Gibt es eine Harmonisierungslücke. Alkohol und Straßenverkehr - Regelungen innerhalb der EU

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1 Gibt es eine Harmonisierungslücke in Europa? Alkohol und Straßenverkehr - Regelungen innerhalb der EU Jacqueline Lacroix Deutscher Verkehrssicherheitsrat Bonn Referatsleiterin Europa und Verkehrsmedizin Folie 1

2 Überblick Alkoholkonsum in Europa Einschätzung des Alkoholproblems im Straßenverkehr in der EU Alkoholunfälle in der EU Gesetzeslage in der EU und den MS Gegenmaßnahmen - Beispiele Folie 2

3 Alkoholkonsum nach WHO-Regionen erfasster Konsum geschätzter Konsum Reiner Alkohol in Ltr. (% des gesamten Pro-Kopf-Konsums) WHO Regionen (2010) Quelle: WHO Global status report on alcohol and health 2014 Folie 3

4 Alkoholkonsum nach WHO-Regionen Statistisch erfasster Alkoholkonsum pro Kopf (Konsumenten über 15 J. in %) Andere Spirituosen Wein Bier WHO Regionen (2010) Quelle: WHO Global status report on alcohol and health 2014 Folie 4

5 Alkoholkonsum in der EU Alkoholkonsum pro Kopf (ab 15 Jahre) (in Liter reinen Alkohols) 18,0 16,0 14,0 12,0 10,0 8,0 6,0 4,0 2,0 0,0 Ø 12,3 Ø 11,3 Grüne Säulen: Ø Blaue Säulen: Ø Quelle: WHO Global status report on alcohol and health 2014, country reports, eigene Darstellung Folie 5

6 Alkoholkonsum in Deutschland Verbrauch je Einwohner an Reinalkohol ,2 12,9 12,1 10,5 9,6 9,8 9,7 9,7 7,8 Liter Liter Jahr Jahr korrigierte Schätzung Vorläufige Schätzung Quelle: Jahrbuch Sucht 2015, DHS 2015 Folie 6

7 Alkoholkonsum in Deutschland Verbrauch je Einwohner an Bier, Wein, Schaumwein und Spirituosen 107,4 107,2 107,3 106,6 Liter Fertigware 20,5 20,2 20,8 21,1 3,9 5,4 4,1 5,4 4,2 5,5 4,0 5, Bier Wein Schaumwein Spirituosen korrigierte Schätzung Vorläufige Schätzung Quelle: Jahrbuch Sucht 2015, DHS 2015 Folie 7

8 Probleme im Bereich des Straßenverkehrssicherheit Quelle: Eurobarometer 2010 Folie 8

9 Probleme im Bereich der Straßenverkehrssicherheit Fahren unter Alkoholeinfluss Quelle: Eurobarometer 2010 Folie 9

10 Alkoholisierte Fahrer Fahren unter Alkoholeinfluss ist in Europa weit verbreitet: Bis zu 1,5-2% der innerhalb der EU gefahrenen Kilometer werden mit einem gesetzlich unzulässigen Blutalkoholwert zurückgelegt. 15% der Verkehrsunfalltoten im Jahr 2013 starben nach Angaben der Mitgliedsstaaten durch alkoholbedingte Verkehrsunfälle. Die EU schätzt jedoch einen Wert zwischen 19% - 28%. Alkohol war die Unfallursache bei ca. 30% der getöteten Fahrer in der gesamten EU. Alkoholbedingte Verkehrsunfälle sind die Haupttodesursache der Jährigen. Quelle: ETSC, 2015 Folie 10

11 Getötete durch Alkoholunfälle in der EU Rückgang der alkoholbedingten Unfälle (22 EU-Mitgliedsländer 2001 bis 2010) Deaths attributed to drink driving Other road deaths Folie 11

12 Getötete durch Alkoholunfälle in der EU AT BE HR CY CZ DK 64 EE FI FR DE EL HU LV LT 32 LU 11 NL 18 PL RO SK SI ES SE GB Anmerkung: Für den angegebenen Zeitraum sind keine Zahlen aus Irland, Italien, Malta und Portugal verfügbar. Quelle: ETSC, PIN Programme Folie 12

