Gerste. Roggen. Weizen. Triticale

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Transkript:

Amtlicher Pflanzenschutzdienst der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, SachsenAnhalt und Thüringen 2.4 Krankheiten Grundlagen der Behandlungsentscheidung: Erfolgreiche Maßnahmen gegen krankheiten sind von Erregerspektrum, Befallsdruck, aktuellen bzw. prognostizierten Witterungsbedingungen, Kenntnissen über Infektions und Epidemiebedingungen sowie einer exakten Diagnose abhängig. Fruchtfolge, Standortverhältnisse, Bodenbearbeitung, Sortenresistenzen, Aussaattermine und die Höhe der Stickstoffdüngung bestimmen maßgeblich das Befallsniveau. Ertragserwartung und arbeitswirtschaftliche Gesichtspunkte müssen ebenso berücksichtigt werden. Die richtige Beurteilung der Befallssituation auf dem Schlag ist unverzichtbar. Mit Entscheidungshilfen in Form von Bekämpfungsrichtwerten (Tab. 2.4.1) und computergestützten Prognosemodellen (Punkt 1.5) kann der Fungizideinsatz optimiert werden. Gleichzeitig stehen dem Landwirt aktuelle Warndienstinformationen zur Verfügung. Da die unteren, oft stärker befallenen Blattetagen über die Wintermonate meist absterben, werden Fungizidmaßnahmen vor dem Zweiknotenstadium (BBCH 32) nicht empfohlen. Die Krankheiten breiten sich nicht unbedingt auf den Neuzuwachs aus. Ab dem Stadium 32 sollen die oberen drei Blattetagen gesund erhalten werden. Mit Erreichen des BBCH 39 (Fahnenblatt voll entfaltet) genügt meist eine Einmalbehandlung. Diese hat sich unter den mitteldeutschen Anbaubedingungen in vielen Fällen gegenüber dem mehrmaligen Fungizideinsatz als effektiver erwiesen. Ausnahmen bilden Situationen mit einem erhöhten Infektionsrisiko z. B. für Halmbruchkrankheit, DTRBlattflecken oder Ährenfusariosen, die gegebenenfalls zusätzliche Maßnahmen erfordern. Für Fungizidanwendungen im Herbst gibt es keine Indikationen. Wirkungsweise und spektrum ausgewählter Fungizide sind der Tabelle 2.4.4 zu entnehmen. Über Aufwandmengenreduzierungen sollte stets schlagspezifisch befunden werden. Sie sind bei mehrmaligen Behandlungen, geringem Befallsdruck, in Gebieten mit Vorsommertrockenheit bzw. wenn keine lange Dauerwirkung gefordert ist, möglich. Aus resistenzstrategischen Gründen werden Aufwandmengen von Azolen unter 80 % der zugelassenen Menge nicht empfohlen. Auch strobilurinhaltige Präparate sollten keinesfalls unter 50 % der zugelassenen Aufwandmenge gesenkt werden. Für eine gute Dauerwirkung, z. B. bei Rostkrankheiten im, sind Aufwandmengen von 60 besser 80 % einzusetzen. Beachten Sie die Resistenzentwicklung. Neue Fungizide zur Saison 2013: Erstmals für die Saison 2013 stehen Präparate mit dem Wirkstoff Isopyrazam, einem weiteren Wirkstoff aus der Gruppe der Carboxamide, zur Verfügung. Bereits im Herbst 2012 wurde Bontima (Syngenta, 62,5 g/l Isopyrazam 187,5 g/l Cyprodinil) zur Anwendung in Wintergerste mit einer Aufwandmenge von l/ha zugelassen. Das Mittel wirkt gegen Zwergrost, Echten Mehltau, Netzfl ecken, Rhynchosporium und RamulariaBlattfl ecken. Weiterhin zugelassen werden soll das Fungizid Seguris (Syngenta, g/l Isopyrazam 90 g/l ). Das Mittel soll jedoch nur im Pack als Seguris Opti, einer Tankmischung aus Seguris ( g/l Isopyrazam 90 g/l ) und Amistar Opti (80 g/l Azoxystrobin 400 g/l Chlorthalonil) vertrieben bzw. angewendet werden. Die volle Aufwandmenge beträgt l/ha Seguris l/ha Amistar Opti. Beantragt ist die Zulassung gegen die wichtigen Blattkrankheitserreger in Winterweizen, Wintergerste, Winterroggen und Wintertriticale. Weiterhin wird die Zulassung des Fungizids Cherokee (Syngenta, 50 g/l Cyproconazol 62,5 g/l Propiconazol 375 g/l Chlorthalonil) für die Saison 2013 erwartet. Das Mittel kann mit einer maximalen Aufwandmenge von l/ha gegen Septoria tritici, DTR und Braunrost im Weizen, Ramularia und PLSFlecken in Gerste, Rhynchsporium und Braunrost im Roggen sowie Blattseptoria in Triticale eingesetzt werden. Bereits zugelassen wurde 2012 Ampera (Feinchemie, 133 g/l Tebuconazol 267 g/l Prochloraz). Neben der Indikation Standfestigkeit im Raps hat es in Weizen, Gerste, Roggen und Triticale gegen nahezu alle wichtigen Blattkrankheitserreger, im Weizen auch gegen Ährenfusariosen, eine Zulassung. Die Aufwandmenge beträgt l/ha. Ebenfalls schon während der letzten Saison wurde Epoxion Top (Feinchemie, 40 g/l 100 g/l Fenpropidin) mit einer Aufwandmenge von 2,5 l/ha gegen Echten Mehltau, Septoria tritici und Braunrost im Weizen zugelassen. Damit sind im weitere strobilurinfreie Fungizide verfügbar. In den Versuchen des amtlichen Dienstes der vergangenen Jahre schnitten die Mittel in Wirkungsgrad und Ertragseffekten gut bis sehr gut ab und sind mit den derzeitigen guten Standardvarianten vergleichbar. Tabelle 2.4.1: Bekämpfungsrichtwerte Krankheiten im Getr. art Gerste Roggen Weizen Krankheit Boniturobjekt BBCH* Bekämpfungsrichtwert (Befallshäufi gkeit) 37 51 60 % = 15 bef. Halme/Linie Echter Mehltau Zwergrost Rhynchosporium 3 obere Blätter 37 59 37 51 30 % = 8 bef. Halme/Linie 50 % = 13 bef. Halme/Linie Netzflecken 37 51 20 % = 5 bef. Halme/Linie Halmbruch 31 32 SIMCERC Prognose Echter Mehltau 33 51 60 % = 15 bef. Halme/Linie 30 % = 8 bef. Halme/Linie Braunrost 3 obere 39 60 Hybridroggen, LössStandorte ab BBCH 49: Blätter Befallsbeginn, erste Pusteln Rhynchosporium 33 55 50 % = 13 bef. Halme/Linie Halmbruch 31 32 SIMCERC Prognose Echter Mehltau 32 61 60 % = 15 bef. Halme/Linie 3 obere 30 % = 8 bef. Halme/Linie Braunrost Blätter 37 61 LössStandorte ab BBCH 51: erste Pusteln für gefährdete Lagen, anfällige Sorten SeptoriaArten 4 obere 32 37 30 % = 8 bef. Halme/Linie Blattbefall Blätter 39 61 10 % = 3 bef. Halme/Linie 510 % = 1 3 bef. Halme/Linie DTRBlattfl ecken 3 obere 32 61 bei Vorfrucht W.Weizen/pfluglos gilt Befallsbeginn Blätter Gelbrost 32 61 Auftreten erster Nester SeptoriaArten 4 obere 32 37 30 % = 8 bef. Halme/Linie Blattbefall Blätter 39 61 10 % = 3 bef. Halme/Linie Echter Mehltau 33 51 60 % = 15 bef. Halme/Linie 30 % = 8 bef. Halme/Linie Braunrost 3 obere 39 60 anfällige Sorten, LössStandorte ab BBCH 49: Blätter Befallsbeginn, erste Pusteln Gelbrost 32 61 Auftreten erster Nester Rhynchosporium 33 55 50 % = 13 bef. Halme/Linie Linienboniturmethode: auf mindestens 2 Linien/Schlag werden an 5 Punkten 5 Pfanzen bzw. Halme kontrolliert * Gefährdungszeitraum Triticale Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind die Gebrauchsanleitungen sowie die gesetzlichen Bestimmungen zum Anwender, Verbraucher und Umweltschutz zu beachten! 102 103

