Strommarkt und Stromnetz Vortrag: Michael Dieringer Für: AK Wirtschaft Grüne Köln Datum: 07.09.2010 27.09.2010 1
Agenda 1. Strommarkt a) Strommarkt in Deutschland Zahlen und Fakten b) Marktstruktur und Liberalisierung c) Strommarkt in Europa 2. Volkswirtschaftliche Theorie a) Marktgleichgewicht und Oligopole b) Externe Effekte c) Öffentliche Güter Netze 3. Stromnetz a) Stromnetz in Deutschland Zahlen und Fakten b) Stichwort: Supergrid, Herausforderungen der Zukunft c) Offene Diskussion: Wie lässt sich ein europa-/weltweites (dauerhaft) funktionierendes Stromnetz aufbauen, dass Versorgungssicherheit und niedrige Preise garantiert? 27.09.2010 2
1. Strommarkt a) Strommarkt in Deutschland Zahlen und Fakten Die Preise für die eigentliche Energielieferung unterliegen dem Wettbewerb Die Preise für die Netznutzung unterliegen der Regulierung durch die Bundesnetzagentur (seit 2006) Der durchschnittliche Strompreis hat sich in Deutschland von 12,56 ct pro KwH (1997) auf 14,01 ct (2009) pro KwH erhöht. Das entspricht einer Steigerung von 11,5% 27.09.2010 3
1. Strommarkt 27.09.2010 4
Stromerzeugung und -verbrauch 27.09.2010 5
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1. Strommarkt a) Strommarkt in Deutschland Zahlen und Fakten Deutschland ist gleichzeitig Exportweltmeister (62,7 TwH)* und Importvizemeister (40,2 TwH)* Deutschland hat damit einen Nettostromexport von 22,5 TwH* das entspricht in etwa der Leistung der ältesten Atomkraftwerke in Deutschland 27.09.2010 7 * = Zahlen aus 2008
b) Marktstruktur und Liberalisierung Geschichte: Vor der Liberalisierung: Keine Möglichkeit den Stromanbieter zu wechseln Versorgung erfolgte größtenteils auf kommunaler Ebene durch Stadtwerke Rein staatliche Versorgungsaufgabe Liberalisierungsprozess: EU-Richtlinie von 1996 zur Etablierung eines europäischen Binnenmarktes für Strom und Gas Umsetzung in Deutschland zu 100 % im Jahr 1999 durch Reformierung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) Nach der Liberalisierung: Innerhalb von 2 Jahren traten ca. 100 Unternehmen in den Wettbewerb ein Der Strompreis für Haushaltskunden sank in den ersten 2 Jahren um ca. 10 % für Industriekunden um ca. 30 % In den nächsten Jahren gingen g die meisten der Stromunternehmen in Konkurs oder verschwanden vom Markt Bis 2005 wechselten nur 5 % der Deutschen den Stromanbieter In 7 Jahren ist der Strompreis um ca. 50 % gestiegen (Beispiel 3 Personen Haushalt mit 3.500 KwH im Jahr 2000 40,66 monatlich 2007 60,2 monatlich) 27.09.2010 8
b) Marktstruktur und Liberalisierung 4 Große Unternehmen teilen sich den Markt auf (Oligopol): E.on RWE Vattenfall EnBW Diese besitzen zum größten Teil auch das Stromnetz Sie haben die größte Marktmacht und können zu großen Teilen die Preise bestimmen 27.09.2010 9
c) Strommarkt in Europa Auch in anderen europäischen Ländern dominiert häufig ein oder wenige Unternehmen den Markt Besonders in Frankreich wo die EdF einen Marktanteil von 98 % besitzt (zum Vergleich die 4 großen deutschen Konzerne haben etwa einen Marktanteil von 70 %) Die Liberalisierung des Strommarktes führt vor allem zu Importen aus Frankreich (Kernenergie) und Polen (Kohlekraft) Fraglich ist ob das EEG vor dem Hintergrund einer europäischen Lösung Bestand haben kann 27.09.2010 10
c) Strommarkt in Europa Trotz des Eindrucks Europa hätte ein einheitliches Stromnetz ist die Versorgung national bis regional ausgerichtet Als Folge davon kommt es beim physischen h Transport von Strom zu sog. Flaschenhälsen 27.09.2010 11
