Ergebnisse aus dem Forschungsvorhaben Risikomanagement für Wasserschutzgebiete



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Transkript:

40 LW-Schriftenreihe 2013 Beitrag 4 Ergebnisse aus dem Forschungsvorhaben Risikomanagement für Wasserschutzgebiete Dipl.-Ing. Tobias Bunk, Dr.-Ing. Martin Emmert, Prof. Dr.-Ing. Frieder Haakh Kurzfassung Für das Risikomanagement in Wasserschutzgebieten werden zwei Verfahren zur systematischen Risikoabschätzung vorgestellt. Im qualitativen Ansatz werden Risiken systematisch, sektorenweise und relativ zueinander bewertet. Dieses Verfahren ist einfach, vermindert die Komplexität der Aufgabe deutlich und führt zu den Top-Risiken als Basis für Managementmaßnahmen. Im quantitativen Ansatz werden auf Basis physikalischer Zusammenhänge Modellrechnungen zum möglichen Schadstofftransport durchgeführt und die Beeinträchtigung der Rohwasserqualität quantifiziert. Der Beitrag stellt die Ergebnisse des DVGW-Forschungsvorhabens Risikomanagement für Wasserschutzgebiete vor. Summary For the risk management in well head protection areas two approaches for a systematic risk assessment are introduced. The qualitative approach assesses risks systematically, sector wise and relatively to each other. This process is easy, reduces the complexity of the task significantly and leads to the Top-Risks as basis for management measures. In the quantitative approach model calculations on the basis of physical processes are performed for the potential contaminant transport, thus the adverse effect on the raw water quality is quantified. This paper presents the results of the DVGW - research and development project Risk management for well head protection areas. 1 Einleitung asierten und prozessorientierten Managements im Überblick (DVGW-Hinweis W 1001 [5]) Beschreibung des Versorgungssystems Wasserschutzgebiete dienen dazu, Gewässer im Interesse der derzeit bestehenden oder künftigen öffentlichen Wasserversorgung vor nachteiligen Einwirkungen zu schützen [1]. Sie sind damit der erste und wichtigste Baustein des Multi- Barrieren-Prinzips der Trinkwasserversorgung. Dies setzt sich aus dem konsequenten Schutz der Trinkwasserressourcen, der Trinkwasserversorgung und der Hausinstallation zu einem integralen Schutzkonzept zusammen [2]. Dabei ist das Wasserschutzgebiet im Unterschied zu Wassergewinnungs-, -aufbereitungs-, -förder-, -speicher- und -verteilanlagen und der Hausinstallation kein technisches, sondern ein natürliches System. Der Erkundungs- und Modellierungsaufwand, sowie der Unsicherheitsgrad sind damit meist wesentlich höher. Dies erschwert das Risikomanagement. Der vorliegende Beitrag stellt eine methodische Vorgehensweise im Kontext des DVGW-Hinweises W 1001 zum Risikomanagement in Wasserschutzgebieten vor und erläutert diese anhand von zwei unterschiedlichen Lösungsansätzen. Periodische Revision Dokumentation Bewertung des Versorgungsystems Gefährdungsanalyse Risikoabschätzung Risikobeherrschung Maßnahmen zur Risikoreduktion Eignung von Maßnahmen Betriebliche Überwachung von Maßnahmen Korrekturmaßnahmen Nachweis der Versorgungssicherheit (Verifizierung) Quelle: LW, verändert nach [5] Bild 1: Methode des risikobasierten und prozessorientierten Managements im Überblick (DVGW-Hinweis W 1001 [5]) 1.1 Wassergesetz und Technisches Regelwerk Der 24 (7) WG (Baden-Württemberg) [3] regelt: Die Unternehmen der öffentlichen Wasserversorgung wirken bei der Überwachung der Wasserschutzgebiete mit. Sie sind verpflichtet, die untere Wasserbehörde unverzüglich über Vorgänge zu unterrichten, die ein Eingreifen der Wasserbehörde erfordern können. Weiterhin fordert das DVGW-W 101 [4]: Bei der Erarbeitung der Schutzgebietsverordnung sind alle potenziellen Gefährdungen im Einzugsgebiet zu ermitteln und hinsichtlich ihres Gefährdungspotenzials zu bewerten. Sie sind je nach Schutzzone, Fließzeit des Grundwassers zur Wassergewinnungsanlage, bodenkundlichen und hydrogeologischen Verhältnissen unterschiedlich zu bewerten. Schließlich empfiehlt das W 1001 [5] die in Bild 1 dargestellte Methode des risikobasierten und prozessorientierten Managements (Risikomanagement). Damit sind einzelne Kom-

