Innovations- und Technologietransfer ebusiness-lotse Saar IHK Saarbrücken, 13. Mai 2015 Einstieg in das Cloud Computing Leitfaden für Betriebe Welf Schröter, Projekt CLOUDwerker, Forum Soziale Technikgestaltung / talheimer, Netzwerk Offensive Gutes Bauen, www.cloudwerker.de
Das Handwerk wird mit mindestens drei großen IT-Trends konfrontiert: 1. Digitalisierung der Beziehung zwischen Betrieb und öffentlichen Verwaltungsdienstleistungen (Electronic Government, Virtuelles Rathaus) 2. Auslagerung der Betriebssoftware und Bündelung von Softwarediensten aus einer Hand (Cloud- Computing, Mobiles Arbeiten) 3. Steigende Virtualisierung der Geschäfts- und Arbeitsprozesse mit Zunahme von Komplexität und Abstraktion / BIM / Integration in Industrie 4.0
Nahtstelle Betrieb Verwaltung (Nahtstelle E-Government E-Business) Wegen der sich beschleunigenden Virtualisierung der Nahtstelle E-Government/E-Business fallen immer mehr technische Einzelanforderungen (elektronische Plattformen, Signaturanwendungen, Kostenpflichtigkeiten etc.) als rechtliche Zwänge über die Handwerksbetriebe her. Diese technischen Anforderungen sind größtenteils nicht harmonisiert, zum Teil wechselseitig inkompatibel, erfordern z.t. Abonnements, Qualifizierungen, zusätzliche Hardware, veränderte Rollenbefugnisse,...
Wachsender Wettbewerbsdruck führt zur Notwendigkeit engerer Kooperation Die Herausforderung, neuartig nicht nur mit dem Netz, sondern vor allem im Netz zusammenarbeiten zu müssen (für die Bildung befristeter, auftragsbezogener virtueller Organisationen zum Aufbau einer Bietergemeinschaft und zur Auftragsabwicklung) verlangt bessere IT- Lösungen. Cloud-Computing eröffnet dafür Chancen.
Der Umgang mit der IT-Technik veränderte die Medienbrüche: Wechsel zwischen Telefon, Fax, Brief, handschriftlichen Mitteilungen, E-Mail, mobiler Kommunikation, Laptops, elektronische Plattformen, virtuelle Zusammenarbeit,.. Der Trend geht in Richtung Vereinheitlichung und Verringerung der Medienbrüche, Rückgang des Papiers und Zunahme der Virtualität.
Bei all diesen Vorgängen schien ein Faktor unverändert zu bleiben: Der Computerarbeitsplatz (im Büro oder mobil) bestand aus einem Rechner, Speicherkapazität und Software. Das Endgerät enthielt die Daten. Mit dem Endgerät wurden die Daten herumgetragen. (Oder sie wurden auf einen Datenträger, Stick ausgelagert.) Die Daten waren physisch in der Hand der Nutzerin, des Nutzers. Dadurch entstand Vertrauen.
Herausforderungen für die Handwerksbetriebe 1. Probleme beim Zusammenspiel unterschiedlicher IT-Software im Betrieb 2. Mangelnde Kompetenz und Zeit für IT-Pflege 3. Mangelnde Datensicherung (Backup) 4. Unzureichende IT-Lösungen für Kooperationen 5...
Die neue Idee: Das Endgerät speichert bei sich keine Daten mehr, sondern dient nur noch als Zugangshilfe zu dem Ort, der Speicherung. Die Inhalte werden ausgelagert. Entweder teilweise oder vollständig. Dadurch benötigt auch das Endgerät keine eigene Software mehr. Es genügt der Schlüssel zum Netz, der Browser. Inhalte werden außerhalb des Betriebes in einem gemieteten Speicherraum aufbewahrt. Der Betreiber des Speicherraumes stellt die Nutzung der aktuellen Software gegen Gebühr zur Verfügung.
Vorteile für die Betriebe: 1. Ausgewählte Software oder Dienste sind mietbar, kaum etwas oder deutlich weniger muss auf dem eigenen Rechner installiert werden. 2. Die komplette Auslagerung der Geschäftsdaten ist denkbar und technisch möglich. 3. Der Betrieb spart Kosten für den Kauf, die Installation, die Pflege und Updates eigener Software. 4. Der Betrieb spart Kosten, da Antivirensoftware, Firewalls etc. weniger oder gar nicht benötigt werden. 5. Hardwareeinkauf verringert sich erheblich.
Die zentrale Herausforderung für die Betriebe: Vertrauen! Wie entsteht Vertrauen zwischen Betrieb und dem Betreiber des Speicherdienstes? Wer ist unter welchen Bedingungen bereit, sensible Kundenund Geschäftsdaten in ein externes Datendepot zu geben?
