Foto: Peter Hill / pixelio.de Erdkabel als Alternative? Annette Reiber & Andrea Molkenthin-Keßler Dialogforum Erneuerbare Energien und Naturschutz
Bodenfunktionen Quelle: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (2015): Boden, Böden, Bodenschutz
Boden als Lebensraum Fotos: natur- und umweltschutzakademie nrw: http://www.der-boden-lebt.nrw.de/
Boden als Regler des Wasserhaushalts, Puffer und Speicher
Boden als Archiv Links: Schnitt durch den Limeswall bei Öhringen, unten: Wölbäcker zeugen von historischem Ackerbau
Boden als Basis für Lebensmittelproduktion
Boden als Sonderstandort für Vegetation Foto: Löwenzahn / pixelio.de Hermann / pixelio.de
Bundesnaturschutzgesetz (1) Natur und Landschaft sind auf Grund ihres eigenen Wertes und als Grundlage für Leben und Gesundheit des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich nach Maßgabe der nachfolgenden Absätze so zu schützen, dass 1. die biologische Vielfalt, 2. die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts einschließlich der Regenerationsfähigkeit und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter sowie 3. die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft auf Dauer gesichert sind; der Schutz umfasst auch die Pflege, die Entwicklung und, soweit erforderlich, die Wiederherstellung von Natur und Landschaft (allgemeiner Grundsatz). (2) Zur dauerhaften Sicherung der biologischen Vielfalt sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad insbesondere 1. lebensfähige Populationen wild lebender Tiere und Pflanzen einschließlich ihrer Lebensstätten zu erhalten und der Austausch zwischen den Populationen sowie Wanderungen und Wiederbesiedelungen zu ermöglichen, 2. Gefährdungen von natürlich vorkommenden Ökosystemen, Biotopen und Arten entgegenzuwirken, 3. Lebensgemeinschaften und Biotope mit ihren strukturellen und geografischen Eigenheiten in einer repräsentativen Verteilung zu erhalten; bestimmte Landschaftsteile sollen der natürlichen Dynamik überlassen bleiben. (3) Zur dauerhaften Sicherung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts sind insbesondere 1. die räumlich abgrenzbaren Teile seines Wirkungsgefüges im Hinblick auf die prägenden biologischen Funktionen, Stoff- und Energieflüsse sowie landschaftlichen Strukturen zu schützen; Naturgüter, die sich nicht erneuern, sind sparsam und schonend zu nutzen; sich erneuernde Naturgüter dürfen nur so genutzt werden, dass sie auf Dauer zur Verfügung stehen, 2. Böden so zu erhalten, dass sie ihre Funktion im Naturhaushalt erfüllen können; nicht mehr genutzte versiegelte Flächen sind zu renaturieren, oder, soweit eine Entsiegelung nicht möglich oder nicht zumutbar ist, der natürlichen Entwicklung zu überlassen,
Bundesbodenschutzgesetz BW: Gesetz zur Ausführung des Bundes-Bodenschutzgesetzes (Landes-Bodenschutz- und Altlastengesetz - LBodSchAG)
Baubedingte Auswirkungen von Erdkabeln Wirkfaktoren: Quelle: Trüby (2012): http://www.energiewendenaturvertraeglich.de/index.php%3fid=441.html Räumung des Baufeldes Entfernung der Vegetation i.d.r. offene Bauweise: Aushub des Kabelgrabens, Verlegung der Leerrohre Herstellung des Kabelbettes Ggf. Grundwasserabsenkung durch Grundwasserhaltung im Baustellenbereich
Beispiel Kabelgrabenprofil Netze BW Quelle: NetzeBW Techn. Rahmenbedingungen: offene Bauweise, 2 Kabelsysteme im Abst. von 2 m, Schutzsstr. 5 m
Baubedingte Auswirkungen im Einzelnen: Für Tiere: Störung / Tötung von Bodenorganismen Störung von Tieren im Trassenumfeld Für Böden: Störung der natürlichen Schichtung, Störung der Archivfunktion, Bodenverdichtung insbesondere bei feuchten Bodenverhältnissen Folge: Sauerstoff- und Wasserarmut, Hemmung des Pflanzenwachstums In Wäldern: Einschlagen von Schneisen und dauerhaftes Freihalten, Barrierewirkung, Zerschneidung Im Bereich von Feuchtgebieten und Mooren: Unerwünschte Drainage (z.b. Wasserstandsabsenkungen in Moorgebieten bis zu 20 m in benachbarte Flächen Runge et al 2012)