41 ponenten und Prozesse eines Risikomanagements umrissen, aber wie ist dies in der Praxis umzusetzen? 1.2 Das Risikomanagement sowie ZIEL- und IST-Zustand Um zu verstehen, was Risikomanagement bedeutet, ist zunächst der Begriff zu klären 1. Das DVGW W 1001 definiert Risiko als Kombination von Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß einer Gefährdung (im Versorgungssystem) [5] in Anlehnung an die klassische Definition von Schadenshöhe mal Eintrittswahrscheinlichkeit. Management ist die Umwandlung von Ressourcen in Nutzen (Peter F. Drucker, zitiert in [6]). Der Nutzen ist klar im wahrsten Sinn des Wortes, nämlich sauberes Rohwasser. Die Ressourcen stecken in Planung, Genehmigung, Überwachung und baulichen Maßnahmen zur Minderung von Schadenshöhe und Eintrittswahrscheinlichkeit. Die Kernfragen für ein Wasserversorgungsunternehmen sind hierbei: Welches sind die höchsten Risiken im Wasserschutzgebiet? Wie groß ist die Betroffenheit im Schadensfall? Welche Maßnahmen zur Risikobeherrschung gibt es? Bild 2 Schadensausmaß S, Eintrittswahrscheinlichkeit E und Risiko R... Schadenshöhe S sehr hoch hoch mittel gering sehr gering Ordinalskala S 5 4 3 2 1 unkritischer Bereich Linie gleichen Risikos sensibler Bereich Kritischer Bereich 1 2 3 4 5 gering mittel hoch sehr gering Eintrittswahrscheinlichkeit E sehr hoch Bild 2: Schadensausmaß S, Eintrittswahrscheinlichkeit E und Risiko R; Linien gleichen Risikos liegen auf der Hyperbel S = R/E; Für Risikoklassifizierungen können auch Ordinalskalen herangezogen werden. E Welche Verbesserungen das Risikomanagement für Wasserschutzgebiete bringen kann, zeigt die Tabelle 1. Der wesentliche Vorteil eines Risikomanagements besteht eben darin, dass die Top-Risiken bekannt und hierzu Managementmaßnahmen entwickelt sind. Tabelle 1: IST-Zustand und ZIEL-Zustand beim Risikomanagement für Wasserschutzgebiete IST-Zustand Einzelne Gefährdungsträger sind evtl. durch frühere Schadensfälle bekannt, jedoch ohne System abgelegt. Sachdaten, die die Gefährdungsträger charakterisieren sind nicht erfasst. Die hydrogeologische Erkenntnislage umfasst bestenfalls die Daten aus der WSG-Abgrenzung. Die größten Risiken ( Top-Risiken ) für das WVU sind unbekannt bzw. nicht systematisch ermittelt. Vorrangige Maßnahmen zur Risikobeherrschung sind zwar bekannt, werden aber aus mangelnder Kenntnis der Top-Risiken dort nicht angewandt. Die wasserrechtlichen Entscheidungen zu Vorhaben in Wasserschutzgebieten sind Einzelfallentscheidungen ohne einheitliche Risikoabschätzung und Risikobewertung. Das Grundwassermonitoring als Maßnahme der Risikobeherrschung ist nur im Einzelfall auf die Risiken im Schutzgebiet abgestimmt. Anfragen zur Neuaufnahme von Gefährdungsträgern in Wasserschutzgebieten werden ausschließlich auf Basis von Einzelentscheidungen bewertet. ZIEL-Zustand Im Rahmen einer systematischen Gefährdungsanalyse werden alle potentiellen Gefährdungsträger in ihrer Lage im Schutzgebiet erfasst (GIS-gestützt) und Gefährdungssektoren zugeordnet. Zusätzlich zu den Lageinformationen sind alle verfügbaren Sachdaten zu den jeweiligen Gefährdungsträgern abgelegt. Die Vulnerabilitätseigenschaften der Deckschichten im Wasserschutzgebiet und der Transfer der Gefährdung im Grundwasserleiter zur Rohwasserentnahmestelle sind bekannt. Die Top-Risiken in Wasserschutzgebieten wurden anhand einer einheitlichen Methode zur Risikoabschätzung ermittelt. Das Risikomanagement gibt Hinweise zu konkreten Maßnahmen zur Risikobeherrschung. WVU und Wasserwirtschaftsverwaltung arbeiten bei der Risikoabschätzung und Fortschreibung der Risikoinventarlisten eines WSG zusammen und entwickeln gemeinsam Prioritäten für Maßnahmen des Risikomanagements. Diese werden bei Genehmigungsverfahren in die Entscheidung mit einbezogen. Das Grundwassermonitoring orientiert sich am Gefährdungsinventar und stellt so sicher, dass die größten Risiken lückenlos überwacht werden. Entscheidungen zur Aufnahme neuer Risiken werden auf einer gesamteinheitlichen Risikoabschätzung unter Berücksichtigung der vorhandenen Gefährdungspotenziale getroffen. 2 Methodische Grundlagen Dem Risikomanagement im Wasserschutzgebiet kommt insofern eine besondere Bedeutung zu, als dass dieser Teilbereich des Multi-Barrieren-Systems der Wasserversorgung nicht in der Zuständigkeit der Wasserversorgungsunternehmen liegt, sondern i.d.r. der Unteren Wasserbehörden. Diese sind verantwortlich für die Rahmenbedingungen des Ressourcenschutzes und für die Umsetzung von Maßnahmen. Daher baut die im Folgenden erläuterte Methodik auf der idealerweise gemeinschaftlichen Bearbeitung der Prozesse auf. 1 Ein ausführliches Glossar findet sich im Forschungsbericht des F&E- Vorhabens Risikomanagement für Wasserschutzgebiete [14].

42 LW-Schriftenreihe 2013 Beitrag 4 Q 2.1 Beschreibung des Versorgungssystems Grundlage des Risikomanagements stellt die Beschreibung des Versorgungssystems dar. Im Ressourcenschutz umfasst das betrachtete Versorgungssystem in der Regel das Wasserschutzgebiet und das Aquifersystem bis zur Rohwasserentnahmestelle. Dort wo noch kein Wasserschutzgebiet nach DVGW W 101 (A) ausgewiesen wurde, ist das Einzugsgebiet der Grundwasserfassungen maßgebend. Dieser Teil des Versorgungssystems wird im Folgenden als Untersuchungsraum bezeichnet. 2.2 Bewertung des Versorgungssystems Bild 3: Beschreibung des Versorgungssystems der Untersuchungsraum 2.2.1 Gefährdungsanalyse Die wesentlichen Schritte zur Bewertung des Versorgungssystems sind die Gefährdungsanalyse sowie die Risikoabschätzung. Das Ziel der Gefährdungsanalyse ist die systematische Erfassung aller möglichen Gefährdungsträger im Untersuchungsraum. In diesem Schritt werden Gefährdungsträger mit ihrer Lage im Untersuchungsraum detailliert erfasst und beschrieben. Ob und welche Gefährdungsträger im späteren Bewertungsverfahren als signifikante Risiken identifiziert werden können, wird zu diesem Zeitpunkt nicht betrachtet. Als Ergebnis der Gefährdungsanalyse wird das Gefährdungsträgerinventar systematisch gelistet und umfasst sämtliche Gefährdungsträger sowie die ihnen zugeordneten Gefährdungen. Gefähr- Bild 4 Gefährdungsanalyse - Vorgehensweise dungsträger sind hier aktuelle und ehemalige Anlagen, Aktivitäten oder Nutzungen, aus denen eine Gefährdung hervorgehen kann. Aus einem Gefährdungsträger können mehrere Gefährdungen hervorgehen. Gefährdungsträger (Lagerhallen Industrie) Gefährdungsträger + = Gefährdungsträgerinventar (Landwirtschaftliche Betriebe) Gefährdungsanalyse Liste Gefährdungsträger 1 Gefährdung 1 Gefährdung 2.. Bild 4: Gefährdungsanalyse - Vorgehensweise Gefährdung (Gefahrstoff WGK 2) Gefährdung (Gefahrstoff WGK 1) Ereignis (Gebinde läuft aus) Q Gefährdung (Diesel) Gefährdung (Dünger) Gefährdung (PSM) Gefährdung (Gülle) Bild 5 Um nicht Äpfel mit Birnen (z.b. Regenüberlaufbecken mit VAwS-Anlagen 2 ) zu vergleichen ist es notwendig, das Gefährdungsinventar einzelnen Sektoren zuzuweisen (vgl. Bild 5). Darin finden sich dann Gefährdungsträger mit den einzelnen Gefährdungen. Diese sind mit spezifischen Beurteilungskriterien zum Schadensausmaß Gefährdungsanalyse zu bewerten. - Sektoren Hierzu werden Ordinalskalen sowohl für die Kriterien zur Schadenseinstufung (z.b. 500 t Gefahrstoff WGK 1) als auch zur Eintrittswahrscheinlichkeit verwendet. Bild 5: Gefährdungsanalyse Sektoren Gefährdungsträgerinventar Sektoren Industrie und Gewerbe Abwasserbeseitigung und Abwasseranlagen Abfallentsorgung und -verwertung Siedlung und Verkehr Eingriffe in den Untergrund Landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche und gärtnerische Nutzung Sonstige Nutzungen 2 Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen und über Fachbetriebe (Anlagenverordnung - VAwS) Gefährdungsträger

