Computertomografie erweitert die Multisensorik



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Transkript:

Sonderdruck aus der Fachzeitschrift Mikroproduktion Wolfgang Rauh Computertomografie erweitert die Multisensorik Werth Messtechnik GmbH Siemensstr. 19 35394 Gießen Telefon: +49-(0)641-7938-0 Telefax: +49-(0)641-75101 mail@werthmesstechnik.de www.werthmesstechnik.de Carl Hanser Verlag, München. 2006. Alle Rechte, auch die des Nachdrucks, der photomechanischen Wiedergabe dieses Sonderdrucks und der Übersetzung behält sich der Verlag vor.

2 Messtechnik Computertomografie erweitert die Multisensorik WOLFGANG RAUH Durch die Integration der Computertomografie in die Multisensor-Koordinatenmesstechnik sind Systeme entstanden, mit denen sich sowohl komplexe Werkstücke als auch Mikroteile schnell und exakt messen lassen. Erste Anwendungserfahrungen zeigen, dass durch diese Systeme ein erhebliches Rationalisierungspotenzial erschlossen werden kann. Die schnelle Erstbemusterung führt auch in der Produktentwicklung zu einer erheblichen Zeitersparnis. BILD 1. Prinzip der Computertomografie: Das Messobjekt befindet sich auf einem Drehtisch zwischen Röntgenquelle und Detektor. Ein geringer Abstand zwischen Objekt und Detektor ermöglicht die schnelle Erfassung größerer Teile mit niedriger Vergrößerung (Bild links); ein großer Abstand zwischen Detektor und Objekt führt zu hoher Vergrößerung für das Messen mit hoher Genauigkeit (Bild rechts) Die Koordinatenmesstechnik steht gegenwärtig vor zwei Herausforderungen: erstens das hochgenaue Messen von Mikrostrukturen und zweitens das schnelle und vollständige Erfassen von Bauteilen, um Abweichungen zur Sollgeometrie zu bestimmen. Letzteres wird insbesondere für die Erstbemusterung, die Werkzeugentwicklung und für die Prozessoptimierung benötigt. Ein zentraler Ansatz bei der Lösung dieser Aufgaben ist das HERSTELLER Werth Messtechnik GmbH 35394 Gießen Tel. 06 41/79 38-0 Fax 06 41/7 51 01 www.werthmesstechnik.de Prinzip der Multisensorik, das Sensoren mit unterschiedlichsten Wirkprinzipien in einem Koordinatenmessgerät integriert. Die Multisensorik kombiniert neue Sensoren, beispielsweise den Werth-Fasertaster oder die Computertomografie, mit konventionellen Sensoren der Koordinatenmesstechnik. Auf diese Weise lassen sich die Vorteile des jeweiligen Sensors für optimale Messabläufe und sichere Messergebnisse nutzen. Vollständiges Erfassen von Objekten mit Computertomografie Den Forderungen nach vollständiger und genauer Erfassung der Werkstückgeometrie werden heutige Koordinatenmessgeräte nur teilweise gerecht. Deutliche Vorteile bieten hingegen moderne Multisensor-Koordinatenmessgeräte, die eine Vielzahl verschiedenster Sensoren auf einem Messgerät kombinieren, beispielsweise berührende Tastsysteme, Bildverarbeitung, Lasersensoren und taktil-optische Fasertaster. Mit diesen modernen Multisensor-Koordinatenmessgeräten ist es möglich, eine Anpassung an praktisch alle Anwendungen zu erzielen und Werkstücke mit sehr hoher Genauigkeit zu messen. Jedoch führt vor allem die benötigte Messzeit dazu, dass diese Systeme trotz relativ schneller Scanning-Verfahren für die vollständige Erfassung der Teilegeometrie nur bedingt sinnvoll sind. Eine Möglichkeit zur vollständigen Erfassung der Teilegeometrie bietet die Computertomografie, die industriell bislang hauptsächlich für die Materialprüfung eingesetzt wurde. Bei der Röntgen-Computertomografie wird das Werkstück auf einem Drehtisch zwischen Röntgenquelle und Detektor positioniert, sodass der Detektor Carl Hanser Verlag, München Mikroproduktion 2/2006

Messtechnik 3 BILD 2. Werth TomoScope : das weltweit erste Multisensor-Koordinatenmessgerät mit Röntgen-Computertomografie BILD 3. Flexibilität durch Multisensorik: Zwei Pinolen ermöglichen die unabhängige Positionierung des Röntgendetektors und anderer Sensoren. Die mit dem Taster aufgenommenen Punkte dienen auch der Kalibrierung der CT-Daten bei aktiver Strahlungsquelle Durchleuchtungsbilder des Objekts liefert (Bild 1). In unterschiedlichen Winkelstellungen des Drehtischs wird hierbei eine Serie von Durchleuchtungsbildern des Objekts aufgenommen. Anschließend wird die räumliche Gestalt des Werkstücks mit Hilfe eines mathematischen Verfahrens aus den Durchleuchtungsbildern rekonstruiert. Das so erzeugte dreidimensionale Bild besteht aus Volumenelementen (Voxel), denen jeweils ein Grauwert zugeordnet ist. Dieser Grauwert kennzeichnet die Absorption der Strahlung durch das Werkstück innerhalb des Volumenelements. Das Volumenmodell beschreibt die vollständige Geometrie des Werkstücks, also auch Innengeometrien oder Hinterschnitte sehr komplexer Bauteile. Von kleinen Details bis zu großen Bauteilen Durch das Verändern der Abstände zwischen dem Werkstück und dem Detektor sowie zwischen dem Werkstück und der Röntgenquelle lassen sich bei der Computertomografie unterschiedliche Vergrößerungen und Messbereiche realisieren. Somit kann die genaue Erfassung kleiner Teile mit hoher Vergrößerung oder die schnelle Erfassung größerer Teile mit geringer Vergrößerung erfolgen. Für dimensionelle Messungen wird aus dem Volumenbild die Teileoberfläche extrahiert. Die Definition der hierfür benötigten Materialgrenze (Schwellwert) beeinflusst dabei direkt die Genauigkeit der Messung und muss daher sehr sorgfältig, möglichst jedoch automatisch erfolgen. Zahlreiche weitere Einflüsse schränken die erzielbare Genauigkeit bei der Computertomografie weiter ein. So können im rekonstruierten Volumenbild Störungen (Artefakte) auftreten, die zu Fehlinterpretationen führen. Abhängig von der Wellenlänge der Strahlung sowie von der Geometrie und dem Material des Werkstücks sind diese Artefakte nur sehr schwer korrigierbar. Außerdem sind zahlreiche Systemparameter unbekannt oder nicht konstant, zum Beispiel die Lage und Größe des Brennflecks der Strahlquelle, die Materialeigenschaften des Werkstücks sowie vorhandene Gerätefehler. Die bislang mit Hilfe der Computertomografie erzielbare Genauigkeit ist daher für eine Prüfung von Funktionsmaßen meist nicht ausreichend und erfordert spezielle Maßnahmen, um die von der Computertomografie bereitgestellten Daten messtechnisch aufbereiten zu können. Vollständig und genau messen mit Multisensor-Computertomografie Wird die Computertomografie mit genaueren Sensoren kombiniert, ermöglicht dies die schnelle und vollständige Erfassung des Werkstücks mit Hilfe der Tomografie sowie die exakte Messung eng tolerierter Maße LITERATUR 1 Rauh, Wolfgang: Präzision mit gläserner Faser. Mikroproduktion 2005, H. 4, S. 36-39 mit Hilfe klassischer Sensoren. Dieser Ansatz wurde weltweit erstmals im Hause Werth Messtechnik, Gießen, umgesetzt und führte zu Multisensor-Koordinatenmessgeräten mit Röntgen-Computertomografie (Bild 2). Diese multisensorischen Koordinatenmessgeräte sind dank ihres modularen Konzepts an unterschiedliche Aufgabenstellungen und Genauigkeitsanforderungen adaptierbar. Für zusätzliche Flexibilität sorgt die Option Rastertomografie, mit der der Messbereich des Computertomografie-Sensors erweitert wird. Dabei werden jeweils Teilbilder des Werkstücks aufgenommen und zu größeren Durchleuchtungsbildern zusammengefügt. Anhand dieser Bilder wird dann das Volumen rekonstruiert. Aktuell können so Messobjekte bis zu einem Durchmesser von etwa 90 mm und einer Länge von 200 mm tomoscopiert werden. Tomografie-Daten durch Multisensorik kalibrieren Die Erfassung gleicher Bereiche des Werkstücks mit mehreren Sensoren macht es möglich, die von den verschiedenen Sensoren gelieferten Messergebnisse miteinander abzugleichen. Dabei werden die Messergebnisse des ungenaueren Sensors mit Hilfe genauerer Informationen eines zusätzlichen Sensors korrigiert. Ein neuartiger mathematischer Ansatz auf Basis dieser Grundidee ermöglicht die Korrektur der verfahrensbedingten Fehler der Computertomografie. Dies erfolgt durch Aufnahme von Kontrollpunkten am Werkstück mit einem hochgenauen Sensor, Mikroproduktion 2/2006

Messtechnik 4 Während die konventionellen Sensoren im TomoScope hauptsächlich berührende Tastsysteme sind, ist der TomoCheck aufbeispielsweise mit einem berührenden Tastsystem oder dem Werth-Fasertaster. Die anschließende Korrektur der vom CT erzeugten Punktewolke minimiert die Abweichungen zwischen den Kontrollpunkten und der CT-Punktewolke. Durch diese Auto-Kalibrierung mit Hilfe der Computertomografie lassen sich Messwerte in bislang unbekannter Qualität gewinnen. Außerdem kann die Rückführung der tomografischen Messungen direkt am Messobjekt mit den bewährten Sensoren der Multisensor-Koordinatenmessgeräte erfolgen. Anwendungsgerechte Konfiguration auf Basis bewährter Komponenten Basis der Multisensor-Koordinatenmessgeräte mit Computertomografie sind bewährte Sensoren sowie mechanische und steuerungstechnische Komponenten, die im Hause Werth auch in anderen Koordinatenmessgeräten zum Einsatz kommen. Diese unter messtechnischen Gesichtspunkten optimierten Systeme gewährleisten eine hohe Grundgenauigkeit und Zuverlässigkeit, die bislang bei Computertomografen nicht verfügbar waren. Für Messaufgaben an makroskopischen Werkstücken im mittleren Genauigkeitsbereich wurde das TomoScope mit mechanischen Führungen entwickelt, für höchste Genauigkeiten und für die Messung von Mikrobauteilen wurde der Werth BILD 4. Der taktil-optische Werth-Fasertaster: Die Antastung des Messobjekts erfolgt mit einer Glaskugel, deren Durchmesser bis zu 10 μm klein sein kann und deren Auslenkung optisch, mit Hilfe eines Kamerasystems bestimmt wird TomoCheck mit luftgelagerten Achsen konzipiert. In beiden Geräten besteht die Möglichkeit zum kombinierten Messen mit konventionellen Sensoren und der Computertomografie in einem einheitlichen Koordinatensystem. Durch das separate Positionieren der Strahlquelle und des Detektors lässt sich hierbei die Vergrößerung der Computertomografie in weiten Bereichen variieren. BILD 5. CAD-Modell des Werkstücks im Werth 3D-Modul (oben links), CAD-Modell und mit Hilfe der CT erfasste Punktewolke (oben rechts), Soll-Ist-Vergleich zwischen Messpunkten und CAD-Modell nach Besteinpassung der Punktewolke auf das Modell (unten) Mikroproduktion 2/2006