c) Strommarkt in Europa Unsere europäischen Nachbarn: Italien setzt stark auf Stromimporte Die Schweiz importiert t günstigen Nachtstrom speichert ihn (Wasserpumpspeicher) und speist ihn zu Hauptlastzeiten wieder ins Netz ein Am weitesten t fortgeschritten ist der Stromhandel in Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark (sog. Nordpool) 400 Marktteilnehmer handeln an 20 Strombörsen oder bilateral Über zukünftige Lieferungen (ca. 1 Woche) werden Termingeschäfte abgeschlossen meist in Form von Derivaten (Futures, Optionen, Forward-Kontrakte, Swaps) 27.09.2010 12
2. Volkswirtschaftliche Theorie a) Marktgleichgewicht und Oligopole Preis Konsumentenrente Konsumentenrente und Produzentenrente sind gleich groß Angebot Marktgleichgewicht: Angebot = Nachfrage Produzentenrente Nachfrage Menge 27.09.2010 13
a) Marktgleichgewicht und Oligopole Kartell = Preisabsprachen Preis Konsumentenrente Angebot Konsumentenrente sinkt Produzentenrente steigt Es kommt zu Wohlfahrtsverlusten, weil weniger Produkte angeboten werden als eigentlich möglich wäre (höherer Preis verhindert, dass alle Konsumenten das Produkt kaufen) Wohlfahrtsverlust Produzentenrente Nachfrage Menge 27.09.2010 14
b) Externe Effekte Externe Effekte: Externe Effekte entstehen, wenn Handlungen die im monetären Sinn kostenlos sind, Einfluss auf andere haben Es gibt positive und negative Externe Effekte Negative Externe Effekte bezeichnen den kostenlosen Verbrauch von Gütern, die ansonsten der ganzen Gruppe zur Verfügung stehen würden (öffentliche Güter wie z. B. Umwelt) Folge: Maximaler Verbrauch Positive Externe Effekte bezeichnen die kostenlose Herstellung von Gütern, die anschließend der ganzen Gruppe zu Gute kommen Folge: Minimale Herstellung Beispiel: Luftverschmutzung (negativ), Einsatz in Gruppen (positiv), Verbrauch von öffentlichen Gütern (negativ), Einsparungen von öffentlichen Gütern (positiv) Externe Effekte können durch Einführung von Kosten internalisiert werden Grundsätzlich kann dies Staat oder auf bilateral geschehen Nachteil von bilateralen Verhandlungen: Hohe Transaktionskosten, d. h. großer Aufwand zum Vertragsabschluss 3 Möglichkeiten zur internalisierung externer Effekte durch den Staat: Steuern, Gesetzliche Auflagen, Verbote 27.09.2010 15
c) Netze öffentliche Güter Netze sind öffentliche Güter, d. h. grundsätzlich werden Netze vom Staat zur Verfügung gestellt Staat hat grundsätzlich Ziel der Versorgungssicherheit, d. h. die Investitionen müssen mindestens e s so hoch sein, dass es langfristig g nicht zu Ausfällen kommt und alle Einwohner mit Strom versorgt werden können Es besteht auch die Möglichkeit, dass Unternehmen Netze betreiben Unternehmen haben grundsätzlich das Ziel den Gewinn zu maximieren Das Netz wird als Mittel zum Zweck gesehen Strom zu verkaufen Investitionen in das Netz stellen positive externe Effekte dar (eigene Investitionen kommen nahezu ausschließlich anderen zu Gute) Das Unternehmen wird das Netz so betreiben, dass rentable Verträge bevorzugt bedient werden können Das Unternehmen wird das Netz nur so lange in Stand halten, wie es zum Verkauf des Stroms benötigt wird Das Unternehmen ist bestrebt den geringsten Preis anzubieten um im Wettbewerb Vorteile zu haben. Das Unternehmen wird das Netz so intensiv wie möglich ausnutzen (negativer externer Effekt) und anschließend verkaufen oder an den Staat zurück geben (wie im Moment auch zu sehen) Das Netz stellt eine hohe Markteintrittsbarriere dar, da es nicht ohne weiteres dupliziert werden kann und somit dem(n) Betreiber(n) eine Monopol-/ Oligopolstellung sichert 27.09.2010 16