Amtlicher Pflanzenschutzdienst der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, SachsenAnhalt und Thüringen Tabelle 2.4.2: Stand der Entwicklung von Resistenzen gegenüber Fungiziden Einen Teil des Packangebots für das Jahr 2013 enthält Tabelle 2.4.5. Obwohl Packs preisgünstiger sind als die Einzelpräparate und die Pfl anzenschutzmittelfi r men damit auch auf Resistenzsituationen reagieren, wird die richtige und sinnvolle Auswahl der Präparate und Wirkstoffe, abgestimmt auf die Befallssituation, eher erschwert. Es besteht die Gefahr, dass mit den preisgünstigen Packs Fungizide eingekauft werden, die man entsprechend des Krankheitsbefalls gar nicht benötigt. Zu beachten ist, dass die Empfehlungen zum Packangebot bereits Aufwandmengenreduzierungen enthalten. Eine weitere Absenkung der Aufwandmenge führt oft nicht zum erwünschten Bekämpfungserfolg und selektiert außerdem eher Resistenzen bei den Fungiziden, als diesen entgegenzuwirken. Der Aviator Talius Pack wird beispielsweise bei vorhandenem Mehltaubefall nicht ohne Zumischung eines kurativen Mehltaupartners empfohlen. Hinweise zur Fungizidresistenz: Ohne Resistenzmanagement bei der Planung und Umsetzung der Fungizidstrategie im ist auf Dauer keine effektive Bekämpfung der Pilzpathogene mehr möglich. In Tabelle 2.4.2 ist die Resistenzentwicklung von krankheiten gegenüber fungiziden Wirkstoffen dargestellt. Bei den Strobilurinen besteht eine qualitative Resistenz, auch als Target Site Resistenz bezeichnet. Während sich die Mutation 43A deutlich mit Minderwirkungen im Bestand zeigt, ist dies bei der Mutation F129L (Netzflecken) noch nicht so deutlich. Es wurden allerdings bei einzelnen Feldproben mit Netzflecken 100 % resistente Isolate nachgewiesen. Hier zeigten sich dann auch Wirkungsprobleme im Bestand. Ebenfalls wurde die Mutation 43A bei allen Strobilurinwirkstoffen für Ramularia collo cygni nachgewiesen. Anhand sächsischer Untersuchungsergebnisse lässt sich auch das Shifting der Azole am Beispiel von gut erkennen. Um den gleichen Wirkungsgrad zu erzielen, war im Verlauf der Jahre eine höhere Aufwandmenge erforderlich. Auch Ergebnisse zu 2011 für Sachsen weisen einen Sensitivitätsverlust auf, der mit dem von vergleichbar ist. Die Resistenzgefährdung der Wirkstoffgruppe der Carboxamide wurde von der FRAC als mittel bis hoch gefährdet eingestuft. Fungizide mit SDHIWirkstoffen müssen daher genauso wie andere, gefährdete Wirkstoffgruppen (Azole, Strobilurine) in ein Resistenzmanagement eingebaut werden. Das bedeutet eine Anwendung dieser Wirkstoffgruppe nur in Kombination mit Wirkstoffen, die einen anderen Wirkungsmechanismus aufweisen (es dürfen keine Kreuzresistenzen vorliegen) entweder in Tankmischung mit anderen Fungiziden oder als Kombinationspräparat mit verschiedenen Wirkstoffen. Zur Verhinderung der Entwicklung von Fungizidresistenz wird eine Begren der Anwendung der neuen Carboxamide in einer Spritzfolge auf eine zung Behandlung empfohlen. Erste moderat angepasste Isolate wurden auch bei verschiedenen Mehltauwirkstoffen gefunden, wie Proquinazid und Metrafenone. Auch hier muss auf entsprechende Mischungspartner in der Mehltaubekämpfung geachtet werden. Da viele Wirkstoffe in mehreren Fungiziden enthalten sind (Tab. 2.4.3), gestaltet sich die richtige Mittelwahl hinsichtlich des AntiresistenzManagements durchaus schwierig. Der Landwirt muss mehr denn je auf die Wirkstoffzusammensetzung und gruppen bei der Auswahl der Fungizide in einer Behandlungsstrategie achten. Krankheit Getr. art Strobilurine* Azole** Proquinazid (Talius) Metrafenone (Flexity) Cyflufenamid (Vegas) SDHI s Mutation Resistenz Resistenz WW RRR [R] [R] E. Mehltau WG 43 A RR WT R S. tritici WW 43 A RRR S WW 43 A RRR DTR 37R/ WW F129L R Netzfl ecken WG F129L RR Ramularia WG/SG 43A RRR Braunrost Rhynchosporium RRR weit verbeitet, hoher Anteil resistenter Isolate, RR weit verbreitet, mittlerer Anteil resistenteter Isolate R weniger verbreitet, geringer Anteil resistenter Isolate, [R] erste angepasste Isolate keine resistenten bzw. angepassten Isolate; S sinkende Sensitivität durch Shifting * qualitative Resistenz (Target Site); ** quantitative Multiresistenz Tabelle 2.4.3: Fungizide nach Zugehörigkeit zu Wirkstoffen/gruppen WSG / FRAC Wirkstoff Fungizid Cyproconazol Alto 240 EC, Radius, Cherokee, Epoxion, Epoxion Top, Opus Top,, Diamant, Juwel Top, Champion,, Seguris Fluquinconazol Flamenco FS Azole Metconazol Caramba, Prochloraz Ampera, Cirkon, Flamenco FS, Mirage 45 EC, Sportak 45 EW Propiconazol Agent, Cherokee, Cirkon, Gladio, Taspa, Tilt 250 EC, Stratego, Classic,, Prosaro, Proline, Fandango, Aviator, Skyway Tebuconazol Ampera, Folicur, Gladio, Orius, Prosaro, Pronto Plus, Skyway Azoxystrobin Amistar, Amistar Opti Fluoxastrobin Fandango Strobilurine Kresoximmethyl Juwel, Juwel Top Picoxystrobin Acanto, Credo Pyraclostrobin Diamant Trifloxistrobin Stratego, Twist Bixafen Aviator,, Skyway Carboxamide Boscalid Champion Fluxapyroxad Isopyrazam Seguris, Bontima Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind die Gebrauchsanleitungen sowie die gesetzlichen Bestimmungen zum Anwender, Verbraucher und Umweltschutz zu beachten! 104 105

Amtlicher Pflanzenschutzdienst der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, SachsenAnhalt und Thüringen Hinweise zum AntiresistenzManagement: (Strobilurine, Carboxamide, Azole, Mehltauwirkstoffe, Kontaktwirkstoffe) Einhaltung aller acker und pflanzenbaulichen Faktoren zur Senkung des Infektionspotenzials Anbau wenig anfälliger Sorten Fungizideinsatz nach BRW und Entscheidungshilfen Wirkstoffe / Wirkstoffgruppen zielgerichtet, erregerbezogen einsetzen Wirkstoffkonzentrationen in Tankmischungen gut aufeinander abstimmen Aufwandmengen nicht zu stark senken (bei Azolen z. B. 80 %) Anzahl der Behandlungen auf ein Mindestmaß einschränken! Wirkstoffgruppenwechsel in Spritzfolgen vornehmen! Strobilurine im Weizen nur gegen Roste und nur einmal in einer Spritzfolge anwenden! Strobilurine in der Gerste gegen Zwergrost und Rhynchosporium gut wirksam; Wirkungsminderungen bei Netzflecken, Ramularia und Mehltau beachten Carboxamide nur einmal in einer Spritzfolge anwenden! Bekämpfung von Septoria tritici: Wirkstoffwechsel bei den Azolen in einer Spritzfolge bzw. Tankmischungen von Azolwirkstoffen. Die Wirkstoffe Proquinazid und Metrafenone nur mit einem weiteren Mehltaupartner einsetzen. Winterweizen Im Winterweizen ist in der Regel eine Fungizidapplikation erforderlich, bei erhöhtem Befallsdruck während der Schossphase bzw. in Risikosituationen für Ährenfusariosen auch zwei. Enge fruchtfolgen, die Vorverlagerung von Aussaatterminen, ungenügende Einarbeitung von Ernterückständen und die Sortenwahl bevorzugt nach Ertragskriterien und weniger nach der Krankheitstoleranz führten zu einer Erhöhung des Befallsdruckes, unter anderem bei Blattkrankheiten wie Septoria tritici und DTRBlattfl ecken in der frühen Schossphase. Ebenso kann das Infektionspotenzial von Halmbruch und Schwarzbeinigkeit ansteigen. Frühsaaten erfordern eine höhere Pfl anzenschutzintensität, die mit höhe Kosten verbunden sind! Im kostenbereinigten Erlös schneiden die Nor ren malsaaten oft besser ab. Aus phytosanitärer Sicht werden Aussaaten vor Ende September nicht empfohlen. Eine Halmbruchbekämpfung ist nur in wenigen Jahren und in bekannten Befallsgebieten (Vorgebirgslagen der Mittelgebirge, feuchte Witterung, milder Herbst/Winter) sinnvoll. Unter normalen Anbaubedingungen ist eine wirtschaftlich messbare Ertragsbeeinflussung selten gegeben. Stärker gefährdet sind Frühsaaten (Auflauf bis etwa 15.10.), anfällige Sorten (z. B. Adler, Akteur, Cubus, Impression, Julius, Kerubino, Kometus, Lear, Patras, Potenzial, Schamane, Toras, Zeppelin) und enge fruchtfolgen. Das Prognosemodell SIMCERC prognostiziert bei Erreichen des Zweiknotenstadiums (BBCH 32) den voraussichtlichen Endbefall durch Halmbruch (Pseudocercosporella herpotrichoides) in der Milchreife differenziert für sieben Aussaatterminklassen. Aus den SIMCERCErgebnissen kann die Notwendigkeit einer Halmbruchbekämpfung schlagspezifisch abgeschätzt werden. Das Prognosemodell ist unter der ISIPPlattform im Internet verfügbar (Punkt 1.5). Empfehlungen zur Halmbruchbekämpfung: Prognosemodell SIMCERC zur Bekämpfungsentscheidung nutzen. In Normalsaaten und unter normalen Infektionsbedingungen Maßnahme nur im Zusammenhang mit der Bekämpfung früher Blattkrankheiten durchführen. In Frühsaaten (Auflauf bis 15.10.), sehr engen fruchtfolgen und bei gleichzeitig extrem günstigen Infektionsbedingungen kann eine spezielle Halmbruchbekämpfung im BBCH 31/32 erforderlich sein. Danach ist bis BBCH 37 eine Wirkung, jedoch mit vermindertem Wirkungsgrad möglich. In Vorgebirgslagen ist das Halmbruchrisiko höher! Präparate: Classic l/ha, Champion l/ha, l/ha, Radius 1,2 kg/ha Echter Mehltau spielt in hoch bis mittelanfälligen Sorten wie z. B. Akteur, Kerubino, Famulus, Magister, Meister, Ritmo, Schamane, Toras eine größere Rolle. Der Befall wird durch dichte Bestände und ein hohes Stickstoffniveau gefördert. Die guten Sortenresistenzen sollten zur Reduzierung des Infektionspotenzials genutzt werden. Gegenüber den Strobilurinwirkstoffen gibt es resistente Isolate von Weizenmehltau. Das Resistenzniveau ist so hoch ausgeprägt, dass keine Wirkung der Strobilurine mehr gegeben ist. Der Einsatz eines speziellen Mehltaupräparates ist bei hohem Befall unumgänglich. Dafür stehen z. B. Talius, Vegas, Corbel und Zenit M zur Verfügung. Talius besitzt eine ausgezeichnete Dauerwirkung. Wegen des Nachweises von ersten angepassten Isolaten bei Weizen gegenüber dem Wirkstoff Proquinazid wird Talius nur in Tankmischung mit einem kurativ wirkenden Mehltaupartner empfohlen. Angepasste Isolate gibt es auch beim FlexityWirkstoff Metrafenone, weshalb das Mittel nicht mehr solo zur Anwendung empfohlen und vertrieben wird. Septoria tritici bestimmt oft den Behandlungstermin. In den mitteldeutschen Regionen ist allerdings nur in wenigen Jahren ein höheres Infektionspotenzial im Frühjahr vorhanden. Perioden der Vorsommertrockenheit führen oft zum Befallsstopp und mindern oder verzögern die Ausbreitung der Krankheit auf die oberen Blattetagen. Zu beachten ist allerdings die häufig sehr lange Latenzzeit, die in Abhängigkeit von der Witterung bis zu 28 Tage betragen kann. Sind Symptome auf den unteren Blättern vorhanden und herrschen ab BBCH 37/39 für den Pilz günstige Witterungsbedingungen vor, kann es zu Infektionen der oberen, ertragsbildenden Blattetagen kommen. Versuchsergebnisse der letzten Jahre belegen deutlich bessere Wirkungsgrade von Behandlungen während der Latenzphase. Als Faustzahl gilt ein Abstand von etwa 10 Tagen zu einem Infektionsereignis. Eine Entscheidungsunterstützung kann das Prognosemodell SEPTRI (www.isip.de) bieten, welches in Abhängigkeit von der Anfälligkeit der Sorte (3 Klassen), dem Aussaattermin und der Witterung individuelle Latenzzeit und Neuinfektionsereignisse auf den einzelnen Blattetagen berechnet. In den Bekämpfungsrichtwerten für Septoria sind die geschilderten Besonderheiten berücksichtigt, sie behalten daher ihre Gültigkeit. Die Nutzung des Prognosemodells SEPTRI, des SeptoriaTimers oder des Programms proplant zur Einschätzung des Infektionsverlaufes werden empfohlen. Der Warndienst ist zu beachten. Vor einer Behandlung gegen Septoria tritici ist jedoch unbedingt zu beach dass (anders als beim Braunrost!) die Ertragseffekte im Verhältnis zur ten, Stärke des Schadbildes relativ gering sind. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind die Gebrauchsanleitungen sowie die gesetzlichen Bestimmungen zum Anwender, Verbraucher und Umweltschutz zu beachten! 106 107

Tabelle 2.4.4: Amtlicher Pflanzenschutzdienst der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, SachsenAnhalt und Thüringen Fungizide im Tabelle 2.4.4: Fungizide im PSM Zulassung bis Wirkstoff Azole / azolhaltige Produkte Agent 12/2019 Alto 240 EC Ampera 12/2022 Capitan 12/2015 Caramba 12/2016 Cherokee Cirkon 12/2014 Epoxion 12/2021 Epoxion Top 12/2022 Flamenco FS 04/2013 Folicur 12/2020 Gladio 06/2013 Harvesan 12/2014 Classic 12/2022 Matador 12/2019 Propiconazol Fenpropidin WSG (g/kg o. l) 450 Zulassung G W R T AWM (l o. kg/ha) Hang Abstand (m) Gewässer ADM (%) 50 75 90 sonst. bußgeldbewehrte AWB 20 20 10 5 5 NT102 Cyproconazol 240 0,4 0 Prochloraz Tebuconazol Fenpropimorph Metrafenone 267 133 63 200 75 10 10 5 5 10 15 10 5 Flusilazol 250 0,8 0 5 5 Metconazol 60 0 5 5 5 Cyproconazol Propiconazol Chlorthalonil Propiconazol Prochloraz 50 63 375 90 400 0 5 20 5 5 Fenpropidin Fluquinconazol Prochloraz 40 100 54 174 Tebuconazol 250 Tebuconazol Propiconazol Fenpropidin Flusilazol Carbendazim Spiroxamine Tebuconazol Triadimenol 375 250 160 300 225 75 2,5 20 20 15 10 NW712 2,3 0 10 5 5 10 10 5 5 NT101 0,8 20 20 NW800 NZ107 0,8 0 5 20 20 15 15 10 10 5 5 PSM FRAC Einstufung Mirage 45 EC 2949 Prochloraz 450 1,2 5 10 5 5 Mirage 45 EC 12/2022 3259 19 Opus Top 84 Opus Top 10 20 15 10 5 2961 12/2017 Fenpropimorph 250 /G2 Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind die Gebrauchsanleitungen sowie die gesetzlichen Bestimmungen zum Anwender, Verbraucher und Umweltschutz zu beachten! 61 108 109 BBCH Halmbruch Mehltau Netzflecken Rhynchosporium Ramularia Roste Septoria tritici Sept. nodorum DTRBlattflecken Ährenfusarium/ Toxinminderung Azole / azolhaltige Produkte Agent /G2 2961 Alto 240 EC 31 61/69 17 Ampera 3061/69 /G2/U 2961 66 Capitan 2955 30 Caramba 29 61/69 40 Cherokee /M Cirkon Epoxion Epoxion Top /G2 Flamenco FS Folicur Gladio /G2 Harvesan /B1 Classic /G2 Matador 2961 2955 Kosten ( /ha) 31 3061/69 34 3061 2961/69 57 2949 50 2961/69 34 2961/69 27 2961 40 2955 2951 29 61/69 (64) 2961 26 34