Schadensausmaß S Schadensausmaß S 43 Es empfiehlt sich die Systematik zur Gefährdungserfassung nach DVGW W 101 (A) Kap. 6 anzuwenden, die die Gefährdungsträger in Sektoren unterteilt. 2.2.2 Risikoabschätzung Die Risikoabschätzung umfasst die beiden Schritte der Risikoanalyse und der Risikobewertung. Bild 6 Schritt 1: Risikoanalyse Im ersten und Schritt Schritt, 2: Risikobewertung der Risikoanalyse, werden das potenzielle Schadensausmaß und die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Gefährdung analysiert. Aus der Betrachtung dieser beiden Parameter lassen sich in einem zweiten Schritt Gefährdungen hinsichtlich ihres Risikos bewerten. 5 Risikoanalyse 5 Risikobewertung Risiko sehr hoch hoch 4 3 Risiken 4 3 mittel gering sehr gering 2 2 1 1 2 3 4 5 Eintrittswahrscheinlichkeit E 1 1 2 3 4 5 Eintrittswahrscheinlichkeit E Bild 6: Schritt 1 - Risikoanalyse und Schritt 2 - Risikobewertung Um das Schadensausmaß für das Bewertungsziel Beeinträchtigung der Rohwasserqualität an der Rohwasserentnahmestelle bestimmen zu können, wird zunächst das Schadensaumaß am Ort des Ereignisses bestimmt und damit das Ausgangsrisiko. Durch die Berücksichtigung der gefährdungsübertragenden Eigenschaften der grundwasserüberdeckenden Schichten und des Grundwasserleiters Bild 7: Vorgehensweise Risikoabschätzung wird anschließend das Rohwasserrisiko am Brunnen bestimmt. Q Gefährdung (Gebinde läuft aus) + Ereignis (Gefahrstoff WGK 2) Schadensausmaß an der Rohwasserentnahmestelle (70 Tage Ausfallzeit) Risikoanalyse (Schadenshöhe, Eintrittswahrscheinlichkeit) Risikobewertung (gering/mittel/ hoch) determinierter Prozess Transport + Dispersion + Abbau + Retardation Beeinträchtigung der Rohwasserqualität (+ 30 mg/l) Beurteilungskriterien Grenzwertüberschreitung Dauer der Überschreitung... Schadenshöhe 5 4 3 2 Eintrittswahrscheinlichkeit (1 x in 15 Jahren) Rohwasserrisiko ( 20 mg Grenzwertüberschreitung für 70 Tage alle 15 Jahre ) 1 1 2 3 4 5 Eintrittswahrscheinlichkeit 15 a t Bewertungsziel Risikoabschätzung Bild 7: Vorgehensweise Risikoabschätzung Das Auslösen eines Schadensereignisses führt zu einem deterministischen Prozess im Untergrund. Über Verlagerungs- und Transportvorgänge wird die Gefährdung zur Rohwasserentnahmestelle übertragen und führt dort zu einer Beeinträchtigung der Rohwasserqualität. Anhand von Beurteilungskriterien wird das Schadensausmaß für das Rohwasser bestimmt und in Kombination mit der Eintrittswahrscheinlichkeit das Rohwasserrisiko. Im Anschluss an die Risikoanalyse, also die Analyse von Schadensausmaß und Eintrittswahrscheinlichkeit, wird das Risiko mithilfe von Matrizen bewertet. Dies kann je nach verwendetem Ansatz auf Basis einer kontinuierlichen quantitativen Skala erfolgen, oder mithilfe von qualitativen Einstufungen klassenbasiert durch-

44 LW-Schriftenreihe 2013 Beitrag 4 geführt werden. Je nachdem wie quantitative Ursache/Wirkungsbeziehungen und Eintrittswahrscheinlichkeiten mathematisch abbildbar sind, können die Risiken entsprechend berechnet werden (vgl. Bild 6). 2.3 Risikobeherrschung Je nach Vorgehensweise leiten sich schon über die Beschreibung der Gefährdungen oder der Schadensszenarien geeignete Ansatzpunkte für Maßnahmen zur Risikoreduktion ab. Diese Maßnahmen werden entsprechend dem Risiko der jeweiligen Gefährdung sektorenweise priorisiert. Für unterschiedliche Gefährdungen sind oftmals auch unterschiedliche Akteure identifizierbar, die aktiv in die Risikobeherrschung mit eingebunden werden müssen. Mögliche Akteure sind dabei zuvorderst die Behörden, sowie die Betreiber der risikobehafteten Anlagen und das Wasserversorgungsunternehmen selbst. Risikoreduzierende Maßnahmen können dabei auf unterschiedlichen Ebenen ansetzen (technisch, organisatorisch, ) und mit unterschiedlichen Zeithorizonten ihre Wirkung entfalten (langfristig, mittelfristig, kurzfristig). Ein wichtiger Bestandteil des Risikomanagements ist die sorgfältige Dokumentation und die regelmäßige Revision des Risikomanagements alle 3 bis 5 Jahre. 3 Umsetzung im Einzugsgebiet Burgberg 3.1 Qualitative Methode zur Risikoabschätzung Dieser Ansatz verfolgt das Ziel einer Risikoabschätzung durch ein qualitatives Verfahren. Qualitative Verfahren zeichnen sich dadurch aus, dass die zur Abschätzung notwendigen Kriterien auch auf Basis von Schätzwerten ermittelt werden können. Ergebnisse werden daher nicht mit einem absoluten Wert beziffert, sondern sind relativ zu anderen betrachteten Ergebnissen zu bewerten. 3.1.1 Bewertungsverfahren Das Verfahren zur Risikobewertung mit qualitativem Ansatz folgt dabei den oben beschriebenen methodischen Grundlagen. Allerdings werden im qualitativen Ansatz die Eingangsgrößen zur Ermittlung des Risikos über mehrere Stufen qualitativ ermittelt (vgl. Bild 8). Zunächst wird anhand von Beurteilungskriterien das Schadensausmaß am Ort des Ereignisses bzw. der Gefährdung ermittelt. Mittels Beurteilungskriterien werden hier Merkmale bewertet bzw. klassifiziert, die eine Gefährdung hinsichtlich ihres Schadenspotenzials für das Grundwasser beschreiben. Die Beurteilungskriterien werden nach Qualitäts- und Mengenkriterien unterschieden. Je nach Art der Gefährdung werden unterschiedliche Kriterien für die Bewertung herangezogen. In Tabelle 2 sind beispielhaft einige Arten von Gefährdungen sowie die jeweiligen Kriterien aufgelistet. Grundsätzlich sind nur solche Kriterien auszuwählen, deren Bewertung sich durch Maßnahmen auch verändern kann. Auch zur Beschreibung der Eintrittswahrscheinlichkeit werden Kriterien wie bspw. die Ereignishäufigkeit oder Sicherheitsmaßnahmen herangezogen. Je nach Merkmalsausprägung der einzelnen Kriterien werden Punkte zur Bewertung der Gefährdungen vergeben. Dabei kann die Einteilung der Bewertungsskala in beliebig viele Klassen vorgenommen werden, je nachdem, welchen Detaillierungsgrad die Datenlage zulässt.

