Organisationsbeispiele für Regelstudiengänge: Heidelberg

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2 Organisationsbeispiele für Regelstudiengänge: Heidelberg PD Dr. Roman Duelli Leiter des Studiendekanats der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Meine Damen und Herren! Ich freue mich, Ihnen heute das Heidelberger Curriculum Medicinale Hei- CuMed vorstellen zu dürfen. Die Universität Heidelberg ist mit ihrer Gründung 1386 die älteste Universität in der Bundesrepublik Deutschland. Die Medizin gehörte zu den Gründungsfakultäten, doch ist sie deswegen auch ein Dinosaurier? In Heidelberg wurde bereits 2001 ein Reformstudiengang als ein Regelstudiengang für alle Studierenden der Medizin etabliert. Wir unterrichten in Studienjahren mit jeweiligem Beginn im Wintersemester. In der Humanmedizin haben wir 307 Plätze, in der Zahnmedizin 81 Plätze. Die Vorklinik studieren die Human- und die Zahnmediziner weitgehend gemeinsam, dagegen verläuft die Ausbildung in den klinischen Abschnitten getrennt. Die Grundlage für HeiCuMed sind die bereits mehrfach erwähnten Gesetze, die Umsetzung lag dagegen in der Hand der Fakultät. Es waren die Studierenden, die Mitte der 1990er Jahre auf uns zukamen und mehr praktischen Unterricht einforderten. Damit begann, ähnlich wie in Dresden, ein Prozeß des Orientierens und Umschauens nach anderen Beispielen. Basierend auf der Approbationsordnung für Ärzte 1987 haben wir das Reformcurriculum HeiCuMed 2001 ins Leben gerufen. Noch immer gilt die Zahnärztliche Approbationsordnung aus dem Jahr 1955, darauf basierend schufen wir das Reformcurriculum HeiCuDent Die ÄAppO 2003 gab deutschlandweit den Anstoß für Reformen und definierte in 41 Modellstudiengänge. 1

3 Wie wählt Heidelberg seine Studierenden aus? Wir wollten von dem unberechtigten Ruf weg, daß man nur mit einem Abitur von 1,0 in Heidelberg eine Chance hätte. Wir messen der Abiturnote mit 51 % die geringstmögliche Wertigkeit bei - nach dem Gesetz muß die Abiturnote die maßgebliche Rolle spielen. Dafür werten wir den Test für Medizinische Studiengänge (TMS), der in Baden-Württemberg, aber auch an Fakultäten anderer Bundesländer ein Auswahlkriterium ist, mit 39 % stark. Zusätzliche weitere Kriterien gehen mit 10 % ein. Darunter fallen Preise in Wettbewerben oder eine abgeschlossene medizinnahe Berufsausbildung oder ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ). In der Summe haben wir eine große Zahl sehr guter Studierender, auch wenn wir bei den Abiturnoten Durchschnitte bis 2,3 zulassen. In der Vorklinik haben wir uns Organe und funktionelle Systeme als Thema gesetzt. Der Klinik- und Patientenbezug soll in der Vorklinik von Beginn an zum Tragen kommen. Hierfür haben wir ein Hospitationsprogramm in Hausarztpraxen aufgelegt, welches die Studierenden bereits im 1. Semester in die ärztliche Praxis führt. In der Anatomie haben wir mit einem Sonographie-Kurs schon im 2. Semester die Studierenden mit Untersuchungsmethoden der Klinik vertraut gemacht. Die Schaffung stabiler Seminargruppen ist ein Markenzeichen von HeiCu- Med. Die Studierenden sollen von Beginn des Studiums an in Gruppen lernen und damit die für den ärztlichen Beruf unabdingbare Teamfähigkeit ab dem Studienbeginn einüben. Fächer werden integriert und fächerübergreifend dargeboten. Lehrveranstaltungen und Prüfungen ergänzen sich, die Form der Lehrveranstaltung spiegelt sich im Format der Prüfungen wider. Die Abbildung 1 zeigt die Übersicht über den vorklinischen Abschnitt. Das rote Feld Zellbiologie umfaßt unterschiedliche vorklinische, aber auch klinische Fächer und führt zum Schein Biologie für Mediziner. Allein das verdeutlicht, welche Veränderungen im klassischen Stundenplan in den letzten 25 Jahren vor sich gegangen sind. Als ich seinerzeit Medizin studierte, war das Fach Biologie vergleichende Biologie von Fischen, Ratten und Wirbellosen und damit recht medizinfern. 2