Tabelle 2.4.4: Amtlicher Pflanzenschutzdienst der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, SachsenAnhalt und Thüringen Fungizide im Tabelle 2.4.4: Fungizide im PSM Zulassung bis Wirkstoff WSG (g/kg o. l) Orius 12/2020 Tebuconazol 200 12/2019 Proline Pronto Plus 12/2021 Prosaro 12/2020 Radius 12/2013 Sportak 45 EW 12/2016 Taspa Tilt 250 EC 12/2014 Metconazol 38 28 Zulassung G W R T AWM (l o. kg/ha) Hang Abstand (m) Gewässer ADM (%) 50 75 90 sonst. bußgeldbewehrte AWB 10 10 5 5 3,0 10 20 10 5 5 250 0,8 10 5 5 Tebuconazol Spiroxamine Tebuconazol Cyproconazol Cyprodinil 133 250 53 400 20 20 15 15 NT101 10 5 5 5 0 10 NT103 Prochloraz 450 10 10 5 5 Difenoconacol Propiconazol 250 250 0,5 0 10 5 5 Propiconazol 250 0,5 0 NT101 Strobilurine / strobilurinhaltige Produkte Acanto Picoxystrobin 250 12/2014 0 Amistar Azoxystrobin 250 06/2013 5 5 Amistar Opti Azoxystrobin 80 2,5 10 12/2016 Chlorthalonil 20 400 10 5 NG331 Credo Picoxystrobin 100 20 12/2013 Chlorthalonil 20 500 10 5 NG331 Diamant 12/2016 Fandango Juwel Top 12/2019 Pyraclostrobin Fenpropimorph Fluoxastrobin Kresoximmethyl Fenpropimorph 114 43 214 100 100 150 1,75 0 10 5 5 10 5 5 5 10 15 10 5 5 5 10 10 5 5 PSM FRAC Einstufung Orius Proline Pronto Plus /G2 Prosaro Radius /D1 Sportak 45 EW BBCH Halmbruch Mehltau Netzflecken Rhynchosporium Ramularia Roste Septoria tritici Sept. nodorum DTRBlattflecken Ährenfusarium/ Toxinminderung 3261/69 31 3261/69 26 29 61/69 65 29 61/69 57 29 61/69 37 29 61/69 51 2961 49 2961 20 Taspa 5161 29 Tilt 205 EC 2961 17 Strobilurine / strobilurinhaltige Produkte Acanto 2961 R R R! 48 Amistar 2959 R R R! 53 Amistar Opti 2961/69 /M 2949 R!!! 55 Credo 3161/69 /M 3151 R!!! 51 Diamant //G2 Fandango / Juwel Top //G2 2961!! 29 61/69 2961 57 Kosten ( /ha) Stratego 12/2014 Trifloxystrobin Propiconazol 188 15 10 5 5 0 0,8 10 5 5 Twist 12/2015 Trifloxystrobin 500 0,5 0 10 5 5 Stratego / Twist 3161! 56 R 45 2961 R R R! 49 Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind die Gebrauchsanleitungen sowie die gesetzlichen Bestimmungen zum Anwender, Verbraucher und Umweltschutz zu beachten! 110 111

Tabelle 2.4.4: Amtlicher Pflanzenschutzdienst der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, SachsenAnhalt und Thüringen Fungizide im Tabelle 2.4.4: Fungizide im PSM Zulassung bis Wirkstoff WSG (g/kg o. l) SDHI s / carboxamidhaltige Produkte 10/2014 Aviator 09/2013 Bontima 11/2015 Champion 12/2013 Seguris Fluxapyroxad Bixafen Isopyrazam Cyprodinil Boscalid Bixafen Spiroxamine Isopyrazam 63 63 75 150 63 188 233 67 50 100 250 90 Zulassung G W R T AWM (l o. kg/ha) Hang Abstand (m) Gewässer ADM (%) 50 75 90 sonst. bußgeldbewehrte AWB 20 5 5 5 5 0 5 5 10 15 10 5 5 10 5 20 20 15 15 PSM FRAC Einstufung BBCH Halmbruch Mehltau Netzflecken Rhynchosporium Ramularia Roste Septoria tritici Sept. nodorum DTRBlattflecken Ährenfusarium/ Toxinminderung SDHI s / carboxamidhaltige Produkte 2961/69 79 C2/ Aviator C2/ Bontima C2/D1 Champion C2/ C2//G2 Seguris C2/ 29 61/69 3059 2961 29 61/69 67 Kosten ( /ha) 64 51 Skyway 02/2015 Benzimidazole DONQ Bixafen Tebuconazol Thiophanatmethyl 75 100 100 20 10 5 5 704 1,1 10 20 10 5 5 Kontaktmittel Bravo 500 Chlorthalonil 500 10 15 12/2014 10 5 NG331 Dithane Neo Mancozeb 750 Tec 12/2014 0 15 10 5 5 NT103 MehltauSpezialfungizide Corbel Fenpropimorph 750 10 15 12/2017 5 Talius 1) Proquinazid 200 0,25 12/2022 0 5 5 Vegas Cyflufenamid 51 0,375 12/2020 0 Zenit M Fenpropidin 750 0,75 12/2017 0 15 15 10 10 NT 103 NG331: Die maximale Aufwandmenge von 2000g Chlorthalonil / ha und Jahr darf auch in Kombination mit anderen diesen Wirkstoff enthaltenen Mitteln nicht überschritten werden. 1) Talius: keine kurative Leistung, wirkt nur vorbeugend. Keine Anwendung von Talius ohne Zumischung eines kurativen Mehltaupartners wegen Resistenzgefahr! R = Resistenz vorhanden;! = wegen Resistenzgefahr keine SoloAnwendung des Mittels empfohlen Skyway C2/ 2961/69 66 53 Benzimidazole DONQ B1 6169 21 Kontaktmittel Bravo 500 M 2961 23 Dithane Neo Tec M 3061 20 MehltauSpezialfungizide Corbel G2 2961 34 Talius E1 2961 22 Vegas U 3059 31 Zenit M G2 2965 37 Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind die Gebrauchsanleitungen sowie die gesetzlichen Bestimmungen zum Anwender, Verbraucher und Umweltschutz zu beachten! 112 113

Tabelle 2.4.5: Amtlicher Pflanzenschutzdienst der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, SachsenAnhalt und Thüringen FungizidPacks im Tabelle 2.4.5: FungizidPacks im Pack Fungizide Empfohlene AWM (l o. kg/ha) Zulassung G W R T Hang Abstand (m) Gewässer ADM (%) 50 75 90 sonst. bußgeldbewehrte AWB Amistar Opti 1,8 NG331 Amistar Opti 20 20 Gladio Pack NW800 Gladio 0,6 NZ107 Amistar Opti Amistar Opti NG331 20 20 Prosaro Pack Prosaro Amistar Amistar 0,8 5 Alto Pack Alto 240 EC 0,4 5 Aviator Aviator 0,65 0,75 10 Duo Pack Fandango 0,65 0,75 5 5 5 Aviator Aviator 5 Talius Pack 1) Talius 0,2 5 5 Champion Champion 0,8 0,9 10 Diamant Diamant 0,8 0,9 10 5 5 Cirkon Bravo Cirkon 10 15 Pack Bravo 500 10 5 NG331 Cirkon Star Cirkon 0 Pack Twist 0,33 10 5 5 Cirkon Zenit M Cirkon 1,2 0 Pack Zenit M 0,5 0,6 15 15 10 10 Credo Opus Credo 20 20 Top Pack Opus Top 10 5 NG331 Fandango Fandango 0,65 0,75 20 20 Spezial Classic 0,65 0,75 15 15 Harvesan Harvesan 0,6 0 Acanto Pack Acanto 0,6 5 & 1,6 1,8 10 Diamant Pack Diamant 0,8 0,9 20 10 5 5 Pronto Plus Pronto Plus 0,75 20 20 Fandango Pack Fandango 0,75 15 15 NT101 QIN Pack Classic 20 20 DONQ 1,1 15 15 Seguris Opti Seguris Amistar Opti FRAC Einstufung /M /G2 /M5 C2/ / C2/ E1 C2/ //G2 M G2 /M /G2 / /G2 /B1 //G2 /G2 / /G2 B1 C2/ /M5 Halmbruch Mehltau Netzflecken Rhynchosporium Ramularia Roste Septoria tritici Sept. nodorum DTR Ährenfusarium/ Toxinminderung 63 57 6777 60 6573 3442! 51 3845 71 6372! 53 6067 54 66 Kosten ( /ha) 1) Talius: keine kurative Wirkung, wirkt nur vorbeugend. Keine Anwendung von Talius ohne Zumischung eines kurativen Mehltaupartners wegen Resistenzgefahr! Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind die Gebrauchsanleitungen sowie die gesetzlichen Bestimmungen zum Anwender, Verbraucher und Umweltschutz zu beachten! 114 115

Amtlicher Pflanzenschutzdienst der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, SachsenAnhalt und Thüringen Ein höherer Infektionsdruck wird in Frühsaaten, in Selbstfolgen von Weizen sowie bei Minimalbodenbearbeitung, überzogener NDüngung und in mittel bis höher anfälligen Sorten, wie Akteur, Arktis, Bussard, Chevalier, Cubus, Drifter, Florian, Genius, Hermann, JB Asano, Paroli, Potenzial beobachtet. Hinweise zur Bekämpfung von Septoria tritici: Vorrang haben ackerbauliche Maßnahmen zur Befallsreduzierung (Fruchtfolge, Sortenwahl, Bodenbearbeitung, Aussaattermine) Sorten mit guten Resistenzeigenschaften sind z. B.: Discus, Edgar, Famulus, Jenga, Julius, Kerobino, Kredo, Lear, Meister, Opal, Pamier, Tabasco. Bei hohem Befallsdruck sind die leistungsstärksten, kurativen Azolwirkstoffe anzuwenden:,, Fluquinconazol (, Aviator, Classic, Opus Top,, Champion,, Flamenco FS, Epoxion, Epoxion Top, Seguris) Wirkstoffgruppenwechsel bzw. Wirkstoffwechsel bei den Azolen in einer Spritzfolge oder Tankmischungen mit verschiedenen Azolwirkstoffen Zusatz eines Kontaktmittels Bravo 500 l/ha bzw. Dithane Neo Tec kg/ha bzw. die Anwendung von Carboxamiden (, Champion, Aviator,, Skyway, Seguris) oder die Anwendung prochlorazhaltiger Fungizide (Flamenco FS, Cirkon, Mirage 45 EC, Sportak 45 EW, Ampera) in der Schossphase (BBCH 3237) wird als wichtiger Antiresistenzbaustein für Flächen mit hohem Befallsdruck (Frühsaaten, Stoppelweizen, anfällige Sorten) empfohlen. Beispiele für FungizidStrategien mit einem Wirkstoffwechsel (insbesondere bei den Azolen): (Azol = fett, Strobilurin = kursiv, SDHI = unterstrichen; die dreimalige Anwendung wurde als Beispiel gewählt, sie ist nur in Ausnahmefällen notwendig!) Strobilurinfreie Varianten bei starkem Befallsdruck mit Septoria tritici: BBCH 3237 Flamenco FS Bravo o. Dithane Neo Tec (Fluquinconazol Prochloraz Chlorthalonil/Mancozeb); BBCH 3955 Aviator ( Bixafen); BBCH 6169 ( Metconazol) oder: BBCH 3237 Flamenco FS Bravo (Fluquinconazol