45 Gefährdung Kriterienart Beispiel für Kriterium Heizöltank Qualität Wassergefährdungsklasse Menge Lagermenge Eintrittswahrscheinlichkeit Baujahr Regenüberlaufbecken Qualität Herkunft des Regenwassers Menge Überlaufmenge Bild 8 Verfahrensschritte zur Risikoabschätzung im qualitativen und quantitativen Ansatz Eintrittswahrscheinlichkeit Überlaufhäufigkeit Tabelle 2: Beurteilungskriterien Qualitativer Ansatz: Bewertung der Gefährdungen anhand von Beurteilungskriterien: Ereignishäufigkeit Sicherheitsmaßnahmen... Menge Qualität... Bewertung der Deckschichtvulnerabilität: Boden Ungesättigte Zone... Bewertung der Fließzeit zum Brunnen: Durchlässigkeit Potentialgradienten... Eintrittswahrscheinlichkeit, dass Schadstoff austritt Schadensausmaß an der Rohwasserentnahmestelle Risiko Quantitativer Ansatz: Erfassung der Gefährdungsszenarien: Ereignishäufigkeit Sicherheitsmaßnahmen... Menge Qualität Grenzwerte Berechnung der Durchbruchskurven je Gefährdung Brunnenvulnerabilitätskriterien Aus Strömungs- und Transportmodell: hydrogeologische und hydraulische Eigenschaften des Untergrunds, Strömungsfeld Eintrittswahrscheinlichkeit, dass Schadstoff austritt Schadensausmaß an der Rohwasserentnahmestelle Risiko Bild 8: Verfahrensschritte zur Risikoabschätzung im qualitativen und im quantitativen Ansatz Im nächsten Schritt wird die den Grundwasserkörper überdeckende Schicht bewertet. Der Begriff Deckschichtvulnerabilität beschreibt hierbei, wie empfindlich die grundwasserüberdeckenden Schichten, also Boden sowie ungesättigte Zone, gegen das Eindringen bzw. Durchdringen eines an der Oberfläche eingetragenen Schadstoffs sind. Somit hängt die Verletzlichkeit des Grundwasserleiters unmittelbar damit zusammen, wie verletzlich die darüber liegenden Deckschichten sind. Die Deckschichtvulnerabilität hängt u.a. von der Grundwasserneubildung, der Mächtigkeit und der nutzbaren Feldkapazität ab. Bei der Ermittlung und Bewertung der Schutzfunktion der Grundwasserüberdeckung sind die Kriterien nach DVGW W 101 (A) Kapitel 6 zu berücksichtigen. Bei der Bewertung der Deckschichten wird, analog zur Bewertung der Gefährdungen, eine Fläche, die eine geringe Deckschichtvulnerabilität aufweist, mit einer sehr geringen Punktzahl bewertet, Flächen mit hoher Deckschichtvulnerabilität erhalten eine hohe Punktzahl. Eine ausführliche Betrachtung der möglichen Verfahren zur qualitativen Bewertung der Deckschichtvulnerabilität ist in [7] nachzulesen.

46 LW-Schriftenreihe 2013 Beitrag 4 Als dritte Komponente zur Ermittlung der Schadenshöhe im Brunnen wird die Fließzeit vom Ort der Gefährdung bis zum Brunnen herangezogen. Die ermittelten Fließzeiten werden in Bereiche mit gleicher Fließzeit eingeteilt, so dass wiederum klassifiziert werden kann. Dies erfolgt je nach verfügbaren Daten sehr grob oder sehr detailliert. Im Idealfall liegen Informationen aus einem kalibrierten Strömungsmodell vor, die zur Abgrenzung der Fließzeitbereiche genutzt werden können. Aber auch bei geringerer Datenlage können Fließzeitbereiche anhand von hydraulischen Berechnungen über Grundwassergleichen oder analog zu den Schutzzonen nach DVGW W 101 (A) ermittelt werden. Grundsätzlich ist eine Einteilung in Bereiche nach dem Schema nah mittel fern sinnvoll. Einer qualitativen Bewertung der Fließzeit nach diesem Schema liegt die Annahme zugrunde, dass mit längerer Fließzeit auch verstärkt Abbau und Retardation sowie Dispersionsprozesse wirken können und so zu einer Abschwächung der Schadstofffahne führen. Daher werden Bereiche mit kurzer Fließzeit zum Brunnen mit einer hohen Punktzahl bewertet und Bereiche mit langer Fließzeit mit einer geringen Punktzahl. 3.1.2 Berechnungsverfahren Im Anschluss an die Bewertung der Beurteilungskriterien der Gefährdungen können die drei Größen Schadensausmaß am Ort des Ereignisses, Deckschichtvulnerabilität und Fließzeit zum Brunnen zum Schadensausmaß im Brunnen aggregiert werden. Dafür wird zunächst die Bewertung der Gefährdung nach Qualitäts- und Mengenkriterien zum Schadensausmaß am Ort der Gefährdung zusammengefasst. SA aode = Q i g i + M j g j (1) mit SA aode = Schadensausmaß am Ort des Ereignisses Q i = Punktzahl für Qualitätskriterien M i = Punktzahl für Mengenkriterien g i, g j = Gewichtungsfaktoren Die Gewichtungsfaktoren g i bzw. g j werden so gewählt, dass alle Kriterien adäquat gewichtet werden und die Summe aller Gewichtungsfaktoren 1 ergibt. Um eine adäquate Gewichtung zu erreichen, müssen alle Kriterien fachlich überprüft und über die Gewichtung Schwerpunkte gesetzt werden. Sowohl die Auswahl der Kriterien als auch die festgelegte Gewichtung müssen einer kritischen Überprüfung durch Dritte standhalten. Nachdem das Schadensausmaß am Ort des Ereignisses berechnet wurde, kann das Schadensausmaß im Rohwasser berechnet werden. SA Br = SA G DV F (2) mit SA Br = Schadensausmaß im Rohwasser SA aode = Schadensausmaß am Ort des Ereignisses DV = Punktzahl für Deckschichtvulnerabilität F = Punktzahl für Fließzeit zum Brunnen Das ermittelte Schadensausmaß im Rohwasser wird mit der Eintrittswahrscheinlichkeit zum Rohwasserrisiko verknüpft. Hierbei ist zu beachten, dass es sich aufgrund des qualitativen Charakters des Bewertungsverfahrens nur um eine sog. Risiko-Punktzahl handelt. Diese Punktzahl kann nicht als absoluter Wert betrachtet

