden. Daher gingen in Südbayern nach mehreren Jahren ohne Standfestigkeitsproblem wieder vermehrt Bestände nach Gewittern ins Lager. Schnell gelesen Beim Winterweizen kommt es darauf an, dass die Sorteneigenschaften zum Standort und zur Verwertung passen. Ein starker Befall mit Gelbrost kann sich im nächsten Jahr wiederholen. Gelbrostresistente Sorten bieten sich an. Vor allem früh reifende Sorten haben sich bei Frühjahrstrockenheit bewährt. Immer mehr neue Sorten sind nur noch gering anfällig gegen Septoria-Blattdürre. Fusariumresistente Weizensorten minimieren die Mykotoxin-Belastung im Erntegut deutlich. Mykotoxine im Auge behalten! Auch noch kurz vor der Ernte lässt sich die Qualität des Weizens schnell verspielen. Die Ursache hierfür ist der Befall mit Ährenfusarien, die unerwünschte Mykotoxine (Pilzgifte) wie DON bilden. Wie die letzten beiden Jahre zeigten, hängt die DON-Belastung sehr stark vom Witterungsverlauf ab Beginn des Ährenschiebens ab: 2012 waren die Bedingungen günstig und damit der Weizen häufig höher mit DON belastet. In 2013 gab es dagegen nur sehr selten Partien mit DON-Gehalten über dem Grenzwert. Die Witterung ist aber nicht allein ausschlaggebend. Mit vorbeugenden Maßnahmen können Sie viel erreichen. Neben der Vorfrucht, der Bodenbearbeitung und der Pflanzenschutzstrategie ist dabei die Sorte der wesentliche, das Befallsrisiko beeinflussende Faktor. Denn die Weizensorten unterscheiden sich ganz erheblich beim Merkmal Fusariumresistenz. Die Wahl einer weniger anfälligen Sorte legt somit den Grundstein für eine geringe DON-Belastung im Erntegut. Um die Fusarium-Anfälligkeit der Sorten besser bewerten zu können, führt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit den Fachzentren Pflanzenbau an den Ämtern neben der visuellen Bonitur in den Landessortenversuchen Infektionsversuche durch. Begleitet werden diese von einer Untersuchung auf den DON-Gehalt. Dadurch sind zuverlässigere Aussagen zur Anfälligkeit der Sorten möglich. Als Sorten mit besonders niedrigen DON-Gehalten erwiesen sich in diesen langjährigen Versuchen Kometus, Impression und Hermann. Bei mittel anfällig eingestuften Sorten, wie z. B. Kredo, JB Asano, Pamier, Orcas und Julius, lässt sich über pflanzenbauliche Maßnahmen, wie z.b. der Verzicht auf die Vorfrucht Mais oder/und eine gezielte Fusariumbekämpfung, das DON-Risiko begrenzen. Stark anfällige Sorten empfehlen Bayern und Baden-Württemberg für den Anbau nicht. Stabile Fallzahl: Ermöglicht die Witterung keine optimale Ernte, ist durch Auswuchs und niedrige Fallzahl die mit viel Mühe und Aufwand erreichte Qualität in Gefahr. Da zwischen absoluter Fallzahl und Fallzahl-Stabilität kein direkter Zusammenhang besteht, befindet sich in der Beschreibenden Sortenliste seit zwei Jahren zusätzlich eine Einstufung der Fallzahlstabilität. Sorten mit schwacher Einstufung erreichen zwar auch eine ausreichend hohe Fallzahl, fallen aber bei witterungsbedingter Ernteverzögerung sehr rasch ab. Mehrjährig fallzahlstabil sind die Sorten Akteur, Impression, Julius, Kometus und Meister. Im Gegensatz dazu zeigten sich JB Asano, Joker, Linus, Memory und Zeppelin als weniger stabil. Dreschen Sie diese Sorten unbedingt zuerst, um die Qualität zu erhalten. Nur wenn in den LSV Auswuchsprobleme auftreten, ist eine Bewertung der Sorten möglich. Daher wird derzeit intensiv an neuen Methoden zur zuverlässigen Einschätzung der Auswuchsneigung wichtiger und neuer Sorten gearbeitet. Daneben sucht man nach effizienteren Selektionsmethoden, um auf züchterischem Wege die Auswuchsresistenz zu verbessern. 96 top agrar 9/2014