Prochloraz Chlorthalonil); BBCH 3955 ( Fluxapyroxad) o. Seguris ( Isopyrazam) BBCH 6169 Prosaro ( Tebuconazol) Varianten mit Strobilurinen bei gleichzeitig hohem Braunrostbefall: BBCH 3237 ( Bixafen Spiroxamine); BBCH 3955 Flamenco FS Credo (Fluquinconazol Prochloraz Chlorthalonil Picoxystrobin); BBCH 6169 ( Metconazol) oder: BBCH 3237 Flamenco FS Bravo (Fluquinconazol Prochloraz Chlorthalonil); BBCH 3955 Diamant ( Metconazol Pyraclostrobin Fenpropimorph); oder Seguris Amistar Opti ( Isopyrazam Azoxystrobin Chlorthalonil) BBCH 61 69 Prosaro ( Tebuconazol) Der Anteil resistenter Isolate von Septoria tritici gegenüber Strobilurinen hat drastisch zugenommen, so dass von einem vollständigen Wirkungsverlust auszugehen ist. Deshalb werden Strobilurine gegen Septoria tritici nicht mehr empfohlen. Die Hauptlast der Krankheitsbekämpfung tragen die Azole sowie die Carboxamide. Bei beiden Wirkstoffgruppen ist eine Einordnung der Maßnahmen im Resistenzmanagement sehr wichtig (Shifting der Azole, mittel bis hohe Resistenzgefährdung der Carboxamide). Um eine zufriedenstellende Wirkung zu erzielen, sind AzolAufwandmengen von mindestens 80 % der zugelassenen Menge unerlässlich. Außerdem können Mischungen von gut wirksamen Azolen mit Prochloraz bzw. carboxamidhaltigen Mitteln sinnvoll sein. EUweite Untersuchungsergebnisse zu Septoria triticipopulationen weisen sehr unterschiedlich resistente Stämme auf. Diese zeigen eine differenzierte Empfindlichkeit im Hinblick auf die verschiedenen Azolwirkstoffe einschließlich Prochloraz. Mit Erscheinen des Fahnenblattes (BBCH 37) ist auf die Blatt und Spelzenbräune zu achten. Die Bedeutung von Septoria nodorum ist allerdings in den letzten Jahren stark rückläufi g. Die Krankheit tritt nur noch vereinzelt auf und wird zum Termin BBCH 39 bis 49 sehr gut erfasst. Die DTRBlattfleckenkrankheit ist in Regionen mit Stoppelweizenanbau ein wichtiger Ertrag beeinflussender Faktor. Nur auf solchen Flächen sind bei gleichzeitig anfälligen Sorten zusätzliche DTRBehandlungen spätestens in der Schossphase erforderlich. In normal bestelltem Winterweizen tritt DTR erst spät (ab BBCH 51 69) in Erscheinung. In diesem Stadium kann der Erreger unter günstigen Bedingungen binnen kurzer Zeit mehrere Blattetagen überspringen, wenn auch nur vereinzelt Symptome im unteren Bereich vorhanden waren. Kommt dann ein entsprechend wirksames Fungizid zum Einsatz, wird die Krankheit mit der späten Blatt bzw. Ährenbehandlung noch gut erfasst. Oft kommt es zu Verwechslungen mit sortenspezifischen, physiologisch bedingten Blattflecken. Zur sicheren Diagnose, sollten die Untersuchungseinrichtungen der Länder genutzt werden. Bei der DTRBekämpfung ist die geringe Kurativleistung der Präparate zu beachten. Die Anzahl von Isolaten mit starker Resistenzausprägung gegenüber Strobilurinen hat sich deutschlandweit erhöht. Bei hohem Befallsdruck muss mit Minderwirkungen gerechnet werden. Zur Bekämpfung der DTRBlattflecken eignen sich daher in Regionen mit vorliegenden Resistenznachweisen Azole und Carboxamide (Opus Top,, Epoxion, Epoxion Top, Classic, Taspa,, Aviator,, Skyway, Seguris). Braunrost hat in den vergangenen Jahren den Ertrag oft stark beeinfl usst. In hoch anfälligen Sorten (z. B. Adler, Akteur, Arktis, Bussard, Brilliant, Chevalier, Cubus, Dekan, Famulus, Impression, Magister, Paroli, Schamane, Skalmeje, Tommi, Türkis) ist eine gezielte Maßnahme mit speziellen gut wirksamen Rostpräparaten erforderlich. Veränderungen bei dem verantwortlichen Resistenzgen (Lr37) sind u. a. die Ursache für das anhaltende gestiegene Befallsniveau. Der Gelbrost erlangt nur in wenigen Jahren größere ertragsrelevante Bedeutung. Die Sorten Akteur, Jenga, Manager, Meister, Hermann, Primus sind vom Bundessortenamt mit einer höheren Anfälligkeit eingestuft. Gelbrost ist sofort bei Befallsbeginn auch im frühen Blattbereich zu behandeln. Zu beachten ist bei dieser Krankheit das zunächst nur nesterweise Auftreten. Intensive Bestandeskontrollen sind in anfälligen Sorten Wozu Strobilurine im Winterweizen? Strobilurinkombinationen sind nur noch bei der Behandlungsnotwendigkeit von Rosten sinnvoll einzusetzen. Hier besteht ein Wirkungsvorteil gegenüber einer Azolanwendung aufgrund der langen Dauerwirkung. Gleichwertig zu den Strobilurinen sind AzolCarboxamidKombinationen. Dieser Wirkungsvorteil ist in den mitteldeutschen Anbauregionen nicht automatisch in höheren Mehrerträgen gegenüber Fungizidstrategien ohne Strobilurine nachweisbar. Physiologische Ertragseffekte der Strobilurine sind schwer kalkulierbar. Sie wurden in mehrjährigen Versuchen der Pflanzenschutzdienste, besonders in Gebieten mit häufiger Vorsommertrockenheit, selten ermittelt. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind die Gebrauchsanleitungen sowie die gesetzlichen Bestimmungen zum Anwender, Verbraucher und Umweltschutz zu beachten! 116 117

Amtlicher Pflanzenschutzdienst der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, SachsenAnhalt und Thüringen unerlässlich! Auf ertragreichen Standorten sollte weiterhin die gute Dauerwirkung der Strobilurine genutzt werden. Wichtig ist der Einsatz einer für die Dauerwirkung benötigten hohen Aufwandmenge (mindestens 60 %, besser 80 % in einer Tankmischung). Auch einige Carboxamidfungizide zeigen hier ausgezeichnete Wirkungsstärken, wie z. B.. Für weniger ertragsstarke Regionen wie leichte DStandorte erfüllen auch Azolpräparate die Anforderungen. Resistenzen bei Rostkrankheiten sind in Deutschland nicht bekannt. In den Jahren 2010 bis 2012 wurden in einer Ringversuchsserie (9 bzw. 10 Versuche je Jahr) Fungizide mit verschiedenen Wirkstoffgruppen in einer einmaligen Behandlung gegenübergestellt. Getestet wurden z. B. Azolpräparate im Vergleich zu Kombinationen aus Azol Strobilurin; Azol Carboxamid sowie Azol Carboxamid Strobilurin. 2011 und 2012 kam auch das noch nicht zugelassene Solocarboxamid Vertisan zur Anwendung. Die Versuche wurden meist in blattanfälligen Sorten, wie Akteur, JB Asano, Drifter und Cubus durchgeführt. Wie die Abbildungen 2.4.1 und 2.4.2 zeigen, wurden bei einem mittleren bis hohem Befallsniveau von Septoria tritici und Braunrost 2011 710 dt/ha Mehrertrag erzielt, während sich die Ertragseffekte 2012 auf 69 dt/ha beliefen. Im Mittel aller Versuche 2010 bis 2012 wurden signifikante Mehrerträge der Fungizidmaßnahmen zur unbehandelten Kontrolle nachgewiesen. Gesicherte Unterschiede zwischen den Fungiziden mit verschiedenen Wirkstoffgruppen wurden nicht festgestellt, bis auf die stark befallenen Orte 2012 (Abb. 2.4.2). Hier schnitten die Präparate Ceriax und besser ab. Tendenziell zeigten in allen Versuchen die Carboxamide auch in Kombination mit Strobilurinen aufgrund ihrer sehr guten Wirkung gegenüber Septoria tritici und der langen Dauerwirkung gegen Braunrost Vorteile. Die neue Wirkstoffgruppe ist eine wichtige Bereicherung der Fungizidpalette, insbesondere im Hinblick auf das Resistenzmanagement. In den Ertragsleistungen bewegen sich die neuen Fungizide meistens auf der Höhe der bisherigen guten Standardpräparate. Für ein Resistenzmanagement ist es allerdings genauso wichtig, dass auch zukünftig carboxamidfreie Lösungen zur Verfügung stehen. 