Dank und Erwiderung ifa-forschungspreis Auswärtige Kulturpolitik. Dr. Reinhild Kreis, Preisträgerin. am in Karlsruhe

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1 Dank und Erwiderung ifa-forschungspreis Auswärtige Kulturpolitik Dr. Reinhild Kreis, Preisträgerin am in Karlsruhe Preisträgerin: Frau Dr. Reinhild Kreis für ihr Werk Orte für Amerika. Deutsch- Amerikanische Institute und Amerikahäuser in der Bundesrepublik seit den 1960er Jahren Sehr geehrter Herr Grätz, sehr geehrter Herr Leibrecht, sehr geehrte Damen und Herren, für die Verleihung des ifa-forschungspreises und für die vielen freundlichen Worte möchte ich mich sehr herzlich bedanken. Diese Auszeichnung ist eine große Ehre. Mein Dank geht zuerst an das Institut für Auslandsbeziehungen, das mir diesen Preis zugesprochen hat. Großen Dank schulde ich auch Harald Leibrecht es ist mir eine besondere Ehre, dass Sie als Koordinator für die transatlantische Zusammenarbeit die Laudatio übernommen haben. Bedanken möchte ich mich auch bei denen, die meine Arbeit für diese Auszeichnung vorgeschlagen haben: bei meinem Doktorvater Professor Dr. Hans Günter Hockerts (LMU München) sowie bei Professor Dr. Philipp Gassert (Universität Augsburg), an dessen Lehrstuhl ich als Mitarbeiterin arbeite. Beide waren mir wichtige Ratgeber und Gesprächspartner während der Promotionsphase und sind für mich meine akademischen Lehrer im besten Sinne. 1

2 Über den Inhalt meiner Studie haben Sie heute Abend schon einiges gehört. Ich möchte daher einen Schritt zurücktreten und über die größeren Perspektiven sprechen, die sich aus meiner Forschung ergeben. Der ifa-forschungspreis bezieht sich auf ein sehr spezifisches Thema, nämlich die Auswärtige Kulturpolitik, dies aber in einer Bandbreite, die umfassender kaum denkbar ist. Unter den Preisträgern und Preisträgerinnen der letzten Jahre waren Germanisten, Politologen, Musikwissenschaftler und Filmwissenschaftler, die sich auf ganz unterschiedliche und sehr inspirierende Art und Weise mit Auswärtiger Kulturpolitik in Vergangenheit und Gegenwart auseinandergesetzt haben. Dieses Jahr haben Sie den Preis einer Historikerin verliehen. Worin liegt nun der Mehrwert historischer Forschung für die Auswärtige Kulturpolitik? Konkrete Handlungsempfehlungen und Verbesserungsvorschläge sind von Historikern eher nicht zu erwarten, denn ihr Blick richtet sich auf das Vergangene. Was aber kann der historische Blick auf die auswärtige Kultur- und Informationspolitik zutage fördern? Drei Punkte möchte ich aus dem Kontext meiner Arbeit benennen: Erstens: Auswärtige Kultur- und Informationspolitik ist nicht Aktion, sondern Interaktion. Sie in einem Sender-Empfänger-Modell zu betrachten geht an der Sache vorbei. Der historische Blick auf die Amerikahäuser und Deutsch-Amerikanischen Institute zeigt das ganz deutlich. Sie sind dauerhaft an einem Ort präsent, teilweise über Jahrzehnte, und schaffen so ein Stück Kontinuität. Sie sind als manifeste Gebäude und als Institutionen Teil einer Stadtgesellschaft. Das unterscheidet sie fundamental von anderen Mitteln auswärtiger Kultur- und Informationspolitik. 2

3 Als Teile der jeweiligen Stadtgesellschaft übernahmen die Amerikahäuser Funktionen, die weit über den Versuch der Vermittlung bestimmter Positionen und Inhalte hinausgingen. Sie standen stellvertretend für Amerika in der jeweiligen Stadt. Sie waren Orte, an denen Symbolpolitik betrieben und Deutungskonflikte ausgetragen wurden. Dabei verliefen die Fronten übrigens nicht immer zwischen den Amerikanern und den Deutschen. Als fest verankerte Institutionen vor Ort waren die Amerikahäuser nie nur Einrichtungen der amerikanischen Kulturpolitik. Über die Jahre machten die deutsche Bevölkerung und Politik die Häuser auch zu etwas Eigenem. Sie betrieben Politik in, mit und über diese Häuser. Am deutlichsten wird das, wenn man sieht, dass heute noch etliche Amerikahäuser bestehen lange, nachdem die USA sich nach dem Ende des Kalten Krieges aus deren Finanzierung zurückgezogen haben. Deutsche Geldgeber haben sich schon seit den 1950er-Jahren immer wieder und in wachsendem Maße an der Finanzierung und Verwaltung dieser Häuser beteiligt. Sie wollten, dass diese Einrichtungen weiterhin bestehen. Als Ende der 1990er-Jahren und in den 2000er-Jahren die USA ihre Gelder ganz strichen, sprangen wiederum vielerorts Kommunen, Länder und andere Träger ein, um die Häuser zu erhalten. Überspitzt gesagt: Mittlerweile machen nicht mehr die USA, sondern die Deutschen Kultur- und Informationspolitik über die Amerikahäuser. Als Orte der Interaktion offenbaren sie also einen ganzen Mikrokosmos an lokalen Beziehungsdynamiken, der unsichtbar bleibt, wenn sich politikgeschichtliche Forschung zu den internationalen Beziehungen auf die Diplomatiegeschichte beschränkt. 3