Was bringen die neuen Sorten? Durch die Neuzulassungen der letzten Jahre ist vor allem im Bereich der Brot- und Futterweizen (B und C) nach längerer Durststrecke wieder ein Fortschritt in der Ertragsleistung erkennbar. Möglicherweise geht deshalb künftig der hohe Anbauumfang der Qualitätsweizensorten zugunsten der B- und C-Weizen etwas zurück. Um die Anbauwürdigkeit dieser Sorten für bestimmte Regionen zu testen, müssen sie die LSV erfolgreich absolvieren. In dem dreijährigen Prüfsystem müssen sich die neuen Kandidaten unter verschiedenen Umweltbedingungen bewähren. Mit fünf E-, sieben A-, zwei B- sowie vier C-Weizen wurde in diesem Jahr eine ungewöhnlich hohe Zahl an neuen Weizensorten zugelassen. Damit wird das breite Spektrum vom hoch qualitativen Elite- bis zum ertragreichen Brot- und Futterweizen abgedeckt. Hinzu kommt mit Waxydie eine Spezialsorte, die 100 % Amylopektin in der Stärke enthält. Sie bringt damit Vorteile für die Lebensmittelverarbeitung. Ihr Anbau findet allerdings ausschließlich unter Vertrag statt. Ein Blick auf die Krankheitsanfälligkeit der Sorten zeigt, dass die Züchtung ein sehr hohes Resistenzniveau gegen die wichtigsten Weizenkrankheiten erreicht hat (siehe Übersicht 3). Bei Mehltau, Blattseptoria, DTR und Braun rost ist keine der neuen Sorten schlechter als mittel anfällig. Für Gelbrost und Ährenfusarium trifft dies mit Ausnahme von einer (KWS Loft) bzw. zwei Sorten (Franz, Ohio) ebenfalls zu. Inwieweit sich die in den Wertprüfungen zugelassenen Sorten für die verschiedenen Anbauverhältnisse im Süden eignen, müssen sie künftig in den regionalen LSV unter Beweis stellen. Die Sorten Franz (A), Johnny (B), KWS Loft (B) und RGT Reform (A) standen bereits in den bayerischen LSV, sodass erste Ergebnisse vorliegen. Es ist zu erwarten, dass Sorten wie der speziell für Trockenstandorte gezüchtete Weizen Pilgrim PZO nur regionale Bedeutung erlangt. Die mit erhöhter Fusarium-Anfälligkeit eingestuften Sorten Franz und Ohio werden für den Süden weniger in Frage kommen, sollte sich diese Bewertung bestätigen. Übersicht 3: Stärken und Schwächen der neuen Weizensorten Sorte Ertrag Resistenz gegen 1 2 Fallzahl Rohprotein Reife TKG Bestandesdichte Winterhärte Halmlänge Standfestigkeit Halmbruch Mehltau Septoria tritici DTR 1) Gelbrost Braunrost Ährenfusarium E-Weizensorten Axioma o - ++ +++ o o (+) o (+) + o ++ + (+) ++ (+) + Bernstein (+) o ++ + o (+) o o - + o (+) o o ++ ++ o Kobold + (+) ++ (+) o + o o o (+) (-) (+) + o ++ ++ o KWS Montana (+) o +++ + o (-) o (+) (+) (-) (-) + o o ++ (+) (+) Pilgrim PZO 1) (-) -- ++ + + (-) +++ (+) (-) - + (+) (-) + ++ (+) A-Weizensorten Attraktion ++ + (+) (-) (-) (-) (+) o (+) (+) (-) +++ + o ++ + o Dichter ++ + ++ o (-) - (+) (+) + + (-) + ++ (+) ++ ++ (+) Franz + ++ ++ (-) (-) o o (+) o (-) o ++ + o ++ + (-) Kompass + + ++ o (-) (+) (+) o o o (-) ++ (+) (+) + + (+) KWS Magic ++ + +++ o o - o (-) + o o + ++ + (+) + (+) RGT Reform ++ ++ +++ (-) (-) (+) (+) (+) + + o + (+) o ++ + (+) Spontan + o + + o o o o o + o ++ + (+) +++ (+) + B-Weizensorten Johnny ++ ++ (+) - (-) (+) (-) (-) o (+) (-) +++ + (+) ++ + (+) KWS Loft ++ ++ +++ (-) (-) o o o (+) o o ++ ++ o (-) ++ (+) C-Weizensorten Diantha ++ ++ + - o o (+) o o (+) o (+) + (-) ++ (+) (+) KWS Smart ++ +++ (+) --- (-) ++ o - (-) o (+) ++ + + ++ (+) (+) Ohio +++ +++ (+) (-) (-) + o o o o + ++ + o ++ ++ (-) Sarmund ++ ++ o --- (-) o (+) o (+) (+) + ++ (+) o ++ + (+) Waxydie 2) - --- - - o -- (+) (-) o (-) o ++ (+) (+) ++ (+) o +++ = sehr gut, sehr hoch, sehr früh, sehr kurz; 0 = mittel; --- = sehr schlecht, sehr gering, sehr spät, sehr lang Ertrag 1: niedrige Intensität; 2: optimale Intensität 1) Resistenz gegen bodenbürtige Viren (SBWMV, SBCMV, WSSMV), 2) Waxy-Weizen (100 % Amylopektin) Quelle: Bundessortenamt Für einen Probeanbau eignen sich die neuen Winterweizensorten gut. Sie überzeugen durch ihre stabile Gesundheit. top agrar 9/2014 97