2010 und 2011 war das Infektionsrisiko für Ährenfusariosen gering. 2012 dagegen wurden in einigen Regionen besonders bei Risikoflächen wieder in mehr Proben höhere DONWerte über der gesetzlich festgelegten Höchstmenge von 1.250 μg/kg Erntegut ermittelt. Wegen des steigenden Anteils an Flächen, die nach gefährdenden Vorfrüchten (Mais, Winterweizen) stehen, besteht jedes Jahr in vielen Regionen ein erhöhtes Risiko. Aufgrund der Zunahme pfluglos bestellter Flächen verbleiben mehr infektionsförderliche Stoppelreste auf der Bodenoberfläche. Positiv ist, dass der Anbau hoch anfälliger Sorten rückläufig ist. Für unverarbeitetes Nahrungsgetreide gelten EUweite Mykotoxinhöchstmengen für die Fusariumtoxine Deoxynivalenol und Zearalenon. Zu beachten sind auch die Richt bzw. Orientierungswerte für Futtergetreide. Als justiziable Analysemethode der Mykotoxingehalte (DON, ZEA) gilt die HPLC (Flüssigchromatographie) beziehungsweise die Gaschromatographie. Die Begutachtung von partien durch visuelle Auszählung auffälliger Körner per Hand (rötliche Färbung, Kümmerkorn) kann mit einer hohen Fehlerquote behaftet sein. Aus mehrjährigen Ergebnissen der Länder lässt sich ableiten, dass Vorernteuntersuchungen für eine Voreinschätzung sehr gut Bekämpfung Braunrost / Septoria tritici Ertragseffekte 2011 Ringversuche n=6 SN, ST, TH (Versuche mit mittlerem bis hohem Befall) UK BBCH 75 83: 48 % BDG Braunrost, 18 % BDG Septoria tritici F bis F 2 Bekämpfung Braunrost / Septoria tritici Ertragseffekte 2012 Ringversuche n=4 SN, ST, BB (Versuche mit hohem Befall) UK BBCH 75 83: 14 % BDG Braunrost, 25 % BDG Septoria tritici F bis F2 Abbildung 2.4.1: Ertragseffekte von Fungiziden im Winterweizen 2011 Abbildung 2.4.2: Ertragseffekte von Fungiziden im Winterweizen 2012 CarboxamidFungizide:, Aviator, Ceriax, Seguris, Vertisan; nicht zugelassen: Ceriax, CarboxamidFungizide:, Aviator, Ceriax, Seguris, Vertisan; nicht zugelassen: Ceriax, Eleando, Orius Top, Seguris, Vertisan (Ringversuchsergebnisse der Bundesländer) Eleando, Seguris, Vertisan (Ringversuchsergebnisse der Bundesländer) Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind die Gebrauchsanleitungen sowie die gesetzlichen Bestimmungen zum Anwender, Verbraucher und Umweltschutz zu beachten! 118 119

Amtlicher Pflanzenschutzdienst der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, SachsenAnhalt und Thüringen geeignet sind. Zu beachten ist allerdings der hohe Einfluss des Probenahmeverfahrens. Die Proben müssen 7 bis 10 Tage vor der Ernte in einer repräsentativen Mischprobe gezogen werden. Ackerbauliche Maßnahmen zur Befallsreduzierung von Ährenfusariosen sind am wirkungsvollsten! Auf Mais und Weizenvorfrucht im Zusammenhang mit verminderter Bodenbearbeitung sollte verzichtet werden. Das gilt auch für den Anbau hochanfälliger Sorten. Kann aus Gründen des Erosionsschutzes auf eine pfl uglose Bestellung nicht verzichtet werden, sind Sorten mit geringer Fusariumanfälligkeit zu wählen, wie Toras, Akratos, Arktis, Bussard, Discus, Esket, Hermann, Impression, Magister, Pamier. Hinweise zum Fungizideinsatz gegen Ährenfusarium: Fungizidbehandlungen sind die letzte mögliche Maßnahme zur Minderung des Toxingehaltes im Erntegut auf dem Feld. Sie sollten Risikoflächen (Maisvorfrucht, nicht wendende Bodenbearbeitung, anfällige Sorten), bei gleichzeitigem Zusammentreffen infektionsfördernder Witterungsbedingungen zur Blüte, vorbehalten bleiben. Der Einsatz der vollen Aufwandmenge ist unbedingt erforderlich. Der optimale Anwendungstermin liegt 1 2 Tage vor bis 3 Tage nach einem Niederschlagsereignis im BBCH 61 bis 69, optimal zu BBCH 65. Präparate: 3,0 l/ha, Classic l/ha, Prosaro l/ha, Pronto Plus l/ha, Folicur l/ha, Caramba l/ha, DONQ 1,1 kg/ha Azolpartner Der Wirkungsgrad liegt bei 50 % bis maximal 80 %. Auch beim Einsatz des Pfl uges sind eine intensive Stoppelbearbeitung nach der Maisernte sowie das Häckseln von Körnermaisstroh zur Rotteförderung unverzichtbar. Die schlagbezogene NDüngung ist einzuhalten. Lagerndes ist zu vermeiden. Wenn keine Blütenbehandlung gegen Ährenfusariosen erfolgen soll, ist für Risikofl ächen der Einsatz von Strobilurinen und Carboxamiden ab dem Behandlungstermin BBCH 39 nicht anzuraten. In der Spritzfolgegestaltung sollte die erste Behandlung bis zum Fahnenblattschieben (BBCH 37) hinausgezögert werden, damit die Wirkungsdauer bis zur Anschlussbehandlung in der Blüte ausreicht. Jedes Abweichen von dieser Strategie reduziert den Behandlungserfolg. Empfehlungen zur Fungizidstrategie im Winterweizen sind der Abbildung 2.4.3 zu entnehmen. Empfehlung im Winterweizen 2013 (Angaben in kg, l/ha) * Fungizid noch nicht zugelassen Septoria tritici: Talius Talius 0,15 0,15 Aviator Aviator Mehltau Vegas Vegas 0,15 0,15 1,6 1,6 Zenit Zenit M 0,5 Flamenco 0,5 Flamenco FS FS Seguris Seguris * * Septoria tritici 1,6 1,6 Roste: und Mehltau Amistar Amistar od. od. Acanto Acanto 0,6 0,6 0,8 0,8 Opus Opus Top Top 1,2 1,6 1,6 1,2 od. od. 2,5 Champion 2,5 Champion Aviator Aviator Duo Duo 0,75 0,75 0,75 Flamenco 0,75 Septoria tritici Flamenco FS FS 1,8 1,8 Diamant Diamant 1,8 1,8 0,9 0,9 Seguris* Seguris* Amistar Amistar Opti Opti ( Skyway Skyway ( Kontaktmittel Kontaktmittel Prochloraz) Prochloraz) DTR: Fusarium: Halmbruch Taspa Taspa 0,5 0,5 Champion 3,0 3,0 und Champion Classic Classic Radius Classic Classic Septoria tritici Radius 1,2 1,2 Prosaro Prosaro Classic Classic od. od. Aviator Aviator DONQ DONQ 1,1 1,1 Azol Seguris Seguris * Azol BBCH 32 37 BBCH 39 61 BBCH 61 69 Abbildung 2.4.3: Empfehlungen zum Fungizideinsatz im Winterweizen Wintergerste In der Gerste sind die Blattkrankheitserreger Rhynchosporium, Netzflecken, Zwergrost oder Echter Mehltau von Bedeutung. Weiterhin kann Ramularia collocygni den Blattapparat stark schädigen. Diese Krankheit kann sich mitunter sehr schnell im Bestand ausbreiten und hohe Befallsstärken erreichen. Entscheidend für einen wirtschaftlich relevanten Schaden ist der Zeitpunkt der Ausbreitung im Bestand und auf die oberen Blattetagen. Ramularia tritt nicht in jedem Jahr in gleichem Ausmaß auf, sollte aber in der Bekämpfungsstrategie berücksichtigt werden. Weil das Ansprechen der Symptome auf dem Feld nicht immer einfach ist, sollten für eine sichere Diagnose die Untersuchungseinrichtungen der amtlichen Pflanzenschutzdienste genutzt werden. Wenig ertragsrelevant sind die PLSBlattflecken (unspezifische, nichtparasitäre Blattflecken). Sie sind genetisch bedingt und treten meist als Stressreaktion bei intensiver Sonneneinstrahlung auf, deutliche Sortenunterschiede sind vorhanden. In Wintergerste bringt im mitteldeutschen Anbaugebiet aus ökonomischer Sicht nur die Einmalbehandlung von Fungiziden im Stadium BBCH 37/39 49 signifikante Vorteile. Dies zeigen auch die Versuchsergebnisse der Pflanzenschutzdienste der letzten Jahre. Meist lagen die Mehrerträge von Doppelbehandlungen auf dem gleichen Niveau wie die der Einfachbehandlungen. Hinzu kommen die Jahresschwankungen beim Ertragszuwachs, die