Für jeden Fratz nen Krippenplatz! Die grüne Krippen-Offensive für Bayern

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1 Für jeden Fratz nen Krippenplatz! Die grüne Krippen-Offensive für Bayern

2 Wahlfreiheit für die Familie mehr und bessere Kitas für Bayern! Liebe Leserin, lieber Leser, unsere Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Das Familienbild ist ein anderes als noch vor 30 Jahren. Immer öfter sind beide Mutter und Vater berufstätig statt die klassische Einzelverdiener-Ehe zu leben. Allerdings ist es in Bayern nicht immer einfach, so zu leben, wie man sich als Paar eigentlich entschieden hat. Denn wenn beide Eltern arbeiten wollen oder Vater und Mutter alleinerziehend sind, stehen sie schnell vor einem großen Problem: einen Krippenplatz für ihre Tochter oder ihren Sohn zu finden. Die bayerische Staatsregierung hat es über Jahre verschlafen, sich den neuen gesellschaftlichen Realitäten zu stellen. Die Folge: In vielen Orten im Freistaat warten Eltern verzweifelt auf einen Kita-Platz. 2

3 Ab August 2013 gilt jedoch: Jedes Kind ab einem Jahr hat einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Aber es gibt in Bayern derzeit nur für jedes vierte Kind unter drei Jahren einen Platz in der Kinderkrippe oder der Tagespflege. Es hapert an allen Ecken und Enden: Geld zum Krippenausbau wurde den Kommunen viel zu spät zur Verfügung gestellt. Es gibt nicht genug Erzieherinnen und Erzieher. Und es ist abzusehen, dass mit dem Rechtsanspruch auch die Betreuungsqualität leiden wird, wenn die Kommunen nach Auswegen suchen, um den Klagen der Eltern zu entgehen. Wir Grüne im Bayerischen Landtag wollen den Eltern helfen. Wir zeigen Ihnen, welche Rechte sie bei der Betreuung Ihrer Kleinen haben, welche Anstrengungen nötig sind, um mehr Krippenplätze in kürzerer Zeit zu schaffen und wie wir die Qualität in der Betreuung der Kinder steigern wollen. Mütter und Väter müssen die Wahl haben, ob sie am Arbeitsleben teilhaben wollen. Für diese Wahl brauchen sie die garantierte Möglichkeit, ihr Kind betreuen zu lassen. Diese Betreuung muss ihrem Kind gut tun. Wir brauchen gute Kindertagesstätten für starke Kinder und freie Eltern. Renate Ackermann Familienpolitische Sprecherin Claudia Stamm Mitglied der Kinderkommission 3

4 Ab einem Jahr ist jetzt das Recht auf Ihrer Seite! Ab dem 1. August 2013 haben alle Kinder ab Vollendung des ersten Lebensjahres einen Rechtsanspruch auf Betreuung in einer Kita oder in der Tagespflege. Eltern haben dann endlich einen einklagbaren Anspruch auf einen Betreuungsplatz für ihre Kinder. Der Rechtsanspruch umfasst nicht nur eine einfache Betreuung, sondern auch die bestmögliche Förderung und Bildung der Kinder von Anfang an. Frühkindliche Bildung fördert die Chancengleichheit von Kindern und verbessert die Beteiligung, vor allem von Frauen, am Erwerbsleben. Jedes Kind hat einen Grundanspruch von vier Stunden Betreuung pro Tag, von Montag bis Freitag. Längere Betreuungszeiten sind aber möglich und müssen von der Kommune gewährleistet werden, wenn sie begründet werden können. Gute Gründe für längere Betreuungszeiten: Berufstätigkeit der Eltern Teilnahme an beruflichen Bildungsmaßnahmen (auch Schul- und Hochschulausbildung) und an Fördermaßnahmen der Arbeitsagentur Besuch von Integrationskursen Belastungen durch die Betreuung weiterer Kinder Pflege von Angehörigen oder länger andauernde Krankheiten eines Erziehungsberechtigten. Das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern in Bezug auf Art und Ort der Betreuung ist bei der Umsetzung des gesetzlichen Anspruchs ebenfalls zu berücksichtigen. Der freien Wahl der Eltern steht aber das Platzangebot der Kommunen gegenüber und so muss die Kommune nicht den Wunsch nach einer bestimmten Kita oder Tagespflegeperson erfüllen, falls dort kein Platz mehr frei ist. Viele weitere Informationen zum Rechtsanspruch finden Sie auf unserer Homepage unter 4

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6 Jetzt volle Pulle Krippenplätze ausbauen! 6

7 In Bayern gibt es zur Zeit nur für jedes vierte Kind einen Platz in der Kinderkrippe oder Tagespflege. Die einzelnen Bezirke und Kommunen unterscheiden sich dabei stark in ihrem Ausbau. So hat Coburg bereits für 40 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Platz geschaffen, in Amberg sind es nur knapp über zehn Prozent. Das Ausbauziel von 36 Prozent flächendeckend wird bis zum Eintreten des Rechtsanspruchs nicht mehr zu schaffen sein. Dazu hat die Staatsregierung unter Führung der CSU zu lange geschlafen und absichtlich nichts vorangetrieben. Wir rechnen also damit, dass wir noch Jahre brauchen, um genug Krippenplätze zur Verfügung zu stellen. Was fehlt, ist ein Ausbau-Plan. Wir fordern daher einen Krippengipfel, auf dem sich Land und Kommunen über ein Ausbauprogramm verständigen. Denn Bayern braucht schnell mehr Plätze für Kinder unter drei Jahren, um den gesellschaftlichen Realitäten Rechnung zu tragen und den Rechtsanspruch der Eltern erfüllen zu können. Dafür muss weiter genügend Geld für den Ausbau zur Verfügung gestellt werden. Wir fordern eine Entfristung des Förderprogramms für den Krippenausbau (das Sonderinvestitionsprogramm des Freistaats). Wir brauchen aber noch mehr als Geld und guten Willen: mehr Qualität und mehr und besser ausgebildete Fachkräfte. 7