Für wolken basierte Geschäftsprozesse des Handwerks gibt es mindestens zwei große Themenfelder: 1. Das Verlagern von Geschäftsdaten in die Wolke (cloud) und mobile Daten-Verfügbarkeit (z.b. als IAAS Infrastructure as a Service) 2. Die Nutzung von Software auf Bedarf und auf Zeit (gleichsam zeitweise gemietet) aus der Wolke (z.b. als SAAS Software as a Service)
Die Bereitstellung und Verknüpfung von Diensten zu Dienstebündeln, die der Handwerksbetrieb selbst nach Bedarf und Auftrag flexibel und gewerkespezifisch kombiniert, die aber gleichzeitig von unterschiedlichen Herstellern wie auf einem Marktplatz schnittstellengeprüft bereitgestellt werden (mit allen grundsätzlichen Funktionen einer Handwerkersoftware). Das Kooperationsszenario definiert Dienste, welche die Zusammenarbeit von Handwerksbetrieben unterstützen. Das Kundenszenario zeigt die Interaktion zwischen Kunden und Handwerksbetrieben auf elektronischer Ebene.
Wie aber findet ein Betrieb die für ihn passende Cloud-Lösung? Worauf wäre zu achten? Das BMWi-Projekt CLOUDwerker hat einen Leitfaden entwickelt, der in acht Schritten eine Lösungsfindung ermöglicht. Der Leitfaden Auswahl vertrauenswürdiger Cloud Services für das Handwerk kann in einer Kurz- und in einer Langfassung heruntergeladen werden über www.cloudwerker.de
Schritt 1: Benötigte Funktionen ermitteln Erfassen Sie alle Funktionen, die Sie in Ihrer bisherigen Software tatsächlich nutzen. Denken Sie darüber nach, welche Funktionen Ihnen bisher gefehlt haben: Welche Ihrer Tätigkeiten könnte geschickt unterstützt werden?.. Schritt 2: Sicherheitstechnische Anforderungen Im Fehlerfall sichert der Anbieter eine schnelle Wiederherstellung des Cloud Service zu? Der Service- Anbieter führt regelmäßige Datensicherungen durch? Die Kommunikation mit dem Server erfolgt verschlüsselt? /.
Schritt 3 Juristische Anforderungen festlegen Gewährleistungsregelungen im Falle Systemausfalls Deutsches Recht muss anwendbar sein Sie sollten explizit als Eigentümer Ihrer Daten benannt werden... Schritt 4: Services suchen Gemäß der Anforderungen muss der richtige Anbieter mit den passenden Services gefunden werden. Da die Suche ausufern kann, soll in diesem Schritt noch kein exakter Vergleich von Anforderungen und Angeboten stattfinden. Vielmehr geht es darum, den Markt zu sondieren und potenzielle Kandidaten für eine nähere Prüfung ausfindig zu machen.
Schritt 5: Bewertung und Kostenabschätzung Bietet ein Service entscheidende Funktionen nicht, streichen Sie ihn aus der Liste. / Schätzen Sie die Kosten für die einzelnen Services ab. Überprüfen Sie anschließend welche der notwendigen sicherheitstechnischen und juristischen Anforderungen erfüllt werden... Basispreis: Häufig hat ein Cloud Service eine gewisse Basisfunktionalität, die gegen eine bestimmte monatliche Gebühr zur Verfügung gestellt wird. Erweiterungen: Hinzugebuchte Service-Module Eher selten: Nutzungsabhängige Abrechnung [Anzahl durchgeführter Transaktionen (z.b. Kontobewegungen, Anzahl erstellter Dokumente) abhängt]
Schritt 6: Auswahlentscheidung Um die für Sie richtige Auswahl treffen zu können, müssen Sie die am Ende von Schritt 5 übrig gebliebenen Angebote miteinander vergleichen. Ideal wäre es, wenn ein Service alle gestellten Anforderungen erfüllt und zudem kostengünstig ist. Erfüllt kein Angebot alle Anforderungen, sollten Sie überlegen, wo Sie mit Abstrichen leben können. Eventuell kann es auch erforderlich sein, mehrere Cloud Services zu wählen, falls sich nur so die geforderten Funktionen abdecken lassen. Ist jedoch dies alles nicht mehr zielführend, sollten sie sich gegen eine Cloud-Lösung entscheiden.
Schritt 7: Test Bevor Sie sich verbindlich auf einen ausgewählten Cloud Service einlassen, sollten Sie diesen testen. Anwendungsszenarien festlegen (Szenario mit einem vollständigen Arbeits- oder Geschäftsprozess) Konfiguration und Daten-Import (Anlegen von Nutzerrollen, Vergabe von Rechte, Datenimport etc.) Durchlaufen Sie die Anwendungsszenarien unter möglichst realistischen Bedingungen und unter Beteiligung der zukünftigen Nutzer/innen. Problemlösung: Gab es Probleme, so sollten Sie Lösungen suchen und diese dokumentieren.
Schritt 8: Übernahme Getestete Lösung verbindlich buchen Konfiguration und Daten-Import Qualifizierung der Nutzer: Alle Nutzer, die zukünftig mit dem Cloud Service arbeiten sollen, benötigen Einstiegs-Orientierungswissen (zum Beispiel mit Hilfe von Blended-Learning-Angeboten) Einführungsstrategie: Bedeutet die Einführung des Cloud Service eine große Umstellung für Ihr Unternehmen, dann empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen, bei dem einzelne Funktionen nach und nach übernommen werden und die alte Software schrittweise ersetzt wird.
CLOUDwerker-Anwenderstudie und Marktstudie des Fraunhofer IAO kostenfrei verfügbar unter: www.cloudwerker.de
Kontakt: Welf Schröter schroeter@talheimer.de
2012-03-23 CLOUDwerker Szenario-Workshop Trusted SaaS im Handwerk: