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Transkript:

Forschungsmethoden VORLESUNG SS 2017 SOPHIE LUKES

Organisatorisches Letztes Mal: Versuchspläne Heute: Stichprobenziehung und Stichprobeneffekte

Wie kann man Pre-Test- Effekte kontrollieren?

Solomon-Viergruppen-Design EG1: Pre-Test ---- Treatment ---- Posttest EG2: --------------- Treatment ---- Posttest KG1: Pre-Test ----------------------- Posttest KG2: ----------------------------------- Posttest

Studien mit Messwiederholungen

Studie mit Messwiederholungen Ohne Messwiederholung: ein einziger Untersuchungszeitpunkt Mit Messwiederholung: mehrere Untersuchungszeitpunkte Experimentell Nicht-experimentell

Experimentelle Studien mit Messwiederholungen Experiment und Quasi-Experiment oft Prä-Post- Messung (z.b. Therapiestudie) Prä Therapie Post Oder Verwendung von Follow-up Prä Therapie Post Follow-up 3 Monate Follow-up 6 Monate

Nicht-experimentelle Studien ohne Messwiederholung Querschnittstudie (cross-sectional study): Eine Stichprobe zu einem Zeitpunkt untersucht Große Verbreitung aufgrund geringen Aufwands Konfundierung von Alters- und Kohorteneffekten

Nicht-experimentelle Studien ohne Messwiederholung Trendstudie: Mehrere Querschnittstudien In zeitlichem Abstand

Nicht-experimentelle Studien mit Messwiederholungen Längsschnittstudie Gleiche Stichprobe Gleiches Messinstrument Mehrere Messzeitpunkte Prospektiv vs. retrospektiv

Mögliche Probleme bei Studien mit Messwiederholungen Positionseffekte Übertragungseffekte zwischenzeitliches Geschehen

Umgang mit möglichen Problemen bei Studien mit Messwiederholungen vollständiges interindividuelles Ausbalancieren unvollständiges interindividuelles Ausbalancieren intraindividuelles Ausbalancieren

Heute: Stichprobenziehung und Stichprobeneffekte Warum brauchen wir Stichproben?

Warum brauchen wir Stichproben? Ziel: allgemeingültige Aussagen über die Angehörigen einer Population Totalerhebung jedoch nicht möglich/zu kostenintensiv/zeitaufwendig Lösung: Stichprobe, die die Population repräsentiert

Stichprobe und Population Population: Grundgesamtheit, Gesamtmenge aller Untersuchungseinheiten, über die im Rahmen einer empirischen Studie wissenschaftliche Aussagen getroffen werden sollen Stichprobe: Teilmenge aller Untersuchungsobjekte, die die untersuchungsrelevanten Eigenschaften der Grundgesamtheit abbilden soll

Stichprobenarten Zufallsstichprobe Pseudozufallsstichprobe (anfallende Stichprobe) Geschichtete Stichprobe Klumpenstichprobe Mehrstufige Zufallsstichprobe Quotenverfahren wiederverwendete Stichproben

Einfache Zufallsstichprobe Untersuchungsobjekte werden zufällig ausgewählt jede/r hat die gleiche Chance, in die Stichprobe aufgenommen zu werden Urnenziehung Einfluss der Stichprobengröße auf die Repräsentativität

Schritte zur Herstellung einer Zufallsstichprobe 1. Population definieren Über wen soll eine Aussage gemacht werden? 2. Auswahlgesamtheit definieren 3. Befragte nach einem Zufallsprinzip auswählen

Pseudozufallsstichprobe (anfallende Stichprobe) wenn nicht alle zu einer Population gehörenden Untersuchungsobjekte bekannt sind häufigste Stichprobenart bei wissenschaftlichen Untersuchungen unreflektiertes Verallgemeinern auf Population vermeiden!

Geschichtete Stichprobe Untergruppen der Population sind auch in der Stichprobe repräsentativ vertreten Grundgesamtheit in Untergruppen aufteilen aus jeder Untergruppe der Population eine einfache Zufallsstichprobe ziehen

Geschichtete Stichprobe Schicht 1: hohes Einkommen Zufallsstichprobe aus Schicht 1 Population Schicht 2: mittleres Einkommen Zufallsstichprobe aus Schicht 2 Schicht 3: niedriges Einkommen Zufallsstichprobe aus Schicht 3

Geschichtete Stichprobe proportional geschichtete Stichprobe: Anteilsmäßige Verteilung der Merkmale in der Stichprobe entspricht der Verteilung der Population disproportional geschichtete Stichprobe: Auswahlwahrscheinlichkeiten für die einzelnen Teilpopulationen unterschiedlich

Klumpenstichprobe Population besteht aus natürlichen Untergruppen Klumpen werden nach Zufallsprinzip gezogen vollständige Untersuchung der Klumpen z.b. Schulklassen, Familien, Häuserblöcke

Klumpenstichprobe um einen Klumpeneffekt zu vermeiden: Innerhalb eines Klumpens Heterogenität Zwischen Klumpen Homogenität

Mehrstufige Zufallsstichprobe Zweistufig: Zufallsauswahl der Klumpen Zufallsauswahl der Untersuchungsobjekte Dreistufig: Zufallsauswahl der Klumpen Zufallsauswahl der Klumpen Zufallsauswahl der Untersuchungsobjekte

Probabilistische Stichproben Einfache Zufallsstichprobe, geschichtete Stichprobe und Klumpenstichprobe probabilistische Stichproben, da über die Auswahl der Untersuchungsobjekte zufällig entschieden wird Gegensatz: nicht probabilistische Stichproben (Quotenstichprobe, Ad-hoc-Stichprobe)

Quotenverfahren Populationszusammensetzung muss hinsichtlich einiger, für die Fragestellung wichtiger soziodemografischer Merkmale bekannt sein Merkmalsverteilung wird durch systematische Auswahl von Untersuchungsobjekten in der Stichprobe nachgebildet oft Nutzung mehrerer Quotierungsmerkmale

Quotenverfahren merkmalsspezifische Repräsentativität aber: keine Gesamtrepräsentativität, da Merkmale in den Quoten oft unabhängig voneinander verteilt, aber in der Population oft kombiniert keine Zufallsauswahl

Wie groß sollte die gewählte Stichprobe sein? je größer die Stichprobe, desto näher an der Population geringere Fehler bei der Schätzung von Populationsparametern bei Signifikanztests: Sehr große Stichproben selbst triviale Effekte signifikant Sehr kleine Stichproben nicht genügend Power

Wie groß sollte die gewählte Stichprobe sein? Inwiefern ist ein signifikanter Effekt auch praktisch bedeutsam? Wie schlimm sind falsche Schlussfolgerungen?

Einflussfaktoren der Stichprobenauswahl/-ziehung Verzerrung durch geringe Repräsentativität der Stichprobe Stichprobengröße Bias durch Teilnahmebereitschaft/ Motivation von Teilnehmern Risiko von Overcoverage/Undercoverage

Woher bekomme ich Versuchspersonen? an der Uni: (Psychologie-)Studenten Über Aushänge, Verteiler, Veranstaltungen, Andere Personengruppen: Kontakte Forschungsgruppen Aufrufe in Zeitung/Internet o.ä.

Klinische Studien Rekrutierung manchmal schwierig aufgrund von Ausschlusskriterien notwendige/mögliche Anzahl von Teilnehmern aufgrund Studiendesign? Kontrollgruppe?

Arten von Kontrollgruppen in der Psychotherapieforschung No-treatment control KG erhält keine Behandlung, es werden nur Messungen im gleichen zeitlichen Abstand wie bei der EG vorgenommen Warte-Kontrollgruppe KG erhält Behandlung erst nach Abschluss der Erhebung

Arten von Kontrollgruppen in der Psychotherapieforschung Placebo-KG KG bekommt unspezifische Intervention, die allen Therapien gemeinsame Faktoren enthält (Kontakt zum Therapeuten, Aufmerksamkeit durch den Therapeuten) Standard Treatment -KG KG bekommt die Behandlung, die für ein bestimmtes Störungsbild Standard ist

Fazit sorgfältige Planung von Erhebung und Stichprobenziehung notwendig mögliche Einflussfaktoren beachten und, sofern sie sich nicht ausschalten lassen, ggf. diskutieren

Übungsfragen 1. Was versteht man unter probabilistischen Stichproben und welche Arten von probabilistischen Stichproben lassen sich unterscheiden? 2. Welche Arten von Kontrollgruppen gibt es in der klinischen Forschung? 3. Was kann man mit einer Placebo-Kontrollgruppe kontrollieren, was mit einer Warte-Kontrollgruppe?

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Prüfungsliteratur Berking, M., & Rief, W. (2012). Klinische Psychologie und Psychotherapie für Bachelor. Band II Therapieverfahren. Heidelberg: Springer-Verlag Kap. 15.2.2 Bortz, J., & Schuster, C. (2010). Statistik für Human-und Sozialwissenschaftler. 7. Auflage. Heidelberg: Springer- Verlag Kap. 6.1 komplett

Literatur Berking, M., & Rief, W. (2012). Klinische Psychologie und Psychotherapie für Bachelor. Band II Therapieverfahren. Heidelberg: Springer-Verlag Bortz, J., & Döring, N. (2016). Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften. 5. Auflage. Heidelberg: Springer-Verlag Bortz, J., & Schuster, C. (2010). Statistik für Human-und Sozialwissenschaftler.7. Auflage. Heidelberg: Springer-Verlag. Eid, M., Gollwitzer, M., & Schmitt, M. (2010). Statistik und Forschungsmethoden. Weinheim: Beltz Verlag Hussy, W., Schreier, M., & Echterhoff, G. (2010). Forschungsmethoden in Psychologie und Sozialwissenschaften-für Bachelor. Springer-Verlag. Möller, H. Laux, G., & Kapfhammer, H. (2008): Psychiatrie und Psychotherapie. Heidelberg: Springer-Verlag Renner, K. H., Heydasch, T., & Ströhlein, G. (2012). Forschungsmethoden der Psychologie. Von der Fragestellung zur Präsentation. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften Wittchen, H. U., & Hoyer, J. (Eds.). (2011). Klinische Psychologie & Psychotherapie (Lehrbuch mit Online-Materialien). Springer-Verlag.