4 Abb. 1: Struktur der vorklinischen Ausbildung im HeiCuMed-Konzept Im klinischen Studienabschnitt kennzeichnen eine Reihe von Schlagworten HeiCuMed: Die Ausbildung soll praxisnah sein, das bedeutet praktisches Üben und Kommunikationstraining in Kleingruppen. Sie ist modular aufgebaut, es finden Rotationen in zeitlich überschaubaren Lerneinheiten statt, die mit einer Prüfung und mit einem Vollschein nach ÄAppO abgeschlossen werden. Das bringt den Vorteil einer größeren Mobilität. Wir bilden fächerübergreifend aus, indem wir interdisziplinäre Themenblöcke schaffen. HeiCuMed ist ein forschungsorientiertes Studium, denn integriert die exzellenten Forschungsmöglichkeiten in Heidelberg in das Studium durch Schaffung eines curricularen Freiraums. Wir sehen das Studium in einem internationalen Kontext und schaffen zahlreiche Möglichkeiten zum Studium im Ausland. Etwa 25 % der Studierenden gehen während des klinischen Studiums im Rahmen des ERASMUS-Programms ins europäische Ausland. Die streng modulare Gliederung erlaubt es dabei, die Regelstudienzeit einzuhalten. Ein Nachholen von Scheinen ist nach einem solchen Auslandsaufenthalt z. B. im Rahmen der pflichtkursfreien Zeiten möglich. In Abbildung 2 wird eine allgemeine Übersicht über den klinischen Abschnitt gegeben. Nach mit einem propädeutischen Block für alle Studierende eines Jahrganges wird der Jahrgang geteilt. Damit kommen in den Kliniken 3

5 kleinere Gruppen an und wir können den Kleingruppenunterricht besser organisieren. Wissenschaftliche Arbeit Propädeutik Mikrobio Patho Pharma Radio Block I Innere Allgemein Block II Chirurgie Ortho Uro Block II Chirurgie Ortho Uro Block I Innere Allgemein Block III Neuro Psycho HNO Augen Infekt Derma Block IV Kinder Gyn Arbeit Sozial Recht Genetik Block IV Kinder Gyn Arbeit Sozial Recht Genetik Block III Neuro Psycho HNO Augen Infekt Derma Abb. 2: Struktur der klinischen Ausbildung im HeiCuMed-Konzept Der rote Kasten am Schluß ist die durch HeiCuMed geschaffene Zeit, die für die wissenschaftliche Arbeit genutzt werden kann. Das war nur möglich, indem wir von der starren Semesterstruktur abgingen und unsere Ausbildung an den Schulferien in Baden-Württemberg ausrichteten. Die Qualitätssicherung bei HeiCuMed basiert auf einem kompetenzbasierten Lernzielkatalog. Gegenwärtig ist ein nationaler kompetenzbasierter Lernzielkatalog in Arbeit. Ein wesentliches Element ist die Dozentenschulung. Niemand kann sich in Heidelberg habilitieren, ohne eine hochschuldidaktische Qualifikation nachzuweisen. Mehrere hundert Dozenten haben bereits das Zertifikat des Landes Baden-Württemberg erworben, 12 Dozenten befinden sich im Studiengang Master of Medical Education oder haben ihn bereits absolviert. Wir legen großen Wert auf hochwertige Prüfungen, die durch das Kompetenzzentrum Prüfungen des Landes Baden-Württemberg begleitet werden. Hierzu verweise ich auf einen Vortrag von Frau Dr. Jünger am Nachmittag. Die Evaluation ist ein wesentliches Element der Qualitätssicherung. Für Veränderungen muß der Wille der Fakultät vorhanden sein, um Weiterentwicklungen in der Lehre umsetzen zu können. Nicht die gesetzlichen 4

6 Vorgaben oder Forderungen der Verordnungsgeber sind für Veränderungen maßgeblich, vielmehr brauchen wir Willen und Begeisterung bei denen, die die Ausbildung selbst durchführen. Daneben brauchen wir aber auch Mittel für die Lehre, die zur Verfügung gestellt werden müssen. Diese Mittel dürfen nicht in den Budgets der Kliniken oder Institute verborgen sein, sondern müssen der Lehre ganz bewußt zur Verfügung gestellt werden. In Heidelberg wurden Lehrkoordinatoren für die drei vorklinischen Fächer und für die fünf klinischen Blöcke sowie für die Zahnmedizin eingestellt. Auch werden Tutoren aus diesen Budgets finanziert. Lassen Sie mich die wesentlichen Elemente des Regelstudienganges Hei- CuMed zusammenfassen: Unser Standortprofil ist kompatibel für einen Wechsel z. B. nach dem M1-Examen, aber auch während des laufenden Curriculums. Unser modularer Aufbau fördert die Mobilität und schafft Möglichkeiten für Auslandsaufenthalte, fördert aber auch die Mobilität im Inland. Es wurde ein curricularer Freiraum für wissenschaftliches Arbeiten geschaffen. In einer Absolventenstudie des Jahrganges 2008 in Baden-Württemberg mit einer Rücklaufquote von mehr als 65 % der Heidelberger Absolventen wurde uns eine hohe Zufriedenheit mit dem Studium in Heidelberg und dem praktischen Unterricht bescheinigt. Von unseren Absolventen haben 95 % eine Tätigkeit im Inland angetreten und 93 % sind in der Krankenversorgung tätig. Insofern stehen diese Zahlen gegen die von Interessenvertretern immer wieder angeführten Szenarien einer Ärzteabwanderung in gewaltigen Größenordnungen oder einer Ausbildung zum Arzt, die in einem zu hohen Anteil in nichtärztliche Tätigkeiten mündet und deshalb durch ein gestuftes Studium ersetzt werden sollte. 5

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