13 Ein unvollständiges Bild Unvollständige Datenermittlung und sammlung. Personen versterben auch Tage nach dem Unfallereignis - zu spät, um Blutalkoholwerte zu ermitteln. Das Testen Getöteter ist in einigen Ländern nicht erlaubt. Kosten für Autopsien getöteter Fahrer sind besonders hoch, insbesondere wenn Fahrer nicht mehr belangt werden können. Zeitaufwendige Ermittlung: Polizei muss bei Krankenhäusern formell die Ergebnisse der Autopsien anfordern. Aus Datenschutzgründen werden Ergebnisse an die Polizei nicht weiter gegeben. Folie 13

14 Alkoholgrenzwerte in der EU Immer mehr EU-Mitgliedsländer haben ihre zulässigen BAK- Höchstwerte zur Angleichung an die Höchstwerte der EU- Empfehlung aus dem Jahr 2001 herabgesetzt. In 18 EU-Mitgliedsstaaten gelten geringere BAK- Grenzwerte für Fahranfänger (0,0 bis 0,2 ). In 18 EU-Mitgliedsstaaten gelten geringere BAK- Grenzwerte für Berufskraftfahrer (0,0 bis 0,2 ). Allgemeiner BAK- Wert BAK Berufs-kraftfahrer BAK Fahranfänger Belgien 0,5 0,2 0,5 Bulgarien 0,5 0,5 0,5 Dänemark 0,5 0,5 0,5 Deutschland 0,5 0,0 0,0 Estland 0,2 0,2 0,2 Finnland 0,22 0,22 0,22 Frankreich 0,5 0,5 (0,2 Busfahrer) 0,5 Griechenland 0,5 0,2 0,2 Vereinigtes Königreich 0,8 0,8 0,8 Irland 0,5 0,5 0,2 Italien 0,5 0,0 0,0 Lettland 0,5 0,5 0,2 Litauen 0,4 0,2 0,2 Luxemburg 0,5 0,2 0,2 Malta 0,8 0,8 0,8 Niederlande 0,5 0,5 0,2 Österreich 0,5 0,1 0,1 Polen 0,2 0,2 0,2 Portugal 0,5 0,5 0,5 Rumänien 0,0 0,0 0,0 Schweden 0,2 0,2 0,2 Slowakei 0,0 0,0 0,0 Slowenien 0,5 0,0 0,0 Spanien 0,5 0,3 0,3 Tschechien 0,0 0,0 0,0 Ungarn 0,0 0,0 0,0 Zypern 0,22 0,22 0,22 Folie 14

15 Kenntnisse über Regelungen zu Alkoholgrenzwerten im eigenen Land Durchschnittlich kannten nur 27% der Befragten den gesetzlich zulässigen Alkohol-Grenzwert in ihrem Land. 36% gaben eine falsche Antwort. 37% kannten den Grenzwert überhaupt nicht. Weiß nicht D: 53% r 35% f 12% wn Antworten fallen EU-weit sehr unterschiedlich aus: CZ: 75 % r ; IT: 0% r SE: 48% f ; BE: 82 % f MT: 91% wn 47% richtig Aufklärungsbedarf vorhanden! falsch Quelle: Eurobarometer 2010 Folie 15

16 Anzahl möglicher Drinks bis zum Erreichen des Alkoholgrenzwertes 0 Drinks 1-2 Drinks 3-4 Drinks 5 und mehr Drinks Quelle: SARTRE 4 Bericht, 2012 Folie 16

17 Prozentualer Anteil der PKW-Fahrer, die bei vorsichtiger Fahrweise das Fahren unter Alkoholeinfluss für machbar halten Quelle: SARTRE 4 Bericht, 2012 Folie 17

18 Alkoholisierte Fahrer DRUID-Projekt Hauptergebnisse: Alkohol ist nach wie vor bei weitem die psychoaktive Substanz Nr. 1. Durchschnittlich 3,48% aller Fahrer in der EU waren alkoholisiert. In den östlichen EU-Staaten ist die Prävalenz von Alkohol (und Drogen) geringer als in den westlichen Ländern. Weiterer Teilnehmer: Schweden Quelle: DRUID, D , 2011 Folie 18

19 Trunkenheitsfahrten auch nach geringem Alkoholgenuss (in %, vergangener Monat) Prozent Nie Selten Manchmal Quelle: SARTRE 4 Bericht, 2012 Folie 19

20 Häufigkeit von Fahrten mit einem BAK über dem gesetzlichen Grenzwert (in %, vergangener Monat) Nie Selten Manchmal Quelle: SARTRE 4 Bericht, 2012 Folie 20