5 Messtechnik grund der hohen Grundgenauigkeit des Grundgeräts besonders für die Kombination der Computertomografie mit dem Werth-Fasertaster geeignet (Bild 4). Mit Hilfe dieses Sensors können auch an kleinsten Geometrien hochgenaue Messungen zur Rückführung der Tomografie-Messung und zur exakten Messung einzelner Merkmale durchgeführt werden. Aufgrund der extrem geringen Antastkräfte ist bei diesem Sensor keine Einspan-nung des Werkstücks erforderlich. Außerdem sind die röntgentechnischen Komponenten des TomoCheck auf die Messung an Mikrobauteilen ausgelegt. So kommen im TomoCheck eine Röntgenquelle mit einem extrem kleinen Brennfleck sowie ein hochauflösender Detektor zum Einsatz. Anders als bei bislang verfügbaren CT- Systemen sind beim TomoScope und TomoCheck durch den Bediener keinerlei Justagearbeiten zu verrichten. Alle Einstellungen sind werkseitig kalibriert. Ein werkstattnaher Einsatz der Geräte wird auch dadurch ermöglicht, dass die Konstruktion und die Ausführung einem Vollschutzgerät nach Röntgenverordnung entsprechen. Für den Betrieb der Computertomografie-Systeme sind deshalb keine weiteren Strahlenschutzmaßnahmen einzuhalten. Einheitliche Messsoftware auch für die Computertomografie Auch die Software des Werth TomoScope und TomoCheck entstand unter dem Gesichtspunkt der einfachen und effektiven Anwendung. Die industriell weit verbreitete Software WinWerth für Multisensor-Koordinatenmessgeräte wurde um die für die Computertomografie benötigten Komponenten erweitert. Sie enthält neben einem einfachen Menü zur Einstellung der Tomografie-Parameter auch eine leistungsfähige Funktionsbibliothek zur Rekonstruktion von 3D- Daten sowie zur automatischen Bestimmung der Materialgrenzen. Der gesamte Messablauf mit Computertomografie und anderen Sensoren wird innerhalb der Messsoftware gesteuert. Für die Durchführung einer Tomografie sind vom Bediener zunächst geeignete Einstellungen für die Röntgenquelle zu wählen. Dies erfolgt analog zur Lichteinstellung bei optischen Sensoren anhand von Schiebereglern in der Bedienoberfläche. Um den Dynamikbereich bei schlecht kontrastierbaren Objekten zu erweitern, stehen weitere Schieberegler zur Verfügung. Mit ihnen lassen sich die Belichtungsdauer des Detektors erhöhen und Rauschanteile im Bild filtern. Der für die Tomografie relevante Bildausschnitt wird völlig analog zu optischen Messungen durch Setzen eines Auswertefensters im Durchleuchtungsbild festgelegt. Beim Starten des Tomografievorgangs werden benötigte Abgleichvorgänge für die Sensorik vom System nötigenfalls automatisch angestoßen und durchgeführt. Der Tomografieprozess läuft danach ohne Interaktion mit dem Bediener auch für den Fall der Rastertomografie vollautomatisch. Die Punktewolke wird in das 3D-CAD-Modell eingepasst Nach Abschluss des Tomografieprozesses und der parallel dazu berechneten 3D- Rekonstruktion wird die Werkstückgeometrie ermittelt und automatisch in Form von Punktewolken in das 3D- CAD-Modul der WinWerth-Software eingelesen. Die Daten können für dimensionelle Auswertungen auf ein CAD-Modell eingepasst und mit dem Modell verglichen werden. Als Ergebnis dieses Vergleichs steht neben den numerischen Ergebnissen auch eine farbliche Visualisierung der Abweichungen zwischen Messpunkten und Modell zur Verfügung (Bild 5). Aus den Messpunkten oder Teilen der Messpunkte können aber auch mit Hilfe der Standardfunktionen der Messsoftware Regelgeometrieelemente berechnet oder andere messtechnische Auswertungen vorgenommen werden. Ist ein Messablauf für einen Teiletyp hinterlegt, können weitere Messungen ohne zusätzliche Bedienereingriffe vollautomatisch vorgenommen werden. Für den Bediener ist aufgrund des durchgängigen Software- Konzepts kein Wechsel zwischen mehreren Programmpaketen notwendig. Die Messsoftware ist zu rein taktilen oder anderen Multisensor-Koordinatenmessgeräten von Werth Messtechnik vollständig kompatibel. Dr.-Ing. Wolfgang Rauh ist Entwicklungsleiter bei Werth Messtechnik in Gießen; entwicklung@werthmesstechnik.de Carl Hanser Verlag, München Mikroproduktion 2/2006

Werth Multisensor- Koordinatenmesstechnik Für alle Fälle Werth Multisensorik Werth Messtechnik GmbH Siemensstraße 19 35394 Gießen Telefon +49 (0) 6 41/ 79 38-0 Telefax +49 (0) 6 41/ 7 5101 mail@werthmesstechnik.de www.werthmesstechnik.de Werth Bildverarbeitung: Echte Kontur-Bildverarbeitung für eine sichere Kantenantastung Werth 3D-Patch (Patentanmeldung): Der 3D-Oberflächensensor für kleinste Merkmale Werth Röntgen-Tomografie: Vollständiges Erfassen des Werkstücks in einem Messvorgang Werth Lasertaster WLP (Patent): Hochgenaues Oberflächen-Scanning Werth Fast Laser Probe FLP: Schnelles berührungsloses Scannen von dreidimensionalen Geometrien Werth Laser Liniensensor LLP: Schnelle optische Erfassung von Freiformflächen auch an großen Werkstücken Werth Chromatic Focus Probe CFP: Hochgenaues Messen an stark reflektierenden Oberflächen (Spiegel, Linsen,...) Mechanisch schaltende- und messende Tastsysteme: Renishaw-Programm komplett integriert Werth Fasertaster WFP (Patent): Weltweit kleinster (min. Tastkugeldurchmesser 10 µm) und genauester Taster Werth Contour Probe WCP (Patentanmeldung): Der Tastschnittsensor für Profil- und Rauheitsmessung