47 werden, sondern ist vielmehr eine vergleichende Größe, die nur in Relation zu anderen ermittelten Risikozahlen im selben Sektor eine Aussagekraft besitzt. 3.1.3 Priorisierung Nach der Risikoabschätzung aller Gefährdungsträger im Einzugsgebiet, resultiert eine große Anzahl von bewerteten Risiken. Aufgrund der Unschärfe, die durch eine ordinale Bewertungsskala in die Bewertung mit einfließt, lassen sich die Risiken nicht mehr hinsichtlich des exakten Zahlenwerts voneinander unterscheiden. Vielmehr ist es sinnvoll, gewisse Risikobereiche, sog. Risikoklassen, zu definieren, in denen alle Gefährdungen gleichrangig behandelt werden. Dafür ist die in Bild 2 dargestellte Risikomatrix ein geeignetes Instrument. Mithilfe dieser Matrizen wird eine klare Abgrenzung einzelner Risikoklassen erreicht. Dadurch ergibt sich eine Anzahl an Risiken, die vorrangig angegangen werden müssen. 3.1.4 Risikobeherrschung Anhand der Beurteilungskriterien können gezielt Maßnahmen zu den Gefährdungsträgern abgeleitet werden, um so das Risiko für das Rohwasser zu minimieren. So können auch Maßnahmen vor der Durchführung mithilfe des qualitativen Ansatzes auf ihre Eignung hin überprüft werden. 3.1.5 Ergebnisse der Risikoabschätzung im qualitativen Ansatz Bild 9 Prozentuale Verteilung der Risikoklassen Die Ergebnisse des qualitativen Ansatzes im Einzugsgebiet Burgberg werden im Folgenden anhand des Sektors Abwasserbeseitigung und Abwasseranlagen erläutert. Anteil in % 70 60 50 Risikopunkte 40 30 20 10 0 0-5 5-10 10-15 Risikoklassen 15-20 20-25 Die Risikoabschätzung im Bereich Kanalnetz ergibt eine Verteilung von 3,8 bis 20 Risikopunkten, bei einer möglichen Höchstpunktzahl von 25 Risikopunkten. Bild 9 zeigt dabei die prozentuale Verteilung der verschiedenen Risikoklassen. Abwasserkanäle, die nicht hinsichtlich ihrer Zustandsklasse bewertet sind, wurden in dieser Betrachtung vernachlässigt. 0-5 5-10 10-15 15-20 20-25 Bild 9: Prozentuale Verteilung der Risikoklassen Einen besonderen Risikoschwerpunkt bildet dabei das Kanalnetz von Hürben. Vor allem die Schmutzwasserkanäle im Talbereich der Ortschaft sind als Risikoschwerpunkte zu nennen. Das lässt sich anhand der Beurteilungskriterien nachvollziehen: diese Kanalabschnitte führen ausschließlich Schmutzwasser. Weiterhin sind diese Kanalabschnitte als Hauptsammler in Richtung Kläranlage angeordnet und führen deshalb eine erhebliche Abwassermenge. Zudem liegen diese Kanalabschnitte in einem Bereich mit sehr hoher Deckschichtvulnerabilität und kurzer Fließzeit zum Brunnen. Die Risikoabschätzung der Regenwasserbehandlungsanlagen im Einzugsgebiet ist in Bild 10 dargestellt. Erkennbar ist, dass sich die Regenbehandlungsanlagen auf einem relativ niedrigen Risikoniveau befinden. Als die größten Risiken stellen sich

Schadensausmaß Schadensausmaß 48 LW-Schriftenreihe 2013 Beitrag 4 Bild 10a Ergebnis der Risikoabschätzung für Straßenabschnitte in der Risikomatrix hierbei zwei Regenüberlaufbecken in Dettingen und Heldenfingen heraus. Die verhältnismäßig höhere Risikoeinstufung resultiert aus einer hohen Entlastungshäufigkeit, sowie einer jeweils Bild 10b sehr Ergebnis der hohen Risikoabschätzung Ableitungsmenge. für Regenbehandlungsanalgen in der Risikomatrix (a) Landstraße Kreisstraße Autobahn (b) Regenbehandlungsanlage 5 5 4 4 3 3 2 2 Bild 10: Ergebnis der Risikoabschätzung für Straßenabschnitte (a) und Regenbehandlungsanlagen (b) in der Risikomatrix 1 1 2 3 4 5 Eintrittswahrscheinlichkeit 1 1 2 3 4 5 Eintrittswahrscheinlichkeit Im Sektor Verkehr werden sowohl Dauerbelastungen sowie Einzelbelastungen (z.b. aus Unfällen) betrachtet. Da bei der dauerhaften Emission von Schadstoffen sowohl die Verkehrsstärke als auch die Existenz einer Straßenentwässerung eine Rolle spielen, schneiden die stark frequentierten Land- und Kreisstraßen, die über keine Entwässerung verfügen, sehr schlecht ab. Die stark befahrene A 7 stellt trotz der relativ kurzen Fließzeit zum Brunnen ein eher untergeordnetes Risiko dar, da sie über eine durchgehende Entwässerung verfügt, und so kein Regenwasser seitlich der Autobahn versickert. Als größtes Risiko ergibt sich ein Straßenabschnitt der L 1079, der zwischen Dettingen und Hürben parallel zur A 7 verläuft. Die Beurteilungskriterien für diesen Straßenabschnitt lauten: (a) keine Entwässerung, (b) erhöhter Schwerlastverkehr, (c) sehr hohe Deckschichtvulnerabilität, (d) kurze Fließzeit zum Brunnen. Bei der Risikoabschätzung der Einzelbelastungen von Verkehrsflächen rücken vor allem Straßenabschnitte mit einem erhöhten Unfallaufkommen in den Fokus. Vor allem auf Strecken mit ungünstigem Ausbau (z.b. sehr kurvenreiche Strecken, schlechte Kurveneinsicht, ) und erhöhtem Schwerlastaufkommen kommt es in erhöhtem Maße zu Unfällen. Aus dem Risikodiagramm in Bild 10 wird deutlich, dass das Risiko abhängig vom Straßentyp steigt. Die Straßentypen Feldweg und Ortsstraße sind in der Grafik nicht aufgeführt, da für diese aufgrund der fehlenden Unfalldaten eine einheitliche Eintrittswahrscheinlichkeit angenommen wurde und eine Unterscheidung somit nur aufgrund des Schadensausmaßes möglich ist. Als größtes Risiko ergibt sich auch hier der Straßenabschnitt der L 1079 ( Mautausweichstrecke ). 3.1.6 Maßnahmen aus dem qualitativen Ansatz zur Risikobeherrschung Die vorbeugenden Managementmaßnahmen lassen sich oft aus den Beurteilungskriterien ableiten. Bei einem Straßenabschnitt, der aufgrund erhöhter Unfallzahlen, fehlender Entwässerung und fehlenden Sicherheitseinrichtungen in eine hohe Risikoklasse eingestuft wurde, ließe sich das Risiko verringern durch die Reduzierung des Schadensausmaßes (z. B. durch Errichten von Leitplanken, Ausbau nach RiSTWag 1 ) und der Eintrittswahrscheinlichkeit von Unfällen (z. B. durch Tempolimit, Radarkontrolle). 3.2 Quantitative Methode zur Risikoabschätzung 1 RiSTWag: Richtlinien für bautechnische Maßnahmen in Wasserschutzgebieten Im Gegensatz zum qualitativen Ansatz wird im quantitativen Ansatz die Risikoabschätzung auf Basis numerischer Berechnungen durchgeführt. Die Ergebnisse beruhen dabei nicht auf einer subjektiven qualitativen Bewertung auf ordinalen Skalen, sondern folgen dabei den physikalischen Zusammenhängen des Schadstofftransports im Untergrund.