besonders die Gerste betreffen. So kam es in einer Reihe von Versuchen und Jahren selbst bei einer Maßnahme nur zu nicht kostendeckenden Mehrerträgen. Nur bei sehr starkem Ausgangsbefall ist es in Ausnahmefällen sinnvoll, mit einer reduzierten Aufwandmenge, den Befall in der Schossphase zu stoppen. Hierfür bieten sich Harvesan (0,6 l/ha) oder ( l/ha) gegen Rhynchosporium und Gladio (0,6 l/ha) bzw. Cirkon ( l/ha) gegen Netzflecken an. Bei einem Erregerkomplex bewähren sich Radius ( kg/ha), ( l/ha) und (1,6 l/ha). Meist wächst die Gerste den Krankheiten in der Schossphase davon. Für die Einmalbehandlung (BBCH 3749) eignen sich Strobilurin und Carboxamidpräparate sehr gut. In weniger anfälligen Sorten, bei geringerem Krankheitsauftreten und ertragsschwächeren Standorten, ist eine Reduzierung der Aufwandmenge auf 70 bis 80 % möglich oder es ist preisgünstigeren Azolpräparaten der Vorrang zu geben. Gegen Ramularia können Aviator, Skyway,,, Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind die Gebrauchsanleitungen sowie die gesetzlichen Bestimmungen zum Anwender, Verbraucher und Umweltschutz zu beachten! 120 121

Amtlicher Pflanzenschutzdienst der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, SachsenAnhalt und Thüringen Abbildung 2.4.4: Empfehlungen zum Fungizideinsatz in Wintergerste Abbildung 2.4.5: Empfehlungen zum Fungizideinsatz im Winterroggen Bontima und angewendet werden. Die weiteren Empfehlungen sind der Abbildung 2.4.4 zu entnehmen. In jedem Fall sind bei der Auswahl der einzusetzenden Präparate die im Abschnitt Fungizidresistenz gegebenen Hinweise zu beachten! Diskutiert wird auch der Einsatz von Fungiziden gegen PLSFlecken. Mehrjährige Ringversuchsergebnisse belegen, dass sich der Fungizideinsatz am Krankheitsauftreten orientieren muss und Extramaßnahmen gegen nichtparasitäre Blattfl e cken nicht notwendig sind. Anbau von HybridWintergerste: Für die im Anbau befi ndlichen Hybridgerstensorten sind ähnliche Fungizidempfehlungen, wie in der klassischen Wintergerste zu geben. In einem Anbauvergleich an mehreren Orten der Bundesländer konnte festgestellt werden, dass Hybridgerste im Vergleich zur konventionellen Gerste ähnlich auf Fungizidmaßnahmen reagiert (Abb. 2.4.4). Ein intensiverer Fungizidschutz ist nicht erforderlich. In Gebieten mit mittlerer bis geringer Ertragserwartung sollte eine einmalige Fungizidbehandlung nach Erreichen des Bekämpfungsrichtwertes eingeplant werden, um die auftretenden Krankheiten wirtschaftlich zu bekämpfen. Diese darf allerdings nicht zu früh oder mit zu geringen Aufwandmengen erfolgen, damit die Dauerwirkung auch noch im Hinblick auf später auftretenden Braunrostbefall ausreichend ist. Günstig erscheinen hier Kombinationspräparate mit Strobilurinanteil oder entsprechende Tankmischungen. Der optimale Behandlungszeitraum gegen Braunrost erstreckt sich von BBCH 47 61. Je früher der Fungizideinsatz notwendig wird, desto höher muss die Aufwandmenge für eine entsprechende Dauerwirkung sein. Ab Mitte Ährenschieben reichen 80 % der Aufwandmenge beziehungsweise reine Azolanwendungen aus. Auf ertragreichen Standorten im Hybridroggenanbau haben Strobilurine und Carboxamide deutliche Vorteile. Bei geringem Befallsdruck auf leichten, weniger ertragreichen Standorten sind preiswertere Azolvarianten sinnvoller. Ringversuchsergebnisse weisen deutliche Wirkungsunterschiede zwischen den eingesetzen Präparaten gegenüber Braunrost auf. Bei höherem Braunrostbefall zeigt sich deutlich das stärkere Wirkungspotenzial der Strobilurine und Carboxamide, insbesondere in der Dauerwirkung. Mischungen aus Carboxamid Strobilurin Azol ergaben in Versuchen des amtlichen Pflanzenschutzdienstes eine besonders lang anhaltende Braunrostwirkung, verbunden mit der deutlichsten Ertragssteigerung. Empfehlungen zur Fungizidstrategie gibt Abbildung 2.4.5. Winterroggen Im Winterroggen ist der Braunrost die wichtigste Krankheit. Echter Mehltau und Rhynchosporium treten oft im frühen Blattstadium auf, der Befall steigt aber selten auf die oberen Blattetagen. Eine Behandlung in der Schossphase ist nur auf besseren Standorten mit hoher Ertragserwartung und bei erhöhtem Krankheitsdruck wirtschaftlich. Für die Bekämpfung von Halmbruch bietet das Prognosemodell SIMCERC (Punkt 1.5) eine Entscheidungshilfe. Auf Standorten mit sehr hoher Ertragserwartung oder höherem Befallsdruck kann auch zweimaliger Fungizideinsatz, besonders bei Gefährdung durch Halmbruch und frühen Mehltau bzw. Rhynchosporiumbefall, wirtschaftlich sein. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind die Gebrauchsanleitungen sowie die gesetzlichen Bestimmungen zum Anwender, Verbraucher und Umweltschutz zu beachten! 122 123

Amtlicher Pflanzenschutzdienst der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, SachsenAnhalt und Thüringen Wintertriticale In Abhängigkeit von der Sortenwahl ist bei Triticale eine allgemeine Zunahme des Befalls mit Blattkrankheiten wie Echtem Mehltau, SeptoriaArten und Braunrost zu verzeichnen. Einige Sorten fallen inzwischen durch verstärkten Gelbrostbefall auf (Grenado, Cando, SW Talentro, Tarzan und Benetto). Starken Mehltaubefall wiesen die Sorten Benetto, Cando, Tremplin, SW Talentro auf. Die Spezialfungizide Talius und Vegas ermöglichen eine sichere Mehltaubekämpfung. Bei günstigen Infektionsbedingungen und schlagspezifisch hoher Befallsgefährdung ist die Notwendigkeit einer Halmbruchbehandlung besonders in den Vorgebirgslagen der Mittelgebirge zu prüfen (Prognosemodell SIMCERC, Punkt 1.5). Gegen Blattkrankheiten genügt in anfälligen Sorten eine Fungizidmaßnahme ab dem Fahnenblattstadium (BBCH 37 49) aus. Hierfür stehen mehrere Fungizide zur Verfügung (Abb. 2.4.6). Das Fungizidspektrum für Triticale ist begrenzt. Zum Beispiel sind mehrere Präparate mit einer Zulassung für Weizen und Roggen nicht in der Triticale einsetzbar, dazu gehören u. a. Alto 240 EC, Champion, Cirkon, Gladio, Folicur, Matador, Taspa, Pronto Plus, Tilt 250 EC, Credo, Corbel und Zenit M. Die Gefährdung durch Ährenfusariosen ist in Triticale stärker als im Winterweizen. Somit gelten die Empfehlungen zur Befallsminderung von Fusariuminfektionen auch für Triticale. Nach mehrjährigen länderübergreifenden Ringversuchen können wichtige Wintertriticalesorten hinsichtlich ihrer Befallsgefährdung beurteilt werden. In die Sortengruppe mit überwiegend unterdurchschnittlichen bis mittleren DONGehalten in der Versuchsserie sind die Sorten Agostino, Amarillo 105, Benetto, Cando, Cultivo, Grenado, Massimo, Tarzan, Tritikon und Sequenz einzustufen. Cosinus, Pigmej, SW Talentro, Trigold, Trimester, Tulus und Vitalis zählen zu der Gruppe mit überwiegend überdurchschnittlichen DONGehalten. Da Triticale ausschließlich als Futtermittel verwendet wird, sind hier die Richt bzw. Orientierungswerte für Fusariumtoxine anzusetzen. Zugelassen zur Fusariumbekämpfung in Triticale in der Blüte sind Classic, und DONQ. Ährenfusariosen können besonders in Wintertriticale zu erheblichen Ertrags und erhöhten Mykotoxingehalten führen. In Lagen mit Befallsgefähr verlusten dung sollte auf