Erprobungsarbeit Deutsch

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Transkript:

Sächsisches Staatsministerium Geltungsbereich: für Klassen 9 für Kultus an Erprobungsschulen Schuljahr 2004/2005 Erprobungsarbeit Deutsch Hauptschulbildungsgang - Teil 1 und 2: schriftlich - Allgemeine Arbeitshinweise Die Erprobungsarbeit besteht aus drei Teilen: Teil 1: Teil 2: Teil 3: Textverständnis Textproduktion - schriftlich Textproduktion - mündlich Die Bearbeitung aller Teile ist Pflicht. Vor der planmäßigen Arbeitszeit stehen Ihnen 20 Minuten zur Verfügung, um sich mit den Aufgaben der Teile 1 und 2 vertraut zu machen. Die Arbeitszeit beträgt für Teil 1 und 2 insgesamt 180 Minuten. Es steht Ihnen ein Wörterbuch der deutschen Rechtschreibung zur Verfügung. Ihre Gesamtnote ergibt sich aus dem Durchschnitt der drei Teilnoten, die 1:1:1 gewichtet werden. Sign. EA-MS-D-HSB-9-schriftl-Schüler 1

Teil 1 Textverständnis Benehmen Glückssache I II III IV V Zeig mal deine Muckis, Kumpel! Wenn mich die Kids auf meiner Straße derart herzerfrischend begrüßen, empfinde ich das keineswegs als respektlos. Schließlich können sich meine Muskeln sehen lassen, und wenn ich dann den Fußball paar Mal aufs Garagentor geknallt habe, darf ich meinen Spaziergang unter lautem Hallo fortsetzen. Doch dann gerate ich ins Grübeln: Hätten wir früher als kleine Knirpse einen alten Knaben ebenso ungeniert angequatscht? Hat gutes Benehmen noch einen festen Stellenwert in unserer Gesellschaft, oder macht man sich lächerlich, wenn darauf bestanden wird? Dass die Zeiten früher besser gewesen seien, wird niemand behaupten wollen, der sich ernsthaft auf die Vergangenheit besinnt. Dennoch hat sich manches verändert und nicht alles zum Besten. Ist etwa Benehmen Glückssache? Gibt es noch verbindliche Spielregeln? Wo liegen die Defizite und wie lassen sich diese erklären? Das Beispiel zu Anfang markiert einen wichtigen Unterschied: Die Kinder behandeln den Erwachsenen wie einen Gleichaltrigen. Wenn man ihn mag, wird er begrüßt, wenn nicht, bleibt er unbeachtet. Höflichkeit, so sagt man, komme von Herzen. Das gute Benehmen hingegen ist eine Sache der Tradition, der gesellschaftlichen Werte, des häuslichen Umfelds. Manieren sind anerzogen, nicht angeboren. Das lässt sich besonders an Kindern ausländischer Familien beobachten. Sie haben mitunter die besseren Manieren. Jürgen Klinsmann (gegenwärtig Bundestrainer der Fußballnationalmannschaft), gewiss kein Oldie, erzählte kürzlich beinahe altväterlich, dass die jungen Fußballfans in England noch wüssten, wie man bitte und danke sagt. Bei uns dagegen schnappen sie das Autogramm und ziehen wortlos davon. Kein Wunder, dass man immer wieder zu hören bekommt, das deutsche Volk sei das unhöflichste der Welt. Ob das stimmt, kann jeder selbst beurteilen. Gutes Benehmen mag eine grundlegende Tugend sein, die früher sogar in Erziehungsdrill ausgeartet ist. Benehmen schafft Distanz, verhindert Intimität, sorgt für Undurchschaubarkeit. Aber es macht auch das Leben erträglicher. Es sichert gegenseitigen Respekt und löst sogar Konflikte. Wer sich mit dem Thema Benehmen beschäftigt, merkt jedenfalls rasch, dass er einen Spiegel der Gesellschaft in der Hand hat. Man sieht einiges schärfer, wobei man mit dem Urteilen vorsichtig sein muss. Das gute Benehmen früherer Tage war auf Rang- und Klassenunterschiede hin angelegt. Ist es heute anders? Es wäre falsch, nur immer den Verfall der Werte zu beweinen. Umso verblüffender ist in diesem Zusammenhang das Ergebnis einer Umfrage, nach der die deutschen Kinder selbst Wert auf gutes Benehmen legen. Die Eltern oder Lehrer, die alles durchgehen lassen, werden keineswegs geschätzt, eher verachtet. Im Schoß der Familie liegen also die entscheidenden Probleme. Eine Pädagogin hat festgestellt: Sie können nichts, was sie zu Hause nicht gelernt haben. Man sollte sich vielleicht deshalb einen Grundsatz des griechischen Philosophen der Antike Sokrates zu Eigen machen, der zu einem seiner Freunde einmal gesagt hat: Was macht es mir aus, höflicher zu sein als du?. 475 Wörter nach: Oskar Fehrenbach, in: Sonntag aktuell, 5.11.95 Sign. EA-MS-D-HSB-9-schriftl-Schüler 2