49 Die einzelnen Verfahrensschritte, die zu einer Risikoabschätzung im quantitativen Ansatz führen, sind in Bild 8 dargestellt. Als grundlegende Voraussetzung muss dabei ein geeichtes Grundwasserströmungs- und Transportmodell vorliegen. Das Strömungsmodell stellt die Grundlage für die darauf aufgebaute Transportsimulation dar. Mit ihr wird zu jedem möglichen Ort einer Schadstoffeinleitung im Einzugsgebiet eines Brunnens die resultierende Konzentrationsverteilung (Durchbruchskurve) berechnet und ausgewertet. 3.2.1 Gefährdungsszenarien Die Berechnung möglicher Durchbruchskurven setzt die Kenntnis der notwendigen Eingangsgrößen voraus. Die Grundidee des quantitativen Ansatzes ist es, zu quantifizieren, welcher Schaden sich im Brunnen einstellen würde, wenn es am Standort der Gefährdung zu einem schadensauslösenden Ereignis, also einem Schadstoffeintritt in den Untergrund kommen würde. Dazu werden auf Grundlage der in der Gefährdungsanalyse ermittelten Daten Szenarien entwickelt. Während im qualitativen Ansatz zur Bewertung der Gefährdung Beurteilungskriterien herangezogen werden, wird im quantitativen Ansatz für jede Modellzelle eine Durchbruchskurve im Brunnen berechnet, die als Grundlage für die Beurteilung des Schadens dient [8, 9]. Zur Risikoabschätzung werden für alle Gefährdungen im Einzugsgebiet Szenarien entwickelt, für die folgende Angaben zu machen sind: Lage der Gefährdung im Einzugsgebiet Menge des ausgetretenen Schadstoffs Dauer der Schadstoffeinleitung Grenzwert des Schadstoffs Transporteigenschaften, wie Abbaukonstante und Retardationsfaktor Eintrittswahrscheinlichkeit des Ereignisses Anhand dieser Eingangsgrößen werden dann mittels Transportsimulation Durchbruchskurven berechnet. 3.2.2 Bestimmung des Schadensausmaßes mit Brunnenvulnerabilitätskriterien Diese Durchbruchskurven sind die Basis der quantitativen Risikoabschätzung. Bild 11 zeigt eine Durchbruchskurve im Brunnen, aus der die charakteristischen Kenngrößen, die Brunnenvulnerabilitätskriterien (Well Vulnerability Criteria) [10, 11], abgelesen werden. Der schadstoffabhängige Grenzwert c crit stellt hierbei einen festgelegten Schwellenwert dar, ab dessen Überschreiten der Brunnen nicht mehr ohne weiteres als Trinkwasserressource genutzt werden kann. Dabei können sowohl verbindliche Grenzwerte aus der Trinkwasserverordnung (TrinkwV), gesundheitliche Orientierungswerte (GOW) oder unternehmensspezifische Richtwerte herangezogen werden. Bild 11 Durchbruchskurve mit Brunnenvulnerabilitätskriterien c(t) c peak c crit t exp t react t peak t Bild 11: Durchbruchskurve mit Brunnenvulnerabilitätskriterien