Betriebsbedingte Auswirkungen von Erdkabeln Anders als bei Freileitungen sind bei Erdkabeln betriebsbedingte Auswirkungen weniger schwerwiegend als baubedingte Eingriffe Temperaturerhöhung im Boden (v.a. bei Höchstspannung) Elektrische Felder werden bei Erdkabeln durch die Ummantelung völlig abgeschirmt Magnetische Felder sind im Vergleich zu den breiteren Auswirkungen von Freileitungen im Nahbereich des Kabels hoch, fallen aber zu den Seiten hin schnell ab Hofmann et al 2012: Erwärmung des Oberbodens um bis zu 4 C, die noch in 3 m Entfernung zu messen waren aber, ACHTUNG: Höchstspannung, Wärmeabstrahlung wird durch Isolationsummantelung des Kabels reduziert
Vor- und Nachteile von Erdkabeln Vorteile: Geringere Raumwirkung, Sichtbarkeit nur bei Übergabestationen, kein Kollisionsrisiko für Vögel Nachteile: Umfangreichere Baumaßnahmen, dadurch baubedingt größere Auswirkungen auf Vegetation, Lebensräume, Boden und Wasser In der Praxis: Oft größerer Flächenbedarf von Erdkabeln im Vergleich zu Freileitungen, weil Kabel bevorzugt in Wegen verlegt werden, um Zugänglichkeit zu gewährleisten. Da häufig in der notwendigen Richtung keine Wege vorhanden sind oder Querriegel bestehen, werden die Trassen für Erdkabel entsprechend länger, dadurch höhere Kosten
Vermeidungs- und Minimierungsmaßnahmen Bei der Trassenplanung als hohen Raumwiderstand werten: Böden mit besonders ausgeprägten natürlichen Bodenfunktionen in den Wasser- und Stoffkreisläufen der Natur Böden mit Archivfunktion Böden mit besonders hoher natürlicher Bodenfruchtbarkeit Spezifische Empfindlichkeiten von Böden betrachten gegenüber den Wirkfaktoren Verdichtungen, Erosion, bodenhydrologische Einflüsse Qualifizierte Gutachten, die diese Aspekte berücksichtigen sind Voraussetzung Fachgerechte Verwertung des Bodenaushubs / Kontinuierliche qualifizierte bodenökologische Baubegleitung (Berücksichtigung der entscheidenden DIN-Normen, Bodenaushub nach Schichten getrennt lagern und in gleicher Schichtung wieder einbauen, Verwendung breit aufliegender Raupenfahrzeuge, entfernbare Baustraßen )
Boden- und wasserschonende Bauausführung Temporäre Baustraße Getrennte Lagerung des Bodenaushubs Beide Fotos: Weigel (2014): Prä_140918 z.b.: Entscheidende DIN-Normen beachten Als Bettungsmaterial wo möglich Originalboden verwenden Bei Querungen von Fließgewässern: Unterdükerung In bes. sensiblen Abschnitten Leitungsverlegung durch Horizontal- /Spülbohrverfahren (Längsverlegung von bis zu 500 m, auch Gewässerunterquerung möglich, Flächenverbrauch für Start- und Zielgruben gering) Bauzeitenregelungen zur Vermeidung von Bodenverdichtung bei witterungsbedingten extrem feuchten Bodenverhältnissen
Freileitung vs. Erdkabel aus bodenkundlicher Sicht Quelle: BMU-Studie (2013): Ökologische Auswirkungen von 380kV-Erdleitungen und HGÜ-Erdleitungen
Fazit V.a. während der Bauphase entsteht durch die Verlegung von Erdkabeln eine besondere Gefährdung von bodenlebenden Tieren und Pflanzen sowie verschiedener Bodenfunktionen Schutzwürdige Böden v.a. in Feuchtgebieten, Auen und felsigen Bereichen sowie Böden mit Archivfunktion sind für die Verlegung von Erdkabeln nicht geeignet Irreversible Schädigungen von Böden und Bodenwasserhaushalt lassen sich in der Regel durch bauliche Vorsorgemaßnahmen vermeiden Wo keine Belange des Boden-, Grundwasser- und Moorschutzes und auch kein felsiger Untergrund entgegenstehen, bergen Erdkabel das geringste Konfliktpotential.
Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit. Fragen? Dialogforum Erneuerbare Energien und Naturschutz (Schwerpunkt Verteilnetze) Annette Reiber BUND Landesverband Baden- Württemberg e.v. Fon: +49 (0)711 620306-25 annette.reiber@bund.net Andrea Molkenthin-Keßler NABU Baden-Württemberg Fon: +49 (0)711 966 72-42 andrea.molkenthinkessler@nabu-bw.de Naturschutztage Radolfzell 06.01.2017 Dialogforum Erneuerbare Energien und Naturschutz