1. Ist gutes Benehmen nach Auffassung des Verfassers 1 BE angeboren Glücksache eine Sache der Gesellschaft und der Familie? Kreuzen Sie an. 2. Ordnen Sie folgende Hinweise für gutes Benehmen den entsprechenden 3 BE Textabschnitten zu.... Abschnitt Urteile nicht vorschnell.... Abschnitt... Abschnitt Sage bitte und danke. Grüße Erwachsene höflich. 3. Finden Sie weitere Verben, die zum Wortfeld anquatschen gehören. 5 BE Tragen Sie diese ein. 4a. Klären Sie mithilfe eines Nachschlagewerkes die Bedeutung der 4 BE Fremdwörter. Ergänzen Sie die Fremdwörter durch den treffenden deutschen Begriff. Benehmen schafft Distanz /., verhindert Intimität /., sorgt für Undurchschaubarkeit. Aber es macht auch das Leben erträglicher. Es sichert gegenseitige(n) Respekt /.. und löst sogar Konflikte /.. Sign. EA-MS-D-HSB-9-schriftl-Schüler 3

4b. Finden Sie zu den Fremdwörtern Distanz und Respekt je ein stamm- 4 BE verwandtes Verb. Verwenden Sie diese jeweils sinnvoll in einem Aussagesatz. Achten Sie auf die Orthografie. Respekt - Distanz - 4c. Welches Wort ist das Antonym zu Respekt? Kreuzen Sie an. 1 BE Hochachtung Verachtung Anerkennung Scheu 5. In einer Umfrage wurden Mütter und Väter befragt: "Wenn Sie als Eltern einmal an die Erziehung Ihrer Kinder denken und insbesondere an Umgangsformen, was ist für Sie wichtig?" 100% 80% 60% 40% 20% 0% Tischsitten Bitte/Danke sagen Rücksicht- nahme Toleranz Ziv ilcourage sehr wichtig 41% 59% 50% 47% 41% wichtig 57% 39% 50% 45% 55% Sign. EA-MS-D-HSB-9-schriftl-Schüler 4

5a. Betrachten Sie das Diagramm genau. Was wird dargestellt? Schreiben 2 BE Sie einen Aussagesatz. 5b. Werten Sie das Diagramm aus. Formulieren Sie vier Aussagesätze. 5 BE 5c. Was haben der Text Benehmen Glückssache und das Diagramm 2 BE gemeinsam? Formulieren Sie einen Aussagesatz. 5d. Schreiben Sie den Satz aus dem letzten Textabschnitt heraus, der 1 BE verdeutlicht, dass Eltern und Kinder eigentlich das gleiche Ziel verfolgen. 6. Formulieren Sie nun 5 weitere Regeln für gutes Benehmen(siehe 2.) und für den respektvollen Umgang mit anderen. 5 BE 1. 2. 3. 4. 5. Sign. EA-MS-D-HSB-9-schriftl-Schüler 5

Teil 2 Textproduktion schriftlich Wahlaufgaben Wählen Sie eine der beiden Aufgaben aus. 1. Wahlaufgabe - Höflichkeit ist eine Zier 15 BE Nachdem sich Politiker über die flegelhafte Jugend beschwert hatten, forderte einer von ihnen ab der fünften Klasse Benimmunterricht an der Schule. Die Redaktion der Schülerzeitung Spiesser fragte sächsische Schüler: Was wisst ihr von gutem Benehmen und was würdet ihr von Benimmunterricht halten? Anja, 16 Mich stört einfach, dass kein richtiger Respekt zwischen Jungs und Mädchen da ist. Unter Anstand verstehe ich so kleine Worte wie Guten Tag, Entschuldigung oder Bitte und Danke. Den Leuten, die dauernd dumme Sprüche klopfen, würde ich so einen Unterricht empfehlen. Obwohl man es mit dem Anstand auch übertreiben kann. Martin, 14 Ich finde die Idee nicht schlecht. Gerade weil es an unserer Schule so viele Schüler gibt, die Schlägereien anfangen, rumpöbeln und sich nicht zusammenreißen können. Ich selbst weiß, dass ich mich benehmen kann. Ich denke, dass Höflichkeit und Hilfsbereitschaft als Themen auf jeden Fall in so ein Fach gehören, das wäre wirklich sinnvoller Unterricht. Linda, 14 Mich stört schon, wenn Jugendliche sehr wenig Respekt vor Älteren haben, ich sehe das ja manchmal im Bus. Genauso mag ich das schlechte Benehmen gegenüber Lehrern nicht. Die Idee mit dem Unterricht finde ich aber nicht so gut, weil man Benehmen auch bei seinen Eltern lernen kann. Ich selbst würde so einen Unterricht nicht besuchen wollen. nach: Spiesser, Jugendzeitschrift aus Sachsen, Oktober 2003, Jahrgang 4, S. 6 Beteiligen Sie sich an der Diskussion und verfassen Sie einen Leserbrief an den Spiesser, Postfach 210220, 01263 Dresden. Hinweis: Fertigen Sie vor der Reinschrift ein Konzept an. Sign. EA-MS-D-HSB-9-schriftl-Schüler 6

2. Wahlaufgabe Eine Bildgeschichte schreiben 15 BE Sehen Sie sich die Bilder genau an und überlegen Sie sich ein Ende der Geschichte. Geben Sie den Figuren Namen. Erzählen Sie nun die Geschichte anschaulich und lebendig. Achten Sie auf die wörtliche Rede zwischen den Figuren und auf eine interessante Überschrift.? Sign. EA-MS-D-HSB-9-schriftl-Schüler 7