3. Stromnetz a) Stromnetz in Deutschland Zahlen und Fakten Zurzeit sind diese vier Netzbetreiber in Deutschland: Amprion (vormals RWE Transportnetz Strom GmbH), umfasst heute das frühere Netz der RWE und der VEW, EnBW Transportnetze AG, umfasst das Netz der früheren Badenwerk AG und der EVS (Energie-Versorgung Schwaben AG), Transpower Stromübertragungs g GmbH (vormals E.ON Netz GmbH, jetzt im Besitz der niederländischen Tennet), umfasst heute das frühere Netz von PreussenElektra und der Bayernwerk AG, und 50Hertz Transmission (vormals Vattenfall Europe Transmission GmbH), umfasst heute das frühere Netz der VEAG, der BEWAG und der HEW. 27.09.2010 17
a) Stromnetz in Deutschland Zahlen und Fakten 27.09.2010 18
a) Stromnetz in Deutschland Zahlen und Fakten Die Bundesnetzagentur deutsche e Bundesbehörde (Regulierungsbehörde) Aufgabe: Aufrechterhaltung und Förderung des Wettbewerbs in so genannten Netzmärkten. Entstehung: Aus der Regulierung des Postund Telekommunikationswesens 2005 Übertragung der Zuständigkeit für die Energieregulierung (Strom und Gas) 27.09.2010 19
a) Stromnetz in Deutschland Zahlen und Fakten Die Bundesnetzagentur Teilt sich die Aufgaben mit den Bundesländern Unternehmen mit weniger als 100.000 Kunden und mit Versorgungsnetzen innerhalb der Landesgrenzen werden von den Landesbehörden reguliert Strom- und Gasnetzbetreiber erheben Entgelte für die Netznutzung zur Netzdurchleitung von den Netznutzern (Lieferanten, Industriekunden) erheben. 27.09.2010 20
a) Stromnetz in Deutschland Zahlen und Fakten Netznutzungsentgelt Alle Stromnetzbetreiber in Deutschland haben ihre jeweils gültigen Netznutzungsentgelte im Internet zu veröffentlichen Entsprechend dem neuen Energiewirtschaftsgesetz wird die Ermittlung der Netznutzungsentgelte t t in der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) geregelt Nach dem neuen Energiewirtschaftsgesetz g müssen die Netzbetreiber ihre Netznutzungsentgelte von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen (sensibler Bereich) Für Privathaushalte machen die Netznutzungsentgelte etwa ein Viertel des Strompreises aus. 27.09.2010 21
b) Supergrid Herausforderungen der Zukunft Der amerikanische Architekt und Designer Buckminster Fuller schlug 1981 ein globales Stromnetz vor, das ohne ausgedehnte Ozeanüberquerungen alle Kontinente verbinden würde. Im Jahr 2004 gab es Entwürfe eines Stromkabels, dass gleichzeitig Wasserstoff transportiert, der dann auch zur Kühlung dienen würden Im Juli 2006 begann die BOC Group aus New Jersey mit der Installation eines 350 Meter langen stickstoffgekühlten Kabels. Dieses soll bei einer Spannung von 34.500 Volt bis zu 48 Megawatt im Stromnetz von Albany (US-Bundesstaat New York) verkraften. In Europa ist das sog. Supernode zwischen Norwegen, Deutschland und UK geplant (Verbesserung Handel und Ausgleich von Verbrauchsschwankungen aus Windkraftenergie) Grundsätzliches Problem: Bei der Investition in Netze außerhalb des eigenen Landes kommt es zu positiven externen Effekten (alle anderen Staaten t profitieren), daher größte Wahrscheinlichkeit, h hk it dass es zu Verträgen zwischen wenigen Vertragspartnern kommt 27.09.2010 22
c) Offene Diskussion: Wie lässt sich ein europa-/weltweites (dauerhaft) funktionierendes Stromnetz aufbauen, dass Versorgungssicherheit g und niedrige Preise garantiert? 27.09.2010 23