Phytophthora Krankheit

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Transkript:

Phytophthora Krankheit

Einleitung: der Name Phytophthora kommt aus dem Griechischen und bedeutet Pflanzenzerstörer die Gattung kommt weltweit vor und ist ein wichtiges Gehölzpathogen (Krankheitskeim) /aggressiver Primärparasit bisher sind ca. 90 verschiedene Arten bekannt befallen werden Bäume, Sträucher und krautige Pflanzen (Kraut und Knollenfäule bei Kartoffeln) Phytophthora kann bei Pflanzen einen epidemieartigen Krankheitsverlauf auslösen

Biologie: der pilzähnliche Organismus ist jedoch systematisch nicht mehr den Pilzen zuzuordnen er wurde früher den niederen Pilzen zugeordnet jedoch wird er heute dem Reich der Chromista und den Oomyzeten (Algenpilze) zugeteilt Unterschiede zwischen: Merkmale Oomyzeten (Phytophthora) Pilzen Zellwende der Hyphen Zellulose Chitin Hyphen keine septierte septierte Zoosporen begeißelt keine Geißeln Überdauerung im Boden durch Oosporen durch Sporen

Phytophthora ist sehr anpassungsfähig einzelne Arten können sich untereinander kreuzen können sich rasch auf neue Gegebenheiten einstellen damit können neue Arten und auch neue Krankheitsverläufe entstehen einige Arten sind auf einen Wirt spezialisiert andere haben verschiedene Wirte Phytophthora kann im Wald, freie Landschaft, Städte, Parkanlagen, Auegebiete und Baumschulen auftreten durch bewegliche Geißeln kann der Erreger aktiv zu den Feinwurzel schwimmen und über diese eindringen

Schadbild: Schäden können an Blättern, Ästen, Stämmen und Feinwurzeln auftreten vorzeitiger Blattverlust bei der Phytophthora wird auch von der Wurzelhals oder Kragenfäule gesprochen, dabei wird aber keine Fäule im Holzkörper verursacht

zunächst keine Beeinträchtigung der Stand und Bruchsicherheit anfällige Baumarten: Aesculus, Alnus, Fagus, Quercus und Malus nicht anfällige Baumarten: Fraxinus, Salix, Populus und Acer

Auswirkung fast immer tödlich Gegenmaßnahmen und Vermeidung: Auswahl geeigneter Baumarten geeignete Bedingungen für die Bäume schaffen (z.b. Düngung, Wässerung, keine Verdichtungen..) bei Jungbäumen diese in geeignete Böden pflanzen geeignete Standortbedingungen werden befallene Bäume gefällt Holz und Häcksel entfernen, dieses nicht in gesunde Bestände einbringen Neuanpflanzung in einem befallenen Bestand immer umfangreich Bodenaustausch vornehmen.

Ausblick: Phytophthora wurde in den letzten Jahren häufiger diagnostiziert Ursachen dafür Zunahme extremer Wetterereignisse weltweiter Pflanzenhandel Diagnosemethoden wurden deutlich verbessert Verwechslungsgefahr: mit der Pseudomonas Rindenkrankheit bei Rosskastanien Sicherheit nur bei Laboruntersuchung

Phytophthora an Erlen Erreger Phytophthora alni erster Nachweis 1993 in Großbritannien danach in anderen EU Ländern nachgewiesen in Deutschland ab 1998 meistens an Fließgewässern zu beobachten abgestorbene Rindenbereiche am Stammfuß bis 80 cm Höhe 60 % der Bäume weisen Leckstellen auf infizierte Bäume sterben nicht gleich ab bei langjährigen Krankheitsverlauf es treten Sekundärschäden auf (z.b. Austernseitling, Erlenschillerporling) Erreger hat nicht alle Erlen getötet offenbar natürliche Resistenz

Phytophthora an Buchen Erreger Phytophthora cambivora und P. plurivora infizierte Bäume werden erst an den Wurzeln befallen am Wurzelhals aufsteigend sind Rinden und Kambiumnekrosen sichtbar abgestorbenen Rindenbereiche meistens bis ca. 2 m Höhe im Einzelfall bis 7 m Höhe Schadsymptome wie bereits genannt Krankheit kommt in ganz Deutschland vor bei langjährigen Krankheitsverlauf (latent) treten Sekundärschäden auf (z.b. Brantkrustenpilz, Hallimasch) gelegentlich auch Schäden am Stamm in 16 m Höhe vermutlich wurde der Erreger durch Schnecken dahin transportiert

im Stadtbereich tritt die Krankheit durch hohen ph Wert im Boden an den Buchen auf im Forstbereich tritt die Krankheit auf neutralen bis basischen Böden auf bei Buchen kann die Phytophthora mit dem Brantkrustenpilz verwechselt werden Befallsfreiheit bei Buchen durch relativ trockene Standorte

Phytophthora an Rosskastanie Erreger Phytophthora cactorum und P. plurivora erster Nachweis 1970 in Großbritannien in Deutschland ab 1990 abgestorbene Rindenbereiche am Stammfuß 2 m selten bis 4 m Höhe wird die nekrotische Rinde entfernt, wird eine marmorierte Fläche sichtbar, diese ist scharf gegen das gesunde Gewebe abgegrenzt typischer Befallsverlauf und Symptome Befall vorrangig auf nassen Böden und Gewässernähe Verwechselungsmöglichkeit mit Pseudomonas Krankheit