50 LW-Schriftenreihe 2013 Beitrag 4 Die vier Brunnenvulnerabilitätskriterien sind: Maximalkonzentration im Brunnen (c peak ) Ankunftszeit der Maximalkonzentration (t peak ) Reaktionszeit bis zur Überschreitung des Schwellwerts (t react ) Dauer der Grenzwertüberschreitung (t exp ) Die Dauer der Grenzwertüberschreitung wird im weiteren Verlauf auch als Expositionszeit oder Brunnenausfallzeit bezeichnet. Nach den Vorgaben der TrinkwV ist es einem Wasserversorgungsunternehmen nicht gestattet, Trinkwasser mit Stoffkonzentrationen über dem Grenzwert abzugeben. Sobald eine durch eine Gefährdung verursachte Schadstoffeinleitung zu einer Grenzwertüberschreitung im Brunnen führt, kann dieser für die Dauer der Grenzwertüberschreitung für die Wasserversorgung nicht unmittelbar weiter verwendet werden. Der Brunnen muss für diesen Zeitraum außer Betrieb genommen oder das Wasser gemischt oder aufbereitet werden. Die Expositionszeit ist demnach ein Maß für den Schaden, der dem WVU bei einer Grenzwertüberschreitung entsteht. Im quantitativen Ansatz wird deshalb die Expositionszeit t exp als Größe für das Schadensausmaß im Rohwasser herangezogen. Denkbar wären auch weitere Definitionen des Schadensausmaßes im Rohwasser, die sich aus den anderen Brunnenvulnerabilitätskriterien oder deren Kombination ableiten lassen, wie bspw. eine Bewertung des Schadensausmaßes auf Basis der Spitzenkonzentration im Rohwasser im Sinne eines Gesundheitsrisikos für den Endverbraucher [12]. Um aus der Expositionszeit als Schadensausmaß ein Risiko berechnen zu können, muss die Eintrittswahrscheinlichkeit des Ereignisses (z.b. Unfallhäufigkeit im Referenzzeitraum) ermittelt werden. Da die Eintrittswahrscheinlichkeit für die Bestimmung des Risikos eine sensible Größe darstellt, wird eine Sensitivitätsanalyse mit Variation der Eintrittswahrscheinlichkeit in plausiblen Bandbreiten empfohlen. Das Risiko, das von einer Gefährdung für das Rohwasser ausgeht, wird im quantitativen Ansatz wie folgt berechnet. Da die Expositionszeit als Dauer in Tagen sowie die Eintrittswahrscheinlichkeit als Ereignisse pro Jahr angegeben werden, resultiert für das Risiko die Einheit Tage pro Jahr. Risiko [Tage/(Jahr)] = Expositionszeit [Tage] Eintrittswahrscheinlichkeit [1/(Jahr)] Mit anderen Worten bedeutet Risiko im quantitativen Ansatz die Anzahl an Tagen pro Jahr, an denen die Rohwasserressource nicht zur Trinkwassergewinnung zur Verfügung steht. Auch wenn der quantitative Ansatz aufgrund der Anwendung numerischer Methoden eine hohe Genauigkeit der Ergebnisse vermittelt, sollten diese stets im Hinblick auf die im Modell getroffenen Vereinfachungen und zugrundeliegenden Annahmen interpretiert werden. 3.2.3 Priorisierung Im Anschluss an die Berechnung der Risiken im quantitativen Ansatz werden die Risiken priorisiert, um im nächsten Schritt geeignete Maßnahmen zur Risikobeherrschung einzuleiten. Auch im quantitativen Ansatz ist es nicht sinnvoll, die ermittelten Risiken einfach ihrer Größe nach zu ordnen. Vielmehr sollte die Priorisierung der Risiken mit Hilfe einer Risikomatrix (siehe Bild 2) durchgeführt werden. Durch die Festlegung von Risikobereichen werden die Unsicherheiten der Berechnung berücksichtigt. Alle Risiken, die innerhalb eines definierten Risikobereiches der Risikomatrix liegen, werden gleichrangig behandelt. Mit dieser Information kann nun eine Gruppe von Gefährdungen mit dem größten Handlungsbedarf herausgestellt werden.

51 Bild 12 3.2.4 Ergebnisse der Risikoabschätzung im quantitativen Ansatz Die Ergebnisse des quantitativen Ansatzes im Einzugsgebiet Burgberg werden im Folgenden am Beispiel möglicher Verkehrsunfälle mit wassergefährdenden Stoffen im Gebiet veranschaulicht. Bei der Berechnung dieser Schadensfälle liegt die Annahme zugrunde, dass der austretende Schadstoff unverdünnt in den Untergrund gelangt. Dadurch werden in einem Schadensfall größere Mengen Schadstoff freigesetzt. So kommt es in diesem Sektor zu deutlichen Grenzwertüberschreitungen und Expositionszeiten von mehreren Jahren. Bild 12 zeigt zwei Durchbruchskurven für Unfallstandorte mit unterschiedlicher Fließzeit zum Brunnen. Als Schadensszenario wurde ein Verkehrsunfall mit Verlust von 10.000 Litern wasserge- DBK zweier Verkehrsunfälle fährdender Ladung, wie bspw. Heizöl, angenommen. Konzentration [mg/l] 0.08 t react,2 = 810 d c t react,1 = 170 d Peak = 0.071 mg/l 0.06 Kurze Fließzeit Lange Fließzeit Grenzwert 0.04 0.02 t exp,1 = 340 d c Peak = 0.017 mg/l c crit t exp,2 = 700 d 0 0 500 t erst 1000 1500 2000 2500 3000 Zeit [Tage] t Modal = t peak =263 d t peak = 1100 d Bild 12: Durchbruchskurven zweier Verkehrsunfälle in unterschiedlichem Fließzeitabstand zum Brunnen Deutlich wird, dass die Durchbruchskurve mit längerer Fließzeit bis zur Spitzenankunft stärkere Dispersionseffekte aufweist. Diese führen zu einer wesentlich geringeren Spitzenkonzentration, aber auch zu einer Verbreiterung der Kurve. Bild 13 zeigt die errechneten Expositionszeiten bei Verkehrsunfällen auf allen Straßen im Untersuchungsraum. Es wird deutlich, dass die Bereiche mit größter Expositionszeit und somit größtem Schadensausmaß für das Rohwasser nicht notwendigerweise in Brunnennähe liegen, sondern weiter entfernt davon. Bei einer alternativen Definition des Schadensausmaßes, bspw. über eine Kombination von Reaktionszeit bis zur Grenzwertüberschreitung und Spitzenkonzentration, würde sich die Lage der Bereiche hingegen umkehren. Bild 13 Expositionszeiten für die Unfälle im Straßenverkehr Bild 13: Expositionszeiten für Unfälle im Straßenverkehr im Untersuchungsraum 0 1 2 3 4 km N Expositionszeit Verkehr [d] 0 bis 500 500 bis 1000 1000 bis 2000 2000 bis 4000