weniger anfällige Sorten und eine zusätzliche Ährenbehandlung mit Fungiziden orientiert werden. Sommerbraugerste Der Gesunderhaltung der Bestände und der Qualitätssicherung gebührt im Braugerstenanbau besondere Aufmerksamkeit. Vollkornanteil und Tausendkorngewicht werden positiv beeinflusst. Bei hohem Befallsdruck ist eine Behandlung auch wirtschaftlich. Der Ertragsanstieg durch Fungizide liegt allerdings unter dem der Wintergerste. Echter Mehltau ist nur in mittel bis höher anfälligen Sorten von Bedeutung. Anfangs starker Befall bleibt aber im weiteren Vegetationsverlauf meist in den unteren Blattetagen stecken. Gegen Netzflecken, Rhynchosporium und Zwergrost ist bei günstigen Epidemiebedingungen eine Fungizidmaßnahme im Stadium BBCH 37 49 angebracht. Rhynchosporium ist vor allem in den kühlfeuchten Lagen der Vor und Mittelgebirge ein wesentlicher Ertrag beeinfl ussender Faktor. Zu einem wirtschaftlichen Befallsanstieg kommt es bei niederschlagsreicher Juniwitterung oft erst nach dem Grannenspitzen (BBCH 49). Wie das Jahr 2012 erneut zeigte, kann Abbildung 2.4.6: Empfehlungen zum Fungizideinsatz in Wintertriticale Abbildung 2.4.7: Empfehlungen zum Fungizideinsatz in Sommerbraugerste Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind die Gebrauchsanleitungen sowie die gesetzlichen Bestimmungen zum Anwender, Verbraucher und Umweltschutz zu beachten! 124

Zwergrost in wärmeren Regionen bzw. bei für den Erreger günstiger Witterung zu erheblichen Ertragsverlusten führen. Zu einer schnellen Befallsausbreitung kommt es normalerweise erst ab Erscheinen des Fahnenblattes (BBCH 39). Auch in der Sommergerste treten sortenabhängig PLSFlecken und Ramularia auf. Ein zweimaliger Fungizideinsatz sowie Maßnahmen nach Beginn des Ähren (ab BBCH 51) sind in Sommergerste aus wirtschaftlicher Sicht nicht schiebens sinnvoll. Volle Aufwandmengen sind nur bei sehr starkem Befallsdruck, auf ertragreichen Standorten und bei ausreichender Wasserversorgung notwendig. Oftmals reichen 60 bis 80 % aus. In Trockenjahren sowie bei geringem Befallsdruck sind Behandlungen unrentabel. Die Fungizidempfehlungen sind in Abbildung 2.4.7 zusammengefasst. Hafer Im Hafer können jahresabhängig Echter Mehltau, Haferkronenrost und Septoria avenae von Bedeutung sein. Die Fungizidpalette ist sehr eng begrenzt. Lediglich für Haferkronenrost und Echten Mehltau gibt es Zulassungen bzw. Art. 51Zulassungserweiterungen (alt: 18aGenehmigungen) für folgende Anwendungen: Tabelle 2.4.6: Zugelassene Fungizide im Hafer Amtlicher Pflanzenschutzdienst der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, SachsenAnhalt und Thüringen Tabelle 2.5.1: Übersicht wichtiger viren Echter Mehltau Haferkronenrost Zenit M 0,75 l/ha Amistar l/ha Vegas 0,375 l/ha Juwel Top l/ha 2,5 l/ha 2.5 Virosen Viruskrankheiten des s können in manchen Jahren erhebliche Ertragsausfälle verursachen. Die Schadsymptome sind teilweise unspezifi sch und mit abiotischen Ursachen zu verwechseln. Aus diesem Grund besteht die Gefahr, dass ein Virusbefall in der Praxis nicht erkannt und eine Ertragsminderung falschen Ursachen zugeordnet wird. Bei Befallsverdacht empfi ehlt sich daher immer eine Abklärung durch eine Laboruntersuchung. Für eine direkte Bekämpfung von Viren im stehen keine Mittel zur Verfügung. Lediglich der Übertragungsmodus oder die Sortenresistenz bieten Bekämpfungsansätze. Die wichtigsten im vorkommenden Viren lassen sich nach ihrer Übertragung in zwei Gruppen unterteilen (Tab. 2.5.1). virus Kürzel Wirtspflanze WG WW WR WT Insektenübertragbare Viren: Gerstengelbverzwergungsvirus BYDV Weizenverzwergungsvirus WDV Bodenbürtige Viren: Gerstengelbmosaikvirus (Typ 1/2) BaYMV Mildes Gerstenmosaikvirus BaMMV Bodenbürtiges Weizenmosaikvirus SBWMV Bodenbürtiges mosaikvirus SBCMV Weizenspindelstrichelmosaikvirus WSSMV : Möglichkeit der Infektion bei den einzelnen Wintergetreidearten Insektenübertragbare viren Eine der ökonomisch bedeutendsten Viruserkrankungen im ist die Gerstengelbverzwergung, verursacht durch das Gerstengelbverzwergungsvirus (Bar der Herbizidanwendung im Herbst ist grundsätzlich abzulehnen, weil ein nicht Die routinemäßige Zumischung eines Insektizids zur Vektorenbekämpfung bei ley yellow dwarf virus BYDV). Das Virus wird vor allem durch die Große blattlaus, zielgerichteter Einsatz entweder unnötig oder falsch terminiert sein kann. die Traubenkirschenblattlaus (Haferblattlaus) und die Maisblattlaus übertragen, wobei es in der Artenzusammensetzung und Häufi gkeit jährliche sowie Eine weitere Gefahr, besonders für früh gedrillte Winterweizenbestände, stellen im regionale und zeitliche Unterschiede geben kann. Entscheidend für die Intensität Herbst neben Blattläusen auch Zikaden dar. Die Art Psammotettix alienus kann das der Virusausbreitung sind die Anzahl der vorhandenen Infektionsquellen (Ungräser, Weizenverzwergungsvirus (Wheat dwarf virus WDV) übertragen. Dauerwirte für Ausfallgetreide und Mais), die Vektorendichte sowie der Anteil tatsächlich Virusbeladener das Virus sind Gräser im Grünland. Die Symptome gleichen sehr stark denen des Blattläuse, der im Mittel nur bei ca. 4 bis max. 10 % liegt. Die Blattläu Gerstengelbverzwergungsvirus. Gegenüber der Gerstengelbverzwergung ist die Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind die Gebrauchsanleitungen sowie die gesetzlichen Bestimmungen zum Anwender, Verbraucher und Umweltschutz zu beachten! 126 127 se nehmen das Virus im Herbst von Überhälterpfl anzen auf und tragen es in die Neusaaten. Auch von Zwischenfrüchten mit anteil kann eine potenzielle Gefahr ausgehen. Die Infektionen bei Wintergerste, aber auch bei Frühsaaten der anderen arten erfolgen hauptsächlich im Herbst. Nach milden Wintern, wenn eine Lebendüberwinterung der infi zierten Blattläuse möglich ist, können die zeitigen Frühjahrsinfektionen vor allem bei Winterweizen, gegebenenfalls auch bei Sommergetreide von Bedeutung sein. Im Frühjahr sind in den Beständen nesterweise Pfl anzen mit verzwergtem und teilweise stark bestockten Wuchs zu beobachten. Die Blätter sind zunächst streifi g aufgehellt, vergilben von der Blattspitze aus und verfärben sich bei Weizen und Hafer später rot. Schossen und Ährenschieben können völlig ausbleiben. Ausgebildete Halme sind stark gestaucht, die wenigen ausgebildeten Ähren teilweise taub. Weizen und auch Hafer reagieren nicht mit verstärkter Bestockung, sondern mit einer Verringerung der Halmzahl. Die Bekämpfung der virusübertragenden Blattläusen (Vektoren) kann durch einen gezielten Insektizideinsatz nach dem Erreichen der Bekämpfungsschwelle (10 % befallene Pfl anzen Frühsaat und 20 % befallene Pfl anzen Normalsaat) erfolgen. Zum Einsatz kommen Pyrethroide mit einer entsprechenden Indikation (Tab. 2.6.2). Die Festlegung des richtigen Behandlungstermins ist dabei entscheidend. Eine intensive Kontrolle der Bestände vom Aufl aufen bis zur Vegetationsruhe ist daher Grundvoraussetzung für eine gute Wirksamkeit in Risikosituationen. Ein Umbruch von Wintergerste nach Herbstbefall ist gründlich zu prüfen, da diese art Pfl anzenausfälle gut kompensieren kann.