4 Zweitens: Forschung zur auswärtigen Kultur- und Informationspolitik holt die Emotionen zurück in die Geschichte der internationalen Beziehungen. In Studien zu den internationalen Beziehungen ist häufig von Angst, Vertrauen, Erleichterung oder Enttäuschung die Rede. Doch werden diese Emotionen meist nur konstatiert, selten systematisch analysiert. Auswärtige Kultur- und Informationspolitik, zumal im Kalten Krieg, ist bestens geeignet, Emotionen als handlungsleitende Kategorien zurück in die Geschichte zu holen. Man kann sie nämlich als Vertrauenswerbung betrachten als Bemühen darum, Misstrauen zu überwinden und Vertrauen zu schaffen. Das Konzept der Soft Power verweist auf diese zentrale Funktion: Dieses Konzept besagt, dass Hegemonialmächte ihre Position nicht allein über harte Machtmittel und Zwang durchsetzen, sondern auch über weiche Faktoren, insbesondere die Anziehungskraft und Attraktivität ihrer Kultur, ihrer Werte, Ideen und Institutionen. Der amerikanische Einfluss in Deutschland und Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg ist das beste Beispiel. Die USA haben den Zweiten Weltkrieg zwar mit militärischen Mitteln gewonnen, doch ihr langfristiger Einfluss über ihre Attraktivität und über kulturelle Faktoren war um vieles nachhaltiger. Die Amerikahäuser setzten auf diese Anziehungskraft und nutzten sie für ihre Vertrauensarbeit im staatlichen Auftrag. Das bedeutete zum einen, ganz banal, die westdeutsche Bevölkerung mit den USA vertraut zu machen. Wen wir kennen, dem vertrauen wir leichter. Zum anderen ging es darum, Übereinstimmung im Sinne der USA zu erzeugen, also in der westdeutschen Gesellschaft den amerikanischen Blick auf die Dinge zu etablieren. Auch hier gilt wieder: Wir vertrauen demjenigen eher, der uns ähnlich ist. Das gilt auch in den internationalen Beziehungen. Wenn die politischen Ziele, Wertvor- 4

5 stellungen etc. den unseren ähnlich sind, sehen wir unsere Interessen beim anderen gut aufgehoben. Diese Aufgabe auswärtiger Kultur- und Informationspolitik ist nicht nur mit Blick auf verfeindete Staaten wichtig oder wenn es darum geht, unentschiedene Staaten auf die eigene Seite zu ziehen, sondern auch innerhalb von Bündnissen wie eben der NATO. Der Kalte Krieg bildete einen Rahmen, in dem es besonders wichtig war, immer wieder Übereinstimmung innerhalb des Bündnisses herzustellen und die Allianz nach innen zu stabilisieren. Die Amerikahäuser waren Teil dieser Stabilisierungspolitik. Drittens: Der Erfolg auswärtiger Kultur- und Informationspolitik bemisst sich auf mehr als einer Ebene. Ein guter Teil der Skepsis gegenüber auswärtiger Kultur- und Informationspolitik rührt aus der Schwierigkeit, ihre Erfolge oder Misserfolge klar zu benennen. Hat auch sie dazu beigetragen, den Kalten Krieg zu beenden und den Ostblock zu Fall zu bringen? Ist es auch ihr Misserfolg, dass viele Deutsche den Vietnamkrieg ablehnten oder nach dem NATO-Doppelbeschluss von den USA abrückten? Wann und wie merkt man, ob sich auswärtige Kultur- und Informationspolitik bezahlt macht? Erfolg kann nicht nur daran gemessen werden, ob das Zielpublikum seine Meinung in einer konkreten Frage ändert oder außenpolitische Ziele erreicht werden. Beides ist kaum zu messen. Sichtbar und messbar ist jedoch die deutsch-amerikanische Interaktion, die an und in den Amerikahäusern als Kristallisationskernen der deutschamerikanischen Beziehungen vor Ort über Jahrzehnte entstanden ist: als Orte der durchaus auch kontroversen Begegnung, als Foren des Austauschs, als Ankerpunkte für Netzwerke und Kooperationen. Sicher lief hier im Laufe der Jahrzehnte nicht alles optimal, solche Häuser waren und sind keine Selbstläufer. Kritik und Kontroversen gehörten und gehören ebenso dazu wie gelungene Programme. 5

6 Sichtbar und messbar ist, dass sich in vielen Städten Allianzen aus Bürgern und Politik bildeten, um ihr Amerikahaus zu erhalten, wenn die Schließung drohte. Dahinter steckt mehr als Nostalgie. Nostalgie öffnet nur begrenzt Geldbeutel, vor allem wenn man so leicht sagen könnte, es sei doch nun wirklich Aufgabe der USA, diese Häuser zu erhalten. Nostalgie lässt auch nicht Menschen regelmäßig solche Häuser besuchen. Die über die Jahre gewachsene Mitbeteiligung der deutschen Seite an den einstigen Amerikahäusern ist für mich der eindrucksvollste Beweis dafür, dass diese Form der Kulturpolitik als Erfolgsmodell betrachtet werden kann. Ich komme zum Schluss. Der Direktor der United States Information Agency unter Kennedy, der bekannte Journalist Edward Murrow, hat einmal gesagt: No cash register rings when a man changes his mind, und er hatte natürlich Recht damit. So schnell und eindeutig sind Erfolge in der Auswärtigen Kulturpolitik nicht sichtbar. Hier lohnt die Langzeitperspektive der Historiker: Sie macht Verflechtungen und Interaktionen sichtbar und sie zeigt Vermittlung zwischen Gesellschaften als Prozess als einen Prozess, der Vermittlungsinstanzen benötigt und damit Auswärtige Kulturpolitik. 6

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