52 LW-Schriftenreihe 2013 Beitrag 4 3.2.5 Maßnahmen aus dem quantitativen Ansatz zur Risikobeherrschung Aus dem quantitativen Ansatz lassen sich aus den Durchbruchskurven wertvolle Erkenntnisse zur Schadensabwehr nach Unfällen ableiten. So konnten erstmalig für alle Gefährdungen Erkenntnisse aus Unfallszenarien zu Erstankunft, Maximalkonzentration und Dauer der Grenzwertüberschreitung gewonnen werden. Dadurch können im Schadensfall im Wassergewinnungs- und Wasserwerksbetrieb gezielte Maßnahmen ergriffen werden. Es lassen sich damit Fragen beantworten, die das Krisenmanagement konkret unterstützen wie z.b. Wie geht man mit diesem Schadensszenario um? Können Abwehrbrunnen zur Schadensabwehr genutzt werden (pump & treat)? Wieviel Zeit bleibt zur Ergreifung von Maßnahmen? Wie muss das Monitoring aufgebaut werden? Bereiten der Schadstoff / die Maximalkonzentration Probleme in der Aufbereitung? Ist die Aufbereitungskapazität ausreichend? Wie lange fällt die Wassergewinnungsanlage aus? Wie kann die Wasserbereitstellung während der Zeit der Grenzwertüberschreitung sichergestellt werden? 4 Schlussfolgerungen Das Risikomanagement für Wasserschutzgebiete sollte ein selbstverständlicher Baustein im Rahmen des Multi-Barrieren-Prinzips werden. Der vorliegende Beitrag zeigt, wie die Komplexität der Aufgabe zum einen durch eine sektorenweise Analyse und eine relative Bewertung mit Ordinalskalen sowohl für die Schadenshöhe als auch die Eintrittswahrscheinlichkeit deutlich reduziert wird und zum anderen durch die numerische Simulation von Schadensfällen ein Verständnis für die Aquifereigenschaften und die mögliche Schadenswirkung von Gefährdungen entwickelt werden kann. Nach der Bestandsaufnahme von Gefährdungen für die einzelnen Sektoren kann mit den vorgestellten Werkzeugen das Risiko des Gefährdungsinventars bewertet werden. Ein wesentliches Ergebnis stellen die Top-Risiken dar, die es mit den entsprechenden Partnern im Wasserschutzgebiet zu reduzieren gilt und die Anlass geben, einen gemeinsamen PDCA-Prozess 3 zu starten. Gerade die Bestandsaufnahme und Bewertung der Gefährdungen muss als wesentlicher Prozess gesehen werden, da er das Bewusstsein für die Risiken im WSG schärft und auch die Schnittstelle zu WSG-Begehungen und dem Monitoring herstellt. Ein Weg zu einer integralen Betrachtung der Risiken in einem Wasserschutzgebiet eröffnet sich über die quantitative Risikoabschätzung auf Basis der Brunnenvulnerabilitätskriterien, die sich aus den Durchbruchskurven an der Rohwasserentnahmestelle ergeben. Anmerkung: Eine ausführlichere Darstellung der entwickelten Methoden und der Ergebnisse für das Einzugsgebiet Burgberg enthalten der Forschungsbericht des DVGW-F&E-Vorhabens Risikomanagement für Wasserschutzgebiete [13, 14], sowie die Diplomarbeit Quantitative Risikoabschätzung und Risikomanagement in einem Grundwassereinzugsgebiet am Beispiel Burgberg [9]. 3 PDCA-Prozess = Plan-Do- Check-Act = iterativer vierphasiger Problemlösungsprozess = kontinuierlicher Verbesserungsprozess Unser Dank gilt dem DVGW, der das Vorhaben finanziert hat, sowie den Unternehmen badenova AG & Co. KG, Hamburger Wasserwerke GmbH, Stadtwerke Düsseldorf AG, Gelsenwasser AG, dem TZW Karlsruhe, der Jungwissenschaftlergruppe Stochastische Modellierung von Hydrosystemen des Lehrstuhls für Hydromechanik und Hydrosystemmodellierung der Universität Stuttgart und den Vertretern des Ministeriums für Umwelt, Klima, und Energiewirtschaft Baden-Württemberg und des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz für die engagierte Teilnahme.

53 Literatur [1] Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushalts (Wasserhaushaltsgesetz) vom 31.07.2009, BGBl. I S. 2585 [2] Castell-Exner, C., Meyer, V.: Das Multi-Barrieren-Prinzip: Basis für eine sichere und nachhaltige Trinkwasserversorgung. In: DVGW energie wasser-praxis 2010, Nr. 11, S. 44-49 [3] Wassergesetz für Baden-Württemberg vom 20.01.2005, GBl. S. 219 [4] DVGW: Technische Regel Arbeitsblatt W 101, Richtlinien für Trinkwasserschutzgebiete, Teil 1: Schutzgebiete für Grundwasser, Bonn 2006 [5] DVGW: Technische Mitteilung Hinweis W 1001, Sicherheit in der Trinkwasserversorgung, Risikomanagement im Normalbetrieb, Bonn 2008 [6] Malik, F.: Führen, Leisten, Leben. Wirksames Management für eine neue Zeit, Frankfurt 2006 [7] Burkert, M.: Gefährdungsanalyse und Risikobewertung zum Schutz von Trinkwasservorkommen am Beispiel Burgberg. Diplomarbeit am Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft und Wasserrecycling des Instituts für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart, Dezember 2011 [8] Bunk, T.: Risikoanalyse für Wasserschutzgebiete am Beispiel Burgberg. Teilsystem Transport in der gesättigten Zone. Diplomarbeit am Lehrstuhl für Hydromechanik und Hydrosystemmodellierung des Instituts für Wasserbau der Universität Stuttgart, Juni 2011 [9] Pfaff, S.: Quantitative Risikoabschätzung und Risikomanagement in einem Grundwassereinzugsgebiet am Beispiel Burgberg. Diplomarbeit am Lehrstuhl für Hydromechanik und Hydrosystemmodellierung des Instituts für Wasserbau der Universität Stuttgart, Mai 2013 [10] Frind, E. O., Molson, J. W., Rudolph, D. L.: Well Vulnerability. A Quantitative Approach for Source Water Protection, in: Ground Water 44 (2006), Nr. 5, S. 732-742 [11] Enzenhöfer, R., Nowak, W. und R. Helmig: Probabilistic exposure risk assessment with advective-dispersive well vulnerability criteria. Advances in Water Resources 36 (2012) 121-132. doi:10.1016/j.advatres.2011.04.018 [12] Troldborg, M., Lemming, G., Binning, P. J., Tuxen, N., Bjerg, P. L.: Risk assessment and prioritisation of contaminated sites on the catchment scale, in: Journal of Contaminant Hydrology 101 (2008), S. 14-28 [13] Haakh, F., Emmert, M., Bunk, T. und S. Pfaff: Risikomanagement für Wasserschutzgebiete. In: DVGW energie wasser-praxis. Ausgabe 03/2013. S. 43-49 [14] F+E-Vorhaben Risikomanagement für Wasserschutzgebiete, bearbeitet vom Zweckverband Landeswasserversorgung unter Beteiligung von badenova AG & Co. KG, Gelsenwasser AG, Hamburger Wasserwerke GmbH, Stadtwerke Düsseldorf AG, des Lehrstuhls für Hydromechanik und Hydrosystemmodellierung am Institut für Wasserbau der Universität Stuttgart sowie des DVGW-Technologiezentrums Wasser Karlsruhe; Laufzeit vom 01.07.2011 bis 31.08.2013 [15] Sturm, S., Kiefer, J. (DVGW-Technologiezentrum Wasser, Karlsruhe): Risikomanagement im Ressourcenschutz. Fallbeispiel Risikoabschätzung für das WSG Dreisamtal (Freiburg-Ebnet), undatierte und unveröffentlichte Studie [16] Staben, N., Mälzer, H.-J., Hein, A.: Risikomanagement in Trinkwasserverteilungssystemen, gwf Wasser Abwasser 2010, Nr. 2, S. 190-197 [17] Kirch, P., M., Sailer, C., Lennartz, N.: Risiko- und Sicherheitsmanagement zum Schutz von Standorten der Trinkwasserversorgung, in: DVGW energie wasser-praxis 2011, Nr. 3, S. 28-31 [18] Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Methode für die Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz (Band 8 der Reihe Wissenschaftsforum), Bonn 2010