8 Fachkräfte verzweifelt gesucht! Viele Kitas haben große Probleme, ausreichend und gut ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher zu finden. So manche Stelle bleibt über Monate unbesetzt. Darunter leiden Kinder, Eltern und die überlasteten MitarbeiterInnen. Eine gute Personalausstattung der Krippen ist aber entscheidend für die Qualität der Betreuung. In Bayern fehlen laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung bereits dieses Jahr ausgebildete PädagogInnen. Dieser Mangel an Fachkräften wird sich in den kommenden Jahren noch weiter verschärfen. Wir müssen also den Erzieherberuf attraktiver gestalten, um mehr junge Leute zum Berufseinstieg zu motivieren. Das ist nicht leicht, denn: Ein Großteil der Erzieherinnen und Erzieher arbeitet unter prekären Bedingungen. Befristete Verträge und Teilzeitarbeit sind in vielen Kitas der Standard. Hinzu kommen eben auch geringe Bezahlung und die lange Ausbildungszeit. Auch für die Sicherung der Qualität in den Kitas brauchen wir dringend mehr Personal. Wir wollen, dass ein/e Erzieher/in weniger Kinder betreuen muss. Gute ErzieherInnen fordern heißt gute ErzieherInnen fördern! ErzieherInnen besser bezahlen, Ausbildungskapazitäten steigern, Ausbildungszeit verkürzen, den Stellenschlüssel in der frühkindlichen Bildung auf 1:10 erhöhen, später auf 1:7,5 und den Förderfaktor für Kinder von einem bis drei Jahre von 2 auf 3 erhöhen, die Finanzierung der Kitas nicht nur pro Kind berechnen, sondern einen Sockelbetrag pro Einrichtung gewährleisten, um Befristung und Teilzeitarbeit zu verringern. 8

9 Barrierefreiheit in Köpfen und Kitas! Jedes Kind, ob behindert oder nicht, muss in eine Kita gehen können und dort individuell nach seinen Bedürfnissen gefördert werden. Das verlangt die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. In Bayern wird die Mehrzahl der behinderten Kinder aber immer noch in einer Sondereinrichtung betreut. Diesen Zustand wollen wir möglichst schnell ändern: Wir fordern inklusive Kitas für alle! Dazu gehören ein besserer Stellenschlüssel, multiprofessionelle Teams, bauliche Barrierefreiheit, eine behindertengerechte Ausstattung, die fachliche Weiterbildung des pädagogischen Personals und vieles mehr. Auch die mobilen heilpädagogischen Fachdienste und die interdisziplinären Frühförderstellen müssen weiter ausgebaut werden, um Kinder mit einer Behinderung frühzeitig zu fördern und die Erzieherinnen und Erzieher in der Kita zu beraten und zu unterstützen. 9

10 Familienbilder von gestern sind keine Hilfe für Familien von heute! 10

11 Die Probleme beim Ausbau der Krippenplätze in Bayern sind auch die Folge falscher Prioritäten in der Familienpolitik. Vieles, was der Freistaat an Familienleistungen propagiert, entspricht einem überholten Familienbild. Entsprechend wird auch für Leistungen viel Geld ausgegeben, das besser in die Förderung von Krippen und Kindergärten gesteckt werden sollte: Krippenalarm: Geld muss dahin, wo es am nötigsten gebraucht wird! 130 Millionen Euro pro Jahr kostet das kostenfreie dritte Kindergartenjahr. Auch dieses Geld sollte lieber in die Verbesserung der Kita-Qualität und einen besseren Ausbau gesteckt werden. 80 Millionen Euro pro Jahr werden für das Landeserziehungsgeld ausgegeben. Das Geld erhalten Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen. Wir meinen, dieses Geld wäre besser im Ausbau der frühkindlichen Bildung angelegt. Knapp zwei Milliarden Euro pro Jahr kostet das Betreuungsgeld, für das sich vor allem die CSU im Bund eingesetzt hat. Durch das Betreuungsgeld werden vor allem Kinder aus bildungsfernen Schichten und aus Familien mit Migrationshintergrund aus der Kita ferngehalten, obwohl gerade diese Kinder besonders von der Betreuung profitieren würden. Zum Vergleich: Bei der Novellierung des Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes ließ sich der Freistaat die Verbesserung der Qualität in den Kitas ganze 50 Millionen Euro kosten. Womöglich wird noch mehr Geld nötig sein, um Bayerns Kinderkrippen so auszubauen und auszustatten, wie unsere Kinder es verdienen. Studien aber haben bereits nachgewiesen, dass der größte Teil der Kosten einer Krippe durch die Berufstätigkeit der Eltern wieder zum Staat zurückfließt. Nicht zuletzt ist eine Investition in die Förderung und Betreuung unserer Kinder eine Zukunftsinvestition für die ganze Gesellschaft. 11

12 Ihr Kontakt Renate Ackermann, MdL Familienpolitische Sprecherin 089 / Claudia Stamm, MdL Mitglied der Kinderkommission 089 / Bündnis 90 / Die Grünen im Bayerischen Landtag Maximilianeum, München Tel. 089 / , Fax 089 / Stand: Juni 2013 Konzept und Gestaltung: Druck: ulenspiegel druck, Birkenstraße 3, Andechs Gedruckt auf 100 % Recycling-Papier Zertifikatsnummer:

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