21 Alkoholkontrollen Positive Testergebnisse je Einwohnern (2010) Alkoholtests für Fahrer sind die Ausnahme: Tests bei nur 20% der Fahrer SARTRE 2007: Nur 26% werden getestet Viele betrunkene Autofahrer sind Gewohnheitstrinker Quelle: Drink Driving: Towards Zero Tolerance, ETSC 2012 Folie 21

22 Anzahl der Alkoholkontrollen in den letzten 3 Jahren Nie 1 Mal Mehr als 1 Mal Quelle: SARTRE 4 Bericht, 2012 Folie 22

23 Unterstützung für den aktuell gültigen BAK Null Promille Grenzwert senken Grenzwert beibehalten Quelle: SARTRE 4 Bericht, 2012 Folie 23

24 Unterstützung für ein Alkoholverbot Änderung von SARTRE 3 zu SARTRE 4 in Prozentpunkten Quelle: SARTRE 4 Bericht, 2012 Folie 24

25 Bußgelder wegen Trunkenheit am Steuer Ab Griechenland Kroatien Belgien Frankreich Luxemburg Polen Rumänien Tschechien Zypern Bulgarien Irland Lettland Litauen Portugal Estland Island Niederlande Österreich Schweiz Slowenien Deutschland Italien Norwegen Slowakei Spanien Ungarn GB Malta Dänemark* Finnland** Schweden** Stand: April 2014, Quelle: ADAC * Berechnung nach Nettomonatsverdienst ** Berechnung nach Monatsverdienst und Tagessätzen Folie 25

26 Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit seitens der Regierung Quelle: Eurobarometer 2010 Folie 26

27 Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit seitens der Regierung Quelle: Eurobarometer 2010 Folie 27

28 Problemlösung Reduzierung der Alkoholverfügbarkeit Trennung von Trinken und Fahren Reduzierung Verkaufsstellen Erhöhung Preise/Steuern Erhöhung Mindestverkaufsalter Alkohol- Interlocks Programme zum alkoholfreien Fahrer ÖPNV Folie 28

29 Problemlösung Überwachung / Kontrolle VEA (mit Intervention) BAK-Grenzwerte Zufällige Atemalkoholtestests Sanktionen VE in Schulen und Fahrschulen Rehabilitationskurse für alkoholauffällige Fahrer Kampagnen Förderung einer Sicherheitskultur Folie 29

30 Alkohol-Interlocks in der EU präventiv repressiv Weitergehende Informationen: Auch in Norwegen und der Schweiz befinden sich derzeit Gesetze für Alcolocks bei Reha-Programmen in Vorbereitung. Folie 30

31 Präventionsbeispiel national Ansatz: "Designated Driver" Umsetzung: Auf lokaler Ebene, z.b. Polizeidirektionen Partner: Gaststätten und Kneipen, Diskotheken, Berufsschulen Koordinatoren: Polizei, KVW Mögliche künftige Umsetzung mit BGN Folie 31

32 Präventionsbeispiel europäisch Sensibilisierungskampagne zur Verkehrssicherheit Ansprache durch Freiwillige In allen Diskotheken in der EU Jedes Jahr am 3. Samstag im Oktober 1995 Beginn der Aktion in Belgien als "Responsible Young Drivers" 2003 Unterstützung durch die EU-Kommission und 4 weitere Länder Anzahl teilnehmender Länder: 2013 Teilnahme aller 28 EU-Mitgliedsstaaten mit 900 Freiwilligen und 300 Diskotheken und Ansprache von jungen Leuten. Weitergehende Informationen: Folie 32

33 Empfehlungen des ETSC Null Toleranz für Alkohol am Steuer! Strengere Strafverfolgung durch strengere Regeln zur Überprüfung der Fahrzeugführer durch Alkoholtests: Als Mindestregelung sollten jährlich 20% der Fahrer überprüft werden. Einführung von systematischen Atemalkoholtests bei allen Polizeikontrollen im Zusammenhang mit generellen Kontrollen oder Unfällen Reha-Programme und höhere Strafen zur Senkung der Rückfallquoten Durchführung regelmäßiger nationaler Sensibilisierungskampagnen bezüglich der Gefahren durch Alkohol am Steuer Verstärkter Einsatz von Alkoholwegfahrsperren Quelle: ETSC (2013) Drink-Driving, Towards Zero Tolerance Folie 33

34 Vielen Dank! Folie 34

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