Goodbye, Großbritannien Keyfacts über Brexit - Der Brexit ist eine Belastung für die deutsche Exportwirtschaft - Frankfurter Börse hegt Hoffnungen - Deutschland ist in der EU zunehmend isoliert 24. Juni 2016 Es ist ein bisschen wie beim Bergsteigen: Man klettert und erreicht ein Plateau, klettert weiter bis zum nächsten Plateau und ist irgendwann oben angekommen. Auf dem Gipfel. So wie gestern in Großbritannien, wo eine Mehrheit der Briten für den Austritt des Landes aus der Europäischen Union gestimmt hat. Man sollte sich da keinen Illusionen hingeben: Auf lange Sicht betrachtet ist das jetzige Votum für den Austritt nur der Höhepunkt einer EU-kritischen Debatte im Vereinigten Königreich, die streng genommen mit dem Beitritt des Landes im Jahr 1973 begann und nie aufgehört hat. Beim Rückblick fällt das Jahr 1984 ins Auge, als der sogenannte Britenbonus auf Veranlassung der britischen Thatcher-Regierung dazu führte, dass das Land einen Rabatt auf seine Beitragszahlungen an die EU bekam. Oder die Nicht-Teilnahme am Euro und das Festhalten am britischen Pfund. Oder das Schengen-Abkommen, das zum Wegfall der Schlagbäume in Europa führte, woran sich Großbritannien nicht beteiligte. Oder der Aufstieg der EU-Skeptiker und Rechtspopulisten der UKIP-Partei von Nigel Farage in jüngster Zeit die EU-kritischen 1/5
gesellschaftlichen Kräfte in Großbritannien waren immer präsent. Und haben jetzt gewonnen, so scheint es. Großbritannien ist drittwichtigster Exportpartner Deutschlands Was also wird nun passieren? Dass der Austritt Folgen für Großbritannien hat, liegt auf der Hand. Doch welche Auswirkungen hat der Brexit auf Deutschland? Deutschland ist Exportnation. Exporte funktionieren dann am besten, wenn die Waren frei und ohne Einschränkungen über Ländergrenzen transportiert werden können. Bedeutet: Deutschland wird durch den Brexit spürbare Nachteile erleiden, denn Großbritannien ist nicht irgendwer. Sondern das Land, das gemessen am Umsatz von Import und Export Deutschlands fünftwichtigster Handelspartner ist. Nur von den Exporten ausgehend steht das Vereinigte Königreich aus Sicht der deutschen Wirtschaft sogar an dritter Stelle, übertroffen nur von den Exporten in die USA und nach Frankreich. Wie nun weiter? Drei Entwicklungen haben das Potenzial, das britisch-deutsche Verhältnis in der nächsten Zeit zu prägen. Zunächst einmal wird ein britischer Austritt aus dem europäischen Binnenmarkt zu einer Belastung der Exportbilanz führen. Erst recht vor dem Hintergrund, dass die zu erwartende Abwertung des britischen Pfundes deutsche Produkte auf der Insel teurer werden lassen würde. Das wiederum ginge zu Lasten ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Diese Befürchtung ist in der deutschen Wirtschaft längst angekommen. 80 % der Mitgliedsunternehmen der Deutsch-Britischen Industrieund Handelskammer befürchten negative Folgen für ihr Geschäft. Nach Angaben der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer erwarten 80 Prozent der knapp 700 Mitgliedsunternehmen negative Folgen für ihr Geschäft und bereiten sich dementsprechend darauf vor. So würden fast zwei Drittel der befragten Unternehmen in Deutschland ihre Investitionen in Großbritannien reduzieren. Mag sein, dass sechs Prozent der Unternehmen davon ausgehen, dass die positiven Effekte des Austritts die negativen Effekte überlagern würden insgesamt ist der Trend eindeutig: Der Brexit ist ein Schrumpfprogramm für das deutsch-britische Wirtschaftsgeschäft. Nach dem Brexit: Löst Frankfurt London ab? Zumindest im Bereich der exportorientierten Wirtschaft. Etwas anders könnte es Entwicklung Nummer zwei im europäischen Finanzsektor aussehen. Konkret gesagt: Denkbar, dass die Frankfurter Börse die Londoner Börse in den nächsten Jahren als Führungskraft auf den europäischen Finanzmärkten ablösen wird. Jenseits der rein ökonomischen Betrachtung ist der 2/5
Brexit aber auch und das ist die dritte feststellbare Entwicklung für die künftige Europapolitik Deutschlands von immenser Bedeutung. Mit Großbritannien verliert Deutschland einen der wichtigsten Verbündeten in der EU, wenn es um Fragen des Freihandels und der Beschränkung staatlicher Ausgaben geht. In den letzten Jahren gab es insbesondere in den südeuropäischen Mitgliedsstaaten der EU Wahlerfolge für Parteien, die stärker auf eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik mit staatlichen Investitionen setzen. Deutschland wie auch Großbritannien hingegen räumten in ihrer wirtschaftspolitischen Ausrichtung eher den Marktmechanismen Vorrang ein. Der britische Ausstieg bedeutet so auch eine Schwächung der vorher häufig gemeinsam vertretenen Position ein Nachteil für Deutschland, den größten Nettozahler der EU. Schwieriges Verhältnis Und nun? Was in nächster Zeit im britisch-deutschen wie auch britisch-europäischen Verhältnis passieren wird, liegt nun zu einem Großteil in den Händen der Verhandler. Bilaterale Verträge müssen aufgesetzt werden, die das künftige Miteinander regeln. Das bedeutet zum einen, dass die verbleibenden EU-Mitgliedsstaaten ihr Verhältnis zu Großbritannien klären müssen. Das bedeutet aber zum anderen auch, dass Großbritannien jetzt sein Verhältnis zu den Ländern der EU klären muss. Da warten die Mühen der Etappe, jenseits der groben Linie zum erklärten EU- Ausstieg. Anders gesagt: Auch der beste Kletterer wird mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann von seinem Berg wieder runterkommen. Auf Dauer alleine ganz oben ist die Luft irgendwann recht dünn. Wie Sie die unternehmerischen Auswirkungen des Brexits meistern, diskutieren wir gerne mit Ihnen auf einem unserer Business Breakfasts. Die Veranstaltungsübersicht und den Link zur Anmeldung finden Sie hier. Zusammengefasst» Deutschland wird durch den Brexit spürbare Nachteile erleiden, denn Großbritannien ist nicht irgendwer. Sondern das Land, das gemessen am Umsatz von Import und Export Deutschlands fünftwichtigster Handelspartner. Nur von den Exporten ausgehend steht das Vereinigte Königreich aus Sicht der deutschen Wirtschaft sogar an dritter Stelle, übertroffen nur von den Exporten in die USA und nach Frankreich. «Der Brexit wird zu einer Belastung der deutschen Exportbilanz führen. Erst recht vor dem Hintergrund, dass die zu erwartende Abwertung des britischen Pfundes deutsche Produkte auf der Insel teurer werden lassen würde. Das wiederum ginge zu Lasten ihrer Wettbewerbsfähigkeit. 3/5
Mathias Oberndörfer Bereichsvorstand Öffentlicher Sektor ÄHNLICHER ARTIKEL NEWS Brexit: Gefährlicher Alleingang Deutsche Unternehmen, die bereits in Großbritannien investieren oder Investitionen planen, sollten sich mit den Risiken und Chancen eines Brexit für ihr Geschäft auseinandersetzen. Der zu... MEHR 4/5
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